Anja Baumheier

Kastanienjahre

Ein anderes Land. Ein anderes Leben.
Zwei Orte gibt es, die für Elise Heimat bedeuten: Paris, wo sie seit über 20 Jahren eine kleine Boutique im Montmartre führt; und Peleroich, das verschlafene Dorf an der mecklenburgischen Ostseeküste. Hier wächst sie in den 60er Jahren auf, hier lernt sie Henning und Jakob kennen, die beiden Lieben ihres Lebens. Henning, der Fels in der Brandung, den sie seit Kindertagen kennt, Jakob, der Frauenschwarm, der Künstler werden will und wie sie davon träumt, einmal den Eiffelturm zu sehen. Eine fatale Dreiecksbeziehung voller Geheimnisse - bis Jakob eines Tages spurlos aus Elises Leben verschwindet.
Als Elise nach vielen Jahren in ihr Heimatdorf zurückkehrt, taucht sie tief ein in ihre eigene Vergangenheit und in die Geschichte von Peleroich, wo ihre Eltern sich kurz nach Gründung der DDR kennenlernen…
Anja Baumheier erzählt von einem malerischen Dorf und dem Schicksal seiner Bewohner zwischen Gründung der DDR, Mauerbau und Nach-Wendezeit.


Autorenbild Foto von Anja Baumheier

Der  Autor

Anja Baumheier wurde 1979 in Dresden geboren und hat ihre Kindheit in der DDR verbracht. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Berlin und arbeitet als Lehrerin für Französisch und Spanisch an einer Berliner Schule. 2018 erschien mit "Kranichland" ihr erster Roman.


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Rezensionen

hasi_rasi

Beiträge 103
31.08.2019

Windflüchter

... sind Bäume (vor allem an der Küste), deren Wuchsform vom Wind bestimmt wird. Sie brechen nicht bei Sturm, sondern beugen sich, biegen sich, passen sich an.

Als Windflüchter könnte man auch einige Bewohner Peleroichs bezeichnen, ein kleines Dorf an der Ostseeküste an der Grenze zum „Westen“, dessen Geschichte Anja Baumheier in „Kastanienjahre“ erzählt.

Alles beginnt 1950, als Karl und Christa in der Dorfschule nebeneinander sitzen. Jahre später darf Karl, der den Wald und die Küste liebt, seinen Beruf als Förster nicht länger ausüben, da er sich weigert, an der neu erbauten Grenze für die Stasi zu spionieren. Seine Mutter wehrt sich jahrelang dagegen, in die LPG einzutreten, aber der Bürgermeister will nun mal ein Vorzeigedorf aus Peleroich machen. Und auch andere lehnen sich auf: der Bäcker will die Fahnen zum 1. Mai nicht raushängen und der Konsumbetreiber schreibt regelmäßig Eingaben an Walter Ulbricht, weil er nichts hat, was er verkaufen kann – etwas, was man sich wahrscheinlich nur vorstellen kann, wenn man es miterlebt hat. So wie ich. 1974 in Dresden geboren und aufgewachsen, habe ich viele Szenen wiedererkannt, die im Buch beschrieben werden. Den Mangel an alltäglichen Dingen und unseren Einfallsreichtum, um sie zu ersetzen, Angst vor Spitzelei und Denunziation, Berufswünsche, die Träume bleiben mussten, Freunde, die plötzlich verschwunden waren, weil sie „abgehauen“ sind oder die Ausreise genehmigt wurde.
Auf die Ausreise hofft auch Jakob jahrelang. Er ist Künstler und Elises Freund, aber nicht ihr Ehemann, das wiederum ist Henning, den sie von klein auf kennt. Aber als sich Henning und Elise nach dessen Armeezeit auseinander leben, wird Jakob immer wichtiger für sie. Sie träumen gemeinsam von Paris, doch eines Tages ist er plötzlich verschwunden.

Elise ist Karls und Christas Tochter. Sie arbeitet als Näherin in einem großen Betrieb und lebt ihre Kreativität zu Hause aus, wo sie aus Stoffresten eigene Modelle schneidert. Nach der Wende und Wiedervereinigung – die sich die Peleroicher wie so viele DDR-Bewohner eigentlich anders vorgestellt hatten )„Ich fühle mich überrumpelt und femdbestimmt. ... Was ist aus den Ideen geworden, die DDR demokratisch zu erneuern?“ (S. 340)) – geht Elise doch noch nach Paris und übernimmt eine Boutique, aber ihre Heimat kann sie nie vergessen, genau so wenig wie Jakob. Sie sucht jahrelang nach ihm, hofft, dass er noch lebt, obwohl die Vernunft dagegen spricht. Als sie 20 Jahre später einen Brief bekommt, in dem ihr ein „Freund“ schreibt, dass er Schuld am Tod ihres Vaters und Jakobs Verschwinden ist, kommt alles wieder hoch. Sie soll nach Peleroich kommen, dann erklärt er ihr alles. Wer steckt hinter den Briefen und was ist damals wirklich passiert?

Wie schon bei „Kranichland“, ist es Anja Baumheier auch in diesem Buch wieder gelungen, ein erschreckend authentisches und reales Bild der DDR zu zeichnen. Elises Geschichte und die ihrer Familie ist eng mit der des Dorfes verknüpft. Schon während der DDR spaltet sich Peleroich in 2 Lager, die Regimetreuen und die -gegner und nach der Wende zerfällt es immer mehr – am Ende bleibt ein Geisterdorf, dass eingeebnet werden soll.

Anja Baumheier schreibt über Hoffnungen und Sehnsüchte, über eine dörfliche Idylle, die keine ist, über Mangelwirtschaft und Nachbarschaftshilfe, offene Freund- und versteckte Feindschaft, über Fluchthelfer und die Stasi und dass man sich nie sicher sein kann, wer auf welcher Seite steht. Trotzdem malt sie nie schwarzweiß. Es war nicht alles schlecht, aber eben auch nicht alles gut. Ein sehr berührendes Buch, das meine Vergangenheit wieder lebendig gemacht hat. #gegendasvergessen

sommerlese

Beiträge 90
29.08.2019

Dieser Roman ist wunderbar zu lesen, auch wenn hier geschichtliche Vorgänge sehr realistisch beschrieben werden. Es beginnt mit der Gründung der DDR, wir erleben den Mauerbau und die Nach-Wendezeit. Der Autorin gelingt es sehr einfühlsam, diese Zeit spürbar und sichtbar zu machen.

Sie zeigt die Entwicklung der Betriebe hin zu LPGs, den Mangel an Konsumgütern und wie das sozialistische Denken um sich greifen konnte. Aber viel entscheidender sind die Schilderungen von
Bespitzelung und Denunziation durch die Stasi, die Ausreiseschwierigkeiten und die Fluchtversuche und Fluchthilfe. Man kann diese Lebensumstände unglaublich nah und bewusst nachvollziehen.

Auch die spätere Wiedervereinigung und der regelrechte Konsumschock für die Ex-DDR-Bürger hat mich an die damalige Zeit sehr erinnert.
Durch eigene Verwandte aus dem Osten habe ich die Vorgänge in der DDR zeitlebens gehört, ich weiß einiges über die Parteimenschen, den Sozialismus und die Gängelung von oben in der DDR und daran hat mich dieser Roman erinnert und erneut tief bewegt.

Anja Baumheier vermag mich mit ihrem leichten Erzählstil auf diese außergewöhnliche Zeitreise mitzunehmen und bringt mir die Zwänge und Schwierigkeiten der DDR-Bewohner sehr realistisch nahe. Viele haben unter dem politischen Druck und dem Verrat gelitten, einige konnten das aushalten und suchten den Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft, andere litten unter der Bespitzelung und suchten ihre Chance in der Flucht.


Durch die gut gezeichneten Romanfiguren erlebt man ihre Gefühle, ihre Sehnsüchte, ihre Liebe, doch sie können sich nicht eindeutig entscheiden, stehen unter dem politischen Druck des Sozialismus, sie entwickeln ihre eigenen Methoden, um damit umgehen zu können.

Auch wenn ich die Verstrickung dieser Liebesgeschichte zwischen Elise und Henning und Jakob gerne miterlebt habe, so hat mich nicht so sehr ergriffen, wie die sie umgebende deutsch-deutsche Geschichte.



