Brigitte Riebe

Die Schwestern vom Ku'damm

Wirtschaftswunder, Kaufrausch, Träume in Pastell - drei Schwestern und ein Kaufhaus am Ku'damm.
Der Auftakt der großen 50er-Jahre-Trilogie von Bestseller-Autorin Brigitte Riebe.
Berlin im Mai 1945: Es ist die Stunde Null, die Stadt liegt ebenso in Trümmern wie die Seelen der Menschen. Auch das Kaufhaus Thalheim am Ku'damm ist zerstört. Fassungslos stehen die drei Schwestern Rike, Silvie und Florentine vor der Ruine des einst so stolzen Familienunternehmens. Doch Rike, die Älteste, hat einen Traum: Sie will das Kaufhaus wieder aufbauen und mit raffinierten Stoffen und neuesten Modekreationen Farbe in das triste Nachkriegsberlin bringen. Nach der Währungsreform scheint es tatsächlich aufwärts zu gehen, die Menschen hungern nach Konsum und schönen Dingen. Doch die neuen Zeiten bringen neue Probleme. Als ein dunkles Geheimnis zutage tritt, das ein unrühmliches Licht auf das Kaufhaus und seine Geschichte wirft, müssen die Schwestern erkennen, dass die Vergangenheit noch immer lebendig ist…


Autorenbild Foto von Brigitte Riebe

Der  Autor

Brigitte Riebe ist promovierte Historikerin und arbeitete zunächst als Verlagslektorin. Sie hat mit großem Erfolg zahlreiche Romane veröffentlicht, in denen sie die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte wieder lebendig werden lässt. Ihre Bücher wurden in diverse Sprachen übersetzt. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in München.


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Rezensionen

kelo24

Beiträge 7
11.11.2018

Die Schwestern vom Ku’damm - Jahre des Aufbaus – ist der erste Band einer Trilogie.
Im Mittelpunkt steht die Familie Thalheim, die in Berlin ein großes Kaufhaus betreiben, das 1932 als prächtiger Bau mit Glasdach errichtet worden ist.
13 Jahre später liegt es wie der Großteil von Berlin in Schutt und Asche. Vom Vater gibt es kein Lebenszeichen und Bruder Oskar gilt als vermisst. Die Thalmann-Frauen kämpfen wie viele andere auch um das blanke Überleben. Rike, die älteste Schwester hat dabei die Verantwortung für die Restfamilie übernommen. Dazu gehören neben Sylvie, ihrer Schwester, auch Claire, die 2. Ehefrau Thalheims, sowie das Nesthäkchen Florentine. Rike träumt trotz des herrschenden Mangels an allem schon wieder vom Wiederaufbau des Kaufhauses. Sie schafft es zusammen mit ihrer Freundin Miri neben ihrer Arbeit als Trümmerfrau durch den Verkauf von Lumpenkleidern ein bescheidenes Einkommen zu erzielen. Sylvie will vor allem eins: feiern und leben, mausert sich aber darüber hinaus zur erfolgreichen Feilscherin auf dem Schwarzmarkt und trägt so auch ihren Teil zum Familienüberleben bei.
Die Geschichte hat mich von Anfang an gefesselt und auch fasziniert, zeigt sie doch wieder, wozu Menschen in der Lage sind und welche ungeahnten Energien doch in Zeiten widriger Umstände frei gesetzt werden können. Der historische Hintergrund war gut recherchiert und sehr realistisch wiedergegeben. Ähnliche Berichte vom Leben nach dem Krieg kenne ich von meinen Eltern und Großeltern. Die politische Entwicklung begleitend zur Familiengeschichte mitlaufen zu lassen fand ich stimmig, da das Hauptaugenmerk immer bei den Thalheims blieb.
Insbesondere Rike und Sylvies Charaktere haben mir sehr gut gefallen, vielleicht gerade wegen ihrer Gegensätzlichkeit. Es war schön mitzuerleben, wie beide sich über die Jahre weiterentwickelt haben. Vor allem Rike, die jahrelang ihre eigenen Bedürfnisse zugunsten der Familie immer hintenan gestellt hat, behauptet sich ihrem Vater gegenüber und entdeckt, dass auch sie Anrecht auf ein eigenes Glück hat.
Was „grau in grau“ begonnen hat endet farbig und macht Hoffnung. Dieses Buch verdient auf jeden Fall 5 Sterne.
Sehr schade ist nur, dass die Wartezeit bis zur Fortsetzung so lange dauert..

leseratte1310

Beiträge 17
11.11.2018

Es liegen so wenige Jahre zwischen der Neueröffnung des aufwendig umgebauten Kaufhauses Thalheim & Weisgerber und dem Ende des Krieges, als eben dieses Kaufhaus nur noch eine Ruine ist. Der Krieg ist zu Ende, doch es fehlt an allem und die Menschen hungern. Aber da ist auch die Hoffnung auf bessere Zeiten und der Hunger das nachzuholen, was in den letzten Jahren nicht möglich war. Auch bei den Thalheims hat der krieg Spuren hinterlassen. Friedrich Thalheim und sein Sohn Oskar werden vermisst. Die Wertheims mussten schon früh Deutschland verlassen. Nun werden auch noch die restlichen Familienmitglieder von den Russen aus ihrer Villa vertrieben. Sie können nur wenig mitnehmen, aber zwei Nähmaschinen bilden die Grundlage für einen Neuanfang. Die älteste Tochter Rike will das Kaufhaus wiederaufbauen.
Mit diesem Buch startet die 50er-Jahre-Trilogie der Autorin Brigitte Riebe. Wieder einmal bin ich begeistert von dem fesselnden und authentisch Schreibstil der Autorin.
Auch die Personen sind sehr gut und lebendig beschrieben. Rieke setzt trotz der schweren Arbeit als Trümmerfrau alles daran, das Kaufhaus wiederaufzubauen. Unterstützt wird sie von ihrer Freundin Miriam. Aber ihre Schwestern Silvie und Florentine haben ihre eigenen Vorstellungen vom künftigen Leben. Dann kommt Friedrich zurück, der seine Tochter nicht ernst nimmt. Daher interessiert es ihn auch nicht, woher die Mittel für das Geschäft kommen
Es ist interessant und spannend in jene Zeit nach dem Krieg einzutauchen. Die Not ist immer noch groß, aber der Schwarzhandel blüht. Es ist aber auch eine Zeit, in der die Frauen anpacken mussten, da viele Männer im Krieg geblieben oder in Gefangenschaft waren. Es war nicht einfach für sie, bot ihnen aber auch die Möglichkeit, sich zu emanzipieren und ihren Weg zu gehen. Die Währungsreform kommt und Westberlin wird abgeschnitten von den westlichen Zonen Deutschlands. Es ist nur den Rosinenbombern zu verdanken, dass die Menschen überleben können.
Mir hat dieser historische Roman gut gefallen und ich bin schon gespannt auf die Folgebände.

eiger59

Beiträge 3
07.11.2018

Entbehrungen und erste Hoffnungen auf eine bessere Zukunft

„Jahre des Aufbaus“ ist der gelungene Auftakt der großen 50er Jahre -Trilogie „ Die Schwestern vom Ku‘damm“ der promovierten Historikerin Brigitte Riebe. Die Reihe erscheint bei Rowohlt Wunderlich.
Für mich war es das erste Buch der Autorin; ich bedanke mich bei der Buchboutique, die mir das Buch zur Verfügung gestellt hat.

Angesiedelt ist die Handlung im Berlin der Nachkriegszeit von 1945 und 1951. Das Buch erzählt von den drei Thalheim-Schwestern Ulrike, genannt Rike, Silvie und Florentine.

In jedem Teil wird eine andere Schwester im Mittelpunkt stehen. Im ersten Teil geht es um Rike, die eine große Rolle für den zukünftigen Weg ihrer Familie spielt.
Mit dem Kriegsende stehen sie vor den Trümmern ihrer Existenz. Das schöne Modekaufhaus Thalheim, dessen Eröffnung 1932 im Prolog geschildert wird, ist von Bomben vernichtet. Nur Ruinen zeugen noch von seiner Existenz. Der Vater, der noch zum Volkssturm eingezogen wurde, wird vermisst. An ihrer Seite ist noch die junge Französin Claire, die zweite Frau des Vaters und Mutter von Florentine.

Alle vier verzweifeln nicht, sonder nehmen den Kampf für ein besseres Leben auf. Arbeit schreckt sie nicht ab und sie packen als Trümmerfrauen mit an. Durch einen Zufall begegnen sie Miriam, der Tochter ihrer jüdischen Direktrice. Ihr ist es gelungen unerkannt im Berliner Untergrund zu überleben.
Es ist wunderbar zu lesen, wie es Brigitte Riebe gelingt mit wenigen Sätzen Situationen und Personen treffsicher zu beschreiben. Man fühlt mit ihren Protagonistinnen deren Träume, Ziele und Ängste. Als Leser kann man sich dank der anschaulichen Schilderungen das zerstörte Berlin und die Sorgen der Menschen vorstellen. Der Roman fesselt von Beginn an und liest sich leicht.

Die fünf Frauen sind sehr unterschiedlich. Jeder trägt mit ihren Fähigkeiten zum Überleben bei. Rike verliert dabei ihren Traum vom Wiederaufbau des Kaufhauses nie aus den Augen. Sie ist die Vernünftige, die die Familie zusammen hält. Ihr gelingt es mit Hilfe der Beziehungen ihres Onkel Carls, der ein entschiedener Gegner des dritten Reichs war und seine berufliche Karriere als Staatsanwalt unter den Nazis aufgegeben hat, den Vater freizubekommen. Doch Friedrich Thalheim ist nicht mehr der alte. Es fällt ihm schwer sich in der Nachkriegszeit einzuleben.
Die lebensfrohe und etwas leichtlebige hübsch Silvie entwickelt ungeahnte Talente auf dem Schwarzmarkt, um Nützliches für die Familie zu erwerben oder zu tauschen. Später macht sie Karriere beim Rundfunk.
Claire, eine zierliche Frau, wird zu einer zupackenden Trümmerfrau und Miriam, die einen kaputten Rücken hat, träumt nicht nur von Mode, sondern näht aus allem, was man auftreiben kann, Bekleidung für die Frauen.

Mit ihrer Hilfe und alten Geschäftskontakten ihres Vaters gelingt es Rike ein kleines Geschäft zu mieten und erste Stücke anzubieten. Auch ihr durch den Krieg unterbrochenes Studium wird sie noch abschließen. Sie ist zielstrebig und vernünftig. Das Glück der großen Liebe erlebt sie mit dem Italiener Alessandro.

Ein Brief aus der Schweiz, wo der verstorbene Großvater lebte, bringt Rike ihrem Traum vom Kaufhaus näher. Aber auch ein Familiengeheimnis, von dem sie nichts ahnte, wird ihr Schicksal verändern. Doch es bleibt nicht das einzige Geheimnis der Familie Thalheim.

Brigitte Riebe erzählt eine spannende Geschichte mit so vielen unterschiedlichen Facetten, die den Leser nicht mehr los lässt. Dabei schildert sie nicht nur die entbehrungsreiche Nachkriegszeit und die Anfänge des Wiederaufbaus, sondern bezieht auch die politische und wirtschaftliche Entwicklung in Berlin gekonnt in die Handlung ein. Die Währungsreform 1948 wird herbei gesehnt, doch wie sie im westlichen Teil Berlins tatsächlich umgesetzt wird, ist ganz anders als erwartet. Das ist nur ein Beispiel, wie es die Autorin versteht, reale Ereignisse mit historischem Wissen und einer spannenden Geschichte zu kombinieren, ohne den Leser zu belehren. Es ist Unterhaltung auf hohem Niveau.
Ein großartiger, fesselnder und gefühlvoller Roman, der den Leser schon mit dem ersten Band verzaubert und in seinen Bann zieht, ist Brigitte Riebe gelungen.

Man darf gespannt sein, wie das Leben für die drei Schwestern weitergeht.
Die chronologische Zeittafel der Geschichte Berlins in den Jahren 1945 bis 1950 am Schlusse des Buches rundet die Erzählung perfekt ab und hilft dem Leser bei Einordnen der geschilderten Ereignisse.

Mit großer Spannung und Vorfreude warte ich auf die noch folgenden beiden Bände. Die Fortsetzung für den Juli 2019 avisiert.
Aus meiner Sicht ist der erste Band dieser Familiensaga sehr gut gelungen und ich gebe eine klare und eindeutige Leseempfehlung.

