Anne Stern

Fräulein Gold: Der Himmel über der Stadt

Band 3 der Erfolgsserie um die Berliner Hebamme Hulda Gold – packend und bewegend
Berlin, 1924. Hulda Gold arbeitet in der neuen Frauenklinik in Berlin-Mitte und versorgt dort die Frauen und ihre Neugeborenen. Die Geburtshilfe ist modern, Berlin am medizinischen Puls der Zeit. Doch es kommt zu einem tragischen Todesfall: Eine junge Schwangere stirbt bei einer Operation, die ausgerechnet der ehrgeizige Chef-Gynäkologe Egon Breitenstein durchführt.
Zufällig stößt Hulda auf Ungereimtheiten, die einen üblen Verdacht keimen lassen. Die Mauer des Schweigens, die sich in der Klinik aufbaut, ist für die Hebamme aber kaum zu durchdringen. Ein Dickicht aus Ehrgeiz und falschen Ambitionen umgibt die Ärzte, die bereit sind, ihr männliches Imperium zu verteidigen – wenn nötig, bis zum Äußersten.


Autorenbild Foto von Anne Stern

Der  Autor

Anne Stern wurde in Berlin geboren, wo sie auch heute mit ihrer Familie lebt. Nach dem Studium der Geschichte und Germanistik promovierte sie in deutscher Literaturwissenschaft und arbeitete als Lehrerin und in der Lehrerbildung. Sie hat als Selfpublisherin bereits erfolgreich historische Saga-Stoffe veröffentlicht.


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Rezensionen

chrissysbooks

Beiträge 16
26.04.2021

Berlin, 1924. Hulda Gold beginnt mit ihrem Job als Hebamme in der Frauenklinik in Berlin-Mitte. Sie muss sich erst einmal daran gewöhnen, nicht mehr selbständig zu sein und sich unterzuordnen. Bei den Hausgeburten war sie eine Hebamme, die jeder kannte doch in der Klinik ist sie eine Angestellte, dessen Meinung die Ärzte nicht interessiert.
Als es dann noch zu einem tragischen Todesfall einer jungen gesunden Schwangeren kommt und Hulda noch auf verschiedene Ungereimtheiten in der Klinik stößt, versucht Hulda diese aufzuklären, denn was wollen die Ärzte vertuschen?
Ich habe mich schon auf die Fortsetzung von „Fräulein Gold“ gefreut und wurde nicht enttäuscht. Die Autorin schafft es mit ihrem wunderbaren Schreibstil den Leser zu fesseln.
Hulda ist wie gewohnt sehr selbstbewusst, trotz vieler Richtlinien kümmerte sie sich intensiver als erlaubt um die Neugeborenen, um ihnen Geborgenheit zu schenken. Damals war es leider nicht üblich, dass die Mütter sich um ihre Babys nach der Geburt rund um die Uhr auf dem Zimmer kümmern durften. Auch das Verhalten gegenüber der Schwangeren in der Klinik missfiel Hulda, deshalb konnte sie sich nicht immer mit ihrer Meinung zurückhalten. Ihr selbstbewusstes Auftreten und ihre Einstellung hat mir wieder richtig gut gefallen. „Ich werde es auch nicht auf ewig ertragen, selbst nur als Beiwerk danebenzustehen, während ihr Männer die Arbeit allein macht“. (S. 341)
Karl, Huldas Freund, sucht auch in diesem Teil wieder nach Antworten auf seine Vergangenheit. Leider schwindet meine Sympathie ihm gegenüber weiterhin. Dafür mochte ich Bert, den Kiosk-Besitzer sehr, wobei ich es sehr schade finde, dass seine Geschichte einen nur so geringen Teil in diesem Roman ausmacht.
Der Kriminalfall ist mit den vorherigen Teilen nicht vergleichbar, denn er steht nicht so im Focus und wird auch sehr unspektakulär aufgelöst. Trotz allem konnte mich auch dieser Roman gut unterhalten und ich freue mich schon sehr darauf, wie es in Hulda Golds Leben weiter geht.

