Hortense Ullrich

Hühner Voodoo

Es ist kein altruistischer Charakterzug, der Gwendolyn Herzog von Wohlrath dazu treibt, eine psychologische Praxis zu eröffnen. Sie braucht Geld. Dass sie gar keine Psychologin ist, stört sie nicht. Ihr erster Patient ist Frederick Ackermann, Enddreißiger, mit einem eher ungewöhnlichen Beruf - er ist Leichenbestatter in der 20. Generation. Schon als kleines Kind waren für ihn zwei Dinge ganz sicher: Er wollte das väterliche Unternehmen weiterführen und eine Familie gründen. Mit letzterem scheint es aber nicht so recht zu klappen. Frederick hat eine extrem hohe Ausfallquote - weigern sich doch viele Frauen energisch, beim ersten Rendezvous von einem Leichenwagen abgeholt zu werden. Zu einem zweiten kommt es dann meist nicht mehr. Die verbleibenden Einzelexemplare, die tapfer dem morbiden Hauch, der Frederick umweht, die Stirn bieten, ereilt jedoch ein tragisches Schicksal: Sobald Frederick ihnen die Ehe anträgt, sterben sie. Und zwar auf der Stelle. Nachdem er die dritte Freundin auf diese Art verloren hat, sucht er Hilfe bei einer Therapeutin. Und landet bei Gwendolyn. Sie hat Freude an dieser skurrilen Geschichte – bis ein erneuter Todesfall sie zwingt, seine Geschichte ernst zu nehmen. Panik setzt ein, als sie erfährt, dass sich ihre Nichte Britta in Frederick verliebt hat. Nun muss sie mit allen Mitteln verhindern, dass Frederick Britta einen Heiratsantrag macht – zur Not auch mit Hühner-Voodoo …


Autorenbild Foto von Hortense Ullrich

Die  Autorin

Hortense Ullrich hat über 70 Bücher für Kinder und Jugendliche geschrieben, von denen es 140 Übersetzungen in 25 Sprachen gibt. Mit einer Gesamtauflage von über 4 Millionen Exemplaren gehört sie zu den erfolgreichsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Sie hat als Journalistin gearbeitet und schreibt Drehbücher für Kinofilme. Hortense Ullrich ist verheiratet, hat zwei Töchter und lebte acht Jahre in New York. Heute wohnt sie in Bremen.


BibliografieAnsehen

PressestimmenAnsehen


Rezensionen

Janine2610

Beiträge 3
09.01.2015

    "Machen Sie einfach keine Heiratsanträge mehr!"

    Witzig und leicht abgehoben liest sich der Klappentext. Das Cover des Buches ist skurril
    und passt auf seine eigene verschrobene Art und Weise perfekt zum Inhalt des Buches.

    Aufgrund des für mich sehr überzeugenden Klappentextes und Covers hätte ich mir für die
    Geschichte doch ein bisschen mehr Tiefgang gewünscht.

    Mit der Hauptperson Gwendolyn bin ich nicht warm geworden. Sie mir als echten, realen
    Menschen vorzustellen, war mir schwer möglich, denn für eine Frau jenseits der 60 war
    sie mir viel zu aktiv, verrückt, dreist, frech und ständig belog, betrog und nützte
    sie die Menschen aus um an Geld zu kommen. Erst als es dann evtl. um das Leben ihrer
    Nichte Britta ging, hat sie ein kleines bisschen ihre liebevolle, soziale Seite gezeigt.

    Und dann war es im Buch teilweise so, dass man, so schnell konnte ich gar nicht
    schauen, von einem Absatz zum nächsten Absatz mitgerissen wird, ohne, dass man da jetzt
    großartig was darin erfahren hätte. - Zu viele, schnelle Sprünge und zu wenig Information
    oder Details.

    Leider war ich auch vom Schluss etwas enttäuscht, das habe ich so auf diese Weise nun
    auch nicht erwartet. - Eine ganz spezielle Frage blieb für mich da leider unbeantwortet,
    was mich nach dem Beenden des Buches unbefriedigt zurück gelassen hat.

    Warum es für das Buch trotzdem gerade noch so für 4 Sterne gereicht hat? Es ist
    trotz all dem witzig, lustig und unterhaltsam geschrieben. Man will doch immer weiterlesen,
    weil man neugierig auf die weitere Entwicklung (und den Ausgang) ist. Man darf es, denk
    ich, nicht so ernst nehmen. Einfach draufloslesen und sich ohne zu werten, oder über
    Charaktere und Story groß darüber nachzudenken, unterhalten lassen!

