Anne Stern

Fräulein Gold: Scheunenkinder

Band 2 der farbenprächtigen Saga um Hebamme Hulda Gold, die im Berlin der 1920er Jahre in rätselhafte Fälle verstrickt wird.
1923: Die Berliner Hebamme Hulda Gold wird zu einer Geburt ins Scheunenviertel nach Mitte gerufen. Obwohl die jüdische Familie dort nach ihren ganz eigenen, strengen Regeln lebt, gewinnt Hulda das Vertrauen der jungen Mutter. Und als das Neugeborene nach wenigen Tagen verschwindet, wird sie unvermittelt in die rätselhafte Suche nach ihm verstrickt. Wie kann ein Kind in dieser engen Gemeinschaft einfach so verlorengehen? Je hartnäckiger Hulda den Spuren folgt, desto stärker stößt sie auf Widerstand, denn die Bewohner des Viertels haben ihre gut gehüteten Geheimnisse.
Bald zeigt sich, dass die Berliner Polizei zur gleichen Zeit nach Kinderhändlern fahndet, und Hulda ahnt einen Zusammenhang. Kann Kommissar Karl North ihr helfen, das Neugeborene zu finden? Doch dann entlädt sich im Scheunenviertel der Judenhass in einem Pogrom, und Hulda selbst gerät in höchste Gefahr.


Autorenbild Foto von Anne Stern

Der  Autor

Anne Stern wurde in Berlin geboren, wo sie auch heute mit ihrer Familie lebt. Nach dem Studium der Geschichte und Germanistik promovierte sie in deutscher Literaturwissenschaft und arbeitete als Lehrerin und in der Lehrerbildung. Sie hat als Selfpublisherin bereits erfolgreich historische Saga-Stoffe veröffentlicht.


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Rezensionen

Lesetiger

Beiträge 4
10.10.2020

Vom ersten Band, den ich bisher noch nicht kenne, habe ich einiges gehört. Deswegen war ich sehr gespannt, wie mir „Fräulein Gold – Scheunenkinder“ gefällt. Der Klappentext verspricht zumindest Spannung.
Den Schreibstil der Autorin finde ich sehr angenehm. Locker, aber detailliert beschrieben entführt sie den Leser in das Berlin der 20er Jahre. Die Inflation trifft einige Bewohner hart und ein Ende ist nicht in Sicht.
Die Hebamme Hulda Gold wird zu einer Familie, die in ärmlichen Verhältnissen im Scheunenviertel lebt, gerufen.
Ich mochte Hulda von Beginn an. Sie hat das Herz auf dem rechten Fleck, ist sympathisch und kümmert sich rührend um ihre Klienten. So gelingt es ihr schnell, Tamars Vertrauen zu erlangen. Tamar lebt in einer jüdischen Familie, ist aber selbst keine Jüdin. Ihr Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter ist schwierig. Überhaupt erschien mir die ganze Familie etwas seltsam. Als dann Tamars Neugeborenes spurlos verschwindet, lässt Hulda nicht locker und beginnt auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen.
Neben ihrer Tätigkeit als Hebamme erfahren wir viel Privates von Hulda. Deren Beziehung zum Kommissar Karl North ist mit Höhen und Tiefen durchsetzt.

Anne Stern punktet mit ihren Charakteren, die sie authentisch und vielschichtig gezeichnet hat. Der Hörer bekommt einen tiefen Einblick in die verschiedenen Protagonisten. Mit vielen Kleinigkeiten lässt sie die Figuren sehr lebendig erscheinen und fängt so den Zeitgeist der 20er Jahr gekonnt ein.

Ferner präsentiert die Autorin dem Leser/ Hörer realitätsnah die Licht- und Schattenseiten eines Berlins im Jahr 1923. Man kann sich die Zustände und das Leben in der Stadt gut vorstellen. Neben der Inflation ist der stetig steigende Judenhass der Berliner Naziszene direkt greifbar. Daran hat die Sprecherin Anna Thalbach auch einen großen Anteil. Sie trägt gekonnt und facettenreich die verschiedenen Protagonisten vor und man kann sich mit ihrem Vortrag auf den Ohren gedanklich leicht nach Berlin versetzen. Sie lässt die Protagonisten sehr lebendig erscheinen, dazu gehört auch die ein oder andere im Dialekt gesprochene Passage.

Die von mir erwartete Spannung, was den Kriminalfall und die Ermittlungen dazu betrifft, wurde nicht ganz so umgesetzt, wie ich mir das vorgestellt habe. Der Fall selber entwickelt sich eher gemächlich und ich hätte auch gerne die polizeilichen Ermittlungen zum Kinderhändlerring mitverfolgt. Hier begleitet man zu meinem Bedauern nur Hulda bei ihren eigenen Ermittlungen.

