Julie von Kessel

Altenstein

Die Geschichte einer alten Adelsfamilie, die an ihrem Erbe fast zerbricht.
Im Winter 1945 sitzt ein Kind in einem überfüllten Personenzug von Königsberg nach Westen. Sehnsüchtig blickt der kleine Konni hinaus in den Schnee - seine Mutter ist nicht mitgekommen. Gräfin Agnes von Kolberg wird ihren zehn Kindern erst später auf das Gut Altenstein in Brandenburg folgen, der Vater fällt im Kampf um Ostpreußen. Doch auch ihren Sommersitz muss die Familie auf der Flucht vor der Front verlassen.
Die Geschwister wachsen in ärmlichen Verhältnissen bei Bonn auf. Die traumatischen Ereignisse ihrer frühen Kindheit und der Umgang mit der selbstherrlichen Matriarchin Agnes schweißt sie eng zusammen. Besonders Konni und seine nächstältere Schwester Nona unterstützen sich lebenslang, durch die Höhen und Tiefen ihrer Ehen, Scheidungen, Geldnöte und Beziehungen hindurch.
Doch dann kommt die Wende - und Konni wittert seine Chance. Er möchte Gut Altenstein in den Familienbesitz zurückholen. Das Geld dafür muss er sich bei einer seiner Schwestern leihen. Zwischen den Geschwistern entbrennt ein erbitterter Streit um das Gut, der viele Fragen aufwirft: politische, gesellschaftliche, Fragen nach alten Wunden und Loyalitäten, Fragen nach dem eigenen Selbstverständnis.
Altenstein handelt vom Zerfall einer adligen Familie und einem exemplarischen Stück deutscher Geschichte. In klarer Sprache und mit großer Unmittelbarkeit erzählt Julie von Kessel von Charakteren, die so ungewöhnlich und lebendig sind, dass man sie lange nicht vergisst.


Autorenbild Foto von Julie von Kessel

Der  Autor

Julie von Kessel ist Journalistin und arbeitet seit mehr als zehn Jahren beim ZDF. Sie wuchs in Helsinki, Wien, Zagreb, Bonn und Washington D.C. auf und lebt mit ihrer Familie in Berlin.


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Rezensionen

KimVi

Beiträge 31
15.09.2017

Im Winter 1944/1945 muss Gräfin Agnes von Kolberg schwere Entscheidungen treffen, denn sie ist nicht nur für ihre gemeinsamen Kinder , die aus der Ehe mit ihrem Mann Kuno von Kolberg hervorgegangen sind, verantwortlich, sondern auch noch für die, die beide mit vorherigen Ehepartnern haben. Die Lage in Ostpreußen wird immer gefährlicher und so entschließt Agnes sich dazu, ihre Kinder nach Brandenburg auf das Gut "Altenstein", das sich ebenfalls im Besitz der von Kolbergs befindet, zu schicken. Doch auch "Altenstein" müssen die von Kolbergs auf der Flucht vor dem Krieg verlassen, bevor sie sich schließlich in Bonn niederlassen. Dort lebt die Familie in eher bescheidenen Verhältnissen. Die Kriegserlebnisse und das Wesen der selbstherrlichen Mutter, die ihre Familie mit strengem Regiment führt, prägen die Kinder. Den jüngsten Sohn Konni, der der erklärte Liebling der Mutter ist, und seine nächstältere Schwester Nona, schweißen diese Erfahrungen besonders eng zusammen. Sie sind lebenslang füreinander da und unterstützen sich bei allem, was das Leben für sie parat hält. Nach der Wende wittert Konni seine Chance, Gut Altenstein zurückzugewinnen. Das Geld, das dafür nötig ist, hat er allerdings nicht und deshalb bittet er eine seiner älteren Schwestern um Hilfe. Doch letztendlich entbrennt ein bitterer Streit um das Gut....

Das Buch beginnt mit einer Auflistung der Familienmitglieder, die in dieser Geschichte eine zentrale Rolle spielen. Diese ist sehr hilfreich, um die Personen und ihre Verbindungen untereinander richtig zuzuordnen. Denn bei der Vielzahl der Charaktere fällt es zunächst nicht leicht, die Personen und ihre Beziehungen zu- und untereinander richtig zu durchschauen. Deshalb empfiehlt es sich, besonders den Anfang, konzentriert zu lesen, damit man dem Handlungsfaden folgen kann.

