Ulrike Schweikert

Die Charité

Sternstunden der Medizin
Berlin, 1831. Seit Wochen geht die Angst um, die Cholera könne Deutschland erreichen – und als auf einem Spreekahn ein Schiffer unter grauenvollen Schmerzen stirbt, nimmt das Schicksal seinen Lauf. In der Charité versuchen Professor Dieffenbach und seine Kollegen fieberhaft, Überträger und Heilmittel auszumachen: ein Wettlauf gegen die Zeit. Während die Ärzte um das Überleben von Tausenden kämpfen, führen drei Frauen ihren ganz persönlichen Kampf: Gräfin Ludovica, gefangen in der Ehe mit einem Hypochonder, findet Trost und Kraft in den Gesprächen mit Arzt Dieffenbach. Hebamme Martha versucht, ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu bieten, und verdingt sich im Totenhaus der Charité. Die junge Pflegerin Elisabeth entdeckt die Liebe zur Medizin und - verbotenerweise - zu einem jungen Arzt ...
Die Charité - Geschichten von Leben und Tod, von Hoffnung und Schicksal im wohl berühmtesten Krankenhaus Deutschlands.


Autorenbild Foto von Ulrike Schweikert

Der  Autor

Ulrike Schweikert arbeitete nach einer Banklehre als Wertpapierhändlerin, studierte Geologie und Journalismus. Seit ihrem fulminanten Romandebüt «Die Tochter des Salzsieders» ist sie eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen historischer Romane. Ulrike Schweikert lebt und schreibt in der Nähe von Stuttgart.


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Rezensionen

maraAngel2107

Beiträge 17
eine Antwort 30.06.2018

Ein wunderbarer Roman zwischen Hoffen und Bangen

1831 Cholera bricht aus und ein heute weltberühmtes Krankenhaus steht am Anfang.
Ein wunderbarer, auf einer wahren Begebenheit ruhender Roman, mit viel Aufwand, Mühe und sehr guten Protagonisten geschrieben.
Ulrike Schweikert, meine Namensvetterin, hat hier sehr genau recherchiert und den Roman sehr gut umsetzen können.
Elisabeth, eine damals sogenannte Wärterin, heute würde sie wohl "Gesundheits- und Krankenpflegerin" genannt werden, hat unter den
schwersten Bedingungen zum damaligen Zeitpunkt ihre ganze Liebe, Kraft und Menschlichkeit eingesetzt, um den Menschen ihre
Krankheiten so erträglich wie möglich zu machen. Sie ist eine der wenigen, die noch mit Liebe und Aufopferung arbeiten, trotz des
auch damals schon sehr niedrigen Lohnes. Sie wird von den anderen Wärterinnen verhöhnt und mehr oder weniger gemieden, doch
dem zum Trotz macht sie ihre Arbeit und verliebt sich zudem auch noch in einen jungen Arzt, der allerdings für Jahre Berlin verlässt,
um sich an anderer Stelle einen Ruf zu machen, weiter zu kommen.
Zwischenzeitlich tritt Elisabeth in die Diakonissen ein, da sie keine Familie mehr hat (glaubt sie zumindest) und sich sehr einsam und alleine
fühlt. Als nach Jahren, Dr. Alexander Heydecker nach Berlin zurück geht, beginnt sie eine Liaison mit ihm, heimlich, da das ja in der Öffentlichkeit
nicht sein darf!
Die Autorin hat hier einen wunderbaren Roman geschaffen, seit langem habe ich mich wieder einmal so richtig gut aufgehoben gefühlt, ich
habe mit Ruhe und Genuss lesen dürfen, somit bekommt man von der Handlung auch jedes einzelne Detail komplett mit und hat das
Gefühl mitten im Geschehen zu sein.
Es ist erschreckend wie früher operiert wurde, ohne Betäubung und ohne die Möglichkeit Wundheilung zu beschleunigen. Wie Menschen
auf dem OP-Tisch von anderen fest gehalten werden, um nicht vor Schmerz auf zu bäumen. Unfassbar was dort aber trotz allem
in der Medizin bereits erreicht wurde. Man erlebt den Fortschritt durch Forschung mit und es ist sehr interessant zu lesen, man lernt sehr
vieles und besonders lernt man die heute Medizin zu schätzen. Gerade damals sieht man, das Ärzte auch nur Menschen sind, die alles
versuchen, um anderen zu helfen, allerdings auch erschreckend zu lesen auf welche Art und Weise. Auch mit Martha ist hier eine tolle Protagonistin geschaffen, zu aller erst als Hebamme und dann sogenannte Totenfrau, heute würde man Pathologin dazu sagen:-) Wie Frauen ihre Kinder bekamen, wie gefährlich das teilweise war, weil wenig Hygiene gegeben war, zumindest in der damaligen Zeit.
Die Autorin hat hier ein grandioses Werk geschaffen, das es unbedingt wert ist gelesen zu werden, es ist eines der Bücher, das ich sicherlich
gerne noch ein weiters Mal, zu gegebener Zeit lesen möchte, zu erfahren, wie es Menschen in früherer Zeit gelungen ist, Operationen
durchzuführen, Krankheiten in den Zaum zu bekommen und auch die plastische Chirurgie hat damals schon eine enorme Bedeutung.
Dieser Roman muss mit 5 von 5 Sternen bewertet werden, da hier alles stimmig ist, die Autorin hat sehr gute Recherche geleistet, um dem
Leser die Geschehnisse möglichst wahrheitsgetreu zu vermitteln, das ist absolut gelungen wie ich finde! Wenn auch nicht alle Personen
hier leibhaftig gelebt haben, so ist es eine gute Mischung aus Wahrheit und Ideen zusammen gefügt, absolut hervorragend gemacht und
sehr leicht und flüssig zu lesen. Man sollte sich für den Roman Zeit nehmen, ihn in Ruhe lesen und genießen, damit er lange nicht aus
dem Gedächtnis geht. Absolut empfehlenswert für jedermann, der ein bisschen Geschichte der Charité kennen lernen möchte!
Ein bisschen von allem gut in einen Roman verpackt, Liebe, Lust & Leidenschaft, sowie Magie und Medizin.
Ein großer Dank an die Autorin für dieses, wie ich finde, Meisterwerk!

