11.11.2020

Im Gespräch mit Susanne Popp


Was hat Sie dazu inspiriert, diesen Roman zu schreiben?


Bevor ich „Madame Clicquot“ schrieb, habe ich Biografien im Auftrag von Einzelpersonen und deren Angehörigen verfasst – und hatte einfach Lust dazu, mich an einem neuen Format zu versuchen, bei dem ich mehr kreative Freiheit habe. Auf die Geschichte der Veuve Clicquot wurde ich durch ein Jugendbuch mit den Lebensgeschichten von inspirierenden Frauen aufmerksam. Mit war nicht bewusst gewesen, dass hinter dem berühmten Champagner „Veuve Clicquot“ eine Frau steckt – dabei hätte man darauf kommen können, weil „Veuve“ ja „Witwe“ heißt. Ich fing an zu recherchieren – und schon steckte ich mittendrin in der Geschichte. 



Haben Sie eine persönliche Verbindung zu/nach Frankreich?


Ich bin in der Südpfalz großgeworden, nur 8 Kilometer von der französischen Grenze entfernt. Wir waren natürlich oft in Frankreich, sei es zum Einkaufen oder Essengehen. Sogar in der Grundschule wurde schon Französisch unterrichtet, den Klang der Sprache hatte man einfach im Ohr. Später habe ich Französisch dann als meine erste Fremdsprache gewählt und wir hatten wir immer Muttersprachler als LehrerInnen. Bis heute ist mit das Land und seine Mentalität sehr vertraut, es ist eines meiner liebsten Reiseziele. 



Wie sind Sie darauf gekommen, ihren Roman in diesen geschichtlichen Rahmen zu setzten (Frankreich um 1800 zur Zeit Napoleons)?


Das Buch beginnt in in dem Moment, in dem Madame Clicquot Witwe wird und lernen muss, auf eigenen Beinen zu stehen. Ich wollte gerne erzählen, wie sie das schafft. Ihre Familie kannte den Kaiser persönlich – doch sie selbst mochte ihn nicht sonderlich, wie man aus Briefen weiß. Er hat ihr als Unternehmerin mit seiner Blockadepolitik und den ständigen Kriegen das Leben schwer gemacht. Für einen Roman ergibt dies ein wunderbares Spannungsfeld. 



Wie sind Sie bei Ihrer Recherche dafür vorgegangen? 


Zunächst einmal habe ich natürlich alles gelesen, was ich mir an Literatur über sie besorgen konnte, und habe versucht zu verstehen, was am historischen Champagner gegenüber dem heutigen Champagner und Sekt so besonders und anders war. Und natürlich habe ich auch eine Reise in die Champagne und nach Reims gemacht, habe mir die Landschaft, die Stadt und die Weinkeller angesehen. Das war eine wunderbare Erfahrung. 



Und wie viel von dem Roman entspricht wirklich den historischen Tatsachen?


Ihre Lebensdaten stimmen, ihre Familie, ihre Geschwister mit Schwager und Schwägerin, Nichten und Neffen haben alle wirklich gelebt und der gesamte geschichtliche Rahmen ist soweit korrekt. Auch ihre wichtigsten Mitarbeiter bis hin zum Kellermeister hat es alle wirklich gegeben. Über ihre Firma weiß man recht gut Bescheid, da konnte ich sehr viele Fakten einbauen, über ihr Privatleben, etwa ihre Liebschaften, ist jedoch nichts bekannt, darum habe ich mir in dem Bereich die größten Freiheiten erlaubt.



Madame Clicquot ist im Weingeschäft tätig, nicht selten wird die Produktion und der Handel erklärt. Ist das eine Thematik, mit der Sie bereits vertraut waren, bevor Sie diesen Roman schrieben?


Ich kenne Winzer und habe einen kleinen Einblick in den Weinanbau wie er heute ist – doch das hat nicht sehr viel mit damals zu tun. Also habe ich viel gelesen, zum Beispiel einen zeitgenössischen Bericht eines Weinanbauexperten, der im 19. Jahrhundert durch die Champagne gereist ist. Ich musste ja das aufschreiben, was damals bekannt war – und nicht, das, was man heute weiß. Sogar eine nur auf Französisch publizierte Doktorarbeit ist unter meinen Quellen, die war wirklich nicht einfach zu verstehen. Aber es war mir wichtig, insbesondere die Schwierigkeiten der Champagnerherstellung und die Besonderheiten und Herausforderungen des Vertriebs historisch korrekt darzustellen. Das beruht alles auf Tatsachen, ich bereite sie nur so auf, dass sie leichter verdaulich sind. Manches habe ich aus dramaturgischen Gründen im zeitlichen Ablauf minimal angepasst. 



Ihr Roman zeichnet sich durch mehrere starke Frauenfiguren aus und Ihre Protagonistin behauptet sich als Leiterin einer Firma in einer Zeit, in der das Arbeits- und Handelswesen beinahe ausschließlich von Männern bestimmt wurde. Denken Sie, Barbe Clicquot sollte modernen Frauen als Vorbild dienen?


Selbstverständlich kann man sich bei ihr einiges abschauen. Ich halte sie wirklich für eine sehr inspirierende Persönlichkeit. Sie war Perfektionistin, hat nichts dem Zufall überlassen. Sie war visionär und vorausschauend. Sie hat verstanden, dass sie ein einzigartiges Produkt braucht, um erfolgreich zu sein. Sie war wirklich ungeheuer ehrgeizig und mutig und sie hat sich nicht um Vorurteile geschert. Da kann ich nur sagen: Wow!  



Rückhalt oder auch fehlende Unterstützung durch die Familie spielt in Ihrem Roman eine bedeutende Rolle. Haben Sie selbst entsprechende Erfahrungen gemacht?


Nein, glücklicherweise überhaupt nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Doch die Vorurteile gegenüber Frauen, die Unternehmerinnen sind oder sein wollen, gibt es bis heute – da darf man sich nichts vormachen. 


  • Coverbild Madame Clicquot und das Glück der Champagne

    Susanne Popp

    Madame Clicquot und das Glück der Champagne

    Das zarte Prickeln von Champagner...
    Die Frau hinter der berühmten Champagnermarke Veuve Clicquot
    Reims, 1805: Die junge Witwe Barbe-Nicole Clicquot übernimmt gegen den Widerstand ihrer Familie die Champagnerproduktion und den Weinhandel ihres verstorbenen Mannes – und stellt sich als talentierte Winzerin heraus. Doch es ist die Zeit der ...

    zum Buch
    Preis: € 12,99
    Seitenzahl: 416
    rororo
    ISBN: 978-3-499-00277-9
    17.11.2020
    Erhältlich als: Paperback

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