Bücherratte36

Beiträge 16
06.11.2018

Im Juni 1939 feiert Friedrich Thalheim mit seinem Geschäftspartner Markus Weisgerber am Kurfürstendamm, besser bekannt als Ku´damm, sein Modehaus Thalheim. Noch glamouröser und exquisiter als je zuvor. Die älteste Tochter Ulrike „Rieke“ ist hell auf begeistert und kann sich nichts Schöneres vorstellen, als dieses Modehaus einmal weiterzuführen. Allerdings kommt es anders als erhofft.1939 beginnt der zweite Weltkrieg und dieser zerstört nicht nur Riekes Pläne. Als 1945 der Krieg für beendet erklärt wird, ist von der glanzvollen Stadt Berlin nicht mehr viel übrig. Wo hin man auch sieht stehen Ruinen oder liegt Schutt und Asche Selbst das Modehaus Thalheim hat das Kriegsszenario nicht überstanden und ist dem Erdboden gleich gemacht. Aber Rieke wäre nicht Rieke, wenn sie ihren Traum von damals nicht aufrechterhalten hätte: sie möchte das Modehaus wiederaufbauen. Wird sie es schaffen und welche Spuren hat der Krieg bei der Familie Thalheim hinterlassen? Begeben sie sich auf eine sehr bewegende und spannende Zeitreise über die Familie Thalheim…


Die Schwestern vom Ku´damm „Jahre des Aufbruchs“ von Brigitte Riebe ist der Auftakt einer Trilogie über die Modehausfamilie Thalheim.

Auf einfühlsame Art und Weise erzählt die Autorin die Geschichte der Familie Thalheim und ab der ersten Seite lässt sie den Leser in die Geschehnisse ein- und abtauchen. Sofort merkte ich, wie akribisch und detailliert Brigitte Riebe diese Handlung ausgearbeitet hat. Angefangen bei den Charakteren, die sehr lebensnah und authentisch wirkten.

Friedrich Thalheim, ist nicht nur Vater, sondern war auch Chef des Modehauses Thalheim. Nach Kriegsende änderte dies sich und Rieke übernahm seine Position. Aber so ganz raushalten will und kann er nicht.

Ulrike „Rieke“ Thalheim, ist die älteste Tochter von Friedrich Thalheim. Früh weiß sie schon, wohin ihr Weg sie führen wird. Selbst der Krieg und zahlreiche Rückschläge halten sie nicht davon ab, ihr Ziel und Wünsche zu verwirklichen. Eine sehr selbstbewusste und starke Persönlichkeit.

Silvie ist da schon etwas anders. Sie ist lebenslustig und möchte ihr Leben einfach nur in vollen Zügen genießen. Vom Modehaus möchte sie nicht viel wissen. Lieber arbeitet sie als Ansagerin beim Radio, aber dennoch unterstützt sie Rieke, wo sie nur kann.

Flori, die jüngste Tochter ist im Laufe der Zeit ein kleiner Rebell geworden und von Schule hält sie nicht sehr viel. Ihr größtes Hobby ist Zeichnen und Malen, aber viel lieber geht sie zum Demonstrieren auf die Straße.

Miriam „Miri“ ist die beste Freundin von Rieke und jüdischer Herkunft. Dank ihres Überlebungswillen hat sie es geschafft den Kriegswirren zu trotzen. Jetzt hilft sie Rieke bei ihrem Neuanfang und entwirft und näht was die Stoffe hergeben.

Die Handlung ist so perfekt ausgearbeitet worden, so dass hier leicht der Eindruck entsteht, dass diese sich zwischen 1945 und 1950 genauso in Berlin abgespielt hat. Brillant hat Brigitte Riebe eine fiktive Geschichte mit historischen Zeitgeschehen miteinander verwebt. Wow und Hut ab, vor dieser Leistung. Diese Zeitreise nicht nur interessant, sondern bewegend, einfühlsam und spannend zugleich. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass innerlich ein Film abläuft. Immer wieder sieht man das Elend des Krieges, die Verzweiflung in den Augen oder hört sogar die Bomben explodieren. Selbst die Hungersnot nach dem Krieg kann man spüren oder man hört wie die Rosinenbomber im Minutentakt über Berlin fliegen. Eine furchtbare Zeit und ich bin froh, dass mir diese Zeit erspart geblieben ist.

Dieses Buch konnte ich nicht ohne weiteres aus der Hand legen, denn nicht nur die Kriegsjahre waren spannend, sondern auch der Wiederaufbau von Berlin und dem Modehaus. Rieke hat bewiesen, dass man fast alles schaffen kann, wenn man daran glaubt und die richtigen Menschen hat, die einen dabei tatkräftig unter die Arme greifen. Auch wenn das Modehaus im Vordergrund stehen mag, geht es in diesem Roman auch um andere Themen wie z.B. Vertrauen, Freundschaft, Verlust, Liebe und ein Familiengeheimnis, dass Rieke belastet. Ich bin gespannt, wie es weitergehen wird.

Schade, dass der zweite Band noch auf sich warten lässt, denn am Liebsten hätte ich die Geschichte weitergelesen.


Am Ende dieses Buches befindet sich eine chronologische Zeittafel von den Jahren 1945 bis 1950, die die Geschichte von Berlin wiederspiegelt. Danke dafür!


Für mich war der Auftakt dieser neuen Reihe authentisch, bewegend, interessant, unterhaltsam und spannend zugleich. Eine brillante Geschichte über die Familie Thalheim und mit großer Vorfreude warte ich auf den zweiten Teil.

nati

Beiträge 14
06.11.2018

Berlin in der Nachkriegszeit
Der erste Band um die Thalheim Schwestern umfasst die Jahre 1945 – 1951, wobei der Prolog im Jahre 1932 spielt. Stolz präsentiert Friedrich Thalheim seiner Familie das neu gestaltete Kaufhaus Thalheim & Weisgerber, für dessen Umbau er und Markus Weisgerber große finanzielle Risiken auf sich genommen haben. Doch im Jahr 1945 liegt das Kaufhaus in Schutt und Asche.

Familie Weisgerber hat Deutschland kurz vor dem Krieg verlassen. Friedrich Thalheim und sein Sohn Oskar sind vermisst. Die schöne Villa der Thalheims wurde von den Russen beschlagnahmt. Die Thalheim Schwestern Rike, Silvie und die Halbschwester Florentine sowie Claire, die zweite Frau von Friedrich Thalheim verlassen die Villa nur mit dem nötigsten und ihrem größten Schatz – zwei Nähmaschinen. Um größere Lebensmittelrationen zu bekommen, lassen sie sich als Trümmerfrauen registrieren. Rike bleibt nichts anderes übrig, als die Geschicke des Unternehmens zu übernehmen.

Als Leser begleiten wir die Familie Thalheim durch die ersten Jahre der Nachkriegszeit, erleben den Hunger, die Kälte sowie die Teilung von Berlin in vier Sektoren. Die Währungsreform tritt in den Westzonen Deutschlands und Berlins in Kraft und die Sowjetische Militäradministration sperrt alle Land- und Wasserwege zwischen Berlin und den westlichen Besatzungszonen, die Blockade hat begonnen, das Leben in Berlin wird nur durch die einzigartige Luftbrücke erhalten.

Geschickt hat Brigitte Riebe das Leben der Familie Thalheim mit den historischen Ereignissen in Berlin verwoben. Sie hat Erinnerungen an die Nachkriegszeit wieder aufleben lassen und sehr anschaulich geschildert, so dass man dankbar sein kann, heute zu leben. Sehr interessant und hilfreich, fand ich die Zeittafel am Ende des Buches.

Das Buch hat mich gefangen genommen und mir angenehme Lesestunden bereitet, so dass ich mich schon jetzt auf die Fortsetzung freue.

Tara

Beiträge 8
04.11.2018

Gut recherchierter historischer Roman mit tollen Charakteren

„Die Schwestern vom Ku`damm“ Jahre des Aufbaus“ ist der erste Band der 50-er Jahre Trilogie von der Historikerin und Autorin Brigitte Riebe.

Nachdem 1932 das luxuriöse Modehaus Thalheim und Weisgerber eröffnet wurde, ist nach dem zweiten Weltkrieg nichts mehr davon übrig, da es durch einen Bombenangriff zerstört wurde. Rike, die älteste der drei Thalheim Schwestern, hat schon immer davon geträumt, das Kaufhaus zuführen und beginnt entschlossen und tatkräftig mit dem Wiederaufbau. Während sich ihr Vater in russischer Gefangenschaft befindet, wird ihr Bruder Oskar vermisst und ihre Mutter ist ums Leben gekommen. An ihrer Seite sind ihre beiden Schwestern Silvie und Florence, ihre Stiefmutter Claire und Miri, deren Mutter eine Schneiderei geleitet hat. Mit viel Enthusiasmus, Kreativität und Optimismus beginnen die Frauen den Schicksalsschlägen zu trotzen.

Der Schreibstil von Brigitte Riebe ist fesselnd, lebendig und lässt sich leicht und flüssig lesen. Ihre sehr unterschiedlichen Charaktere werden authentisch und glaubhaft beschrieben, man fühlt, hofft, bangt und leidet mit ihnen. Rike ist eine starke Persönlichkeit, die sehr pflichtbewusst ist und sich immer für ihre Familie und andere einsetzt. Ihre Schwester Silvie ist ganz anders und lebt viel unbeschwerter. Ihr Vater ist sehr konservativ und sein Verhalten typisch für die Zeit. Auch die übrigen Charaktere werden facettenreich und interessant beschrieben.

Durch die Beschreibungen hatte ich Bilder vor Augen, konnte die Not und die Kälte in dieser Zeit spüren. Zahlreiche historische Details vermitteln auf äußerst unterhaltsame Weise viele wissenswerte Fakten. Die Kombination aus Fiktion und Geschichtlichem ist gut gelungen und man merkt, dass die Autorin ausgesprochen gut recherchiert hat.

Am Ende des Buches findet man eine Zeittafel, die ich als sehr hilfreich empfunden habe und die eine gute Übersicht über die historischen Ereignisse bietet.

Für mich war das Buch ein großartiger historischer Roman, den ich sehr gerne gelesen habe. Ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung, um mehr über die Thalheim Schwestern zu erfahren und kann das Buch nur empfehlen.

sommerlese

Beiträge 108
04.11.2018

Berlin im Mai 1945: Der Krieg ist überstanden, die Stadt ist besetzt von den Siegermächten, Trümmer beherrschen das Stadtbild und die Menschen leiden an ihren persönlichen Verlusten und an Hunger und Entbehrung. Auch das alteingesessene Kaufhaus Thalheim wurde bei einem Bombenangriff zerstört. Der Vater Friedrich Thalheim ist inhaftiert und ihr Bruder Oskar ist verschollen. Die Familienvilla wurde beschlagnahmt und die Töchter Ulrike, Silvie und Florentine Thalheim arbeiten als Trümmerfrauen, um nicht zu hungern. Rike träumt vom Wiederaufbau des Kaufhauses und möchte mit farbenfrohen Kreationen die Modebranche wieder ankurbeln. Nach der Währungsreform scheint dieser Traum sich immer mehr zu erfüllen, doch ein dunkles Geheimnis wirft seine Schatten auf die Familie Thalheim.


Dieser Roman beschäftigt sich mit dem aufkommenden Wirtschaftswunder, mit Lebensmittelmarken und Währungsreform, mit Schwarzmarkthandel und mit neuen Lebensträumen der Menschen nach dem überstandenen Krieg. Die Zeitspanne umfasst die Jahre 1945 bis 1951.

Vater Thalheim ist noch in Gefangenschaft und so übernimmt die älteste Tochter Rike die Verantwortung für ihre Familie. Sie sorgt für einen Neustart eines Modegeschäftes und erfährt im Laufe der Handlung von einen Geheimnis, an dem die Familie zu zerbrechen droht.

Silvie Thalheim ist ein lebensfroher, aber sprunghafter Charakter, sie fällt durch ihre wechselnden Beziehungen auf, singt in verschiedenen Clubs und setzt ihre Reize auch erfolgreich auf dem Schwarzmarkt ein.
Die jüngste Schwester Flori liebt das Zeichnen und Malen und sie lehnt ihren Vater wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP ab und arbeitet aktiv in der Entnazifizierung mit.


Rikes Freundin Miriam ist Jüdin, wie durch ein Wunder hat sie den Nationalsozialismus überlebt und nun nähen und entwerfen sie Kleidungsstücke aus Uniformen, Flaggen und alten Stoffresten. Die Schwestern starten eine Modenschau vor ihrem zerstörten Kaufhaus und wecken damit nach all der Entbehrung in den Menschen neue Träume. Sie wollen wieder Freude am Leben haben, bunte Kleidung ist da ein erster hoffnungsvoller Anfang.

Die Ausarbeitung der Figuren ist Brigitte Riebe ganz wunderbar gelungen, sie sind lebendig und erkennbar charakteristisch gezeichnet. Ich konnte gar nicht anders als mit ihnen zu fühlen und auf einen guten Ausgang zu hoffen.