Trotzdem hat mir dieser Mix aus dem historischen Berlin, der Arbeit einer selbständigen Frau zur damaligen Zeit und dem sich auftuenden Kriminalfall erstaunlich gut gefallen.
Das Hörbuch zu Band 1 werde ich mir sicher holen, um die Wartezeit auf Band 3 zu verkürzen.

Fazit:
Anna Thalbach macht Scheunenkinder zu einem Hörvergnügen, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Von mir gibt’s eine absolute Hörempfehlung für diese kurzweilige Unterhaltung.

Anaba

Beiträge 12
09.10.2020

"Fräulein Gold - Schatten und Licht" hat mich völlig begeistert, daher war der zweite Teil dieser Reihe ganz oben auf meiner Wunschliste. Zwar sind die Romane unabhängig zu lesen, doch erreichen die Charaktere eine noch bessere Tiefe mit den entsprechenden Vorkenntnissen.
Erneut konnte mich das Setting von Beginn an völlig in den Bann ziehen. Anne Stern zeigt nicht nur ein Berlin geprägt von Inflation, zwischen Armut, Wut und Ausgelassenheit, sondern fängt einen Zeitgeist ein, der durch und durch lebendig wirkt und die ganze Erzählung sehr realistisch wirken lässt.
Gekonnt verknüpft die Autorin historische Fakten mit ihrer Geschichte und ihr wortgewandter bildhafter Schreibstil lässt einen tief in die Geschichte eintauchen.
Man folgt beim Lesen hauptsächlich Hulda, doch bekommt man immer wieder einzelne Szenen mit anderen Charakteren. Der erweiterte Blickwinkel ermöglicht einen tieferen Einblick in die jeweiligen Emotionen und Beweggründe.
Mit den Charakteren hat Anne Stern sich erneut übertroffen. Die Vielschichtigkeit jedes Charakters lässt sich kaum in Worte fassen. Jeder einzelne wirkt realistisch, ist mit guten und schlechten Eigenschaften geprägt, hat mit der eigenen Vergangenheit zu kämpfen und besitzt einen eigenen Blick auf die Dinge. Diese vielen kleinen Szenen machen das Buch besonders. Das Beziehungsleben von Hulda ist ebenfalls mit Ecken und Kanten versehen, denn Karl North hat einen Berg an Problemen und Huldas alte Liebe Felix scheint in seiner neuen Ehe nicht unbedingt glücklich. Doch nimmt dies nur einen kleinen Teil der Handlung ein.
Im Kriminalfall konzentriert sich die Erzählung auf Hulda. Dies fand ich ein bisschen schade, da die Ermittlungen rund um Karl North sicherlich ebenfalls noch mehr Material geboten hätten. Andererseits wird so die leichte Distanz zwischen Hulda und Karl verdeutlicht und Karls Ermittlungen sind keine leichte Kost, sondern würden die harten ungeschönten Szenen in diesem Buch übermäßig hervorheben.
Der Kriminalfall entwickelt sich eher langsam, doch wird die Spannung hervorragend von den Charakteren und dem Setting getragen. Sobald die Ermittlungen sich zuspitzten konnte ich das Buch nicht mehr unterbrechen.
Zum Glück folgt ein weiterer Band in dieser einzigartigen Reihe. "Fräulein Gold: Der Himmel über der Stadt" ist für den 20.04.2021 angekündigt. Ich freu mich sehr darauf, der Klappentext klingt nach einem weiteren Buch, das unter die Haut geht.

