Anne Stern

Fräulein Gold: Schatten und Licht

Der Auftakt zu einer farbenprächtigen Saga voller Spannung und atmosphärischer Berliner Geschichte der 1920er Jahre.
1922: Hulda Gold ist gewitzt und unerschrocken und im Viertel äußerst beliebt. Durch ihre Hausbesuche begegnet die Hebamme den unterschiedlichsten Menschen, wobei ihr das Schicksal der Frauen besonders am Herzen liegt. Der Große Krieg hat tiefe Wunden hinterlassen, und die junge Republik ist zwar von Aufbruchsstimmung, aber auch von bitterer Armut geprägt. Hulda neigt durch ihre engagierte Art dazu, sich selbst in Schwierigkeiten zu bringen. Zumal sie bei ihrer Arbeit nicht nur neuem Leben begegnet, sondern auch dem Tod. Im berüchtigten Bülowbogen, einem der vielen Elendsviertel der Stadt, kümmert sich Hulda um eine Schwangere. Die junge Frau ist erschüttert, weil man ihre Nachbarin tot im Landwehrkanal gefunden hat. Ein tragischer Unfall. Aber wieso interessiert sich der undurchsichtige Kriminalkommissar Karl North für den Fall? Hulda stellt Nachforschungen an und gerät dabei immer tiefer in die Abgründe einer Stadt, in der Schatten und Licht dicht beieinanderliegen.


Autorenbild Foto von Anne Stern

Der  Autor

Anne Stern wurde in Berlin geboren, wo sie auch heute mit ihrer Familie lebt. Nach dem Studium der Geschichte und Germanistik promovierte sie in deutscher Literaturwissenschaft und arbeitete als Lehrerin und in der Lehrerbildung. Sie hat als Selfpublisherin bereits erfolgreich historische Saga-Stoffe veröffentlicht.


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Rezensionen

hasi_rasi

Beiträge 113
eine Antwort 01.06.2020

Starker Auftakt

Berlin 1922: Hulda Gold ist schon 26, unverheiratet und Hebamme im Bülowbogen im Stadtteil Schöneberg. Eine ihrer Schwangeren sorgt sich, weil ihre Nachbarin Rita (eine Säuferin und Hure) tot im Landwehrkanal gefunden wurde für die Polizei schon feststeht, dass es Selbstmord war. Hulda wiegelt ab, aber als sie den zuständigen Kriminalkommissar Karl North kennenlernt und hat sie auch das Gefühl, dass der in dem Fall gar nicht ermitteln will. Als sie erfährt, dass Rita Streit mit ihrem Zuhälter und ihm mit seiner Vergangenheit gedroht hatte, begibt sie sich selber in die Berliner Unterwelt und damit in Gefahr …

„Fräulein Gold: Schatten und Licht“ ist der Auftakt der Trilogie um die Hebamme Hulda Gold und den Kriminalkommissar Karl North und hat mich von Beginn an gefesselt. Es ist eine Symbiose der Hebammensaga von Linda Winterberg und der Gereon-Rath-Reihe von Volker Kutscher. Man erfährt viel über die Arbeitsweise der Hebammen, bekommt man einen guten Einblick in die Polizeiarbeit, die politischen Entwicklungen und das Erstarken der Nationalsozialisten.
Autorin Anne Stern lässt das Berlin der 20er Jahre lebendig werden. Sie zeigt einerseits die Wunden, die der Krieg in die Stadt und ihre Bevölkerung gerissen hat, den täglichen Kampf ums Überleben, Frauen, die arbeiten gehen oder sich prostituieren müssen, hungernde Waisenkinder und andererseits das wilde Nachtleben mit Jazz, Alkohol, Koks und schnellen Sex mit Fremden – die vielen Varianten, wenigstens kurz den Krieg, Alltag, Hunger und die Sehnsüchte zu vergessen. Die Zeit ist schnelllebig und gefährlich. „Berlin war ein einziger Reigen aus Vergnügungen, Champagner und Zügellosigkeit, aus irrlichterndem Glitzern, Drogen, körperlicher Liebe, so viel man wollte. Doch am Ende bezahlte man immer dafür.“ (S. 317)

Anne Sterns Protagonisten haben Ecken und Kanten, eine Vergangenheit.
Rita hat in einem Irrenhaus vor den Toren Berlins gearbeitet. Lange war sie überzeugt, dass die Ärzte den Patienten mit den zum Teil sehr ungewöhnlichen Behandlungsmethoden helfen wollen, aber der Krieg und der Umgang mit den Versehrten und Kriegszitterern hat ihr die Augen geöffnet.
Hilda ist mutig, dabei manchmal etwas leichtsinnig, hilfsbereit, durchsetzungsfähig und lässt sich nichts verbieten. Sie liebt ihre Arbeit und ist trotzdem oft unzufrieden, weil gern mehr für ihre Patientinnen tun würde, aber nicht darf. „Ich kann schlecht wegsehen, bin mit meinen Gefühlen immer gleich dabei. Vielleicht hoffe ich, dass ich mich dadurch selbst erlösen kann.“ (S. 197) Sie hat eine gescheiterte Beziehung hinter sich, kann den Mann aber immer noch nicht loslassen. Außerdem quälen sie nächtliche Albträume – ihre Mutter war psychisch krank und sie hat Angst, wie sie zu werden.
Karl ist ein Einzelgänger und hat Angst, dass jemand von seiner Herkunft erfährt, darum lässt er erst niemanden an sich heran. Er wird die Dämonen seiner grausamen Kindheit im Waisenhaus nicht los. Die Frage, warum seine Mutter ihn weggeben hat, ihn nicht lieben konnte, beschäftigt ihn sehr, er fühlt sich in seinem Leben fremd. „Er würde sich, egal wie hoch er die Karriereleiter noch emporsteigen würde, doch immer wie der kleine Waisenjunge fühlen, während sein Assistent schon jetzt so selbstverständlich auftrat, als gehöre ihm die ganze Welt.“ (S. 171) In Ritas Wohnung entdeckt er etwas, was ihn erschrickt und vielleicht seiner Herkunft näherbringen könnte – aber will er es wirklich wissen?

Hulda und Karl geraten bei der Aufklärung des Falls immer wieder aneinander. Sie hält ihn für unfähig und bequem, er sie für vorlaut, zickig und streitsüchtig. Und obwohl sie ihre Nachforschungen getrennt anstellen, kommen sie letztendlich zum gleichen Ergebnis. Zudem finden sie sich, geben das aber natürlich nicht zu.

Anne Stern schreibt sehr spannend, farbenprächtig, mitreißend – einfach grandios. Ich bin begeistert und will unbedingt wissen, wie es mit Hulda und Karl weitergeht, welche Fälle sie in Zukunft aufklären werden.

  • KleineDott

    Beiträge: 10
    03.06.2020

    Vielen Dank für die großartige Rezension, sie hat mir das Buch sehr viel näher gebracht.

Arietta

Beiträge 45
eine Antwort 02.06.2020

Eine Frau zwischen Licht und Schatten

Schatten und Licht
Inhaltsangabe: Quelle Rowohlt Polaris

Der Auftakt zu einer farbenprächtigen Saga voller Spannung und atmosphärischer Berliner Geschichte der 1920er Jahre.
1922: Hulda Gold ist gewitzt und unerschrocken und im Viertel äußerst beliebt. Durch ihre Hausbesuche begegnet die Hebamme den unterschiedlichsten Menschen, wobei ihr das Schicksal der Frauen besonders am Herzen liegt. Der Große Krieg hat tiefe Wunden hinterlassen, und die junge Republik ist zwar von Aufbruchsstimmung, aber auch von bitterer Armut geprägt. Hulda neigt durch ihre engagierte Art dazu, sich selbst in Schwierigkeiten zu bringen. Zumal sie bei ihrer Arbeit nicht nur neuem Leben begegnet, sondern auch dem Tod. Im berüchtigten Bülowbogen, einem der vielen Elendsviertel der Stadt, kümmert sich Hulda um eine Schwangere. Die junge Frau ist erschüttert, weil man ihre Nachbarin tot im Landwehrkanal gefunden hat. Ein tragischer Unfall. Aber wieso interessiert sich der undurchsichtige Kriminalkommissar Karl North für den Fall? Hulda stellt Nachforschungen an und gerät dabei immer tiefer in die Abgründe einer Stadt, in der Schatten und Licht dicht beieinanderliegen.

Meine Meinung zur Autorin und Buch
Es ist mein erster Roman von der Autorin, Anne Stern, und sie hat mich sehr begeistert beim Lesen, obwohl ich kein großerKrimi-Fan bin. Aber sie hat mit diesem Thema mein Interesse geweckt , und ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Sie hat in diesem Roman die Missstände im damaligen Berlin sehr gut beschrieben. All das Elend und die Armut in Bülowbogenviertel, es war schon sehr erschütternd, wie die Menschen dort lebten und hinvegetierten.
Es ist alles so Bildhaft und lebendig beschrieben, das man das Gefühl hatte, selbst dort zu sein, und Hulda zu begleiten. Der Schreibstil ist sehr flüssig, spannend und mitreißend. Ihre Figuren, wirken wie aus Fleisch und Blut, auch die einzelnen Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet, so das man sich in sie hinein versetzen konnte.

Ja, Hulda ist wirklich eine Person für sich, mit zwei Gesichtern und vielfältiger Begabung. Man spürt wie sie mit Leib und Seele Hebamme ist. Sich für die Armen einsetzt, und alles für die Gerechtigkeit tut. Aber sie liebt auch das Berliner Nachtleben, und versteht es auch sich hin und wieder in Schwierigkeiten zubringen. Ihr liegt sehr viel an dem Schicksal der Frauen und Wöchnerinnen, besonders ihre Patientin Lilo , die durch einen tragischen Unfall, oder war es doch Mord ihre beste Freundin und Nachbarin Rita verloren hat.
Natürlich, wittert unsere Hulda, das etwas hinter dem Schicksal von der fixen Rita , etwas anderes Stecken muss, sie glaubt nicht an deren Freitot, sie vermutet, das sie jemanden im Weg war, und man sie umbrachte. Unsere Liebe Hulda, kommt mit ihren Nachforschungen, dem Kriminalkommissar Karl North, sehr oft in die Quere, und gerät dabei selbst oft in Gefahr. Karl North musste man auch einfach mögen, auch er hatte keine schöne Kindheit, ich fand Hulda und Karls Seelen sind zerrissen, sie sind zwei getriebenen. Bei ihren Nachforschungen, bekam man sehr tiefe Einblicke, in die Abgründe der Stadt und der wilden zwanziger. Wie es schon im Titel heißt, ein Leben im Licht und Schatten. Wir Tauschen auch ein in die Weimarer Republik, die Nachwehen des 1. Weltkriegs, die Probleme der Menschen, die Kluft zwischen Arm und Reich.
Es hat riesigen Spaß gemacht Hulda auf ihren Streifzügen durch Berlin zu begleiten und Karl North kennen gelernt zu haben.