Die Geschichte zeigt sehr anschaulich und glaubwürdig wie sich das alltägliche Leben dieser Nachkriegsgeneration abspielte. Auch wenn die Geschichte der Thalheims fiktiv ist, so baut sie Brigitte Riebe authentisch in das Zeitgeschehen ein und macht historische Ereignisse nachvollziehbar. Das alltägliche Leben im besetzten Berlin wird hier sehr realistisch in die Handlung eingearbeitet. Wer über diese zeitliche Entwicklung nähere Informationen benötigt, findet sie in einer ausführlichen Zeittafel am Ende des Buches.


Sehr lebendig und realistisch versteht es Brigitte Riebe, ihre Leser in das Zeitgeschehen einzuführen und den Aufbau West-Berlins mit Leben zu füllen. Mit Schicksalen, Entbehrungen, Hoffnungen, Nöten und die enorme Aufbaustimmung zu verdeutlichen.

Das allein macht ihr Buch zu einer wunderbaren Lektüre, die lebendig die Zeit darstellt und zusätzlich auch spannend unterhält.


Dieser Auftaktband der Schwestern vom Ku'damm weckt Interesse für die weiteren Bände, er informiert über das Zeitgeschehen und speziell den Aufbau West-Berlins und ist ein kurzweiliger Roman zum Eintauchen in die Zeit.

tigerbea

Beiträge 50
02.11.2018

Im Berlin im Mai 1945 sitzen sitzen die Menschen verängstigt in den Kellern. Auch die Thalheim -Schwestern Rike, Silvie und Florentine stehen vor dem Nichts. Das einst so prächtige Kaufhaus Thalheim, das ihr Vater erbauen ließ, ist total zerstört. Ihr Bruder Oskar ist vermißt und der Vater ist nur noch ein Schatten. Als der Krieg endlich vorbei ist steht für Rike fest, daß sie das Kaufhaus wieder aufbauen will. Zäh verfolgt sie dieses Ziel, während Silvie alles viel leichter nimmt und sich auf dem Schwarzmarkt in gefährliche Situationen begibt. Dabei hilft ihr sicherlich die Tatsache, daß sie eine sehr schöne Frau ist. Florentine, die jüngste Schwester, verweigert sich total. Sie rebelliert gegen das gesamte Bürgertum und kämpft für den Frieden.

Wir begleiten die Thalheim-Schwestern durch die ersten Jahre der turbulenten Nachkriegszeit.


Als ich dieses Buch sah, dachte ich sofort an die Fernsehfilme "Ku`damm 56 und 59". Ich habe dann aber sehr schnell gemerkt, daß das Buch sehr viel tiefer in die Geschichte geht und nicht nur oberflächlich die Nazi-Zeit ankratzt. Es ist interessant, wie unterschiedlich die Menschen mit der Situation nach Kriegsende umgehen. Da ist Friedrich Thalheim, der irgendwie beleidigt wirkt, weil sein Kaufhaus zerstört ist und seine Macht über die Familie schwindet. Ganz anders sind da seine Töchter. Sie nehmen den Kampf um ein besseres Leben beherzt auf und jede von ihnen geht ihren Weg. Bemerkenswert ist allerdings, wie schnell manche Alt-Nazis in der Nachkriegszeit wieder nach oben kommen und sich keiner Schuld bewusst sind.


Wir haben hier ein Buch, das die Geschichte Deutschlands und ganz besonders Berlins spannend erzählt. Durch die Personen in dieser Handlung kann sich jeder genau in die Zeit hinein denken, die unser jetziges Deutschland so geprägt hat. Ohne die Menschen wie Rike, Silvie und Florentine wäre Deutschland nicht so schnell wieder auf die Beine gekommen.

Man darf gespannt sein, wie das Leben für die drei Schwestern weitergeht!

TochterAlice

Beiträge 14
01.11.2018

Die Geburtsstunde Westberlins, Also das Ende des zweiten Weltkriegs und die Wochen und Jahre danach bildet den zeitlichen und räumlichen Rahmen für diesen Roman um die Familie Thalheim, mit dem Autorin Brigitte Riebe eine Trilogie beginnen lässt. Drei Schwestern - Rike, Silvie und Florentine - sind die Protagonistinnen: jeder der drei ist ein Band gewidmet.

Diesmal steht Rike, die älteste der drei Thalheim-Schwestern im Mittelpunkt, eine umsichtige und pragmatische Person, die versucht, ihre durchaus vorhandene Emotionalität im Verborgenen auszuleben, was nicht immer gelingt. Nachdem sich die Männer der Familie - Vater und Bruder - zunächst nicht aus dem Krieg zurückmelden, sieht Rike sich gezwungen, das Zepter in die Hand zu nehmen und erste Schritte zu tätigen, um das ehemals große Modekaufhaus, das zu großen Teilen in Besitz der Familie Thalheim wieder, zumindest in kleinerem Format wieder auferstehen zu lassen. Auch nach der Rückkehr ihres Vaters aus der Gefangenschaft bleibt sie am Ball.

Doch auch die Entwicklungen, in diesen ersten Jahren also hauptsächlich die Sorgen und Nöte weiterer Protagonisten, der beiden Schwestern, der Stiefmutter sowie anderer Familienmitglieder und Freunde kommen nicht zu kurz und wir dürfen mit Familie Thalbach den allmählichen Wiederaufbau Westberlins, aber auch die entgültige Spaltung Deutschlands in Ost und West erleben.

Brigitte Riebe ist promovierte Historikerin und hat ein Händchen dafür, spannende und interessante, oft vergessene reale Alltagsereignisse der von ihr jeweils geschilderten Zeitspanne in den Handlungsverlauf einzubauen: Eine "Spezialität", die ich ganz besonders genieße.

Also ein richtiggehender Lesegenuss, bei dem mir einzig die etwas zu zahlreichen Zufälle, die immer wieder vor allem Rikes Schicksal bestimmten und ihm eine neue Wendung gaben, des Guten zu viel waren.

Insgesamt jedoch ein Roman, der in mir ein warmes, wohliges Gefühl interlässt, weil es so viele meiner (Lese-)Bedürfnisse befriedigt hat: eindringliche Charaktere, literarischer und historischer Anspruch, gute Unterhaltung, ein angenehmer, nicht zu gefällige Stil, der etwas erfrischend Freches an sich hat - ein gelungener Start in die Trilogie , der mir den Einstieg in den nasskalten Herbst versüßt hat. Schon jetzt bin ich mehr als gespannt auf Band 2 und 3 - also auf die lebenshungrige, spontane Silvie und die verträumte, künstlerisch begabte Florentine, zumal die Autorin in Band 1 zum Ende hin mit nicht nur einem Cliffhanger aufwartet.

tinstamp

Beiträge 22
31.10.2018

Bewertung: 4 1/2 Sterne

Berlin 1945. Der Zweite Weltkrieg ist offiziell vorbei, doch die Menschen leiden noch sehr an den Nachwirkungen. Hunger und Elend sind weitverbreitet und die Stadt ist von den Siegermächten besetzt. Familie Thalheim, einst Besitzer eines der größten Kaufhäuser Berlins, muss ihre Villa ebenfalls räumen, die von den Russen beschlagnahmt wurde. Begründer des Kaufhauses, Friedrich Thalheim, ist in russischer Gefangenschaft, Sohn Oskar im Krieg verschollen. Seine erste Frau Alma starb bereits 1932 bei einem Autounfall. Claire, seine zweite Frau und die gemeinsame Tochter Florentine, leben mit den älteren Töchtern Rike und Sylvie in der ehemaligen Wohnung der Großmutter in Charlottenburg.
Ulrike, genannt Rike, die Älteste der Thalheim-Schwestern, um die sich der erste Band der Trilogie dreht, träumt davon das Kaufhaus wieder aufzubauen und den Frauen nach den Entbehrungen neue modische Kleidung anzubieten. Doch noch haben die Menschen kein Geld für "Luxusartikel" und Stoffe sind ebenso schwer zu bekommen, wie Strickwaren. Trotzdem hungern die Berlinerinnen nach all den Entbehrungen des krieges ebenso nach den schönen Dingen des Lebens. Mit Hilfe von Miriam, einer Jüdin, die als U-Boot den Krieg überlebt hat, beginnt Rike in der verwahrlosten Wohnung ihrer Großmutter zu nähen und neue Modelle zu entwerfen. Als Friedrich Thalheim aus der Gefangenschaft entlassen wird, steht Rike vor einem weiteren Problem, denn ihr Vater nimmt sie geschäftlich nicht ernst. Er ist ein Mann der alten Schule, ein Patriarch, der sowohl seinen politischen Ansichten treu bleibt, als auch seinem Denken Frauen gegenüber. Doch dies bleibt nicht die einzige Hürde für Rike, denn ein Brief aus der Schweiz und das Tagebuch ihrer Mutter sorgen für weitere Verwicklungen in ihrem Leben.

Rikes lebenshungrige Schwester Sylvie ist ihr beim Wiederaufbau anfangs keine große Hilfe, denn diese hat nur Männer und Musik im Sinn. Mit ihrer rauchigen Stimme verdreht sie nicht nur den Soldaten den Kopf, sondern setzt ihre Attraktivität ebenso am Schwarzmarkt ein.
Die Jüngste, Halbschwester Florentine, steckt mitten in der Pubertät und hat jede Menge Unsinn im Kopf. Dabei ist sie aber auch ein Freigeist und liebt das Zeichnen und Malen.
Die verschiedenen Charaktere sind großartig ausgearbeitet und stimmig. Ich hatte jeden Einzelnen von ihnen vor Augen.

Brigitte Riebe gelingt es wieder großartig, die damalige Zeit einzufangen und fesselt mit ihrem ausdrucksstarken Schreibstil. Sie bringt wichtige Themen der Nachkriegszeit, wie die Berlin-Blockade, die Währungsreform, das Leben der Trümmerfrauen und die verschiedenen Besatzungszonen, die Berlin immer mehr in Ost- und West teilt, in ihre Geschichte rund um die Thalheims ein und verpackt es zu einem großen Ganzen. Die Autorin hat die Zeit des Wiederaufbaus hervorragend recherchiert und bringt sie dem Leser anschaulich nahe. Man fiebert mit den Charakteren mit und erlebt die Nöte der Einwohner der in vier Zonen geteilten Stadt Berlin. Brigitte Riebe hat die Gabe diese Zeit wirklich fesselnd und authentisch zu erzählen und versteht es den Leser damit in den Bann zu ziehen.

Einzig Rikes Liebesgeschichte konnte mich nicht zu 100% überzeugen. Hier fehlte mir einfach das gewisse Etwas. Dies ist jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt am Roman, der mich sonst wirklich fesseln konnte.

Schreibstil:
Der Schreibstil von Brigitte Riebe ist ausdrucksstark, flüssig und atmosphärisch. Man taucht von der ersten Seite an sofort in ihre Geschichten ein und erst nach dem letzten Satz wieder auf. Sehr anschaulich schildert sie die politischen Geschehnisse der Nachkriegszeit.
Am Ende des Buches gibt es eine detaillierte Zeittafel des berlins von 1945 bis 1951.

Fazit:
Ein toller Auftakt einer Trilogie, die die schwere Zeit nach dem Krieg und den Wiederaufbau schildert. Verwoben mir einer Familiengeschichte rund um die Thalheim Schwestern wird hier Zeitgeschichte lebendig. Ich freu mich schon auf den nächsten Band.