sylvia_hertel

Beiträge 18
07.10.2020

Authentische Erzählung aus dem Berlin der 1920er Jahre

Die Hebamme Hulda Gold wird zu einer Geburt ins Scheunenviertel gerufen.
Die werdenden Eltern leben in einer engen jüdischen Gemeinschaft.
Einige Tage später ist das Kind verschwunden.
Hulda fragt sich, wie kann ein Säugling aus so einer engen Gemeinschaft verschwinden.
Bei den Bewohnern des Viertels stößt Hulda auf Ablehnung und Widerstand.
So stellt sie auf eigene Faust Nachforschungen an und gerät dabei in Gefahr.
„Fräulein Gold-Scheunenkinder“ ist der 2. Teil der Reihe Die Hebamme von Berlin von Anne Stern.
Im Mittelpunkt steht natürlich die Hebamme Hulda Gold.
Hulde ist einfach ein toller Charakter, den die Autorin mit sehr viel Hingabe kreiert hat.
Für die Zeit (mittlerweile 1923) ist Hulda eine außergewöhnliche Frau. Sie ist nicht verheiratet und verdient sich ihren Lebensunterhalt selbst. Sie ist selbstbewusst und stark, ich möchte mich nur ungerne mit ihr anlegen. Und sie ist liebenswert, hat für ihre Patientinnen immer ein liebes Wort und gewinnt schnell ihr Vertrauen.
Auch in diesem Band versucht sie wieder ein Geheimnis auf eigene Faust zu lösen, was ihr zum Verhängnis wird.
Auch die anderen Charaktere sind natürlich gut gelungen und sind recht verschieden.
Kommissar Karl North, mit dem Hulda mittlerweile privat befreundet ist gefällt mir gut.
Hulda sucht Hilfe bei ihm doch der Kommissar hat es diesmal mit Kinderhändlern zu tun, was ihm ziemlich an die Nieren geht.
Ich habe mich immer wieder gefragt, „gibt es hier einen Zusammenhang“.
Der Handlungsort ist Berlin.
Das Scheunenviertel wird mit all seinem Elend beschrieben.
Vorwiegend leben dort recht arme Juden.
Auch der Beginn der Nazizeit und der Judenhass kommen deutlich rüber und erschreckt einen richtig.
Anne Stern beschreibt das Ganze sehr authentisch und bildhaft, bei mir hat recht schnell ein Kopfkino eingesetzt.
Da ich mich für das Hörbuch entschieden habe muss ich auch noch ein paar Sätze zu der Sprecherin Anna Thalbach loswerden.
Anna Thalbach hat der Geschichte und den Protagonisten Leben eingehaucht.
Mit ihrer „Berliner Schnauze“ hat sie das Buch zu einem wahren Hörgenuss gemacht.
Für dieses Buch hätte es keine besserer Sprecherin geben können. Anne Stern und Anna Thalbach sind ein echtes Dreamteam.

buecherwurm_01

Beiträge 4
12.10.2020

Die Protagonistin ist Hebamme im Berlin er 1920er Jahre und geht total auf in ihrem Beruf. Sie kämpft mit den Widrigkeiten der Zeit, denn es ist für (alleinstehende) Frauen nicht leicht zurecht zu kommen, aufgrund der vielen Hindernisse in der Nachkriegszeit des ersten Weltkriegs. Auch im zweiten Band rund um Hulda Gold wird deutlich, wie das Berlin in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts Platz für die Schattierungen der Mensch aus aller Welt und die Berliner tickt. Wie im ersten Band gerät sie über ihre Geburtshilfe in die Fänge einen Kriminalfalls. Im Scheunenviertel, in dem arme Juden leben und zusammenhalten, die aus aller Herren Länder den Weg nach Berlin gefunden haben, lernt sie deren Welt kennen. Kurz nach der Geburt verschwindet das Baby aus einer dieser Familien spurlos und Huldas Sinn für Gerechtigkeit ist geweckt. Auf ihrem Weg zur Lösung des Falls trifft sie auf viele unterschiedliche Charaktere und Viertel in Berlin.

Auch hier treffen wir auf eine Mischung aus historischem Roman und Kriminalgeschichte. Nicht nur die Protagonistin, sondern auch ihre Weggefährten, sind gut und authentisch skizziert. Dieser gelungene Genremix gibt nicht nur Aufschluss für die Entwicklungen in Wirtschaft und hauptsächlich der bevorstehenden Politik, sondern ist bildhaft erzählt und lässt ein lebendiges und atmosphärisch gut getroffenes Berlin vor meinem inneren Auge entstehen; die Autorin lässt den Leser/Hörer förmlich darin eintauchen. Die Protagonistin ist eine starke Frau, deren Persönlichkeit sie auszeichnet und sympathisch macht; man möchte sie näher kennenlernen. Dieser Band lässt sich auch ohne Kenntnis des ersten Teils lesen. Allerdings bauen gerade die persönlichen Kontakte auf dem ersten Band auf, so dass hier und da eventuell Verständnisprobleme auftauchen könnten.

Da ich dieses Mal das Hörbuch gehört habe, noch ein paar Worte zur Erzählerin. Mit Anna Thalbach wurde die perfekte Besetzung gefunden. Sie verkörpert quasi Berlin mit all seinen Schattierungen und bringt dies in allen Charakteren aus Berlin wunderbar rüber. Auch die „Fremden“ stellt sie authentisch dar. Total überzeugend. Es macht Spaß, ihr zuzuhören.