  • KleineDott

    Beiträge: 10
    03.06.2020

    Eine schöne und hilfreiche Rezension.

Caillean

Beiträge 15
eine Antwort 08.06.2020

Hier ist alles Gold, was glänzt!

„Berlin war ein einziger Reigen aus Vergnügungen, Champagner und Zügellosigkeit, aus irrlichterndem Glitzern, Drogen, körperlicher Liebe, so viel man wollte. Doch am Ende bezahlte immer jemand dafür.“

Besser könnte man dieses Buch nicht beschreiben als mit den Zeilen, die ich mir von Seite 317 entliehen habe. Es zeigt, wie Berlin in jenem Sommer 1922 war – laut, mondän, verrucht, berauschend – und kriminell. Diese Stimmung fängt Anne Stern in ihrem historischen Kriminalroman bestens ein, mit einer Heldin, die unerschrocken ist, aber auch zweifelt. Denn an niemandem sind die Schrecken der Kriegs- und Nachkriegsjahre spurlos vorbeigegangen, auch wenn man das noch so sehr mit glänzenden Kleiderstoffen und auffälligem Makeup zu übertünchen versucht.

Ich habe mich mit Hulda Gold ins Berliner Nachtleben ge-stürzt, bin ihr durch schmale Straßen gefolgt und habe mit ihr herumgeschnüffelt, als sie der Tod einer Frau in ihrem Kiez nicht losließ. Und was soll ich sagen? Es hat riesigen Spaß gemacht! Ich war völlig gefangen in ihrer Zeit und ihrer Umgebung.

Hulda ist eine Frau, der man Achtung entgegenbringt. Sie ist berufstätig und alleinstehend, hat sich bisher bewusst gegen eine Heirat entschieden, um nicht in eine Abhängigkeit zu geraten. Die Liebschaft ist auseinandergegangen, obwohl beide sich noch zueinander hingezogen fühlen. Hulda gießt immer wieder Öl ins Feuer, als sie an ihrer Gewohnheit festhält, im Café ihres ehemaligen Freundes einzukehren.

Doch dann ertrinkt eine Frau des Nachts im Landwehrkanal. Für die meisten ist klar, dass sie ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt hat. Doch Hulda, die ihre Ohren überall hat, kommen seltsame Gerüchte zu Ohren und sie glaubt nicht an einen Selbstmord. Sie beginnt herumzuschnüffeln und ist dem auf den Fall angesetzten Kommissar Karl North irgendwie immer eine Nasenspitze voraus…

Hulda „ermittelt“ mit Gespür für die Feinheiten menschlicher Konflikte und mit einem beachtlichen Tatendrang. Nicht immer konnte ich wirklich nachvollziehen, weshalb sie sich in die eine oder andere gefährliche Situation begibt – aber die Geschichte ist einfach so mitreißend erzählt, dass das zur Nebensache wird.

Auch Kommissar Zufall ermittelt fleißig mit, denn merkwürdigerweise scheinen all ihre Patientinnen zufällig eine Verbindung zum Mordopfer gehabt zu haben. Der Plot wäre hier noch ein wenig verbesserungswürdig gewesen aus meiner Sicht. Aber - und das wiegt für mich schwerer – diese kleinen Mankos haben mich beim Lesen nicht gestört. Ich habe sie zur Kenntnis genommen und war sofort wieder mittendrin in Huldas Leben. Deshalb möchte ich dafür auch die Bewertung nicht schmälern, denn insgesamt hat mich das Buch einfach bestens unterhalten und ich fiebere schon dem nächsten Band „Scheunenkinder“ (der für Oktober 2020 angekündigt ist), entgegen.

Ich hoffe, dass ich mit Hulda noch viele Abenteuer erleben kann!

  • querleserin

    Beiträge: 15
    19.06.2020

    Tolle Rezension! Gibt es denn einen Cliffhanger?

Sonjas Bücherecke

Beiträge 80
03.06.2020

Fräulein Gold“ aus der Feder von Anne Stern ist der äußerst gelungene Auftakt einer Trilogie, in der die Hebamme Hulda Gold die Hauptrolle spielt. Ein historischer Kriminalroman, der uns in die 20er Jahre entführt.
Hier in Berlin in ihrem Viertel um den Winterfeldtplatz ist die 26jährige Unverheiratet Hulda sehr beliebt. Unerschrocken und gewitzt schlägt sie sich in dieser schwierigen Zeit durchs Leben. Hulda begegnet den unterschiedlichsten Menschen, wobei ihr das Schicksal der Frauen die in diesen Mietskasernen leben und von Armut umgeben sind, besonders am Herzen. Nach immer sind die Spuren des großen Krieges zu spüren. Und Hulda gerät durch ihre engagierte Art selbst ab und an in Schwierigkeiten. Denn sie begegnet zu weil auch dem Tod. Zurzeit kümmert sich Hulda auch um eine Schwangere, die im berüchtigten Bülowbogen, einem der vielen Elendsviertel der Stadt lebt. Die junge Frau ist erschüttert, denn ihre Nachbarin wurde tot im Landwehrkanal gefunden. War es wirklich ein tragischer Unfall? Ausgerechnet der undurchsichtige Kriminalkommissar Karl North kümmert sich um den Fall? In Huldas Augen stimmt hier etwas ganz und gar nicht. Und sie stellt auf eigene Faust Nachforschungen an und gerät immer tiefer in die Abgründe der Stadt, in der Schatten und Licht dicht beieinanderliegen….
Wow! Was für ein Roman – ich bin total begeistert. Der Schreibstil ist gigantisch. Noch jetzt läuft die ganze Geschichte wie ein Film vor meinem inneren Auge ab. Ich befinde mich in Berlin in den 20er Jahren, die Armut und das Elend das in vielen Viertel herrscht ist völlig zu spüren. Berlin befindet sich im Aufbruch und die Gegensätze sind greifbar. Auf der einen Seite Armut, Angst, Verbrechen und aber es beginnen ja auch die Goldenen 20er Jahre mit Glitzer und Glamour. Und in dieser Zeit kümmert sich Hulda mit Aufopferung um ihre angetrauten Personen. Hulda ist eine liebenswerte Person, die auch an einem schweren Schicksal zu knabbern hat, sich jedoch nicht unterkriegen lässt. Sie hat ein ganz besonderes Erscheinungsbild. Und dann wird sie auch noch in einen Kriminalfall verwickelt und geht auf eigene Faust auf Verbrecherjagd. Hier hatte ich dann des Öfteren ein Gänsehautfeeling, denn Hulda ist ja mutig, unerschrocken und kämpft um Gerechtigkeit. Dann lernt sie den Kriminalkommissar Karl North kennen. Doch dieser verhält sich oft seltsam und trotzdem besteht zwischen den beiden eine gewisse Anziehungskraft. Ob es ihnen gemeinsam gelingt, den Fall zu lösen?
Ein tolle Lektüre – für mich ein Lesehighlight – das uns deutsche Geschichte wieder näher bringt.
Mit dieser spannenden und packenden Lektüre habe ich Traumlesestunden verbracht. Gerne vergebe ich 5 Sterne und freue mich schon riesig auf die Fortsetzung. Das Cover ist auch ein echter Hingucker.

nati

Beiträge 20
07.07.2020

    Die Hebamme von Berlin
    In ihrem neuen Roman entführt Anne Stern die Leserschaft in die Goldenen Zwanziger Jahre nach Berlin und zeigt, dass es auch viel Armut gibt. Hulda Gold, die fliegende Hebamme, ist allseits im Viertel beliebt. Sie kümmert sich rührend um die werdenden Mütter und ihre Kinder, denn die Kindersterblichkeit ist sehr hoch. Hulda betreut nicht nur die Wohlhabenden, sondern sie versucht alles, um auch den Familien des armen Stadtteils rund um den Bülowbogen beizustehen. Bei den Besuchen einer Schwangeren erfährt Hulda von der Nachbarin Rita Schönbrunn, die tot aus dem Landwehrkanal gezogen wurde. Ein tragischer Unfall wird angenommen. Etwas an Ritas Lebensgeschichte hat Hulda gepackt und lässt sie nicht mehr los. Hulda stellt Nachforschungen an und trifft auf den undurchsichtigen Kriminalkommissar Karl North. Doch was versteckt sich hinter dem widersprüchlichen Verhalten des Kommissars?

    Anne Stern hat ein packendes Buch geschrieben. Es handelt sich um einen perfekten Mix aus einem historischen Roman, einem Kriminalroman, einer Geschichte um das Leben einer Hebamme und alles verbunden mit ein wenig Liebe. Die Autorin hat es mir leicht gemacht in die Welt von damals einzutauchen und vergangene Zeiten aufleben zu lassen, so dass ich mich als stille Beobachterin von Hulda fühlte, die mit Hingabe ihren Beruf ausübte und gleichzeitig ihren schwierigen Alltag bewältigte. Von den „Goldenen Zwanziger Jahren“ ist wenig zu spüren. Man merkt, dass der Große Krieg tiefe Wunden hinterlassen hat. Eine gewisse Aufbruchstimmung ist vorhanden, aber die Zeit ist durch bittere Armut sowie steigende Preise geprägt. Die Grundstimmung ist eher bedrückend. Es gefiel mir aber, dass die Vergangenheit nicht verklärt wurde.

    Am Ende wurde der Kriminalfall schlüssig aufgeklärt: Nun warte ich voller Vorfreude auf die Fortsetzung, um zu erfahren wie das Leben von Hulda Gold weitergeht.