Dreamworx

Beiträge 15
30.10.2018

Gestatten? Wir sind die Thalheims

1932 eröffnet Friedrich Thalheim mit seinem jüdischen Partner Markus Weisgerber ein luxuriöses Kaufhaus in Berlin. Schon bei der Besichtigung kurz vor Eröffnung steht für die 12-jährige und älteste Tochter Rike fest, dass sie dieses einmal führen wird. Doch dann bricht der Krieg aus und nicht nur das Kaufhaus wird dem Erdboden gleich gemacht, sondern auch die Familie muss viele Schicksalsschläge hinnehmen. Während Mutter Alma bei einem Verkehrsunfall schon 1932 ums Leben kam, gerät Friedrich kriegsbedingt 1945 in Gefangenschaft, Sohn Oskar gilt als an der Front vermisst und die Töchter Rike, Silvie und Flori nebst Stiefmutter Claire sind auf sich gestellt, müssen beim Einmarsch der Russen sogar die Familienvilla verlassen und in die verwahrloste Charlottenburger Wohnung ihrer Großmutter einziehen. Doch Rike hält die Familie zusammen, arbeitet als Trümmerfrau, um den Lebensunterhalt zu verdienen und träumt weiter vom Wiederaufbau des Kaufhauses. Mit Freundin Miriam und Schwester Silvie schlägt sie sich tapfer durch die harte Nachkriegszeit und muss manche Durststrecke und Überraschung verdauen, bevor ihr Traum Wirklichkeit werden kann…

Brigitte Riebe hat mit ihrem Buch „Die Schwestern vom Ku’damm: Jahre des Aufbaus“ den ersten Band ihrer Trilogie rund um die Thalheim-Schwestern vorgelegt, dass den Leser schon mit dem Prolog in den Bann zieht und unterschwellig einige Fragen aufwirft, bevor die Geschichte dann ab 1945 im ausgebombten Berlin weitergeht. Der Erzählstil ist flüssig, durchweg spannend und atmosphärisch dicht, die zerstörte Stadt Berlin nimmt vor dem inneren Auge des Lesers ebenso Gestalt an wie die Schutt wegräumenden Trümmerfrauen, die allesamt von der Hand in den Mund leben und durch die schwere Arbeit versuchen, sich und ihre Lieben irgendwie durchzubringen. Der historische Hintergrund wurde von der Autorin wunderbar und präzise recherchiert, so dass der Leser regelrecht bei den Anfängen des Wiederaufbaus hautnah mit dabei ist und gleichzeitig die Entbehrungen und die Sorgen der Menschen miterlebt. Neben der Lebensmittelknappheit fehlten auch warme Kleidung und Heizkohle. Dann kam die Abschottung der Stadt durch die Russen, die nur durch die Rosinenbomber und die Luftbrücke durchdrungen werden konnte und am Ende die Währungsreform einläutete. Die Autorin lässt neben ihrer Familiengeschichte um die Thalheims die Geschichte regelrecht Revue passieren, zauberhaft miteinander verwoben. Der Leser trifft aber nicht nur auf verzweifelte Menschen, sondern vor allem auf jene Hoffnungsvollen, die am Leben sind und jede Minute nutzen, um für eine bessere Zukunft zu kämpfen.

Die Charaktere wurden liebevoll so individuell wie einzigartig ausgearbeitet und mit viel Herzblut zum Leben erweckt worden. Sie wirken authentisch und real, weshalb es dem Leser nicht schwer fällt, sich mit ihnen zu identifizieren und sich als Teil der Familie zu fühlen, um mit ihnen zu leiden, zu hoffen, zu bangen und zu lieben. Rike ist eine patente junge Frau, die schon früh weiß, was sie will. Unbeirrt, voller Energie und über jeden Stolperstein geht sie fokussiert ihren Weg und hält dabei noch die ganze Familie samt Freunden zusammen. Sie ist eine starke Frau, die sich nicht unterkriegen lässt und sich so im Herzen des Lesers einschleicht und dort vor Anker geht. Silvie ist Rikes jüngere Schwester, die sich ihrer Attraktivität sehr wohl bewusst ist und dies auch in vollen Zügen ausnutzt. Sie gewinnt schnell jedes Männerherz und zieht auch einige Vorteile daraus. Mit ihrer rauchigen Stimme macht sie bald Karriere beim Radio, aber auch die englischen Offiziere können sich ihrem emotionalen Gesang nicht entziehen. Silvie tanzt auf vielen Hochzeiten, und obwohl sie oftmals oberflächlich wirkt, in ihren tiefsten Herzen liebt sie ihre Familie sehr. Florentine ist die jüngste Schwester, die ein Talent fürs Zeichnen hat und die Dinge anders sieht als andere. Sie ist rebellisch und sagt offen, was sie denkt, ein Freigeist, der sich erst noch entfalten muss. Vater Friedrich ist ein Kind seiner Zeit und denkt immer noch, Frauen gehörten an den Herd, obwohl er es seinen Töchtern verdankt, dass er überhaupt wieder mit der Familie vereint ist. Er ist ein Opportunist und oftmals auch ein Egoist, der die Wahrheit, dass sich die Zeiten geändert haben, nicht wahrhaben möchte. Miriam ist Rikes Freundin und gleichzeitig Jüdin. Sie hat sich selbst durch das Kriegsgeschehen geschlagen, ihr Talent, mit der Nähmaschine zu zaubern, dabei aber nicht verloren. Miriam träumt von der großen Liebe und ist herrlich emotional, man muss sie einfach lieben. Aber auch die anderen Charaktere wie z.B. Onkel Carl, Tante Lydia oder Ben verleihen der Handlung ihren Zauber und dürfen einfach nicht fehlen.

„Die Schwestern vom Ku’damm: Jahre des Aufbaus“ ist ein großartiger, fesselnder und gefühlvoller Roman, der den Leser schon mit dem ersten Band verzaubert und Sehnsucht auf mehr macht! Wunderbar gelungen – Chapeau! Absolute Leseempfehlung für das Highlight 2018!

heidi_59

Beiträge 43
28.10.2018

Die Zeit der Schwestern


Berlin im Mai 1945

Fast könnte man meinen die Welt hält den Atem an ...
und wartet ab , ob der Wahnsinn des zweiten Weltkriegs nach 6 Jahren der Zerstörung nur Pause macht , oder doch ein Ende hat .
Die drei Geschwister Rike, Silvie und Florentine sind seit Tagen mit Französin Claire , die zweiten Frau ihres Vaters , im Keller der heimischen Villa und trauen dem angeblichen Kriegsende nicht so recht . Zwar hat der Bombenhagel aufgehört aber stattdessen räubern die Soldaten der Besatzungsmächte durch die Straßen und Häuser Berlins, auf der Suche nach Soldaten der Wehrmacht .
Für Rike und ihre Schwestern ist die Gefahr nach wie vor sehr hoch. Ohne männlichen Beistand aus der Familie sind die Frauen den Soldaten auf Gedeih und Verderb ausgeliefert , wenn man sie entdeckt . Die Männer der Familie Thalheim sind noch nicht aus dem Krieg zurückgekehrt und keiner weiß etwas über den Verbleib von Vater Friedrich oder Bruder Oskar . Doch das Glück hat es trotzdem gut gemeint mit der Familie. Zumindest hat ein Großteil von ihnen den Krieg überlebt , der schätzungsweise 60 - 70 Millionen Menschenleben gefordert hat .
Der Krieg ist vorbei , doch das Elend noch lange nicht . Berlin liegt in Schutt und Asche gebombt und kaum ein Straßenzug ist wiederzuerkennen. Von dem stolzen Familienunternehmen , das 1932 feierlich am Ku'damm eröffnet wurde, ist nicht viel mehr übrig geblieben. Fassungslos stehen die Familienmitglieder vor der Ruine des einst so stolzen Modekaufhaus Thalheim und Weisgerber.
Es ist die Stunde Null . Nicht nur die Städte sind zerstört , auch ihre Bewohner sind seelisch und körperlich am Ende . Die Menschen sehnen sich nach Frieden ,. Hoffnung und Neuanfang .
Während Rike vom Neuaufbau des Kaufhauses Thalheim träumt und Claire von der Rückkehr ihres Mannes aus dem Krieg , arbeiten beide hart als Trümmerfrauen am Wiederaufbau Berlins . Rike hat die Hoffnung dass das triste Grau des Krieges mit neuen Modekreationen und den schönen bunten Stoffen ,die sie noch vor dem Krieg sicher mit dem Vater versteckt hatte , aus ihrem Leben verschwindet .
Die hübsche Silvie wickelt Tagsüber auf dem Schwarzmarkt geschickt ihre Geschäfte ab und tritt Abends als Sängerin in den Clubs der Siegermächte auf . Dabei wickelt die Soldaten mit Leichtigkeit um den kleinen Finger und bringt so einige der Herzen zum schmelzen .
Endlich kommt wieder Leben in Stadt und ihre kriegsgebeutelten Menschen , doch noch übertönt ihr knurrender Magen den Wunsch nach neuer Kleidung.
Der Aufschwung scheint mit der Währungsreform zu kommen . Die Menschen wollen das Grau der langen Kriegsjahre hinter sich lassen und hungern nach allem was neu ist und Farbe in ihr Leben bringt .
Doch die neuen Zeiten bringen auch ihre Probleme mit sich und so manch dunkles Geheimnis der Vergangenheit drängt an die Oberfläche .


Wirtschaftswunder, Kaufrausch, Träume in Pastell - drei Schwestern und ein Kaufhaus am Ku'damm.
Der Auftakt der großen 50er-Jahre-Trilogie von Bestseller-Autorin Brigitte Riebe.

Wunderbar einfühlsam und sehr authentisch fügt die Autorin Brigitte Riebe , die Fäden ihrer fiktiven Geschichte mit den historisch belegten Ereignissen der Deutschen Nachkriegszeit zusammen .
Sie gibt ihren gut und facettenreich gezeichneten Protagonisten ausreichend Raum um sich zu entwickeln und lässt den Leser vom ersten Moment an in die berührende Erzählung versinken. Ihr bildhafter Erzählstil lässt die lange Zeit des Hungerns , der eisigen Kälte, des Elends und die Not nur zu deutlich werden . Unendlich viele Gänsehaut Momente , bei denen ich froh gewesen bin, nicht wirklich dabei zu sein .
Die promovierte Historikerin Brigitte Riebe, versteht es ganz hervorragend historisch belegtes Zeitgeschehen neu und spannend zu verpacken . So berührend und gleichzeitig fesselnd, ein Stück unserer deutschen Geschichte , in Romanform neu zu erzählen,hin zu den Lesern zu transportieren und zu begeistern , das ist schon eine großartige Leistung wie ich finde !

Brigitte Riebe hat mich mit dem Auftakt ihrer RomanTrilogie um die Familie Thalheim absolut begeistert . Ich habe mich innerhalb von ein paar Tagen als weitere Schwester gefühlt und die komplette Familie in mein Herz geschlossen.
Leider ist diese wunderbare Reise, dadurch das ich den Roman kaum aus den Händen legen konnte, viel zu schnell zu Ende gegangen und ich kann es kaum erwarten , bis der nächste Band der Schwestern vom Ku'damm , “Wunderbare Zeiten ” erscheint .

Sehr gerne vergebe ich für den ersten Teil
“Die Schwestern vom Ku'damm”
gute 5 Sterne
und eine unbedingte Leseempfehlung für diesen wunderbaren und anspruchsvollen Roman
@heidi_59

Sonjas Bücherecke

Beiträge 64
28.10.2018

"Die Schwestern vom Ku'damm" ist der sensationelle Auftakt der großen 50er-Jahre-Triologie aus der Feder der Bestsellerautorin Brigitte Riebe.

In Band 1 entführt uns die Autorin in die Jahre 1945-1951. In Berlin lag im Mai 1945 wirklich alles in Schutt und Asche. Wir lernen die Familie Thalheim kennen, die für den Trümmern ihres einst so großartigen Kaufhauses steht. Die älteste der drei Thalheim Schwestern, Rike, hat einen großen Traum. Sie will das Kaufhaus wieder in altem Glanz erstrahlen lassen. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Die drei Schwestern und ihre Stiefmutter sind unermüdlich als Trümmerfrauen im Einsatz. Die Nachkriegszeit verlangt den Menschen viel ab. Doch nach der Währungsreform scheint es tatsächlich aufwärts zu gehen. Doch diese neue Zeiten bringen auch neue Probleme. Und besonders über der Familie Thalheim scheint ein dunkles Geheimnis zu liegen, das die Vergangenheit wieder lebendig werden lässt....

Noch jetzt bin ich tief berührt von dem Gelesenen. Brigitte Riebe versteht es, dem Leser Geschichte wirklich nahe zu bringen. Ich bin von Anfang an tief in die Geschichte eingetaucht und habe am Leben der Thalheims teilgenommen. Zu Beginn bekommt man einen kurzen Rückblick in das Jahr 1932, den Glanzeiten der Thalheims. Aber 1945 in den Nachkriegsjahren wird den Menschen unmenschliches abverlangt. Auch sind alle Charaktere, allen voran die drei Schwestern wunderbar beschrieben. Ich kann mir jede Einzelne von ihnen bildlich vorstellen. Da ist Rike, die Kämpfernatur, die mit beiden Beinen am Boden steht. Silvie, ist die bildhübsche, die sich mehr für die Schönen Dinge des Lebens interessiert und nicht nur fürs Geschäft. Und da Nesthäkchen Florentine, die gerne rebelliert. Ein "enfant terribel", wie es so schön heißt. Ich bewundere den Mut der Frauen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Rike verfolgt auch in schrecklichen Zeiten ihr großes Ziel und kämpft sich wieder nach vorne. Ab und an hatte ich beim Lesen auch ein Gänsehautfeeling oder war zu Tränen gerührt. Und auch das dunkle Geheimnis der Familie Thalheim hat für jede Menge Aufregung gesorgt. Ein äußerst gelungenes Gesamtpaket.