  • Kittekathy

    Beiträge: 36
    11.07.2018

    Eine schöne Reszission. Sehr schön geschrieben und man kann sich ein gutes Bild von dem Buch machen.
    es liegt in der Warteschleife bei mir.

tinstamp

Beiträge 21
eine Antwort 20.07.2018

Die Charité ist eine der bekanntesten Universitätskliniken Europas. Als ich letztes Jahr eine Serie im TV sah, die um die Jahrhundertwende spielte und die vorallem von Robert Kochs Forschungen erzählte, war ich begeistert. Ulrike Schweikert ist für mich keine unbekannte Autorin und nach der Leseprobe wusste ich, dass ich diesen Roman unbedingt lesen möchte.

In "Die Charité - Hoffnung und Schicksal" sind wir noch früher angesiedelt und zwar zu Anfang des 19. Jahrhunderts rund um die Jahre 1830-40. Die Cholera wütet in Teilen Osteuropas und auch in Berlin gibt es bereits die ersten Totesfälle. Die Menschen sind verängstigt und schreiben die Krankheit den giftigen Dämpfen, die aus dem Kanal aufsteigen zu. Zu dieser Zeit beginnt Elisabeth als Wärterin in der Charité zu arbeiten. Sie ist eine der wenigen Frauen und Männer, die diese schwere und kaum bezahlte Arbeit mit Herzblut verrichtet. Sie ist einfühlsam und kümmert sich liebevoll um die Patienten, aber auch wissbegierig und intelligent.
Gemeinsam mit Elisabeth beginnt auch Dr. Alexander Heydecker als angehender Arzt in der Charité zu arbeiten. Er ist noch in der Ausbildung, die ihm vom Militär gewährt wird und wird Doktor Diffenbach zugeteilt. Oft liegen sich Elisabeth und Alexander in den Haaren, aber die gegenseitige Anziehung ist groß....der Standesunterschied aber größer.

Gräfin Ludovia ist eine sehr interessante Frau, die ebenfalls ihrer Zeit weit voraus ist. Sie interessiert sich für Medizin und wäre es ihr zu der damaligen Zeit möglich gewesen, hätte sie studiert. So aber ist sie das Anhängsel eines schwachen Mannes, eines Hypochonders, der sich mit seinen eingebildeten Krankheiten das Leben schwer macht. Mit dem behandelnden Arzt des Grafen, Doktor Diffenbach, kann sie einige Stunden mit interessanten Unterhaltungen füllen und verliebt sich in ihn. Ludovica unterstützt daraufhin die Klinik mit finanziellen Mitteln für eine bessere Ausbildung der Wärterinnen.
Hebamme Martha ist die Dritte im Bunde der drei starken Frauen in dieser Geschichte. Durch einen Vorfall möchte sie nicht mehr als Hebamme praktizieren und verschreibt sich der Pathologie.
Doktor Diffenbach ist das Bindeglied dieser drei Frauen, die alle großes Interesse an der Medizin haben und von Diffenbach erkannt und unterstützt wird. Nur mit Ludovica verbindet ihn auch eine geheime Liebe.

Während wir die vier Figuren begleiten, erleben wir den täglichen Ablauf im Krankenhaus, aber vorallem bekommt man die damalige medizinische Realität vorgesetzt. Durch den sehr bildhaften Schreibstil befand ich mich selbst im Krankensaal, konnte den ekelhaften Geruch von Eiter und Bllut riechen und nur schwer atmen. Es ist kaum zu glauben, dass zu dieser Zeit bei einer Operation noch keine Betäubungsmittel eingesezt werden konnten und der Patient einfach nur festgehalten oder angebunden wurde, während er operiert wurde. Die Behandlungsmethoden der damaligen Zeit lassen den Leser dankbar sein, dass er im 21. Jahrhundert leben darf.
Auch Hygiene war ein Fremdwort! Nicht umsonst starben die meisten Patienten nach einer Operation an Wundbrand. Mit Professor Diffenbach, der sich auch der Forschung verschrieb, erleben wir einen sehr engagierten Arzt, der eigene Wege geht und nicht an althergebrachten medizinischen Irrtümern glaubte. Auch die Therapiemethoden von Patienten der psychiatrischen Klinik oder der Behandlung von Syphillis lassen einem beim Lesen die Haare zu Berge stehen...