Da die Handlungsorte und Charaktere allerdings lebendig beschrieben werden, kann man sich die Szenen sehr gut vorstellen und sich nach und nach ein Bild von der Familie und den jeweiligen Lebensumständen machen, sodass man der Handlung dann mühelos folgen kann. Die einzelnen Familienmitglieder sind sehr unterschiedlich. Jeder hat seine Besonderheiten und Eigenarten. Dadurch wirken die Charaktere sehr authentisch. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven und auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt. Man springt beim Lesen recht unsortiert in den Zeiten hin- und her. Da diese Wechsel aber gut gekennzeichnet sind, ist man sich stets bewusst, zu welcher Zeit sich die beschriebene Handlung gerade zuträgt.

Der Schreibstil der Autorin ist recht anspruchsvoll. Dennoch kann man der Erzählung mühelos folgen und ihre Schilderungen genießen. Denn dieser Schreibstil passt hervorragend zur Handlung. Allerdings wirkt er eher distanziert, sodass man das Gelesene mit etwas Abstand betrachtet und keine besondere Beziehung zu den einzelnen Charakteren entwickelt. Obwohl man die Geschichte der einzelnen Protagonisten mit Interesse verfolgt, fiebert man nicht richtig mit ihnen mit.

Ich habe mich beim Lesen dieses Romans dennoch sehr gut unterhalten. Der Schreibstil hat mir ausgesprochen gut gefallen und da ich ein großer Fan von Familiengeschichten bin, kam ich hier voll auf meine Kosten. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala bekommt das Buch deshalb auch vier von fünf möglichen Sternen. Das eine ziehe ich ab, da mir die Distanz, mit der ich das Geschehen betrachtet habe, ein wenig zu groß war.

KerstinT

Beiträge 51
eine Antwort 02.08.2017

Kampf um Gutshaus

Erzählt wird die Geschichte von Konrad Graf von Kolberg. Er wurde als zehntes Kind von Agnes und Kuno in Ostpreußen während des zweiten Weltkrieges geboren. Konrad ist der langersehnte Sohn der Familie und deshalb der Liebling. Ihm wird später auch nahegelegt das alte Familienanwesen „Altenstein“ wieder zurückzuholen.

Mich hat der Klappentext neugierig gemacht und ich habe eine spannende Familiengeschichte erwartet. Bekommen habe ich leider eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die anfangs sehr verwirrend waren. Es gibt viele handelnde Personen, die der Leser erst nach und nach kennenlernt. Auf den ersten 100 Seiten hatte ich deshalb noch Probleme sie richtig zuzuordnen und die Zusammenhänge zu finden (falls es welche gab). Hilfreich ist hier die Auflistung der Personen zu Beginn des Buches. Die Handlungen finden zu unterschiedlichen Zeiten statt. Die einen noch während des zweiten Weltkrieges, andere in der Gegenwart zur Zeit der Wende und zwischen den Jahren 2000 und 2005. Durch diesen Wechsel in der Zeit erlebt der Leser die Vergangenheit selbst mit. Die Zeitsprünge waren gut eingebaut und haben thematisch sehr gut zueinander gepasst. Beispielweise erinnert sich eine Person im Jetzt an die Vergangenheit und schon beginnt ein neues Kapitel, das 1945 spielt. Oder wenn der Leser Hintergrundwissen braucht wird ein Vergangenheitskapitel dazwischen geschoben.
Enttäuscht hat mich in diesem Buch, dass es für mich keinen Leseanreiz gab. Es war nicht spannend. Es wurde lediglich die Geschichte der Familie erzählt. Von Anfang an war klar, dass die Familie ihr Haus wiederbekommt, da hier die Geschichte beginnt. Somit konnte man lediglich die Charaktere kennenlernen und erfahren, wie das Leben damals war. Ich hätte mir mehr Spannung und Handlung gewünscht. Die Charaktere sind relativ gut ausgearbeitet. Jeder hat seine Eigenarten und man kann sie charakterlich unterscheiden. Konrad scheint die Hauptrolle in diesem Buch einzunehmen. Er ist das jüngste von zehn Geschwistern, wird aber als erstes sterben. Auch wenn er als Kind schon einiges durchgestanden hat. Wirklich sympathisch war er mir nicht – er wirkte ein wenig verrückt. Die meisten seiner Geschwister leider auch.
Der Schreibstil ist allerdings sehr angenehm und lässt sich gut lesen!
Zusammenfassend hat mir das Buch leider nicht so gut gefallen und es hat mich nicht sonderlich unterhalten, da es aber gut geschrieben ist vergebe ich drei von fünf Sternen.