Für mich ist dieser Auftaktrom eine Lesevergnügen der Extraklasse. Ein Lesehighlight, das es auf meine Bestsellerliste für 2018 geschafft hat. Für mich ein absolutes Traumbuch. Das Cover passt perfekt. Gerne vergebe ich für diese spannende und interessante Lektüre gerne 5 Sterne und freue mich riesig auf Band 2.

Langeweile

Beiträge 3
26.10.2018

Klappentext:

Berlin im Mai 1945: Es ist die Stunde null, die Stadt liegt ebenso in Trümmern wie die Seelen der Menschen.
Auch das Kaufhaus Thalheim am Kudamm ist zerstört. Fassungslos stehen die drei Schwestern Rike, Silvie und Florentine vor der Ruine des einst so stolzen Familienunternehmens.
Doch Rike,die Älteste ,hat einen Traum: Sie will das Kaufhaus wieder aufbauen und mit raffinierten Stoffen und neuesten Modekreationen Farbe in das triste Nachkriegsberlin bringen.
Nach der Währungsreform scheint es tatsächlich aufwärtszugehen,die Menschen hungern nach Konsum und schönen Dingen. Als ein dunkles Geheimnis zu Tage tritt, das ein unrühmliches Licht auf das Kaufhaus und seine Geschichte wirft, müssen die Schwestern erkennen, dass die Vergangenheit noch immer lebendig ist ....

Meine Meinung:

Am Beispiel der Kaufmannsfamilie Thalheim hat sich die Autorin intensiv mit der Geschichte Berlins, unmittelbar nach Ende des zweiten Weltkriegs ,beschäftigt. Die Ruinen einer fast völlig zerstörten Stadt, die Armut, der Hunger , aber auch der ungebrochene Lebenswille der Bevölkerung, teilweise gespickt mit dem typischen Berliner Humor, wurden auf sehr anschauliche Weise thematisiert.
Die Frauen der Familie Thalheim sind auf sich alleine gestellt, der Vater ist noch nicht aus dem Krieg zurückgekehrt (später inhaftiert), der Bruder ist verschollen.
Die Mutter und die drei Schwestern betätigen sich als Trümmerfrauen, eine sehr harte Tätigkeit, wodurch sie aber einen Anspruch auf mehr Lebensmittelmarken haben, um den größten Hunger zu bekämpfen.
Auch wenn es sich bei der Familie um die so genannte Mittelschicht handelt, wird deutlich, dass auch sie in großem Maße von den allgemeinen Einschränkungen betroffen ist. Wenig, beziehungsweise gar keinen Strom oder Wasser zu haben, sind nur zwei Beispiele für Mängel, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann.
Auch ist das Leben in einer politisch viergeteilten Stadt, in der nicht wenige Nazis überlebt haben,alles andere als einfach.
Die Autorin hat mich von Anfang an in die Geschichte eintauchen lassen. Ich fühlte mich fast als Familienmitglied der Thalheims ,habe mitgekämpft und mitgelitten.
Man merkt dem Roman sehr deutlich an, mit wieviel Herzblut er geschrieben wurde. Besonders hervorheben möchte ich die gute Recherchearbeit der Autorin, welche durch eine Auflistung der historischen Ereignisse am Ende des Buches hilfreich ergänzt wurde.

Fazit:

Ein Buch, was mich rundum begeistert hat. Der Fortsetzung sehe ich voller Spannung entgegen.

sylvia_hertel

Beiträge 10
26.10.2018

Gelungener Auftakt der 50er Jahre Trilogie
Brigitte Riebe bewegte sich eigentlich immer im Mittelalter und hat viele Bestsellerromane veröffentlicht. Seit „Marlenes Geheimnis“ hat sie sich den Nachkriegsjahren zugewandt und vermittelt die damalige Zeit den Lesern mit Bravour.
Die Schwestern vom Ku’damm – Jahre des Aufbaus ist nun der 1. Teil einer 50er Jahre Trilogie.
Hier erzählt die Autorin die Geschichte der Familie Thalheim. Im Prolog, der im Jahr 1932 spielt feiert die Familie die Eröffnung ihres Kaufhauses.
Dann gibt es einen Zeitsprung und wir sind im Jahr 1945, Kriegsende.
Berlin liegt in Schutt und Asche. Das schöne Kaufhaus ist zerstört.
Die Schwestern Rike, Silvie und Florentine leben mit ihrer Mutter im Keller. Die Villa wird von Russen beschlagnahmt und sie müssen sich eine neue Bleibe suchen.
Vater Friedrich und Bruder Oskar werden vermisst.
Rike, die älteste der 3 Schwestern fühlt sich für die Familie verantwortlich und nimmt die Geschicke in die Hand.
So ziehen sie mit einem Bollerwagen voll mit ihren wenigen Habseligkeiten und 2 Singer Nähmaschinen in die alte Wohnung ihrer Oma.
Jetzt gilt es nur noch zu überleben mit dem wenigen was man an Lebensmittel bekommt.
Die 3 Schwestern, die im Mittelpunkt der Erzählung stehen sind sehr unterschiedlich.
Rike ist die vernünftige und verantwortungsbewusste.
Silvie ist sprunghaft und immer auf ein Abenteuer aus.
Florentine ist noch recht jung, entwickelt sich aber im Laufe des Buches zu einer kleinen Rebellin.
Es sind nicht einfach nur Romanfiguren. Nein, Brigitte Riebe hat ihnen Leben eingehaucht.
Für mich waren sie lebendig und ich habe mich mit ihnen gefreut und habe mit ihnen gelitten.
Auch die Zeit nach dem Krieg und der Anfang des Wiederaufbaus werden sehr gut vermittelt.
Im Anhang des Buchs gibt es eine Zeittafel wo wichtige Ereignisse der Jahre 1945-1951 aufgeführt werden.
So einiges ist in die Handlung des Buchs mit eingeflossen so, dass Realität und Fiktion kaum zu trennen sind.
Dieses Buch bekommt von mir 5 Sterne, könnte ich 10 Sterne vergeben so würde ich es gerne tun den das Buch gehört zu meinen Highlights des Jahres 2018.
Jetzt bleibt mir nur noch mich auf den 2. Band, der im Juli 2019 erscheint zu freuen.

KerstinT

Beiträge 44
26.10.2018

Guter Trilogie-Start

Der Zweite Weltkrieg ist vorbei und das prachtvolle Kaufhaus der Familie Thalheim liegt in Schutt und Asche. Doch Rike, die älteste Tochter des Kaufhaus-Chefs will nicht aufgeben und einen Neuanfang starten. Doch wie soll das gehen? Der Vater in Gefangenschaft, der Bruder verschollen. Nur die beiden kleinen Schwestern und die Stiefmutter, die ihrem Mann nachtrauert. Doch gemeinsam werden sie es schaffen und der damaligen Zeit trotzen.

Die Handlung beginnt im Mai 1945, als die Russen Teile Berlins einnehmen und endet im Sommer 1951, als es Deutschland wieder besser geht. Es handelt sich hierbei um eine Trilogie. In jedem Buch steht eine der drei Schwestern im Mittelpunkt. In diesem ersten Band ist es Ulrike – genannt Rike.
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und sehr vielseitig. Das gefällt mir sehr gut, denn so wird man als Leser auch mal von Handlungen der Charaktere überrascht. Rike, mit ihren 25 Jahren, wirkt zunächst sehr überlegt und nachdenklich. Sie ist die älteste und übernimmt das Ruder. Sie steht sogar über ihrer Stiefmutter, die zu Ende des Krieges stark traumatisiert ist. Allerdings lernt der Leser während der Handlung auch eine andere Rike kennen. Eine die von einer eigenen Familie träumt, die sich von italienischen Männern bezirzen lässt und die durchaus sehr lustig und fröhlich sein kann. Das genaue Gegenteil dazu bildet ihre Schwester Silvie. Sie ist der Wirbelwind und stiftet gerne mal Unruhe. Aber auch sie reift mit der Zeit und sagt selbst von sich, dass sie nicht mehr die Herumtreiberin ist. Allerdings sieht der Leser davon noch wenig. Dies wird sicherlich in Band zwei besser thematisiert. Silvie hängt sehr an ihrem Zwillingsbruder, der leider nicht aus dem Krieg zurückgekehrt ist. Allerdings glaub Silvie nicht an Oskars Tod – sie müsste doch spüren, wenn ihr Zwilling tot ist? Dann gibt es noch das Nesthäkchen, die kleine Halbschwester Flori. Die in den ersten Nachkriegsjahren zur jungen Frau wird und viel mit der Vergangenheit zu kämpfen hat.
Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen. Die Handlungen waren authentisch, aber leider konnte ich nicht komplett in die Geschichte eintauchen. So richtig ins Berlin der 40er wurde ich nicht versetzt. Das fand ich schade. Dennoch kam die damalige Situation recht gut rüber. Was mich etwas gestört hat, waren die vielen Zufälle oder glücklichen Fügungen. Mir kam der Wiederaufbau des Thalheim-Kaufhauses zu einfach vor. Außerdem war die Handlung recht hervorsehbar. Dennoch ermöglicht dieser Roman einen guten Einblick in die ersten Nachkriegsjahre – in die Jahre des Aufbaus.
Was mir sehr gut gefallen hat ist die Zeittafel am Ende des Buches. Hier sind alle wichtigen Ereignisse der Jahre 45-51 aufgelistet. Auch sind diese Ereignisse teilweise in die Handlung eingeflochten, wurde alles sehr authentisch wirkt und man nebenbei noch etwas lernt. Der Roman ist wirklich sehr gut und gründlich recherchiert.

Dieser Roman hat mich gut unterhalten. Ich habe Einblick in die Jahre des Aufbaus bekommen und durfte facettenreiche Charaktere kennenlernen. Was mir gar nicht gefällt ist, dass es sich bei den Schwestern vom Ku’Damm um eine Trilogie handelt. Zurzeit scheint es so, als würde jeder Trilogien schreiben. Das finde ich schade, da ich gerne in einem Buch wissen möchte, wie es ausgeht und nicht immer ein Jahr warten müssen, bis es weitergeht. Somit vergebe ich letztendlich dreieinhalb von fünf Sternen. Einen halben Stern ziehe ich ab, da es sich um eine mehrbändige Reihe handelt.

KatiKatharinenhof

Beiträge 81
26.10.2018

Endlich, endlich ist der Krieg vorbei und nun wird das ganze Ausmaß der Zerstörung erst richtig sichtbar. Die drei Thalheim -Schwestern stehen nicht nur vor den Trümmern Berlins, sondern auch vor den Trümmern ihres einst so schillernden und erfolgreichen Kaufhauses.
Zwischen Schutt und Ruinen entsteht ein großer Traum: Rike möchte das Kaufhaus wieder aufbauen und somit Farbe in das graue Nachkriegs-Berlin bringen, wieder Träume ermöglichen und Frauen wieder Frau sein lassen.
Doch wie das so ist mit Träumen...es gelingt nicht immer, sie reibungslos umzusetzen und so stoßen die Thalheim-Schwestern an Grenzen, nicht nur finanzieller Art...

Brigitte Riebe ist für mich der Garant für fesselnde, zeitgeschichtliche Romane, die unter die Haut gehen und lange nachklingen.
Mit dem Auftakt ihrer 50er Jahre-Trilogie nimmt sie mich mit auf eine Reise, die mich von ersten Seite an fasziniert.
Beginnt das Buch noch wie ein Blick in ein Familienalbum, dass sepiafarbene Fotos dem Betrachter zeigt, so wird mit fortlaufender Geschichte das Bild immer klarer, immer farbenfroher und lebendiger. Die Protagonisten sind ihr außerordentlich lebhaft gelungen, überzeugen durch ihren Facettenreichtum und je mehr Seiten gelesen sind, desto mehr wird man ein Teil von ihnen.
Brigitte Riebe schildert den Alltag vom Wideraufbau, vom Hunger und der Kälte so eindringlich und klar, dass ich mir ab und an wirklich die imaginäre Decke höher ziehe, um nicht zu frieren. Ich leide, lebe und liebe mit den Darstellern ihres Buches mit, als würde ich die Szenen selbst erleben.
Die Zerstörung Berlins und die aufkeimenden Hoffnungen sind eine besondere Kulisse, um die Akteure gekonnt in Szene zu setzen und ihnen so eine wirkungsvollen Hintergrund zu geben, um mit ihrem Handeln zu glänzen.
Dunkle Familiengeheimnisse, immer wieder der Blick zurück in das dunkelste Kapitel Deutschlands und eine akribische Recherche lassen diesen Roman zu etwas ganz Besonderem werden. Man merkt immer wieder, mit wieviel Herzblut die Autorin sich dem Schreiben ihrer Geschichte gewidmet hat und so wird aus dem Roman immer mehr ein Film, der sich vor meinem geistigen Auge abspielt und ich mich mit den Thalheim-Schwestern durch die Jahre des Wiederaufbaus bewege.
Für mich hat dieses grandiose Werk ein Krönchen verdient - ich ziehe meinen Hut und verneige mich vor diesem Talent, Menschen mit einer Vision zu begeistern !