Die Charaktere sind authentisch und wunderbar real dargestellt. Man erlebt ihre Angst, Wut oder Hoffnung hautnah mit. Die Eigenheiten der realen Personen hat die Autorin miteingeflochten. Alle haben Ecken und Kanten und wurden mit Liebe zum Detail gezeichnet. Man begegnet nicht nur bekannten Ärzten, sondern auch dem Dichter Heinrich Heine oder dem Brüderpaar Alexander und Wilhelm von Humboldt, Naturforscher und Gelehrter.

Ulrike Schweikert ist es wunderbar gelungen interessante Hintergrundinformationen zu vermitteln und dem Roman Leben einzuhauchen. Die fiktiven Figuren wie Elisabeth oder Martha stehen den realen Vertretern der Ärzteschaft, wie Dr. Diffenbach, gegenüber. Viele der angeführten Ärzte gab es wirklich und einige haben mit ihren Forschungen Geschichte geschrieben.
Fiktion und Wahrheit sind von der Autorin wunderbar verknüpft und mit einer dementsprechenden spannenden Rahmenhandlung perfekt umgesetzt worden.
Bezüglich Dichtung und Wahrheit gibt es am Ende des Romans noch einige Erläuterungen der Autorin.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist sehr bildhaft und zeitgemäß, wobei er ruhig auch historischer hätte sein können. Die sachlichen medizinischen Informationen wurden mit einer spannenden Rahmenhandlung lebendig erzählt und wunderbar verknüpft.So fiebert man die 500 Seiten mit allen Figuren mit und erfährt nebenei wissenswertes über Medizin. Ulrike Schweikert hat wirklich hervorragend recherchiert.

Fazit:
Ein wunderbarer Roman, der den Leser aufzeigt, wie viel in den letzten zweihundert Jahren im medizinischen Bereich geforscht und erreicht wurde. Mit einer spannenden Rahmenhandlung und facettenreichen Figuren hat Ulrike Schweikert interessante medizinische Hintergrundinformationen zu einer fesselnden Geschichte verschmelzen lassen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

  • Angela Busch

    Beiträge: 21
    21.07.2018

    Eine sehr schöne und ausführliche Rezension , die den kommenden Leser gut einführt in dieses Buch,,,,
    Herzlich
    Angela

Capri84

Beiträge 20
29.06.2018

Im Jahre 1831 wütet in Berlin die Cholera. Viele Infizierte werden in das noch heute berühmte Charité-Krankenhaus in Berlin eingeliefert, wo viele Ärzte, Schwestern und Wärter um das Überleben Dieser und anderer Patienten kämpfen.
Der Leser lernt viele, bemerkenswerte Persönlichkeiten kennen, deren Lebensweg er über 490 Seiten begleiten kann.
Zum einen ist da der junge, attraktive Arzt Dr. Dieffenbach zu nennen, welcher durch seine Wissbegierde und sein unermüdliches Engagement maßgeblich an vielen Entwicklungen in der Medizin verantwortlich ist. Er ist ein Ehrenmann durch und durch, auch wenn er gelegentlich zu straucheln scheint, denn er liebt nicht nur seine wundervolle Ehefrau Emilie, sondern auch die Gräfin Lodovica, welche die Charité und die Weiterbildung der Wärter finanziell großzügig unterstützt. Eine ebenfalls hilfreiche Unterstützerin ist ihm Wärterin Elisabeth, die ihm bei vielen seiner Behandlungen und Operationen hilfreich und den Parienten tröstend zur Seite steht. Sie ist eine der wenigen Angestellten der Charité, welcher das Wohl der Patienten wirklich am Herzen liegt. Da es Frauen zur damaligen Zeit nicht vergönnt war, Medizin zu studieren, waren sie dazu verdammt, solche niederen Aufgaben ausführen zu müssen. Die Wärterinnen waren damals bei weitem nicht mit den heutigen Krankenschwestern zu vergleichen, denn eigentlich hatten Sie nur für Sauberkeit zu sorgen und wie der Name es schon sagt, die Patienten zu bewachen. Aber damit hat sich Elisabeth nie zufrieden gegeben und hat immer wieder die ihr gesetzten Grenzen übertreten, um für ihre Schützlinge die bestmögliche Behandlung zu erwirken. Während ihrer Zeit in der Charité verliebt sie sich in den jungen, anstrebenden Arzt Dr. Heydecker, welcher die rechte Hand des Dr. Dieffenbach ist. Durch ihre Verpflichtung den Diakonissen gegenüber müssen die Beiden ihre Beziehung allerdings erst einmal geheim halten, was sie vor einige Herausforderungen stellt. Und als Letztes ist da noch die junge Hebamme Martha zu nennen, die in ihrem Beruf mit vielen Herausforderungen zu kämpfen und die ein oder andere schwierige Entscheidung zu treffen hatte, welche das Schicksal vieler Menschen und auch ihr eigenes Leben über Jahre hinweg beeinflussen sollte.

