Anja Baumheier

Kranichland

Eine packende Familiengeschichte über das geteilte Deutschland und die Mauern in unseren Herzen.
Die Groen-Schwestern wachsen im Ost-Berlin der sechziger Jahre heran. Unterschiedlicher könnten die beiden Mädchen nicht sein: Charlotte, die ältere, brennt ebenso für den Sozialismus wie ihr Vater Johannes, der am Ministerium für Staatssicherheit Karriere macht. Die künstlerisch begabte Marlene hingegen eckt überall an und verliebt sich Hals über Kopf in Wieland, einen Pfarrerssohn, der die DDR kritisch hinterfragt. Mit jedem Tag wächst die Sehnsucht nach einem Leben in Freiheit. Als das junge Paar beschließt, in den Westen zu fliehen, trifft Marlenes Vater eine Entscheidung - mit fatalen Folgen, die noch Jahrzehnte später spürbar sind …
"Kranichland" erzählt anhand des bewegenden Schicksals der Familie Groen fast achtzig Jahre deutsche Zeitgeschichte: von Bombennächten und Vertreibung, Wiederaufbau und Gründung der DDR, über das geteilte Deutschland und die Wende bis heute.


Autorenbild Foto von Anja Baumheier

Der  Autor

Anja Baumheier wurde 1979 in Dresden geboren und hat ihre Kindheit in der DDR verbracht. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Berlin und arbeitet als Lehrerin für Französisch und Spanisch an einer Berliner Schule. "Kranichland" ist ihr erster Roman.


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Rezensionen

hasi_rasi

Beiträge 33
2 Antworten 13.03.2018

Verloren und wiedergefunden

„...ich dachte immer, wir wären eine glückliche Familie, stattdessen gibt es lauter Geheimnisse.“ (S. 299)
Theresa versteht die Welt nicht mehr, als sie ein Haus von ihrer Schwester Marlene erbt, die angeblich schon 1971, vor Theresas Geburt, bei einem Segelunfall ums Leben kam. Ihre ältere Schwester Charlotte ist genau so überrascht wie sie. Und dann macht auch noch ihre Mutter Elisabeth, die an Demenz erkrankt im Heim lebt, eine sehr überraschende Aussage: „Schweig. ... Marlene hat schon immer Ärger gemacht. Dem mussten wir einen Riegel vorschieben, sonst wäre die Familie zerbrochen.“ (S. 19).

Anja Baumheier erzählt in ihrem sehr bedrückenden Debüt die Geschichte der Familie Groen über 80 Jahre, die sehr eng mit der Historie der DDR verbunden ist.

1946 landet Johannes nach seiner Flucht aus Schlesien allein in Rostock. Er ist 18 Jahre alt und hat keine Familie mehr. In der Umsiedlervermittlung lernt er Elisabeth, seine spätere Frau kennen, im Barackenlager den Russen Kolja. Kolja wirbt ihn für die FDJ an, wird, obwohl nur wenig älter, eine Art Ersatzvater und ihn fast sein ganzes Leben begleiten, protegieren und auch immer wieder auch für seine Zwecke einspannen.
Nach der Hochzeit denkt Johannes, er hat es geschafft, alles erreicht, was er immer wollte – eine eigene Familie, ein Zuhause, eine Arbeit bei der Kripo, die ihm Spaß macht. Er kann das neue Land DDR nach seinen Wünschen und Vorstellungen mitgestalten. Doch Kolja, sein Chef, will mehr, höher hinaus, und wirbt ihn 1953 für die Staatssicherheit an. Zum ersten Mal ignoriert Johannes Elisabeths Wünsche und sie ziehen nach Berlin. Dort hat er noch weniger Zeit für die Familie, sie entgleitet ihm immer mehr. Charlotte, die erstgeborene Tochter, geht wie ihr Vater im Sozialismus voll auf, aber Marlene, die zweitgeborene, kann sich nicht unterordnen. Sie hat ihren eigenen Kopf, sieht die Fehler im System DDR und begehrt dagegen auf. Die Situation eskaliert, als Marlene mit ihrem Freund in den Westen fliehen will ...

Ich bin, wie die Autorin, in Dresden geboren und aufgewachsen. Es ist ihr es gelungen, ein erschreckend authentisches und reales Bild der DDR zu dieser Zeit zu zeichnen. Ich kann mich an den Druck in der Schule, immer ja das Richtige tun und sagen zu müssen, gut erinnern. Nicht wenige Passagen haben mir Schauer über den Rücken gejagt.
Anja Baumheier erzählt schonungslos, wie die Familie und die DDR langsam zerbrechen, während Freunden und Kollegen weiter „heile Welt“ vorgespielt wird. Für Johannes kommt zuerst seine Arbeit, sein Land. Elisabeth muss immer mehr zurückstecken und verliebt sich in einen anderen Mann, aber sie entscheidet sich für Johannes und bleibt, auch wenn sie seine politischen Ansichten schon lange nicht mehr teilt. Das böse Erwachen kommt mit dem Fluchtversuch von Marlene. Theresa ist der Kitt für die zerrüttete Ehe, erfährt durch die Erbschaft davon und fällt ins Bodenlose.

„Kranichland“ ist für die Mitglieder der Familie Groen ein Land der Freiheit und Sehnsüchte – für die einen verkörpert dies die DDR, für die anderen die BRD.
Das Buch ist keine typische Familiensaga, nichts für schwache Nerven. Dazu ist es zu brutal, zu ehrlich, zu nah an der Realität. Obwohl ich relativ früh Vermutungen hatte, wie die Verhältnisse der Protagonisten untereinander waren, blieb es bis zuletzt spannend. Ich hatte großes Mitleid mit den Groen-Schwestern und ihrem unglaublichen Schicksal. Aber so war es damals eben auch ...