    SBS

    Beiträge 54
    07.07.2020

      Hulda Gold ist eine taffe Hebamme, alleinstehend und lebt mitten in den 20ern in Berlin. Der erste Weltkrieg ist vorbei, die Nachwehen dauern aber noch an. Armut ist allgegenwärtig und auch Huldas Mütter leben mehrheitlich in finanziell schwierigen Verhältnissen. Als wäre die Armut nicht genug, ist Berlin ein gefährliches Pflaster...

      Erwartet habe ich die Geschichte einer Hebamme, die Einblicke in die damaligen Bedingungen gewährt. Der Leser findet das auch vor, aber noch vieles mehr, denn ein Mordfall direkt zu Beginn des Buches beschäftigt die junge Frau sehr nachhaltig. Zunächst lernt man die Hebamme und ihr Umfeld besser kennen. Hulda liebt ihren Job als Hebamme, obwohl ihre Arbeit sie mitten in Armutsviertel führt und nicht selten mit schwierigen Schicksalen konfrontiert wird. Besonders bewegt sie das Schicksal der Nachbarin einer ihrer Wöchnerin. Rita, eine Frau die als Krankenschwester über viele Jahre gute Arbeit leistete, ist nach dem Tod ihrer Familie ins Nichts abgerutscht. Zuletzt hat Rita als Prostituierte gearbeitet und wurde kürzlich tot aufgefunden. Selbstmord oder doch ein Mord? Die Ermittlungen scheinen Hulda, die sich auch mal gerne ins Berliner Nachtleben stürzt, bestenfalls halbherzig geführt und so beginnt sie ihre eigenen Ermittlungen und gerät nicht nur einmal in eine brenzlige Situation…aber die junge Frau mit Ecken und Kanten bleibt hartnäckig.

      Der Schreibstil ist angenehm, flüssig zu lesen und auch die authentischen Protagonisten, so verschieden sie sind, haben mit ihrem Facettenreichtum überzeugt. Der Zeitgeist wird anschaulich präsentiert und ganz nebenbei zeigt die Autorin die Unsicherheiten und Ängste jener Zeiten auf. Das Aufbäumen der Rechten wird immer wieder kurz thematisiert. Hulda scheint die Brisanz ob ihres politischen Desinteresses gar nicht so richtig wahrzunehmen. Viel lieber beschäftigt sie sich auf Mikroebene um die Menschen, statt sich um das ganz große Ganze den Kopf zu zerbrechen. Das mag naiv wirken, aber aus ihrer Sicht es ist nachvollziehbar.
      Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und dann gibt es da noch das Tagebuch von Rita, welches sie trotz ihres Todes greifbar werden lässt.

      Die Auflösung des Falles war weitgehend spannend und gelungen. So hatte ich es nicht unbedingt erwartet, war aber in sich stimmig.
      Zwischendurch gab es trotzdem immer wieder mal manche Länge, vor allem das Liebeswirrwarr hat mich nicht so begeistern können, aber die Sequenzen waren noch recht überschaubar, sodass sich die Geschichte hauptsächlich um den Kriminalfall und die Tätigkeit als Hebamme, inklusive Sozialkritik, dreht.

      Ein unterhaltsamer und kurzweiliger Genremix, der mich überzeugt hat, daher freue ich mich schon sehr auf den nächsten Teil.

      Petzi_Maus

      Beiträge 22
      06.07.2020

        Gelungener Auftakt der historischen Trilogie um die Hebamme Hulda Gold

        Kurz zum Inhalt:
        Berlin, 1922. Die beliebte Hebamme Hulda Gold, 26, kümmert sich um die werdenden Mütter der ärmlicheren Bevölkerung in Schönefeld.
        Als die Nachbarin einer ihrer Wöchnerinnen tot im Landwehrkanal gefunden wird, verspricht Hulda ihr, sich umzuhören, was mit Rita Schönbrunn passiert sei.
        Bei ihrem Ermittlungen lernt sie Kommissar Karl North kennen, der den Anschein macht, gar nicht richtig ermitteln zu wollen.
        Hulda stellt eigene Nachforschungen an und kommt dem Täter dabei gefährlich nahe...


        Meine Meinung:
        "Schatten und Licht" ist der Auftakt der Trilogie um die gewitzte und willensstarke Hebamme Hulda Gold.
        Die Schreibweise fand ich zwar eher etwas einfacher gehalten, aber irgendwie auch passend zur damaligen Zeit; es war permanent fesselnd und man fliegt nur so durch die Seiten.
        Die Autorin hat es für meinen Geschmack perfekt geschafft, genug historische Details einfließen zu lassen, sodass man auch noch etwas über die damalige Zeit lernen konnte; der Krimi war cosy aber spannend zu verfolgen; und die Liebe kommt natürlich auch nicht zu kurz :) - ein rundum perfekt gelungener Roman!
        Hulda ist eine empathische junge Frau, die sich nicht nur um die werdenden Mütter und ihre Babys kümmert, sondern für alle Menschen das Beste will. Genau das bringt sie bei ihren Ermittlungen jedoch in Gefahr.
        Ich fand es toll, wie die Autorin Infos über die damalige Zeit in die Geschichte einfließen ließ; nicht nur die Politik-denn die dunkeln Wolken der NSDAP sind gut zu spüren- ebenso die Lebensgewohnheiten der Menschen. Vor allem der ärmlicheren Bevölkerung, für die Hulda hauptsächlich zuständig war. Die Atmosphäre der Nachkriegszeit und das schwere Leben der Einwohner Berlins bzw. der extreme Unterschied zwischen Arm und Reich kommt sehr gut zur Geltung. Viele kämpfen um ihr Überleben, müssen Hungern oder sich prostituieren. So wie Rita es musste.
        Und man erfährt viel über die Arbeitsweise von Hebammen sowie das schwere Los, das Frauen damals oft tragen mussten. Licht und Schatten lagen oft nah beieinander.
        Die Tagebuchauszüge von Rita Schönbrunn über ihre frühere Arbeit im Irrenhaus bzw. im Lazarett fand ich sehr interessant.
        Und die Auflösung des Kriminalfalls, an der Hulda und Karl zuerst getrennt, später gemeinsam arbeiten, war ebenso authentisch wie überraschend.


        Fazit:
        Ein toller Auftakt der Fräulein Gold Trilogie. Perfekte Kombination aus historischem Roman mit Lerneffekt, Krimi und Liebesroman. Ich freue mich schon sehr auf die beiden Folgebände!

        kelo24

        Beiträge 13
        05.07.2020

          Fräulein Gold trägt ihren Namen ganz zu Recht, denn eins hat sie sicherlich: ein Herz aus Gold. Hulda Gold ist eine für ihre Zeit fortschrittliche junge Frau, die sich nicht von einem Mann finanziell abhängig machen möchte. Lieber schlägt sie sich oft mehr schlecht als recht als Hebamme durch, denn in ihrem Viertel ist die Armut allgegenwärtig. Aber sie liebt ihren Beruf und hilft, wo sie nur kann.
          Bereits vom Beginn der Geschichte an wird man in die goldenen 20er Jahre Berlins hineingezogen, die aber auch durchaus ihre Schattenseiten hatten. Hulda Gold ist eine sehr sympathische Protagonistin mit dem Herz am rechten Fleck, die ihre Augen vor Problemen nicht verschließt und immer ein offenes Ohr für Andere hat. Andererseits hat sie ihre Neugierde nur schwer im Griff und kann oftmals auch ihr recht loses Mundwerk schlecht bändigen. Dadurch bringt sie sich immer wieder in mitunter brisante Situationen, wie auch hier, als sie Zweifel an einem Unfalltod hat und auf eigene Faust Ermittlungen anstellt. Aber gerade diese Mischung hat für mich den Reiz von Hulda Gold ausgemacht und es hat mir viel Freude bereitet, sie nicht nur auf Spurensuche in ihrem Berlin zu begleiten.

          Für mich ein gelungener Auftakt einer Reihe, die ich weiter verfolgen werde.

          Xanaka

          Beiträge 6
          01.07.2020

            Hulda Gold zwischen Licht und Schatten

            Die Zeiten in Deutschland im Mai 1922 sind hart. Die Wirtschaft hat sich noch nicht von den Auswirkungen des letzten Krieges erholt. Auch die Menschen kämpfen mit den Folgen und den Auswirkungen. In Berlin, einer Stadt die immer größer wird, sind diese Spuren immer deutliche zu spüren. Die Armut der Bevölkerung, die Arbeitslosigkeit und der Hunger nehmen immer mehr zu. Auch die medizinische Versorgung ist schwach. Aber es gibt im Bülowbogen, einem der vielen Elendsviertel, Hulda Gold eine junge Hebamme. Sie ist engagiert, gewitzt und in ihrem Viertel nicht nur gut bekannt, sondern auch sehr beliebt. Sie kümmert sich rührend und mit viel Liebe um die Schwangeren und lässt auch die späteren Mütter in der Anfangsphase nicht im Stich.

            Ihre ganz besondere Sorge gilt im Moment Lilo. Ihre Geburt steht unmittelbar bevor. Ihre Sorge um ihr Baby ist groß. Unterstützung in dieser schweren Zeit hatte sie auch durch ihre Nachbarin, aber diese hat man gerade tot aus dem Landwehrkanal gefischt. Alle gehen von einem tragischen Unfall aus. Lilo kann sich das nicht vorstellen und bezieht Hulda in ihre Überlegungen mit ein. Hulda, die sich in ihrem Viertel sehr gut auskennt, versucht Hinweise und Spuren zu finden, die gegen einen Selbstmord oder Unfall sprechen. Dabei trifft sie auch auf Karl North, dem undurchsichtigen Kriminalkommissar, der den Fall untersucht.

            Die Autorin gelingt hier ein gutes Bild der damaligen Zeit. Ihre anschaulichen Beschreibungen der Zustände in den Straßen, Wohnungen und bei den Familien lassen nur ungefähr ahnen, wie schlimm und entbehrungsreich diese Zeit damals gewesen ist. Ihre Protagonistin Hulda Gold ist in dieser Zeit schon etwas Besonderes. Sie trägt ihr Herz auf dem rechten Fleck und kann gut mit den Leuten umgehen. Obwohl sie selbst sehr bescheiden wohnt, hat sie zumindest ein regelmäßiges Einkommen. Trotzdem ist sie immer bereit die Hilfsbedürftigen zu unterstützen.