Auch wenn das Buch durch seine wirklich bildhaften und detaillieren Schilderungen von Krankheiten, Operationen und Obduktionen oft nichts für schwache Nerven ist, habe ich es dennoch Seite für Seite genossen, dieses Buch zu lesen, mit allen handelnden Personen mitzufiebern und auch die Entwicklung der Medizin mitzuverfolgen.

Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Selbst medizinische Schilderungen waren für den Laien klar verständlich erklärt. Der Schreibstil war flüssig, die handelnden Personen authentisch und es kam zu keiner Zeit Langeweile auf.

Leider sind meiner Meinung nach aber ein paar Dinge einfach angeschnitten worden, ohne zu Ende geführt zu werden. Als Beispiel ist hier die Cholera zu nennen. Auf dem Klappentext des Buches steht, dass es zur Zeit der Cholera spielt. Diese Handlung war allerdings nach wenigen Seiten schon Geschichte und wurde weder weiter behandelt noch der Herd dieser Krankheit gefunden. Das fand ich sehr schaden und muss aus diesem Grund auch leider ein Pünktchen abziehen.

sylvia_hertel

Beiträge 9
26.06.2018

Die Charité in den 1930er Jahren
Elisabeth verdingt sich als Krankenwärterin an die Berliner Charté.
Die Arbeit ist hart und der Lohn karg.
Schnell unterscheidet sie sich von den anderen Krankenwärterinnen da sie ihre Arbeit mit Liebe macht und den Patienten mit Herzlichkeit und Geduld gegenüber tritt.
Als in Berlin die Cholera ausbricht ist das Krankenhaus schnell überfüllt. Die Ärzte, allen voran Dr. Dieffenbach versuchen dem Erreger auf die Spur zu kommen. Aber auch sonst wird an der Charité viel geforscht und Dr. Dieffenbach entwickelt einige neue Operationstechniken.
„Die Charité“ ist der neuer Historischer Roman der Autorin Ulrike Schweikert.
Die Autorin ist bekannt für ihre gut recherchierten Historischen Romane.
So ist auch „Die Charité“ wieder ein absolutes Highlight am Buchhimmel.
In dem Buch beschreibt die Autorin die Zustände in der Charité in den 1930er Jahren sehr eindrucksvoll.
Allerdings kann man sich diese Zustände heute nicht mehr vorstellen.
Es sei aber gesagt, dass die Charité ein Krankenhaus für die ärmere Bevölkerung war die dort kostenlos behandelt wurden.
Es war auch ein Krankenhaus der Forschung, viele innovative Behandlungsmethoden sind an der Charité erarbeitet worden.
Die Ärzte die in diesem Roman mitwirken sind fast alles reale Personen. Ärzte die wirklich an der Charité gewirkt haben.
Fiktiv ist die Krankenwärterin Elisabeth die eine große Rolle in diesem Roman übernimmt.
Ich hatte Elisabeth sehr schnell ins Herz geschlossen. Sie versah ihre Arbeit mit sehr viel Liebe und Geduld, was bei den anderen Krankenwärterinne nicht gerade auf Verständnis stieß. Die meisten Krankenwärterinnen hatten früher auf der Straße gearbeitet oder gar im Gefängnis gesessen. Anderes Personal war bei diesem Lohn nicht zu finden.
Elisabeth interessiert sich sehr für die Medizin und wäre bestimmt auch eine gute Ärztin geworden aber Frauen war das zu dieser Zeit leider nicht erlaubt.
Eine weitere Person die ich sehr gerne mochte ist Marthe die Stadthebamme.
Sie hat nach einem Ereignis auf das ich hier nicht näher eingehen möchte ihren Beruf aufgegeben und eine Arbeit an der Charité im Totenhaus angenommen. Dort hilft sie beim Sezieren der Leichen und konserviert Organe für Lehrzwecke.
Der wichtigste Arzt in diesem Buch ist Dr. Dieffenbach. Er betrieb eine Privatpraxis und lehrte und arbeitete an der Charité. Darüber hinaus veröffentlichte er noch Artikel und Bücher.
Ein Mann der nur für seine Arbeit und der Erforschung neuer Heilmethoden lebte.
Einer seiner Patienten war Graf von Bredow, ein fürchterlicher Hypochonder der den Arzt ständig rufen lässt um eine seiner eingebildeten Krankheiten behandeln zu lassen. Er zahlte aber steht ein gutes Honorar.
Die Frau des Grafen, Gräfen Ludovica, die sich von ihrem Mann vernachlässigt fühlt verliebte sich in den Arzt und wurde seine Gönnerin. Die finanzierte eine Schule in der Krankenwärter ausgebildet werden sollen.
Auch Ludovica interessierte sich sehr für die Medizin und genoss es mit Dr. Dieffenbach über seine Veröffentlichungen zu reden.
„Die Charité“ ist ein sehr guter Historischer Roman der mich von der ersten Seite an begeistert hat.
Er erzählt die Geschichte von dem wohl bekanntesten Krankenhaus Deutschland aber auch die zwischenmenschlichen Beziehungen kommen hier nicht zu kurz.