Ich kann mir vorstellen, dass das Buch seine Leser sehr polarisieren wird. 5 Sterne und meine unbedingte Leseempfehlung für dieses außergewöhnliche Buch #gegendasvergessen.

  • skiaddict7

    Beiträge: 18
    08.04.2018

    sehr schöne und überlegte Rezension, vielen Dank. Das Buch steht auf meiner Wunschliste!

  • heidi_59

    Beiträge: 38
    22.03.2018

    Eine tolle , aussagekräftige Rezi !
    Ich finde den Roman auch beeindruckend stark und sehr gut erzählt .

    • hasi_rasi

      Beiträge: 33
      28.03.2018

      Danke *erröt*

jackleser

Beiträge 35
11.05.2018

ie Groen-Schwestern wachsen im Ost-Berlin der sechziger Jahre heran. Unterschiedlicher könnten die beiden Mädchen nicht sein: Charlotte, die ältere, brennt ebenso für den Sozialismus wie ihr Vater Johannes, der am Ministerium für Staatssicherheit Karriere macht. Die künstlerisch begabte Marlene hingegen eckt überall an und verliebt sich Hals über Kopf in Wieland, einen Pfarrerssohn, der die DDR kritisch hinterfragt. Mit jedem Tag wächst die Sehnsucht nach einem Leben in Freiheit. Als das junge Paar beschließt, in den Westen zu fliehen, trifft Marlenes Vater eine Entscheidung - mit fatalen Folgen, die noch Jahrzehnte später spürbar sind …

"Kranichland" erzählt anhand des bewegenden Schicksals der Familie Groen fast achtzig Jahre deutsche Zeitgeschichte: von Bombennächten und Vertreibung, Wiederaufbau und Gründung der DDR, über das geteilte Deutschland und die Wende bis heute.

Jackdeck

Beiträge 43
27.05.2018

    1943: Johannes Groen muss als junger Mann während des zweiten Weltkrieges aus Schlesien fliehen. In Berlin lernt er den Russen Kolja kennen, der für ihn wie ein Vater wird. Kolja brennt für die junge und aufstrebende DDR und zieht Johannes in seinen Bann. Bald gründet Johannes eine Familie. Eine Tochter ist sehr linientreu, die andere, Marlene, eher künstlerisch begabt und hinterfragt das System. Als sie einen Pfarrerssohn lieben lernt und sie ihre Flucht planen, trifft Marlenes Vater eine weitreichende Entscheidung.

    2012: Theresa, die Nachzüglerin in der Familie Groen erbt ein Haus in Rostock von ihrer Schwester Marlene. Bald schon kommt sie einem unglaublichen Familiengeheimnis auf die Spur, das die gesamte Familie in ihren Grundfesten erschüttert.

    Anja Baumheier ist mit Kranichland ein starker Debüt-Roman gelungen, der fast 80 Jahre Zeitgeschichte der DDR und der BRD umfasst. Auf zwei Zeitebenen folgen wir der Familie Groen vom Entstehen der DDR bis zum Mauerfall und darüber hinaus. Nicht nur die politische Situation der damaligen Zeit, sondern auch ein packendes Familienschicksal erwartet den Leser. Kranichland ist ein sehr emotionaler und fesselnder Roman, der die Lebensituation der Menschen in einem System der Überwachung wunderbar einfängt.

    Susanne Edelmann

    Beiträge 3
    03.05.2018

      Die jüngere deutsche Geschichte, erzählt anhand des bewegenden Schicksals der Familie Groen: Es beginnt mit Johannes, der in Schlesien aufwächst und an Weihnachten 1936 als Achtjähriger miterleben muss, wie seine Mutter sich das Leben nimmt. Gut sieben Jahre später tritt der Junge ganz allein die beschwerliche Flucht in den Westen an. Zeitgleich hausen die 16-jährige Elisabeth und ihre Mutter im Keller ihres Hauses in Rostock, um dem Bombenhagel zu entfliehen. 1946 begegnen sich Johannes und Elisabeth in einem Flüchtlingslager zum ersten Mal und verlieben sich.

      Im Folgenden wird die Geschichte des Paares in der Zeit des DDR-Regimes erzählt: Johannes macht Karriere bei der Stasi, die Familie zieht mit den beiden Töchtern Charlotte und Marlene von Rostock nach Ost-Berlin. Während Charlotte ebenso linientreu ist wie ihr Vater, lehnt die künstlerisch begabte Marlene sich immer mehr gegen das Regime und damit gegen ihren Vater auf. Auch Elisabeth und Johannes entfremden sich und Elisabeth verliebt sich schließlich in einen anderen Mann.

      Rund 50 Jahre später erhält die Altenpflegerin Theresa Post von einem Anwalt: Ihre ältere Schwester Marlene sei kürzlich verstorben und habe ihr und einem gewissen Tom Halasz ein Haus in Rostock vermacht. Theresa kann nicht glauben, was sie da hört, denn Marlene ist bereits als 17-Jährige ertrunken, noch bevor Theresa überhaupt zur Welt kam, das bestätigt ihr auch Charlotte, ihre älteste Schwester. Und wer ist eigentlich dieser Tom Halasz? Ihre Eltern können Theresa und Charlotte nicht mehr fragen, denn Johannes ist längst tot und Elisabeth dement.

      Gemeinsam mit Theresas Tochter Anna begeben sich die beiden Frauen auf Spurensuche. Allmählich kommen sie einem großen tragischen Familiengeheimnis auf die Spur, das seinen Ursprung in der Grausamkeit des DDR-Regimes und der Feigheit linientreuer Mitläufer hat. Am Ende sind es nicht nur die drei Frauen, deren Leben komplett auf den Kopf gestellt wird.

