Sandra Lüpkes

Die Schule am Meer

Juist, 1925: Tatkräftig und voller Ideale gründet eine Gruppe von Lehrern am äußersten Rand der Weimarer Republik ein ganz besonderes Internat. Mit eigenen Gärten, Seewasseraquarien und Theaterhalle. Es ist eine eingeschworene Gemeinschaft: die jüdische Lehrerin Anni Reiner, der Musikpädagoge Eduard Zuckmayer, der zehnjährige Maximilian, der sich mit dem Gruppenzwang manchmal schwer tut, sowie die resolute Insulanerin Kea, die in der Küche das Sagen hat. Doch das Klima an der Küste ist hart in jeder Hinsicht, und schon bald nehmen die Spannungen zu zwischen den Lehrkräften und mit den Insulanern, bei denen die Schule als Hort für Juden und Kommunisten verschrien ist. Im katastrophalen Eiswinter von 1929 ist die Insel wochenlang von der Außenwelt abgeschlossen. Man rückt ein wenig näher zusammen. Aber kann es Hoffnung geben, wenn der Rest der Welt auf den Abgrund zusteuert?


Autorenbild Foto von Sandra Lüpkes

Die  Autorin

Sandra Lüpkes ist Autorin zahlreicher Romane, Sachbücher, Drehbücher und Erzählungen. Mit "Die Schule am Meer" hat sie einen groß angelegten Gesellschaftsroman geschrieben über ein reformpädagogisches Internat auf Juist. Die ausgiebigen Recherchen zu den historischen Begebenheiten und realen Personen im Umfeld der Schule führten sie ins Tessin, nach Berlin und natürlich auch nach Juist, wo sie aufgewachsen ist und wo sie lange Jahre gelebt hat.


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Rezensionen

Caillean

Beiträge 17
08.04.2020

Titicaca auf Juist und das „Jenseits“ gleich um die Ecke

Es gehört schon viel Mut dazu, auf der sturmumtosten Nordseeinsel Juist ein Internat zu errichten. Das wäre heute so – aber vor 100 Jahren war es ein umso beeindruckenderes Unterfangen. Dennoch stellten sich eine Handvoll engagierte Lehrer dieser Aufgabe und gründen „Die Schule am Meer“. Eine schöne Geschichte? Nein, ein historischer Fakt. Gründungsmitglieder sind das Pädagogenpaar Paul und Anni Reiner, aber auch Martin Luserke, der noch heute in den historischen Belegen stark verknüpft ist mit der Schule am Meer. Zusammen mit den gleichgesinnten Kollegen wird der „reformpädagogische Ansatz“ gepflegt. Die Kinder kommen mit ca. 10 Jahren ins Internat und bleiben auf der Insel, bis sie ihr Abitur in der Tasche haben. Es gibt Theatergruppen, einen Chor, ein Orchester, mehrere Schülerverbindungen (die die Namen von Tieren tragen) und jedes Gebäude hat einen Namen, so dass es nicht weit ist vom „Diesseits“ ins „Jenseits“ und zur „Arche“. Doch die alteingesessenen Insulaner sind skeptisch – kommt doch da eine Gruppe Querdenker und gründet eine merkwürdige Art „Kommune“ mit noch merkwürdigeren Ritualen, zu denen jeden Morgen auch ein „mystisches Tauchbad“ in der Nordsee gehört. Sandra Lüpkes erzählt die Geschichte der Schule am Meer am Beispiel des Schülers Maximilian Mücke, genannt Moskito, der als Zehnjähriger auf die Insel kommt. Seinen Eltern gehört in Bolivien eine Zinnmine, aber sie wollen, dass ihr Kind eine exzellente Ausbildung in Deutschland erhält. Sie lassen sich dies einiges kosten (ohne zu wissen, dass die Schule am Meer nur halb so viel Komfort bietet, wie sie sich das aufgrund der Werbung für diese Institution vorstellen). Die Zeit von Moskito an der Schule am Meer ist gleichzeitig die Geschichte der Schule. Und mit seinem Abitur endet auch die Geschichte der Einrichtung – im Jahr 1934, zerbrochen an den politischen Entwicklungen. Über den Zeitraum, in dem die Schule existiert, geht der Leser mit Moskito durch dick und dünn. Als der kleine Junge eine verletzte Wildgans rettet (die ihm fortan auf Schritt und Tritt folgt) und sie wegen seines Heimwehs „Titicaca“ nennt, wird einem schon warm ums Herz. Man erlebt mit, wie Moskito und seine Freunde zu Jugendlichen werden und schließlich zu Erwachsenen heranreifen, die bereit sind, Entscheidungen zu treffen. Ehrlich – das eine oder andere Mal war ich beim Lesen unheimlich stolz auf Moskito. Neben den Schülern steht natürlich auch das Lehrerkollegium im Fokus des Buches. Neben den Gründungsmitgliedern spielt Eduard Zuckmayer, Bruder des bekannten Schriftstellers Carl Zuckmayer, eine große Rolle. Der gefeierte, aber erschöpfte Dirigent erkennt seine Bestimmung, als er Urlaub auf Juist macht und wird Musiklehrer an der Schule. Er, der selbst nicht auf Nachwuchs hoffen kann, wird zum künstlerischen Mentor der Schüler und findet seine Erfüllung im Musiklehrerdasein – auch wenn sein Bruder das für eine Verschwendung seiner Möglichkeiten hält. Sandra Lüpkes fängt ein umfassendes Bild ein, das die damals sehr fortschrittlichen pädagogischen Ansätze der Schule am Meer (allein schon der gemeinsame Unterricht für Jungen und Mädchen!) porträtiert und der Schule ein wohlverdientes Denkmal setzt. In den historischen Rahmen hat sie gekonnt eine Geschichte vom Erwachsenwerden eingewoben und spannend den Existenzkampf der Lehrer geschildert, deren Lebenswerk die Schule am Meer werden sollte. Die sich wandelnde Gesinnung macht auch vor manchem Pädagogen nicht halt und mündet schließlich in ein Finale, das den Leser traurig und nachdenklich zurücklässt. Jedem, der sich auch nur ein bisschen für die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts interessiert, möchte ich dieses Buch wärmstens ans Herz legen!

MarySophie

Beiträge 15
eine Antwort 31.03.2020

Handlung:
Juist 1925
Eine Gruppe von ambitionierten Lehrern hat sich zusammengeschlossen und auf der Insel Juist ein altes Anwesen gekauft, welches sie in ein Internat umwandeln. Dieses wollen sie zusammen mit ihren Schülern verschönern und nach und nach erweitern. Aber auch die Bildung bleibt nicht auf der Strecke: die Schule soll reformiert werden, persönliche Stärken werden hervorgehoben und so soll den Schülern ein besserer Start ins spätere Berufsleben gegeben werden.
Verschiedene Personen werden auf diesem Weg begleitet, anhand von Eduard Zuckmayer und der Jüdin Anni Reiner gibt es Einblicke in den Lehreralltag, der zehnjährige Schüler Maximilian berichtet sowohl von positiven, als auch von negativen Aspekten und die Insulanerin Kea, welche in der Schule am Meer als Köchin arbeitet zeigt nicht nur ihre Meinung deutlich, sondern bildet die Verbindung zu den anderen Insulanern. Den diese sind nicht vollends von dem Konzept begeistert, es gibt einige negative Stimmen, die einen Fortbestand der Schule unterbinden möchten. Und auch der langsam aufkommende Nationalsozialismus erschwert vielen Bürgern das Leben...

Meinung:
Das Cover ist wunderbar zeitgemäß und ansprechend. Ich finde die Farben sehr passend und mag die Schlichtheit, mit der der Titel, sowie der Name der Autorin gedruckt wurden. Ich kann selbst nicht benennen wieso, aber es erscheint mir genau richtig für die Geschichte.
Am unteren Rand gibt es eine Fotografie von einer Gruppe junger Mädchen. Allesamt tragen Schwimmkleidung und schauen mehr oder minder begeistert in die Kamera. Ich gehe mal davon aus, dass es sich hierbei um Schülerinnen der Schule am Meer handelt. Ich finde es sehr passend, dass solch eine Fotografie eingebunden wurde. Es verbreitet viel Charme und lässt das Cover sehr authentisch wirken.

Ich habe einige Zeit überlegt, ob ich das Buch wirklich lesen möchte, ob es meinen Geschmack treffen könnte oder ob ich mich am Ende quälen würde, weiterzulesen. Es klang zwar ziemlich interessant, zudem hatte ich von dieser Schule noch nie etwas gehört. Doch gleichzeitig war ich mir unsicher, ob mich die Thematik so anspricht. Am Ende habe ich mir gedacht, dass ich durch das Buch nur schlauer werde und der Geschichte eine Chance gegeben. Und darüber bin ich am Ende mehr als froh!

Auf den Umschlaginnenseiten wurden allerhand Bilder gedruckt, die verschiedene Tätigkeiten, sowie Schüler und Lehrer der Schule am Meer zeigen. So kann man sich nicht nur das Setting noch besser vorstellen, sondern erhält auch einen Blick auf die Schulmode und Lehrer. Bei einigen Personen habe ich mich gefragt, ob sie die Person sein könnten, für die ich sie halte. Auf jeden Fall ist das ein sehr schönes Detail, welches eine einführende Funktion hat und unglaublich angebracht ist. Zudem finde ich, dass sich schon durch so kleine Details zeigt, wie viel und gut die Autorin recherchiert hat.

Vor dem Beginn der Handlung wurde außerdem ein Lageplan eingefügt, der die wichtigsten Gebäude der Schule am Meer auf einer kleinen Karte vermerkt. So kann man bei den Erwähnungen von den Häusern stets darauf zurückgreifen und sich so orientieren. Es wurden auch Nebengebäude eingezeichnet, sodass man sich ein wirklich gutes Bild machen konnte. Eine wichtige Hilfe, ansonsten wäre es mir schwer gefallen, die Gebäude zu verorten.

Für mich wäre es gerade zu Beginn des Buches eine große Hilfe gewesen, wenn es am Anfang ein Personenverzeichnis gegeben hätte. Ab und an tauchten innerhalb von kurzer Zeit einige Namen von Personen auf, die nicht so häufig einen Auftritt haben und die man dann ganz schnell ans Ende des Gedächtnisses verschiebt. Eine Aufzählung der handelnden Personen hätte immer schnell Abhilfe geschaffen und die Person wieder in Erinnerung gerufen. Und aufgrund der recht großen Anzahl an Protagonisten wäre es durchaus sinnvoll gewesen.

Der Prolog lässt sich erst mit dem Lesen des Epilogs verorten und macht in diesem Zusammenhang einen richtigen Sinn. So ist zwar erkennbar, dass dieser einige Jahre nach der eigentlichen Handlung spielt, doch es lässt sich nicht herauslesen, welche Person in der Ich-Form spricht. So kann man zu Beginn schon mal rätseln, wer diese Figur sein könnte, ich kann sagen, dass ich mit meiner Vermutung falsch lag.
Direkt danach beginnt die Hauptgeschichte, man reist mit Anni Reiner und ihren Töchtern zusammen nach Juist. Es gibt einen ersten Blick auf ihre Wesen und ich mag es sehr, dass man die Insel zeitgleich mit ihr erstmals betritt. Auch in Zusammenhang mit dem Ende wird die Geschichte so sehr rund und ich habe mich dadurch ihrem Charakter vertrauter gefühlt.

Schnell hat mir die Schreibweise sehr gut gefallen. Sie ist auf eine besondere Weise hochtrabend, aber nicht zu kompliziert oder gewichtig. Ich konnte der Handlung stets ohne Probleme folgen und das Buch ließ sich sehr flüssig lesen.
Fast durchweg wurde die Handlung recht ruhig und gelassen geschildert, es gibt nicht ständig irgendwelche Dramen oder aufregende Vorkommnisse. Diese waren eher rar gesät und ließen dann natürlich den Spannungsbogen stark steigen. Ich mochte diese natürliche Art. Es passte zu der Geschichte und oft ließ sich das Buch wie ein sehr informatives und anschauliches Tagebuch von den verschiedenen Personen lesen. So hatte ich immer den Eindruck, diesem Teil der Geschichte aktiv beizuwohnen und nicht viele, viele Jahre danach davon zu lesen.

Eine besondere Stimmung kam bei mir leider nicht auf. Lediglich am Ende der Epilog wurde etwas emotionaler gestaltet, ansonsten habe ich nicht so mit den Charakteren mitgefühlt wie bei anderen Büchern. Dafür wurde die Handlung zu einfach und emotionslos geschildert. Mich hat das nicht sonderlich gestört, ich glaube einfach nicht, dass herzzerreißende Szenen zu der Geschichte gepasst hätten. Irgendwie kann ich das nicht in Einklang bringen, weshalb ich die fehlenden Stimmungen nicht als Kritikpunkt werte.

Es findet eine Unterteilung in Kapitel statt, dies ist auch die einzige Möglichkeit, die Geschichte in der Zeit zu verordnen und zu erkennen, in welchem Jahr die folgende Handlung stattfindet. Ansonsten ist nur eine Einordnung in die Jahreszeit möglich, dazu gibt es allerhand kleine Anmerkungen wie das Wetter ist, wovon man sich einiges ableiten kann.
Stets wird die Geschichte von einem allwissenden Erzähler wiedergegeben und erzählt. Nicht nur die Lehrer erhalten eine Stimme, sondern auch verschiedene Schüler, die Insulanerin und Köchin Kea oder ein offener Feind der Bildungseinrichtung. So gibt es verschiedene Blickwinkel, die alle ihren Reiz haben und ein lebendiges Bild der Gesellschaft geben. Zudem mochte ich die Mischung von Insulanern und Zugezogenen und deren Differenzen. Das wirkte sehr authentisch und ich konnte mir lebhaft vorstellen, mit was für negativen Aussagen und Meinungen die Schule leben musste.
Auch den Einblick in die Gedanken der Charaktere fand ich sehr interessant. Es wird ein vielfältiges Bild dargestellt, man kann vieles besser nachvollziehen und versteht manche Motivationen besser. Besonders interessant empfand ich es, den Schülern und dem erklärten Feind der Schule in den Kopf zu blicken und mehr über deren Meinungen zu erfahren. Sie hatten teils einen offeneren Blick als die Lehrer und es war spannend zu beobachten, inwiefern sich diese Art der Schule auf die Schüler auswirkt.
Ich hätte mir noch gewünscht, dass manche Motive der Protagonisten besser aufgelöst oder beschrieben worden wären. Bei manchen tappt man im Dunklen und auch nach dem Beenden der Lektüre kann ich mir davon noch nicht so recht ein Bild machen. Ich kann dazu leider kein Beispiel geben, um nichts von der Handlung zu verraten und mir fällt auch keine Umschreibung ein, die nicht zu viel vorwegnimmt.