SBS

Beiträge 66
25.06.2018

Berlin 1831: Die Cholera bricht aus und weder Ursache noch Heilmittel sind bekannt. Die Menschen, vor allem die Armen, sterben in den Elendsvierteln und der Charité reihenweise und die Ärzte scheinen zu zusehen verdammt. Zu diesem Zeitpunkt lernt der Leser drei ganz unterschiedliche Frauen kennen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben können. Einmal die junge Wärterin Elisabeth, die aus einer armen Familie stammt, dann die sehr angesehene Stadthebamme Martha und die Gräfin Ludovica.
Dieses Buch war mal wieder eins der Sorte, von dem man hofft, dass es nicht aufhört. Die Charaktere und deren Entwicklung haben mich genauso gefesselt wie die gut recherchierte Medizingeschichte. Quasi von der ersten Seite an übte das Buch auf mich eine unheimliche Sogwirkung aus. Das Los der Menschen war hart, die medizinische Versorgung teilweise noch sehr fragwürdig, wenn auch immer wieder neue Methoden und Fortschritte erwähnt werden. Ich fand die Operationen – die ohne Narkose durchgeführt wurden! – sehr gut dargestellt, die hygienischen Zustände so gut beschrieben, dass einem beim Lesen ganz anders werden konnte. Die Anfänge der Krankenpflegerausbildung fand ich gelungen dargestellt.
Was das Buch aber auch deutlich machte: Manche Probleme von damals sind heute noch nicht behoben, denn auch heute haben Pfleger zu viele Patienten zu betreuen und werden zu schlecht bezahlt.
Die drei Frauen im Fokus der Geschichte sind jede für sich beeindruckend und ihre Geschichte in sich stimmig. Der Schreibstil ist flüssig, gut zu lesen und selbst schwierige Aspekte werden gut verständlich geschildert – manchmal so gut, dass beim aufmerksamen Lesen Bilder im Kopf entstehen, die man da so eigentlich gar nicht haben möchte…
Was mir auch sehr gut gefiel war die Mischung aus Fiktion und Realität, sowie die eingestreuten Persönlichkeiten, die jeder kennt (Alexander von Humboldt, Heinrich Heine…), das wohldosierte Privat- und Gefühlsleben der Protagonisten und das Schicksal der kranken Menschen mit denen man einfach mit bangt.
Ich kann das gleichermaßen interessante, lehrreiche, unterhaltsame wie auch spannende Buch nur weiterempfehlen!

Tara

Beiträge 5
24.06.2018

Medizin im 19. Jahrhundert

„Die Chartitè“ ist ein weiterer gut recherchierter historischer Roman der Autorin Ulrike Schweikert.

Das Buch beginnt 1831 in Berlin. Die Cholera bricht aus und in die Medizin sucht unermüdlich nach den Ursachen, um einen Heilungsweg zu finden. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen drei starke Frauen – die Hebamme Martha, Gräfin Ludovica und die Pflegerin Elisabeth – und einige Ärzte der Charitè.

Sehr beeindruckend stellt die Autorin das Leben in der Berliner Charitè dar. Die Beschreibungen sind ausgesprochen authentisch und man kann die medizinische Entwicklung, neue Operationsmethoden und andere Fortschritte miterleben. Die Schicksale, die zum Teil fiktiv und zum Teil historisch belegt sind, werden erschreckend geschildert, so dass man mit den Menschen hofft, bangt und leidet. Die Behandlungsmethoden wirken aus jetziger Sicht beängstigend, haben aber letztendlich zu den heutigen Erfolgen in der Medizin geführt.

Einfühlsam und schonungslos werden die Verhältnisse der damaligen Gesellschaft beschrieben. Es ist bewundernswert mit welchem Enthusiasmus die Ärzte und Schwestern mit den ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten versucht haben, das Leid der Menschen zu mildern. Allerdings wird auch die andere Seite nicht verschwiegen, dass armen Menschen regelrecht zu Versuchskaninchen wurden und unnötige Schmerzen ertragen mussten.

Ihre Charaktere beschreibt Ulrike Schweikert glaubhaft und man erfährt neben ihrer Arbeit auch noch einiges über ihre Gefühle und ihr Privatleben, was den Roman abwechslungsreich und fesselnd gemacht hat.
Auch wenn sich die Zustände in den Krankenhaussälen heute gebessert haben, sind die Missstände bei den Pflegekräften die Gleichen – zu wenige Pfleger für zu viele Patienten.

Von mir gibt es für diesen gut recherchierten, interessanten und gleichzeitig unterhaltsamen Roman eine klare Leseempfehlung.

Leseeckchen

Beiträge 21
14.09.2018

    Frauen und Medizin im frühen 19. Jahrhundert

    Berlin, Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Ärzte in der Charitè kämpfen um Leben, Seite an Seite mit Wärterinnen, die mehr oder weniger herzlich die Kranken pflegen. Frauen haben es schwer, wenn sie nicht in höheren Kreisen leben. Drei Frauen erleben diese Zeit völlig unterschiedlich, und doch vereint sie das Interesse an der Medizin und die Tatsache, dass Frauen wenig Rechte haben. Jede einzelne kämpft auf ihre Weise und um ihre Träume. Auch die Liebe spielt dabei eine Rolle.