Knopf

Beiträge 9
09.10.2020

Als HB Download
Nach einem kurzen Kapitel, welches im Jahr 1902 spielt, geht es gleich ins Jahr 1923. Das Jahr der Inflation. Gleich kamen mir Erinnerungen an Erzählungen meiner Mutter, welche in diesem Jahr geboren wurde. Meine Oma hat wohl immer schon in Hut und Mantel an der Tür gestanden, damit sie den Lohn meines Opas in Empfang nehmen und gleich zum Einkaufen eilen konnte, um überhaupt etwas für das Geld mit den vielen Nullen zu bekommen. Manche Schilderungen in der Geschichte passen gut zu den pers. Erzählerinnerungen.
Anfangs dachte ich noch, Fräulein Huldas Leben verliefe ruhig und in beruflicher Hinsicht in geordneten Bahnen. Dass sich zwischen Karl und ihr noch nicht alles im Lot befindet, war ja eigentlich auch schon klar, aber ein bißchen mehr hatte ich schon erwartet.
Und dann wurde es richtig interessant. Ein Einsatz im Scheunenviertel. Dem jüdischen Armenviertel in Berlin. Hier war Hulda zwar noch nie, aber sie ist ja sehr selbstständig, weder scheu noch ängstlich und wenn sie eine Schwangere unterstützen kann, ist ihr fast keine Unannehmlichkeit zu groß. Aber über die Atmosphäre in diesem Haushalt erschrickt sie doch. Die junge Frau ist doch keine Jüdin! Sie erfährt, dass sie Armenierin ist und von der Schwiegermutter nicht anerkannt, vielleicht sogar gehaßt wird.
Als dann ein paar Tage später ein gesunder Junge zur Welt kommt, dieser aber kurze Zeit später verschwunden ist, ist Frl. Hulda sehr mißtrauisch. Was hat die Familie damit zu tun, was der Rabbi?
Sie steckt schon wieder mitten in Ermittlungen, als sie feststellt, dass Karl auch in einer Sache ermittelt, bei der Kinder verschwinden und teilweise tot wieder auftauchen. Ist das Neugeborene aus dem Scheunenviertel auch diesen Verbrechern in die Hände gefallen? Kann sie das Kind finden und retten?
Wie bereits im ersten Hörbuch dieser Trilogie, ergänzen sich Anne Stern als Autorin und Anna Thalbach als Sprecherin wunderbar. Es waren kurzweilige Zeiten dieses Hörbuch zu hören. Allerdings nicht unbedingt entspannte, wenn man die politische Entwicklung wahrnimmt. Bereits 1923 herrschte so ein Judenhass(die Verursacher der Inflation, wie viele meinen), Hitler putscht bereits und landet erst einmal im Gefängnis. Wie es weitergeht 10 Jahre später, ist ja leider bekannt. Auch der Völkermord an den Armenier läßt einen nicht kalt. Ich habe aber viel an meinen Lieben gedacht, welche alle 1923 das Licht der Welt erblickt haben, teilweise im Oktober! Allerdings auch viele Parallelen in der heutigen Zeit erkannt. Leider!!
Ich freue mich schon auf den dritten Teil, welchen ich bestimmt wieder als Hörbuch genießen werde, auch wenn es sich immer nur um gekürzte Ausgaben handelt.

Gartenfee

Beiträge 18
09.10.2020

1923 waren die Zwanziger weniger golden in Berlin. Einkäufe wurden mit Wäschekörben voller Geldscheine getätigt und die ersten Gewalttaten gegen Juden fanden statt. Und Hulda Gold natürlich mittendrin!

Hulda ermittelt mal wieder in eigener Sache, als sie ein frisch von ihr entbundenes Kind zwei Tage später nicht mehr vorfindet. Wie im ersten Teil gerät sie auch hier wieder selber in Gefahr, als die ersten "Völkischen" Steine werfend und sogar mordend durchs Scheunenviertel ziehen und jüdische Geschäfte zerstören.

Ihre Beziehung sowohl zu Felix als auch zu Karl wird wieder thematisiert, aber irgendwie nicht so ganz klar definiert. Hulda ist eben eine selbständige Frau, die sich nicht binden möchte...

Mir hat auch dieses Hörbuch wieder sehr gut gefallen, auch wenn es kein spannender Krimi ist. Anna Thalbach liest wieder sehr emotional und berlinerisch (wo es angebracht ist), so dass man der interessanten Geschichte gerne lauscht. Ich bin gespannt, wie es mit ihr (und Karl) weitergeht.