  • sommerlese

    Beiträge: 100
    14.09.2017

    Deine Rezi erklärt nicht nur den Inhalt sehr gut, sondern auch die Handlungsfragen, die das Buch aufwirft. Wenn ein Buch nicht fesseln kann, finde ich das auch sehr schwierig. Daher werde ich es lieber nicht auf die Wunschliste packen.

a. unicorn

Beiträge 13
03.03.2017

hier bei handelt es sich um eine Geschichte von einer Familie in dem 2 Weltkrieg und es ist in meiner Interessen Thema. Freue mich schon darauf es mir zu kaufen. Und ich war sofort gefesselt von dem Klappentext.

Bertha

Beiträge 2
23.02.2017

Ich habe bislang nur die Leseprobe gelesen und bin dem Buch sehr zugetan. Ein Kind, was in die Obhut einer fremden Frau gegeben wird und das man als Mutter schweren Herzens zurücklassen muss, bewegt mich zum Weiterlesen. Immerhin hat es "das Kind" zu etwas gebracht und welchen Weg Konni gehen mußte, interessiert mich sehr.
Ich vergebe z.Zt.nur 4 Sterne, weil ich das komplette Werk nicht kenne, mich aber die etsten Seiten schon gefesselt haben

su-sun

Beiträge 35
eine Antwort 23.02.2017

Eine tolle Geschichte !
Familie , Geschichte , Geschwisterliebe in allen Lebenslagen und alle Widrigkeiten der damaligen Zeit sind absolut ergreifend geschrieben .

Ich bin habe nur eine Leseprobe gelesen , bin aber sehr angetan.

  • AnneMF

    Beiträge: 40
    18.09.2017

    Ja die ersten Seiten haben auch mir gefallen. Ich bin auch Mutter und ein Kind weggeben ist schwer. Zu damaligen Zeiten wo Krieg wae herrschten andere Zeiten. Die Geschichte der Familie interessiert mich. Ch setze es auf die Liste.

Kötra

Beiträge 64
31.08.2017

    Habe ich hier gewonnen.
    ZU Beginn war es gar nicht unbedingt meins. Aber nach ein paar weiteren Seiten bin ich voll eingetaucht und war gefühlt life dabei.
    Spannend zu lesen und macht Spaß.
    Kann ich empfehlen :)

    Isareadbooks

    Beiträge 67
    05.07.2017

      Die Zeit in der das Buch spielt interessiert mich sehr. Es ist eine super Leseprobe und ich bin schon sehr gespannt auf das Buch, da mich der Schreibstil und die Thematik schon überzeugen konnte. Also bald wird es bestimmt in meinem Regal stehen.

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      Beiträge 18
      01.07.2017

        "Wer wir waren. Wer wir sind."
        Diese Aussage auf dem Buchcover beschreibt diese Geschichte perfekt.
        Aller Güter entledigt muss die zweifache Gutsherrin Gräfin Agnes von Kohlberg neu anfangen. Nach ihrer Flucht, beginnt sie zusammen mit ihren Kindern und Stiefkindern im Westen Deutschlands ein neues Leben. Nach der Wende versucht der jüngste Sohn wenigstens ein Gut wieder in den Familienbesitz zurückzuholen.....Altenstein.


        Mutter, Geschwister und deren Beziehung zueinander, all das spielt im Buch eine große Rolle. Natürlich hat auch die harte Kinderzeit, die Flucht und Traumatas aus der Kriegszeit eine Auswirkung auf die einzelnen Charaktere und den Umgang miteinander.
        Die einzelnen Protagonisten kann man wirklich als sehr spezielle Personen bezeichnen, jede/r hat so seine eigenen Spleene und Eigenarten.
        Die Autorin "Julie von Kessel"baut durch einen geschickten Zeitwechsel Spannung auf und lässt den Leser durch das voyeuristische Beobachten am Familienleben teilnehmen. Ein wunderbarer flüssiger und unaufgeregter Schreibstil sogt für Freude bei der Lektüre.


        Ein wirklich unterhaltsames Buch, das ich im Rahmen einer Leserunde gelesen und sehr genossen habe.
        Von mir daher auch 5 Sterne:)

        Elisa

        Beiträge 34
        24.06.2017

          Das Buch hat mir gut gefallen, die Geschichte ist interessant und dabei kurzweilig und gut lesbar. Dennoch bleiben für mich einige Punkte, die es mir erlauben, einen Punkt abzuziehen. Die Charakteren bleiben alle ein bisschen blass, was vielleicht am relativ geringen Umfang des Buches liegt. Auch nach dem Lesen fiel es mir schwer, die einzelnen Personen zu beschreiben. Manche Personen waren rätselhaft wie zum Beispiel John. Außerdem fand ich es schwierig, den Überblick darüber zu behalten, wie alt die Protagonisten bei den jeweiligen Szenen sind. Durch den häufigen Wechsel der Zeitebenen wirkte der Roman wie eine Aneinanderreihung von einzelnen Begebenheiten, bei denen der rote Faden nicht so leicht ersichtlich ist. Dennoch hat mich die Geschichte gepackt und gut unterhalten, sie hätte mir lediglich umfangreicher noch besser gefallen.