L.B

Beiträge 12
15.06.2021

    Der dritte Band um Hulda ist diesmal weniger ein Krimi (auch wenn Hulda einer dubiosen Sache auf die Spur kommt), aber immer noch spannend zu lesen. Hulda arbeitet inzwischen in einer Geburtsklinik und fremdelt mit den neuen Strukturen in der Geburtshilfe. Als ihr eine erhöhte Sterblichkeit bei einer bestimmten Patientinnengruppe auffällt, beginnt sie nachzuforschen. Auch privat stehen einige Veränderungen an, mit denen Hulda sich nicht immer leicht tut.

    bestibooks

    Beiträge 7
    05.06.2021

      Ich habe bereits die letzten beiden Teile dieser Serie mit großem Interesse gelesen und habe mich wirklich auf den dritten Teil gefreut. Leider fiel der meiner Meinung nach im Vergleich etwas ab. Das lag zum Einen an der Kriminalgeschichte, die mich diesmal nicht so recht packen konnte und zum anderen auch daran, wie sich Hulda Golds Beziehungsleben entwickelt hat. Ohne zu viel zu verraten: Huldas Beziehung mit Karl ist ein einziges Auf und Ab, weswegen sie auch bei der Aufklärung der mysteriösten Todesfälle in der Geburtsklinik , in der Hulda nun arbeitet und der Aufklärung der Morde an homosexuellen Männern, nicht wirklich zusammenarbeiten. Vielleicht war auch gerade diese Aufteilung der Handlung in zwei Kriminalfälle zu viel für mich...
      Alles in allen war auch dieser Teil der Serie nicht schlecht, irgendwie hatte ich mir aber doch etwas anderes erwartet.

      Sandraliest

      Beiträge 43
      27.05.2021

        Ich habe den dritten Band der Fräulein Gold Reihe sehnsüchtig erwartet.
        Für mich war der erste Band und der zweite Band definitiv Lesehighlights.
        Ich kann diese Reihe wirklich nur jeden ans Herz legen.

        Mir hat der dritte Band richtig gut gefallen und er steht den beiden anderen in nichts nach.
        Dieses Buch hat mir schöne Lesestunden geschenkt.
        Im Fokus der Geschichte steht die Arbeit der Hebamme in einer Frauenklinik.
        Auch hier kam die Spannung und das Mitfiebern nicht zu kurz.
        Die Autorin hat einen sehr angenehmen Schreib- und Erzählstil.
        Ich persönlich bin praktisch nur so durch die Seiten geflogen.
        Die Autorin schafft es den Leser ins Berlin der goldenen Zwanziger zu versetzen und eine Atmosphäre zu erschaffen, die den Leser nicht mehr los lässt und dafür sagt, dass vor dem inneren Auge ein Film abläuft.
        Authentisch und gut recherchiert.
        Die Charaktere haben Persönlichkeit und hauchen der Geschichte Leben ein.
        Ich kann nur eine klare Empfehlung aussprechen und fiebere schon jetzt den vierten Band der Ende des Jahres erscheinen soll.
        Ich bin ein großer Fan der Reihe und hoffe mehr von Hulda zu lesen.

        Gina1627

        Beiträge 13
        18.05.2021

          Leseempfehlung! Eine fesselnde und atmosphärische Fortsetzung!
          Berlin 14. Juli 1924
          Mit dem Entschluss ihre Selbständigkeit zugunsten einer Anstellung am Frauenklinikum in Berlin-Mitte aufzugeben, beginnt für die Hebamme Hulda Gold ein neuer Lebensabschnitt. Ein gesichertes Einkommen und die Chance, in einem hochmodernen Krankenhaus Teil eines professionellen Teams zu werden, konnte sie nicht widerstehen. Doch aller Anfang ist schwer. Hulda muss sich gegenüber ihren Kolleginnen und den Ärzten behaupten, wird mit rätselhaften Todesfällen kurz nach Geburten konfrontiert und gerät durch ihre hartnäckigen Nachforschungen, ihr Wahrheitsempfinden und ihren Gerechtigkeitssinn in die Schusslinie eines Menschen, der ihr Leben und ihre Zukunft zerstören könnte.