Ab und an wird eine gewisse Zeit übersprungen, über die man auch im Folgenden nicht viel erfährt. Wichtige Details werden in die weitere Handlung eingeflochten und tauchen meist auch nicht direkt auf, sondern erst nach einigen Seiten. Normalerweise stört mich so was meist, ich mag immer gerne wissen, was genau in dem Leben der Figuren passiert. Hier hat es zu der Geschichte gepasst, es geht oft nicht so sehr um die einzelnen Protagonisten, sondern um die Charaktere als Einheit. Zudem hätten weitere Informationen über die übersprungene Zeit gewiss den Rahmen gesprengt und dem Buch noch einige Seiten mehr beschert (die ich trotzdem mit Freude gelesen hätte!).

Tatsächlich hatte ich zuvor noch nie von der Schule am Meer gehört. Ich bin bisher weder im Unterricht, noch in einem Buch darüber gestolpert. Mit diesem Buch habe ich also absolutes Neuland betreten und konnte meinen Horizont ganz schön erweitern.
Ich fand es etwas schade, dass es nur recht oberflächliche Einblicke in den Unterrichtsalltag gibt. Es wird viel beschrieben, was auf dem Lehrplan steht, aber ich hätte gerne noch einen tieferen Einblick bekommen. Und sei es nur eine Stunde gewesen, die detaillierter beschrieben wird. Gleichzeitig mag es auch schwer sein, sich so genau vorzustellen, was und wie unterrichtet wurde.
Im Gegensatz dazu gibt es zahlreiche Beschreibungen des Internatslebens. Angefangen von der Aufteilung der Zimmer und Häuser, über die verschiedenen Kameradschaften, Ausflüge und Ereignisse. Man konnte sich so ein ziemlich genaues Bild von dem Leben auf Juist machen, welche Ansprüche gestellt wurden und wie das ganze Zusammenleben war.
Aus diesen Sätzen hat sich auch deutlich herauslesen lassen, wie unglaublich viel Recherche dahintersteckt. Es hatte alles Hand und Fuß, war auf den Punkt erklärt und ließ mir gar keinen Platz zu möglichen Zweifeln.
Auch politische oder soziale Ereignisse fanden immer wieder Erwähnung und haben so einen Blick auf die deutsche Geschichte gegeben. Sei es der aufkommende und sich immer weiter ausbreitende Nationalsozialismus oder auch die Bildung von anderen Reformschulen in Deutschland. Oft tauchen kleine Details in den Sätzen mit auf, die man als natürlich hinnimmt und die einen weiten Blick auf die Situation geben.

Fast durchweg dient die Insel Juist als Setting. Ich hatte ganz oft Bilder vor Augen und konnte mir sowohl die Insel, als auch die Schule am Meer mit all ihren Gebäuden, die nach und nach gebaut wurden, unglaublich gut vorstellen. Manchmal hatte ich das Gefühl, das Rauschen der Wellen zu hören, die Meeresluft zu erschnuppern oder den Sand unter den Füßen zu spüren. Ich konnte mich unglaublich gut auf die Insel einlassen, mich in Gedanken dorthin versetzen und einfach nur genießen. Es gab keinen Moment, an dem mir etwas vom Setting unrealistisch erschien und es ist der Autorin mehr als gelungen, die Schönheit der Insel mit eigenen Worten auf eine lebendige und authentische Weise zu beschreiben.

Auf eine sehr geschickte Art schafft es die Autorin, fiktive und reale Persönlichkeiten zu vermischen und allen sehr lebendige Züge zu geben. Auch die Protagonisten, die nur selten auftauchen haben eine besondere Art und stechen hervor.
Am spannendsten war stets die Entwicklung der Protagonisten. Besonders bei Maximilian ließ sich das verfolgen, er wurde von einem Jungen zum Mann mit eigener Meinung und eigenen Zielen. Seine Entwicklung war wirklich imposant und er schien am Ende auf eine ganz angenehme Art über den Dingen zu schweben. Er hatte für mich so eine alte Seele, die ihn weise und sehr erwachsen hat wirken lassen. Ich fand seinen Charakter durchweg am interessantesten, ich konnte seine Meinungen am besten nachvollziehen und irgendwie hat er mir imponiert.
Von den Lehrern hat mir Anni am besten gefallen. Sie hatte eine freundliche und stets verständnisvolle Art und ich mochte es sehr, wie sie sich für ihre Mitmenschen eingesetzt hat. Auch ihr Denken unterschied sich von den anderen. Anni hatte an manchen Vorhaben Zweifel und konnte eine Situation reflektiert beobachten und ihre Schlüsse daraus ziehen. Sie ist mit vollem Elan an dem Gemeinschaftsprojekt der Schule am Meer, betrachtet die Sache aber auch mal mit Abstand.
Obwohl auf dem Internat recht lockere Regeln gelten, sind mir die anderen Lehrer doch teils recht steif aufgetreten. Sie hatten nicht so herzliche Züge wie gedacht wirkten erhabener. Ich möchte ihnen nicht ihre pädagogische Kompetenz absprechen, doch ich stelle es mir schwierig vor, sie als eine Art Elternersatz anzusehen und bei Problemen oder Ängsten zu ihnen zu gehen.

Fazit:
So recht lässt mich das Buch auch zwei Tage nach dem Beenden nicht los. Ich habe mittlerweile einige Artikel im Internet dazu gelesen und mich weiter informiert. Meine anfänglichen Zweifel waren vollkommen unbegründet, das Buch ist etwas ganz besonderes, welches noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Mich hat die Geschichte unglaublich interessiert und ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen. Die Geschichte war unglaublich lebendig und die Mischung aus realen Figuren und Fakten mit fiktiven Personen hat mehr als hervorragend funktioniert.
Trotzdem werde ich einen halben Stern in meiner Bewertung abziehen. Dieser steht stellvertretend für all die kleinen Dinge, die ich bereits erwähnt habe, vor allem aber wegen der fehlenden Herzlichkeit bei den Lehrern.
Ich bin mir sicher, dass ich das Buch noch viele Male weiterempfehlen werde und es immer einen schnell greifbaren Platz in meinem Bücherregal haben wird. Auf seine Art hat mich das Buch wirklich begeistert!

Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sterne

  • waldhimbeere

    Beiträge: 36
    04.04.2020

    Was für eine tolle und ausführliche Rezension, sie hat mich jetzt sehr neugierig auf das Buch gemacht, es ist ab sofort auf meiner Wunschliste. Danke dir!

Buchstabenfestival

Beiträge 9
23.05.2020

"Die Schule am Meer" ist eine Geschichte, die viele historische (und wahre) Komponenten und Charaktere beinhaltet. Die Autorin ist auf Juist aufgewachsen und kennt somit die Begebenheiten auf der Insel. Es ist eine gut recherchierte Geschichte, die die Zeit von 1925-1934 beleuchtet und man kann lesen, wie sich das Gedankengut des Nationalsozialismus innerhalb der Inselbewohner ausgebreitet hatte.

Die reale Geschichte ist interessant und informativ, aber der Stil des Erzählens war leider nicht meins. Ich hatte einige Probleme mit den Charakteren warm zu werden und so richtig in die Geschichte abtauchen, konnte ich auch nicht. Der Schreibstil hat mich nicht mitgenommen und so blieb ich immer Zaungast. Die gute Recherche der Autorin konnte man bis ins kleinste Detail lesen. Manchmal einfach zu detailliert, so dass man nicht vorankam und die Geschichte etwas langatmig und langsam wurde.

Für die zahlreichen Charaktere wäre ein Personenregister am Ende des Buches ganz schön gewesen, damit man sie besser zuordnen bzw. sich besser zurecht finden kann. Auch der Perspektivenwechsel, der ja durchaus auch Spannung erzeugen kann, war hier eher hinderlich und brachte den Lesefluss etwas ins Stocken. Die Spannung verlor sich leider in den vielen Details und Personen.

Und trotzdem würde ich das Buch empfehlen, weil es ein anderes Schulmodell (reformpädagogische Schule) näher beschreibt, voller historischer Fakten und Begebenheiten ist und die Insel Juist dem Leser näher bringt.

engi

Beiträge 46
28.04.2020

Mit diesem Roman „Die Schule am Meer“ hat mir eine Autorin mal wieder ein Stück Geschichte mit auf den Weg gegeben, von dem ich bis dato noch nie gehört hatte. Tatsächlich musste ich mich im Atlas erstmal schlau machen, wo genau dieses kleine Stück Land Juist zu finden ist. Sandra Lüpkes, selbst auf der Insel Juist aufgewachsen, war über die Jahre neugierig auf die Geschichte der „Schule am Meer“ geworden und so entstand die Idee zu diesem wunderbaren Buch, das ihre kurze jedoch sehr ereignisreiche Zeit schildert, die in großen Teilen auf wahren Tatsachen beruht. Es war eine ganz besondere Privatschule, die ihr Hauptaugenmerk auf bildende und gestalterische Kunst legte. Gemeinsames Musizieren, rezitieren und Körperertüchtigung prägten ihren Alltag. Die Erziehung gestaltete sich frei und offen, alle duzten sich und die Kinder sprachen die Lehrkräfte mit Vornamen an. Sie sind wie eine große Familie, was bei der Abgeschiedenheit auch bitter notwendig für den Zusammenhalt war. Doch die einheimischen Inselbewohner stehen den Fremden kritisch gegenüber. Als die politische Stimmung schließlich zugunsten der Nationalsozialisten umschlägt, scheint die Katastrophe vorprogrammiert …

Die Autorin basiert ihren Roman auf dem knapp 800 Seiten schweren Logbuch einer der Schulgründer namens Martin Luserke, der unter anderem mit dem Ehepaar Annie und Paul Reiner im Mai 1925 den Schulbetrieb auf Juist aufnahm. Sie lässt in die Tatsachen hier und da ein wenig Fiktion einfließen und zaubert so eine Geschichte, die fasziniert und berührt. Sie schafft es durch ihre Beschreibungen der an vielen Stellen kargen und rauen kleinen Insel die Atmosphäre derselben zu vermitteln. Ein halbes Sternchen möchte ich von meiner erstklassigen Bewertung jedoch abziehen, da an einigen Stellen ein wenig mehr Gefühl gut getan hätte. Dennoch von mir eine absolute Leseempfehlung für „Die Schule am Meer“, die in ihrer kurzen aktiven Zeit sicher so manches junge Leben nachträglich geprägt hat. Leider war sie mit der Ideologie der neuen Machthaber nicht vereinbar und musste so nach nur knapp neun Jahren im Jahr 1934 ihre Pforten schließen.

Laudibook

Beiträge 12
27.04.2020

"Die Schule am Meer" von Sandra Lüpkes erschien am 10. März 2020 im Kindler Verlag.

Inhalt und meine Meinung:
Anni Reiner und ihr Ehemann Paul ziehen 1925 mit ihren drei Töchtern auf die Nordseeinsel Juist. Dort gründen sie gemeinsam mit anderen engagierten Lehrerkollegen eine reformpädagogische Schule. Ein Schulinternat, welches sich durch innovative Lehrmethoden auszeichnet. Ein gleichberechtigtes Miteinander zwischen Schülern und Lehrern, sowie der Schüler untereinander. Beide Geschlechter sollen gemeinsam im Einklang mit der Natur unterrichtet werden. Nicht jeder der Inselbewohner reagiert positiv auf die neue Schule. Viele Insulaner lehnen die neuartige Bildungsinstitution ab, beschimpften es als "Hort für Kommunisten und Juden ", da ein Drittel der Lehrer und Schüler Juden oder Kommunisten sind.

Dies war mein erster Roman von Frau Lüpkes. Der Klappentext und das grandiose sehr gelungene Cover haben mich sofort angesprochen und neugierig gemacht. Meine Neugier hat sich gelohnt. Ich habe eine fantastische Geschichte bekommen.
Tief berührt und gefesselt haben mich die Ereignisse und das Leben der Protagonisten in der Weimarer Republik. Mit sehr viel Liebe, Engagement und eine ganz besondere pädagogische Art wächst die Internatsschule, wird zu einem Ort und Zuhause des gegenseitigen Respekts und einem Lernen ohne Furcht und Angst.
Maximilian, genannt Moskito ist Schüler seit Beginn an. Er ist einer von vielen großartigen Charakteren. Seine Eltern stammen aus Bolivien und wünschen sich für ihren Sohn eine besondere und sehr gute Schulausbildung. Wir begleiten Moskito anfangs mit viel Heimweh und Anpassungsschwierigkeiten und dürfen miterleben wie er sich die nächsten 9 Jahre zu einer starken eigenen Persönlichkeit entwickelt. Durch die gekonnte flüssige hilfreiche Sprache konnte ich das herzliche Miteinander auf der Insel fühlen, aber auch der grässliche furchtbare Vormarsch der NSDAP.
Hinter dem Aspekt der wahren Begebenheiten und den basierenden Tatsachenberichten hat mich die Geschichte doppelt berührt.

FAZIT: ⭐⭐⭐⭐⭐ von 5 Sternen.
Eine unglaubliche lebendige Geschichte aus realen Figuren und Fakten und fiktiven Personen. Ein großartiger historischer Gesellschaftsroman über Freundschaft, Verrat, Mut und Zusammenhalt.

AntjeDomenic

Beiträge 39
24.04.2020

Ich habe bisher noch kein Buch der Autorin gelesen, doch dieses Buch hier sprach mich auf Anhieb an. Es ist sonst nicht mein Genre, aber wenn es das passende Thema, wie hier „Schule“, hat weckt es mein Interesse. Ich habe auch gesehen, dass die Autorin Romane geschrieben hat. Einen Roman habe ich mir bereits gekauft und er liegt bereit zum Lesen.


Zu diesem Buch hatte ich auch die Möglichkeit der Autorin ein paar Fragen zu stellen. Dies sollte im Rahmen der LBM bei einem Interview erfolgen. Durch die Absage der LBM entfiel es, aber die Autorin erklärte sich bereit meine Fragen zu beantworten. Vielen Dank noch einmal an Frau Lüpkes. Das Interview könnt ihr dann bald auf dem Blog lesen und auch ein Exemplar des Buches werde ich in den nächsten Tagen auf meiner Facebook Seite verlosen.


Nun aber zum Buch. Denn die Gestaltung des Buches ist wirklich schön und dieser zauberhafte Umschlag des Buches ist toll. Nach wenigen Seiten war ich bereits in der Geschichte und kann vorab sagen, dass die Autorin für mich etwas wirklich Großes geschaffen hat. Denn schon beim Lesen merkt man die intensive Recherche der Autorin. Bis ins kleinste Detail fühlte ich mich abgeholt und aufgenommen.


Man konnte wirklich nachempfinden beim Lesen, was die Autorin beschrieben hat und wie die Pädagogik damals sich entfaltet und gestaltet. Wirklich großes Lesevergnügen und ein Highlight. Vielen Dank an die Autorin für dieses tolle Buch!