            Was mir aber an diesem Buch besonders gefallen hat, ist die Darstellung des Milieus zur damaligen Zeit verpackt in eine spannende Geschichte um eine Berliner Hebamme. Auch die Einbeziehung eines Mordfalls gibt der Geschichte zusätzliche Spannung. Das einzige, was mich ein wenig gestört hat, ist die echt häufige Wiederholung der besonderen Augen von Hulda. In dem Fall wäre weniger einfach mehr gewesen.

            Gespannt bin ich auf den nächsten Teil, denn es soll ja insgesamt drei Bücher über "Fräulein Gold" geben. Von mir gibt es natürlich eine Leseempfehlung und verdiente vier Lesesterne.

            mutzel

            1 Beitrag
            01.07.2020

              Spannendes Buch
              „Fräulein Gold“ aus der Feder von Anne Stern ist der äußerst gelungene Auftakt einer Trilogie, in der die Hebamme Hulda Gold die Hauptrolle spielt. Ein historischer Kriminalroman, der uns in die 20er Jahre entführt.
              Mann kann gar nicht wieder aufhören zu lesen wenn man erst mal angefangen hat. Es bleibt spannend bis zur letzten Seite.

              Island82

              Beiträge 11
              30.06.2020

                Hulda Gold ist Mitte 20 und Hebamme im Berlin der 20er Jahre. Sie liebt ihren Beruf und ist sehr engagiert, macht wesentlich mehr als ihr die Kassen und die oft sehr armen Schwangeren bezahlen können. Ihr eigenes Privatleben bleibt dabei etwas auf der Strecke, sie würde sich aber auch nicht von einem Mann vorschreiben lassen wollen, dass sie sich nur noch um ihn und die eigene Familie kümmert, anstatt weiter ihrem Beruf nachzugehen. Ihre neugierige Hauswirtin, ihre Jugendliebe der Kaffeehausbetreiber und der Besitzer des Zeitungsstandes vor ihrem Haus haben aber immer ein wachsames Auge auf Hulda, da sie sie trotz ihres manchmal lockeren Mundwerkes ins Herz geschlossen haben.

                Bei der Betreuung einer werdenden Mutter im Elendsviertel um den Bülowbogen bekommt Hulda dann mit, dass deren Nachbarin ertrunken ist, sie aber nicht an einen Unfall oder Selbstmord glaubt. Dieser Fall lässt Hulda auch deshalb nicht los, weil sie den ermittelnden Kommissar Karl North nicht ganz uninteressant findet, auch wenn sie mit dessen mangelndem Ermittlungseifer nicht zufrieden ist. Hulda stellt auf eigene Faust Nachforschungen an und bringt sich dabei auch immer wieder in Gefahr.

                Mir hat der Roman gut gefallen. Er entführt einen in das Berlin der 20er Jahre und zeigt dabei auch viele schäbige Seiten der Stadt und der Zeit, abseits der goldenen 20er. Waisenkinder, die sich auf den Straßen durchschlagen, Prostitution, vom Krieg traumatisierte Männer, beengte Wohnverhältnisse, der Aufstieg der Nationalsozialisten und Frauen, die sich den Männern unterzuordnen haben. Hulda Gold ist dabei für viele Schwangere und frischgebackene Mütter ein willkommener Lichtblick, da sie spüren, dass sie alles tut, um ihnen zu helfen und Ahnung von ihrem Metier hat. Zudem scheut sie sich auch nicht, den Männern Anweisungen zu geben, wie sie ihre Frauen entlasten können. Hulda ist mir daher sehr sympathisch und ich würde gerne noch weitere Bücher mit ihr als Protagonistin lesen.

                Booklover77

                Beiträge 2
                29.06.2020

                  Für mich war es das erste Buch von Anne Stern. Die Story spielt in Berlin der goldenen Zwanziger. Der Schreibstil ist flüssig und liest sich sehr gut. Die damalige Zeit wird sehr bildhaft und überzeugend wiedergegeben. Die Charaktere sind facettenreich und authentisch gestaltet. Hulda ist eine starke Person, die sich nicht so leicht unterkriegen lässt und war mir gleich von Anfang an sehr sympathisch. Die Geschichte lässt einen in vergangene Zeiten eintauchen und die Spannung kommt hier auch nicht zu kurz, denn Hulda wird in einen Kriminalfall hineingezogen. Gemeinsam mit Karl North ermitteln sie in diesem Fall. Das Ende hat mir gefallen und ich freue mich schon auf eine neue Geschichte mit einer starken Hulda.

                  Dieses Buch hat mir schöne Lesestunden bereitet und kann ich jedem empfehlen, der dieses Genre gerne liest.

                  ChristinaS

                  Beiträge 4
                  28.06.2020

                    Kurzer Einblick in die Story : Die Hebamme Hulda lebt im Berlin
                    der 1920 er Jahre , mitten in Berlin . Sie kümmert sich nicht nur um ihre Schwangeren , sondern auch um die Aufklärung eines Mordes und bringt sich damit selbst in Gefahr.
                    Das Cover wirkt für mich sehr edel, passend in Schwarz-weiß und Gold. Passend für mich , für die Zeit um welche es in diesen Buch geht.
                    Die tolle Schreibweise und die gelungene Geschichte lassen mich nur so durch die Seiten fliegen, man möchte lesen wie es weitergeht.
                    Tolle Charaktäre wie Bert der Zeitungsverkäufer und ihre Pensionswirtin bereichern die Geschichte.
                    Erschüttert hat mich als darüber geschrieben wurde, was in Dahlen in der Psychiatrie stattfand. Kaum vorstellbar das sowas passiert ist , doch weiß man das es so war. Kein Wunder das Rita , die ermordete daran zerbrochen ist.
                    Bin schon gespannt wie es weitergeht den der Mörder muss noch Dingfest gemacht werden.

                    Hyperventilea

                    Beiträge 11
                    27.06.2020

                      Fesselnder Historienkrimi mit Atmosphäre: Absolut gelungenes Debüt

                      „Denn was war schlimmer, dachte er und kaute auf seinem Daumennagel herum, blind zu bleiben oder dem Bösen in die hässliche Visage zu sehen?“
                      Berlin 1922: Im Landwehrkanal wird die Leiche einer älteren Prostituierten, Rita Schönbrunn, gefunden. Unfall oder Mord? Kriminalkommissar Karl North wird mit den Ermittlungen beauftragt. Aber er scheint nicht ernsthaft darum bemüht, die Wahrheit herauszufinden. Das findet zumindest die Hebamme Huldas Gold, die zufällig anwesend ist, als North Ritas Nachbarin Lilo befragt, die gerade frisch entbunden hat. Huldas Neugier ist geweckt und sie versucht nun ihrerseits Licht ins Dunkel des Falls zu bringen. Dabei lehnt sie sich mitunter ganz schön weit aus dem Fester und bringt sich in große Gefahr.

                      „Fräulein Gold- Schatten und Licht“ ist klar und sehr flüssig formuliert. Dank Anne Sterns angenehm natürlichen Schreibstil dauerte es nicht lange, bis ich mich im Berlin der 20er Jahre wiederfand und komplett vom Geschehen eingenommen war.

                      „Hulda Gold war kein Mädchen wie die anderen“. Nein, Hulda ist eine besondere Protagonistin, unabhängig, scharfsinnig und neugierig, sie arbeitet selbständig, was in der damalige Zeit nicht Usus ist und setzt sich engagiert für „ihre Frauen“ ein. Doch da ist auch eine andere Hulda. Eine verletzliche, die es alles andere als leicht hat, die nicht weiß, was sie von der Zukunft erwartet und die mit mit den Geistern der Vergangenheit kämpft. Manchmal versucht sie deshalb ihre Sorgen zu vergessen, indem sie abends ausgeht, sich Drogenexzessen hingibt und die Kontrolle verliert. Doch Huldas Probleme lassen sich auf diese Weise nicht dauerhaft lösen. Als sie beginnt sich für Ritas Todesfall zu interessieren, ändert sich einiges und durch ihre neue Aufgabe lernt sie viel über sich selbst.
                      Karl North, der Ermittler der Polizei, wirkt nicht sehr vertrauenswürdig, eher zerrissen, fast etwas dubios. Er scheint eine persönliche Verbindung zum Fall zu haben, die ihn daran hindert, alles Notwendige für die Aufklärung zu tun.
                      Mir gefallen die beiden Hauptfiguren, beide sind durch ihre Erfahrungen verwundbar geworden, was sie nach außen zu verbergen und zu kompensieren versuchen, aber nicht leugnen können. Wie beide miteinander umgehen und interagieren, sorgt für eine besondere Dynamik. Sie begegnen sich mit Misstrauen, können aber ihre Sympathie zueinander ebensowenig verstecken.
                      Neben Karl und Hulda beherrscht noch eine weitere zentrale Hauptrolle den Roman: Berlin, die „janusköpfige Großstadt“, „ein einziger Reigen aus Vergnügungen, Champagner und Zügellosigkeit, aus irrlichterndem Glitzern, Drogen, körperlicher Liebe, so viel man wollte. Doch am Ende bezahlte immer jemand dafür“. Berlin, das mit seinen ganz unterschiedlichen Vierteln und Bewohnern so ambivalent ist, so viele Gesichter hat: bitterer Armut und verschwenderischer Reichtum, Schatten und Licht. Anne Stern fängt die Atmosphäre dieser besonderen Stadt sehr eindrucksvoll und anschaulich ein.

                      „Fräulein Gold“ hat für mich alles, was ein guter historischer Krimi braucht: Einen logisch strukturierten Fall, sich stetig steigernde Spannung, eine interessante Kulisse, einen mehr als aufregenden historischen Hintergrund und Hauptfiguren, die traurige Geheimnisse haben, nicht unfehlbar, sondern menschlich sind und dadurch Sympathien wecken.