    Anchesenamun

    Beiträge 9
    19.09.2014

      Ein Buch mit sehr speziellem Humor und unsympathischen Protagonisten

      Zum Inhalt:
      Der Tag fängt nicht gut an für die wohlhabende Witwe Gwendolyn Herzog von Wohlrath: Ihr Vermögensverwalter hat sich mit ihrem gesamten Vermögen abgesetzt. Jetzt ist guter Rat teuer. Doch Gwendolyn ist schon immer eine Hochstaplerin gewesen, und so lügt, betrügt und schnorrt sie sich ab jetzt eben einfach komplett durchs Leben. Durch einen Zufall kommt sie auf die Idee, eine Psychologiepraxis zu eröffnen. Dass sie gar keine Psychologin ist, ist da nur zweitrangig. Finanzielle Unterstützung erhält sie durch die gutmütige Bernadette, die ihr selbst ausgedachtes Hühner Voodoo nur allzu gerne und gar kostenlos unter die Leute bringen möchte. Gwendolyns erster Patient lässt auch nicht lange auf sich warten. Es ist der Bestattungsunternehmer Frederick Ackermann, dessen Problem es ist, dass alle Damen, denen er die Ehe anträgt, sofort das Zeitliche segnen. Zuerst findet Gwendolyn diesen Fall amüsant und nicht ernstzunehmend, doch als auch Fredericks aktuelle Freundin verstirbt, rät Gwendolyn dem verzweifelten Mann, nie wieder einen Heiratsantrag auszusprechen. Problem gelöst! Doch dann verliebt sich Frederick in Gwendolyns Nichte Britta, und das passt Gwendolyn überhaupt nicht!

      Meine Meinung:
      Auf Grund des Klappentextes ist natürlich bereits klar, dass man diese Story nicht allzu ernst nehmen darf. Und unter diesem Aspekt kann man sicherlich mit diesem Buch seinen Spaß haben. Der Schreibstil von Hortense Ullrich hat mir gut gefallen, die Sprache ist luftig-locker, so dass man regelrecht durch das Buch gleitet.

      Leider konnte ich jedoch mit den Figuren wenig anfangen, sie waren mir zu oberflächlich und unsympathisch. Angefangen mit der Hauptfigur Gwendolyn. Eine rücksichtslose, gierige Person, die sich absolut dreist durchs Leben schlägt und ihre Betrügereien auch noch gutheißt. Egoismus pur, und für mich schon zu überzogen, als dass ich darüber noch hätte lachen können. Anfänglich war Gwendolyn noch so skurril, dass ich sie interessant fand, doch bald fiel mir ihre unverschämte Art einfach nur noch auf die Nerven. Frederick ist nicht direkt unsympathisch, aber ich habe mich doch etwas gewundert, wie schnell der ach so trauernde Frederick schon wieder den nächsten Heiratsantrag im Kopf hatte. Menschen, die alle paar Monate die Liebe ihres Lebens finden, sind mir einfach suspekt... Ergo mochte ich auch Britta nicht, bei der es nicht sonderlich viel bedarf, dass sie einem Mann hoffnungslos verfällt, und deren oberstes Lebensziel es zu sein scheint, endlich unter die Haube zu kommen. Die Einzige, die ich wirklich mochte, war Bernadette. Sie ist jedoch viel zu gutgläubig, ja nahezu dumm, und wird von Gwendolyn so schamlos ausgenutzt, dass ich sie öfter hätte schütteln können. Dazu noch ein paar Nebencharaktere, die natürlich auch alle irgendeinen Knall haben mussten. Im Endeffekt bleiben alle Charaktere unausgereift und entwickeln sich auch überhaupt nicht im Laufe der Geschichte.

      Der Humor ist nicht jedermanns Sache. Ich bin generell ein humorvoller Mensch, mag auch Sarkasmus und richtig schwarzen Humor. Doch in diesem Fall hat einfach nichts gezündet. Selten habe ich mal müde gelächelt, richtige Lacher blieben komplett aus.

      Gefehlt hat mir ein richtiger Höhepunkt. Es geht um Gwendolyns Betrügereien, Fredericks Fluch und die Liebesgeschichte zwischen Frederick und Britta (die erwartungsgemäß ebenfalls sehr oberflächlich war). Das Ganze bietet durchaus Potential für eine lustige, turbulente Geschichte, aber irgendwie tröpfelt alles so vor sich hin. Der Weg zum Happy End war zwar einfallsreich, aber ich habe einfach einen Höhepunkt vermisst, der auch zum Schluss nicht kam. Beim Lesen der letzten 20 Seiten bin ich tatsächlich eingeschlafen...

      Alles in allem ein sehr kurzweiliger Roman mit oberflächlichen Charakteren, der meinen Humor leider nicht getroffen hat. Allerdings gefällt mir der Schreibstil der Autorin sehr gut, deshalb gibt es noch 3 Sterne von mir.