Arietta

Beiträge 50
21.04.2020

Ich möchte euch Diesen wundervollen Roman vorstellen über

Wagemut, Verrat und Freundschaft

Inhaltsangabe: Quelle Kindler-Verlag

Juist, 1925: Tatkräftig und voller Ideale gründet eine Gruppe von Lehrern am äußersten Rand der Weimarer Republik ein ganz besonderes Internat. Mit eigenen Gärten, Seewasseraquarien und Theaterhalle. Es ist eine eingeschworene Gemeinschaft: die jüdische Lehrerin Anni Reiner, der Musikpädagoge Eduard Zuckmayer, der zehnjährige Maximilian, der sich mit dem Gruppenzwang manchmal schwer tut, sowie die resolute Insulanerin Kea, die in der Küche das Sagen hat. Doch das Klima an der Küste ist hart in jeder Hinsicht, und schon bald nehmen die Spannungen zu zwischen den Lehrkräften und mit den Insulanern, bei denen die Schule als Hort für Juden und Kommunisten verschrien ist. Im katastrophalen Eiswinter von 1929 ist die Insel wochenlang von der Außenwelt abgeschlossen. Man rückt ein wenig näher zusammen. Aber kann es Hoffnung geben, wenn der Rest der Welt auf den Abgrund zusteuert?

Meine Meinung zur Autorin und Buch:

Ich bin mehr als begeistert, über diesen großartigen schon fast Autobiografischen Roman, Sandra Lüpkes ist damit ein wirklich großes Werk gelungen. Sie lässt einem eintauchen in die Weimarer Republik, und dem Leben auf der Insel Juist. Die Gründung einer der ersten reformpädagogischen Schule arrangierter Lehrer, die auf Juist angesiedelt wurde. Man fieberte beim Lesen mit diesen Lehrpersonen und Schülern einfach mit. Ich fand diese Idee gut, hier ging man auf die Schüler ein, förderte ihre Stärken und ging auf ihre schwächen ein.Ich wäre gerne dort zur Schule gegangen, hier wurde keiner bevorzugt. Man spürte, mit welcher Leidenschaft und Herzblut, Sandra Lüpkes, diese Geschichte geschrieben und recherchiert hat. Den sie ist auf Juist geboren und hat dort viele Jahre gelebt, und lernt mit ihr die Insel kennen.Ihr Schreibstil ist sehr flüssig, spannend und Bildhaft. Es war mir ein vergnügen mit Lehrern und Schüler über die Insel zu streifen und sie auf ihren Wegen zu begleiten. Sogar Eduard Zuckmayer, gibt seine Karriere auf, um die Schüler musikalisch zu bilden. Es war wirklich kein leichter Weg diese Schule zu gründen,denNeid, Missgunst einiger Juister Bürger bekommt man zu spüren. Die Welt ist im Umbruch, und auch das Nazi Regime hält dort langsam Einzug. Ihre einzelnen Figuren und deren Charaktere sind hervorragend herausgearbeitet, man konnte tief in ihre Seelen blicken, sich mit ihnen freuen und weinen.

Ich mochte Anni Reiner, vom ersten Augenblick an, von dieser Frau ging soviel Wärme und Mütterlichkeit aus, nicht die gestrenge Lehrerin, nein sie war ihren Schülern die dort im Internat lebteneine Mutter. Es war schon ein Abenteuerliches Unternehmen, auf Juist solch ein Internat aufzubauen, ich habe die Lehrer dafür bewundert, was für holprige und steinige Wege sie gehen mussten. Nicht alle Inselbewohner sind begeistert, sie bekommen viel Misstrauen und Skeptik zu spüren. Alleine da schon Anni eine Jüdin aus reichem Elternhaus ist, passt vielen nicht, besonders Gustav und seiner Frau Therese, was sie alles anstellen, um der Schule Steine in den Weg zu legen, war schon hart und abscheulich. Anni hat viel Geld in diese Schule gesteckt, aber auch genausoviel Herzblut wie ihr Mann Paul, Eduard, Lu, und viele andere Lehrer. Die Köchin Kea, findet dort ein neue Heimat, sowie ihr Patenkind Marje, die beiden spielen eine große Rolle im Roman, genauso wie Moskito, ein wirklich liebenswerter Junge den man einfach ins Herz schließen musste. Ein wenig bedauert habe ich die Schüler schon, das sie bei Wind und Wetter morgens in der Nordsee baden mussten. Aber dafür wurden sie sonst durch tolle Lehrer entschädigt, hier wurde keiner von ihnen bevorzugt, im Gegenteil man förderte ihre Stärken, alle Schüler waren gleich, egal welcher Nation oder Religion sie angehörten. Es hat große Freude bereitet den Schulalltag, von damals kennen zu lernen, mit allen Höhen und tiefen, den Kampf ums überleben der Schule. Die Schüler, ob Moskito, Georg, Volkmar , Marje und die anderen zu begleiten, ob beim Lernen oder auch ihren Streichen. Der eisige Winter, wo Juist , von der Außenwelt abgeschnitten ist, das war schon hart und unvorstellbar , was Moskito und Volkmar wagten, lies einem den Atem anhalten. Gustav, ist ein Wermutstropfen, in der ganzen Geschichte , soviel Verrat wie er begeht, aber auch von Lu, war ich am Ende Menschlich enttäuscht, ein Mann mit zwei Gesichtern. Es wird noch so manches Geheimnis aufgedeckt, am Ende der Geschichte und lässt einem überrascht zurück. Das die Schule, durch Gustav und einige Konsorten , als Juden und Kommunisten Hort verschrien war, tat schon weh, und droht die Gemeinschaft und Schule dort zu zerstören, einer Welt am Abgrund.

Lindenblomster

Beiträge 6
18.04.2020

Auf der Insel Juist gründet eine Gruppe von idealistischen Lehrern ein Internat. Es soll mit neuen Ideen der Erziehung und Lehre geführt werden. Sie kaufen ein runtergekommenen Gehöft und beginnen es aufzubauen. Mit Hilfe der finanziellen Unterstützung der jüdischen Familie der Frau wird der Bau begonnen. Die Schüler bezahlen Schulgeld, aber es fehlt an allen Ecken. Die strenge Hand der Köchin findet für die Verpflegung aber immer eine Lösung. Jeder Lehrer führt eine Gruppe der Schüler mit einem Thema. Da werden die Begabungen und Eigenschaften noch besonders gefördert.
Der Dorfgemeinschaft ist diese Idylle aber ein Dorn im Auge. Es gibt Neid und Hass auf die Schule. Durch Verleumdung wird das Leben nicht gerade leichter. Bald merkt man die antisemitischen Handlungen.
Die Autorin beschreibt anhand von realen und fiktiven Figuren den Aufbau der Schule. Die Schwierigkeiten werden mit den Personen lebendig. Durch einige Lehrer und Schüler erleben wir real die schönen und schweren Seiten des Insellebens.
In Jahressprüngen geht die Zeit voran.
Lüpkes hat den Roman anhand von historischen Belegen geschrieben und diesen mit fiktiven Personen aufgestockt.
Was als unterschwelliger, später offener Hass gezeigt wird, entlädt sich in der Judenverfolgung und Krieg.
Absolut lesenswertes Stück Geschichte!

Tara

Beiträge 15
15.04.2020

Historischer Gesellschaftsroman – lesenswert

„Die Schule am Meer“ ist ein gut recherchierter historischer Roman der Autorin Sandra Lüpkes, die selbst lange Zeit in Juist gelebt hat und dort aufgewachsen ist.

Eine Gruppe von Lehrern gründet 1925 auf Juist ein Internat. Ihre Pläne und Ideen sind ungewöhnlich, sie wollen etwas Außergewöhnliches schaffen und heben sich von denen der Standard-Schulen ab. Es kommt die Unstimmigkeiten zwischen den heimischen Inselbewohnern und den Lehrern.

Der Schreibstil der Autorin ist ruhig, aber dennoch fesselnd. Durch die Perspektiven aus Sicht der einzelnen Charaktere bekommt man einen umfassenden Eindruck über die Ereignisse.

Stellenweise ist das Buch durch die damaligen Begebenheiten sehr ernst und bedrückend, es gibt aber auch amüsante Szenen, ein Wechsel der Stimmungen wie im echten Leben.

Die einzelnen Charaktere werden detailliert und authentisch dargestellt. Sie sind sehr verschieden und die unterschiedlichen Entwicklungen, die sie durchmachen sind interessant beschrieben.

Der Flair der Insel hat trotz der schweren Zeiten etwas Zauberhaftes. Interessant sind auch die historischen Persönlichkeiten, die sich zu dieser Zeit auf Juist aufgehalten haben.

Das Nachwort, sowie die Fotos der Innencover und die Skizze der Schule runden das Buch zu einem gelungenem Leseerlebnis ab.

Insgesamt ist es ein gut recherchierter Roman, der ein Stück der Geschichte der Insel Juist ausgiebig beleuchtet und die Atmosphäre und den Zeitgeist der damaligen Zeit gekonnt einfängt.

hasi_rasi

Beiträge 114
07.03.2020

Utopia

1925 gründen 4 sehr engagierte Lehrerehepaare auf Juist „Die Schule am Meer“ – eine Reformschule, in der die Schüler mitreden dürfen, nicht mehr geschlagen oder missbraucht und Jungen und Mädchen zusammen unterrichtet werden. „Hier auf Juist konnten sie eine neue Welt erschaffen. Konnten ihre gemeinsame Version einer Schule ohne Angst verwirklichen.“ (S. 24) Sie kaufen ein altes, heruntergekommenes Anwesen und bauen dieses zusammen mit den Schülern aus beziehungsweise erweitern es immer wieder. Das Geld dazu stammt von Schulgeldern, Spenden und dem, was die Schüler z.B. in den Ferien auf Konzert- oder Theaterreisen verdienen. Kameradschaft und Zusammenhalt werden großgeschrieben, man duzt sich untereinander – auch die Schüler ihre Lehrer.
Zudem werden nicht nur der Geist, sondern auch der Körper gestählt, das morgendliche Bad in der eiskalten Nordsee gehört genauso dazu wie Gymnastik und Ausdauerläufe. Man formt den Menschen als Ganzes.

Aber Juist ist klein und die Schule hat nicht nur Befürworter, sondern auch Gegner, die nationalsozialistisches Gedankengut auf der Insel verbreiten und Stimmung gegen die Reformisten machen. Vor allem, dass ca. 1/3 der Lehrer und Schüler Juden sind oder Kommunisten sind, ist ihnen ein Dorn im Auge.

Die Autorin Sandra Lüpkes stammt von Juist, kennt die Geschichte der Schule von Kindheit an und erzählt sie aus drei Perspektiven.
Da ist zum einen Anni Reiner, die aus einem reichen, jüdischen Elternhaus stammt und zusammen mit ihrem Mann Paul (einem Arier) zu den Gründern gehört. Anni ist nicht nur Lehrerin, sondern steckt von Beginn an immer wieder die ihr jährlich zustehenden Dividenden aus dem Familienvermögen in die Schule, die auch ihre 3 Töchter besuchen. Sie hat ihr Leben als behütete Industriellentochter für Paul und ihren gemeinsamen Traum aufgegeben und bereut es fast nie. Schwer wird es für die erst, als die Schule 5 Jahre nach der Gründung zu einer Bildungsmaschinerie geworden, die ihre ganze Kraft und Zeit raubt, und Paul die Belange der Schule bzw. Schüler vor die seiner Familie stellt.
Eine weitere Sicht auf die Geschehnisse bietet Eduard Zuckmayer. Er ist Dirigent bzw. Konzertmeister und auf der Insel im Urlaub, als er die Schule entdeckt. Das Konzept gefällt ihm so gut, dass er als Musiklehrer bleibt. Er möchte – wie seine Mitstreiter – eine Aufgabe, die ihn erfüllt und seinem Gegenüber, in dem Fall den Schülern, etwas bringt, anstatt Karriere zu machen.
Moskito steht für die Schüler aus aller Herren Länder. Seine Familie lebt seit 10 Jahren in Bolivien. Dass sie ihn jetzt so weit weg nach Föhr in die Schule schickt, gefällt ihm zu Beginn nicht, doch er findet schnell Freunde.

Die Schule erscheint wie ein ganz eigener Kosmos am Ende der Welt, Informationen von außen kommen oft erst verspätet an. Eine kleine heile Welt, während es „draußen“ immer ungemütlicher wird und die Nazis an die Macht kommen. Irgendwann hat das „Draußen“ trotzdem Auswirkungen auf die Schüler und Lehrer und die Ausrichtung der Lehrpläne, zumal der der Direktor alles macht, damit die Schule nicht verboten wird.

Das Konzept der Reformschule hat mir sehr gut gefallen, die idealistischen Vorstellungen von der großen Gemeinschaft, dass Freud und Leid immer geteilt werden. Nachteilig war, dass es kaum einen Rückzugsort gab und sie von der Natur anhängig waren.

Der Roman ist im wahrsten Sinne des Wortes schwere Kost – 576 Seiten dick und knapp 700 g schwer. In meinen Augen ist es kein Schmöker für leichte Lesestunden, dazu ist die Handlung zu komplex und umfangreich, das Thema zu schwer.
Ich würde das Buch als biografischen Roman bezeichnen, denn die Lehrer gab es wirklich, die Schüler sind fiktiv, orientieren sich aber auch an damals dort lebenden Kindern.
Sandra Lüpkes hat einen sehr eindrucksvollen Roman geschaffen, der mir zum Ende hin echte Gänsehaut beschert hat.

nicigirl85

Beiträge 12
22.07.2020

Titel: Eine besondere Schule und ihre Geschichte...

Den Roman habe ich geschenkt bekommen und da die Handlung kurz vor Eintreten des Nationalsozialismus spielt, war ich natürlich sehr neugierig darauf.

In der Geschichte geht es um das Lehrerehepaar Anni und Paul Reiner, die zusammen mit Kollegen eine gänzlich neue Art von Schule auf der Insel Juist errichten. Hier gelten zwar auch Regeln, aber die Kinder bekommen keinen strengen Frontalunterricht, sondern haben die Möglichkeit sich nach ihren Fähigkeiten zu entwickeln. Doch die neue Schule stößt nicht auf sonderlich viel Gegenliebe bei den Insulanern. Wird sich die Gemeinschaft rund um Familie Reiner trotzdem durchsetzen können?

Ehrlich gesagt hatte ich vom Buch erwartet, dass man vom nahenden Nationalsozialismus und den damit immer größeren Schwierigkeiten zu lesen bekommt, aber davon war nur am Rand etwas spürbar. Stattdessen wird einem das Inselleben sehr idyllisch und abenteuerlich beschrieben, was mir persönlich gut gefallen hat.

Die Handlung wird uns als Leser aus unterschiedlichen Perspektiven nahe gebracht, denn mal begleitet man den ein oder anderen Schüler, mal die Lehrer und mal einzelne Einheimische. Im Fokus steht dabei aber stets das Vorankommen und die Entwicklung der Schule.

Ich mochte sehr, dass nicht nur immer eitel Sonnenschein herrscht, sondern die agierenden Figuren auch Schicksalsschläge zu ertragen haben, aber nie so hart, dass man gänzlich dran verzweifelt.

Meine Lieblingsfigur war ganz klar Moskito, der eigentlich Maximilian heißt und aus dem weiten Bolivien kommt. Er hat sich am meisten von allen Schülern zu seinem Vorteil entwickelt und man spürte mit ihm zusammen wie gut ihm diese besondere Schule tut und wie sich im gleichen Zuge auch die Schule immer mehr zum Positiven entwickelt.