                      Zur Zeit schießen historische Roman über Frauen in der Medizin fast wie Pilze aus dem Boden. Alle ähneln sich in der Handlung und der Figurenkonstellation sehr stark. „Fräulein Gold“ sticht für mich angenehm positiv heraus. Die Hauptfiguren weniger stereotyp, glatt und perfekt, dafür mit tiefen „Narben“ versehen. Auch „Fräulein Gold“ ist nicht frei von Klischees, aber längst nicht so bestimmt davon, wie andere aktuelle Vertreter des Genres. Anne Stern spart mit „Zuckerguss“ und macht ihre Geschichte dadurch glaubwürdig und authentisch. Für mich ein absolut gelungenes Debüt. Ich bin sehr gespannt, mit welchen Licht- und Schattenseiten Huldas, Karls und Berlins uns die Autorin in den folgenden Bänden überrascht. Bei der Fortsetzung bin ich jedenfalls gerne wieder mit dabei.

                      L.B

                      Beiträge 4
                      26.06.2020

                        Ein toller,atmosphärischer Krimi! Auch wenn die Parallelen zu Babylon Berlin offensichtlich sind, ist dieser Krimi ein großer Lesegenuss und keine Kopie oder gar Abklatsch. Huda Gold ist eine engagierte Hebamme, die ihr Möglichstes tut, um in den Armenvierteln Berlins zu helfen. Durch Zufall wird sie in die Ermittlungen eines Mordes mit einbezogen, gerät in gefährliche Situationen und kreuzt dabei den Weg des eigentlichen Ermittlers der Berliner Polizei. Das Ganze liest sich sehr flüssig und spannend, die Lösung ist auch nicht sofort offensichtlich.

                        Sandraliest

                        Beiträge 40
                        24.06.2020

                          Ein mehr als gelungenes Debüt und ein richtig starker Reihenauftakt.
                          Dies ist mein erstes Buch der Autorin und garantiert auch nicht mein letztes.
                          Ich freue mich jetzt schon riesig auf die nächsten beiden Bücher.
                          Das Cover ist wunderschön und passend und harmonisch zur Geschichte gestaltet.
                          Auch fühlt sich das Buch haptisch sehr gut an und liegt sehr gut in der Hand.
                          Man sieht innen, wie auch außen wie viel Arbeit in das Buch geflossen ist.
                          Der Schreibstil ist sehr angenehm, flüssig, locker und leicht.
                          Der Autorin ist es mehr als gelungen den Zeitgeist der goldenen Zwanziger auf Papier zu bannen. Man hat sich wirklich in die Zeit zurückversetzt gefühlt.
                          Die Sprache war sehr bildlich und nicht komplex.
                          Das Buch hat mich von Seite eins bis zum Schluss gefesselt und gar nicht mehr losgelassen.
                          Die Geschichte ist sehr spannend und schlüssig.
                          In meinen Augen hat die Geschichte alles was es braucht.
                          Es hatte laute und leise Momente, hatte Krimi und Liebeselemente.
                          Auch wurde das damalige Leben sehr gut beleuchtet und bearbeitet.
                          (Armut, Prostitution, geistliche Gesundheit, etc...
                          Die Charaktere waren sehr gut ausgearbeitet und haben der Geschichte Lebendigkeit verliehen. Ich persönlich möchte keinen missen und freue mich schon vielleicht bereits bekannte Gesichter in den folge Bänden wiederzusehen.
                          Das Buch/ die Geschichte ist einfach nur phänomenal.
                          Das Buch hat mich wunschlos glücklich zurückgelassen.
                          Ich hoffe wirklich, dass viel mehr Menschen dieses Buch lesen werden und eine tolle Lesezeit haben werden.
                          Das Buch wird mit Sicherheit mir länger im Gedächtnis bleiben.

                          An dieser Stelle möchte ich mich bei der Buchboutique/ den Verlag/ der Autorin für die freundliche Bereitstellung eines Leseexemplares bedanken.
                          Dies hat jedoch keinen Einfluss auf meine Bewertung / Meinung zum Buch,

                          Ich freue mich riesig dieses Schmuckstück im Regal stehen zu haben.

                          Hermione

                          Beiträge 29
                          23.06.2020

                            Als wäre man selbst im Berlin der 1920er Jahre unterwegs…:

                            Berlin, 1922. Hulda ist Hebamme in einem weniger privilegierten Kiez. Dennoch versucht sie sich so gut wie möglich um ihre Schwangeren und Wöchnerinnen zu kümmern.
                            Eine der jungen Frauen ist ganz betrübt, weil ihre Nachbarin bei einem Sturz in den Landwehrkanal gestorben ist. Sie kann sich nicht vorstellen, dass es Selbstmord war.
                            So ermittelt die junge Hebamme auf eigene Faust und kreuzt immer wieder die Wege des jungen Kommissars Karl North, der scheinbar gar kein so großes Interesse daran hat, den Fall aufzuklären…


                            Meine Meinung:
                            Dieses Buch ist eine tolle Mischung aus historischem Roman, Kriminalfall und Liebesgeschichte. Durch die wahnsinnig lebendigen Beschreibungen fühlte ich mich sofort ins Berlin der 1920er Jahre versetzt – als wäre ich mit Hulda, die mir gleich sympathisch war – in ihrem Kiez unterwegs.
                            Der Roman spiegelt extrem gut die verschiedenen politischen Stimmungen, die zunehmenden rechten Strömungen und Putsch(versuche) wider. Man kann richtig spüren, wie schon Anfang der 1920er Jahre die Nazis zunehmend Anhänger gewinnen.
                            Darüber hinaus werden auch die Auswirkungen des ersten Weltkriegs auf die Bevölkerung, insbesondere die Soldaten, beschrieben.

                            Neben dem exzellent recherchierten und authentisch wiedergegebenen historischen Hintergrund hat mir auch die Geschichte gut gefallen. Neben den stimmig gezeichneten Personen (die zum Teil sehr tiefe und komplexe Charaktere sind) ist auch der Spannungsbogen sehr gelungen. Durch die Ermittlungen zu dem Kriminalfall von verschiedenen Seiten – aus Sicht von Hulda, als Sicht des Kommissars – ist die Geschichte sehr lebendig und facettenreich zu lesen.


                            Fazit:
                            Der Auftakt zu der Trilogie hat mir aufgrund der atmosphärischen Darstellung sehr gut gefallen und ich freue mich schon auf die nächsten Bände mit Hulda und Karl! Mit ihnen würde ich gerne mehr Zeit verbringen und durch Berlin streifen!

                            Buchbiene

                            Beiträge 14
                            20.06.2020

                              Hulda Gold ist Hebamme und im Kiez sehr beliebt. Da sie Hausbesuche macht, lernt sie viele Familien und ihre Wohnverhältnisse kennen. Die unterschiedlichsten Menschen und ihre Schicksale,
                              besonders die der Frauen liegen ihr am Herzen. Eine ihrer Kundinnen ist zu tiefst erschüttert. Ihre Nachbarin wurde tot im Landwehrkanal gefunden. Es soll ein Unfall sein nur warum interessiert sich der undurchsichtige Kriminalkommissar Karl North so für den Fall?

                              Die Atmosphäre Berlins in den Zwanziger Jahren die Abgründe einer Stadt,
                              in der Schatten und Licht dicht beieinanderliegen kommt sehr gut rüber.
                              Wobei man hier eher die Schattenseiten vermittelt bekommt.
                              Die Zeit zwischen den Weltkriegen. Das Elend der Bevölkerung, der tägliche Kampf ums Überleben. Frauen die sich prostituieren müssen, Waisenkinder immer auf der Suche nach Essbarem.
                              Alle haben den Krieg noch in den Knochen und suchen Ablenkung im aufregenden Berliner Nachtleben.
                              Alkohol, Drogen, schneller Sex lassen den Alltag kurz in Vergessenheit geraten.
                              Auch die Charaktere sind so herrlich echt und kantig.
                              Hulda Gold, 26 Jahre alt, ein spätes Mädchen, geht ihren Weg.
                              Sie ist mit Leidenschaft Hebamme, liebt ihre Arbeit, ist pfiffig und sehr patent. Hilft, wo sie kann und durch ihre engagierte Art bringt sie sich oft selbst in Gefahr. Auf der anderen Seite kann sie den Mann aus einer gescheiterten Beziehung nicht loslassen und sie hat Angst so zu werden wie ihre Mutter. Die hatte psychische Probleme und hat sich umgebracht.
                              Deshalb taucht Hulda oft in die Berliner Nächte ein und versucht zu vergessen.

                              Karl North, der junge Kommissar, flüchtet vor seinen Dämonen. Er ist in einem Waisenhaus groß geworden.
                              Kennt seine Eltern nicht und hat eine sehr trostlose und gefühlskalte Kindheit hinter sich.
                              Trotzdem hat er es geschafft Karriere zu machen.
                              Seine Angst ist, das jemand von seiner trostlosen Vergangenheit erfährt. Das will er unbedingt vermeiden.

                              Beide fangen an Nachforschen was es mit dem Tod der Frau aus dem Landwehrkanal wirklich auf sich hat. War es Selbstmord oder doch Mord? Hulda ist Karl immer einen Schritt voraus.
                              Anfangs mögen sich die beiden nicht besonders aber das ändert sich mit der Zeit.
                              Eine sehr gut recherchierte Geschichte, in die man so richtig eintauchen kann. Die Wohnsituation der armen Menschen, ihre Sorgen und Nöte sind atmosphärisch dicht erzählt.
                              Der alte Kiez mit seinen Originalen lebt wieder auf. Ob Portiersfrau, Pensionswirtin, Zeitungsverkäufer, Prostituierte, Zuhälter etc. bereichern hier die Geschichte.
                              Sehr gelungen ist auch die Karte des Kiezes aus dem Jahr 1922.
                              Dieser Roman ist nicht nur eine Miljöstudie, sondern auch spannend mit einer kleinen Liebesgeschichte.
                              Ein wunderbarer Auftakt der Lust auf weitere Bände macht.

                              yellowdog

                              Beiträge 19
                              20.06.2020

                                Die Menschen in Berlin, 1922

                                Der Roman geht dicht in das Jahr 1922. Durch die Protagonistin Hulda Gold, die als Hebamme in Berlin wirkt und deswegen vielen Familien begegnet, wird es ein Portrait der Stadt in dieser Zeit. Die Autorin Anne Stern ist in Berlin geboren und hat viel Gefühl für die Mentalität der Menschen dieser Stadt. Man lernt die Menschen kennen und ihre Armut, die wenige Jahre nach Kriegsende ziemlich verbreitet war.