          Voller Vorfreude habe ich schon dem 3. Teil der Fräulein Gold-Reihe entgegengefiebert und Anne Stern hat mich auch mit dieser Geschichte überzeugen können. Ein sehr atmosphärischer und fesselnder Roman, in dem der aufregende Klinikalltag, die Ungerechtigkeit bei den Geschlechterrollen, das Thema Homosexualität und die Entspannung der wirtschaftlichen Lage in den Goldenen Zwanzigern sehr gut dargestellt wurde. Auch der Berliner Flair kam nicht zu kurz. Huldas Suche nach der Ursache für die mysteriösen Todesfälle und die selbstsüchtigen Motive und kaltblütigen Handlungen des dafür Verantwortlichen wurden spannend erzählt, waren aber ab einem bestimmten Zeitpunkt für mich vorhersehbar. Überrascht wurde ich davon, dass sich Huldas Privatleben in eine ganz andere Richtung entwickelte, die mir sehr gut gefällt. Ihre daraus resultierende Lebensfreude spürt man und sie wirkt weicher, emotionaler und nicht so kopfgesteuert. Nach der Szene im Epilog wünsche ich ihr, dass ihre Liebe auch eine hoffnungsvolle Zukunft hat. Unsicher war ich mir, ob sie ihren Schritt nicht bereut, dass sie in einer großen Klinik angefangen hat und dort nur eine Nummer unter vielen ist. Doch Hulda weiß was sie will und kann und es war toll mitzuerleben, wie sie sich Respekt und Vertrauen schafft und von den Patientinnen für ihre fürsorgliche und herzliche Pflege geliebt wird. Sehr gut gefallen hat mir auch der größere Auftritt des Kioskbesitzers Bert in der Geschichte, der immer wieder Huldas Seelentröster und Ratgeber in den verschiedensten Angelegenheiten ist. Er hatte mein ganzes Mitgefühl, da seine Liebe und Leichtgläubigkeit ausgenutzt wurde und er daraus eine schmerzhafte Lehre ziehen musste. Für mich hätte sein Part ruhig noch etwas ausgedehnter sein können. Richtig Leid hat mir Kommissar Karl North getan, der aus seinem Hamsterrad nicht mehr herauskommt, die aktuelle Suche nach dem Mörder junger Männer lieber seinem Kollegen Fabricius überlässt und Hulda zu einer Entscheidung drängt. Im Moment hat er seine Sympathiepunkte bei mir verspielt, aber ich bin gespannt darauf, was er im nächsten Band mit dem Wissen über seine Herkunft anfängt, ob er sein Laster ablegen kann und wieder in die richtige Bahn gerät.

          So viele offene Enden lassen mich schon wieder der Fortsetzung „Fräulein Gold - Die Stunde der Frauen“ entgegenfiebern, die im November 2021 erscheinen wird. Die kurze Leseprobe am Ende des Romans hat mich auf jeden Fall total angefixt!

          tigerbea

          Beiträge 110
          15.05.2021

            Für Hulda Gold ändert sich im Jahr 1924 einiges. Sie arbeitet jetzt in der modernen Frauenklinik Berlin als Hebamme. Die Umstellung fällt ihr nicht leicht. Auch ihre Beziehung zu Karl hat sie erstmal auf Eis gelegt. Stattdessen fühlt sie sich zu einem jungen Arzt hingezogen. Als es in der Klinik zu mehreren Todesfällen bei den jungen Müttern kommt, schrillen bei Hulda die Alarmglocken. Zunächst kommt sie mit ihren Nachforschungen nicht weiter, aber dann deckt sie üble Machenschaften der Ärzte auf. Einige von ihnen tun alles, um auf der Karriereleiter hochzuklettern. Aber gehen sie dabei auch über Leichen?

            "Fräulein Gold - Der Himmel über der Stadt" von Anne Stern ist das dritte Buch über die Hebamme Hulda Gold. Dieser Band ist irgendwie anders als die beiden ersten Bände. Dies liegt wohl daran, daß sich jetzt ein großer Teil der Geschichte in einer Klinik abspielt. Dadurch fallen die Einblicke in die sozialen Zustände in den 1920er Jahren zum großen Teil weg. Dies empfinde ich als sehr schade. Aber natürlich habe ich Hulda gern auf ihrem neuen Weg begleitet. Schließlich sind mir die Charaktere dieser Serie schon so vertraut und ich habe sie so lieb gewonnen, daß ich sie glatt vermissen würde. Gerade diese Charaktere machen die Handlung so lebhaft. Durch sie entstehen so viele Nebenschauplätze, die sich wie rote Fäden durch die gesamten Bücher ziehen. So fragt man sich am Ende eines jeden Buches, wie es wohl mit ihnen im nächsten Band weitergeht. So auch dieses Mal.

            Anne Stern ist hier wieder eine richtig gute Folge der Geschichten um Hulda Gold gelungen, die jetzt schon neugierig auf mehr macht.

            erlesen

            Beiträge 10
            15.05.2021

              Hulda hat den unsicheren und anstrengenden Job einer selbständigen Hebamme für Hausgeburten schweren Herzens aufgegeben und ist nun angestellte Hebamme in einer Berliner Uniklinik. Dort lernt sie das geordnete Leben im Schichtsystem schätzen, aber auch die untergeordnete Rolle der Frau in der Medizin. Doch ihre mutige, intelligente Wesensart lässt sie bald auch dort an vorderster Front kämpfen und so manches Rededuell mit eigensinnigen, überheblichen Ärzten führen, wenn es darum geht. den Schwangeren und jungen Müttern in diesem Haus zu ihrem Recht zu verhelfen.
              Doch auch in Huldas Privatleben gibt es Veränderungen. Ihr Herz ist weiterhin erfüllt von Sehnsucht nach einem verlorenen Kind und einem liebevollen Familienleben. Alte Freunde wie der Kioskbetreiber Bert und ihre Pensionswirtin Frau Wunderlich stehen ihr dabei weiterhin hilfreich zur Seite.