Anitram

Beiträge 4
13.12.2018

    Kaufrausch nach einer schweren Zeit
    Brigitte Riebes Roman “Die Schwestern vom Ku´damm“ ist der erste Teil einer Trilogie über das Berlin der Nachkriegszeit. Der erste Band beginnt mit einem Prolog, der eine Rückblende in das Jahr 1932 darstellt, als das Kaufhaus Thalheim glanzvoll eröffnet wurde. Der Patriarch Friedrich Thalheim hat das Unternehmen zusammen mit seinem Partner Markus Weisgerber gegründet. Der eigentliche Roman setzt im Jahr 1945 ein. Da liegt das einst prachtvolle Kaufhaus in Schutt und Asche. Während der Abwesenheit des Vaters übernimmt die älteste Tochter Ulrike genannt Rike die Verantwortung für die drei Jahre jüngere Schwester Sylvie und die kleine Florentine aus der zweiten Ehe des Vaters mit Claire. Sylvies Zwillingsbruder Oskar wird vermisst. In dieser Zeit fehlt es an allem. Rike und ihre jüdische Freundin Miriam, die im Gegensatz zu ihrer Mutter die Verfolgung überlebt hat und der Deportation entgangen ist, verdingen sich als Trümmerfrauen. Rike verliert trotz allem ihren Traum nicht aus den Augen. Sie will das Kaufhaus wieder aufbauen, weil sie sicher ist, dass sich die Menschen nach der schweren Zeit nach Luxus und Schönheit sehnen. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg.
    Die Autorin beschreibt sehr anschaulich das Leben der sehr unterschiedlichen Schwestern, aber gibt auch Einblick in dunkle Familiengeheimnisse und in Rikes Schwierigkeit, sich gegenüber dem dominanten Vater zu behaupten, als dieser versehrt zurückkehrt und dennoch das Ruder im Familienbetrieb wieder übernehmen will.
    Riebe hat sehr gründlich recherchiert. Sie lässt diese Epoche deutscher Geschichte lebendig werden: Trümmerfrauen, Lebensmittelrationierung, die Maßnahmen der Alliierten, die Blockade von Berlin, die “Rosinenbomber“, die Anfänge der DDR und der SED usw. Die Erzählung wirkt so authentisch, dass ich die Geschichte der Thalheims lange nicht für fiktiv gehalten habe. Der Roman ist interessant und spannend – keinesfalls eine trockene Geschichtsstunde - und liest sich trotz seines Umfangs sehr gut.

    tabea1212

    Beiträge 3
    07.12.2018

      Berlin, 1945: Die Stadt liegt in Trümmern, alle Menschen sind seelisch am Ende. Der Alltag wird von unvorstellbarer Not bestimmt. Das Kaufhaus der Thalheims wurde zerbombt, bald wird außerdem noch ihre Villa in Beschlag genommen. Die drei Schwestern Rike, Silvie, Florentine und Florentines Mutter kämpen um ihr Überleben. Ihr Vater ist im Gefängnis und von ihrem Bruder haben sie schon lange Zeit nichts mehr gehört. Doch Rike hat den Traum das Kaufhaus wiederaufzubauen und mit Mode Farbe in das zerstörte Nachkriegsdeutschland bringen. Nach der Währungsreform haben die Leute Sehnsucht nach schönen Konsumgüter, aber die Thalheimschwestern haben es schon bald mit neuen Problemen zu tun.

      Brigitte Riebe ist nicht nur Historikerin sondern auch eine fantastische Autorin ! Sie verpackt die Nachkriegsjahre in eine spannende Geschichte und schafft gleichzeitig ein Verständins für die Situation der Menschen zur damaligen Zeit. Rike ist ein symphatische junge Frau, die für ihren großen Traum kämpft und sich von nichts davon abbringen lässt, auch nicht durch harte Schicksalsschläge und Krieg. Es ist großartig wie detailliert die Autorin das Leben zur damaligen Zeit beschreibt, seien es der Hunger, das Erfieren, der Schwarzmarkthandel, oder die Entwicklung der Zonen, alles ist authentisch in die Geschichte der Thalheims eingefasst worden. Auch der fesselnde Schreibstil der Autorin hat dazu beigetragen, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Am Ende des Buches wurde ich dann noch von einer Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse in den Nachkriegsjahren überrascht. Einfacht toll ! Ich kann es kaum erwarten zu erfahren wie es Rike und ihrer Familie in den nächsten Bänden ergehen wird!

      milkysilvermoon

      Beiträge 13
      05.12.2018

        Berlin im Frühjahr 1945: Ulrike Thalheim (Jahrgang 1920), genannt Rike, und ihre Familie stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. Das schöne Kaufhaus am Ku’damm wurde durch den Krieg und seine Folgen zerstört. Familienpatriarch Friedrich Thalheim ist versehrt, Bruder Oskar verschollen. Die Kriegsgewinner haben das Haus der Familie in Beschlag genommen. Zusammen mit ihren jüngeren Schwestern Silvie (Jahrgang 1923) und Florentine (Jahrgang 1934), genannt Flori, sowie ihrer Stiefmutter Claire muss sich Rike etwas einfallen lassen. Und sie hat einen Traum: Sie will das Kaufhaus wieder aufbauen. Aber in den Nachkriegsjahren kommt es immer wieder zu Problemen…

        „Die Schwestern vom Ku’damm – Jahre des Aufbaus“ ist der erste Teil der 50er-Jahre-Trilogie von Brigitte Riebe.

        Meine Meinung:
        Der Roman besteht aus einem Prolog, der eine Rückblende ins Jahr 1932 darstellt, sowie zwölf Kapiteln. Der erste Band der Thalheim-Reihe behandelt die Jahre 1945 bis 1951. Die Geschichte spielt vorwiegend in Berlin, zum Teil aber auch in Italien. Dieser Aufbau funktioniert gut.

        Der Schreibstil ist flüssig, angenehm und anschaulich. Er lässt viele Bilder entstehen. Daher fiel es mir leicht, in die Geschichte einzutauchen, und ich habe das Buch nur ungerne zur Seite gelegt.

        Vor allem die Frauenfiguren im Roman gefallen mir gut. Es gibt mehrere starke Charaktere – allen voran Rike, die im ersten Band der Thalheim-Trilogie im Mittelpunkt steht. Sie war mir mit ihrer praktischen und vernünftigen, aber auch fürsorglichen Art sehr sympathisch. Ihre Entwicklung habe ich gerne verfolgt. Daneben gibt es auch Personen, an denen man sich reiben kann. Die Charaktere im Roman wirken durchaus authentisch.

        Die Stärke des Romans liegt in der fundierten Recherche, die immer wieder deutlich wird. Der Autorin gelingt es, historische Fakten und Details gekonnt in die fiktive Geschichte einzuweben. Selbst Leser, die in der deutschen Historie schon recht versiert sind, finden hier noch wissenswerte und interessante Aspekte, was den Roman zu einer gleichsam unterhaltsamen wie lehrreichen Lektüre macht. Ein Pluspunkt ist für mich auch die Chronik, die die wichtigsten historischen Ereignisse der Jahre 1945 bis 1951 in Berlin auflistet. Sie bietet Orientierung vor allem für diejenigen, die eine Auffrischung des geschichtlichen Kontextes brauchen.

        Trotz der eher hohen Seitenzahl kommt beim Lesen keine Langeweile auf. Immer wieder baut sich durch Wendungen und Überraschungen Spannung auf. Bis zum Schluss werden allerdings nicht alle Fragen beantwortet. Eine geschlossene Geschichte ergibt sich vermutlich erst nach dem Lesen aller drei Bände.

        Das hübsche Cover vermittelt Nostalgie und passt gut in die Optik jener Zeit. Auch der Titel ist treffend gewählt.

        Mein Fazit:
        „Die Schwestern vom Ku’damm – Jahre des Aufbaus“ von Brigitte Riebe ist ein gelungener Roman, der mir schöne Lesestunden bereitet hat. Auf die Fortsetzungen bin ich bereits gespannt.

        Moe6245

        1 Beitrag
        26.11.2018

          Das war eins der schönsten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe und ich habe viele Bücher gelesen!

          Schon das liebevoll gestaltete Cover hat mich einfach angesprochen. Und genauso liebevoll gestaltet fand ich auch den gesamten Roman. Man lernt die Familie Thalheim in einer glanzvollen Stunde kennen: Sie feiern gerade die Neueröffnung ihres Kaufhauses und es scheint bergauf zu gehen. Wobei schon in dieser ersten Szene dunkle Wolken am Horizont auftauchen: Der Judenhass, der Deutschland bald beherrscht, wird schon angedeutet!

          Dann ein harter Schnitt und man begegnet der Familie im Mai 1945 wieder - eine bedrohliche Zeit, die der Familie einiges abverlangen wird. Ihr Kaufhaus liegt in Schutt und Asche und sie werden aus ihrer schicken Villa vertrieben. Man begleitet die Familie dabei, wie sie sich Stück für Stück ins Leben zurück kämpft. Rita steht dabei im Mittelpunkt, sie ist die älteste der Geschwister, die alle sehr unterschiedlich sind, und übernimmt ein wenig die Führung in der Familie.

          Schön fand ich, dass der Roman sich nicht auf die Schrecken der damaligen Zeit konzentriert und sie reißerisch "ausschlachtet"; sie werden erwähnt und auch die Familie hat einiges durchgemacht, aber der Fokus liegt immer auf dem Neuanfang und dem Mut und der Entschlossenheit der Überlebenden. Man erkennt, wie sehr sie sich nach all dem Schlimmen einfach nur nach Alltag und Schönheit sehnen.

          Die Personen sind alle total liebevoll skizziert: Die besonnene Rita, die immer versucht, vernünftig zu sein und die Familie zusammenzuhalten; die aber auf der anderen Seite auch die Liebe zulässt und sich von ihrem Vater emanzipieren möchte. Dann gibt es Silvie, die unbeschwert und lebenslustig ist; dabei aber manchmal egoistisch und leicht flatterhaft ist. Dann die kleine Flori, die im Laufe des Romans merklich in die Pubertät kommt und sich gegen die Erwachsenen auflehnt. Den Vater Friedrich, der sich mit vielen neuen Gepflogenheiten einfach nicht anfreunden kann. Und viele mehr.

          Ganz besonders toll fand ich, dass man viele geschichtliche Meilensteine in diesem Roman wiederentdeckt und zusammen mit der Familie Thalheim und ihren Freunden miterlebt. Das haucht diesen historischen Fakten Leben ein. Der Schreibstil der Autorin war so angenehm, dass ich mich jedes Mal aufs Lesen gefreut habe und extrem traurig war, als das Buch dann ausgelesen war.

          Das Ende war recht plötzlich da und nur, weil ich weiß, dass es eine Fortsetzung geben wird, war ich damit absolut zufrieden. Auf den Nachfolgeroman freue ich mich jetzt schon! Was für ein zauberhafter Roman!

          yesterday

          Beiträge 34
          22.11.2018

            Die Stärken dieses historischen Romans liegen ganz klar in der Recherche und der Einbringung aller tatsächlichen Fakten und Begebenheiten in die fiktive Geschichte um eine Berliner Kaufhausfamilie. Krieg macht alle gleich. Wer nicht gerade durch die Rüstungsindustrie daran verdienen konnte, wurde arm, verlor das mühsam aufgebaute und musste hungern und generell um das bisschen Existenz kämpfen, das geblieben war.

            Egal, wie reich oder arm, wie beliebt oder einsam jemand vorher war, 1945 erwischt es quasi alle. Nicht nur mit Bomben landet der Krieg seine Treffer, auch psychologisch wird vieles zerstört. Mittendrin verliert die angesehene Familie Thalheim beinahe alles: das Kaufhaus, Vorräte, Maschinen, Verbündete.

            Brigitte Riebe zeichnet ein düsteres Bild der damaligen Zeit und zeigt in Teil 1 der geplanten Trilogie den mühsamen Weg heraus aus Schutt, Besetzung und Einschränkung. Im Fokus stehen Rike, Silvie und Flori, drei (privilegierte) Schwestern. Ihnen standen für damalige Verhältnisse zwar viele Türen offen, dennoch können sie ihre wahren Talente erst zu Kriegsende zeigen, da sie nun, da viele Männer tot, vermisst oder krank sind, energisch das Ruder übernehmen.