Bedrückt hat mich die Gegenwehr der Einheimischen, denn die neuen Lehrer tun ja niemanden auf der Insel etwas zu Leide und werden dennoch dauernd angefeindet und müssen einiges an Schikanen ertragen.

Die Darstellung des Eiswinters 1929 hat einen Gänsehautschauer beschert. Ich habe auch schon kalte Winter erlebt, aber so etwas gewiss nicht.

Ich mochte sehr, dass die Handlung auf wahren Begebenheiten beruht und dass es Fotos der echten Schüler und ihrer Schule im Buch gibt, sowie eine Skizze der damaligen Anlage. So konnte man sich noch besser einfühlen.

Fazit: In meinen Augen eine Feel- Good- Geschichte, die mich berührt hat. Gern spreche ich eine Empfehlung aus. Prädikat gut!

Lesefeuer

Beiträge 30
16.07.2020

Tatsächlich habe ich eine kleine Weile gebraucht um im Buch anzukommen, fand es dann aber richtig spannend. Man merkt, dass Sandra Lüpkes hier ihr ganzes Herzblut reingesteckt hat und richtig gut recherchiert hat. Die Geschichte beruht teilweise auf wahren Begebenheiten und das fand ich teils erschreckend aber auch beeindruckend. Teils kamen mir zu viele Charaktere im Buch vor und ich musste ziemlich überlegen wer wer ist, der Schreibstil von Sandra Lüpkes ist aber auch in diesem Buch wunderbar. Die Skizze am Anfang des Buches, sowie die zahlreichen Schwarz-Weiß-Fotografien helfen dem Leser durchaus beim Lesen und Nachvollziehen der Geschichte. Ein Namensregister wäre hier auch sehr hilfreich gewesen. Eine Lieblingsfigur hatte ich nicht direkt, fand aber den einen oder anderen Schüler oder Lehrer interessanter als den Rest. Für Politikbegeisterte und Inselliebhaber ein tolles Buch!

Nicoletta49

Beiträge 4
01.07.2020

Eine Geschichte, die im Gedächtnis bleibt

Von Sandra Lüpkes habe ich schon einige frühere Bücher aus der Wencke-Tydmers-Reihe gelesen, die mir allesamt sehr gut gefallen habe. Deshalb war ich schon besonders auf ihren neuen Roman gespannt, der diesmal ein ganz anderes Genre bedient.
"Die Schule am Meer" ist ein imposantes Werk mit fast 600 Seiten. Schon das Cover stimmt auf eine Geschichte mit historischem Hintergrund ein, in maritimen Beige- und Blautönen gehalten. Auf den ersten Seiten und auch auf den letzten kann man Originalfotos von der Juister Schule bewundern und sich so auch optisch auf den Roman einstimmen.
Erzählt wird die Geschichte eines innovativen Inselinternats, das von seinen Ansätzen her sehr an die heutige Waldorfschule erinnert. Wir erfahren viel über das Unterrichtsgeschehen, die politische Lage der damaligen Zeit und lernen viele Protagonisten kennen.
Besonders interessant fand ich Anni, Kea, Marje und Moskita - allesamt sehr interessante Charaktere. Nicht zu vergessen Titicaca, die zahme Gans.
Sandra Lüpkes erzählt anschaulich über Gemeinschaft, Tragödien, Tod, Kälte und Hunger. Eine Geschichte, die einen einfach packt.
Doch hat das Buch auch einige Längen, vor allem in der ersten Hälfte. Auch hätte ich mir manchmal gewünscht, dass die Personen etwas persönlicher beschrieben gewesen wären, nicht so nüchtern. Auch wäre ein Personenverzeichnis, gerade am Anfang, sehr hilfreich gewesen, da es doch viele Mitwirkende gibt.
Ab der Mitte nimmt das Buch an Fahrt auf, die Ereignisse überschlagen sich dann fast, so viel Interessantes passiert.
Wenn man die letzte Seite abschließt, hat man eine Geschichte gelesen, die man so schnell nicht wieder vergisst, die im Gedächtnis bleibt. Sandra Lüpkes hat wahnsinnig gut recherchiert und ein besonderes Werk geschaffen, dass von mir eine absolute Leseempfehlung erhält und 4,5 Sterne (1/2 Punkt Abzug, wegen der kleinen Längen in der 1. Hälfte)!

Buchbiene

Beiträge 15
26.06.2020

Juist, 1925: Tatkräftig und voller Ideale gründet eine Gruppe von Lehrern am äußersten Rand der
Weimarer Republik ein ganz besonderes Internat. Mit eigenen Gärten, Seewasseraquarien und Theaterhalle.
Es ist eine eingeschworene Gemeinschaft: die jüdische Lehrerin Anni Reiner, der Musikpädagoge Eduard Zuckmayer,
der zehnjährige Maximilian, der sich mit dem Gruppenzwang manchmal schwer tut,
sowie die resolute Insulanerin Kea, die in der Küche das Sagen hat.
Doch das Klima an der Küste ist hart in jeder Hinsicht, und schon bald nehmen die Spannungen zu zwischen den Lehrkräften und mit den Insulanern, bei denen die Schule als Hort für Juden und Kommunisten verschrien ist. Im katastrophalen Eiswinter von 1929 ist die Insel wochenlang von der Außenwelt abgeschlossen. Man rückt ein wenig näher zusammen.
Aber kann es Hoffnung geben, wenn der Rest der Welt auf den Abgrund zusteuert?

Dieser Roman ist spannend erzählt.
Die Gruppe der Lehrer, tatkräftig und voller Ideale sind wundervoll gezeichnete Charaktere.
Ihr Pioniergeist ist so richtig ansteckend. Wie Freiheit, Kameradschaft und ein kritischer Geist gefördert wurden.
Die reformpädagogische Schule am Meer auf der Nordseeinsel Juist bestand nicht einmal zehn Jahre und wurde
von den Einheimischen argwöhnisch beobachtet. Weder Schüler noch Lehrer hatten es besonders leicht.
Aber, wenn man schon bis an den Rand der Welt reisen muss, um eine Schule zu gründen,
gibt man nicht so schnell auf. Das wird alles mit einer gewissen Leichtigkeit erzählt.
Das Leben dort als Lehrer und auch als Schüler. Das harte Klima und vor allem die politischen Änderungen,
die so schleichend kommen, machen deutlich wie schnell sich das nationalsozialistische Gedankengut
im Alltag durchsetzen konnte. Die Schule selbst ist auch nicht davon befreit. Das muss sogar
die Mitbegründerin und Jüdin Anni Reiner am eigenen Leib erfahren. Am Ende war die Schule pleite und wurde von den Nazis geschlossen. Ein sehr gut recherchierter Roman der leider einige Längen hat.
Trotzdem finde ich ihn sehr lesenswert denn er erzählt eine Geschichte die in Vergessenheit geraten ist.
Eine sehr gelungene Verknüpfung von historischen Fakten und Fiktion.

PMelittaM

Beiträge 7
18.06.2020

1925 wird auf Juist die reformpädagogischorientierte „Schule am Meer“ gegründet. Schon früh gibt es Anfeindungen durch Insulaner, aber auch viele positive Meinungen. Sandra Lüpkes erzählt die Geschichte dieser Schule aus Sicht mehrerer, zum Teil fiktiver Charaktere. Im Nachwort erfährt man dann ein bisschen mehr über Fiktion und Realität.

Anni Reiner gehört neben ihrem Mann Paul zum Lehrpersonal der Schule. Sie ist jüdischer Abstammung und Mutter mehrerer Töchter. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern der Schule, die in Internatsform geführt wird. Das Familienleben kommt oft zu kurz, was Anni bedauert. Auf Grund ihrer Abstammung wird es im Laufe der Jahre immer schwieriger für sie.

Auch der Musiker Eduard Zuckmayer ist Lehrer an der Schule, allerdings kein Gründungsmitglied. Er kann hier seine Kriegstraumata verarbeiten.

Maximilia Mücke, genannt Moskito, ist Schüler der Schule. Seine Eltern leben in Bolivien und er hat am Anfang starkes Heimweh. Die einzelnen Kapitel des Romans geben seine Schulzeit in Schuljahren wieder. Seine Entwicklung ist interessant und gut mitzuerleben.

Auch Marje, von der Insel stammend, ist Schülerin, klug und ehrgeizig und mit einem Geheimnis um ihre Herkunft, das sie zunächst selbst nicht kennt.

Gustav Wenniger ist zunächst Kellner auf Juist, will aber hoch hinaus. Seine nationalsozialistische Gesinnung macht ihn schnell zu einem Gegner der Schule. Er ist der Antagonist der Geschichte.

Auch weitere Charaktere lernt man mehr oder weniger gut kennen, sowohl Insulaner als auch Menschen, die mit der Schule zu tun haben. Alle Charaktere hat die Autorin gut gestaltet, man hat schnell Bilder vor Augen.

Auch die Insel selbst spielt ihre Rolle, widrige Wetterverhältnisse, die eingeschränkte Erreichbarkeit, aber auch ihre wilde Naturschönheit, ihre Tier- und Pflanzenwelt. Wer Juist kennt, wird sich schnell zu Hause fühlen, ich finde es immer wieder schön, Romane von Orten zu lesen, die ich gut kenne.

Aber auch wer Juist nicht kennt, wird sich durch die Beschreibungen ein Bild machen können, von den Örtlichkeiten der Schule z. B. auch durch einen gezeichneten Lageplan. Sehr schön sind auch die Fotos, die die Buchdeckel von innen schmücken und die das Schulleben wiedergeben. Dieses Schulleben und die Ideale, die dahinter stehen, wird im Roman ausführlich dargestellt, mit Stärken und Schwächen, insgesamt hat mir das Schulkonzept gefallen, auch heute wirkt es noch modern. Nur gegen Ende fand ich die Entwicklung weniger schön.

Der aufkommende Nationalsozialismus macht der Schule sehr zu schaffen, und nimmt auch den Leser mit, der ja schon weiß, was noch alles kommen wird. Schön ist, dass man in einem Epilog ein bisschen darüber erfährt, wie es manchen Charakteren noch ergangen ist. Für andere allerdings bleibt es offen.

Mir hat der Roman wirklich gut gefallen, auch wenn ich manche Entwicklung nicht so schön finde, z. B. haben mich die letzten Sätze des Epilogs erschüttert, gerade hier hätte sich die Autorin auch anders entscheiden können. Aber wahrscheinlich sollte man als Leser an dieser Stelle erschüttert werden, immerhin geht es um eine sehr dunkle Zeit.

Sandra Lüpke stellt dem Leser eine für leider viel zu wenige Jahre real existierende Schule vor und macht sie durch historisch belegte, aber auch durch fiktive Charaktere für den Leser erlebbar. Auch die Insel Juist und der historische Hintergrund wird lebendig. Mir hat der Roman sehr gut gefallen, mir eine andere Seite meiner Lieblingsinsel gezeigt und mich emotional gepackt. Sehr gerne vergebe ich volle Punktzahl und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Schnuppe

Beiträge 9
09.06.2020

Eine wahre Internatsgeschichte
Die Autorin schreibt in ihrem Roman Die Schule am Meer, über ein Internat, das es tatsächlich gegeben hat. Die Fakten um die Schule und ihre reformpädagogischen Ansätze wurden um fiktive Personen und Handlungen ergänzt.

Es geht um die Zeit von 1925-34. Eine Gruppe Lehrer und Pädagogen gründet das Internat, nach modernen und für die Zeit revolutionären Grundsätzen. In der Zeit gewinnt auch der Nationalsozialismus immer mehr an Bedeutung und Einfluss, was die Situation erschwert und letztlich die Schließung des Internats bedeutet. Es wird abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was die Geschichte lebhaft wirken lässt und den Leser die Geschehnisse der Zeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln erleben lässt. Manchmal ging es dabei gar nicht um besonders einschneidende Dinge, eher alltägliches wird erzählt.

Einige Protagonisten haben reale Vorbilder, z. B. die Schulmitgründer Paul und Anni Reiner, andere sind fiktiv. Eine gelungene Mischung, aber aufgrund der Vielzahl der Personen fehlte einigen die Tiefe.

Entgegen meiner Erwartung wurde das Schulkonzept nicht ausführlich vorgestellt, auch historische Fakten wurden nur soweit notwendig eingeflochten. Es geht eher um die detaillierte Beschreibung des Lebens der Protagonisten in der Zeit. Eine ruhige, sprachlich schöne Geschichte

TochterAlice

Beiträge 17
08.06.2020

Eine ungewöhnliche Familie Ist die Familie Reiner, die 1925 nach Juist zieht - gänzlich unkonventionell, wie es scheint. Die neue Schule, die dort entstehen soll, geht eigene Wege, sie folgt nämlich neuen Ansätzen. Ebenso wie das angegliederte Internat.

Ein historischer Roman über ein Modell der Reformpädagogik - ein spannendes und interessantes Thema. Und vor allem: Es geht nicht nur darum, sondern auch um die Akzeptanz dieser neuen Schulform. Und damit können die Ureinwohner von Juist so gar nichts anfangen. Auch die zwei Welten, die hier aufeinander treffen, bilden einen wichtigen Bestandteil der Handlung: Hier trifft Modernes auf Althergebrachtes und das ist noch nie ohne Reibereien abgelaufen.

Sorgfältig, mit Liebe zum Detail, ganz, wie man es von ihr gewohnt ist, beschreibt Autorin Sandra Lüpkes dieses Szenario - eine Thematik, die ich sehr genossen habe! Es sind nämlich nicht nur die genannten zwei, sondern es sind gleich mehrere neue Welten, die man als Leser hier betritt. Und die ich viel zu früh wieder verlassen musste - fast wünsche ich, es gäbe einen zweiten Teil!

Shilo

Beiträge 2
03.06.2020

Nicht wie erwartet, aber dennoch gut gelungen!

Als sich die braune Zukunft Deutschlands erst zaghaft andeutet, gründen einige Pädagogen auf der kleinen Insel Juist eine Reformschule bzw. eher ein Internat. Diese Schule ist so modern, dass sie problemlos in der heutigen Zeit gegründet sein könnte. Sie baut auf einem gleichberechtigten Miteinander auf - praktisches Lernen im Einklang mit der Natur. Die Lehrkräfte werden geduzt und Religion und Abstammung spielen keinerlei Rolle.
Was so schön gedacht war scheiterte letztendlich an den Menschen um sie herum mit ihrem Misstrauen gegenüber solch sozialistisch anmutenden Zuständen und am zunehmenden Antisemitismus, der aus diesem Internat einen angeblichen "Hort für Juden und Kommunisten" machte.