              Auch der dritte Teil nimmt mich wieder von der ersten Seite an mit in das bunte, teilweise bedrohliche Berliner Leben der 20er. Hulda entwickelt sich weiter in ihrem Mut, den man als Frau dieser Zeit haben musste, aber auch in ihrem Eifer, für Schwächere einzutreten und Ungereimtheiten nicht auf sich beruhen zu lassen. In einer Zeit, in der neuer Judenhass aufflammt, versucht sie, ihre Lebensträume wahr werden zu lassen und spürt doch, wie sie in vielen Bereichen des Lebens auf Mauern stösst. Man hofft und bangt für sie, was die nächsten Jahre wohl für sie bringen werden. Um so mehr freut es mich, am Ende des Buches schon in den 4.Teil hineinlesen zu können. Es soll bitte noch ganz viele Episoden aus Huldas Leben geben! Die Autorin erzählt mit so viel Lebensweisheit, historischen Hintergrundinfos und medizinischem Fachwissen auf dem Stand der damaligen Zeit, dass ich gar nicht mehr aufhören möchte zu lesen. Auch dieses Mal hat das Cover einen großen Wiedererkennungswert - man sieht sofort, dass es um die Hebammen-Saga geht.

              die.buecherdiebin

              Beiträge 13
              07.05.2021

                Inhalt: Berlin 1924. Hulda Gold arbeitet inzwischen in einer neuen und modernen Frauenklinik in Berlin-Mitte. Die Umstellung vom eigenständigen Arbeiten als Hebamme zur untergeordneten Angestellten fällt der eigenwilligen und selbstbewussten Hulda nicht leicht, denn in der Klinik darf sie die Frauen nicht mehr selbst von ihren Babys entbinden, sondern muss die Geburten dem diensthabenden Arzt überlassen. Ihre Aufgaben bestehen hauptsächlich in der Vor- und Nachsorge. So muss sie auf die berührendsten Momente einer Hebamme verzichten. Als es zu tragischen Todesfällen in der Klinik kommt, weckt das Huldas kriminalistisches Interesse und sie stößt auf einige Ungereimtheiten.

                Meine Meinung: Anne Stern schafft durch ihren detaillierten und bildhaften Schreibstil auch im 3.Teil der Fräulein Gold Reihe, das Leben im Berlin der 1920er Jahre lebendig werden zu lassen. Sie schildert den Klinikalltag im Jahr 1924 und die historischen Hintergründe sehr glaubhaft und interessant.
                Hulda Gold mag ich inzwischen sehr gerne. Sie ist neugierig, forsch und unerschrocken und lässt sich auch von den ausschließlich männlichen Ärzten nicht so schnell einschüchtern. Einige überraschende Komplikationen bei Geburten machen sie aufgrund ihres medizinischen Wissens neugierig und sie lässt sich wieder einmal nicht davon abhalten, eigene Nachforschungen anzustellen.
                Erfreulicherweise gibt es auch ein Wiedersehen mit anderen bekannten Charakteren, wie Karl, Bert, Jette, Frau Wunderlich und anderen, die auch alle ihre Sorgen und Probleme haben. Aber auch neue Charaktere, von denen wir hoffentlich noch im 4.Teil lesen können, kommen hinzu. In der Beziehung zwischen Karl und Hulda gibt es nach wie vor ein ständiges Auf und Ab. Während Hulda sich weiterentwickelt, bemitleidet sich Karl immer noch wegen seiner traurigen Kindheit und trinkt zu viel Alkohol. Für beide wird es Zeit für Veränderungen und Entscheidungen. Auch Kioskbesitzer Bert hat diesmal eine eigene, wenn auch kurze, Geschichte.

                Fazit: Insgesamt fand ich das Buch etwas weniger spannend und fesselnd als die Vorgängerromane.
                Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen und ich freue mich schon auf den 4.Teil „Die Stunde der Frauen“, der im November 2021 erscheinen wird, denn es bleiben noch einige Fragen offen.