      Mich hat dieser Roman von der ersten Seite an so gepackt, dass ich ihn nicht mehr weglegen konnte und in zwei Tagen durchgelesen habe. Anhand der Geschichte der Familie Groen wird die gesamte jüngere deutsche Geschichte erzählt: Vom Zweiten Weltkrieg mit Flucht und Vertreibung über die Gründung der DDR, die Schrecken des Überwachungsstaates mitsamt den unwürdigen Haftbedingungen in seinen Gefängnissen, über die Republikflüchtlinge und Montagsdemonstrationen bis hin zum Fall der Mauer mitsamt all seinen nicht nur positiven Folgen für die Bewohner Ostdeutschlands.

      Dabei sind alle Charaktere so liebevoll und einfühlsam geschildert, dass ich mich in ihre Sorgen und Nöte jederzeit gut hineinversetzen konnte und sogar dann Verständnis hatte, wenn sie gelogen und verheimlicht haben. Sie waren eben alle auf ihre Art und Weise Opfer der Umstände, mit denen ich mitgelitten, mitgeweint und gebangt habe.

      Ein großartiges Buch, das mich wirklich begeistert hat!

      schnäppchenjägerin

      Beiträge 51
      20.04.2018

        Damals:
        Johannes Groen stammt aus Schlesien und musste während des Zweiten Weltkrieges, nachdem sich seine depressive Mutter getötet hatte, allein fliehen. Als 18-Jähriger befindet er sich 1946 in einem Auffanglager in Rostock, wo er Kolja kennenlernt, der sich wie ein Vater um ihn kümmert. Er kann ihn für die FDJ begeistern und wird später sein Chef im Ministerium für Staatssicherheit. Johannes verliebt sich in die gleichaltrige Krankenschwester Elisabeth und 1950 kommt die Tochter Charlotte zur Welt. Johannes verbringt immer mehr Zeit bei der Arbeit, kann dem Druck seines Chefs, dem er so viel zu verdanken hat, nicht standhalten und zwingt die Familie gegen Elisabeths Willen, nach Berlin zu ziehen. Sie findet sofort eine Anstellung als Krankenschwester in der Charité und lernt dort den Arzt Dr. Anton Michalski kennen, für den sie, vernachlässigt von Johannes, bald mehr empfindet.

        Heute:
        Theresa Matusiak erfährt von einem Notar, dass sie ein Haus in Rostock geerbt hat. Ihre Schwester Marlene, die sie nie gekannt hat, da sie angeblich bei einem Seeunfall in den 70er-Jahren ums Leben gekommen ist, hat ihr das Haus ihrer Großmutter vermacht. Theresas Mutter ist dement in einem Pflegeheim in Berlin und kann das Testament nicht erklären.

        So beginnt die Geschichte der Familie Groen, die abwechselnd das Damals von 1936 bis 2000 und das Heute im Jahr 2012 erzählt. Es ist eine dramatische Familiensaga, die über weite Teile in der DDR spielt, deren diktatorisches System eine Mitschuld an den Schicksalsschlägen der Familie hat.
        Während Johannes und Charlotte an den Sozialismus geglaubt haben und dem Staat treu ergeben waren, hinterfragt die jüngere Marlene die Gegebenheiten und verliebt sich dabei in den Widerständler Wieland Ostermeyer, der sie zur Flucht in den Westen überredet. Die Flucht wird zum Auslöser einer Geschichte voller Geheimnisse, die über Jahrzehnte hinweg unter Verschluss gehalten werden, aber die nachfolgenden Generationen prägen werden. Erst 2012 können Charlotte und Theresa ihre Familiengeschichte aufdröseln, nachdem sie durch Marlenes Erbe auf das Lügengebilde ihrer Eltern aufmerksam geworden sind.

        Der Roman beschreibt sehr anschaulich die Verhältnisse in der DDR, über eingeschränkte Freiheiten, Nahrungsknappheit, Bau und Fall der Mauer bis zur alltäglichen Bespitzelung am Beispiel der rund 80-jährigen Geschichte der Familie Groen. Auch wenn man als Leser durch die Rückblenden in die Vergangenheit manches schneller für sich aufschlüsseln kann, als die Schwestern selbst, ist der Roman fesselnd geschrieben. Durch die trotz mancher Fehlentscheidungen sympathischen Charaktere, fühlt man sich jedem einzelnen nahe.

        "Kranichland" ist eine spannende Zeitreise in die Vergangenheit Deutschlands und eine berührende Familiengeschichte, die authentisch und empathisch erzählt ist.

        "Kranichland" steht symbolisch für Freiheit und für den Ort, der am besten für eine ist.

        Lesegenuss

        Beiträge 23
        15.04.2018

          Die Familiengeschichte des Romans "Kranichland" spielt zum einen im geteilten Deutschland, hier Ost-Berlin, bzw. Rostock sowie in der heutigen Zeit. Es handelt von dem Leben der Familie Groen. Im Buch werden die Zeitebenen wechselnd geschrieben.
          Anfänglich hatte ich meine Einstiegsprobleme, etwas verwirrend, bis ich dann endlich "den roten Faden" gefunden hatte. Dann, wenn man erst einmal in die Geschichte sich eingelesen hat, lässt sie sich gut lesen. Was mir sofort ins Auge fiel, waren die gezeichneten Vögel - Kraniche - die in den einzelnen Kapiteln den Text unterbrachen. Was aber nicht störend war. Das Buch hatte meine Aufmerksamkeit, zum einen durch das ansprechende Cover, dem Titel als auch die Kurzbeschreibung erhalten.
          Ich bin zwar nicht in der ehemaligen DDR aufgewachsen, doch da meine Verwandtschaft in Ost-Berlin wohnt(e), waren jährliche Besuche immer angesagt. Und das gern. Ich liebe meine Verwandtschaft. "Kranichland" ist der Debütroman von Anja Baumheier.
          Was für Auswirkungen eine einzige Entscheidung auf ein Leben bzw. einer ganzen Familie hat, wird hier anhand der Groen-Familie bzw. Schwestern erzählt.
          Nachvollziehbar ebenso die Entscheidung des Vaters in den 50iger Jahren d. verg. Jh. eine Stelle beim Staatssicherheitsdienst anzufangen. Das bedeutete für die kleine Familie den Umzug von Rostock nach Berlin. Und so geht es dann weiter, bis ... ja bis dann eines der Schwestern aus der Reihe tanzt. Das passte nicht in das Weltbild des Vaters, der eine Karriere in dem Ministerium gemacht hatte. Die Entwicklung beider Geschichten, die letztendlich unterschiedlich waren, und doch am Ende gut gelungen sich verbinden. Man weiß wie das System damals arbeitete. Und noch heute sind die Auswirkungen mancher Entscheidungen, wie z. B. Zwangsadoption usw. spürbar. Von daher ist nichts in Frage zu stellen.
          Der Schreibstil hat mich angesprochen. Die Charaktere sind lebensnah gezeichnet. Nicht jede ist besonders sympathisch und manches nicht genau nachvollziehbar. Man merkt, dass die Autorin ihre Protagonisten wohl durchdacht hat.
          Fakt ist, dass durch diesen Roman einem klar wird, dass eine Entscheidung das Leben verändert.