Die Autorin versetzt ihre Leser sehr authentisch in die DDR-Zeit, sie zeigt die Probleme offen auf, beschönigt nichts, betrachtet ehrlich und macht sehr gut deutlich, wie die Wende für manche kleinen Orte den Untergang eingeleitet hat. Wer sich für deutsch-deutsche Geschichte und die Menschen im besonderen interessiert, wird hier einen sehr interessanten und bewegenden Roman vorfinden.

Skandinavischbook

Beiträge 12
07.12.2019

    Meinung :
    Wow, ein großartiges Buch, welches mit literarischer Raffinesse und Feinfühligkeit komplett zu überzeugen weiß.
    Wie es die deutsch sprachige Autorin Anja Baumheier schafft, die jüngste deutsche Geschichte, durch die Augen ihrer Protagonisten authentisch zu schildern ist mehr als bemerkenswert. Doch neben den historischen Fakten, die spielerisch und mit größter Freunde, dem Leser erzählt werden, schafft es die Autorin auf so menschliche und anrührende Weise, Charaktere zu erschaffen, die das Leserherz erwärmen und zu tiefst berühren. Eine großartige Geschichte, die lehrreich , faszinierend gut geschrieben ist und dem Leser so viel über das Leben mitgeben kann, dass dieses Buch einfach nur bereichernd ist.

    Mein Fazit:
    Ein wunderbarer Roman, mit anrührenden und so lebendigen Charakteren, dass man vergisst ein Buch in der Hand zu halten!

    KerstinT

    Beiträge 50
    19.11.2019

      Die Schatten der DDR reichen bis in die Gegenwart

      Peleroich ist ein kleines Dorf an der Ostseeküste – es liegt in der ehemaligen DDR. Heute ist es ein eher verlassenes Örtchen und soll verkauft werden. Hinter diesem Hintergrund trommelt ein unbekannter Briefschreiber ehemalige Bürger dieses Dorfes zusammen. Er hat ein Geheimnis zu verkündigen und möchte nun – fast dreißig Jahre nach der Wende – sein gewissen reinwaschen. Auch Elise begibt sich nach Peleroich, obwohl sie in Paris ein neues Leben angefangen hat. Wird sie nun endlich erfahren, was mit ihrem Vater und ihrem Freund Jakob wirklich passiert ist?

      Dieser Roman ist in zwei Zeitebenen geschrieben. Einmal die Gegenwart, die als roter Faden durch die Geschichte führt. Und die Vergangenheit, die in entsprechenden Zeitsprüngen erzählt wird. Da die Handlung der Vergangenheit in Peleroich spielt, kommen sehr viele Personen zu Wort. Hier kam ich etwas ins Schlittern und habe mich immer wieder in den Generationen geirrt. Vor allem bei Elise und ihren Eltern kam ich gerne durcheinander. Dann gibt es noch ein Wirtshauspaar, welche ich leider immer in eine Generation zu hoch eingestuft habe, wodurch die Logik flöten ging. Wieso mir das andauernd passierte kann ich nicht sagen. Die Namen sind auf jeden Fall unterschiedlich genug! Vielleicht wirkten sie vom Charakter her einfach jünger. Die Charaktere an sich, waren aber gut ausgearbeitet und recht unterschiedlich. Sehr schön kam hier heraus, wie die unterschiedlichen berufsgruppe unter dem DDR-Regime litten. Nicht nur die Vergangenheit ist spannend, sondern auch die Gegenwart. Auf den ersten Seiten erfährt der Leser, dass Elise krank zu sein scheint. Ist sie ernsthaft krank oder ist es nur der momentane Stress? Auch der Briefschreiber scheint nicht der fitteste zu sein.
      Der Schreibstil ist angenehm und flott zu lesen. Allerdings muss ich sagen, dass mir „Kranichland“, Baumheiers Erstlingswerk, mir besser gefallen hat. Dieses war mir irgendwie emotionaler und tiefgehender.
      Dennoch habe ich diesen Roman gerne gelesen und vergebe vier von fünf Sternen.

      Gina1627

      Beiträge 11
      28.10.2019

        Hier wurde ein Stück deutsche Zeitgeschichte fesselnd erzählt!
        „Kastanienjahre“ war ein total entspanntes und fesselndes Leseerlebnis. Wunderbar werden hier Lebensgeschichten von Menschen mit Zeitgeschehnissen aus der ehemaligen DDR und der anschließenden Wende erzählt.

        Mysteriöse Briefe und ein Zeitungsartikel ihrer Freundin Marina aus Deutschland offenbaren Elise Petersen, dass ihr ehemaliger Heimatort Peleroich dem Erdboden gleich gemacht werden soll. Über zwanzig Jahre ist es schon her, dass sie nach Paris ausgewandert ist, um sich dort einen Lebenstraum als Designerin und Inhaberin einer kleinen Boutique zu erfüllen. Sofort kommen Erinnerungen an das idyllisch gelegene Dorf an der mecklenburgischen Ostseeküste, ihre Eltern, ihre Kindheit und ihre Liebe zu zwei ganz unterschiedlichen Männern hoch. Henning gab ihr Halt und war immer für sie da, doch Jakobs Liebe erfüllte sie unendlich und sie konnte es nie überwinden, dass er von einen auf den anderen Tag plötzlich verschwunden war. Ihre Hoffnung, dass er noch lebt und sie sich irgendwann einmal wieder gegenüberstehen werden, hat sie bis heute nicht aufgegeben. Elise reist nach Peleroich und hofft mehr von dem unbekannten Briefeschreiber zu erfahren.

        „Kastanienjahre“ war mein erstes Buch von Anja Baumheier das ich gelesen habe. Ihr leicht zu lesender und sehr angenehmer Schreibstil hat mir gut gefallen. Durch die zwei zeitlich unterschiedlichen Erzählstränge und die Neugierde, wer und was hinter dem anonymen Verfasser der Briefe steckt, bin ich nur so durch die Geschichte geflogen. Mit sehr interessanten und auch aufreibenden Charakteren schafft es die Autorin, dass man die menschlichen und politischen Entwicklungen der damaligen Zeit, hautnah noch einmal miterlebt. Die sozialistischen Ideale, politischen Gängelungen und Propagandamaßnahmen, aber auch die Bevormundung der Bevölkerung und ihre Angst, ihr Misstrauen und ihre Vorsicht gegenüber jedem, hat Anja Baumheier sehr gut dargestellt. Hier wurde nicht zu tief gegraben, sondern einfach nur eindringlich und ehrlich erzählt.

        Richtig gereizt hat mich im Buch der unsympathische Charakter von Bürgermeister Ludwig Lehmann. Er verkörpert sehr authentisch die Menschen, die als eingeschworenes Parteimitglied ihre Macht aus ihrer Position heraus ausüben und die Dorfbewohner von Peleroich durch Spionage, Kontrollen, Verwarnungen und Strafen in Schach halten. Warmherzig erzählt, empfand ich das Leben von Christa und Karl, und ihrer gesundheitlich etwas angeschlagenen Tochter Elise. Sie waren mir sofort sympathisch. Elises zwiegespaltene Liebe zwischen zwei Männern hat mich gefühlsmäßig etwas hin und hergerissen. Henning ist ihr Fels in der Brandung, der mit seinem Leben zufrieden ist und nicht auffallen und anecken will und Jakob verkörpert den Frauenschwarm, der von einem selbstbestimmten Leben träumt und sich der Kunst widmen möchte. Schon früh herrscht ein Konkurrenzkampf zwischen beiden, der immer mal wieder aufflammt. Für mich hätte diese Dreiecksbeziehung ruhig noch etwas ausdrucksstärker durch tiefere Gefühle und Emotionen dargestellt werden können. Die ganze Zeit rätselt man während dem Lesen, wer hinter dem Verschwinden von Jakob steckt und ich war nicht ganz überrascht über die schicksalhafte Auflösung, dafür aber über die Entschlüsselung der Frage, wer der unbekannte Verfasser der Briefe ist und welche Beweggründe ihn hier angetrieben haben. Sehr schön empfand ich den Ausblick auf Elises weitere und positiv erscheinende Zukunft.

        Mein Fazit:

        Anja Baumheier hat mir mit Kastanienjahre wundervolle Lesestunden geschenkt und den Wunsch erzeugt, jetzt unbedingt auch noch ihren Roman Kranichland lesen zu wollen. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen der Geschichten mit historischem Hintergrund liebt. Sehr gerne vergebe ich hierfür 4 Sterne.