    Obwohl ich nicht der große Histo-Fan bin, habe ich dieses Hörbuch gebannt und fasziniert gehört. Beate Rysopp hat die perfekte Stimme und ideale Betonung für Ulrike Schweikerts Worte. Dass hier nicht einfach eine erfundene Geschichte, sondern wahrer historischer Hintergrund einen großen Anteil hat, macht viel von dieser Faszination aus. Diese Zeit ist noch gar nicht so lange her und doch unendlich weit weg. Kaum vorzustellen, wie hart das war und welch horrenden Irrtümer die damaligen Ärzte vehement verteidigt haben. Dass oft nur Zufälle eine neue Entwicklung ermöglichen und Änderungen manchmal nur mit Gewalt und Kampf möglich sind, stimmt mich mehr als traurig.

    Die Geschichte dieser Frauen und Ärzte geht bei mir ganz tief unter die Haut. Und dann sehe ich, wie wir heute so viel Kraft dafür verschwenden, eine Gleichheit zu erzwingen, die niemandem nutzt. Der Wahn, heute an jedes Wort „-innen“ anhängen zu müssen, regt mir mehr auf denn je. Haben wir das wirklich nötig?

    Ohne moralischen Zeigefinger kommt Ulrike Schweikert aus. Sie stellt einfach nur sehr klar und deutlich dar, wie das Leben „damals“ war. Für Frauen sehr viel schlechter, als für Männer – und das ganz ohne Begründung. Es war einfach so! Männer durften Ärzte werden, Frauen war die Medizin nicht erlaubt, nur als Hebamme oder Wärterin, später als Diakonisse. Der Umbruch, die Erkenntnis einiger weniger Männer, die Veränderungen – das hat Zeit und Kraft gekostet. Dennoch waren Frauen schon immer bereit, diese Kraft aufzubringen. Die drei weiblichen Hauptfiguren in „Die Charitè“ sind mutig und stark, trotz vieler Rückschläge und Einschränkungen. Ob nun die Gräfin Ludovica, die nie finanzielle Not kannte, oder Martha, die ihren schielenden Sohn allein durchbringen muss, oder Elisabeth, die alles daran setzt, dem Schicksal ihrer Schwester zu entgehen – sie machen alle Mut.

    Oftmals werden Wunden und Operationen so anschaulich beschrieben, dass ich gegen Ohnmacht und Übelkeit ankämpfen musste. Da bin ich zart besaitet! Dennoch konnte ich einfach nicht aufhören, weiterzuhören. Das (Hör-)Buch besitzt eine ganz eigene Form der Spannung. Wie sich die Medizin langsam von einer zur anderen Erkenntnis arbeitete, wie sich die Frauen einen Platz in diesem Gebiet erkämpft haben, das Schicksal der Patienten, aber auch, wie liebende Herzen zueinander fanden – oder auch nicht – das hat die Autorin wunderbar unter einen Hut gebracht. Fiktion und Wirklichkeit, ganz gekonnt ineinander verwebt – so gefällt mir ein historischer Roman.

    Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie gelungen ich „Die Charitè“ finde. Das ist Unterhaltung mit Lerneffekt, würde ich behaupten wollen. Geschichtsunterricht auf besondere Art, beste Unterhaltung und ein wahrer Hörgenuss. Von mir gibt es deshalb die vollen fünf Sterne.

    LEXI_LB

    1 Beitrag
    11.09.2018

      Man kommt jeden Tag an seine Grenzen und fragt sich, wo man die Kraft hernehmen soll.

      Die Stadt Berlin im Herbst 1831 gleicht immer mehr einem Totenhaus, der Ausnahmezustand wird ausgerufen, nachdem die Cholera Einzug gehalten hat und eine Welle von Elend und Tod mit sich bringt. Die ersten auftretenden Fälle werden ins Pockenhaus der Charité gebracht, dem ältesten Krankenhaus Berlins, welches das zentrale Thema dieses historischen Romans darstellt. Einst ein Spital für arme Bürger und Soldaten avancierte es dank ihrer wichtigen Funktion als Lehr- und Forschungsstätte zu einer der forschungsintensivsten medizinischen Einrichtungen Deutschlands und brachte einige Nobelpreisträger für Medizin oder Physiologie hervor.

      Ulrike Schweikert konzentriert sich im vorliegenden Buch auf die medizinische Versorgung und führt ihren Lesern hautnah das Leid der Kranken und die folgenschweren Behandlungsmethoden vor Augen – und zwar in einer Zeit, in der Erkenntnisse über die Ursache von Krankheiten sowie weitere bahnbrechende Entdeckungen erst noch bevorstanden. Die Sterblichkeitsrate bei Operationen war hoch, eine Schmerzbetäubung sowie die Möglichkeit, Wundbrand zu behandeln, nicht vorhanden. Die Ärzteschaft stand heimtückischen Krankheiten wie Cholera, Typhus, Ruhr oder der Diphterie schier machtlos gegenüber, Ursachenforschung und Behandlungsversuche waren nur selten von Erfolg gekrönt. Es gab erste Versuche bei Bruchoperationen, Operationen von schielenden Augen und im Bereich der plastischen Chirurgie, das Kindbettfieber raffte unzählige Mütter nach der Geburt hinweg. Auch das Rätsel um Bluttransfusionen wartete noch darauf, gelöst zu werden.