Lille_Lesemaus

1 Beitrag
08.10.2020

Ich bin sehr angetan vom Cover. Es ist sehr passend für die 20er Jahre. Obwohl es sehr dezent gehalten ist, finde ich es doch ausdrucksstark. Vor allem der Ausdruck der Hulda ist sehr intensiv.
Da es sich bei Scheuenkinder um den zweiten Fräulein Gold Band handelt hatte ich etwas Sorge nicht gut in die Geschichte finden zu können, diese Sorge war allerdings unbegründet, ich hatte nie den Eindruck das mir Vorwissen aus dem ersten Band rund um Hulda Gold fehlen würde. Die Erzählweise ist flüssig und anschaulich. Durch die Beschreibung der Kleidung oder eben Fehlen dieser bekommt man schnell einen Eindruck von den Zuständen die zu der damaligen Zwischenkriegszeit geherrscht hatten. Auch wenn Hulda sich wenig mit politischen und religiösen Themen beschäftigt erhält man durch ihre Gespräche mit ihrem Freund Bert und ihren Erlebnissen als Halbjüdin einen tollen geschichtlichen und gesellschaftskritischen Einblick. Hulda ist eine unabhängige Frau und will diesen Zustand trotz ihrer Beziehung zu Karl nicht aufgeben. Sie ist eine sehr starke Hauptfigur nicht nur wegen ihres bewundernswerten Berufes, sie trifft schwere Entscheidungen und steht dazu und wenn sie Ungerechtigkeit sieht dann versucht sie zu helfen. Trotz ihres Selbstbewusstseins hinterfragt sie ihr Handeln immer wieder und das macht sie für mich sehr sympathisch. Überhaupt sind die Figuren rund um Hulda gut gezeichnet. Niemand ist nur gut und fast keiner ist nur schlecht. Die Autorin Anne Stern scheut sich nicht ihren Figuren Schwächen zu geben und das macht die Geschichte sehr interessant, obwohl es bis zum Verbrechen ein, zwei Längen gibt konnte mich die Geschichte rund um Fräulein Gold durchgehend fesseln. Die fürsorgliche Wirtin, der resignierte Kriminalbeamte, der unglückliche Exfreund, die verbitterte Schwiegermutter, der undurchschaubare Rabbi, die verängstigte Mutter, ich könnte die Liste noch weiter führen, sie alle haben mich gepackt. Auch die geschichtlichen Aspekte rund um den Pogrom, die große Armutsschere, die Inflation wurden sehr gut in die Geschichte eingewebt. Ein tolles Hörerlebnis, in meinem Fall.

kerstin2601

Beiträge 55
19.10.2020

    Den ersten Band hatte ich förmlich verschlungen, deshalb freue ich mich sehr über „Fräulein Gold – Scheunenkinder“. Der Roman wird sicherlich mit viel spannenden Momenten gespickt sein, wie schon Teil 1.
    Die Autorin entführt den Leser in's harte Leben der Berliner in den 20er Jahren.
    Hulda Gold, eine Hebamme, macht sich auf, das Rätsel um ein verschwundenes Baby zu lösen und trifft dabei auf so manches Geheimnis.
    Dies Mischung aus Historischem, einer zu damaligen Zeiten sehr emanzipierten Frau und einem Kriminalfall ist sehr gut gelungen.

    Vielleserin

    Beiträge 55
    14.10.2020

      1923: Die Berliner Hebamme Hulda Gold wird zu einer Geburt ins Scheunenviertel nach Mitte gerufen. Obwohl die jüdische Familie dort nach ihren ganz eigenen, strengen Regeln lebt, gewinnt Hulda das Vertrauen der jungen Mutter. Und als das Neugeborene nach wenigen Tagen verschwindet, wird sie unvermittelt in die rätselhafte Suche nach ihm verstrickt. Wie kann ein Kind in dieser engen Gemeinschaft einfach so verlorengehen? Je hartnäckiger Hulda den Spuren folgt, desto stärker stößt sie auf Widerstand, denn die Bewohner des Viertels haben ihre gut gehüteten Geheimnisse.
      Bald zeigt sich, dass die Berliner Polizei zur gleichen Zeit nach Kinderhändlern fahndet, und Hulda ahnt einen Zusammenhang. Kann Kommissar Karl North ihr helfen, das Neugeborene zu finden? Doch dann entlädt sich im Scheunenviertel der Judenhass in einem Pogrom, und Hulda selbst gerät in höchste Gefahr. (Klappentext)