          nati

          Beiträge 21
          13.06.2017

            Zerfall einer Adelsfamilie
            Am Ende des zweiten Weltkrieges muss Gräfin Agnes von Kolberg die zwei Güter im Osten aufgeben. Nach dem ihr zweiter Ehemann Kuno gefallen ist, flieht ist mit ihren zehn Kindern in den Westen nach Bonn. Unterwegs begegnet ihnen Missbrauch, Hunger und Armut. Sie versuchen alle sich eine neue Existenz aufzubauen. Die größten Schwierigkeiten dabei hat Konrad, das jüngste Kind der Familie.
            Dann kommt die Wiedervereinigung und Konrad bemüht sich das Gut Altenstein in Brandenburg für die Familie zurück zu bekommen um an alte Traditionen anzuknüpfen und um Geld zu verdienen. Die Geschwister unterstützen sein Vorhaben nicht, sie sind fassungslos über sein Ansinnen und es gibt Streit. Einzig seine Schwester Nona hilft ihm.

            Fast emotionslos und ohne zu bewerten, erzählt Julie von Kessel von dem Leben und dem Zerfall der Adelsfamilie von Kolberg. Sie hat für mich einen eigenwilligen Stil gewählt. Die Geschichte umfasst die Zeit von 1943 mit der Geburt von Konrad und endet im Jahr 2005 mit seinem Tod. Aber dieses wird nicht gradlinig erzählt, sondern sie springt zwischen den Zeiten hin und her. Dies hat mir zu Beginn etwas Probleme bereitet, da die Übergänge nicht harmonisch waren. Aber ich habe mich dann schnell darauf eingestellt. Durch die vielen kurzen Momentaufnahmen der Protagonisten kamen die Charakterzüge und Handlungsweisen viel klarer heraus. Auch die Weiterentwicklungen der Personen waren gut erkennbar.

            Das Buch zeigt nicht nur den Zerfall einer Adelsfamilie, sondern auch einen Teil deutscher Geschichte. Es regt zum Nachdenken zu den Themen „Heimat“ und „Familie“ an.
            Mir hat das Buch gefallen, nachdem ich mit den Zeitsprüngen zu Recht kam.

            brigitte_schreiter

            Beiträge 78
            10.06.2017

              Altenstein ist ein Debütroman von Julie Kessel. Es geht um Verlust und Enteignung von hab und Gut, einer alten Adelsfamilie in Ostpreußen u.Brandenburg.
              Agnes von Altenstein muß mit 10 Kindern während des 2.Weltkrieges den Familienbesitz Altenstein zurücklassen und aus brandenburg fliehen. Nach der Wende versucht ein Sohn - Konrad das Gut seiner Familie zurückzugewinnen. Es ist auch Geschichte von der ehemaligen DDR und der BRD.
              Ein großartiger Schreibstil der Autorin

              ingrid_esser

              Beiträge 27
              27.05.2017

                „Altenstein“ ist der Debütroman von Julie von Kessel. Ihre Geschichte dreht sich um den Verlust und die spätere Enteignung von Hab und Gut einer fiktiven alten Adelsfamilie in Ostpreußen. „Altenstein“, der Sommersitz der gräflichen Familie von Kolberg, gehört dazu. Hier geht es nicht nur um Gebäude, sondern vor allem um wertvolle weitläufige Bodenflächen.

                Eine der Protagonisten ist Agnes von Kolberg, die zweite Frau von Kuno, dem Erben und Oberhaupt der Familie. Sie sieht sich gern als Blume und ihre Kinder als Blütenblätter die sie ausschmücken. So ist denn sinnbildlich die Blume auf dem Cover zu verstehen mit den drei Blütenblättern auf der linken Seite, die für die drei Töchter von Agnes aus erster Ehe stehen und fünf auf der rechten Seite, die ihre zwei Töchter und drei Söhne, von denen einer bereits bei der Geburt verstorben ist, aus der Ehe mit Kuno symbolisieren. Auch Kuno hat aus seiner ersten Ehe drei Töchter.