                Dreamworx

                Beiträge 46
                02.05.2021

                  Huldas Neustart im Klinikum
                  1924 Berlin. Die Hebamme Hulda Gold hat ihre neue Stelle in der Berliner Universitäts-Frauenklinik in Mitte angetreten, um sich ein geregeltes Auskommen zu sichern. Als freie Hebamme konnte sie selbständig arbeiten, nun muss sie sich den Gepflogenheiten des Klinikalltags unterordnen. Hulda kümmert sich liebevoll um die Gebärenden und die neuen Erdenbürger, auch wenn sie nicht mehr, wie gewohnt, mitten im Geschehen und während der Geburten dabei ist. Eines Tages überschattet ein tragischer Todesfall den Klinikalltag, denn dem Chef-Gynäkologen Egon Breitenstein stirbt eine junge Schwangere während eines Eingriffs unter den Händen weg. Hulda, der in letzter Zeit ungewöhnlich viele Todesfälle und auch das Konkurrieren der Ärzte bei ihren Behandlungsmethoden untereinander aufgefallen sind, fängt an, selbst nach den Ursachen zu forschen, warum die werdenden Mütter in der Klinik ihr Leben lassen…

                  Anne Stern hat mit „Fräulein Gold-Der Himmel über der Stadt“ den dritten Band um die Hebamme Hulda vorgelegt, der erneut mit einer spannenden, fesselnden Handlung sowie exzellent recherchiertem historischem Hintergrund den Leser von Anfang bis Ende in den Bann zieht. Mit flüssigem, bildhaftem und gefühlvollem Erzählstil nimmt die Autorin den Leser mit auf eine Zeitreise knapp 100 Jahre zurück ins alte Berlin, wo er als unsichtbarer Schatten der fleißigen Hebamme Hulda folgt, ihren neuen Klinikalltag kennenlernt, die damaligen medizinischen Vorgänge hautnah miterlebt und den wachsenden Nationalsozialismus mit Erschrecken beobachtet. Befremdlich wirkt die große Entourage, die am Bett einer Wöchnerin den Ärzten lauschen und die eigentliche Patientin kaum wahrnehmen. Hulda, die sich mit Leib und Seele nicht nur ihrer Arbeit, sondern auch den schwangeren Frauen widmet, kann sich mit den rein klinischen Aspekten so gar nicht anfreunden. Zudem widerstrebt es ihr, dass es immer noch die Männer sind, die diese Domäne für sich beanspruchen und im Kompetenzgerangel untereinander auch nicht gerade zimperlich miteinander umgehen. Umso bewundernswerter ist, dass Hulda sich durch all diese Dinge nicht einschüchtern lässt, weiterhin resolut ihre Meinung sagt und nach ihrer eigenen Maxime handelt. Ihre Beziehung zu Kommissar Karl North ist merklich abgekühlt, denn er ist nicht nur auf Mörderjagd, sondern verfällt auch immer mehr dem Alkohol. Wieder einmal gelingt es Anne Stern hervorragend, das Kopfkino beim Leser anspringen zu lassen, denn er darf neben dem Klinikalltag gemeinsam mit Hulda nachts durch Berlin streifen und so manche Kaschemme besuchen.

                  Die Autorin hat ihre Charaktere glaubhaft weiterentwickelt und lebendig in Szene gesetzt. Ausgestattet mit menschlichen Ecken und Kanten erobern sie schnell des Lesers Herz, der gar nicht anders kann als mit ihnen zu hoffen und zu fiebern. Hulda ist ein Ausbund an Fleiß, Stärke und Hilfsbereitschaft. Als unkonventionelle Frau, die ihr Herz auf der Zunge trägt und Diplomatie vermissen lässt, kann man sie nur bewundern. Gleichzeitig ist sie bei ungelösten Problemen wie ein Pitbull, lässt nicht locker, bis sie die Lösung gefunden hat, auch wenn es sie in Schwierigkeiten bringt. Karl findet im Alkohol kurzfristig Erlösung, hat seine eigenen Pläne abgeschrieben und kapselt sich immer mehr ab. Kioskbesitzer Bert ist Hulda ein guter Freund, der diesmal selbst durch einiges durch muss. Aber auch Dr. Redlich, Frau Klopfer, Dr. Breitenstein und einige andere Protagonisten lassen die Spannung in dieser Geschichte immer wieder steigen.