      Hier war ich gleich wieder wie beim 1. Band von der Handlung und Geschichte gefangen. Der sehr bildhafte Schreib- und Erzählstil läßt sofort das Kopfkino rattern und man ist mitten im Geschehen dabei. Man erfährt sehr viel über das Berlin zur damaligen Zeit, alles klingt authentisch und logisch. Die verschiedenen Emotionen sind gut gesetzt und man fiebert mit Hulda mit und ist ein Teil des Ganzen. Die Spannung ist von Anfang an gegeben und wird auch gut gehalten und ausgebaut. Die Seiten flogen nur so dahin. Sehr lesenswert

      chrissysbooks

      Beiträge 8
      13.10.2020

        Berlin, im Jahre 1923 wird die Hebamme Hulda Gold ins Scheunenviertel gerufen, um Tamara, einer jungen Frau bei der Geburt zu helfen. In diesem multikulturellen Viertel herrschen andere Gesetze, doch Hulda Gold lässt sich davon nicht einschüchtern. Sie schafft es, das Vertrauen der jungen Mutter zu gewinnen. Nach einigen Tagen ist das Neugeborene spurlos verschwunden und Hulda wird wieder in einen rätselhaften Fall verstrickt.

        Der Schreibstil der Autorin Anne Stern hat mir gut gefallen und ich konnte sofort in die Handlung eintauchen. Dieser zweite Teil der Reihe lässt sich auch ohne Vorkenntnisse lesen. Hulda Gold zeigt sich wieder mit einem starken Charakter und scherrt sich nicht um die Meinung anderer Leute. Selbstbewusst übt sie mit Leidenschaft ihre Arbeit als Hebamme aus.

        Durch ihren recht komplizierten Charakter läuft die Beziehung zu ihrem Freund Karl, der Kommissar bei der Mordkommission ist, nicht immer ganz einfach ab. Aber auch Karl bringt aufgrund seiner problematischen Kindheit einige Probleme mit sich.

        Die Berliner Polizei fahndet nach einem Kinderhändler und Hulda vermutet einen Zusammenhang mit dem verschwundenen Neugeborenen. Ihr Einsatz und das richtige Gespür werden von der Autorin spannend umgesetzt.

        Die bildhaften Schilderungen führten mich in die 20er Jahre zurück. Die historischen Ereignisse wurden gut in dem Roman integriert. Die Autorin schildert gekonnt, den immer mehr verbreiteten Judenhass und die Ängste der Menschen in dieser Zeit. Auch Hulda bekommt immer mehr den Hass gegen die Juden zu spüren und gerät selbst in einem Pogrom in Gefahr.

        Dieser Roman ist emotionaler als der erste Band, denn es gibt einige Themen die mich zutiefst berührten, doch den Kriminalfall empfand ich im ersten Band dieser Reihe etwas spannender.

        Die Charaktere sind alle sehr authentisch beschrieben. Neben Hulda ist mir Tamara sehr ans Herz gewachsen, eine Frau, die es nicht einfach hatte und sehr leiden musste.

        Anne Stern hat mich mit ihrem zweiten Teil der Reihe wieder gut unterhalten. Wie beim ersten Band ist dies ein sehr abwechslungsreicher Roman über die interessante Arbeit einer Hebamme und einem Kriminalteil, der gut mit der Historie der 20-Jahre verknüpft wurde.

        Ich freue mich schon sehr darauf, wie es mit Fräulein Gold im dritten Teil weiter geht und empfehle diesen Roman sehr gerne weiter.

        nati

        Beiträge 23
        12.10.2020

          Gelungene Fortsetzung
          Da mich bereits der erste Band um die Hebamme Hulda Gold begeistert hat, war ich natürlich ganz gespannt auf die Fortsetzung. Es ist das Jahr 1923, die Inflation schreitet weiter fort. Die Geldscheine tragen neue Aufdrucke mit vielen Nullen.
          Hulda Gold arbeitet als Hebamme egal an welchen Wochentag. Durch die Vermittlung ihres Vaters wird sie zu einer jüdischen Familie ins Scheunenviertel gerufen. Die junge schwangere Tamar leidet sehr unter ihrer Schwiegermutter, fasst aber Zutrauen zu Hulda. Nach der Geburt eines gesunden Jungen, verschwindet dieser plötzlich spurlos. Hulda versucht etwas über das verschwundene Kind herauszufinden. Sie erhält keine Auskunft von der Familie und den Bewohnern des Viertels, die ihre Geheimnisse haben.
          Hulda erzählt ihrem Freund Kommissar Karl North von dem Fall und erfährt, dass Kinderhandel bei der Berliner Polizei zur Zeit ein großes Thema ist. Gibt es eine Verbindung zu dem neugeborenen Jungen von Tamar?