          Für mich war "Kranichland" ein besonderes Lesehighlight. Absolute Leseempfehlung für diesen Roman, in die historische und politische Hintergründe einfließen.

          Capri84

          Beiträge 18
          06.04.2018

            Das war ein wirklich ganz wundervolles Buch mit viel Tiefgang, was mich sehr berührt hat.
            Ich finde Geschichten aus der Zeit vor der Wende immer sehr spannend. Da ich diese Zeit selbst nicht wirklich miterlebt habe, mich aber dennoch sehr dafür interessiere...weniger politisch, eher wie es sich als Familie in der DDR gelebt hat.
            Das Buch hat einen wirklich guten Eindruck vermittelt...aber es war auch sehr erschreckend, wie ein Familienvater so fanatisch sein kann und versucht, seine Familienangehörigen in die gleiche Linie zu drücken.
            Eine absolute Leseempfehlung von meiner Seite

            sylvia_hertel

            Beiträge 6
            05.04.2018

              Damals und Heute
              Theresa bekommt einen Brief von einer Anwaltskanzlei in dem steht, dass ihre Schwester Marlene ihr ein Haus in Rostock vererbt hat.
              Dabei ist Marlene doch schon als junges Mädchen bei einem Unfall ums Leben gekommen.
              Theresa hat ihre Schwester gar nicht gekannt. Sie war ein Nachzügler und ist erst nach dem Unfall geboren.
              So beginnt die Geschichte doch am Ende ist alles anders als gedacht.
              „Kranichland“ erzählt die Geschichte der Familie Groen.
              Johannes Groen kannte seinen Vater nicht und seine Mutter hat er früh verloren.
              Am Ende des Kriegs musste er von Schlesien fliehen. Er war ganz auf sich alleine gestellt und dankbar als in Rostock Kolja, der der russischen Besatzung angehörte, sich seiner annahm. Er bekam einen Platz in einer besseren Flüchtlingsunterkunft und sogar einen Arbeitsplatz. Johannes war dankbar, Kolja war der erste Mensch der ihm die Hand reichte, der ihm half. Dass das alles nur Mittel zum Zweck war durchschaute er nicht.
              So war er daran beteiligt das Regime der DDR aufzubauen. Er glaubte fest an das Gute und das alles seine Richtigkeit hatte.
              Als ihm nach vielen Jahren Zweifel kamen war es zu spät.
              Elisabeth lebte mit ihrer Mutter in ihrem Haus in Rostock. Nach dem der Vater abgeholt wurde versteckte sie sich mit ihrer Mutter im Keller. Nach dem Krieg lernte sie Johannes kennen. Sie verliebten sich und heirateten. Gelebt haben sie im Haus bei ihrer Mutter unter dem Dach.
              Dann wurde Johannes nach Ost Berlin versetzt und Elisabeth bekam eine Anstellung in der Charité.
              Die beiden hatten zwei Töchter Charlotte die älteste, die ganz nach dem Vorbild ihres Vaters an das Gute der DDR glaubte.
              Dann die jüngere, Marlene. Sie war genau das Gegenteil, eine richtige Ausständlerin. Auch in der Schule gab es immer Ärger wegen ihr.
              Marlene ist jung bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen (hier möchte ich nicht mehr verraten)
              Danach wurde Theresa geboren. Sie war die Freude von Johannes und Elisabeth (auch hier möchte ich nicht näher darauf eingehen.)
              Die Charaktere waren alle sehr authentisch und mir, bis auf Kolja auch alle sympathisch. Ja, auch Johannes, obwohl er ein Mitglied des Systems der DDR war, andere Menschen ausspioniert hatte und bestimmt so manchem zum Verhängnis wurde.
              Aber auch er war ein Opfer des Systems und ich kann ihn nicht einfach verurteilen.
              Das Buch hat zwei Erzählstränge, es gibt einen ständigen Wechsel zwischen Heute und Damals.
              Theresa merkt sehr schnell, dass es in ihrer Familie ein Geheimnis gibt und versucht dem auf die Spur zu kommen. Die Abschnitte aus der Vergangenheit verraten Stück für Stück was damals wirklich geschah.
              Am Ende Fallen alle Puzzleteile an die richtige Stelle und alle Geheimnisse sind gelüftet.
              Es hätte viel Leid erstarrt werden können wenn man in der Familie Groen etwas ehrlicher zueinander gewesen wäre. Dann hätten wir allerdings nicht so eine interessante und gefühlvolle Geschichte bekommen.
              Die Autorin Anja Baumheier hat mit „Kranichland“ ein sensationelles Debüt hingelegt. Alle Achtung.