                  „Fräulein Gold-Der Himmel über der Stadt“ punktet neben einem bildhaftem historischem Hintergrund, einer herausragenden Hauptprotagonistin und einer fesselnden Handlung. Der Leser klebt bis zum Schluss an den Seiten. Ein Pageturner mit Kopfkino-Garantie! Absolute Leseempfehlung!!!

                  streifi

                  Beiträge 14
                  01.05.2021

                    Hulda Gold tritt eine neue Stelle als Hebamme an der neuen Frauenklinik in Berlin Mitte an. Die Aussicht auf halbwegs geregelte Arbeitszeiten und ein festes Gehalt haben sie überzeugt, die Arbeit als freie Hebamme aufzugeben. Allerdings muss sich Hulda doch schon sehr umgewöhnen. Die Hebammen in der Klinik entbinden nur selten selbst, sie sind dort mehr für die Vorbereitung und Nachsorge der Schwangeren zuständig. Nicht immer fällt es Hulda leicht den Ärzten nicht zu widersprechen.

                    Dazu kommt es in der Klinik immer wieder zu überraschenden Todesfällen, die immer den gleichen Ablauf haben. Hulda kommt gemeinsam mit ihrer Freundin, der Apothekerin Jette, dem Rätsel der Todesfälle näher als ihnen lieb ist.

                    Dieser dritte Band führt uns nun die Frauenklinik Berlin Mitte, die sich in den zwanziger Jahren neben der Charité einen Namen machte. Die Abläufe und Zuständigkeiten dort haben nichts mit dem zu tun, was Hulda aus ihrer Zeit als freie Hebamme kennt. Daher hadert sie doch ziemlich mit ihrem Entschluss dort zu arbeiten. Aber sie lernt auch neue Menschen kennen, die sie unterstützen und die Möglichkeit ihr Wissen weiterzugeben bietet sich auch.

                    Das Verhältnis zu Karl North ist in diesem Band sehr schwierig und wie und ob es mit den beiden weiter geht, bleibt offen. Bert, der Zeitungsverkäufer vom Winterfeldtplatz, hat in diesem Buch auch eine größere Rolle, der Leser lernt nun auch seine private Seite kennen.

                    Ich habe das Buch wieder sehr gerne gelesen, Hulda und die anderen Charaktere des Buches sind mir mittlerweile echt ans Herz gewachsen. Der Schreibstil ist flüssig und man ist sofort wieder im Geschehen. Die Entwicklung von Hulda und Karl, sowie den vielen anderen Nebencharakteren finde ich wirklich gut gelungen, die Autorin hat hier eine eigene kleine Gemeinschaft geschaffen.

                    Daher freue ich mich jetzt auf den vierten Band der Reihe, der im November erscheinen wird. Von mir wieder eine unbedingte Leseempfehlung!

                    hasirasi2

                    Beiträge 122
                    30.04.2021

                      Neuanfang

                      Hulda liebt die Arbeit als Hebamme in ihrem Viertel und ihre Unabhängigkeit. Doch die Hyperinflation und Währungsreform haben dazu geführt, dass ihre Einkünfte immer weniger werden. Ein Ehemann wäre die Lösung. Einer, der ihr weiter ihre Freiheiten und ihre Arbeit lässt. Aber Karl, der Kommissar mit dem sie seit fast zwei Jahren zusammen ist, scheint keine ernsthaften weiterführenden Zukunftspläne mit ihr zu haben. Also nimmt sie eine Stelle in Frauen-Universitätsklinik Berlin-Mitte an – endlich feste Arbeitszeiten und ein gutes Gehalt. Doch die Arbeit ist anders als erwartet. Sie ist nur noch Handlangerin, darf die Schwangeren nur vor- und nachbereiten. Die eigentlichen Geburten betreuen die Ärzte, immer mit einer großen Entourage an Hebammenschülerinnen, Praktikanten und Assistenzärzten im Schlepptau. Alles ist so unpersönlich, nur auf den medizinischen Aspekt ausgerichtet. Hulda hadert mit der Situation und überlegt, doch wieder in ihr Viertel zurückzugehen. Dazu kommt, dass die leitenden Ärzte untereinander uneins sind, es gibt Kompetenzgerangel und einen (Wett-)Streit um die Professur an der Friedrich-Wilhelm-Universität. Zudem fällt Hulda auf, dass es unnatürlich viele Todesfälle unter den Gebärenden gibt. Sie weiß zwar, dass die Todesrate bei Hausgeburten noch höher ist, aber die Art und Weise, wie bzw. woran die Frauen sterben gibt ihr zu denken. Natürlich kann sie ihre Neugierde nicht zügeln ...