                Konrad ist der jüngste der Geschwister. Er ist ein letztes, von Agnes ertrotztes Kind und wird mitten im Krieg geboren. Neben Agnes ist er es und die nächst geborene ältere Schwester Marie Elisabeth, genannt Nona, auf denen der Fokus der Erzählung vor allem ruht. Nachdem nicht nur die Heimat in Ostpreußen verloren ist, sondern auch der Besitz von Altenstein in Brandenburg aufgegeben werden musste, findet die inzwischen verwitwete Agnes mit ihren Kindern im rheinischen Bonn eine neue Bleibe. Zwar hat sie nur noch wenig Geld zur Verfügung, legt aber weiter bei der Erziehung ihrer Kinder Wert auf Anstand und Standesbewusstsein und Respekt ihr selbst gegenüber. Nona und Konrad jedoch widersetzen sich immer wieder. Sie sind es auch die nach der Wende nach Altenstein fahren und dann nach einer Möglichkeit suchen, das Anwesen zurück zu erhalten.

                Julie von Kessel stammt selbst aus einer Adelsfamilie wie sie sie im Roman beschreibt. Daher gelingt es ihr, die Charaktere im Roman authentisch zu gestalten. Bereits beim Lesen ist mir aufgefallen, dass ungewöhnlich viele Mitglieder der Familie von Kolberg im diplomatischen Umfeld arbeiten und so ist es auch in der Familiengeschichte der Autorin selbst. Diese von Beginn an weltgewandten Menschen haben auf ihren Landgütern immer eine beständige Heimat gehabt und dadurch die Möglichkeit in den „Schoss der Familie“ zurück zu kehren. Die Häuser waren groß genug um etliche Personen zusätzlich aufzunehmen. Die Güter warfen genügend Lebensmittel ab, um ohne Not weitere Familienangehörige zu ernähren. So wie die Familie von Kolberg standen viele Adelsfamilien aus Ostpreußen vor dem Nichts. Ihren Stolz und ihre Weltoffenheit haben viele dabei behalten und in neuer Form versucht, sich zu verwirklichen.

                Mit Konrad bringt die Autorin auch ein Beispiel dafür, dass nicht jeder seiner Rolle gerecht wird. Nona bricht bewusst aus dem für sie durch Agnes vorgesehenen Lebensweg aus; sie wechselt den Beruf und den Ehemann. Eigentlich zählten Mädchen in der Erbfolge wenig und der Besitz fiel grundsätzlich an den ältesten Sohn. Doch Agnes hat für ihre Kinder eine andere Aufteilung vorgesehen. Als nun Hoffnung auf eine Rückgabe des Anwesens beziehungsweise einen finanziellen Ausgleich aufkeimt, kann der älteste Sohn seinen Unmut über testamentarisch Festgelegte Teilung des Erbes zurück halten. Selbst über den Tod von Agnes hinaus behalten die Geschwister mit wenigen Ausnahmen ihr Klassendenken. Konrad gibt sich auch nach außen hin immer noch gerne als Graf. Untereinander herrscht ein freundlicher Umgangston, der jedoch im Detail gesehen ruppig wird. Vor klaren Ansagen scheint keiner zurück zu schrecken. Obwohl die Hilfsbereitschaft von jedem für seine Familienangehörigen da ist, hört sie wohl bei finanziellen Angelegenheiten auf.

                Julie von Kessel konfrontierte mich in ihrem Roman mit einer Familie die einen Teil deutscher Geschichte gelebt hat. Zu den geschichtlichen Hintergründen hätte ich mir an einigen Stellen mehr Informationen gewünscht. Zu Beginn des Buchs findet der Leser eine Auflistung der einzelnen Kapitel mit örtlichen Gegebenheiten und eine Aufzählung der Familienmitglieder. Doch die zeitlichen Sprünge von Kapitel zu Kapitel verbunden mit wechselnden Personengruppen forderten meine Aufmerksamkeit und störten immer wieder meinen Lesefluss.

                Die Charaktere im Buch sind abwechslungsreich gestaltet, die Schauplätze manchmal ungewöhnlich und interessant. Für die Erzählung, die glaubwürdig konstruiert ist, gebe ich gerne eine Leseempfehlung.

                Ig

                Beiträge 6
                09.05.2017

                  Das Cover allein schon ist ein Hingucker,.. der Titel lässt nicht Zuviel erahnen ;-) aber es weckt Interesse ,.. der Inhalt ist eine wundervolle Geschichte über die Familie und den Zusammenhalt in schwierigen Zeiten und der Werdegang einer außergewöhnlichen Familie ;-) und auch die Kehrseite mit Streit , Zwist und Unverständnis wird deutlich ;-) mir hat das Buch richtig gut gefallen , sehr ausführlich , gefühlvoll und stark geschrieben ;-)