                                Hinzu kommt ein Mord an einer Prostituierten, daher erhält das Buch auch den Anklang eines Histokrimis. Der junge Kommissar Karl North kommt hinzu.

                                Hulda ist eine selbstbewusste, mitfühlende Frau. Daher wirkt sie gut als Hauptfigur.

                                Schatten und Licht ist der Beginn einer Reihe. Weitere Teile werden folgen.
                                Abschließend möchte ich noch erwähnen, wie schön das Buch vom Verlag gearbeitet wurde, mit fabelhaften Covermotiv und Karte im Klappcover.

                                leseratte1310

                                Beiträge 30
                                19.06.2020

                                  Im Berlin der zwanziger Jahre sind die Auswirkungen des großen Krieges noch zu spüren und die politische Lage ist alles andere als stabil. Im Viertel um den Winterfeldtplatz arbeitet die Hebamme Hulda Gold. Sie liebt ihren Job und tut für die Frauen mehr als sie müsste. Bei der Betreuung einer Schwangeren im Elendsviertel Bülowbogen erfährt sie von dem tragischen Tod der fixen Rita, die eine Nachbarin der Schwangeren war. Kriminalkommissar Karl North ermittelt in diesem Fall, doch er scheint von Selbstmord auszugehen und kein großes Interesse an der Klärung zu haben. Doch Hulda geht der Fall nicht aus dem Kopf und sie geht auf eigene Faust der Sache nach und bringt sich damit in Gefahr.
                                  Schon das Cover hat mich angezogen, denn ich mag solch schwarz-weiße Bilder sehr gerne. Aber auch die Geschichte ist interessant und spannend und Schreibstil ungemein packend.
                                  In Berlin liegen Licht und Schatten eng beieinander. Während die einen das bunte Leben in der Stadt genießen, leiden die anderen große Not. Die ein Dach über dem Kopf haben, können sich noch glücklich schätzen, denn viele müssen sehen, wo sie unterkommen.
                                  Die sympathische 26-jährige Hulda ist eigentlich ein spätes Mädchen. Doch sie liebt ihre Unabhängigkeit, auch wenn die Angst mitspielt, denn sie hat das Bild ihrer Mutter vor Augen. Das hindert sie auch, sich an Felix zu binden, der ihrer Meinung nach zu gut für sie ist. Hulda geht mit offenen Augen durch die Welt und sieht die Not in ihrem Viertel. Sie hat ein großes Herz und hilft oft. Daher kann sie auch den Fall von Rita nicht einfach beiseitelassen. Die Herangehensweise von North ärgert sie, so dass sie Risiken eingeht, um die Sache aufzuklären. Allerdings geistert North ständig durch ihre Gedanken. Karl North verhält sich sehr seltsam, was mit seiner Vergangenheit zu tun hat, die ihn einfach nicht loslässt und ihn im Fall Rita besonders belastet. Gut gefallen hat mir auch Bert, der Mann aus dem Kiosk, der viel weiß, sich aber nicht aufdrängt, doch Hulda bekommt schon mal ungefragt Ratschläge.
                                  Im Laufe der Geschichte lernen wir Ritas Schicksal kennen. Es ist wirklich tragisch, was diese Frau erleben musste. Tragisch und unendlich grausam ist aber auch das Schicksal der Menschen, die als Irre oder Siechen weggesperrt und therapiert werden.
                                  Die Charaktere in dieser Geschichte sind lebendig und authentisch dargestellt. Genauso authentisch aber zeigt sich das Leben im Berlin zwischen großer Not und schillerndem Nachtleben.
                                  Mich hat dieses Buch wirklich gefesselt und ich bin gespannt, wie es weitergeht mit Hulda.

                                  Zauberberggast

                                  Beiträge 2
                                  18.06.2020

                                    Historische Hebammenromane gibt es ja zuhauf, ist doch die Hebamme eine archetypische weibliche Figur in der Literatur: Der erste Mensch, mit dem ein neuer Mensch Kontakt hat - die “Auf-die-Welt-Holerin” schlechthin. Muss man also unbedingt den “zigten” Hebammenroman lesen, gar noch eine Reihe? Man muss nicht, aber wenn man “Fräulein Gold” nicht gelesen hat, entgeht einem zumindest sehr viel historisches Berliner Flair der 1920er Jahre.

                                    Der Roman spielt im Frühsommer des Jahres 1922 in Berlin. Der Krieg ist seit wenigen Jahren vorbei, aber seine Verletzungen sind überall sichtbar. Viele Menschen leben in Armut in der jungen Republik, sind physisch oder psychisch versehrt. Das rigide Moralkonstrukt des Wilhelminischen Kaiserreichs lebt noch in vielen Köpfen weiter. Dass Schwangerschaft und Geburt als natürliche Vorgänge behandelt werden, dafür kämpft die junge, fortschrittlich denkende Hebamme Hulda Gold. Als ledige Frau von 26 Jahren wird sie von der Gesellschaft bereits als "spätes Mädchen" abgestempelt. Ihre Beziehung zum Cafébesitzer Felix Winter ging vor Jahren in die Brüche. Seitdem schlägt sie sich als “Fräulein” alleine durch, denn auch ihre Familie ist quasi nicht mehr vorhanden.

                                    Hulda ist eine vielschichtige, sympathische Protagonistin mit viel Potenzial und einigen Ecken und Kanten. Sie ist empathisch, hat aber auch eine schwierige Vergangenheit und einen ungefestigten Charakter. Ich kann mir sehr gut vorstellen, ihre Geschichte, die als Trilogie angelegt ist, noch über zwei weitere Bände zu verfolgen. Ihr Gegenpart, Kommissar Karl North, ist ebenfalls kein eindimensionaler Charakter. Er ist ein sehr verletzlicher Mensch, der sich durch eigene Kraft aus einer niedrigen Herkunft heraus eine Beamtenexistenz aufgebaut hat.
                                    Auch die anderen Figuren sind sehr schön ausgearbeitet worden. Wir bekommen sogar die Sicht von "Nebenfiguren" wie der Hausmeisterin, der Pensionswirtin, etc., präsentiert, was dem erzählerischen Konstrukt zusätzliches Leben einhaucht.

                                    Die Autorin ist sehr gut darin, Zwischentöne durch ihre dichte, atmosphärische Prosa lebendig werden zu lassen. Für mich wirkt der Roman manchmal wie eine historische Milieustudie: Die Berliner Welt der "einfachen Leute" wird überaus anschaulich beschrieben und auch die gesellschaftlichen Randbereiche dieser Welt der Ottonormalbürger (Nervenheilanstalt, Künstler und Nachtleben, Prostituierte, Straßenkinder, kriminelle Unterwelt, etc.) werden aufgefangen.

                                    Mir persönlich waren es inhaltlich dann aber doch etwas zu viel Düsternis und eine Anhäufung von schlimmen, tragischen Schicksalen. Hin und wieder hätte ich mir ein wenig mehr Leichtigkeit gewünscht. Fast jede handelnde Figur hat eine tragische Vergangenheit im Gepäck, fast alle kommen aus dysfunktionalen Familien. Selbst der Zeitungsverkäufer, der alles etwas aufzulockern schien, kommt später mit einer weniger schönen Story um die Ecke. Ich sehe schon den Sinn dahinter, die Autorin will sozialkritisch das Elend der kleinen Leute damals spürbar machen, aber heutzutage muss man fast schon eine “Triggerwarnung” an dieses Buch heften. Mit Not und Elend wird nicht gespart und Themen wie Suizid, Euthanasie, psychische Krankheiten, Missbrauch, Abtreibung, etc., sind so geballt wie hier für viele Leser in einem Unterhaltungsroman sicher nur schwer zu ertragen.

                                    Meine Kritik an der Krimihandlung ist, dass sie stark von Zufällen bestimmt wird. Hulda ist immer genau dort, wo ihr Informationen zugeführt werden, die zur Aufklärung des Verbrechens führen. Natürlich gelangt sie auch durch Eigeninitiative an Infos, aber die Zufälle sind doch in der Überzahl. Hier ist Berlin dann tatsächlich ein sehr kleines Dorf.

                                    Was mir sehr gefallen hat, ist, dass Huldas Kiez erzählerisch sehr schön “abgegangen” wird. Durch die Karte in der vorderen Klappe können wir als Leser ihren Radius mitverfolgen und die Topographie Berlins besser kennenlernen.

                                    Trotz der vielen düsteren Stellen habe ich den Roman insgesamt sehr gerne gelesen. Er ist ein stimmiger, atmosphärischer Auftakt zu einer historischen Krimi-Trilogie.

                                    Fun fact: Ich habe schon lange (wenn überhaupt) keinen Roman mehr gelesen, in dem so viel geraucht wird wie in diesem hier.

                                    tinstamp

                                    Beiträge 34
                                    18.06.2020

                                      Anne Stern ist für mich keine unbekannte Autorin, denn ich kenne sie bereits durch ihre Bücher, die sie als Selfpublisher veröffentlicht hat. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass der Rowohlt Verlag ihre Fräulein Gold Reihe ins Verlagsprogrgamm genommen hat. Die Geschichte ist eine Mischung aus historischem Roman und historischem Krimi mit einem kleinen Schuss Liebe.