            Denn der Krieg war nicht nur Gleichmacher da, sondern auch Chance. Ein Neubeginn war für alle Schichten oberstes Ziel, viele Frauen mussten sich gezwungenermaßen emanzipieren, was bei Weitem nicht selbstverständlich war. Auch wenn es Rückschläge gab, gesellschaftlich gab es durch den Krieg eine Chance zum Wandel. Langsam, aber stetig.

            Wir leben heute im Überfluss, können uns - obwohl es noch keine 80 Jahre her ist und noch einige ältere Menschen von ihren Erinnerungen berichten können - dennoch nur schwer vorstellen, wie stark damaligen Werte das Leben prägten, wie hart die Umstände (Lebensmittelmarken, längere Zeit kein Strom, teilweise kaum Wasser,...) wirklich waren.

            Beim Lesen begleiten wir die Hauptcharaktere durch Not, durch Verzweiflung aber auch durch neue Hoffnung. Und wie jede Familie haben auch die Thalheims ein paar Geheimnisse, die es aufzudecken gilt...

            Gina1627

            Beiträge 8
            19.11.2018

              Ein unglaublich beeindruckendes Meisterwerk! Chapeau!

              Hoffnung, Träume und ein starker Wille sind der Antrieb für die drei Talheim Schwestern Rike, Silvie und der kleinen Florentine, die sich nach dem Ende des verheerenden Krieges 1945 in Berlin wieder eine neue Existenz aufbauen wollen. Große Dankbarkeit erfüllt sie, dass sie dieses Unheil überlebt haben und hoffen das Gleiche auch für ihren verschollenen Vater und ihren Bruder Oskar. Voller Wehmut denken sie an eine glanzvolle Zeit zurück, in der ihre Familie 1932 die prachtvolle Eröffnung ihres Kaufhauses auf dem Ku’damm gefeiert hat. Doch jetzt liegt alles in Schutt und Asche. Vorrausschauend denkt Rike an die Zeit, in der die Menschen nach all dem Elend wieder den Wunsch nach schönen Dingen verspüren werden und plant einen Neuaufbau an gleicher Stelle. Doch noch liegt ein sehr entbehrungsreiches Leben vor ihnen, das geprägt wird durch die politischen Rangeleien, Aufarbeitung der Vergangenheit, dem Leid und Elend, die die Nachkriegszeit mit sich bringt und einem Geheimnis, dessen Enthüllung ihre Zukunft gefährden könnte. Schafft Rike es gegen alle Widrigkeiten ihren Traum zu verwirklichen und die Familie zusammenzuhalten?

              Mein erster Gedanke nach dem Beenden dieses sehr beeindruckenden Buches war die Gewissheit, dass ich hier gerade einen brillanten historischen Roman gelesen habe! Mit großer Hochachtung verneige ich mich vor Brigitte Riebe, der es mit einer Perfektion gelungen ist, eine außerordentlich faszinierende Familiengeschichte einer Kaufhausdynastie mit geschichtlichen Begebenheiten und eindringlichen menschlichen Schicksalen zu verknüpfen. Je tiefer man in das Buch einsteigt, desto überwältigter ist man von der gekonnten Erzählweise und dem Aufbau dieses einzigartigen Meisterwerkes. Alles ist so lebendig und unglaublich bildlich dargestellt, voller Emotionen und Dramaturgie und für jeden bewegenden Moment wurde eine besondere Atmosphäre geschaffen!
              Freud und Leid liegen in dieser Zeit so nah beieinander und das spürt man auch im Prolog und bei den Jahren des Aufbaus in Berlin. Ich war die ganze Zeit so tief im Buch drin und es war, als hätte ich neben den mit unheimlich viel Bedacht und Feinfühligkeit ausgewählten Charakteren gestanden. Ich habe mit ihnen zusammen die Freude bei der Eröffnung ihres prächtigen Kaufhauses, die Beklemmung im Luftschutzkeller, die Entbehrungen in der Nachkriegszeit, das Entdecken der großen Liebe und die anstrengende Aufbauarbeit miterlebt.

              Im Auftaktbuch der Trilogie wird ein Hauptaugenmerk auf die älteste Schwester Rike gesetzt, die ich wegen ihrer Klugheit, ihrer Weitsicht, ihrem großen Herzen und für ihre starke und selbstbewusste Art bewundere. Ihre Person umgibt ein Geheimnis, auf dessen Entschlüsselung man bis zum Schluss hin fiebert, genauso wie auf die Entwicklung ihrer Liebe zu Sandro. Ebenso faszinierend wie sie ist aber auch Silvie. Sie sprüht vor Tatendrang, Lebenslust und dem Bedürfnis nach Unabhängigkeit. Was ist sie nur für eine sinnliche und aufregende Frau mit einem unglaublichen Charisma, die reihenweise den Männern den Kopf verdreht. Sie ist diejenige im Buch, die mich mit zwei sehr bewegenden Momenten in der Geschichte zu Tränen gerührt hat. Doch auch die kleine Florentine ist sehr reizvoll, da man bei ihr mitverfolgen kann, wie aus ihr ein junger rebellischer Teenager wird. Friedrich, der Vater der drei Thalheim Töchter liebt seine Kinder und versucht ihnen so gut wie er kann beizustehen. Doch auch viele interessante Nebencharaktere wissen einen zu begeistern, wie zum Beispiel die Jüdin Miriam, Florentines Mutter Claire, Rikes große Liebe Sandro und noch so viele mehr.

              Einen sehr bewegenden Moment hat sich Brigitte Riebe schließlich noch bis zum Schluss aufbewahrt, der mein Herz ganz weit geöffnet und mich zu Tränen gerührt hat. Was für ein fulminantes und wunderschönes Ende!

              Mein Fazit:

              „Die Schwestern vom Ku’damm – Jahre des Aufbaus“ war für mich ein sehr besonderes Lesehighlight dieses Jahr! Die perfekte Mischung von einer faszinierenden und fesselnden Familiengeschichte und der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung in den fünfziger Jahren haben mich außerordentlich begeistert. Man spürt das Herzblut der Autorin, das sie in dieses gelungene Meisterwerk hinein gesteckt hat! Ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung der Trilogie und fiebere ihrem Erscheinen im nächsten Jahr erwartungsvoll entgegen! Von mir bekommt dieser Roman eine absolute Leseempfehlung und hochverdiente 5 Sterne!

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              Beiträge 11
              12.11.2018

                Berlin 1945- die Familie Thalheim hat so gut wie alles verloren! Ihr schickes Kaufhaus liegt in Trümmern, die Villa ist von den Besatzern okkupiert, nur noch eine kleine Wohnung der Oma ist noch vorhanden, in der sie alle Unterschlupf finden. Vater und Bruder werden noch vermisst und die Frauen sind ganz allein auf sich gestellt.
                Die Schwestern Rike, Silvie, Stiefmutter Claire und das Nesthäkchen Florentine geben aber nicht klein bei, sie versuchen mit allen Mitteln zu überleben! Sie verdingen sich als Trümmerfrauen und versuchen nebenher, mit zwei Nähmaschinen, Lumpen und geretteten Stoffen, zusammen mit der Hilfe ihrer einfallsreichen Freundin und Schneiderin Miriam, einen Neustart in Sachen Mode.


                Im ersten Teil ihrer neuen historischen Trilogie „Die Schwestern vom Ku’damm-Jahre des Aufbaus“ entführt uns die Autorin und Historikerin Brigitte Riebe nach Berlin, in die Nachkriegszeit der 50er Jahre. Es beginnt eine Zeit des Aufräumens, Neubeginns und Aufbruchs, ob in Politik, Bevölkerungsstruktur und Wirtschaft. Der Leser begleitet die Drei, doch sehr unterschiedlichen Schwestern, durch diese Zeit der Veränderungen. In diesem Band liegt der Focus auf Rike, der ältesten Schwester, die strebsam, korrekt und unbeugsam ein Ziel verfolgt! Sie will mit allen Mitteln das verlorene Modeimperium der Thalheims wieder aufbauen…..keine leichte Aufgabe, besonders wenn die Schatten der Vergangenheit sie immer wieder einholen.
                Mit ihrem unglaublich einfühlsamen und ergreifenden Schreibstil fesselt die Autorin den Leser und die spannungsgeladene Geschichte wurde für mich regelrecht zum Pageturner! Perfekte Recherche ist auf jeder Seite spürbar und in das bewegende Schicksal der Protagonisten wird auch gekonnt historisches Material mit eingeflochten. Durch eine Zeit/Geschehensübersicht am Ende des Buches wird darauf hingewiesen.

                Das wunderschöne Layout des Covers passt meiner Ansicht auch hervorragend zum Inhalt und zu dieser Zeit.


                Eine Story, die mich gepackt und bis zur letzten Seite ganz großartig unterhalten hat. Gut, das man sich schon auf die Fortsetzung freuen darf! Auch wenn es wohl noch ein wenig dauern wird, aber Vorfreude ist ja wohl die beste Freude;)

                Eponine

                Beiträge 8
                11.11.2018

                  Berlin 1945, die sogenannte "Stunde Null", der Zweite Weltkrieg ist beendet, die Menschen können nach der Diktatur der Nationalsozialisten eigentlich aufatmen, doch es fehlt an allem, viel zu viele Menschen sind umgekommen, grausame Verbrechen wurden begangen und nun ist Berlin von den Siegermächten besetzt. Auch die drei Schwestern Rike, Silvie und Florentine müssen gemeinsam mit Claire, Florentines Mutter, die Villa räumen, um den Russen Platz zu machen. Das Modekaufhaus Thalheim wurde im Krieg zerstört und somit fehlt die Lebensgrundlage, doch sie lassen sich nicht unterkriegen, allen voran Rike, die älteste Tochter. Sie beweist großes Unternehmergeschick und überzeugt durch ihre anpackende Art, auch wenn ihr nicht alles leicht fällt und sie durchaus verletzlich ist und ihre (geheimen) Träume hat. Aber der Alltag ist hart und sie muss viele Rückschläge hinnehmen.
                  Diese neue Reihe ist auf drei Bände angelegt, wobei jeder davon eine der drei Schwestern als Protagonistin hat.
                  Brigitte Riebe schafft es gut, die durchaus komplexe Lage Deutschlands und vor allem Berlins in der Nachkriegszeit anschaulich zu beschreiben, immer eingebunden in die Geschichte des Romans. Der ewige Hunger, die Kälte, aber auch die Hitze, dann die Ungewissheit, das Leben mit den Besatzungsmächten, aber auch die Hoffnung, Liebe, Musik und viele schöne Momente werden dem Leser nähergebracht und man fühlt mit den Personen des Romans. Am Ende des Buches gibt es eine Chronologie der wichtigsten historischen Ereignisse, so dass man immer mal wieder nachblättern kann.
                  Ich habe mich bei der Lektüre so gefühlt, als wäre ich dabei, habe alles um mich herum vergessen und bin eingetaucht in diese Zeit und habe mit Rike gebangt, gehofft, geplant, gefühlt.

                  kasiopeia1975

                  Beiträge 14
                  06.11.2018

                    Ich war einer der glücklichen Gewinner dieses tollen Romans und bedanke mich hiermit noch einmal herzlich dafür, ich habe mich sehr gefreut
                    Schon bei der Leseprobe war ich sehr positiv überrascht und bin sehr neugierig auf die Geschichte der Mädels geworden.
                    Ich wurde nicht enttäuscht !
                    Der Schreibstil von Fr. Riebe ist sehr flüssig und man gleitet sehr schnell durch die Seiten.
                    Eigentlich spielt der Roman zeitlich gesehen etwas später als die historischen Romane die ich bevorzuge aber er konnte mich trotzdem fesseln und hat so einige Ereignisse wieder zutage geführt.
                    Die Zeittafel am Ende des Buches war zudem sehr aufschlussreich.
                    Fr. Riebe hat sehr gut die damalige Not und auch die Zerstörung von Land und Menschen geschildert.
                    Der erste Teil der Reihe dreht sich hauptsächlich um Rike, die Älteste aber auch die beiden Schwestern werden gut gezeichnet und dargestellt, mit all ihren Unterschieden und Eigenheiten
                    Da es sich um eine Trilogie handelt darf natürlich der Cliffhanger nicht fehlen, ja den gab es und der saß auch....ich freue mich schon sehr auf den zweiten Teil und werde die Geschichte der Thalheims gerne weiter verfolgen

                    schnäppchenjägerin

                    Beiträge 62
                    25.10.2018

                      Es ist das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Menschen im von Alliierten besetzten Deutschland stehen vor dem Nichts. Die Stadt Berlin liegt in Trümmern und auch das Kaufhaus Thalheim ist seit einem Bombenangriff 1943 zerstört. Die Schwestern Ulrike, Silvie und Florentine Thalheim wagen einen Neuanfang, während ihr Vater Friedrich Thalheim noch inhaftiert und Bruder Oskar verschollen ist. Die Schwestern beginnen pragmatisch als Trümmerfrauen, um nicht zu hungern, besinnen sch aber schon bald auf ihre Wurzeln, die Modebranche.