        Waterlilly

        Beiträge 7
        27.10.2019

          Elise lebt als Modedesignerin in Paris. Eines Tages erhält sie einen anonymen Brief. Sie soll zurück nach Peleroich, ihrem Geburtsort kommen, wenn sie die Wahrheit über den Tod ihres Vaters und das Verschwinden ihrer Jugendliebe Jakob erfahren möchte.
          Sie reist in das kleine Dorf ihrer Kindheit, welches mittlerweile zum Geisterdorf mutiert ist und kurz vor dem Abriss steht. Elise trifft auf alte Freunde, Menschen, die ihre Kindheit und Jugend geprägt haben und mit denen sie sich noch immer stark verbunden fühlt.

          In Rückblicken wird Elises Leben erzählt, beginnend mit ihren Eltern Christa und Karl, die sich schon als Kinder kennenlernten und später heirateten.
          Der Roman beschreibt, wie sich das Leben der Dorfbewohner ein ums andere Mal änderte. Von der Gründung der DDR, den Schikanen und Entbehrungen. Vom Verlust der freien Meinungsäußerung und Berufswahl. Das Leben in Peleroich ist nicht einfach, doch Freundschaften geben Halt.
          Auch der Mauerfall wird in „Kastanienjahre“ nicht glorifiziert. Nach der Wende sind die Bewohner zwar frei, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, aber die Tage ihrer Heimat sind gezählt. Große Ketten ruinieren den Einzelhandel, die Geschäfte müssen schließen und immer mehr Bewohner ziehen in die Stadt.

          Anja Baumheier hat diese Geschichte sehr eindrucksvoll erzählt. Die 400 Seiten umfassen mehre Jahrzehnte. Die Zeitsprünge zwischen den einzelnen Kapiteln tun dem Lesefluss keinen Abbruch. Der Roman las sich zu jeder Zeit flüssig und fesselnd.
          Der Klappentext erwähnt eine Dreiecksgeschichte, die gibt es zwar tatsächlich, aber „Kastanienjahre“ ist kein übertrieben romantisches Buch.
          Es steht nicht unbedingt die Liebe an sich im Zentrum, sondern eher eine Gruppe von Menschen und ihr Alltag im Wandel der Zeit.
          Dieser Roman beschreibt ein Stück Zeitgeschichte und gibt dem Leser Einblicke in das Leben in der DDR. Für mich war es eine kurzweilige und interessante Lektüre, die ich gerne mit 5 Sternen bewerte.

          Hermione

          Beiträge 15
          13.10.2019

            Ein sehr eindringlicher Roman, spannend erzählt:

            Peleroich ist ein kleines Dorf an der mecklenburgischen Ostseeküste, in dem Elise zu DDR-Zeiten aufgewachsen ist. Inzwischen lebt sie in Paris, als sie erfährt, dass das Dorf ggf. dem Erdboden gleich gemacht werden soll, wenn sich kein Investor findet.
            Da bricht sie zusammen mit ihrer Freundin auf – zurück in den Ort, in dem sie Henning und Jakob kennenlernte, die zwei Männer, mit denen sie aufwuchs und mit denen sie viel verbindet.
            Eine fatale Dreiecksbeziehung – bis Jakob eines Tages spurlos aus Peleroich verschwand.
            Wird Elise vielleicht etwas mehr Licht ins Dunkel bringen und einige Geheimnisse ihrer Vergangenheit lüften können?

            Meine Meinung:
            Die Handlung ist unheimlich dicht erzählt und findet auch diversen zeitlichen Ebenen mit vielen, vielen handelnden Personen aus Peleroich über diverse Generationen statt. Ich hatte manchmal kleinere Schwierigkeiten den Überblick über die verschiedenen Charaktere zu behalten und musste mich schon sehr konzentrieren, um immer genau zuordnen zu können, in welcher zeitlichen Perspektive wir uns gerade befanden.

            Insgesamt hat mich die Geschichte aber sehr beeindruckt, weil man einen guten Einblick in den Alltag in der DDR bekommen hat. In der Erzählung kam sehr gut eine bedrohliche Atmosphäre rüber, wenn es darum ging, wie die Leute bespitzelt und bevormundet wurden. Auch dass an allem Mangel herrschte, wurde sehr eindringlich dargestellt.
            Sehr interessant fand ich auch, wie die Zeit nach der Wende erzählt wurde, als Billigläden und irgendwelche Kredithaie die neuen Bundesländer überfluteten und manches Gute, Bewährte nicht mehr weiter existierte.

            Die Personen fand ich interessant angelegt, aber leider nicht bis ins letzte gut gezeichnet. Vieles blieb – vielleicht auch durch die vielen Perspektiven und zeitlichen Sprünge – an der Oberfläche, so dass ich bis zum Schluss mit den Protagonisten nicht richtig warm geworden bin. Sie blieben für mich einfach zu sperrig.

            Der Stoff insgesamt hat mich aber so sehr beschäftigt, dass ich sogar von dem Roman geträumt habe!

            Fazit:
            Ein sehr interessanter Stoff, der eindringlich erzählt wird, aus dem man aber meines Erachtens noch ein bisschen mehr hätte machen können.

            yellowdog

            Beiträge 3
            06.10.2019

              Der Roman deckt einen großen zeitlichen Abschnitt ab und stellt das Leben in Peleroich, einem Dorf in der DDR, in den Mittelpunkt. Es geht ab 1950 durch die Zeit der DDR bis zur Wende und Nachwendezeit. Es wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheitspassagen und erzeugt damit verschiedene Blickwinkel auf das Geschehen.

              Man erreicht leicht Zugang zu den Hauptfiguren Elise und Jakob, Karl und Christa sowie Friedrich. Eigentlich sind alle nicht ganz angepasst in der DDR, aber auch keine Widerständler. Sie fühlen sich dort zu Hause! Nur Friedrich engagiert sich und arbeitet heimlich als Fluchthelfer. Jakob stellt immer wieder Ausreiseanträge, die nicht bewilligt werden. Als Negativfigur wird der 100%zig überzeugte Sozialist, der Genosse und Bürgermeister Ludwig eingesetzt.

              Dadurch, dass entscheidende Ereignisse sich hauptsächlich auf das eine Dorf beschränken und das noch über Jahrzehnte hinweg, wird es zu einem universalen Ort, der stellvertretend steht. Das ist geschickt gemacht.

              Der Roman ist geschmeidig geschrieben. Anja Baumheier hat ihren eigenen Ton!

              Furbaby Mom

              Beiträge 9
              02.10.2019

                Eine emotionale Reise in die Vergangenheit.

                Ich habe Anja Baumheiers Werk als Hörbuch genießen dürfen, wundervoll interpretiert und stimmungsvoll gelesen von Sprecher Wolfgang Berger, dessen Stimme eine ausgezeichnete Wahl für diesen Roman war. Besonders hervorheben möchte ich Herrn Bergers angenehmes Lesetempo, wohl gewählte Intonation und seine deutliche Aussprache, welche die ohnehin mitreißende Wirkung der Geschichte noch verstärkt haben.

                Als junges Mädchen hätte sich die modebewusste Elise nie träumen lassen, dass sie eines Tages ihre eigene Boutique in Paris leiten würde. Die französische Hauptstadt war seit jeher ihr Sehnsuchtsort gewesen, hatte sie fasziniert und zum Lernen der Sprache motiviert – doch sie hatte sich damit abgefunden, dass eine Reise dorthin wohl für immer Wunschdenken bleiben würde, denn Elise lebte in der DDR. Während die Gedanken eines jeden Menschen frei sein mögen, waren die Einwohner des kleinen (fiktiven) mecklenburgischen Dorfes Peleroich, Elises Heimat, alles andere als das. Sie lebten ein eingeschränktes Leben, geprägt von Mangel an Konsumgütern, Angst vor Stasi-Bespitzelung und dem Parteifanatismus ihres Bürgermeisters Ludwig, der Peleroich zum Vorzeigeort des Sozialismus machen wollte. Und doch fanden sie einen Weg zwischen Anpassung und Aufgabe, lernten zu improvisieren und ihr Glück in dem Erreichbaren zu suchen.