Erwartet hatte ich ursprünglich einen Roman über die schwierige Zeit in der Weimarer Republik mit Aussicht auf den drohenden Nationalsozialismus und den Beginn des Zweiten Weltkriegs. Statt dessen fand ich einen durchaus fesselnden Roman mit Episoden rund um Entstehung und 9jähriges Bestehen dieser Inselschule. Episoden sowohl um die Gründer der Schule als auch um einzelne Schüler und Lehrkräfte.
Vieles davon ist tatsächlich so oder zumindest ähnlich passiert. Es entstammt vieles dem "Logbuch" der Schule, das einer der Gründer, Martin Luserke, täglich führte. Vieles wurde spannungsgerecht "aufgearbeitet" oder sogar dazu gedichtet, was ich im Sinne eines Romans keinesfalls verwerflich finde. Schließlich ist ein Roman immer noch ein Roman und kein historisches Sachbuch. Und dem Roman hat es absolut gut getan!
Die Episoden reihen sich aneinander zu einer neun Jahre währenden Geschichte mit größtenteils realen Menschen, die dem Lesenden auf den Einband-Innenseiten mit echten Fotos jener Menschen näher gebracht werden. Es wäre ein großes Unrecht, ihre Geschichte vergessen zu lassen!

Mein Fazit: Keine Geschichte übers 3. Reich aber ein sehr gelungener Roman gegen das Vergessen einer großartigen Schule und seiner Menschen am Rande der Weimarer Republik

Lese-katze92

Beiträge 6
17.05.2020

Juist 1925: Voller Hoffnung, aber zugleich auch erfüllt mit tiefstem Respekt blickt Anni, Lehrerin und Mutter dreier Töchter, auf ihre neue Heimat Juist, die wahrlich am Rande der Welt zu liegen scheint. Sie weiß, dass es nicht leicht werden wird, doch auch freut sie sich auf diese Zeit. Doch wie wird es ihr, ihrer Familie, ihren Freunden, ihren Schülern und auch dem Personal auf Juist wohl ergehen? Werden sie alle dort wie eine große Gemeinschaft zusammenwachsen und somit sich ihre Vision bewahrheiten, dort ihr eigenes kleines Paradies zu errichten, fernab der strengen und oft sehr steifen Schulen, die es im Inland so zahlreich gibt? Kann man auf Dauer glücklich werden, wenn sich am Horizont schon bedrohlich dunkle Wolken auftürmen?

Auch einer ihrer Schüler, Maximilian Mücke, welcher aber stets nur Moskito genannt wird, sucht sein Glück am Rande der Welt, dies jedoch nicht freiwillig. Sein Vater, welcher eine Zinnmine in Bolivien besitzt, traf die Entscheidung für ihn und seine schulische Bildung, jedoch plagen Moskito seither nicht nur schreckliches Heimweh, auch die morgendlichen Rituale der Schule am Meer sind für ihn gewöhnungsbedürftig. Doch bald schon erkennt er, dass die Schule am Meer für ihn mehr ist, als eine Schule, die sich ein wenig von den anderen unterscheidet.

Denn neben einem Lernkonzept, in welchem Gleichberechtigung, praktisches Lernen und die Vermittlung menschlicher Werte vordergründig sind, werden aus einfachen Mitschülern und Lehrern bald mehr als nur Freunde und Respektspersonen und bald schon steht man vor der Frage, ob man vorher je die richtige Bedeutung des Wortes Familie erfasst hat.

Als Eduart Zuckmayer sich eine Auszeit auf der Insel genehmigt, ahnt er noch nicht, dass sein Leben sich danach von Grund her ändern wird. Statt großer Konzerthallen tritt er eine Anstellung als Musiklehrer an, fernab jeder Konvention und jener Erinnerungen, die sich so schmerzhaft in sein Gedächtnis gegraben haben. Doch kann man vor etwas wegrennen, was man so gar nicht greifen kann und wird er dort mehr Erfüllung finden, als in seinem bisherigen Leben?

Auch Kea Joosten träumt von einem besseren Leben, als sie die Stelle der Hauswirtschafterin in der Schule am Meer annimmt. Jedoch nicht nur für sich, vorwiegend für ihr Patenkind Marje, welche es einmal besser haben soll, als sie es hatte. Doch bald holt die Vergangenheit sie ein und nichts ist mehr, wie es einmal war. Wird es ihnen allen trotzdem gelingen, neben dem Glück und dem Unglück anderer, ihr eigenes Leben in Zufriedenheit und Erfüllung zu leben? Eines steht fest, wenn ein Sturm aufzieht, dann halten sie zusammen, doch können sie auch der rechten Sturmflut trotzen, die vom Festland naht?


Beeindruckend und mit einem tollen Schreibstil erzählt die Autorin Sandra Lüpkes aus dem Leben der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrerinnen und Lehrer der Schule am Meer. Aber auch das Personal erhält eine Stimme, ebenso wie ein kleiner Teil der Inselbewohner selbst, was der Handlung, welche teilweise fiktiv aber zu großen Teilen auf wahren Begebenheiten basiert, sehr viel Authentizität und Charakter verliehen hat. Oft wechselte die Erzählung ohne vorherige Kapitelüberschrift oder sonstiges die Sichtweise, was jedoch nicht störte, sondern bei besonders spannenden oder vielleicht auch witzigen Momenten nur die Vorfreude steigern konnte. Zudem hat es vieles greifbarer und auch nachvollziehbarer erscheinen lassen, aber auch ermöglicht, die Protagonisten zum Teil ins Herz zu schließen und mitzufiebern. Neben dem tollen Schreibstil Lüpkes empfand ich die Handlung zu keinen Zeitpunkt langweilig oder langatmig. Mit viel Liebe zum Detail erzählt sie die Geschichten von Anni Reiner, Maximilian Mücke oder auch genannt Moskito, Eduard Zuckmayers und die der Angestellten Kea Joosten, welche untrennbar miteinander verwoben sind. Besonders hervorzuheben ist hierbei, wie sehr sie sich dabei jedem einzelnen Protagonisten zugewandt hat und sie somit unglaublich lebendig hat erscheinen lassen. Positiv überrascht hat mich die Gestaltung des Buches. Während die Handlung ohne viel Aufhebens oder unnötige Schnörkel verpackt wurde, befinden sich im Vorder- und Hinterdeckel des Buches Fotografien, die auf ihre ganz eigene Art und Weise das Leben in der Schule am Meer spiegeln und zugleich anregend auf die Vorstellungskraft des Lesers wirken. Auch die Umschlaggestaltung wirkt durch ihre Schlichtheit sowie den abgedruckten Schwarzweißfoto, welches durch die Farbwahl des Umschlages beinahe wie eine Sepiaaufnahme wirkt, sehr edel und nicht überladen. Durch die Einfachheit der Gestaltung bekommt man schon einen guten ersten Eindruck über das Leben der Protagonisten, welches zwar sehr einfach und stellenweise auch entbehrungsreich war, dennoch aber auch Momente des Glücks aufweisen konnte. Insgesamt ist Sandra Lüpkes mit ihrem Werk "Die Schule am Meer" eine bildgewaltige und sehr authentische Geschichte gelungen, welche mich nicht nur von Anfang bis Ende begeistern sondern zugleich auch überzeugen konnte.

begine

Beiträge 6
02.05.2020

„Die Schule am Meer“ von Sandra Lüpkes ist ein Roman der 1925 auf Juist beginnt.

Ein paar Lehrer gründen eine Privatschule und Internat auf Juist. Paul und seine jüdische Frau Anni Reiner gehören zu ihnen. Der Pianist Eduard Zuckmayer war als Musikerzieher an der Schule.

Die Insulaner geben sich der Schule feindlich gegenüber.
Das Klima auf der Insel ist hart, im Winter ist sie oft vom Festland abgeschlossen. Besonders im Jahr 1929 werden die Lebensmittel knapp.
Die verschiedene Charaktere der Schüler beleben den Roman.

Dann kommt auch noch die politische Lage ins Spiel. Es ist alles realistisch nachvollziehbar.

Die Autorin zeigt die Emotionen vieler Personen. Mit humorvoller und auch ernster Sprache webt sie eine interessante Geschichte über einige Personen die tatsächlich in der Schule am Meer lebten.
Das Buch ist eine gute Erinnerung, das wirklich lesenswert ist.

Hyperventilea

Beiträge 13
30.04.2020

Hochinteressanter Roman, in holprigem Schreibstil verfasst

1925 ziehen Anni Reiner, ihr Mann Paul und die drei Töchter auf die Insel Juist. Sie wollen dort gemeinsam mit engagierten Kollegen eine reformpädagogische Schule, ein Internat, gründen und ganz neu anfangen. Doch für die neuen pädagogischen Ideen, gemeinsames gleichberechtigtes Miteinander und Lernen im Einklang mit der Natur hat nicht jeder Verständnis. So haben die Schulgründer mit viel Gegenwind zu kämpfen. Einige Bewohner der Insel wollen die Schule lieber heute als morgen geschlossen sehen. Und dann erleben die Nationalsozialisten nach und nach immer größeren Zulauf. Keine einfache Situation für die Jüdin Anni.

Das Cover ist definitiv sehr positiv hervorzuheben. Es erzählt seine eigene kleine Geschichte: Junge Mädchen im Badeanzug sind darauf abgebildet, sie wirken zufrieden, ein Foto aus den 20er Jahren, der Mode nach zu urteilen. Definitiv ein Hingucker. Gut gefällt mir auch der Verzicht auf die Plastikfolie, das passt ideal zum naturnahen Konzept der Schule.

Sandra Lüpkes Schreibstil macht es dem Leser nicht ganz leicht: Die Autorin schreibt recht unklar, ein wenig holprig, wechselt immer wieder die Zeitformen - Moskitos Perspektive ist z.B. immer im Präsens formuliert- . Diese sprachlichen Eigenarten wirken ein wenig sehr bemüht und gekünstelt und hemmen den Lesefluss. Ich musste mich beim Lesen erst an die Sprache gewöhnen.

Das Thema zu diesem Roman ist hochinteressant. Die Schule am Meer in Juist hat es wirklich gegeben. Das zugrundeliegende Konzept mit dem Schwerpunkt gleichermaßen auf musische, physische und handwerkliche Ausbildung war damals ziemlich revolutionär. So hat mich die Geschichte recht schnell gepackt und ich fand den Roman sehr informativ und unterhaltsam. Dass die Handlung manchmal nicht chronologisch erzählt wird, nimmt dem Buch leider allerdings ein wenig die Spannung. Einige, meiner Ansicht nach sehr wichtige, Ereignisse finden nicht direkt statt, der Leser erfährt erst später im Rückblick davon, während Nebensächliches viel intensiver und ausführlicher thematisiert wird.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Beschrieben werden die Sichtweisen der Lehrerin Anni Reiner, des Schüler Maximilian, genannt Moskito, dessen Familie in Südamerika eine Zinnmine besitzt und der an starkem Heimweh leidet, des Musiklehrers Eduard Zuckmayer, Bruder des berühmten Schriftstellers Carl Zuckmayer, der Köchin Fräulein Kea und des Mädchens Marje, das nur durch Vermittlung ihrer Tante Kea einen Platz in der Schule erhält. Auch die Blickwinkel des Nationalsozialisten und Gemeindediener Gustav Wenniger und der Hotelierstochter Therese Gerken, denen die Schule ein Dorn im Aug ist, werden geschildert. Dass unterschiedliche Charaktere im Fokus stehen sorgt für Abwechslung, schließlich stellt die Schule für verschiedene Personen, Lehrer, Schüler und Angestellte ihren Lebensinhalt dar. Auch die Dorfbewohner sind vom Schulbetrieb beeinflusst. Trotzdem sich Autorin Lüpke beim Schreiben auf bestimmte Figuren konzentriert, fällt es schwer, sich auf diese einzulassen, sie blieben mir oft fremd und zu blass. Sympathisch waren mir zum Beispiel Anni oder Marje, darüber hinaus entwickelte ich aber keinen besonderen Zugang zu ihnen.

Ich hatte, was das Buch „Die Schule am Meer“ betrifft, sehr hohe Erwartungen. Diese konnte der Roman letztendlich nicht ganz erfüllen. Das sehr interessante Thema hat die auf Juist aufgewachsene Autorin etwas „verhalten“ und verkrampft umgesetzt. Gerade durch den eigenwilligen Schreibstil wurden meine Emotionen während der Lektüre gebremst, ein intensives Mitfiebern mit den Figuren blieb aus. Lesenswert, weil die Geschichte authentisch ist, einen realen historischen Hintergrund hat, aber für mich kein überragender „groß angelegter Gesellschaftsroman“.

laurina

Beiträge 9
20.04.2020

Sehr gespannt war ich auf dieses Buch "Die Schule am Meer" von Sandra Lüpkes, die mich schon mit anderen Büchern begeistert hat. Das Cover und der Klappentext haben mich sofort angesprochen und so habe ich voller Freude dieses Buch erworben.
Kurz zum Inhalt: Die Geschichte spielt im Zeitraum ab 1925, wo der Antisemitismus schon Einzug gehalten hat und endet zeitlich gesehen mit einem großen Zeitsprung 1961. Geschildert wird das Leben von Anni Reiners und ihrer Familie, die auf Juist eine Schule mit besonderer pädagogischer Ausrichtung gründen wollen. Gleich schon zu Beginn wird ihnen das Leben auf der Insel nicht leicht gemacht.... Skepsis gegenüber den neuen Bewohnern und ihr Traum von ihrer Schule entwickelt sich in persönlicher, beruflicher, finanzieller, gesellschaftlicher und politscher Hinsicht immer mehr zum Albtraum.
Die Geschichte ließ sich in meinen Augen nicht so flüssig lesen, wie ich es mir erhofft hatte, an einigen Stellen erschien sie mir langatmig und mit den Blick auf Details, die mich weniger interessierten, anderes, was mir wichtig für das Einfühlen und Verständnis in die Geschichte war, wurde nur flüchtig erwähnt. Ich konnte keine Bindung zu den Menschen aufbauen und die Geschichte auf wahren historischen Ereignissen bzw. Hintergründen beruht, denn die Schule gab es wirklich.
Mir hat dieses Buch leider eher mittelmäßig gefallen. Deswegen drei Sterne von mir!

Madame_Klappentext

Beiträge 6
07.04.2020

Inhalt: Auf Juist entsteht in den 1920er Jahren eine reformpädagogische Schule, in der sich die verschiedensten Schüler aber auch Lehrer zusammenfinden, um ein Leben in der Natur und mit freiheitlichen Gedanken zu führen. Die Schule steht vielen l gegenüber und muss sich im Laufe der Jahre mit vielen persönlichen und politischen Problemen auseinandersetzen – bis es in den 1930er Jahren um viel mehr als nur eine Schule geht. Schließlich leben Juden, Kommunisten und Freigeister gemeinschaftlich zusammen.