      Nabura

      Beiträge 32
      27.08.2013

        Von der Kunst, sich durchs Leben zu schummeln

        Nach vier Ehen ist Gwendolyn Herzog finanziell abgesichert. Sie
        genießt ihr Leben und bewohnt eine elegante Jugendstilvilla . Doch dann
        kommt eines Tages ihr Anlageberater mit einer schlechten Nachricht zu
        ihr: Ihre gesamtes Vermögen wurde vom Inhaber der Firma geklaut, der
        damit über alle Berge verschwunden ist. Gwendolyn ist pleite. Doch
        anstatt ihre Habseligkeiten zu verkaufen, kommt sie durch Zufall auf die
        Idee, als Psychologin zu arbeiten. Gemeinsam mit Bernadette, die sich
        auf Hühner-Voodoo spezialisiert hat, eröffnet sie in leerstehenden
        Räumen ihrer Villa eine Praxis. Ihr erster Patient ist der
        Bestattungsunternehmer Frederick, dessen Heiratsanträge bereits mehrfach
        tödlich endeten. Nachdem er den letzten misslungenen Heiratsantrag
        allmählich verarbeitet hat, ist er wieder neu verliebt. Leider
        ausgerechnet in Gwendolyns Nichte Britta…

        Das Cover des Buches hat mich sehr irritiert, als ich das Buch zum ersten Mal sah.
        Worum soll es denn in einem Buch mit einem Gummihuhn auf dem Cover
        gehen? Aufgrund des Autorinnennamens habe ich mir dann aber den
        Klappentext durchgelesen, denn vor einigen Jahren war ich ein großer Fan
        der Jojo-Buchreihe von Hortense Ullrich. Weil der Klappentext eine
        humorvolle Geschichte versprach, entschloss ich mich, das Buch trotz des
        mich nicht ansprechenden Covers zu lesen – und wurde positiv
        überrascht!

        Das Buch fällt direkt mit der Tür ins Haus:
        Gwendolyn ist pleite und fällt damit aus allen Wolken. In dieser
        schockierenden Situation lernt der Leser Gwendolyn kennen. Ich stellte
        mir gleich die Frage, wie sie diese Nachricht wohl verdauen wird. Wird
        sie alles verkaufen und ein bescheideneres Leben beginnen? Hier musste
        ich gleich lernen, dass Gwendolyn für die eine oder andere Überraschung
        gut ist. Sie denkt nämlich gar nicht daran, irgendetwas zu verkaufen.
        Stattdessen überlegt sie gleich, wie das Geld für die zehn kostenlosen
        Therapiesitzungen, welche die Firma aus einem Fonds finanzieren kann, in
        ihrer eigenen Tasche landen kann.

        Diese freche, aber auch irgendwie liebenswerte und humorvolle Kaltschnäuzigkeit ist es, die
        den Leser durch das ganze Buch begleitet. Gwendolyn beginnt, sich
        durchs Leben zu schummeln. Sie gibt sich in Hotels als Gast aus, um
        kostenloses Essen zu genießen, gibt Geschenke weiter und stellt sie in
        Rechnung und ernennt sich selbst schließlich zur Psychologin, um
        ordentlich abzukassieren. Ihre Komplizin dabei wird die
        Hühner-Voodoo-praktizierende Bernadette – wobei ich mir hier immer
        wieder die Frage stellen musste, ob Gwendolyn Bernadette nicht nur
        duldet und in ihr Geheimnis eingeweiht hat, um auch sie schamlos
        auszunutzen. Mit ihrer lieben und unschuldigen Art konnte Bernadette
        meine Sympathien gewinnen. Doch auch sie hat es eigentlich faustdick
        hinter den Ohren!

        Echte Gefühle zeigt Gwendolyn erst, als ihre Nichte Britta zu ihr zieht und sich in Frederick verliebt,
        dessen bisherige Freundinnen immer unmittelbar nach seinem Heiratsantrag
        verstarben. Gwendolyn wäre zwar froh, wenn Britta endlich wieder
        ausziehen würde – aber einen Heiratsantrag von Frederick, dass kann sie
        dann doch nicht zulassen! Mit diesem Entschluss bringt sie das Leben
        aller Beteiligten gehörig durcheinander und sorgt für gehörige
        Turbulenzen.

        Neben Gwendolyns, Bernadettes und Brittas Perspektive erzählt die Geschichte auch einige Szenen aus der Sicht Fredericks und anderer Nebencharaktere im Bestattungsunternehmen. So
        erfährt der Leser mehr über Fredericks Leben und die Vorgänge in seinem
        Unternehmen, in dem sehr skurrile Gestalten ein- und ausgehen. Ob
        Frederick es wohl wirklich mit einem Fluch zu tun hat?

        „Hühner-Voodoo“ ist ein humorvolles Buch voller skurriler Gestalten, das garantiert für
        unterhaltsame Lesestunden sorgen wird. Gwendolyns Art, sich durchs
        Leben zu schummeln, konnte mich ebenso unterhalten wie ihr „Fall“
        Frederick und die Vorgänge im Bestattungsunternehmen. Geeignet ist das
        Buch für Leser jeden Alters. Wer eine lockere Lektüre sucht, dem kann
        ich dieses Buch empfehlen!