                Dies ist eine Geschichte über die Menschen, die einst in Peleroich (das nun, bald 30 Jahre nach der Wende, abgerissen werden soll) gelebt haben. Das idyllisch gelegene Örtchen, umgeben von dichtem Wald und nahe des Ostseestrandes, ist mittlerweile wie ausgestorben. Die meisten Läden haben vor Jahren geschlossen, die Einwohner sind verstorben oder haben sich ein neues Zuhause gesucht. Manche von ihnen waren bereits zu DDR-Zeiten plötzlich wie vom Erdboden verschluckt und hinterließen eine klaffende Lücke in der Gemeinschaft. – So wie Jakob, für den Elise immer einen besonderen Platz in ihrem Herzen bewahrt hat; Jakob, den sie von klein auf gekannt und als junges Mädchen verträumt angeschaut hatte. Was war ihm zugestoßen? Hatte er eine Flucht in den Westen gewagt? Ihr beider gemeinsamer Freund, Henning, ist ebenfalls verliebt in Elise. Obwohl er so ganz und gar anders ist als der Frauenschwarm Jakob, entwickelt Elise Gefühle für ihn.

                Paris, 2018: Noch immer hängt das Gemälde mit dem treffenden Titel 'Verpasste Chancen', das sie einst von Jakob geschenkt bekommen hatte, an Elises Wand. Noch immer denkt sie manchmal wehmütig an ihn zurück…und an ihre Zeit in Peleroich, an ihre Familie. "Das Herz hat Gründe, die der Verstand nicht kennt." Da erreicht sie ein anonymes Schreiben – der Verfasser behauptet, über Informationen zu verfügen, die Elises gesamtes Weltbild ins Wanken bringen werden. Um endlich Antworten auf all ihre Fragen zu erhalten, macht sich Elise zusammen mit ihrer Schulfreundin Marina auf den Weg in die Heimat…

                Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, verteilt auf zwei Zeitebenen: Vergangenheit und Gegenwart wechseln sich ab. Anfangs hatte ich befürchtet, dass es sich bei diesem Roman hauptsächlich um eine Dreiecksbeziehung zwischen Elise, Henning und Jakob drehen würde – dies ist nicht der Fall. Stattdessen erzählt die Autorin eindringlich, schonungslos ehrlich und zugleich einfühlsam, wie das Alltagsleben in der DDR ausgesehen hat. Peleroich ist stellvertretend für so viele ehemalige DDR-Gemeinden und ihre Bürger. Der fesselnde Schreibstil hat mich sofort in die Handlung hineinkatapultiert. Mit der Zeit lernt man die wichtigsten Bewohner des Dorfes kennen und gewinnt sie richtig lieb, verfolgt den Lauf ihres Lebens und hat das Gefühl, ein Stück (Zeit-)Geschichte hautnah mitzuerleben. Freud und Leid liegen oft nah beieinander, dennoch verliert sich die Autorin nicht in Schilderungen von Negativität und Verzweiflung; vielmehr lässt sie uns am Leben ihrer Figuren teilhaben, so wie es eben war. Die lebensbejahende Einstellung der DDR-Bürger lässt sich vielleicht am besten mit den Worten von Elises gutem Freund Tarek beschreiben: "Kannst du kein Stern am Himmel sein, sei eine Lampe im Haus."

                Fazit: Authentisch, berührend und intensiv. Viele historische Ereignisse geben der Handlung ihren Rahmen, vom Mauerbau bis hin zur legendären Pressekonferenz Günter Schabowskis am 09. November 1989 und der Zeit 'danach'. "Kastanienjahre" wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben und ich kann nur allen Fans von historischen Romanen über die deutsche Vergangenheit raten, sich dieses wundervolle Werk, ob als Hörbuch oder in schriftlicher Form, nicht entgehen zu lassen.

                Dreamworx

                Beiträge 22
                27.09.2019

                  2018. Die aus dem mecklenburgischen Peleroich stammende Elise lebt seit 20 Jahren in Paris und führt dort eine eigene kleine Boutique am Montmatre. Eines Tages erhält sie einen anonymen Brief aus ihrer alten Heimat mit beunruhigenden Nachrichten veranlasst Elise, mit ihrer alten Freundin Marina nach Peleroich zu reisen. Dort ist ihr die eigene Vergangenheit wieder ganz nah und Elise fühlt sich zurückversetzt in ihre Kindheit 60er Jahre, als Peleroich durch den Mauerbau zur DDR gehörte. Hier traf sie auf die beiden wichtigsten Männer ihres Lebens: Jakob und Henning, mit denen sie eine Dreiecksbeziehung führte, und Jakob irgendwann einfach aus Elises Dunstkreis verschwand. Jahrelang hat sie nach ihm gesucht, ihn jedoch nie gefunden. Elise möchte unbedingt herausfinden, was der Grund für Jakobs Verschwinden war, aber auch der Tod ihres Vaters nagt an ihr. Ob sie doch noch herausfindet, was damals geschehen ist und wer der anonyme Briefeschreiber ist?

                  Anja Baumheier hat mit „Kastanienjahre“ ein wunderbares und gefühlvolles Stück Zeitgeschichte vorgelegt, das ein sehr glaubwürdiges Bild der damaligen DDR wiederspiegelt. Die Autorin hat selbst 10 Jahre in der DDR verbracht und weiß genau, wovon sie schreibt. Der flüssige und emotionale Schreibstil, gespickt mit farbenfrohen Bildern, lässt den Leser Gast von Friedrich und Dora und deren Dreh- und Angelpunkt „Kastanienhof“ werden und die Protagonisten hautnah erleben. Die Autorin lässt die Vergangenheit sehr lebendig am Leser vorbeiziehen, so darf man das Kennenlernen von Elises Eltern Karl und Christa miterleben, die Gründung der DDR und den folgenden Mauerbau, die enge Dorfgemeinschaft von Peleroich sowie der Mangel an Konsumgütern oder die Denunzierung von vermeintliche Freunde. Baumheier beschreibt eine Idylle, die heimelig und nahezu gemütlich klingt. Doch auch die Stasifratze bleibt nicht verborgen, der Verräter findet sich innerhalb der Dorfgemeinde. Die Träume von Elise und ihren Freunden sind ebenso Bestandteil dieses außergewöhnlichen Romans wie der Verfall so mancher Ortschaft nach der Wende, nachdem viele sich auf den Weg in den Westen gemacht haben. Die Geschichte birgt viele Geheimnisse in sich und der Leser darf diese durch die geschickte Handlungskonstruktion der Autorin nach und nach offenlegen. Die Geschichte entfaltet von der ersten Seite an einen regelrechten Sog, dem man sich gar nicht entziehen kann, was auch das Talent der Autorin wiederspiegelt.

                  Die Charaktere sind wunderbar lebendig gestrickt und überzeugen durch Authentizität und Glaubwürdigkeit. Der Leser fühlt sich unter ihnen gleich als Teil der Gemeinschaft und erfährt nach und nach sehr viel über die einzelnen Protagonisten, von denen manche ihm regelrecht ans Herz wachsen. Christa und Karl sind beide sehr sympathische Menschen und wunderbare Eltern für Elise. Ihre Sehnsüchte und Träume bleiben dem Leser genauso wenig verborgen wie Elises Gefühle für ihre beiden Liebsten Jakob und Henning. Jakob ist ein feinfühliger Freigeist, der gern als Künstler arbeiten möchte und Elises Sehnsucht nach Freiheit teilt. Henning ist das komplette Gegenteil von Jakob und Elises Ehemann, die beiden trennen sich aber nach einiger Zeit. Pfarrer Otto ist eine Seele von Mensch, während man Bürgermeister Lehmann irgendwie sofort anmerkt, dass er ein Regimetreuer ist. Aber auch Protagonisten wie Friedrich und Dora haben ihren Platz in dieser Geschichte.

                  Mit „Kastanienjahre“ ist Anja Baumheier ein absoluter Pageturner und ein würdiger Nachfolger für ihr Erstlingswerk „Kranichland“ gelungen. Die Geschichte überzeugt nicht nur durch ihren bildhaften und gefühlvollen Schreibstil, sondern vor allem mit einem realistischen Stück Zeitgeschichte, wobei dem Leser ein direkter Blick durchs Schlüsselloch gewährt wird. Wunderbar erzählt, besser geht es nicht. Chapeau!