                  Leselust

                  Beiträge 34
                  08.05.2017

                    Nachdem ihr zweiter Ehemann Kuno gefallen ist, muss Gräfin Agnes von Kolberg bei Kriegsende allein mit zehn Kindern zurechtkommen. Das Familiengut Altenstein in Brandenburg gehört ihnen nicht mehr und sie müssen sich nach der Flucht aus Ostpreußen in der Nähe von Bonn ein neues Heim aufbauen mit geringen finanziellen Mitteln, denn ihnen ist nichts geblieben. Jedes Familienmitglied kennt Hunger und erst sehr langsam fängt die Familie an, sich eine neue Existenz zu schaffen. Agnes ist eine harte und sehr dominante Person, die ihre Kinder um sich schart und sie mit Strenge und Kälte erzieht. Dadurch hat ihr Lieblingssohn und Jüngster Konrad im Verlauf seines Lebens immer wieder Schwierigkeiten, zurechtzukommen und Vorkommnisse in seiner Vergangenheit zu verarbeiten. Sein Bruder Moritz schlägt die Laufbahn eines Diplomaten ein, und Schwester Helene findet einen Ehemann, der unter den strengen Augen von Agnes Bestand hat. Konrads Lieblingsschwester Nona hat ihre eigenen Vorstellungen und verlässt ihren Ehemann. Nach der Wende möchte Konrad sich endlich selbst beweisen und das ehemalige Familiengut Altenstein wieder in Besitz bringen, um einige seiner Ideen dort zu verwirklichen. Doch seine Geschwister halten nichts von dieser Idee und so entbrennt ein Streit unter ihnen allen. Einzig Nona hält zu Konrad und bietet ihm ihre Unterstützung an. Wird es Konrad gelingen, sein Leben endlich zu ordnen und Gut Altenstein der Familie wieder zuzuführen?
                    Julie von Kessel hat mit ihrem Buch „Altenstein“ einen sehr komplexen Roman über das Leben einer Familie vorzulegen und deren Leben seit Kriegsende bis in die Gegenwart widerzuspiegeln. Das Buch zeigt die Entwicklung innerhalb der Familie über einen sehr langen Zeitraum auf, man könnte es fast eine Chronik nennen. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, da sachlich und recht pragmatisch, der Leser muss sich zu Beginn erst einmal mit sämtlichen Charakteren vertraut machen. Die ständig wechselnden Erzählperspektiven mit Zeitsprüngen beleuchten das Familienleben von allen Seiten und geben einen Eindruck über die Verhältnisse der Personen untereinander. Leider ist die Umsetzung nicht ganz gelungen, denn die Autorin reist zu viele Dinge an, die dann irgendwie im Sande verlaufen oder nur oberflächlich angesprochen, aber nicht weiter ausgeführt werden. Außerdem verwirrt das Hin- und Herspringen zwischen den verschiedenen Zeiten eher, besser wäre wahrscheinlich ein chronologischer Ablauf gewesen, er hätte die Handlung verständlicher gemacht.
                    Die Charaktere sind allesamt sehr ungewöhnlich gewählt und ausgestaltet worden. Sie bieten eine große Vielfalt jeder nur möglichen Persönlichkeit mit Eigenschaften und einer Gefühlswelt, in die der Leser sich hineinfinden muss. Dabei wirken sie authentisch und lebensecht. Agnes ist eine sehr harte Frau, die ihre Kinder dominiert und sich als den Mittelpunkt der Familie versteht. Sie besitzt einen Standesdünkel und pflegt diesen mit einer Arroganz, die einen den Kopf schütteln lässt. Dass sie ihre Kinder durch ihr Verhalten in ihrer eigenen Entwicklung unterdrückt, ist ihr dabei gar nicht bewusst, aber selbst ,wenn es so wäre, würde sie wohl nicht anders handeln oder sich benehmen. Konrad hat unter der Stärke seiner Mutter und durch einen Missbrauch innerhalb der Familie so zu leiden, dass er sein Leben nicht auf die Reihe bekommt und ständig scheitert. Nona ist als einzige von den Geschwistern Konrad herzlich zugetan und unterstützt ihn auf jedwede Art und Weise. Auch die anderen Geschwister haben alle ihre Ecken und Kanten und zeigen mit ihrem Handeln eine sehr komplexe Familie, bei der jeder einzelne seinen angestammten Platz hat und die Entwicklung des einzelnen über die Jahre aufzeigt.
                    „Altenstein“ ist ein interessanter Roman mit einer sehr komplexen Familiengeschichte, der sich nicht einfach so zwischen Tür und Angel weglesen lässt. Alle, die sich gerne mit etwas anspruchsvollerer Literatur beschäftigen und auch einen historischen Verlauf innerhalb der Handlung mögen, könnte dieses Buch gefallen. Eine Leseempfehlung für diese Familiengeschichte.

