Valerie Jakob

Hôtel Atlantique

Die französische Biskaya – zum Sterben schön
Delphine Gueron ist nach ihrem Abschied von der Pariser Polizei zurückgekehrt in ihre alte Heimat, St. Julien de la mer in der Nähe von Biarritz. Hier trifft sie sich einmal die Woche mit ihrer betagten Freundin Aurélie im noblen Hôtel Atlantique zum Tee. Doch eines Tages erscheint Aurélie nicht. Sie ist umgekommen. Ein Unfall, sagt die Polizei. Aber Delphines sechster Sinn sagt etwas anderes, und sie beginnt zu ermitteln. An nervtötende Vorschriften muss sie sich dabei nicht mehr halten. Unterstützung bekommt sie von dem fünfzehnjährigen Karim, der so dumm war, bei der ehemaligen commissaire einzubrechen. Zur Strafe erledigt der Junge bei ihr lästige Haus- und Gartenarbeiten. Mit der Zeit werden die beiden so etwas wie Freunde. Die Nachforschungen schweißen sie weiter zusammen. Und führen sie bis weit in die deutsch-französische Vergangenheit.


Autorenbild Foto von Valerie Jakob

Der  Autor

Als Valerie Jakob schreibt eine der erfolgreichsten Übersetzerinnen für Romane aus dem Angloamerikanischen und dem französischen Sprachraum. Sie kann sich für ihr Debüt auf eigene Erfahrungen stützen, denn der französische Sud-Ouest ist ihre zweite Heimat. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin, verbringt ihre Urlaube aber noch immer am liebsten an der südfranzösischen Atlantikküste.


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Rezensionen

ingrid_esser

Beiträge 26
2 Antworten 29.06.2017

Das „Hotel Atlantique“ im gleichnamigen Debütroman von Valerie Jakob steht an der französischen Atlantikküste in St. Julien de la mer, einem fiktiven Ort in der Nähe von Biarritz. Eine entsprechende Karte zur Lokalisierung findet sich auf den Vorsatzblättern. Das Hotel Atlantique liegt wie auf dem Titelbild zu sehen, direkt am Meer und ist der wöchentliche Treffpunkt der Protagonistin Delphine mit ihrer älteren Freundin Aurélie.

Delphine Gueron hat lange Jahre als Kommissarin in Paris gearbeitet. Seit sie in Rente gegangen ist, lebt sie wieder in ihrer Heimat St. Julien de la mer. Jeden Dienstagnachmittag trifft sie sich mit der kürzlich verwitweten Aurélie de Montvignon im angesehenen Hotel Atlantique. Aurélie ist seit langer Zeit Dauermieterin einer der Suiten im Hotel. Eines Tages fällt sie kurz vor dem Treffen mit Delphine vom Balkon ihres Zimmers ohne erkennbaren Grund. Delphine glaubt an Fremdeinwirkung, ein Nachweis gestaltet sich schwierig. Der fünfzehnjährige Karim, der erst vor kurzem versucht hat, bei ihr zu Hause einzubrechen und dem sie angeboten hat, sie bei einigen Tätigkeiten zu unterstützen statt ein Anzeige zu erstatten, trägt mit seinem Wissen zu den Nachforschungen bei. Über einen langjährigen Freund der Familie, der Wohnrecht im Haus der Montvignons besitzt, führen die Ermittlungen zu einem dunklen Kapitel der französischen Geschichte.

Obwohl der Roman äußerst raffiniert konstruiert ist konnte mich die Erzählung nicht mitreißen. Zwischen den Zeilen liest man die Begeisterung der Autorin für die Gegend an der französischen Küste in der Nähe zur spanischen Grenze. In den Beschreibungen der Landschaft kann man sich verlieren, mir persönlich gefielen die ausschweifenden Beschreibungen der Umgebung nicht so gut, weil ich mehr Romantik erwartet hatte. Die durchaus interessant gestalteten Charaktere blieben für mich auf Distanz, was im Fall von Delphine wohl auch dem höflichen Umgangston mit ihrer Freundin bei dem beide sich Siezen geschuldet ist und im Fall der Figur des Richard, dem alten Freund des Hauses, daran liegt, dass er als fragwürdige Person aufgebaut ist.

Der Roman führte mich zu dem mir unbekannten und gerne verschwiegenen Thema der horizontalen Kollaboration in der Vergangenheit der Franzosen. Einen Bogen von den damaligen Ereignissen zur heuten Zeit schafft Valerie Jakob durch den Charakter des Karims, so dass deutlich wird, dass es auch heute noch Vorbehalte gegen Personen gibt, bei denen mindestens ein Elternteil ausländischer Herkunft ist. Mein Lesefluss wurde leider immer wieder durch französische Floskeln und kurze Sätze unterbrochen. Es erfolgt nicht immer eine Übersetzung und so waren meine Grundkenntnisse der Sprache gefordert.

„Hotel Atlantique“ fasst in einem unterhaltsamen Roman, der wenige Längen verzeichnet, brisante Themen der französischen Geschichte aus Vergangenheit und Gegenwart auf. Ein Spannungselement ergibt sich aus dem Tod von Aurélie. Die Aufklärung der Umstände gestaltet sich jedoch eher schwierig. Wer sich gerne an die Küste des Atlantiks, umgeben von französischem Lebensstil versetzen lassen möchte und ein in der französischen Öffentlichkeit verschwiegenes Kapitel entdecken will ist bei diesem Buch richtig.