              Nele2505

              Beiträge 31
              05.04.2018

                Deutsch-deutsche Geschichte lese ich immer wieder gern. Dieser Roman umschließt gleich drei Generationen und mehrere Jahrzehnte deutscher Geschichte, eingebettet in spannende Familiengeheimnisse. Die Sprache hat mir super gefallen, die Story ebenfalls. Wirklich ehrlich und brutal, ohne überzogenes Schi-schi. Aber so konnte es mich umso mehr berühren. Dafür gebe ich wirklich gern fünf Sterne.

                brigitte_schreiter

                Beiträge 76
                04.04.2018

                  Es ist eine bewegende und gefühlvolle Geschichte mit authentischen Charakteren. Wir begleiten eine Familie über mehrerte Generationen, Beginn ist 1936 bis heute. Die Gründung der DDR, der Mauerfall , die friedliche Revolution bis heute.
                  Elisabeth und Johannes lernen sich im 2.Weltkrieg kennen und lieben und gründen eine Familie. Sie bekommen 2 Mädchen, Charlotte die ältere ist angepasst und begeistert vom Sozialismus. Die jüngere Marlene verliebt sich in den Pfarrersohn Wieland. Sie beschließen die Flucht in den Westen. Was aber nicht gelingt. Sie werden verraten und landen im Gefängnis. Später werden sie freigekauft und sie gehen in die BRD.
                  Theresa ist ein Nachzügler und hat Marlene nie kennengelernt. Doch da bekommt sie von einer Anwaltskanzlei aus Rostock Bescheid, das sie ein Haus von marlene erbt.
                  Wir erleben in den Buch die DDR hautnah, von den Anfängen bis zum Mauerfall. Wir begleiten die Familie über fast 80 Jahre..
                  Die geschichte hat mich sehr berührt und bekommt von mir 5 Sterne.

                  tinstamp

                  Beiträge 18
                  30.03.2018

                    Bewertung: 4 1/2 Sterne

                    Mit ihrem Debütroman ist Anja Baumheier ein Volltreffer gelungen. Die Familiengeschichte der Groens, die sich über fast 80 Jahre erstreckt, beginnt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

                    Der erst 16-jährige Johannes Groen hat seine gesamte Familie verloren und landet nach seiner Flucht aus Schlesien in Rostock. In einem Flüchtlingslager trifft er auf den Russen Kolja, der der FDJ (Freie deutsche Jugend) angehört und ihm einen Arbeitsplatz verschafft. Obwohl Kolja nicht viel älter als Johannes ist, wird er zu Johannes "Vaterersatz" und sein bester Freund. Die beiden jungen Männer sind beim Aufbau der neuen deutschen demokratischen Republik von Anfang an dabei. Johannes glaubt an das System, das alle Menschen gleichstellen soll. Als er Elisabeth kennenlernt, heiraten die Beiden und leben im Haus von Elisabeths Mutter in Rostock, wo auch Töchterchen Charlotte geboren wird. Doch Kolja verhilft Johannes zu einer höheren Stelle in Berlin und die Familie muss umziehen. Elisabeth bekommt als Krankenschwester einen Platz in der Charité. Sie ist alles andere als glücklich, da Johannes in Berlin noch weniger Zeit für sie hat und eine tolle Karriere beim Ministerium für Staatssicherheit hinlegt. Nach Charlotte kommt Marlene zur Welt, doch während Charlotte der Augenstern ihres Vaters ist und im Sozialismus aufgeht, ist Marlene aufrührerisch und bezweifelt immer stärker die Politik des Landes....

                    Gegenwart. Theresa erhält von einer Anwaltskanzlei die Benachrichtigung, dass sie in Rostock gemeinsam mit einem gewissen Tom Halász ein Haus geerbt hat. Das Mysterische daran ist, dass sie es von ihrer Schwester Marlene vererbt bekommt, die vor ihrer Geburt mit 17 Jahren bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen ist. Wie kann das möglich sein ? Die Nachfrage bei ihrer Mutter bringt Theresa nicht wirklich weiter, denn Elisabeth leidet an Demenz. Auch ihre Schwester Charlotte kann sich nicht erklären, was hinter diesem Testament stecken könnte. Theresa und ihre Tochter Anna machen sich auf die Suche nach dem ominösen zweiten Begünstigten, Tom Halász....

                    Die beiden Erzählstränge wechseln sich ab und das Familiengeheimnis der Groens wird nach und nach aufgedeckt. Die Atmosphäre hat die Autorin dabei großartig eingefangen. Einige Dinge waren dabei ein bisschen vorhersehbar, was jedoch nicht weiter schlimm war. Einen Roman, der sich über fast 80 Jahre deutscher Zeitgeschichte spannt, ist dies "verziehen", denn hier war auch sehr viele Recherchearbeit der Autorin nötig. Zwar selbst in der DDR aufgewachsen, war sie Teil dieses Regimes, jedoch noch ein Kind. In diesem Alter nimmt man Dinge noch ganz anders wahr...

                    Als Österreicherin war ich zwar von kommunistischen Nachbarländern umgeben, aber sehr viel wusste ich damals als Kind und Jugendliche auch nicht darüber. In diesem Alter hat man auch meistens andere Dinge im Kopf, um sich mehr mit diesem Thema auseinderzusetzen. Ich hatte damals eine sehr nette Brieffreundin aus der DDR, Sylka, die sich aber kurz vor dem Mauerfall nicht mehr bei mir gemeldet hat. Gerne würde ich erfahren, was aus ihr geworden ist....
                    Dieses wichtige und sehr emotionale Ereignis habe ich damals im TV gesehen und freute mich über die Wiedervereinigung. In diesem Roman von Anja Baumheier habe ich nun hinter die Fassade der damaligen DDR geblickt und so einiges mehr erfahren. Die Bespitzelungen, die mit der Zeit immer schlimmer wurden und den Menschen kaum mehr ein "normales" Leben ermöglichte, lassen jeden, der es nicht selbst miterlebt hat, ungläubig den Kopf schütteln. Besonders grausam fand ich den Abschnitt über einen Gefängnisaufenthalt. Isolation, Schlafentzug und psychische Spielchen waren dort Alltag. Der Freikauf von Häflingen durch die BRD zeigt auch ein unseriöses Bild des Westens.
                    Auf den über 400 Seiten erlebt man nicht nur den Zerfall des ehemaligen Ostdeutschland, sondern auch den einer ganzen Familie...