                  Lesefeuer

                  Beiträge 25
                  24.09.2019

                    Auf dieses Buch habe ich mich wahnsinnig gefreut. Auch jetzt denk ich noch oft an das erste Buch von Anja Baumheier – „Kranichland“ – und von daher hatte ich große Ansprüche an „Kastanienjahre“ gestellt und ich wurde nicht enttäuscht. Wieder kann Anja Baumheier mit ihrem wunderbar lebendigen und flüssigen Schreibstil glänzen, man ist sofort mittendrin im Geschehen. Und Spannung aufbauen – das kann sie! Am Ende mancher Kapitel gibt es eine „quälende“ Spannung. Man überlegt und überlegt wie die Geschichte ausgehen könnte. Das Buch liest man in zwei Zeitebenen, 2018 und 1950 bis in die 90er Jahre. Da ich zwar ein DDR-Kind bin, aber einfach viel zu jung war um irgendwas in meinen Erinnerungen zu behalten, weiß ich immer nur aus Erzählungen von meinen Eltern und Freunden und Bekannten wie es damals war – und genau so wie es alle erzählen, so waren die Begebenheiten auch wieder in diesem Buch. „Kranichland“ hat mir richtig schöne Lesestunden bereitet und ich hoffe, wir können ganz bald ein neues Buch von Anja Baumheier in den Händen halten. Ich bin ein großer Fan von ihr!

                    Lesemone

                    Beiträge 22
                    11.09.2019

                      Geschickt kombiniert die Autorin die Gegenwart mit der Vergangenheit. In wechselnden Kapiteln erfährt man die Lebensgeschichte von Elise, die zur Zeit in Paris wohnt. Der Vergangenheitsstrang reicht sogar bis zu ihren Eltern zurück. Ich fand die Darstellung von damals sehr harmonisch, aber auch sehr tückisch dargestellt. Vor allem, als es mit der Stasi losging, wurden alle vorsichtig. Immer wieder wird der Bezug von Gegenwart und Vergangenheit hergestellt, da Elise in ihre alte Heimat reist. Glaubhaft und anschaulich wurde die Situation in der DDR erläutert. Ich konnte mich sehr gut hinein denken, in diese Zeit. Mir hat der Schreibstil der Autorin sehr zugesagt und ich fand es gut, dass am Ende noch etwas Raum für Spekulationen bleibt. Ein sehr ruhiges, aber dennoch unterhaltsames Buch!

                      Caillean

                      Beiträge 12
                      04.09.2019

                        Man sagt ja immer: das zweite Buch ist das schwerste. Besonders, wenn das erste ein großer Erfolg war. Denn für viele Autoren ist es schwierig, anzuknüpfen oder sogar eine Geschichte zu finden, die noch besser ist als die des Erstlings. Anja Baumheier ist das gelungen.

                        Ihr zweiter Roman „Kastanienjahre“ hat mich noch mehr gefesselt als ihr Debüt „Kranichland“, es wirkte auf mich runder und noch besser recherchiert. Und auch gefühlsmäßig hat die Autorin mich voll erwischt. Da ich selbst auch in der DDR geboren wurde und die Wende als 10jährige erlebte, konnte ich so vieles, was in diesem Buch dargestellt ist, nachvollziehen. Formulierungen, die ich seit Jahren nicht mehr gehört habe („bei der Fahne“) und die aber irgendwie jeder DDR-Bürger kennt, waren plötzlich wieder gegenwärtig. Natürlich kenne ich die Zeit vor den 1980er Jahren auch nur aus Erzählungen meiner Eltern und Großeltern, aber es deckt sich sehr vieles mit dem, was ich in diesem Buch lesen konnte. Ich habe den Roman als sehr authentisch empfunden.

                        Die Geschichte kreist um das (fiktive) Dorf Peleroich an der Ostsee und seine Bewohner, an deren Beispielen der Aufschwung und Niedergang des Sozialismus dokumentiert und in eine bewegende Geschichte verpackt wird. Im Mittelpunkt steht Elise, die in der Rahmenhandlung des Jahres 2018 schon 58 Jahre alt ist und in die frühe DDR hineingeboren wurde. Sie erlebt Kindheit und Jugend im Sozialismus und wird mitten im Leben stehend von der Wende überrascht. Eine Wende zum Besseren? Das klärt das Buch nicht wirklich auf, aber es beschreibt sehr anschaulich auch die Situation in den neuen Bundesländern in den Nachwendejahren. Die Überforderung mit der neuen Welt, die Vereinnahmung durch westliche Strukturen und die Hilflosigkeit, als plötzlich – als Preis für die vielgewünschte Freiheit - der Staat keine Verantwortung mehr für den Einzelnen übernimmt und jeder sich selbst der nächste sein muss. Eine Situation, die viele DDR-Bürger (denen Gemeinschaftssinn praktisch eingeimpft wurde) als extrem verstörend empfanden.

                        Die Licht-, aber vor allem auch die Schattenseiten der DDR werden hier in die Handlung integriert, von der Stasi-Bespitzelung über die mehr oder weniger staatlich verordnete Berufswahl bis hin zu den großen Risiken einer Flucht oder auch Fluchthilfe.

                        Ich wurde mit diesem Roman plötzlich zurückkatapultiert in meine Kindheit (die ich rückblickend als sehr harmonisch empfinde) und wurde von lange schlummernden Gefühlen übermannt. Allerdings wird mir an vielen Stellen jetzt erst bewusst, wie wenig ich mitbekommen habe von dem, was auf politischer Ebene oder hinter vorgehaltender Hand passierte. Eigentlich logisch, denn mit jeder unbedachten Äußerung machte man sich angreifbar und wie schnell erzählt ein Kind unbekümmert etwas weiter, was Mama oder Papa gesagt haben...

                        Mich, die diese Zeit selbst noch ein Stück weit miterlebt hat, hat dieses Buch tief berührt und bewegt. Ich habe in fast jedem Charakter einen Menschen wiedererkannt, der mich selbst ein Stück auf meinem Lebensweg begleitet hat und ich fand die melancholische Geschichte dieses kleinen Dorfes unheimlich liebens- und lesenswert.

                        Wer selbst noch ein Stück DDR erlebt hat, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Und wer nicht, der erst recht – denn mit diesem Roman kann man die Zeit lebendig und authentisch nacherleben. Ein ganz, ganz wichtiges Buch, das ich nur empfehlen kann!

                        heidi_59

                        Beiträge 36
                        02.09.2019

                          "Kannst du kein Stern am Himmel sein, sei eine Lampe im Haus"

                          1953 in Peleroich
                          Im kleinen verschlafenen mecklenburgischen Dorf Peleroich an der Ostseeküste ticken die Uhren noch anders . Hier ist man unter sich , jeder kennt seinen Nachbarn und die weite Welt , die spielt in Peleroich keine große Rolle . Wer was erleben will , der geht abends in den Kastanienhof, auf ein Bier und Friedrichs berühmte Bratkartoffeln.
                          Hier beginnt auch in den 50er Jahren die Liebesgeschichte von Karl und Christa . Das junge Paar erlebt den Wandel von Peleroich hautnah . Als der Bürgermeister aus Peleroich ein sozialistisches Vorzeigedorf machen will , verliert Karl seine Arbeit als Förster , weil der Wald nicht mehr zugänglich ist und zum Grenzgebiet erklärt wurde . Das Leben der Dorfbewohner wird nach und nach immer mehr von strengen Vorschriften bestimmt und keiner hat ein Recht auf Mitbestimmung .
                          Aber erst mit der Geburt ihrer Tochter Elise , wird Karl und Christa so richtig klar das ihre Freiheit in jeder Form eingeengt ist und sie ihre Familie gegen diese einschneidenden Veränderungen schützen müssen .

                          Peleroich in den 60er Jahren
                          Elise wächst in den 60er Jahren als Tochter von Karl und Christa in Peleroich auf und lernt Henning und Jakob kennen. Henning ist ihr Fels in der Brandung , sie kennt ihn seit ihr Kindheit, auf ihn kann sie sich verlassen .Ganz anders Jakob , der freiheitsliebende Künstler und Frauenschwarm , der ohne seine Mutter beim Großvater aufwuchs.
                          Beide werden für Elise die großen Lieben ihres Lebens, doch sie kann sich nicht wirklich für einen von ihnen entscheiden . Fast scheint es als ob das Schicksal selbst die Entscheidung in die Hand nimmt , als Jakob eines Tages plötzlich spurlos verschwindet.