                      Freundin Miriam hat den Nationalsozialismus als Jüdin wie durch ein Wunder überlebt und erschafft an der Singer-Nähmaschine aus Uniformen, Flaggen, Stoffresten und Lumpen erste Bekleidungsstücke, die durch eine Modenschau am Ku'damm vor dem zerstörten Kaufhaus von den Schwestern inszeniert werden.
                      Mit den Ersparnissen des Vaters und Stoffen, die in Potsdam versteckt werden konnten, eröffnen die Thalheims ein kleines Geschäft im Berliner Westen. Die älteste Rike ist die Geschäftsfrau, die mit Zahlen umgehen kann, sich aber immer wieder dem Patriarchen gegenüber beweisen muss, der die Absicht gehabt hatte, das Familienunternehmen seinem Sohn Oskar zu übergeben. Silvie ist wankelmütig, hat wechselnde Beziehungen zu Männern und ist dabei erfolgreiche Feilscherin auf dem Schwarzmarkt. Die jüngste Flori engagiert sich im Rahmen der Entnazifizierung und steht dabei ihrem Vater ablehnend gegenüber, dem sie seine frühere Mitgliedschaft in der NSDAP zum Vorwurf macht.

                      Während Rike sich nach Liebe und einer eigenen Familie sehnt, wird sie mit einem Geheimnis konfrontiert, durch das die Familie auseinanderzubrechen droht.

                      "Die Schwestern vom Ku'damm: Jahre des Aufbaus" ist der erste Teil der 50er-Jahre-Trilogie der Historikerin Brigitte Riebe und erzählt die ersten Jahre der Thalheim-Schwestern nach dem Zweiten Weltkrieg, 1945 bis 1951.
                      Im Fokus darin steht die älteste Tochter Ulrike, die vor der Freilassung des Vaters zum Familienoberhaupt wird und Verantwortung übernehmen muss. Sie engagiert sich für den Wiederaufbau des Familienunternehmens, während Silvie nach dem Lustprinzip lebt.

                      Der Roman macht Geschichte lebendig und erzählt sehr anschaulich und atmosphärisch dicht die ersten Jahre in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Die fiktionale Geschichte um die Schwestern Thalheim wird in historische Fakten und die politischen Ereignisse im besetzten Deutschland eingebettet. Die charismatischen Schwestern und ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten sind glaubwürdig dargestellt. Die Gefühle von Rike, die als Älteste die Rolle der Vernünftigen übernimmt, aber auch die ihrer jüngeren Schwester Silvie, für die Liebe und Leidenschaft vordergründig sind, sowie von Nesthäkchen Flori, die sich mit den Jahren als Rebellin entpuppt, sind durch den empathischen Schreibstil nachvollziehbar für den Leser.

                      Rikes Sehnsucht nach Liebe, ihre Verantwortung für das Familienunternehmen und das Familiengeheimnis, das sie belastet, sind spannende Gegensätze, mit denen die 26-Jährige alleine zu kämpfen hat und sich dabei nur Freundin Miri anvertrauen kann.

                      "Jahre des Aufbaus" ist der Beginn einer lebendigen Familiengeschichte, ein spannendes zeitgeschichtliches Porträt über drei unterschiedliche Frauen, die nach dem Ende des Krieges und in den folgenden Jahren des Wiederaufbaus, Entnazifizierung, der schwierigen Situation Berlins durch die quälende Blockade durch die Sowjets und dem sich in Westdeutschland abzeichnenden Wirtschaftswunder ihren Weg finden müssen.

                      Der Roman macht neugierig auf die beiden folgenden Bände, wie es privat mit den Thalheim-Töchtern, aber auch wirtschaftlich mit dem Kaufhaus am Ku'damm, das 1950 als reines Modekaufhaus für Frauen wieder eröffnet wird, weitergeht.

                      hasi_rasi

                      Beiträge 40
                      23.10.2018

                        Die Stunde Null

                        „Ihre einstige Welt lag begraben unter Tonnen von Schutt – und mit ihr so ziemlich alles, woran sie jemals geglaubt hatte.“ (S. 27)
                        Berlin, Mai 1945. Rike, ihre Schwestern Silvie und Florentine sowie ihre Stiefmutter Claire sitzen im Keller der elterlichen Villa und haben Angst vor dem, was jetzt kommt. Vor allem vor den Russen. Von ihrem Vater Friedrich haben sie seit Tagen nichts gehört, ihr Bruder Oskar, Silvies Zwilling, wird seit Stalingrad vermisst. Ob das Kaufhaus der Familie am Ku’damm noch steht, wissen sie nicht.
                        Kurz darauf werden sie aus der Villa vertrieben, das Kaufhaus ist eine Ruine. Rike träumt von einer Wiedereröffnung, aber zuerst muss die Stadt wieder aufgebaut werden. Wie so viele andere Frauen arbeiten sie als Trümmerfrauen. Als Rike dabei auf Miriam Sternberg, die begabte Tochter der ehemaligen (jüdischen) Chefin der Maßschneiderei stößt, scheint ihr Traum vom neuen Kaufhaus Thalheim wieder näher zu rücken ...

                        Ich finde immer wieder faszinierend wie es Brigitte Riebe schafft, mit wenigen Sätzen Situationen und Personen zu beschreiben, ihre Träume, Ziele und Ängste.
                        Rike ist eine Macherin und Powerfrau. Sie fühlt sich für die Familie verantwortlich und steckt selbst zurück, wenn es dem großen Ganzen dient. Mit Mitte 20 zählt sie schon als alte Jungfer und hat den Traum von einer eigenen Familie fast aufgegeben. Außerdem hatte sie vor dem Krieg ein BWL-Studium angefangen – ob sie es je beenden kann? Dazu kommt noch das Geheimnis um das Erbe ihres Großvaters, dass sie unbedingt vor ihrem Vater geheim halten soll.
                        Ihre jüngere Schwester Silvie ist da ganz anders. Sie möchte jetzt vor allem endlich leben und verliebt sich regelmäßig neu. Sie macht bald Kariere – wenn auch in einer völlig anderen Richtung als geplant - und hilft damit der Familie auf ihre ganz eigene Weise. „Wenn wir nicht an eine Zukunft glauben, werden wir auch keine haben.“ (S. 88)
                        Meine Lieblingsnebenprotagonistin ist die Jüdin Miriam. Ich habe durch sie zum ersten Mal davon erfahren, dass einige Juden als „U-Boot“ (getarnt und gleichzeitig in aller Öffentlichkeit) den Krieg mitten unter den Augen der Nazis überlebt haben. Trotzdem allem will sie jetzt keine Sonderstellung: „Nie wieder im Leben eine Sonderbehandlung! Ich bin ein stinknormales Berliner Mädchen, nicht anders als Du. Wir sind genau so wie ihr – nur eben jüdisch.“ (S. 71) Sie hat von ihrer Mutter Schneidern gelernt und träumt vom Besuch einer Modeschule mit einem richtigen Abschluss.

                        Sehr anschaulich schildert Brigitte Riebe die entbehrungsreiche Nachkriegszeit, die politischen und persönlichen Entwicklungen, das Bangen bei der Währungsunion und die Luftbrücke, welche das Überleben der „Westberliner“ nach der Abriegelung durch die sowjetischen Besatzer sicherte. Mehr als eine Szene hat mir echte Gänsehautmomente beschert, vor allem das Ende ...

                        Brigitte Riebe schafft es wie kaum eine andere Autorin, die jüngere deutsche Geschichte extrem fesselnd und mitreißend zu erzählen. „Die Schwestern vom Ku’damm“ ist wieder eines der Bücher, das man kaum aus der Hand legen mag und sich dann am Ende ärgert, es viel zu schnell ausgelesen zu haben. Aber zum Glück ist es der Auftakt einer Trilogie und wir werden schon im nächsten Sommer erfahren, wie es weitergeht.

                        Arietta

                        Beiträge 52
                        22.10.2018

                          Meine Meinung: zur Autorin

                          Man spürt beim Lesen wie viel Mühe, Recherche und Herzblut Brigitte Riebe in den 1. Band ihrer 50er-Jahre Trilogie gesteckt hat. Sie entführt uns ins Berlin nach dem 2. Weltkrieg in die Zeit von 1945-1951. Eine Stadt die in Schutt und Asche liegt, die Angst vor den Russen die in die Stadt einmarschieren. Auch die Narben und Wunden die dieser Krieg auf den Seelen der Menschen hinterlassen hat. Der Hunger der herrscht, der kalte Winter die Menschen frieren, kaum Wohnraum. Alles ist rationiert ob Lebensmittel, Wasser, Strom oder Heizmaterial, selbst für die Essens-oder Kleidermarken, bekommt man kaum etwas, die Menschen stehen in Schlangen an, um etwas zu ergattern, keiner wird satt. Alles das ist so Bildhaft und intensiv geschildert das es einem unter die Haut ging beim lesen. Doch überall keimt der Funke der Hoffnung, die Frauen packen als Trümmerfrauen mit an, eine Knochenharte Arbeit, aber au den Ruinen soll wieder eine Stadt erstehen. Der Schwarzmarkt kommt auch nicht so kurz, das Aushungern der Russen, durch den vier Mächte , der Marshallplan und die Währungsreform, der langsam Aufstieg Deutschlands. Ihre Figuren und Charaktere sind so Authentisch und liebevoll geschildert und beschrieben. Es ist wie ein Sog, man wird beim Lesen in die Geschichte völlig hinein katapultiert. Meine Lieblingsfiguren waren Rike und ihre Freundin Miriam, die musste man einfach lieb gewinnen. Man spürt beim Lesen das hier eine promovierte Historikerin zu Gange war, alles ist sehr gut recherchiert und Authentisch wiedergegeben.

                          Zum Inhalt:

                          Der Prolog allein war schon so wundervoll und machte neugierig auf das was auf uns zukommt. Rike Thalheim und ihre zwei Schwestern Silvie und Florentine, stehen mit ihrer Mutter Claire von den Trümmern ihres einst glanzvollen Kaufhauses. Ihr Vater Friedrich ist inhaftiert und Bruder Oskar in Russland vermisst. Man spürte ihren Wehmut und Schmerz, ihre Villa von den Russen beschlagnahmt, Unterschlupf finden sie in Omas Altem Haus, das noch steht. Rike ist es auch die , die Geschick und Fäden der Familie in Händen hält, ich habe sie dafür sehr bewundert. Überhaupt sind die Thalheim Frauen sich für nichts zu Schade, sie packen als Trümmerfrauen mit an. Jede der Frauen so verschieden wie sie sind, tragen dazu bei die Familie über Wasser zu halten. Silvie, beweist ihren Pioniergeist im Schwarzmarkthandel, Rike und ihre Freundin Miriam , entwerfen Mode, Rike ist für den Handel zuständig, während Miriam mit aller Inbrunst näht. Man spürt wie die Menschen den Hunger und die Schrecken des Krieges hinter sich lassen möchten. Der Traum von Rike und ihrer Familie, das Kaufhaus wieder aufzubauen, auch wenn der Weg oft steinig ist, glauben sie an ihre Träume und kämpfen dafür.. Da trifft ein Brief aus der Schweiz von einem Anwalt an Rike ein, der viele Fragen aufwirft und ein Tagebuch von Rikes verstorbener Mutter, das ein großes Familiengeheimnis ans Licht bringt. Was hat es damit auf sich ? Die Wahrheit wirft Rike völlig aus der Bahn. Werden wir das Geheimnis erfahren? Doch nach der Währungsreform scheint alles wieder Möglich, auch wenn es an Geld fehlt, lassen sie sich nicht beirren.

                          Eine Geschichte voller unerwarteter Wendungen, die viele Erinnerungen wachruft. Die mich völlig begeistert hat, ich warte schon sehr sehnsüchtig auf die Fortsetzung.

                          Der Versuch vom Aus-hungern Berlins durch die Russen war sehr gut beschrieben, der Hunger, die Kälte und Wohnungsnot, man hat mit den Menschen gelitten.

                          Diesen Sätze von Friedrich auf Seite 113 fand ich sehr zutreffend, für die damalige Situation.

                          „ Deutschland liegt am Boden. Fremde Mächte herrschen über uns, Völker und Nationen, die wir erniedrigt und mit allen bekriegt haben, und das werden sie uns noch lange spüren lassen.“



                          „ Eine facettenreiche und mitreißende Familiengeschichte, voller Träume und Hoffnungen, vor der großen Kulisse des zerstörten Berlins“ Aber auch eine Hommage an die Trümerfrauen !