Leseeindruck: Dieser Roman liest sich wirklich locker leicht weg. Seite um Seite lernt man, angefangen von der Lehrerin Anni Reiner, immer mehr Schüler und Lehrer der neuen Schule kennen. Und in den meisten Fällen auch schätzen. Die Charaktere sind so bunt und verschieden wie auch die Schule selbst. Man merkt richtig, wie alle vor Ideen nur so strotzen und am liebsten Bäume ausreisen wollen. Genauso lebendig kommt der rauhe Charme der Nordsee rüber. Ich als eingefleischter Flachländer habe mir hin und wieder gedacht, dass mir das Leben auf so einer abgelegenen Nordseeinsel vor fast 100 Jahren bestimmt zu beschwerlich wäre. Aber genau das habe ich an diesem Roman so gemocht. Kaum liest man einen Satz, fühlt man sich wieder durch Raum und Zeit katapultiert und darf stiller Beobachter dieser besonderen Gemeinschaft sein. Wer die politischen Vorgänge der 1920er und 30er in Deutschland kennt, wird nicht überrascht sein, welche Entwicklung die Schule zwangsläufig nimmt. Mir gefällt jedoch wie die Auswirkungen der gesamtpolitischen Ereignisse auf die Insel und die Schule im ganz speziellen dargestellt werden. Im Zeitraum eines Jahrzehnts kann man mitverfolgen wie Prinzipen verteidigt, aber auch mit Füßen getreten werden. Beides wird eindrücklich und nachvollziehbar für jeden aufgezeigt. Unausweichlich kam mir der Gedanke, dass auch wir uns heute immer wieder die Frage stellen müssen, zu welcher Gruppe man selbst gehören will. Auch wenn die Geschichte an der einen oder anderen Stelle mit ein paar Längen zu kämpfen hatte, lässt mich doch die Thematik nicht los. Und das schaffen bei mir nicht viele Geschichten. Gerade auch die zahlreichen nicht gesagten Dinge regen zum Nach- und Weiterdenken an. Auch wenn ich an der einen oder anderen Stelle etwas traurig war, dass ich mir nun selbst einen Reim auf alles machen muss. Genau wie das wahre Leben, da gibt es auch nicht immer auf alles eine Antwort.

Lieblingsnebencharakter: Puh, jetzt wird es schwierig, denn es tauchen so viele tolle Haupt- und Nebencharaktere auf. Allen voran Anni Reiner, die stolz auf sich sein, deren reales Ich aber viel zu wenig Würdigung erfährt, wie es leider bei vielen tollen Frauen der Fall ist. Auch Marje, die glaube ich kein reales Vorbild hat, hat mich wirklich beeindruckt mit ihrem Willen. Beide tragen die Geschichte aber zu sehr, um in dieser Kategorie Beachtung zu finden. Daher soll an dieser Stelle Herr Saathoff, der alte Dorfbewohner genannt werden. Er hielt sich stets im Hintergrund und viel hat man ihm bestimmt nicht zugetraut, aber wie er die Dorf- und Schulgemeinschaft analysiert hat und damit Annii zur Seite gestanden hat, hat mich sehr beeindruckt. Damit sieht man mal wieder, dass man sich über niemanden ein Urteil erlauben darf, den man nicht kennt. Saathoff ist ein toller aufrichtiger Kerl, von denen es immer zu wenige gibt.

Fazit: „Die Schule am Meer“ ist ein super recherchiertes Buch, das vor einer sehr beeindruckenden landschaftlicher und politischer Kulisse spielt. Auch wer, wie ich, reformpädagogischen Konzepten eher kritisch gegenüber steht, wird seinen Spaß haben. Nie hört man einen belehrenden Ton und man lernt eine Menge dazu. Das ist das wirkliche Plus des Buches. Leider gibt es an der einen oder anderen Stelle ein paar erzählerische Längen, trotzdem gibts eine klare Leseempfehlung von mir, da Historie hier super mit Fiktion gepaart wurde, ohne künstlich zu sein. Noch dazu regt das Buch trotz des leichten Tons zum Nachdenken an. Ich bin mir sicher, dass ich „Die Schule am Meer“ so schnell nicht vergessen werde.

luefki

Beiträge 4
05.04.2020

Spannung pur auf Juist

Sandra Lüpkes - Die Schule am Meer

Martin Luserke baut mit anderen Pädagogen in den goldenen Zwanzigern eine Schule am Meer auf der Insel Juist auf. Hierbei unterstützen ihn einige seiner Kollegen aus Wickersdorf. Große Unterstützung kommt auch von der Jüdin Anni Reiner und ihrem Mann Paul. Selbst einige Schüler aus Wickersdorf werden nach Juist folgen.
Diese Schule ist nicht nur irgendeine Schule, nein es ist ein Internat welches offen für Leben und Geist, viel Wert auf Selbstfindung, Kunst und Musik legt. Dementsprechend wird es in der Gesellschaft und somit auch auf Juist nicht überall anerkannt. Vor allem dem Insulaner Gustav Wenniger ist die Schule ein Dorn im Auge und er versucht über Jahre Hinweg Unruhe zu stiften. Die Schüler an der Schule am Meer lernen hier für ihr Leben gern und sind begeistert. Vor allem Moskito, Marje, Volkmar genießen das Schulleben in denen es schöne aber auch traurige Momente gibt. Aufgrund des nahenden Krieges und vieler Juden an der Schule wird es schwieriger alles am Laufen zu halten…

Das Buch ist wirklich schön geschrieben und beruht auf einige Zeitzeugenangaben. Der Roman ist mitreißend man spürt die schönen und auch die traurigen Momente. Einige Charaktere bestanden auch im wahren Leben und viele Geschichten und Erlebnisse sind gut dargestellt.

Ich finde es sehr interessant wie es eine freie Schule damals geschafft hat „über die Runden“ zu kommen. Wieviel Kreativität hierzu gehört und auch Mut und Durchsetzungsvermögen. Mir hat das Buch besonders gut gefallen da es eine in Wirklichkeit passierte Geschichte aufgreift. Da ich selber auch schon auf Juist war kamen mir viele Orte der Geschehnisse auch bekannt vor. Jedoch habe ich damals nicht von dieser Schule gehört.

Alles in allem ein schöner aufklärender Roman mit viel Spannung und tollen Headlines. Auf jeden fall zu empfehlen.

BabsyZ

1 Beitrag
05.04.2020

1925 gründete eine Schar hochmotivierter Lehrer um Martin Luserke und das Ehepaar Anni und Paul Reiner auf der Nordseeinsel Juist die Schule am Meer, die erste reformpädagogische Schule Deutschlands auf einer Insel. Naturnahe Erziehung, Sportliche Betätigung, Handwerkliches Können und Musische Bildung und sowie Darstellende Kunst standen im Mittelpunkt dieses für die damalige Zeit ungewöhnlichen Schulprojektes. Unter den Lehrern befand sich u.a. Eduard Zuckmayer, bei den Schülern fanden sich illustre Namen wie Peter Döblin, Beate Uhse oder die Schauspielerin Maria Becker.

In ihrem Roman Die Schule am Meer beschreibt Sandra Lüpkes die gesamte Zeitspanne der Schule mit vielen kleinen Anekdoten, die mal aus der Sicht der Lehrer, der Schüler aber auch der Insulaner erzählt werden. So begleiten wir z.B. den Schüler Maximilian, genannt Mücke, von der Überfahrt zur Insel bis zu seinem Abitur, erleben Abenteuer wie die gefährliche Überquerung der zugefrorenen Nordsee, den Bau der großen Theaterhalle, Freundschaft und Rivalität und nicht zuletzt die Spannungen zwischen den eingeschworenen Inselbewohnern und den mit Misstrauen beäugten Bewohnern des Internats, der „Judenschule“ und „Kommunistenschmiede“.

Es ist ein beeindruckendes und bedrückendes Stück Zeitgeschichte, das Sandra Lüpkes in ihrem wunderbaren Roman auf 570 Seiten darbietet. Mein Fazit: absolut lesenswert

Island82

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05.04.2020

Die Schule am Meer, die im Mittelpunkt von Sandra Lüpkes Roman steht, hat es auf Juist wirklich gegeben. Bei dem Buch handelt es sich um ein Herzensprojekt der auf Juist geborenen Autorin, die bei einem Besuch im Heimatmuseum dazu inspiriert wurde, auch weiteren Pädagogen der Schule neben dem meist ausschließlich erwähnten charismatischen ehemaligen Schulleiter Martin Luserke nachträglich eine Stimme zu verleihen. Dazu recherchierte sie sehr gründlich und vieles im Roman basiert auf historischen Tatsachen, wenngleich auch manche Person oder manches Ereignis dazu erfunden werden musste.

Bei der Schule handelt es sich um eine so genannte Reformschule, die Pädagogen arbeiteten mit, besonders für die damalige Zeit (die Schule existierte von 1925 - 1934) ungewöhnlichen Methoden. Dabei standen praktische Erfahrungen, wie durch das Anlegen von Gärten, das Halten von Tieren, Musik und Theaterspiel im Mittelpunkt. Außerdem segelte man auf der Nordsee und zwischen Mai und Oktober zählten morgendliche Bäder in der kalten Nordsee zum Pflichtprogramm. Lehrer und Schüler lebten in einer familienähnlichen Gemeinschaft eng zusammen. Die Bewohner der kleinen Nordseeinsel standen dem Ganzen oft mit einer gehörigen Portion Skepsis gegenüber.

Zu der Gruppe der Pädagogen, die (fast) von der Gründung an dabei waren, zählen neben Luserke das Ehepaar Anni und Paul Reiner und der Musikpädagoge Eduard Zuckmayer, Bruder des berühmten Dramatikers. Sie bauen die Schule mit viel Herzblut unter teils widrigen Umständen (Wetterkapriolen, Geldknappheit, ungünstige Bedingungen für den Gemüseanbau, Krankheiten, Vorbehalte der Inselbewohner, usw.) auf und genießen für ihren Einsatz und ihre Leidenschaft den Respekt ihrer Schüler, von denen auch einige Probleme mit ins Internat gebracht haben. Anni entstammt einer wohlhabenden jüdischen Familie und kann die Schule so immer wieder unterstützen, zugleich wird ihre jüdische Herkunft mit dem, auch auf der kleinen ostfriesischen Insel aufkommenden, Nationalsozialismus auch immer mehr zum Problem für sie und ihre Familie.

Der Roman spricht so verschiedenste Aspekte an. Einerseits bot er einen, nicht nur für mich als Lehrerin, sehr interessanten Einblick in die Anfänge der Reformpädagogik in Deutschland. Zudem spielen natürlich auch Freundschaft und Zusammenhalt eine wichtige Rolle, sowohl unter den Schülern als auch unter den Lehrern. Eine weitere, nicht unwichtige Komponente ist die Paarbeziehung und das Familienleben von Anni und Paul Reiner, durch das Zusammenleben in der großen Gemeinschaft und den unbedingten Einsatz für die Schule gestaltet sich dies nicht immer einfach. Auch die Insel Juist und das nicht ganz einfache Leben dort, auf dieser abgelegenen Insel, spielt eine wichtige Rolle. Man kann sich die schöne, aber auch oft raue Umgebung sehr gut vorstellen. Und nicht zuletzt sind das Aufkommen des Nationalsozialismus, die hinterhältigen Methoden, mit denen die Nationalsozialisten arbeiteten und der Antisemitismus und in diesem Zusammenhang auch Verrat große und wichtige Themen in diesem Roman.

Sandra Lüpkes hat sowohl die historischen als auch die erfundenen Charaktere sehr anschaulich und überzeugend ausgestaltet. Durch die verschiedenen Erzählperspektiven kann man sich gut in die einzelnen Personen hineinversetzen. Der Schreibstil der Autorin ist gut nachvollziehbar, die Handlung ist fesselnd und den Leser erwartet eine spannende Reise in eine andere Zeit. Ich empfehle das Buch daher sehr gerne weiter.

raschke64

Beiträge 13
03.04.2020

1925. Ein Schüler wird von seinem Direktor sexuell missbraucht. Einige Lehrer lehnen sich gegen die Vertuschung auf und müssen die Schule verlassen. Sie gründen auf Juist die Schule am Meer. Es wird eine reformpädagogische Einrichtung, in der die Schüler sehr freiheitlich und komplex erzogen werden sollen. Von Anfang an steckt die Schule in finanziellen Schwierigkeiten und nur durch die Familie einer jüdischen Lehrerin kann sie überhaupt existieren und sich erweitern. Doch trotz dieser Schwierigkeiten ist die Schule von Anfang an etwas ganz Besonderes. Leider mehren sich schnell die Stimmen, die gegen das Konzept sprechen und mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus wird es immer schwieriger für Lehrer und Schüler.

Das Buch hat mich überrascht. Und zwar im positiven Sinn. Die Geschichte der Schule wird anhand verschiedener Anekdoten aus dem Leben der Lehrer und Schüler erzählt. Was anfangs als großartige ideelle Idee begann, wird in der praktischen Umsetzung nach und nach immer schwieriger. Zum einen aus finanziellen Gründen, zum anderen aber auch, weil einige der Lehrer beginnen, ihre Arbeit über die der anderen zu stellen und wichtiger zu empfinden. Trotzdem war es interessant für mich, über diese spezielle Schule zu lesen. Und beim Lesen stellte ich immer wieder fest, dass ich jegliches Zeitgefühl verlor und erstaunt war, wie viel ich in kurzer Zeit gelesen habe.

Sissy

Beiträge 23
02.04.2020

Die jüdische Lehrerin Anni Reiner zieht 1925 gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Töchtern nach Juist. Sie und ihr Mann wollen sich zusammen mit anderen Lehrern eine Vision erfüllen und gründen auf Juist ein Internat.

In dem Buch begleiten wir Anni und ihre Familie, die Lehrer und die Schüler über einen Zeitraum von 9 Jahren. Es ist interessant, die Personen zu beobachten. Vor allem vor dem Aspekt, das es dieses Internat wirklich gegeben hat und auch einen Teil der im Buch vorkommenden Personen. Die Schule ist einigen Bewohnern auf Juist ein Dorn im Auge, unter anderem auch die Juden, die dort leben. Dies lässt natürlich immer wieder beklemmende, ergreifende Situationen entstehen.

Doch so interessant das Buch auch auf der einen Seite war, vor allem aufgrund des geschichtlichen Hintergrunds. Leider plätscherte die Geschichte für mich eher an der Oberfläche. Ich fand leider nicht wirklich einen Bezug zu den Personen in der Geschichte. Für mich war es vielmehr als würde ich ein Sachbuch lesen. Daher für mich nur 3,5 Sterne.

Furbaby Mom

Beiträge 13
28.03.2020

Ein ungewöhnliches Internat!

Bereits am Cover, auf dem eine verblasste Photographie abgebildet ist, lässt sich das Genre erahnen; zudem stimmen die (Original-)Bilder im Innenumschlag dieses hochwertigen Hardcover-Exemplars die Leserschaft im Vorfeld auf den Romaninhalt ein. Auch eine Skizze des Handlungsortes ist enthalten.

Das Ehepaar Anni und Paul Reiner hatte eine Vision – auf der Nordseeinsel Juist wollten sie eine Schule gründen, in der jedes Kind willkommen sein sollte; eine Lehranstalt, die sich mit innovativen Lehrmethoden auszeichnen, in der jedem Kind die nötige Aufmerksamkeit und individuelle Förderung zukommen sollte. Voller Tatendrang gehen sie ans Werk. Musik nimmt einen hohen Stellenwert ein, ebenso die Verbundenheit zur Natur. Die Lehrer/innen sind jemand, zu dem man aufblickt, von dem man inspiriert wird – keine Schreckenspersonen mit Rohrstock. In diesem reformpädagogischen Inselinternat, das es einst tatsächlich so auf Juist gegeben hat, steht die Gemeinschaft im Vordergrund. Dieser Zusammenhalt ist auch bitter nötig, denn vielen Bewohnern der Insel ist die Tatsache ein Dorn im Auge, dass die Schule als Hort für Juden und Kommunisten gilt.