                          2018 in Paris
                          Für Elise ist ein Traum in Erfüllung gegangen als sie vor über 20 Jahren in Paris ihre Boutique eröffnet und eine neue Heimat gefunden hat . Es war schon immer ihr Wunsch, in der Stadt an der Seine , leben und arbeiten zu dürfen .
                          Als Elise nach vielen Jahren ein dramatischer Brief von einem Unbekannten aus ihrer alten Heimat Peleroich erreicht , fährt sie kurzentschlossen mit ihrer Freundin in ihre ehemalige Heimat.
                          Nach über 20 Jahren erinnert nicht mehr viel an das ehemalige Vorzeigedorf , das schon länger dem Verfall preisgegeben ist .
                          nichts mehr so , wie es einmal war .
                          Doch mit jedem weiteren Schritt auf dem Dorfplatz, taucht Elise tiefer ein in ihre eigene Vergangenheit und in die bewegende Geschichte von Peleroich und seinen Bewohnern.
                          Alles beginnt auf dem Dorfplatz , unter mit der einst so stolzen und großen Kastanie , wo ihre Eltern sich kurz nach Gründung der DDR kennenlernten …

                          Auf zwei Zeitebenen erzählen die Protagonisten ihre Geschichte vom kleinen Dorf Peleroich , vom Mauerbau , dem Zusammenhalt der Bewohner, von Freud und Leid und dem Verzicht zugunsten des sozialistischen Staates , bis hin zum Mauerfall und den vielen , unerfüllten Hoffnungen eines ganzen Dorfes.

                          Anja Baumheier nimmt uns in ihrem neuen Roman "Kastanienjahre" mit ins malerische Dorf Peleroich, an der mecklenburgischen Ostseeküste und erzählt von dem Schicksal der Bewohner , zwischen Gründung der DDR ,dem Mauerbau und der Nachwendezeit , bis hin ins Jahr 2018.
                          Wie schon in dem tollen Vorgänger "Kranichland" , bekommt der Leser hier einen Einblick in die Geschehnisse und Bräuche ,die jedem , der nicht aus der ehemaligen DDR stammt, so nicht bekannt gewesen sind .
                          Leider hat mich die Geschichte von Peleroich , in "Kastanienjahre" , nicht ganz so sehr berührt und begeistert , wie der Vorgänger "Kranichland" . Mir fehlte ein wenig die Wärme und auch die Emotionen, die Kranichland für mich zu einem Wohlfühlbuch gemacht hatten .
                          Aber das kann auch daran liegen , das ich mir vom Klappentext ausgehend, vielleicht zu viel von der Geschichte erhofft habe .
                          Nichtsdestotrotz lässt sich die Geschichte gut lesen und hat mich gut unterhalten.

                          Von mir gibt's für Kastanienjahre
                          4 Sterne
                          sowie eine Leseempfehlung für alle historisch interessierten Leser

                          Lesegenuss

                          Beiträge 38
                          01.09.2019

                            "Kastanienjahre" ist ein Roman, der auf zwei Zeitebenen spielt. Handlungsorte sind einerseits Paris und der fiktive Ort Peleroich. Es beginnt im Winter 2018 in paris, wo die achtundfünfzigjährige Elise Petersen seit gut mehr als 20 Jahren lebt. Dort unterhält sie eine Boutique. Durch den Besuch ihrer Freundin aus Deutschland wird sie an ihren Heimatort Peleroich erinnert, der nun lt. einem Zeitungsausschnitt dem Erdboden gleich gemacht werden sollte. Und das schon bald. Es war Jahre her, dass Elise dort war. Die Erinnerungen daran schmerzten dochnoch irgendwie, zumal sie bis heute nicht wußte, was damals mit ihrem Freund Jakob geschehen war. Über Nacht war er spurlos verschwunden und Elise hatte ihn auch nach dem Mauerfall nicht auffinden können. Zum gleichen Zeitpunkt erhält sie einen anonymen Brief mit der Bitte, dringend nach Peleroich zu kommen. Ein Freund, so die Unterschrift, wollte seine Schuld offenbaren, zum einen was den Tod ihres Vaters betraf und um Jakobs Verschwinden.
                            Zitat S. 73
                            "... Es ist besser, ein Licht anzuzünden, als auf die Dunkelheit zu schimpfen."
                            Der geschichtliche Hintergrund erzählt über das Leben Anfang der Fünfziger Jahre und fortlaufend. So war das halt damals in den Zeiten von Ostdeutschland. In wechselnden Passagen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Es zeigt auf die Gründung des Staates, die Entwicklung und auch das sozialistische Denken. Wer neben der Spur lief, musste damit rechnen, überwacht zu werden. Was nach dem Mauerba noch extremer wurde. Da blieb es nicht aus, dass die Leute in den Westen flüchten wollten. Peleroich, ein fiktiver Ort, lag nahe der Ostsee.
                            Am Anfang des Buches ist eine Auflistung der handelnden Personen. So bekommt man schon einen Blick auf die Figuren. Im Prinzip wird die Geschichte von ca. 1950 bis 2018 erzählt. Das Zeitgeschehen ist glaubwürdig geschrieben und gut recherchiert. Ich bin zwar im Westen geboren und aufgewachsen, habe aber dennoch durch die Vorgeschichte meiner Mutter viele Jahre meiner Kindheit in den Ferien und auch später "drüben" miterlebt. Die Geschichte der jungen Elise Petersen, die zwei Freunde hat und sich dennoch nicht entscheiden kann. Und was hat der Tod von Elises Vater mit Jakobs Verschwinden zu tun? All diese offenen Fragen, hier hofft Elise nun auf Antworten.
                            Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft und lässt den Leser in eine großartige Geschichte eintauchen. Die vorn im Buch gezeichnete Karte vervollständigt dies. Der geschichtliche Hintergrund fließt gut in die Handlung ein. Ebenso die individuellen Charaktere stellen sich lebendig dar.
                            Nach "Kranichland" ist "Kastanienjahre" erneut ein wunderbares Buch aus der Feder der Autorin, dem ich gern meine Leseempfehlung gebe. Es ist nicht nur so eine fiktive Geschichte, die Vergangenheit könnte eine wahre Begebenheit gewesen sein.

                            nati

                            Beiträge 18
                            01.09.2019

                              Bewegende Zeitreise
                              Anja Baumheier erzählt in ihrem neuen Buch die Geschichte des mecklenburgischen Dorfes Peleroich und ihrer Bewohner, die sich über einen Zeitraum von 1950 bis 2018 erstreckt. Es ist ein Dorf voller Beschaulichkeit und Ruhe. Auf dem Dorfplatz steht eine alte Kastanie, daneben das Gasthaus Kastanienhof, ein Treffpunkt für die Einwohner. Kurz nach Kriegsende fehlte es an allem, doch die Dörfler unterstützen sich. Hier begann auch die Liebesgeschichte zwischen Karl und Christa mit ihren Träumen und Wünschen. Seit dem aber der Bürgermeister Ludwig Lehmann sich zur Aufgabe gemacht hat, aus Peleroich ein sozialistisches Vorzeigedorf zu machen, trat, zu Anfang kaum spürbar, eine Veränderung ein.

                              Im Jahr 2018 lebt Elise, die Tochter von Karl und Christa, in Paris. Hier erhält sie den Brief eines unbekannten Freundes, der sie bittet nach Peleroich zu kommen. Er möchte sich mit allen Dorfbewohnern treffen, um zu erzählen, was damals tatsächlich passiert ist.

                              Für uns ist es heute kaum vorstellbar wie das Leben für DDR-Bürger war. Anja Baumheier nimmt uns mit auf eine Zeitreise, wo wir das Schicksal der Bewohner von Peleroich von der Gründung der DDR, über den Mauerbau bis zur Nachwendezeit erleben. Die Handlung wird hier so lebensecht erzählt, als sei man selbst mit dabei. Der Schreibstil von Anja Baumheier hat mir gut gefallen, sie schildert sehr bildhaft und in einer eingängigen Sprache. Das Personenregister zu Beginn und die Zeitangaben über den Kapiteln helfen dem Leser bei der Orientierung, somit ist der Roman in großen Teilen gut nachvollziehbar dargestellt.