                    Schreibstil:
                    Anja Baumheier erzählt in einem berührenden und flüssigen Schreibstil. Man kann sich schwer ihrer Erzählweise entziehen. Die Charaktere sind detailliert gezeichnet und im Kopf entstehen Bilder der einzelnen Figuren. Sie haben alle Ecken und Kanten und entwickeln sich weiter.
                    Die politischen Zusammenhänge wurden sehr gut erklärt. Die einzelnen Kapitel werden mit einer Ortsangabe und der Jahreszahl gekenntzeichnet. Toll fand ich den Zusatz bei den Seitenzahlen unten von "Damals" und "Heute".

                    Fazit:
                    Ein wirklich starkes Debüt! Ein Roman, der deutsche Zeitgeschichte über fast achzig Jahre lebendig macht und aufzeigt, wie eine Familie daran zerbrechen kann...und wieder aufstehen. Eine spannende Zeitreise, toll recherchiert und absolut lesenswert!

                    Bibliomarie

                    Beiträge 14
                    26.03.2018

                      Die Schwestern Groen wachsen in der DDR auf. Vater Johannes, ein Kriegskind, bringt sich voller Hoffnungen in den real existierenden Sozialismus ein, für einen Staat, der nur für seine Menschen da ist. Seine älteste Tochter übernimmt seine Anschauungen, nur Marlene hinterfragt mehr und ist auch in der Familie ein Fremdkörper. Dann verliebt sie sich in einen Pfarrerssohn, der sich ebenfalls sehr kritisch gegen Staatsräson und Unterdrückung äußert. Es scheint, als ob ihnen nur die Flucht in den Westen bliebe…
                      Die Autorin ist selbst in der DDR aufgewachsen und schildert in ihrem Roman das Alltagsleben. Die Auswirkungen der Regression auf den einzelnen, wo schon ein Wort oder ein unbedachter Witz die Menschen ins Gefängnis bringen kann. Die Erzählung wechselt in zwei Zeitperspektiven, wobei sich die beiden Ebenen immer näher kommen.
                      Wie stark der Staat das Alltagsleben reglementierte, in die persönliche Freiheit eingriff und unterdrückte, aber auch Sicherheit, Wohnung und Arbeit garantierte, wenn man sich den Regeln unterwarf, fand ich gut dargestellt. Da bei den Hauptfiguren der Riss durch die Familie ging, bekamen die unterschiedlichen Sichtweisen auf das Regime und die Folgen eine besondere Dramatik.
                      Wer wie ich, das Alltagsleben der DDR nicht aus persönlichen Erleben und Erzählen kennt, bekommt durch diesen Roman einen ganz besonderen Blick.
                      Das ist eine ganz besondere Familiengeschichte, dramatisch und menschlich erzählt, die mir gut gefallen hat. Es ist spannend und fesselnd geschrieben und ich war ganz nahe an Marlene und ihrem Schicksal.

                      Arietta

                      Beiträge 45
                      26.03.2018

                        Der Roman ist einfach sehr beeindruckend und tiefgehend.
                        Man blickt beim Lesen in tiefe Abgründe und schaudert beim Lesen. Wie ein Familienvater Gehirnwäsche verübt bei seiner Familie und sie zu Linientreuen DDR Genossen erziehen will.
                        Das Buch ist soetwas von Tollund ergreifend ich möchte es nicht missen. Danke an meine Freundin die es mir geschenkt hat.
                        Der Roman hat 5 Sterne verdient.....

                        KerstinT

                        Beiträge 38
                        24.03.2018

                          Verzweigte Familiengeschichte wunderbar aufgearbeitet

                          Die Familiengeschichte beginnt in Schlesien zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Johannes Groen flieht nach Deutschland. Dort findet er in der nun entstehenden DDR eine neue Heimat. Er macht Karriere bei der Staatssicherheit und bringt seiner Familie Staatstreue bei. Doch eine seiner Töchter bricht aus. Wird Johannes sie rechtzeitig zur Vernunft bringen? Eine verworrene und emotionale Familiengeschichte beginnt, die bis in die Gegenwart von Lügen und Geheimnissen geprägt ist.

                          Der Schreibstil ist sehr angenehm und leicht und flüssig zu lesen. Die Dialoge befinden sich an der richtigen Stelle und haben Inhalt. Die Geschichte an sich ist sehr emotional und diese Emotionen wurden von Anja Baumheier sehr gut rübergebracht. Teilweise geht es richtig ans Herz. Auch die Beschreibungen, beispielsweise vom Mauerfall, waren sehr authentisch und realistisch dargestellt. Es kam zu Kino im Kopf! Außerdem herrschte bis zur letzten Seite ein gewisses Maß an Spannung. Die Cliffhanger waren genau an der richtigen Stelle, so dass man schnell weiter lesen wollte/müsste. Die Kapitel waren recht kurz, so dass ein Weiterlesen leicht fiel. Schön war hier der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, sowie der Wechsel zwischen den Protagonisten. So konnte man die Geschichte aus allen Blickwinkel miterleben und sich in jede Person hineinversetzen und ihr Handeln nachvollziehen. Außerdem entstand so eine gewisse Dynamik. Schön war auch, dass die Familiengeschichte und die vielen Geheimnisse unterschiedlich in Vergangenheit und Gegenwart aufgelöst wurden.
                          Anja Baumheier ist es gelungen sehr authentische Charaktere zu schaffen, die alle ihre Ecken und Kanten haben, letztendlich aber alle sehr sympathisch waren! Die Handlungen der einzelnen Personen waren nachvollziehbar. Es gab viele Zufälle in dieser Geschichte, die als Ganzes vielleicht unrealistisch sind, aber in einem Roman ist das erlaubt.