Zu Beginn habe ich ein klein wenig mit der Vielzahl der Figuren gehadert, es waren tatsächlich einige Namen. Für spätere Ausgaben des Werkes wäre ein Personenregister eine sinnvolle Ergänzung. Erzählt wird abwechselnd aus mehreren Perspektiven – Schulpersonal, Schüler/innen, Insulaner/innen…auch in die Gedanken des Antagonisten taucht man regelmäßig ein. Hierdurch lernt man viele Charaktere gleichermaßen intensiv kennen, sympathisiert mit dem einen oder anderen, während man gewissen Protagonisten am liebsten gehörig die Meinung geigen würde. Insgesamt blieben mir dennoch die meisten von ihnen eher fremd; ihr Schicksal berührte mich zwar, doch wirklich mitgelitten, mitgefiebert habe ich nicht. Meine Favoritin war Anni Reiner, vor dieser Frau muss man einfach Respekt haben. Mit Moskito hingegen wurde ich partout nicht warm. Den größten Teil der Handlung nimmt das Internatsleben selbst ein: die alltäglichen Erlebnisse des Lehrpersonals (wobei der Unterricht selbst eher oberflächlich skizziert worden ist), vor allem aber Freizeiterlebnisse der Schüler/innen stehen im Vordergrund – Mutproben, Freundschaft, erste Liebe…

Geschichtliche Ereignisse fließen eher am Rande in die Rahmenhandlung ein. Es ist kein rasanter Roman mit unheimlich nervenaufreibenden Passagen – vielmehr erschien es mir, als würde man hier an einem Stück Vergangenheit teilhaben dürfen. Es erinnert mich entfernt an eine Art Familien-Saga. In aller Ruhe beschreibt die Autorin die Inselschönheit, die lokalen Begebenheiten der Schule und des Ortes, lässt uns am Entwicklungsprozess der Charaktere teilhaben. Man muss sich Zeit nehmen für dieses Werk, damit sich dessen volle Wirkung entfalten kann und das ist auch gut so. Der Schreibstil ist gut verständlich, ebenso angenehm wie anspruchsvoll und voller detaillierter Beschreibungen. Es wird deutlich, welch intensive Recherche Autorin Sandra Lüpke betrieben hat; mühelos verknüpft sie wahre historische Hintergründe, Personen, Begebenheiten mit Fiktion. Alles in diesem Roman, von den Dialogen bis hin zur Szenerie, der Inselatmosphäre und den Charakteren wirkt ungemein glaubwürdig und authentisch. Manche Passage des beinahe 600 Seiten umfassenden, in ungewöhnlich lange Kapitel eingeteilten Romans hätten etwas kompakter ausfallen können – oder wären idealerweise zu einer ausführlicheren Schilderung des eigentlichen Schulkonzepts genutzt worden; auch mehr Details zu geschichtlichen Begebenheiten wären möglich und durchaus interessant gewesen, so hätte ich z.B. gerne mehr über den Eiswinter gelesen. Hinsichtlich Waldi ahnte ich von Anfang an, welche Entwicklung folgen würde und fand diese absolut unnötig – musste das wirklich noch sein? Alles in allem überwiegt ein eher schwermütiger Ton, der hier und da durch die wundervolle Sprachkunst der Autorin abgemildert und durch humorvolle Anekdoten etwas aufgelockert wird. Nun ja, immerhin war die Realität damals tatsächlich kein Zuckerschlecken, es waren harte Jahre.

Fazit: Ein auf wahren Tatsachen basierender Internatsroman, der vor einem interessanten geschichtlichen Hintergrund angesiedelt ist. Der Fokus liegt ganz klar auf der persönlichen Entwicklung der Figuren sowie auf dem allgemeinen Internatsalltag - weniger auf dem historischen Aspekt. Ein Aufbau mit ein, zwei Perspektiven weniger hätte wahrscheinlich mehr Nähe zu den verbleibenden Figuren bewirkt. Tolle Grundidee, hervorragende sprachliche Umsetzung, Handlungsinhalt nicht mitreißend, aber unterhaltsam.

karlssonvomdach

Beiträge 15
22.03.2020

Die Autorin behandelt in diesem doch immerhin 568 Seiten langen Roman ein historisch interessantes schulpolitisches Thema, nämlich die in den 1920er Jahren tatsächlich neu gegründete und zum Abitur führende Internatsschule auf Juist. Diese vertrat reformpädagogische Ziele mit Koedukation, Gleichberechtigung zwischen Schülern und Lehrern sowie der Schüler untereinander, Lernen im Einklang mit der Natur, Musikerziehung als wichtiges Fach. Es wundert somit nicht, dass sie auf beträchtliche Vorbehalte bei den Einheimischen und natürlich der zunehmend an Bedeutung gewinnenden nationalsozialistischen Gemeinde stieß und als Juden- bzw. Kommunistenschule verschrien war. Erzählt wird aus der Perspektive einiger weniger beteiligter Lehrer, Schüler, Mitarbeiter, Insulaner, wodurch Abwechslung beim Lesen einkehrt. Es gibt große Zeitsprünge, da zwischen den einzelnen Erzählsträngen in der Regel mehr als ein Jahr liegt. Mir persönlich ist die Darstellung des besonderen Schulkonzepts zu kurz gekommen und es wird mit epischer Breite auf am Rande liegende Ereignisse eingegangen. Der historische Hintergrund mit dem erwachenden Nationalsozialismus ist sehr interessant, ebenso die vielfältigen Schwierigkeiten finanzieller und persönlicher Art der Schulgründer, die den einen oder anderen an dem Reformkonzept verzweifeln lässt.
Unterhaltsam, eher dreieinhalb als vier Sterne.

leseratte1310

Beiträge 32
21.03.2020

Nachdem es an ihrem alten Arbeitsplatz unliebsame Vorgänge gegeben hat, gründet das Lehrerpaar Anni und Paul Reiner mit weiteren Kollegen eine Schule auf Juist. Sie haben ein ganz besonderes Konzept, dass sie hier verwirklichen wollen. Das Lernen soll naturnah erfolgen und es soll ein gleichberechtigtes Miteinander geben. Doch sie spüren schon bald den Gegenwind, der ihnen aufgrund der politischen Verhältnisse immer mehr entgegenweht. Den Bewohnern der Insel ist es ein Dorn im Auge, dass ein erheblicher Teil der Lehrer und Schüler Juden sind oder Kommunisten. Als 1929 der Eiswinter zuschlägt, ist die Insel von der Außenwelt abgeschnitten; umso mehr ist Zusammenhalt gefragt.
Die Schule am Meer hat es in der Zeit von 1925 bis 1934 tatsächlich auf Juist gegeben. Die Autorin Sandra Lüpkes, die selbst von der Insel stammt, hat dieses Thema aufgegriffen und in ihrem Roman verarbeitet.
Wir lernen die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven kennen. Zum einen berichtet Anni Reiner, dies aus einem gutsituierten jüdischen Elternhaus stammt und mit dem Arier Paul verheiratet ist. Sie sorgt mit ihren finanziellen Mitteln für die Schule. Paul verliert über seinem Einsatz für die Schule die Familie ein wenig aus dem Blick.
Einen weiteren Blick gibt es von Eduard Zuckmayer, der zufällig dazustößt und Musiklehrer an der Schule wird.
Aber auch der Schüler Moskito gewährt uns einen Einblick aus seiner Sicht.
Die Charaktere sind gut und lebendig beschrieben. Während es sich bei den Lehrern um reale Personen handelt, sind die Schüler fiktiv. Es ist eine bunt gemischte Gesellschaft. Ich habe den Tatendrang bewundert, mit dem die Begründer der Schule an die Sache herangegangen sind. Umso schrecklicher ist es, dass Anni am Ende alles aufgeben und flüchten muss, um ihre Familie zu schützen.
Es geht doch einigermaßen beschaulich zu auf Juist, so dass man als Leser nicht allzu viel Spannung erwarten darf. Man ist auf der Insel vom politischen Geschehen auf dem Festland entfernt und doch ist der Einfluss auch auf Juist zu spüren. Trotzdem ist es ein sehr interessanter und gut zu lesender Roman.
Ich kann das Buch nur empfehlen.

schnäppchenjägerin

Beiträge 74
eine Antwort 10.03.2020

Im Sommer 1925 gründet die Jüdin Anni Reiner gemeinsam mit ihrem Ehemann Paul und weiteren befreundeten Lehrern eine Schule auf der Nordseeinsel Juist. Die privat organisierte Schule mit Internat legt den Wert auf Freiheit, eigenverantwortlichem Handeln und einem gleichberechtigten Miteinander von Schülern und Lehrern. Neben den Lehrzielen sollen dabei auch Musik, Kunst und Handwerk wesentliche Schwerpunkte in der Erziehung der Schüler bilden.
Für die Schüler, die in der Regel aus privilegierten Familien stammen und oft weit entfernt von ihren Eltern sind, bietet das Internat ein neues Zuhause. Doch die Schule wird seit ihrer Gründung von einigen einheimischen Inselbewohnern in Loog argwöhnisch beäugt und als Hort von Kommunisten und Juden beschimpft. Mit dem Erstarken der Nationalsozialisten erhält die Schule am äußersten Ende Deutschlands noch mehr Gegenwind.


"Die Schule am Meer" existierte tatsächlich von 1925 bis 1934 und war die erste reformpädagogische Schule Deutschlands, die auf einer Insel gebaut wurde. Die Autorin vermischt damit historische Fakten mit fiktiven Geschichten um die Protagonisten, von denen einzelne historisch belegt sind.
Der Roman ist wechselnd aus der Sicht der verschiedenen handelnden Personen, sowohl Schüler als auch Lehrer, aber auch der Inselbewohner geschrieben, so dass es zu Beginn Konzentration verlangt, einen Überblick über die zahlreichen handelnden Personen zu behalten. Die Charaktere sind sehr unterschiedlich und haben, auch den Auswirkungen des Großen Krieges geschuldet, Schicksalsschläge erlitten oder mit persönlichen Problemen zu kämpfen.
Neben dem Schulalltag, der durch viele - zumal amüsante - Anekdoten des Zusammenlebens von Schülern und Lehrern auf engstem Raum erzählt, spielen vor allem die Probleme wie Krankheiten, Tod, Kälte, Isolation und Abgeschiedenheit eine wesentliche Rolle.
Begeisternd ist zu lesen, welche Träume und Ideale die Lehrer damals hatten und wie konsequent sie sich als eingeschworene Gemeinschaft gegen Kritik, Anfeindungen und noch schlimmere Attacken zur Wehr setzten. Vor dem Hintergrund der geschichtlichen Entwicklung und der sich abzeichnenden Machtergreifung des noch als "Witzfigur" bezeichneten Adolf Hitler bangt man mit Schülern und Lehrern mit, ob die mühevoll aufgebaute und sehr erfolgreiche Inselschule weiterhin Bestand haben kann.

Es ist eine Geschichte über große Ziele, Mut, Leidenschaft und Zusammenhalt, aber auch über Neid und Misstrauen, in einer Zeit geprägt von der Wirtschaftskrise, die einem politischen Wandel unterworfen ist.
Die Autorin beschreibt sehr anschaulich und detailliert und erschafft einen interessanten Mikrokosmos auf Juist. Ich empfand die Geschichte an einigen Stellen als zu langatmig und hätte mir zumal etwas mehr Dichte und Dynamik gewünscht. Die große Anzahl an Charakteren verhinderte zudem, dass man zu einzelnen eine Nähe hätte aufbauen können. Mir blieben selbst die wesentlichen Protagonisten wie Lehrerin Anni, Schüler Moskito, Hauswirtschafterin Kea und ihre Patentochter Marje fremd, so dass mich der Roman nicht durchgehend fesseln konnte.

  • Annette126

    Beiträge: 16
    15.03.2020

    Das klingt in meinen Augen wirklich sehr geschichtlich und auch abenteuervoll. Ich denke darüber nach, es mir zuzulegen.

Vielleserin

Beiträge 55
05.03.2020

Hat ein Internat auf Juist, das 1925 entstehen soll überhaupt eine Chance? Eine Gruppe von Lehrern will tatkräftig und voller Ideale etwas ganz besonderes schaffen. Mit eigenen Gärten, Seewasseraquarien und Theaterhalle. Allen voran die jüdische Lehrerin Anni Reiner, der Musikpädagoge Eduard Zuckmayer, der zehnjährige Maximilian sowie die resolute Insulanerin Kea, die gute Küchenfee. Kann das gut gehen? Bald kommt es schon zu Spannungen zwischen den Inselbewohnern und den Lehrkräften. Dann kommt der schlimme Eiswinter 1929 und wochenlang ist die Insel vom Festland getrennt. Alle rücken in der Not zusammen. Kann das weiterhin gutgehen, wenn sonst das Chaos herrscht?

Das Buch ist sehr gut geschrieben und auch verständlich. Es hat den Leser gleich in den Bann gezogen. Die Charaktere waren sehr gut beschrieben und entwickelten sich auch weiter. Gut fand ich dass tatsächliche Vorkommnisse und Fiktion kombiniert wurde. Die Schule gab es wirklich. Beim Lesen war alles geboten: z.B. Nachdenken, lächeln, sich wundern, und einfach nur lesen und genießen. Ein empfehlenswerter Roman

janinchensbücherwelt

Beiträge 19
09.10.2020

    Ein historischer Roman der über mehrere Jahre geht und wir als Leser den Verlauf des Lebens der Proatgonisten erfahren. Sandra Lüpkes schreibt mit Liebe zum Detail, egal ob Landschaft, Häuser oder das Meer. Was für mich die Protagonisten etwas schwach im Bild gemacht hat. Aber als ganzes gesehen war es stimmig.

    Es ist eine gut recherchierte Geschichte. Dennoch hat man das Gefühl das es auf der Insel sehr abgeschottet ist, denn die Bewohner bekommen erst spät mit das sich ganz viel in auf der Welt ändert und es nicht gut ausgehen wird.

    Paula40

    Beiträge 29
    02.10.2020

      Ein überaus interessantes Buch, das reale und fiktive Personen und Geschehnisse zu einer Geschichte verbindet. Ich war sehr berührt und musste noch Tage darüber nachdenken.
      Der Autorin gelingt es hervorragend, die Stimmung jener Zeit, der Insel und dieser besonderen Schule einzufangen und ihre Leser mitzunehmen.
      Meine Lieblingsfigur war auch Moskitos....