                                      Im Auftakt dieser Reihe begeben wir uns nach Berlin ins Jahr 1922, wo Hulda Gold im Elendsviertel Bülowbogen im Stadtteil Schönberg als Hebamme tätig ist. Es ist eine politisch sehr unruhige Zeit und die Inflation hat die Menschen im Griff. Die Zeit ist schnelllebig und die Kluft zwischen Arm und Reich groß.
                                      Hulda ist nicht nur bei Geburten anwesend, sondern versucht bereits zuvor eine Bindung zu den schwangeren Frauen aufzubauen. Als sich eine ihrer Patientinnen um ihre verschwundene Nachbarin Rita sorgt, bittet sie die Hebamme nachzuforschen. Hulda findet heraus, dass Rita aus dem Landwehrkanal gefischt wurde und der Fall bereits als Selbstmord abgestempelt wird. Daraufhin versucht sie auf eigene Faust zu recherchieren.
                                      Dabei kommt sie Hauptkommissar Karl North in die Quere, den sie für unfähig hält. Dieser ist zusehens genervt von Huldas Einmischerei, die sie immer wieder in große Gefahr bringt.
                                      Generell ist das Duo Hebamme und Kriminalkommissar als Ermittler mal etwas Neues. Es ist eine Mischung aus der Hebammensaga von Linda Winterberg und den Krimis von Volker Kutscher um Gideon Rath. Aber eigentlich sollte man keine Vergleiche anstellen, denn Anne Stern hat mit Hulda Gold etwas Neuartiges kreiiert.

                                      Kommissar Karl North fand ich ebenfalls sehr interessant. Aufgewachsen als Waisenkind in einem Heim hat er seinen Weg gemacht. Doch die Vergangenheit hat er noch nicht richtig abgeschüttelt. Der Mordfall um die Prostituierte Rita bringt ihn deshalb an seine Grenzen. Gleichzeitig wirkt er aber unnahbar und nicht unbedingt vertrauenswürdig.

                                      Hulda ist eine sehr eigensinnige und unerschrockene junge Frau, die mit 26 Jahren bereits als alte Jungfer gilt. Sie hat eine Beziehung hinter sich, mit der sie noch nicht wirklich abgeschlossen hat. Zusätzlich steckt sie gerne ihre Nase in Dinge, die sie nichts angehen und sie immer wieder in Schwierigkeiten bringen. Sie hat ein Herz für die Armen und unterstützt die Frauen in den heruntergekommen Mietskasernen, wo sie nur kann. Zusätzlich bekommt man als Leser einen guten Eindruck von Huldas Arbeit als Hebamme.
                                      Beide Charaktere sind sehr gut eingefangen und haben Ecken und Kanten.

                                      Anne Stern schreibt sehr mitreißend und detailiert. Die Schauplätze sind sehr bildhaft und lebendig beschrieben. Obwohl ich noch nie in Berlin war hatte ich immer ein Bild vor Augen und begleitete Hulda auf ihren Wegen.
                                      Das Aufkommen der Nationalsozialisten wird ebenso erwähnt, wie die Kluft zwischen den Hebammen und den Gynäkologen in den Krankenhäusern.
                                      Das informative Nachwort am Ende des Romans rundet die Geschichte perfekt ab.

                                      Fazit:
                                      Ein gelungener Auftakt mit einem ungewöhnlichen Ermittlerpärchen, das in Berlin der 1920iger Jahre den Tod einer Prostituierten aufzuklären versucht. Ich bin schon sehr auf die Nachfolgebände gespannt, die im Oktober dieses Jahres und im April 2021 erscheinen werden.

                                      Lesemone

                                      Beiträge 32
                                      17.06.2020

                                        Mir hat der Auftakt der Reihe um Hebamme Hulda Gold sehr gut gefallen. Sie ist eine mutige Protagonistin, die unbeirrt ihren Weg geht. Die Geschichte ist eine Mischung zwischen Gesellschaftsroman in den 20er Jahren und leichtem Krimi. Die Autorin hat gut die Atmosphäre in dem Berliner Viertel eingefangen. Wie unterschiedlich die Menschen doch zwischen Armut und Reichtum gelebt haben, wirklich wie Schatten und Licht. Mir hat gut gefallen, dass die Hebamme keinen Unterschied zwischen Arm und Reich gemacht hat und jeder schwangeren Frau beistand, auch wenn sie nicht bezahlt wurde. Dazwischen versucht sie den mysteriösen Tod einer Frau aufzuklären, die man im Landwehrkanal fand. Interessant waren auch die eingefügten Zwischenkapitel mit Notizbuchauszügen der Toten, in denen man ihr Leben etwas kennenlernen konnte. Das Buch vereint mehrere Genre miteinander und bietet damit einer etwas breiteren Leserschaft unterhaltsame Lesestunden. Ich fand die Geschichte super. Tolle Protagonistin, authentische Handlung und Darstellung der damaligen Gesellschaft Berlins. Ich bin sehr auf den weiteren Fall von Hebamme Hulda Gold gespannt!

                                        Vielleserin

                                        Beiträge 37
                                        16.06.2020

                                          1922: Hulda Gold ist gewitzt und unerschrocken und im Viertel äußerst beliebt. Durch ihre Hausbesuche begegnet die Hebamme den unterschiedlichsten Menschen, wobei ihr das Schicksal der Frauen besonders am Herzen liegt. Der Große Krieg hat tiefe Wunden hinterlassen, und die junge Republik ist zwar von Aufbruchsstimmung, aber auch von bitterer Armut geprägt. Hulda neigt durch ihre engagierte Art dazu, sich selbst in Schwierigkeiten zu bringen. Zumal sie bei ihrer Arbeit nicht nur neuem Leben begegnet, sondern auch dem Tod. Im berüchtigten Bülowbogen, einem der vielen Elendsviertel der Stadt, kümmert sich Hulda um eine Schwangere. Die junge Frau ist erschüttert, weil man ihre Nachbarin tot im Landwehrkanal gefunden hat. Ein tragischer Unfall. Aber wieso interessiert sich der undurchsichtige Kriminalkommissar Karl North für den Fall? Hulda stellt Nachforschungen an und gerät dabei immer tiefer in die Abgründe einer Stadt, in der Schatten und Licht dicht beieinanderliegen. (Klappentext)

                                          Dieser Roman handelt von einer starken Frau die in den 1920er Jahren als Hebamme arbeitet. Sehr gut, bildlich und sehr ausdrucksstark wird die Situation im damaligen Berlin in allen Facetten geschildert. Der Schreibstil ist sehr gut verständlich und die Seiten fliegen nur so dahin. Die Charaktere sind entsprechend gut ausgearbeitet und beschrieben und entwickeln sich auch glaubhaft weiter. Die Spannung ist von Anfang an gegeben und wird auch gut gehalten. Ein sehr interessantes Buch und ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Lesenswert

                                          sanne_lo

                                          Beiträge 4
                                          15.06.2020

                                            Hulda liebt ihre Unabhängigkeit und ihren Beruf. Kein Mann hat zu bestimmen, ob und wie sie arbeitet. Auch in andere Angelegenheiten lässt sie sich nicht hineinreden. Nach dem Fund der Leiche der fixen Rita forscht sie auf eigene Faust und sehr zum Missfallen des Kriminalkommissars Karl North zu den Umständen des Todes der Toten. Selbstmord war es wohl nicht, ein verschwundenes Tagebuch könnte zur Klärung beitragen. Wer hat es eingesteckt und warum?
                                            Die Nachforschungen im Milieu und anderswo erweisen sich bald als sehr gefährlich.
                                            1922 war die Arbeit einer Hebamme nicht unbedingt geschätzt. Andrea Stern erzählt mehr darüber, besonders über Not und Elend in den doch nicht so goldenen 20-ern.
                                            Geschickt wird durch Tagebucheinträge der Umgang in den sogenannten Irrenanstalten verdeutlicht, menschenverachtende Experimente und fragwürdige Behandlungen aufgezeigt.
                                            Berliner Lokalkolorit rundet die Geschichte um Hulda Gold ab, auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Einige verunglückte Wendungen lassen lächeln, trüben die Lesefreude aber keineswegs.
                                            Unterhaltsames aus dem Ullstein Verlag.

                                            brigitte_schreiter

                                            Beiträge 78
                                            14.06.2020

                                              Eine neue historische Krimireihe der 20er Jahre. Die Charaktere sind sehr sympatisch und man kann gleich eintauchen in die Geschichte. Das Milieu und die Atmosphäre von Berlins Elendsviertel wird so lebendig beschrieben.
                                              Hulda, die Hebamme scheint beliebt in ihren Viertel, den Schöneberger Bülowbogen zu sein. Ihre einfühlsame Art öffnet ihr die Türen der ärmlichsten Bevölkerungsschichten. Überall sind noch die nachwirkungen des Krieges zu süren. Die Armut ist groß. Auch Hulda lebt trotz ihres berufes am Rande des Existenz-
                                              miniums.
                                              Bei der Betreuung einer Schwangeren erfährt sie vom tragischen Tod der fixen Rita.
                                              Kriminalkommissar Karl Noth ermittelt in diesen Fall. Er geht von Selbstmord aus.Doch Hulda geht der Sache auf die Spur und bringt sich somit in große Gefahr.
                                              Das Cover des Buches hatte mich gleich neugierig gemacht und ich bin nicht enttäuscht worden. Hulda ist mir gleich ans herz gewachsen. Die Charaktere sind authentisch und sehr lebendig.
                                              Ich vergebe 5 Sterne.

                                              Tara

                                              Beiträge 15
                                              13.06.2020

                                                Atmosphärischer Roman über die 1920er Jahre


                                                „Fräulein Gold: Schatten und Licht“ ist der erste Band mit der Protagonistin Hulda Gold von der Berliner Autorin Anne Stern.


                                                Die Handlung beginnt 1922 mitten in Berlin. Nach dem kleinen Schockmoment, den der Prolog hinterlässt, lernt man die 26-jährige Hulda Gold und die Umgebung, in der sie lebt, kennen. Hulda ist als Hebamme tätig und begegnet durch ihre Hausbesuche den verschiedensten Menschen. Nachdem eine Schwangere ihr berichtet, dass ihre Nachbarin tot im Landwehrkanal aufgefunden wurde, beginnt Hulda Nachforschungen anzustellen. Dabei kommt sie dem zuständigen Kriminalkommissar Karl North in die Quere, aber nicht nur diesem.


                                                Mit ihrem lebendigen Schreibstil nimmt Anne Stern ihre Leser direkt mit in das Berlin der 1920er Jahre. Man spürt die Atmosphäre, eine politisch unruhige Zeit, in der die Menschen von den Nachwirkungen des Krieges gebeutelt sind und gleichzeitig nach kurzzeitigem Vergnügen, Glamour und Glitzer greifen.