  • LeseStef

    Beiträge: 22
    04.11.2017

    Klingt zwar ein bisschen kompliziert aber eigentlich sehr schön, tue mich oft schwer mit französischen Werken. Aber wer weiß, vielleicht ist es ja bei diesem anders.... bin gespannt

  • AnneMF

    Beiträge: 41
    05.10.2017

    Von Frau Jacob hab ich noch nichts gelesen. Deine sehr gute Rezension macht mich seh4 neugierig auf das Buch.

los_lesen

Beiträge 3
12.11.2017

    Delphine, la commissaire, ist pensioniert und kehrt zurück in ihr früheres Elternhaus in das kleine Dorf St. Julien de la mer. Dort vertreibt sie sich nun ihre Zeit mit Gärtnern, besucht ab und zu Freunde und trifft sich regelmäßig mit ihrer guten Freundin Aurélie zum Tee.
    Die Idylle wird gestört, als Aurélie plötzlich nicht zum Tee erscheint. Delphine macht sich auf dem Weg zu ihrem Hotelzimmer, dass ihre Freundin vorrübergehend bewohnt und plötzlich ist auf der Terrasse, einen Stock tiefer, ein Aufprall zu hören. Aurélie ist von ihrem Balkon gestürzt und ist tot. Zufall? Daran glaubt die ehemalige commissaire nicht. Auch wenn es kein Fremdeinwirken zu geben schien. Gemeinsam mit Karim, ihrem 15jährigen Bekannten und Flaubert, einem Bewohner aus dem Dorf nimmt Delphine wieder die „Ermittlungen“ auf.

    Der Krimi beginnt recht „gemütlich“. Dem Leser werden zuerst einmal alle Beteiligten vorgestellt, Verbindungen zwischen ihnen sowie die Landschaft drum herum ausführlich dargestellt bzw. anschaulich beschrieben. Ich konnte mich gut in die Szenerie „einleben“. In St. Julien herrscht eben eine ganz eigene Stimmung, die mir gut gefiel. Kaum hat man es sich allerdings so richtig schön gemütlich gemacht, wird man jäh wieder herausgerissen.
    Aber auch kurz nach dem Vorfall, dauert es ein bisschen, bis der Verlauf der Geschichte so richtig Fahrt aufnimmt. Doch dann gibt es kein Halten mehr. Ab diesem Zeitpunkt, habe ich das Buch nicht mehr weggelegt. Aufhören konnte ich erst, als das Buch zu Ende war.

    Fazit:
    Ein spannender Krimi mit französischem Küstenflair.

    Its me

    Beiträge 57
    18.08.2017

      Hört an als ob es etwas schwierig zu lesen ist - vielleicht bin ich auch nur voreingenommen. Ich tue mich leider bei französischen Romanen immer etwas schwer. Dieses Buch kommt höchstwahrscheinlich nicht in meinen Bücherschrank.

      Herzblatt

      Beiträge 38
      08.08.2017

        HÔTEL ATLANTIQUE von VALERIE JAKOB ist im Wunderlich Verlag erschienen.
        Das Cover lädt zum Träumen ein und sticht gleich in´s Auge.
        In der Nähe von Biarritz trifft Delphine sich einmal in der Woche mit ihrer Freundin Aurelie im Hotel Atlantique zum Tee. Eines Tages taucht Aurelie nicht zur Verabredung auf und Delphine erfährt , dass sie bei einem Unfall ums Leben kam. Ein Unfall, sagt die Polizei. Aber Delphines sechster Sinn sagt etwas anderes, und sie beginnt zu ermitteln. An nervtötende Vorschriften muss sie sich dabei nicht mehr halten. Unterstützung bekommt sie von dem fünfzehnjährigen Karim, der so dumm war, bei der ehemaligen commissaire einzubrechen. Zur Strafe erledigt der Junge bei ihr lästige Haus- und Gartenarbeiten. Mit der Zeit werden die beiden so etwas wie Freunde. Die Nachforschungen schweißen sie weiter zusammen. Und führen sie bis weit in die deutsch-französische Vergangenheit….
        Klingt nach einer spannenden Geschichte. Da ich bisher nur die Leseprobe gelesen habe werde ich das Buch in den nächsten Tagen bei einer Freundin ausleihen.

        Dandy

        Beiträge 54
        25.06.2017

          HÔTEL ATLANTIQUE von VALERIE JAKOB ist im Wunderlich Verlag erschienen.
          Das Cover lädt zum Träumen ein und sticht gleich in´s Auge.

          In der Nähe von Biarritz trifft Delphine sich einmal in der Woche mit ihrer Freundin Aurelie im Hotel Atlantique zum Tee. Eines Tages taucht Aurelie nicht zur Verabredung auf und Delphine erfährt , dass sie bei einem Unfall ums Leben kam. Damit gibt sich Delphine nicht zufrieden, denn sie vermutet , dass Aurelie getötet wurde.

          Valerie Jakob beschreibt außerdem in ihrem Roman , wie es den französischen Frauen nach Ende des 2. Weltkrieges ging, die während dem Krieg mit Deutschen liiert waren. Wie sie beschimpft , ausgeschlossen und beleidigt wurden.
          Die Landschaft wird bis in Detail beschrieben und man träumt sich direkt dort hin, Auch die Charaktere sind super beschrieben und man fühlt mit ihnen.
          Der Spannungsbogen baut sich langsam auf und das Ende ist sehr plausibel
          Besonders nachdenklich machte mich, die Behandlung der Kinder, die einen deutschen Vater haben. Da dies der Realität entspricht und sehr traurig ist.
          Ich empfehle dieses Buch weiter.