                          Ein wunderbares Debüt! Ich habe nichts auszusetzen und vergebe deshalb volle fünf von fünf Sterne. Und spreche eine klare Leseempfehlung aus!

                          nati

                          Beiträge 13
                          23.03.2018

                            Spannende Zeitreise
                            Dieses Buch gehört zu meinen Lesehighlights 2018.

                            Es muss eine Verwechslung sein, denkt Theresa, als sie den Brief eines Notars erhält. Sie und ein gewisser Tom Halász haben gemeinsam ein Haus in Rostock geerbt von Marlene, die vor kurzem verstorben ist. Doch Theresa weiß, dass ihre Schwester Marlene bereits 1971 bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen ist. Wie kann dies möglich sein?

                            Johannes Groen hat als Kind unter dramatischen Umständen seine Mutter verloren. Jahre später macht er sich von Schlesien auf den Weg und kommt 1943 nach Rostock. Hier lernt er Elisabeth kennen und lieben. Sie gründen eine Familie, doch Johannes hat immer weniger Zeit, da er mit dem sozialistischen Aufbau beschäftigt ist. Gegen den Willen von Elisabeth zieht die Familie nach Ostberlin und Johannes macht Karriere beim Ministerium für Staatssicherheit. Die beiden Töchter Charlotte und Marlene sind sehr verschieden. Charlotte eifert ihrem Vater nach und Marlene ist künstlerisch veranlagt und hat eigenwillige Vorstellungen. In der Ehe von Johannes und Elisabeth kriselt es und sie verstricken sich in ein Geflecht aus Lügen und Geheimnissen, die Jahre später ans Licht kommen.

                            „Kranichland“ von Anja Baumheier ist ein bewegender Debütroman über das Schicksal der Familie Groen, die in Rostock und Ost-Berlin lebte. Über fast achtzig Jahre schildert der Roman deutsche Zeitgeschichte von Bombennächten, Wiederaufbau und Gründung der DDR, über das geteilte Deutschland und die Wende bis heute.

                            Die Autorin hat mich mitgenommen auf eine spannende Zeitreise und aufgezeigt, dass die Teilung Deutschlands sich nicht nur auf das Land beschränkte, sondern auch innerhalb Familien stattfand. Was man möglichst nach außen nicht zeigte. Die Charaktere wirkten auf mich authentisch, obwohl sie mir nicht alle sympathisch waren. Ihre Handlung konnte ich nachvollziehen, nach dem ich ihre Geschichte kannte. Stück für Stück werden die Geheimnisse der Familie aufgedeckt, so dass ich kaum das Buch aus der Hand legen konnte. Viel dazu beigetragen haben auch die unterschiedlichen Zeitebenen mit den politischen Bezügen.

                            Eine klare Leseempfehlung von mir für dieses sehr emotionale Buch.

                            heidi_59

                            Beiträge 38
                            22.03.2018

                              Damals wie Heute ~ Das Schokoladenmädchen ~

                              “Kranichland” ist das beeindruckend starke Debüt , der Autorin Anja Baumheier, die in der DDR aufgewachsen ist und in Dresden ihre Kindheit verbracht hat .
                              Der Roman erzählt die bewegende Geschichte von Charlotte , ihren Schwestern Marlene , Theresa, sowie den Eltern Johannes und Elisabeth Groen , mit allen Verwandten und Bekannten .
                              Wir begleiten die Familie Groen über fast 80 Jahre Deutsche Zeitgeschichte und mehrere Generationen hinweg, stellvertretend für die vielen Menschen die in der DDR gelebt haben und die das immer strenger werdende sozialistische Regime Jahrzehntelang ausgehalten haben .
                              Der Leser erlebt die Entstehung der DDR , den Mauerfall/die Wende , bis hin zur heutigen Zeit .
                              Anja Baumheier verzichtet bewusst auf auf ausschweifende, klischeehafte Erzählungen der Zustände im sozialistischen Staat . Sie besticht vielmehr mit beeindruckend starken Worten und sensibel gewählten , authentischen Protagonisten , die ihre Geschichte mit sehr viel Feingefühl und Nonchalant im ständigen Perspektivenwechsel über all die Jahre hinweg erzählen .
                              Ein berührendes Leseerlebnis , das durch seine bewegende Familiengeschichte und den einfühlsamen Schreibstil der Autorin sofort gefangen nimmt und nicht mehr loslässt. Innerhalb weniger Seiten ist man mitten drin im “Kranichland” an der Seite von Johannes , Elisabeth und den anderen Bewohnern , deren Schicksale hier so fesselnd erzählt werden .
                              Anja Baumheier hat mich mit ihrem Roman Debüt begeistert und meine Erwartungen an die Geschichte von “Kranichland” zu Hundert Prozent erfüllt .

                              Sehr gerne vergebe ich für den tollen Roman

                              5 Sterne

                              sowie eine ganz klare Leseempfehlung für alle die gerne in Romane mit historischem Zeitgeschehen abtauchen .

                              die.buecherdiebin

                              Beiträge 5
                              21.03.2018

                                Inhalt: Berlin 2012. Theresa erbt überraschend ein Haus in Rostock von ihrer Schwester Marlene, die angeblich schon vor Theresas Geburt bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen sein soll. Theresa ist ratlos und auch ihre ältere Schwester Charlotte weiß nichts darüber. Bei ihren Nachforschungen kommt Theresa einem unglaublichen Familiengeheimnis auf die Spur, das sie tief erschüttert.