                                                Hulda ist eine selbstbewusste, mutige, junge Frau, die ihren Beruf lebt und viel Einsatz zeigt. Neben der Gegenwart lässt sie ihre Vergangenheit nicht los, da ihre Mutter psychisch krank war und sie Sorge hat, dass sie das gleiche Schicksal ereilt.


                                                Auch Karl North wird seine Vergangenheit nicht los. Seine Kindheit im Waisenhaus hat Spuren hinterlassen und er möchte niemanden mehr an sich heranlassen.
                                                Die übrigen Charaktere werden ebenfalls authentisch und facettenreich dargestellt.


                                                Die Geschichte ist spannend geschrieben, lässt sich leicht lesen und hat mich durch wechselnde Perspektiven gefesselt und für sich eingenommen. Gleichzeitig erfährt man zahlreiche interessante historische Details, wird an bekannte Schauplätze geführt, wodurch mein Kopfkino direkt in Gang gesetzt wurde.


                                                Mein Fazit: Spannende Unterhaltung die mich durch die authentische Atmosphäre der 1920er Jahre direkt in das Geschehen eintauchen ließ und bestens unterhalten hat.

                                                C. Sch.

                                                Beiträge 47
                                                12.06.2020

                                                  INHALT:
                                                  Berlin 1922: Hulda ist als Hebamme in Berlin unterwegs und viele sind von ihrer unerschrockenen und gewitzten Art begeistert. Sie bereichert ihr Stadtteil, den Bülowbogen und lernt durch ihre Arbeit viele unterschiedliche Menschen, arm oder reich, kennen. Durch ihre engagierte Art bringt sie sich auch oft in Schwierigkeiten, denn sie begegnet in ihrer Arbeit nicht nur Leben, sondern auch Tod. Der Tod einer Frau in ihrem Stadtteil erschüttert nicht nur Hulda. Die Tat lässt ihr keine Ruhe und sie stellt Nachforschungen an und gerät dabei immer mehr in die Abgründe ihrer Stadt, in der Schatten und Licht so dicht beieinander liegen.
                                                  MEINE MEINUNG:
                                                  Dies ist der Auftakt der neuen Trilogie um die die Hebamme Hulda. Ich habe schon einige Bücher der Autorin gelesen und immer konnte sie mich begeistern und so ging es mir ich hier mit ihrem neusten Werk. Der Einstieg in die Geschichte und damit in das Leben von Hulda fiel mir sehr leicht. Mit ihren unvergleichen Schreibstil, mit oft schon poetischen Wörtern und Sätzen, schafft die Autorin es immer wieder, dass sie mich in die Zeit und den Raum ihres Romans versetzt. Sie schafft es, großartige Bilder in meinem Kopf entstehen zu lassen. Man erkennt sehr deutlich ihre Handschrift und die detailverliebte Recherchearbeit, um den Zeitgeist wiederzugeben. Mit dem Charakter der Hulda wurde hier ein außergewöhnlicher und zugleich sehr interessanter Charakter geschaffen. Mit großer Neugier habe ich mich an ihre Seite gestellt und ihr Leben verfolgt und sie konnte mich begeistern. Sie ist eine so starke und große Persönlichkeit, was für diese Zeit nicht gängig war. Sie kämpft sich durchs Leben, gibt trotz dieser schrecklichen Zeit nicht auf verliert nicht ihren unglaublich starken Lebensmut.
                                                  Auch allen anderen Charakteren hat Anne Stern wundervolle und der Zeit angepasste Züge gegeben. Die Autorin schaffte immer wieder auf brilliante Art eine Verbindung zwischen den Protagonisten zu schaffen, sodass eine sehr runde und kompakte Geschichte entsteht.
                                                  FAZIT:
                                                  Grandioser Auftakt einer wundervollen und interessanten Trilogie, von der ich den zweiten Band kaum erwarten kann. Volle 5 Sterne und eine Leseempfehlung von mir. Liebe Anne, du hast dich selbst übertroffen.

                                                  Dreamworx

                                                  Beiträge 27
                                                  07.06.2020

                                                    Unterwegs mit Hulda im Berlin der Goldenen 20er
                                                    1922 Berlin. Die 26-jährige unverheiratete Hilda Gold arbeitet als Hebamme im heruntergekommenen Schöneberger Bülowbogen am Winterfeldplatz und ist im Viertel gern gesehen. Ihre engagierte und einfühlsame Art öffnet ihr die Tür in die Häuser der ärmlichsten Bevölkerungsschichten, um sich besonders um die Frauen zu kümmern. Die Nachwirkungen des Krieges sind noch überall spürbar, denn die Armut ist groß unter der Bevölkerung, so dass auch Hulda mit ihrem Beruf am Rande des Existenzminimums lebt. Als Hulda sich um die schwangere Lilo kümmert und davon hört, dass deren Nachbarin Rita tot aus dem Landwehrkanal geborgen wurde, ist ihre Neugier geweckt. Hilda beginnt mit eigenen Nachforschungen und trifft dabei auf Kriminalkommissar Karl North, dem ihre eigenmächtige Spurensuche ein Dorn im Auge ist. Aber nicht nur ihm, wie sich bald herausstellen soll…
                                                    Anne Stern hat mit „Fräulein Gold-Schatten und Licht“ den ersten Band ihrer neuen historischen Trilogie vorgelegt, der nicht nur die Goldenen 20er Jahre in Berlin als Hintergrundkulisse hat, sondern auch mit einer eindrucksvollen Hauptprotagonistin sowie einem Kriminalfall punkten kann. Der flüssige, mitreißende, farbenfrohe und gefühlvolle Erzählstil der Autorin kann den Leser einmal mehr sofort überzeugen und lässt ihn wie von selbst ins vergangene Jahrhundert abtauchen, um dort an der Seite von Hulda nicht nur im Armenviertel die Schwangeren zu betreuen, sondern auch den Umbruch mitzuerleben und bei der Auflösung eines spannenden Kriminalfalls mitzuwirken. Stern lässt die alte Metropole mit farbenprächtigen Bildern im Glanz der Goldenen 20er Jahre erstrahlen, wo ausschweifende Party und Absinth an der Tagesordnung waren, aber auch die unter Armut leidende Bevölkerung regelrecht greifbar sind. Als Leser bekommt man einen guten Eindruck von Huldas Arbeit als Hebamme, aber auch die sich prostituierenden Frauen, die sich so ihren Lebensunterhalt verdienen, die polizeilichen Ermittlungen sowie der langsame Aufstieg der Nationalsozialisten aufgrund der politischen Differenzen werden von der Autorin wunderbar in ihre Geschichte mit eingewoben. Aber auch so manches Geheimnis schlummert innerhalb der Handlung und warte auf Auflösung. Der Spannungsbogen steigert sich während der Geschichte immer weiter in die Höhe und lässt den Leser regelrecht an den Seiten kleben, bis alle Puzzlestücke aufgedeckt sind. Dazu tragen auch die eingepflegten Tagebucheintragungen bei, die von der toten Rita stammen.
                                                    Die Charaktere sind lebendig und authentisch inszeniert, mit ihren glaubwürdigen Ecken und Kanten wirken sie realistisch und spiegeln das Bild ihrer Zeit, was den Leser von Beginn an begeistert und Nähe schafft, so dass ein Mitfiebern und –fühlen leicht gemacht wird. Hulda ist eine unkonventionelle, engagierte und mutige Frau, die ihren Beruf liebt. Sie ist hilfsbereit, selbstbewusst und hat ihren eigenen Kopf, der sie manchmal in Schwierigkeiten bringt. Insgeheim leidet sie noch immer unter einer kaputten Beziehung und vor allem unter Albträumen in Bezug auf ihre Mutter. Aber sie versprüht auch Hoffnung und Optimismus, so dass man sie einfach lieben muss. Kommissar Karl North ist ein Mann, den ein Geheimnis umgibt. Er wirkt undurchsichtig und unnahbar, ist lieber für sich und leidet unter einer lieblosen Kindheit, die Gedanken daran treiben ihn immer wieder um. Ebenso wichtig für die Handlung sind Lilo, die verstorbene Rita, Bert, Frau Wunderlich und einige andere Nebendarsteller.
                                                    Mit „Fräulein Gold-Schatten und Licht“ hat Anne Stern einen wirklich atemberaubenden Start in ihre Trilogie hingelegt. Mit einer exzellenten historischen Hintergrundrecherche, lebhaften Charakteren und einer Handlung, in der sich neben einem Kriminalfall auch persönliche Schicksale wiederfinden, unterhält die facettenreiche Geschichte von Beginn an. Ein wunderbarer Pageturner, der Lust auf mehr macht. Absolute Leseempfehlung für ein Jahreshighlight!

                                                    goejos

                                                    Beiträge 18
                                                    03.06.2020

                                                      Berlin 1922
                                                      Es beginnt mit einem Mord an einer Prostituierten. Ein Zusammenhang mit der Hebamme Hulde Gold ist noch nicht zu erkennen. Hulda schlägt sich so recht und schlecht durchs Leben. freund hat sie anscheinend nicht, obwohl es da Felix gibt. Also - abwarten.

                                                      1 Beitrag
                                                      19.05.2020

                                                        Der Auftakt einer spannenden und bewegenden Geschichte aus dem brodelnden Berlin der goldenen 20er Jahre nach dem ersten Weltkrieg. Der Roman um eine Hebamme fesselt einen sofort. Man erfährt viel aus dem gesellschaftlichen und politischen Leben in Berlin. Die Leseprobe macht Lust auf mehr.

                                                        Sabine W.

                                                        Beiträge 25
                                                        19.05.2020

                                                          Die Leseprobe macht neugierig. Zumal es wenig interessante Romane zu diesem Thema gibt. Bisher habe ich auch noch nichts gelesen wo die Geschichte in den 20er Jahren spielt. Die Protagonistin scheint auf den ersten Eindruck sympathisch und interessant. Nun bin ich gespannt ob der in der Story enthaltene Krimi seinem Genre gerecht wird.

                                                          kerstin2601

                                                          Beiträge 50
                                                          18.05.2020

                                                            Berlin in den 20-ern und eine tatkräftige aber auch neugierige, junge Hebamme, die ihr kriminalistisches Talent entdeckt und mir nichts dir nichts von einem Unfall in einen Mord rutscht.
                                                            Klingt spannend. Ist es auch.