      Sonja26

      Beiträge 14
      01.09.2020

        Handlung:
        Einige ambitionierte Lehrer, die mit dem deutschen Schulsystem hadern, gründen ausgerechnet auf der kleinen Insel Juist eine Schule - die Schule am Meer. Hier lernen die Schüler auf alternative Art und Weise, zunächst auch in einer rudimentären Art und Weise. Die Schüler duzen ihre Lehrer, ein Bad in der eiskalten Nordsee jeden Morgen steht auf dem Plan. Beides ziemlich ungewöhnlich Ende der 20er Jahre und zu Beginn der 30er.
        Doch die Schule erfreut sich großer Beliebtheit, es werden mehr und mehr Schüler aufgenommen, die wir, genau wie ihre Lehrer, im Laufe der Geschichte immer besser kennenlernen.
        Wir lesen von ihren Abenteuern, von ihren Gefühlen, ihren Streichen, dem Unterricht und den täglichen Dingen, die sie erleben. Doch auch die Lehrer lernen wir kennen, ihre Eigenschaften, ihre Denkweisen.
        Die reiche Schülerschaft und die alternativen Denkweisen wecken Neider, nicht nur auf Juist doch in der gesamten deutschen Bevölkerung. Wird sich die Schule am Meer am Ende dem Druck beugen müssen?

        Das Buch hat mich gleichermaßen begeistert, wie aufgewühlt und mit vielen Fragen zurückgelassen. Ich war zunächst nicht sicher, ob es sich um einen Tatsachenroman oder einfach um eine gute Geschichte handelt. Es ist vor allem Erstes, was die Lehrer und die Schule angeht. Aber auch letztes, die Schüler und Bewohner Juists betreffend. Und ich glaube, genau das macht es aus. Die Geschichte ist wunderbar erzählt, spannend geschrieben und zieht den Leser sofort in seinen Bann. Wie häufig musste ich über die Schüler lachen und konnte die Ängste und Sorgen der Lehrer nachvollziehen.
        Dass diese so echt und lebendig wirken, liegt daran, dass Sandra Lüpkes hier auf echte Tagebuchberichte zurückgreifen konnte. Das macht für mich das Buch wirklich faszinierend, denn ich glaube, diese Schule am Meer hätte man sich gar nicht ausdenken können. Und auch wenn sie vielleicht nicht ganz so war, wie im Buch, ich konnte sie mir genauso vorstellen.
        Ich finde, dass Sandra Lüpkes hier vermutlich ihr bislang bestes Buch geschrieben hat. Es ist so anders, als alle ihre anderen Bücher. Man merkt, dass sie ihr Herzprojekt geschaffen hat. Sie lässt mit dem Buch ein Stück vergessene Geschichte wieder lebendig werden.
        Ich habe dieses Buch vor einigen Wochen gelesen und immer wieder denke ich darüber nach. Wäre ich auch gerne auf eine solche Schule gegangen? Brauchen wir heute eine solche Schule? Steuern wir wieder auf solche Zeiten zu wie damals?
        Das Buch ist ganz fantastisch geschrieben und ich bin nachhaltig begeistert über das Werk.

        goejos

        Beiträge 44
        12.07.2020

          Anni, eine jüdische Lehrerin, folgt mit ihren drei Töchtern und der Großmutter ihren Mann auf die Insel Luif. Hier wollen sie ein neues Leben beginnen. gleiche unter Gleichen. Für Moskito ist das tägliche seebad ein Gräuel, doch er muss es durchstehen, will er bei den Bären aufgenommen werden. Eduard Zuckmayer, ein Dirigent, trifft auf den Hausmeister. Dieser eröffnet ihm, dass sie in der Schule einen Musiklehrer suchen. Drei Einzelschicksale am Beginn dieser Erzählung. Wie es weitergehen wird und ob das mit "Gleichen unter Gleichen" gutgehen kann, werden wir in weiterer Folge erfahren. Für spannung ist gesorgt.

          yellowdog

          Beiträge 20
          25.05.2020

            Gesellschaftsroman in einer unruhigen Zeit

            Dieser Roman erzählt von einem Internat auf Juist. Es beginnt 1925. Der Lehrer Paul und seine Familie kommen nach Juist. Seien Frau Anni ist ebenfalls Lehrerin, zieht dabei noch ihre 3 Kinder auf.
            Der im Krieg verletzte Eduard Zuckmayer folgt als Musiklehrer und bringt seinen Dackel Waldi mit.
            Die resolute Kea macht dort die Hauswirtschaft, ihre kluge Nichte Marje geht dafür kostenfrei zur Schule. Mit Moskito gibt es einen weiteren Schüler, der sehr im Mittelpunkt steht. Er hat eine verletzte Graugans aufgepflegt, die ihm jetzt treu folgt.

            So einige der Sylter Insulaner misstrauen aber dieser neuen Gemeinschaft.
            Negative Stimmungen der Zeit werden spürbar und verstärken sich im Laufe der Zeit. Es ist anfangs so eine helle Stimmung, die sich aber mit der Zeit verdüstert. Bis 1934 folgt der Roman dem Verlauf der Schule und den beteiligten Figuren.
            Das man weiß, dass es für die freidenkenden und die jüdischer Abstammung schwer wird, bestimmt das Leseerlebnis mit.

            Der Roman beeindruckt durch einen ansprechenden, gut lesbaren Stil und gleichzeitig einer gewissen Eleganz. Außerdem fällt es wirklich leicht, die überwiegend sympathischen Figuren zu mögen.

            C. Sch.

            Beiträge 53
            07.05.2020

              INHALT
              Juist 1925: Voller Enthusiasmus gründet eine Gruppe von Lehrern ein ganz besonderes Internat auf Juist. Es ist eine besondere Gemeinschaft mit eigenen Gärten, und einer Theaterhalle. Obwohl die Schülerzahl stetig steigt, muss die Schule kämpfen, denn viele der Inselbewohner stellen sich gegen dieses Internat. Die Spannungen zwischen den Lehrern und den Inselbewohnern nehmen immer mehr zu. Auch das Geld der Schule wird immer knapper. Kann sich diese besondere Gemeinschaft durchsetzten oder ist sie zum Scheitern verurteilt? Diese Schule hat es tatsächlich auf Juist gegeben und die Autorin erzählt uns die Geschichte auf eine sehr fesselnde Weise.
              MEINE MEINUNG
              Da dieser Roman auf wahren Begebenheiten beruht, hat er mich besonders interessiert. Aufgrund der sehr guten Recherche konnte mich die Geschichte auch in seinen Bann ziehen. Die Autorin hat hier in einer ruhigen und wunderschönen Art die Entwicklung der Schule am Meer und das Leben auf der Insel beschrieben und die Protagonisten haben sehr lebendig und authentisch gewirkt. Sie haben der Schule den gewissen Flair gegeben, wodurch der Leser ihnen nahe gekommen ist. Man nimmt am Leben an der Schule und auch am Leben auf der Insel teil, man erkennt die Unbeschwertheit der Schüler und den Kampf der Lehrer und spürt das Näherkommen einer schrecklichen Zeit. Das alles wurde in diesem Buch wunderbar miteinander verflochten, so dass ein packender und fesselnder Roman entstanden ist. Da es die Schule und dem Kampf der Lehrer wirklich gegeben hat, erhält das Buch noch eine ganz besondere Brisanz und durch detailverliebte Recherche bekommt diese Schule Leben eingegaucht und wird dem Leser nahegebracht. Mir hat das Buch von der ersten bis zur letzten Seite sehr gut gefallen, die Charaktere waren lebendig und es herrschte eine wunderbare Atmosphäre.
              FAZIT
              Ein Stück Zeitgeschichte, die man gelesen haben sollte.

              jackleser

              Beiträge 42
              03.04.2020

                „Die Schule am Meer“ ist eine Mischung aus Tatsachenbericht und Roman. Viele Ereignisse geschahen tatsächlich und davon kann sich der Leser durch Berichte im Internet sowie im Museum der Insel überzeugen. Die Schule sollte nach der neuesten „Reformpädagogik“ arbeiten und ihr Direktor, der Herr Martin Luserke, war ein glühender Anhänger dieser Form des Lehrens. Die Autorin hat sich durch viele Seiten von originalen Unterrichtsplänen und Schülerheften gearbeitet. Ebenfalls besuchte die sie unter anderem die jüngste Tochter des Ehepaars Reiner und alle Puzzleteile zusammen ergeben ein klares Bild über die Verhältnisse in den Jahren nach 1925.

                Nicht nur die spannenden Abenteuer der Kinder sorgen für Unterhaltung. Auch die politische Situation der Weimarer Republik und das Erstarken der NSDAP hat die Autorin gekonnt verarbeitet. Viele bekannte Persönlichkeiten waren Schüler, Lehrer oder Förderer der Schule am Meer. Wobei ich betroffen war als ich von den Geldern zugunsten der Schule las, die von einer Jüdin stammten. Nicht, dass sie das Geld gab, nein. Wie mit ihr umgegangen wurde als die Nazis sich aufblähten, das erschreckte mich. Keine Dankbarkeit von denen, die profitierten.

                „Ein Hort für Kommunisten und Juden“ war die Schule. Die Einstellung der Lehrer können Sie am besten durch diesen Satz erkennen: „Aufklärung ist die beste Methode, den reaktionären Rechtsbeugern das Maul zu stopfen.“ Die Schule am Meer ist für Menschen, die auf Juist leben oder die Insel durch Urlaub kenne, mit Sicherheit noch interessanter als für mich, die noch nie dort war. Aber trotzdem habe ich die Lesezeit ausgekostet. Auch die Fotos, welches alle auch Originale sind, waren aufschlussreich und das Betrachten machte Freude. Volle fünf Sterne und eine Leseempfehlung gibt es von mir.

                Annette126

                Beiträge 16
                15.03.2020

                Das Thema Schule hat mich in der Richtung schon immer begeistert. Und dieses wunderbare Buch hat meine Begeisterung wirklich extrem erweckt. Ich konnte es auch nicht mehr aus der Hand legen und schwärme dabei jetzt noch so sehr davon. In jeder Sekunde, Stunde und Minute. Ich gebe daher ein grosses Lob dafür an den sehr lieben Autor und allen mit daran Beteiligten.
                Holt es Euch alle - es lohnt sich wirklich sehr.

                sommerlese

                Beiträge 100
                09.03.2020

                  Eine Gruppe von Lehrerpaaren gründet 1925 auf Juist ein Internat, welche den Sinn einer Reformschule erfüllen soll. Hier sollen Schüler freies Denken lernen, ein Mitspracherecht haben und beide Geschlechter gemeinsam unterrichtet werden. Die Finanzierung erfolgt durch Spenden, Schulgeld und den Einkünften der Schüler mit ihren Konzert- und Theaterauftritten. So ideal die Ziele der Schule auch sind, bei den Insulanern ist sie als Hort für Juden und Kommunisten verschrien. Die Situation wird schwierig, als die Nationalsozialisten auch auf der Insel Fuß fassen und gegen die Schule kämpfen.


                  Dieser Roman umfasst die Zeitspanne von 1925 bis 1934 und beruht auf einer wahren Geschichte. Diese Reformschule hat es wirklich gegeben.
                  Mich haben beim Lesen die Ideen und Ideale der Gründer sehr beeindruckt, außerdem hatte die Schule nicht nur mit den politischen Veränderungen im Land zu kämpfen, sondern auch mit den Anfeindungen der Inselbewohner und Aspekten der Natur. Im Eiswinter 1929 war die Insel wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten und somit völlig auf sich gestellt.


                  Sandra Lüpkes lässt ihre umfangreiche Geschichte aus drei Perspektiven erzählen. Dadurch bekommt man ein vielfältiges Bild verschiedener Ansichten und Einblicke geboten.


                  Die Lehrerin Anni stammt aus einem reichen, jüdischen Elternhaus und zählt mit ihrem Mann Paul Reiner zu den Mitbegründern der Schule, die auch ihre drei Töchtern besuchen. Paul geht in der umfangreichen Arbeit für die Schule auf, allerdings auf Kosten der Familie.

                  Der nächste Erzähler ist der jüdische Musikpädagoge Eduard Zuckmayer, Dirigent und Konzertmeister und so von dem Prinzip der Schule überzeugt, dass er nach einem Urlaub auf Juist in der Schule eine Stelle antritt. Statt musikalischer Karriere genießt er den Bildungsauftrag an seinen Schülern.

                  Dritter Erzähler ist Moskito, er stammt aus Bolivien und steht stellvertretend für die ausländischen Schüler. Auch wenn er weit weg ist von seiner Familie, so findet er in der Gemeinschaft schnell Anschluß.


                  Dieser Roman spannt einen weiten Bogen um diese freie Schule und zeigt viele Figuren mit ihren Schicksalen, Hoffnungen, Wünschen und Verlusten auf. Aber in erster Linie geht es um die Sicht der Schüler, ihr gemeinsames Leben und Lernen auf Juist, ihre Freundschaften. Wir lernen die Schülerinnen und Schüler näher kennen und erleben das Hauspersonal Kea, Marje und andere bei ihrer Arbeit.


                  Sandra Lüpkes fesselnder und angenehm zu lesender Schreibstil hat mich in die Geschichte hinein gezogen und mir ein unterhaltsames Kopfkino an Charakteren und Schauplätzen beschert.

                  Dabei genießt man einerseits das Miteinander von Freunden und Familien, erkennt aber schnell die aufkommenden Probleme und politischen Strukturen, die für Schwierigkeiten und schlimme Vorgänge sorgen.


                  Den authentisch wirkenden und fein gezeichneten Charakteren kann man sich gut nähern und fühlt schnell mit ihnen mit, erkennt ihre Gefühle und Sorgen und bekommt Einblick in die sich anbahnenden politischen Ereignisse. Juden und Kommunisten unter einem Dach mit Ariern sorgte zu der Zeit für Konflikte und Schwierigkeiten.

                  Mir haben besonders die Szenen in der Küche gut gefallen, manche Mahlzeiten mussten aus knappen Mitteln hergestellt werden, besonders im Eiswinter eine echte Herausforderung. Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, teilweise kam mir die Ausführungen mancher Szenen etwas zu umfangreich vor.


                  Ein besonders zu lesender, gut recherchierter Roman, der diese Reformschule auf Juist atmosphärisch dokumentiert und geschickt in das Zeitgeschehen einbaut.

                  Lesemone

                  Beiträge 34
                  09.03.2020

                    Sandra Lüpkes hat ein Stück vergessene Zeitgeschichte auf Juist aufgegriffen und über diese wahren Begebenheiten und die Schule am Meer, die es wirklich gab, einen tollen Roman geschrieben. Schon der Inneneinband mit den Bildern von damals und dann auch die kleine Skizze der Schule haben auf das Thema eingestimmt. In eher leisen Tönen erzählt die Autorin vom Leben und Arbeiten in der Schule und skizziert gut die Reaktionen der damaligen Bevölkerung. Zu Wort kommen sowohl Lehrer als auch Schüler, verpackt in einer berührenden und manchmal fassungslos machenden Geschichte. Auch auf Juist ist der Hass gegen Juden spürbar. Vor allem die Kinder der Schule bekamen dies von der Bevölkerung zu spüren. Obwohl das Thema eher ruhig und unaufregend ist, schafft es Sandra Lüpkes dennoch den Leser zu fesseln und eine tolle Geschichte daraus zu machen. Die einzelnen Charaktere, obwohl sehr unterschiedlich, machen eine spannende Entwicklung durch, die durch die einzelnen Schulepisoden authentisch dargestellt wurden. Ich fand das Buch sehr spannend, in die Richtung, dass ich wissen wollte, was in der Schule und mit den Kindern passierte. Dieses Buch gibt einen schönen Einblick und hat mich sehr begeistert!