                              Mir hat diese interessante und informative Geschichte über die Auswirkungen des politischen Systems der DDR und die wirtschaftlichen Veränderungen in der Nachwendezeit auf das Dorf sowie seiner Bewohner sehr gefallen.

                              Alica

                              Beiträge 31
                              30.08.2019

                                Dieses Buch so lebendig und teilweise auch spannend wie einen Krimi. Ein wunderbar, interessanter Roman, über eine Geschichte die in zwei Zeiten spielt und springt.
                                Gute Unterhaltung ist auch garantiert.
                                Sehr Lesenswert!

                                HEIDIZ

                                Beiträge 14
                                28.08.2019

                                  Hauptcharakter Elise lebt in Paris, führt dort eine Boutique und stammt aus dem DDR-Dorf Peleroich - befindlich an der mecklenburgischen Ostseeküste. In den 60er Jahren wuchs sie hier auf, verlebte ihre Kindheit und Jugend, mit der Wende usw. Dann sind da noch die Jungen Jakob und Henning. Henning, mit dem sie ein Kind hat und Jakob der Künstler. Jakob, der verschwindet, an dem Tag, als der Vater verunfallt. Besteht ein Zusammenhang ???

                                  Gleich spannend in die Handlung einsteigend, wird man an die Geschichte gefesselt, als DDR-Bürger denkt man sich immer wieder: "Hach ja, so war es, das fehlt uns, dafür standen wir in der Schlange, Erinnerungen werden wach ..." Wundervoll zu lesen, sehr authentische Geschichte, die genauso oder ähnlich passiert sein konnte.

                                  Dann sind wir im Heute, Elise geht zurück in die ehemalige Heimat, weil sie Briefe erhalten hatte, mysteriöse und solche, die sie neugierig machten, wer war am Tod des Vaters Schuld, lebt Jakob noch? Peleroich soll den Erdboden gleich gemacht werden, ein Dorf, welches es eigentlich schon garnicht mehr gibt ...

                                  Schön zu lesen von den Schicksalen der Bewohner des mecklenburgischen Dorfes, wie es viele in der DDR gab. Authentisch glaubwürdig geschrieben, topp recherchiert - hat mir sehr gut gefallen !!! Auch das Zusammenspiel der Charaktere, die Dreiecksbeziehung z. B. zwischen Elise und ihren beiden Männern .... die Entwicklung, der Niedergang des Dorfes wie auch der Niedergang der DDR ....

                                  Lest selbst - es lohnt sich !!!

                                  schnäppchenjägerin

                                  Beiträge 63
                                  27.08.2019

                                    2018 lebt Elise seit über 20 Jahren in Paris, wo sie Inhaberin einer kleinen Boutique ist und sich damit einen lang gehegten Traum wahr gemacht hatte. Aufgewachsen ist Elise in der DDR, in dem kleinen Ort Peleroich an der Ostsee, wo die Möglichkeiten als Modedesignerin zu arbeiten aufgrund von Ressourcenknappheit und mangelnder Berufsfreiheit stark eingeschränkt waren.
                                    Als sie einen anonymen Brief erhält, der ihre Hoffnungen macht, etwas über das Verschwinden ihres Jugendfreundes Jakob und zum Tod ihres Vaters Karl zu erfahren, kehrt Elise in ihren Heimatort zurück.

                                    Auf den ersten Blick fällt auf, wie liebevoll der Roman aufgemacht ist. Auf den ersten Seiten ist ein Ausschnitt von Peleroich eingezeichnet und eine Übersicht über die Bewohner des Ortes aufgelistet.
                                    Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen, wobei die Erzählung in der Vergangenheit von den 1960er-Jahren bis nach der Wende den größten Anteil ausmacht und die jungen, bewegten Jahre von Elise, ihrer Familie und Bekannten des Dorfes darstellt.

                                    Der fiktive Ort Peleroich mit seinen Bewohnern wird dabei so anschaulich beschrieben, dass man ein Gefühl für die Epoche, einen Eindruck von den Einschränkungen in der DDR und eine klare Vorstellung von dem Dorf und den einzelnen Charakteren erhält.
                                    Peleroich besteht aus wenigen Familien und Betrieben, die fast alle unter dem staatstreuen Bürgermeister Ludwig Lehmann leiden, der Peleroich zu einem sozialistischen Vorzeigeort machen möchte. Die Bewohner selbst haben jedoch andere Träume, möchten frei leben und sich kreativ entfalten oder haben schlicht die Knappheit an alltäglichen Gütern und Lebensmitteln satt.

                                    Durch den flüssigen, einfühlsamen Schreibstil von Anja Baumheier kann man sich perfekt an den Ort Peleroich versetzen lassen und in die Vergangenheit eintauschen. Schon mit ihrem Debütroman "Kranichland" habe ich es genossen, als "Wessi" mehr über das alltägliche Leben in der DDR zu erfahren.
                                    Die kleineren Zeitsprünge in der Geschichte sorgen für Spannung, da die Autorin damit auch immer wieder auf kurze Rückblenden zurückgreifen muss, damit der Leser ein komplettes Bild erhält. So spürt man im weiteren Verlauf immer eindringlicher wie der Druck auf die Protagonisten wächst, die in dem kleinen Ort, aber vor allem durch die Politik massiven Einschränkungen unterliegen. Deshalb ist es auch spannend zu erfahren, wie Vergangenheit und Gegenwart zusammengehören, was mit Jakob passiert ist und in welchem Zusammenhang sein Verschwinden mit dem Tod von Elises Vater steht.
                                    Weiterhin kann man sich gut in die junge Elise hineinversetzen, die in Perleroich aufgewachsen ist und dort stets zwischen zwei Männern stand: dem bodenständigen Henning, auf den sie sich stets verlassen konnte und dem Freigeist Jakob, der für ein aufregenderes Leben stand.

                                    Die Geschichte entwickelt vor dem historischen Hintergrund eine Sogwirkung, während einem die Bewohner von Perleroich ans Herz wachsen. Es ist eine warmherzige, ehrliche Geschichte, die den Leser wieder sehr anschaulich in die DDR und die Umstände der damaligen Zeit versetzt, aber auch kritisch betrachtet, dass die Wende neben allen offensichtlich positiven Aspekten für den Ort den Untergang bedeutete.

                                    Buchbiene

                                    Beiträge 8
                                    26.08.2019

                                      Ein wunderbar geschriebener Roman mit interessanten, sehr lebensechten Charakteren.
                                      Diese Geschichte spielt in verschiedenen Zeitebenen.
                                      Es wird ein sehr großer Bogen gespannt.
                                      Von der Jetztzeit zurück in die 50er Jahre.
                                      Beginnend im Jahr 2018, immer wieder durch Rückblenden unterbrochen.
                                      Beschrieben wird die Zeit der 50er, 60er Jahre in der noch jungen DDR, bis in die Gegenwart.
                                      Die Alltagserfahrungen und historische Geschehnisse sind mit der Vergangenheit und Gegenwart verwoben.
                                      Ein bedrückendes Kapitel deutsch-deutscher Geschichte wird sehr lebendig.
                                      Richtig flott geschrieben, man fliegt förmlich durch die Zeiten.
                                      Das macht dieses Buch so lebendig und teilweise auch spannend wie einen Krimi.
                                      Gute Unterhaltung ist auch garantiert.
                                      Sehr Lesenswert!

                                      irmgard_hahn

                                      Beiträge 31
                                      26.08.2019

                                        In der Erzählung geht es um das Schicksal der Bewohner eines kleinen Dorfes an der mecklenburgischen Ostsee in dem Zeitraum ab Gründung der DDR über den Mauerbau bis zur Nachwendezeit. In der Gegenwart im Jahr 2018 kehrt eine von ihnen – Elise, die Hauptprotagonistin, die mittlerweile in Paris lebt– zurück, um zu erfahren, was es mit dem Tod ihres Vaters und dem plötzlichen Verschwinden ihres Freundes auf sich hatte.
                                        Gelungen ist im Roman hier die detaillierte und wirklich wissenswerte Beschreibung der verschiedenen zeitlichen Stationen in der Gesellschaft der DDR mit ihren jeweils so spezifischen Problemen.
                                        Wir können uns hier viel Wissen anlesen: z.b. wie
                                        die Überführung der landwirtschaftlichen Betriebe in LPGs stattfand, der ständige Mangel an Konsumgütern und Gegenständen des täglichen Bedarfs, die Bespitzelung durch die Stasi und die damit verbundene Angst vor Denunzierungen, Ausreiseschwierigkeiten, Flucht und Fluchthilfe.
                                        Dann kam die Wiedervereinigung, der einsetzende Konsumrausch und die Übervorteilung nach der Wende.
                                        Ein empfehlenswertes Buch für Leser von Familiengeschichten - aber auch mit Interesse an der jüngeren deutschen Geschichte, da dies einen Grossteil des Buches ausmacht.