                      „Fräulein Gold – Der Himmel über der Stadt“ ist bereits der dritte Teil der Reihe mit der forschen und furchtlosen Hebamme, die sich von kaum jemandem etwas sagen lässt und sich jetzt mit ihren Vorgesetzten anlegt. Doch den Frauen gegenüber sie ist sehr mitfühlend und kann nicht nein sagen, wenn sie um Hilfe bitten. Sei es, weil eine nicht schwanger werden kann oder will oder es nicht sein darf. Dass Hulda sich damit selber in Gefahr bringt, weil Verhütung nicht gern gesehen und Abtreibung verboten ist, ignoriert sie einfach. Sie vertritt die Meinung, dass die Frauen selber über ihren Körper bestimmen sollen. Für diese fortschrittliche Einstellung bewundere ich sie sehr, denn Frauen hatten damals als Ehefrauen und Mütter ihren Platz im Leben zu suchen und zu finden.
                      Dass Hulda diesem Frauenbild so gar nicht entspricht, fand Karl immer sehr anziehend, doch langsam will sie mehr – vielleicht sogar irgendwann ein eigenes Kind im Arm halten. Aber ist Karl wirklich der richtige dafür? Er flüchtet sich immer mehr in den Alkohol und hat aufgehört, nach seiner Herkunft zu suchen, scheint nichts mehr zu haben, was ihm Halt gibt. Außerdem ist da ein junger Assistenzarzt in der Klinik, der Hulda schon am ersten Tag auffällt. Es knistert zwischen ihnen. Ist er vielleicht der Richtige für eine gemeinsame Zukunft?

                      Obwohl einige Leser bestimmt wieder einen Krimi erwarten, ist der dritte Band eher ein Spannungsroman, wenn auch ein extrem fesselnder. Karl jagt einen Mörder, der es auf junge, homosexuelle Männer abgesehen hat und Hulda versucht die Todesfälle in der Klinik aufzuklären. Zudem feindet einer der Ärzte sie immer wieder wegen ihrer jüdischen Herkunft an und sie muss sich auch mit der Beziehung ihrer Eltern auseinandersetzen. Doch nicht nur Hulda, auch ihr Freund Bert, der Kioskbesitzer, bekommt die Vorläufer des Nationalsozialismus zu spüren.

                      Die Autorin Anne Stern hat Huldas Zerrissenheit zwischen Fortschritt und Individualität, Gehen oder Bleiben, Karl oder Assistenzarzt sehr gut herausgearbeitet. Ich bin fasziniert, wie liebevoll sie selbst die kleinsten Nebenfiguren gestaltet und habe neben Bert zwei neue heimliche Lieblinge, den Pförtner der Klinik, ein echtes Faktotum, und seine Tochter.
                      Sie schildet den Klinikalltag, den medizinischen Fortschritt und die Behandlungsmethoden sehr anschaulich, aber trotzdem steht immer Hulda im Vordergrund, ihr Ringen um das Wohl der Patientinnen und deren Kinder.
                      Aber auch die goldenen 20er lassen sich schon erahnen. Hulda tanzt nach dem Dienst schon mal in schummrigen Kneipen die Nächte durch, raucht und trinkt, feiert das Leben. Anne Stern versteht es meisterliche, die damalige Zeit lebendig werden zu lassen, die Nöte und Sorgen ihrer Protagonisten eindringlich zu schildern.

                      Auch der dritte Band mit Hulda Gold ist ein echtes Highlight und ich fiebere jetzt dem vierten entgegen, denn die kleine Romantikerin in mir hofft natürlich auf ein Happy End mit Karl.

                      Yvo Berk

                      Beiträge 2
                      26.04.2021

                        Hulda Gold fängt in der Klinik an und verliert erstmal ihre Selbständigkeit. Wird sie es schaffen weiterzukommen mit ihrer überzeugenden Art? Was ist mit ihrer jüdischen Herkunft, ich bin gespannt wie es weitergeht und werde es nicht versäumen auch den 3. Band dieser Rehe zu lesen.