                    SarahLiebtBücher

                    Beiträge 31
                    06.05.2017

                      Eine Familie verliert zum Ende des 2. Weltkrieges ihr Gut in Ostpreußen und sogar den Sommersitz in Brandenburg. Jahre später bestimmt die Erinnerung an die alte Größe immer noch das Handeln der Familienmitglieder...

                      Anders als bei vielen Büchern wird nicht zwanghaft ein spezifischer Handlungsbogen verfolgt. Es gibt weder Helden, noch Anti-Helden, sondern einfach Menschen, die wir in dieser oder ähnlicher Form alle kennen. Die Geschichte ist dabei aber nicht langweilig, sondern kurzweilig mit vielen lebhaften Szenen. Somit bekommt man den Eindruck, dass das alles wirklich hätte passiert sein können.

                      Jonas

                      Beiträge 37
                      06.05.2017

                        Bislang kenne ich nur die Leseprobe. Ichwerde mir dieses Buch kaufen und bin sehr gespannt ob es mich dann noch überzeugt.Leider ist es sehr geteilt die Meinungen hier und deswegen werde ich mir ein Bild davon machen.

                        IlonGerMon

                        Beiträge 2
                        eine Antwort 31.03.2017

                          Auf dieses Buch hatte ich mich sehr gefreut, leider blieb es beim Lesen nur noch bedingt bei dieser Vorfreude.
                          Dabei hat das Buch eigentlich alle Komponenten, um aus dem Stoff einen spannenden Schmöker zu machen.
                          Das alles ist vorhanden:
                          Eine Großfamilie von Adel, die in den letzten Kriegsmonaten nach Westen flieht und in Bonn ein neues Zuhause findet.
                          Eine ausgesprochen starke weibliche Protagonistin, insgesamt 10 Geschwister aus unterschiedlichen Ehen und Beziehungen sowie ein stattliches Anwesen im Brandenburgischen.

                          Nach einigen Wirren der Flucht findet die Familie wieder zusammen und nach dem Fall der Mauer versucht Konrad, einer der Söhne, den früheren Familiensitz auf verschiedenen Wegen zurückzugewinnen. Das gelingt ihm nach einigen Schwierigkeiten, allerdings nur bedingt. Denn das Gutshaus wurde bereits früher verkauft, umliegende Wälder kann er schließlich mit dem geliehenen Geld einer der Schwestern erwerben. Aber damit sind die kommenden Probleme auch schon vorprogrammiert.

                          Positiv zu nennen ist auch ein ausführliches Inhaltsverzeichnis und vor allem eine Namensauflistung, aus der das nicht leicht zu durchschauende Familiengeflecht erkennbar wird. Einige Figuren und Charaktere sind gut und pointiert herausgearbeitet, andere bleiben vielleicht auch mit Absicht eher schwach und ein wenig verschwommen.

                          Und die Autorin erzählt die Familiengeschichte auf unterschiedlichen Zeitebenen und auch nicht immer aus dem gleichen Blickwinkel. Und da fängt mein Unmut an. Hier wird so munter hin und her gesprungen – in den Zeiten, in den Jahren, bei den Personen, dass ich es als ein deutliches Zuviel des Guten empfunden habe. Obwohl gerade diese Erzählweise mich in der Regel sehr reizt und ich mich durchaus als eine geübte Leserin dieses Genres verstehe, wusste ich hier manchesmal nicht mehr so ganz genau, wann und wo ich mich eigentlich gerade befinde.

                          Und in der Regel kann ich nach einem Buch dieser Art immer sagen, dass ich wieder etwas dazugelernt habe über unsere Geschichte. Das muss nicht viel sein und nicht groß. Es reicht manchmal ein kleines Detail oder eine neue Sichtweise von bereits Bekanntem. Aber auch das fehlt hier völlig, da so viele Informationen zwar angerissen, aber nicht vertieft werden und schon gar nicht mit wirklichen Hintergrundinformationen versehen sind.

                          Und das ist schade, das schmälert das Lesevergnügen doch ein wenig und lässt mich für dieses Buch deshalb nur bedingt eine Empfehlung aussprechen.

                          • Granger 2.0

                            Beiträge: 35
                            06.05.2017

                            es lässt sich gut lesen. Und habe mir überlegt es zu kaufen. ich denke ich werde es mir holen. Und es zeigt auch das es dir auch schon gefallen hat.