          Auch mit ihrem zweiten Band konnte mich Anne Stern wieder überzeugen. Es handelt sich um einen perfekten Genremix. Durch die Darstellung des Milieus zur damaligen Zeit hat die Autorin es mir leicht gemacht in die Welt der Zwanziger Jahre abzutauchen. Sie schafft es auf brillante Art eine Verbindung zwischen den Protagonisten herzustellen.
          Wer unterhaltsame und spannende Lesestunden vor einem historischen Hintergrund sucht, ist auch mit diesem Band gut beraten.

          hasirasi2

          Beiträge 114
          12.10.2020

            Eine grandiose Fortsetzung

            „Ich weiß nicht, wovon sie sprechen. Hier gab es nie einen Jungen …“ (S. 153) Hebamme Hulda Gold ist entsetzt, vor zwei Tagen hat sie im Scheunenviertel einem gesunden Jungen auf die Welt geholfen und als sie jetzt nach ihm sehen will, ist er verschwunden und seine Mutter sieht verzweifelt aus, widerspricht ihrer Schwiegermutter aber nicht. „Angst ist der Stoff, aus dem die ganze Familie Rothmann gemacht ist.“ (S. 149) Hulda hat sofort den Rabbi in Verdacht, der das Kind als erster in der Welt willkommen geheißen hat – er hatte etwas Kaltes an sich. Sie hört sich in der Nachbarschaft um, kommt aber nicht weiter. Auch ihr Freund Karl, der Kriminalkommissar, hat keine Zeit sie zu unterstützen. Er jagt nach einem grausigen Fund gerade eine Bande Kinderhändler.

            „Scheunenkinder“ ist der zweite Band mit Fräulein Gold und obwohl er weniger Krimi ist als der erste, hat er mich von Anfang bis Ende gefesselt. Autorin Anne Stern versteht es meisterliche, die damalige Zeit lebendig werden zu lassen, die Nöte und Sorgen ihrer Protagonisten eindringlich zu schildern. Und davon haben sie 1923 viele. Die Welt taumelt dem Abgrund entgegen, ein Ei kostet plötzlich Billionen, das Geld ist jeden Tag weniger wert und dann gibt es gar keins mehr, bis endlich die Rentenmark kommt. Die Lage in Berlin wird gerade für Juden immer gefährlicher, die Hyperinflation reizt die Menschen, sie suchen die Schuldigen für das Dilemma – die „Goldjuden“. Der Sturm auf das Scheunenviertel beginnt und Hulda ist mittendrin.

            Hulda muss sich erstmalig mit ihrer Herkunft auseinandersetzen. Sie ist durch ihre Geburt Jüdin, aber die Religion wurde schon in ihrem Elternhaus nicht praktiziert. „Und sie, Hulda, war eine Weltenwanderin, stets dazwischen, niemals mittendrin.“ (S. 74) Zudem stößt sie beruflich immer öfter an ihre Grenzen, beneidet die Ärzte und Hebammen in den Kliniken, die besser ausgerüstet sind und mehr dürfen als sie. Aber gibt sie nicht auf und legt sich weiterhin mit dem zuständigen Frauenarzt des Viertels an.
            Auch die Situation mit Karl ist noch ungeklärt. Sie sind irgendwie ein Paar und wollen sich doch nicht binden. „Karl war kein Fels in der Brandung und kein Mann zum Heiraten.“ (S. 68) Hulda hängt an ihrer Freiheit und er hat das Gefühl, ihrer nicht Wert zu sein. „Karl fühlte sich wie ein amputierter Mensch. Äußerlich besaß er alle Gliedmaßen, aber man hatte ihm stattdessen etwas aus seinem Innersten entfernt, hatte ihm die Herzensbindung zu seiner Mutter, ja zu jedem menschlichen Wesen abgeschnitten, und nichts konnte diesen Schnitt je wieder flicken.“ (S. 168) Er flüchtet sich in Depressionen und Alkohol, ohne den er inzwischen kaum noch einen Tag übersteht. Doch trotz dieser Fehler ist er ein liebenswerter Mensch und ich hoffe weiterhin, dass aus ihm und Hulda noch ein richtiges Paar wird.
            Das hoffen auch Huldas Wirtin, Frau Wunderlich, und Kioskbesitzer Bert, der ihr ein väterlicher Freund geworden ist. Ich mag Frau Wunderlich immer mehr, diese polternde Frau mit dem Herz am rechten Fleck, die sich wirklich um sie und die aktuelle Situation sorgt. „Aber am Ende sind wir doch alle Menschen, oder?“ (S. 130) Genau wie Bert, dessen Bildung Hulda (und mich) immer wieder überrascht. Auch sein Geheimnis wird langsam gelüftet, auch für ihn wird es immer gefährlicher.