      In dieser spannenden Epoche bewirbt sich die neunzehnjährige Protagonistin Elisabeth Bergmann als Krankenwärterin in der Charité, wo sie zwar für ihre harte Arbeit nur kargen Lohn erhält, jedoch gratis Unterkunft und Verpflegung lukriert. Für die junge Frau, die ihre ganze Familie verloren hat, ist diese Stelle die einzige Möglichkeit, ihren unbändigen Lerneifer, ihren Wissensdurst und ihr übergroßes Interesse an der Arbeit der Ärzte zu stillen. Die sanftmütige und herzliche Krankenwärterin wird sehr rasch zu einem kleinen, aber wichtigen Rädchen im großen Gefüge der Charité, sie ist beliebt, hat einen guten Einfluss auf die Patienten, tritt jedoch sehr hartnäckig und streitbar auf, wenn sie ihre Vorstellungen zugunsten der Kranken in die Tat umsetzen möchte. Elisabeth verkörpert Trost und Aufmunterung und setzt sich für Veränderungen ein, was manchen ihrer Kollegen und auch manchem Arzt und ein Dorn im Auge ist. Ein angehender junger Arzt mit faszinierenden blauen Augen empfindet Elisabeth als besonders lästige Plage, muss sich nach einiger Zeit jedoch das Geständnis abringen, ihre Intelligenz und ihren Kampfgeist zu bewundern. Nachdem vier Diakonissen unter der Führung ihrer Oberin Einzug in die Charité halten und eine vermögende Adelige sich gemeinsam mit dem Chirurgen Dr. Johann Friedrich Dieffenbach für die Ausbildung des Pflegepersonals einsetzt, muss Elisabeth eine Entscheidung treffen…

      Ulrike Schweikert bietet mit ihrer aktuellen Neuerscheinung einen tiefen Einblick in die Geschichte der Charité und man merkt als Leser, wie hervorragend die Autorin recherchiert und sich mit den historischen Fakten vertraut gemacht hat. Das Buch liefert eine pralle Fülle an Informationen, die in Romanform verpackt eine ausgezeichnete und hoch interessante Lektüre abgeben. Besonderes Augenmerk wird hierbei zum einen auf die medizinischen und hygienischen Gegebenheiten dieser Zeit gelegt, zum anderen beschäftigt Ulrike Schweikert sich mit historischen Persönlichkeiten, die in der Charité tätig waren. Abgesehen von der fiktiven Figur der Elisabeth Bergmann konzentriert sich die Autorin auf den ausgezeichneten Operateur Dr. Johann Friedrich Dieffenbach, der voller Ehrgeiz, Forscherdrang und Schaffenseifer versucht, ein Mittel gegen die Cholera zu finden. Der sanfte und rücksichtsvolle Mann ist für die Schüler der Pépinière, der Medizinisch-Chirurgischen Akademie für das Militär, aber auch für seine Kollegen und die Krankenwärter ein großes Vorbild. Neben weiteren ärztlichen Größen wie Dr. Calow, Eduard Wolff, Karl Alexander Kluge, Karl Wilhelm Ideler und dem Leiter Johann Nepomuk Rust spielt die resolute Stadthebamme Martha Vogelsang eine wichtige Nebenrolle im Buch – sie gibt ihre Arbeit als Hebamme zugunsten einer Tätigkeit im Totenhaus der Charité auf. Sehr interessant fand ich auch die Ausführungen der Autorin zum Wesen und zur Entstehung der Diakonissen-Bewegung sowie zu Pfarrer Fliedner aus Kaiserswerth, der eine Bildungsanstalt für evangelische Pflegerinnen gegründet hatte und sein Haus wie eine Schwesternschaft führt.

      Abschließend möchte ich noch auf die optische Aufmachung dieses Buches hinweisen, die dem Verlag hervorragend gelungen ist. Eine dem Betrachter zugewandt sitzende gesichtslose Frau, gekleidet in der Tracht der Charité, hält eine rote Rose in ihren auf der blütenweißen Schürze ruhenden Händen. Sowohl die Körperhaltung, als auch die farbliche Gestaltung wirken aussagekräftig und harmonisch. Der schwarz gedruckte Autorenname und der in sattroter Prägeschrift gehaltene Buchtitel erscheinen elegant und stilvoll. Diesen Roman würde in einem Buchladen allein schon aufgrund der bemerkenswerten Optik meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ich empfand die colorierte Zeichnung sowie den genauen Grundriss der Charité auf den ersten Buchinnenseiten als höchst informatives und nützliches Detail, und in einem Nachwort der Autorin äußert diese sich zur Entstehung dieses Buches und den historisch belegten, wie auch den fiktiven Figuren.