                        Anaba

                        Beiträge 19
                        22.04.2021

                          In den ersten beiden Geschichten rund um Fräulein Gold hat mich Anne Stern mit ihrem einzigartigen und wortgewandten Schreibstil begeistert. Daher habe ich mich auf den dritten Teil dieser besonderen Reihe sehr gefreut. Anne Stern enttäuscht nicht und zog mich innerhalb der ersten Seiten erneut in den Bann. Die einzigartige Atmosphäre eines Berlin der 20er Jahre ist gekonnt gezeichnet mit Zeitgeist und Schattenseiten. Neben historischen Fakten bekommen in diesem Band die Themen Homosexualität und medizinischer Fortschritt besondere Aufmerksamkeit. Da Hulda nun in eine Klinik wechselt wird ihr Berufsbild mit neuen Facetten versehen. Es war spannend und nervenaufreibend ihrer Eingewöhnung in den neuen Arbeitsplatz zu erleben.
                          In der Erzählung folgt man hauptsächlich Hulda, doch bekommt man mehrere Szenen zu anderen Charakteren. Durch die zusätzlichen Perspektiven erhält man einen tieferen Einblick in die jeweiligen Charaktere. Diese sind durch und durch überzeugend. Vielschichtig gezeichnet, mit sympathischen und weniger sympathischen Zügen versehen, wirken diese äußerst realistisch.
                          Doch nicht nur Hulda hat eine Spur aufgenommen, auch Karl North hat eine interessante Ermittlung, leider bekommt diese keine weitere Aufmerksamkeit.
                          Das Liebesleben von Hulda ist kompliziert. Mit Karl gibt es vielleicht kaum zu überwindende Schwierigkeiten und Hulda bekommt auch von anderer Seite Aufmerksamkeit.
                          Insgesamt ein toller historischer Roman mit vielen spannenden und bewegenden Momenten. Besonders besticht das Buch durch Anne Sterns einzigartige Fähigkeit mit Worten umzugehen.
                          Die Erzählung ist abgeschlossen, doch lässt das Ende auf weitere Geschichten rund um Hulda Gold hoffen. Bisher ist hierzu leider nichts angekündigt.

                          Arietta

                          Beiträge 56
                          19.04.2021

                            Meine Meinung zur Autorin und Buch

                            Es ist mein dritter Band über Fräulein Gold, von der Autorin, Anne Stern, und sie hat mich wieder sehr begeistert beim Lesen, obwohl ich kein großerKrimi-Fan bin. Aber sie hat mit diesem interessanten Thema mein Interesse geweckt, dem Medizinischen Wissen und der Rolle der Hebamme um 1924, an der Klinik. Sie hat in diesem Roman die Missstände im damaligen Berlin sehr gut beschrieben. All das Elend und die Armut in den Elendsvierteln, die Missstände in der Klinik, die herraschie der Männerwelt dort.

                            Es ist alles so Bildhaft und lebendig beschrieben, das man das Gefühl hatte, selbst dort zu sein, und Hulda zu begleiten. Der Schreibstil ist sehr flüssig, spannend und mitreißend. Ihre Figuren, wirken wie aus Fleisch und Blut, auch die einzelnen Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet, so das man sich in sie hinein versetzen konnte.

                            Hulda bleibt Hulda, sie lässt sich nicht so schnell verbiegen, und setzt sich wie immer für die Wahrheit ein. Ihr detektivischer Spürsinn, erwacht auch an ihrem neuen Arbeitsplatz in der Uniklinik. Sie steckt wie immer ihre Nase in viele Dinge, die sie nichts anzugehen haben. Bringt sich wie immer gerne in Gefahr, das kennen wir ja zu gut. Gut das sie immer noch mit ihrem Freund den Kriminalhauptkommissar hat, der sie schon oft aus verfahrenen Situationen gerettet hat, wir kennen es ja schon aus den zwei anderen Romanen. Spannung Pur, das es nur so kribbelt beim Lesen.
                            Der erste Tag an der Klinik, die Begrüßung von Fräulein Klopfer , war nicht besonders nett fand ich, eher frostig und von oben herab. Dann auch noch der Hinweis, das sie zwar als Hebamme hier beschäftigt ist, aber die Ärzte nur die Kinder auf die Welt holen würden. Die Hebammen nur für die Vorbereitungen zuständig sind, ich war genauso geschockt wie Hula, und war erleichtert das sie nicht aufmuckte, sondern sich zu Fügen schien. Es war schon himmelschreiende Ungerechtigkeit, eine bessere Hebamme kann man einfach nicht finden, und dann dies. Es passieren wirklich schon seltsame Dinge an der Klinik, die Hulda misstrauisch machen, und in ihr die Kriminalistin wachrufen. Was hat es mit Doktor Breitenstein auf sich, ist ihm wirklich ein tödlicher Fehler unterlaufen? Wird Hulda alles an Tageslicht befördern, und wie geht es in der Beziehung mit ihrem Kriminalkommissar weiter. Werden die beiden endlich, sich ihre Gefühle zueinander eingestehen, es würde mal langsam Zeit, anstatt immer den Eiertanz der beiden, sie würden einfach zu gut zu einander passen. Lassen wir uns einfach überraschen, und mit Hulda in den Klink Alttag eintauchen, mit all seinen Höhen und Tiefen, den Abgründe und Ungereimtheiten.