            Anne Stern hat sich mit dem Scheunenviertel einen Schmelztiegel der Kulturen und Konfessionen als Handlungsort ausgesucht. Die Bewohner gehören zum Bodensatz der Gesellschaft, zu den Ärmsten der Armen. Tamar, die junge Mutter, hat es besonders schlimm getroffen. Sie lebt als Christin unter Juden, wird von der Schwiegermutter nicht akzeptiert, weil sie nicht konvertieren will. Und aus Liebe zu ihrem Mann nimmt sie alles hin. „Ich kann es mir nicht leisten, mich nach Freiheit zu sehnen. Ich darf nicht zu sehr an meinem Halsband zerren, sonst erwürgt es mich.“ (S. 158)

            Anne Sterns sehr poetischer Schreibstil hat mich wieder begeistert. „Die Stadt verschluckte das Licht, würgte es hinunter zwischen den hohen Mauern der rußgeschwärzten Fassaden und ließ es nicht mehr frei.“ (S. 24). Ich bin immer noch hin und weg. 5 Sterne und meine Leseempfehlung!

            BücherwurmNZ

            Beiträge 4
            12.10.2020

              Berlin der 1920er Jahre wird lebendig

              Wie schon im ersten Band um Fräulein Gold liegt in Berlin 1923. Wieder lernt man die ärmeren Viertel kennen, sieht bildlich die Geschäftsigkeit auf den Straßen, nimmt die verschiedenen Abneigung und Übergriffe persönliche den Juden wahr. Die Inflation wird weiter zu, die Zahlen auf den neuen Geldscheinen werden immer erfahren. Mittendrin wieder Hulda, die sich um ihre Wöchnerinnen nehmen. Unerschrocken Interessen sie für das neugeborene Leben, für die kleinen Menschen, um die sich selbst sonst gehört, kann oder kann. So macht sie sich auf die Suche nach dem Verständnisen Art von armen Juden im Scheunenviertel. Trotz der Widerstände, die das Schicksal des Neugeborenen nicht verlieren und unermüdlich tiefer sind, bis sie die Wahrheit wissen. Spannend und sehr anschaulich schildert Anne Stern die Suche nach dem Kind. Man fragt sich, wieso das Kind von der Familie nicht wirklich wird wird und war mit ihm gehört ist.

              Man begegnet auch wieder dem Zeitverkäufer Bert, Huldas Exfreund Felix sowie dem Kommissar und ihrem Freund Karl Nord. Alle drei spielen in Huldas Leben eine große Rolle und sind dements. Ich habe gebannt Huldas Entscheidungen gehört. Wie gehört geht sie sehr persönliche ihre Aufgaben nach, auch geht hinaus, sucht unermüdlich nach dem ständigenen Baby und trifft sich mit dem Kommissar Karl. Zwischen den beiden hat sich bereits im ersten Teil einer Liebesgeschichte angebahnt, die hier weitergehende wird. Trotzdem bleibt mir diese zu oberflüchtig, war wohl den Kürzungen für das Hörbuch geschuldet ist. Viele hatten ich die richtige Zeit das Gefühl, dass die politischen Szenen und die folgendengestückelt waren, da die Übergänge sehr abrupt getroffenten. Daher steht für mich fest, dass ich den gleichen Teil (Der Himmel über der Stadt) auf jeden Herbst wieder lesen werde.

              Fazit:

              Gerne bin ich wieder in Huldas Leben in Berlin der 1920er Jahre eingetaucht und habe ihre Arbeit als Hebamme und der Suche nach dem Neugeborenen gelauscht. Sehr bildhaft wird die Autorin sterben Situation dar und hat die Geschichte spannend denken. Gerne bin ich wieder in Huldas Leben in Berlin der 1920er Jahre eingetaucht und habe ihre Arbeit als Hebamme und die Suche nach dem Neugeborenen gelauscht. Sehr bildhaft wird die Autorin sterben Situation dar und hat die Geschichte spannend denken. Gerne bin ich wieder in Huldas Leben in Berlin der 1920er Jahre eingetaucht und habe ihre Arbeit als Hebamme und die Suche nach dem Neugeborenen gelauscht. Sehr bildhaft wird die Autorin sterben Situation dar und hat die Geschichte spannend denken.

              goejos

              Beiträge 42
              07.10.2020

              Nachkriegszeit.
              Hulda Gold, die Hebamme, hat einen Auftrag aus dem Judenviertel bekommen. Sie war noch nie im Scheunenviertel gewesen und ist daher neugierig auf das Aussehen dieser Gegend.
              Tamara Rothmann wohnt mit ihrem Mann in diesem Viertel und erwartet die Hebamme. Ihr Mann versucht sie verzweifelt zum Übertritt zum jüdischen Glauben zu bewegen. Vergeblich.
              Also genug Spannungsmomente für den Anfang dieser Geschichte. Wenn es so weitergeht, steht einem interessanten Buch nichts im Wege.