                                Meine Meinung: „Kranichland“ wird auf zwei Zeitebenen erzählt, die sich im Verlauf der Geschichte immer weiter annähern. Das hat mir sehr gut gefallen.
                                Der Roman umfasst fast 80 Jahre deutscher Geschichte und beginnt im Jahr 1936, als der 8-jährige Johannes Groen seine Mutter verliert.
                                1946 kommt er nach seiner Flucht aus Schlesien alleine nach Rostock. Dort lernt er Elisabeth kennen. Drei Jahre später heiraten sie und gründen eine Familie. Die ersten Jahre sind glücklich, doch Johannes arbeitet fieberhaft am Aufbau des Sozialismus und hat immer weniger Zeit. Dann ziehen sie gegen Elisabeths Willen nach Ost-Berlin und Elisabeth beginnt eine Affäre mit ihrem Chef, bleibt aber trotzdem bei ihrem Mann. Ihre zweite Tochter Marlene kommt zur Welt und die Situation wird immer komplizierter. Während die ältere Tochter sich dem System unterordnet, will Marlene ihr Leben selbst bestimmen. Schließlich verstricken sich Johannes und Elisabeth in ein Netz aus Lügen und Geheimnissen, das erst Jahrzehnte später aufgedeckt wird.
                                Das Buch hat mich von Anfang an gefesselt. Ich bin in der BRD aufgewachsen und fand es sehr interessant in Romanform hinter „die Mauer“ zu schauen. Für uns ist es heute kaum vorstellbar, wie das Leben für die DDR-Bürger damals war. Einiges wusste ich natürlich schon, anderes war aber auch für mich neu (zB. das verbotene Micky-Maus Heft). Die Autorin, Anja Baumheier, ist in Dresden geboren und hat ihre Kindheit in der DDR verbracht. Es ist ihr sehr gut gelungen, die damalige Zeit wieder lebendig werden zu lassen und glaubwürdig zu schildern. Außerdem konnte ich mich in alle Mitglieder der Familie Groen hineinversetzen und sie größtenteils auch verstehen.
                                Nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Geschehnisse im Heute haben mir wirklich gut gefallen. Nach und nach entwirren sich alle Geheimnisse und so steigt der Spannungsbogen konstant an. Die letzten ca. hundert Seiten MUSSTE ich in einem Rutsch lesen.
                                Fazit: Eine berührende, aber auch sehr interessante und informative Geschichte über die Auswirkungen des politischen Systems der DDR auf eine Familie.

                                Vielen Dank für das tolle Leseexemplar.

                                Nadine135

                                Beiträge 50
                                20.03.2018

                                Dieser Roman befindet sich schon länger in meinem Hinterkopf. Die Geschichte über Ost und West verknüpft mit der Freundschaft der beiden Frauen macht mich neugierig und ich bin sehr gespannt wie die Autorin damit umgeht.
                                Auch das Cover macht neugierig.
                                Ich freue mich schon sehr auf diesen Roman.

                                Lesefeuer

                                Beiträge 18
                                eine Antwort 14.03.2018

                                  Direkt mal vorneweg: Auch wenn wir erst im 3. Monat des Jahres sind – dieses Buch wird auf jeden Fall eines meiner Lesehighlights 2018. Heute erscheint "Kranichland" und ich durfte es schon vorab lesen. Ich werde noch lange zehren von diesem Buch. Ganz bestimmt. Ich selbst bin in der DDR geboren, habe von diesem Land aber nicht wirklich viel mitbekommen und kenne es somit nur aus Erzählungen und Filmen. Im Wechsel liest man die Geschichte von früher, beginnend im Jahr 1936 bis zum Jahr 2000, und heute. Ich kam anfangs ein wenig durcheinander im h e u t e, weil ich mir einfach nicht merken konnte, welches der Groen-Schwestern die Ältere und die Jüngere ist. Aber das legte sich dann eigentlich recht schnell. Alle Groen-Familienmitglieder waren mir sehr sympathisch. Jeder auf seine Art und Weise. Johannes als Familienoberhaupt wollte eigentlich nur eine eigene glückliche Familie, da er dies aus seiner eigenen Kindheit nicht wirklich kannte. Er stürzt sich komplett in seine Arbeit und geht dort voll auf, aber er merkt nicht, dass ihm seine Familie entgleitet. Elisabeth verliebt sich in einen anderen Mann aber diese Liebe ist kompliziert. Und ihre Tochter, Marlene, ist im Gegensatz zu Charlotte eine Rebellin. Das wird natürlich nicht so gerne gesehen, denn der Vater hat eine Stelle im Ministerium für Staatssicherheit. Also Marlene dann in den Westen fliehen will, trifft Johannes eine Entscheidung, die das ganze Leben der Familie durcheinanderbringt. Alles wird Johannes genommen als die Wende kommt. Ich war gefesselt von Seite 1. Anja Baumheier versteht es den Leser auf äußerst spannende Art und Weise an ein Buch zu fesseln. Es gibt so viele Verstrickungen im Buch, die das Buch so spannend aber zu keiner Zeit verwirrend machen. Stilistisch gesehen mag ich die kurzen Kapitel und selbst wenn man mal mitten im Kapitel aufhören muss zu lesen, fällt einem der Einstieg leicht, denn unten bei den Seitenzahlen ist genau beschrieben in welcher Zeitspanne und welchem Jahr man sich befindet. Das Cover ist total schön und äußerst passend. Warum es so passend ist werde ich nicht beschreiben, denn das würde ohne Spoiler nicht gehen. In diesem Sinne empfehle ich dieses Buch JEDEM von euch. Ein fantastisches Buch! Ich hoffe inständig, dass Anja Baumheier weitere Bücher schreiben wird. Ich bin jedenfalls Hin und Weg. Ihr merkt, ich bin einfach nur begeistert.

                                  • Nadine135

                                    Beiträge: 50
                                    20.03.2018

                                    Danke für deine spannende und informative Rezi. Das Buch macht neugierig.