                                        karlssonvomdach

                                        Beiträge 7
                                        25.08.2019

                                          Wie schon Anja Baumheiers erstes Buch „Kranichland“ handelt auch ihr vorliegendes zweites von Schicksalen von Bürgern der DDR. Sie weiß, wovon sie schreibt, hat sie doch die ersten zehn Lebensjahre selbst noch in der DDR verbracht.
                                          Aufbereitet wird ein Stück deutscher Geschichte, das gerade für mich, die ich aus Westdeutschland stamme und keinen persönlichen Bezug zur früheren DDR und ihren Bewohnern habe, interessant ist. Im Mittelpunkt stehen einige Personen aus einem kleinen Dorf an der mecklenburgischen Ostsee in dem Zeitraum ab Gründung der DDR über den Mauerbau bis zur Nachwendezeit. Sehr hilfreich ist insoweit das vorangestellte Personenverzeichnis, auf das ich zunächst noch einige Male zurückgreifen musste. In der Gegenwart im Jahr 2018 kehrt eine von ihnen – Elise, die Hauptprotagonistin, mittlerweile in Paris lebend – zurück, um zu erfahren, was es mit dem Tod ihres Vaters und dem plötzlichen Verschwinden ihres Freundes auf sich hatte.
                                          Sehr schön ist die Darstellung des beispielhaften Zusammenhaltes im Dorf. Gelungen ist auch die detaillierte und wirklich wissenswerte Beschreibung der verschiedenen zeitlichen Stationen in der Gesellschaft der DDR mit ihren jeweils so spezifischen Problemen – wie etwa die Überführung der landwirtschaftlichen Betriebe in LPGs, der Mangel an Konsumgütern und Gegenständen des täglichen Bedarfs, die Bespitzelung und Denunziation durch die Stasi, Ausreiseschwierigkeiten, Flucht und Fluchthilfe, die in der Form gar nicht gewollte Wiedervereinigung, der Konsumrausch und die Übervorteilung nach der Wende.
                                          Gestört hat mich lediglich die gelegentliche unrealistische zeitliche Darstellung. So wird Elise bereits im Alter von fünf Jahren als begabte Näherin eingeführt oder wird ihr ihre Boutique in Paris Ende Dezember schon zu Anfang Januar gekündigt.
                                          Ein empfehlenswertes Buch für Leser von Familiengeschichten mit Interesse an der jüngeren deutschen Geschichte.

                                          brigitte_schreiter

                                          Beiträge 70
                                          24.08.2019

                                            Elise lebt seid über 20 Jahren in Paris. Sie hat sich einen Traum erfüllt und dort eine Modeboutique eröffnet. Aufgewachsen ist sie in der ehemaligen DDR, einen kleinen Dorf an der Ostsee. Sie bekommt einen Brief, der sie veranlasst in ihren Heimatort für kurze Zeit zurückzukehren. Dort wird sie mit der Vergangenheit konfrontiert.
                                            Der Roman handelt von der Gründung der DDR, Gründung der Genossenschaften, Enteignung, vom Mauerbau und bis in die Zeit nach 1989.
                                            Es handelt sich um ein mecklenburgisches Dorf mit Namen Peleroich. Die Bewohner des Dorfes erlebten die Teilung Deutschlands, den Mangel an allen.
                                            Und nicht zuletzt mußten sie erfahren wie ihr Dorf nach und nach zerfällt.
                                            Davon war die Jugend von Elisa und deren Freunden Henning und Jacob betroffen.
                                            Es gab auch eine große Liebe .
                                            Ein insgesamt sehr emotionales Buch, welches mir noch besser gefallen hat, wie Kranichland. Deshalb vergebe ich 5 Sterne.

                                            Arietta

                                            Beiträge 41
                                            20.08.2019

                                              Bewegend und schön

                                              Meine Meinung zur Autorin und Buch


                                              Schon mit ihrem Debütroman „Kranichland“, war ihr ein großartiger Roman gelungen, auch mit diesem neuen Werk, legt sie noch eine Schippe drauf. Ich war begeistert und hin und her gerissen, es war wie ein Sog beim Lesen, man konnte nicht mehr aufhören. Mit viel Herzblut und Gefühl hat sie auch diese Geschichte geschrieben. Man spürt das sie die ersten 10 Jahre in der DDR aufgewachsen ist. Sie erzählt von den Missständen während der DDR Zeit, und nach der Maueröffnung. Ihr Schreibstil ist sehr flüssig, Klar und Kraftvoll, alles ist so Bildhaft und real beschrieben, das ich das Gefühl hatte im Kastanienhof mit all den Figuren zu sitzen und Friedrichs, legendäre Bratkartoffeln zu Riechen und schmecken. Der Kastanienbaum die „ Thomas-Mann-Kastanie“ zieht sich wie der Kastanienhof, wie ein roter Faden durch die Geschichte, sie sind der Dreh und Angelpunkt.



                                              Alles fängt mit Elise in Paris 2018 an, und langsam erfährt man wie sie von Peleroich in dieser Stadt gelandet ist. Wo sie seit 20 Jahren lebt und eine kleine Boutique betreibt, bis ein Anonymer Brief aus ihrem Heimatdorf eintrifft, der sie vollkommen aus der Bahn wirft, ihr altes Heimatdorf, soll dem Erdboden gleich gemacht werden, mit ihrer Freundin Marina , die eigentlich nach Paris kam, um mit Elise deren 58. Geburtstag zu feiern, reisen beide nach Peleroich. Und wir tauchen ab in die Vergangenheit, dieser wundervolle Geschichte die so manches dunkles Geheimnis ans Licht bringt. Schon Elise Geburt war aufregend, ihre Mutter Christa und Vater Karl, sind liebevolle Eltern. Karl der mit Leib und Seele Förster ist, muss den Beruf aufgeben, da er sich nicht ins Regime fügt. Das Dorf ist so Idyllisch, die Bewohner halten wie Pech und Schwefel zusammen, so eine richtige Dorfgemeinschaft. Man trifft sich im Kastanienhof, bei Friedrich und Dora, oder unter der Kastanie. Otto der Pfarrer der Gemeinde mag man sofort, Ludwig Lehman der Bürgermeister, ist der einzige der sich dem System angepasst hat, und eigentlich gar nicht zu den andren passt, ein Verräter und der andere an die Stasi verrät. Elise wächst in dieser Idylle auf, sie träumt von Paris und der Mode, sie möchte Kleider entwerfen. Ihre Freunde Jakob, der Enkel von Otto, träumt Künstler zu werden, Henning der Sohn vom Kastanienhof, ist Bodenständiger, so ein Fels in der Brandung, an den man sich anlehnen kann. Elise liebt beide, Jakob und Henning, man spürt ihre Zerrissenheit, für wenn sie sich entscheiden soll. Und sie entscheidet sich, mit wehem Herzen, in meinen Augen für den richtigen MannEs waren wundervolle und Aufregende Jahre, Elise und die Menschen in Peleroich zu begleiten. Es gibt viele Geheimnise, mit ihnen zu teilen, warum Jakob plötzlich spurlos verschwand, warum Elise Vater Karl zu Tode kam, steckt der Briefschreiber dahinter ? Wer trägt Schuld, ich war jedenfalls auf der falschen Spur, wer dahinter steckte….


                                              Eine Geschichte zum Versinken...

                                              Elke Z.

                                              Beiträge 11
                                              31.07.2019

                                                Ein tolles Buch das ich mir im Urlaub gegönnt habe. Konnte es kaum aus der Hand legen. Ein muss für alle die sowas gerne lesen. Ich konnte mich da gut reinversetzen.
                                                Sehr kurzweilig ...........................................................