                          KatiKatharinenhof

                          Beiträge 53
                          02.03.2017

                            Die Leseprobe macht mich total nachdenklich...und ich habe eindeutig Lust bekommen, die Geschichte zu lesen. Ich finde Geschichten rund um den zweiten Weltkrieg immer sehr spannend - gehört soch alles zu unsereer Vergangenheit. Und wenn dann noch ein toller Roman daraus wird - umso besser :-)
                            Steht somit ganz oben auf meiner WuLi

                            Leseratte_ohne_Grund

                            Beiträge 55
                            23.02.2017

                              Ich habe die Leseprobe gelesen und bin ganz hin und weg. Einfühlsam werden dort die Probleme der Menschen in osten beschrieben. Denn die Probleme des 2. Weltkrieges ist anders als heute. Es geht einen zur Herzen. Es lässt uns sehen wie gut wir es doch haben im Gegensatz zu damals.
                              Berührend geschrieben.

                              Arietta

                              Beiträge 45
                              23.02.2017

                                Meine Meinung zur Autorin:


                                Es ist mein erster Roman von Julie von Kessel, es hat mir sehr viel Freude bereitet das Buch zu lesen. Sehr schön hat die den Zerfall und den Kampf der Adelfamilie von Kolberg in Ostpreußen beschrieben. Der Spagat zwischen den verschiedenen Zeitebenen von 1943- 2005 ist ihr ganz gut gelungen. Obwohl ich es für mich persönlich schöner gefunden hätte, wenn sie es Chronologisch erzählt hätte. Von der Kindheit bis ins Alter begleiten wir die Familienmitglieder. Die Konflikte in der Familie, der Zusammenhalt und der Zerfall sind sehr gut herausgearbeitet. Auch die einzelnen Figuren und deren Charaktere und Emotionen sind gut beschrieben. Den Schreibstil empfand ich als flüssig, sehr Bildhaft, Emotional und mitreißend. Ein wundervoller und Facettenreicher Familienroman.


                                Meine Zusammenfassung:

                                Sehr gut und Aufwühlend beginnt schon das Buch als Gräfin Agnes von Kohlberg ihr jüngstes Kind den kleinen Konrad in Königsberg auf dem Bahnhof, Emma dem 13Jährigen Mädchen das seiner Mutter auf dem Gut hilft anvertraut. Beide schickt sie mit dem überfüllten Zug in Sicherheit, den die Russen rücken an. Schon dramatisch was da ablief. Aber Agnes ist eine starke, kämpferische Frau, die das Zepter in der Hand hält, oft empfand ich sie als sehr Gefühlskalt und von Standesdünkel bis zum Tod geplagt. Erst auf ihrem Totenbett in hohem Alter wurde sie mir sympathisch, da merkte man das sie doch Gefühle besitzt.Gräfin Agnes hat auch viel zu verantworten, ihr Mann Kuno im Krieg, da sind die 10 Kinder aus zwei Ehen, aus ihrer, Kunos und die sie mit Kuno noch bekam. Leicht hatte sie es nicht, Kunos fällt im Krieg, sie verlässt als letzte das Gut, die Kinder sind in Sicherheit, bei Verwandten. Man spürte wie schwer es fiel, die geliebte Heimat in Brandenburg zu verlassen. Die Flucht war schon sehr Abenteuerlich und Gefährlich. Die Familie strandet zum Schluss in Bonn, dort bauen sie sich eine neue Existenz auf. Die Kinder erwachsen geworden, gehen ihre eigenen Wege, ein jeder hat sein Päckchen zu tragen. Konrad, der jüngste, möchte nach der Wende , das Alte Anwesen zurück haben, er kämpft dafür. Seine Ehefrau Ira, an der Seite eist Lieblos und Gefühlskalt, noch nicht mal als er schwer erkrankt, ist sie für ihn da, aber Nona, seine Schwester , Nönnchen liebevoll genannt.

                                Nona, hat auch eine unglückliche Ehe hinter sich, halt und Unterstützung fand sie nur bei ihren Brüdern Moritz und Konrad, sie waren für sie da. Diese drei waren mir am liebsten.

                                Moritz, hat auch Pech mit Isabella sie leidet unter Schizophrenie . Bobby, die Stieftochter ist eine Karriere – und Geschäftsfrau, ich möchte sagen sie hat sich vieles von Agnes abgeschaut.

                                Der Kampf um das Gut, das Auf und Ab in der Familie, die Zerrissenheit, der Versuch von Zusammenhalt und der Zerfall, sind sehr schön beschrieben, Ein richtiger Familienroman wie im realen Leben.


                                Sehr schön fand ich diese Worte:

                                " Frau Gräfin, Sie sind wie eine Blume, und ihre Kinder sind die Blütenblätter." So sah sie sich. "Sie war das Zentrum, wir nur die Zierde"