      Fazit: „Die Charité“ war mein erstes Buch von Ulrike Schweikert und ich bin begeistert von ihrem einnehmenden, mitreißenden Schreibstil, den hervorragend recherchierten historischen Fakten und den wunderbar ausgearbeiteten und authentischen Figuren – ein Gesamtpaket, das mir ausgezeichnet gefallen hat und mir ein unvergleichliches Leseerlebnis bescherte.

      seschat

      Beiträge 17
      09.09.2018

        Rundum überzeugende Geschichte

        Ulrike Schweikerts Mammutwerk "Die Charité" habe ich mit ausgesprochener Freude gelesen. Das lag vor allem an der brillanten Recherche sowie an den authentischen Charakteren. Seite für Seite lässt die Autorin den Leser in die Welt der Berliner Charité von 1830 bis 1840 eintauchen. In dieser medizinisch noch recht abenteuerlichen, weil rückständigen Zeit bewirkten einzelne Ärzte und Pfleger wirkliche Wunder und ließen Humanität walten. Schweikert entwirft ein lebendiges Bild dieses medizinischen Mikrokosmos', indem sie verschiedene mit der Charité verbundene Einzelschicksale parallel aufgreift. Hierbei vermischt sie Fiktion und Überlieferung auf brillante Weise miteinander. Ein Erzählstrang widmet sich dem legendären Chirurgen Professor Dieffenbach, der stets das neueste medizinisches Knowhow anwendet und heimlich in die Gräfin Ludovica verliebt ist. Darüber hinaus wird das Leben der allein erziehenden Hebamme Martha betrachtet, die sich durchs Leben kämpfen muss. Zu guter Letzt wird auf das Schicksal der verwaisten Pflegerin und späteren Krankenschwester Elisabeth eingegangen, die sich Tag für Tag aufopferungsvoll und mit viel Empathie um ihre Patienten kümmert. Diesen drei Personen über die Schulter schauen zu dürfen, ist ausgesprochen spannend, da man dabei nicht nur viel über die Lebensumstände um 1830/40 erfährt, sondern auch einen detailreichen Einblick in die damalige Medizin erhält. Besonders der Umgang mit den vorherrschenden Krankheiten, wie Cholera, Wundbrand und Kindbettfieber, förderte Neues sowie aus heutiger Sicht Erschreckendes zutage. Obschon die medizinische Komponente einen Großteil der Handlung ausmacht, wird das Privatleben der einzelnen Protagonisten nie vernachlässigt. Es sind vor allem die stetig wechselnden Erzählstränge, die den Plot nie monoton werden lassen. Im Gegenteil, einmal angefangen, möchte man den Historienroman gar nicht mehr zur Seite legen - wahrlich ein Pageturner par excellence. Auch Schweikerts zeittypischer Sprachstil trug seinen Teil dazu bei.

        FAZIT
        Ein fesselnder Historienroman mit Mehrwert, den man so bald nicht wieder vergisst. Hier wird Medizinhistorie spielerisch einfach vermittelt. Dafür vergebe ich gern 5 Sterne.

        sanne_lo

        Beiträge 4
        05.09.2018

          Die Cholera ist in Berlin! Doch nicht nur mit dieser Seuche, auch mit Krätze, Syphilis, Brüchen, Verbrennungen, Amputationen werden die Ärzte in Berlin konfrontiert. Gegensätzliche Lehrmeinungen prallen aufeinander, von Hygiene kann keine Rede sein, Krankenwärter sind rar und unwillig. All diese Dinge und noch viel mehr spielen sich in der Charité ab. Folterhölle? Ort der Wissenschaft? Gesundwerde-Anstalt?
          Ein spannender Einblick in die Geschichte dieses berühmten Hauses. Krankenhausalltag aus Sicht der Ärzte und Pfleger. Hierarchien behindern den Fortschritt. Arme Patienten werden zu Versuchskaninchen, aber auch wohlhabende Patienten erfahren oft die Schrecken unausgereifter Techniken. Depressiven Patienten werden bewusst heftige Schmerzen zugefügt, um ihren Geist zu wecken. Trotzdem: engagierte und wissbegierige Ärzte entdecken schonendere Verfahren, gehen neue Wege, tun alles zum Wohl der Kranken. Bessere Operationsmethoden werden durchgesetzt. Und auch bei den Pflegekräften gibt es Veränderungen: eine Art Ausbildung wird eingeführt. Gut für die meist rechtlosen Insassen. Die miserable Bezahlung aber bleibt, Personalmangel führt zu Pflegenotstand. Da hat sich bis heute nicht viel getan.
          Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz.
          Lest selber, es lohnt sich.

          Dreamworx

          Beiträge 14
          02.09.2018

            Medizinische Sternstunden

            1831 Berlin. Im Stadt- und Universitätskrankenhaus Charité haben die Ärzte und auch die Krankenwärter alle Hände voll zu tun, denn in Berlin ist die Cholera ausgebrochen. Die Menschen sterben wie die Fliegen und kaum jemand überlebt die Seuche. Der Chirurg Professor Johann Friedrich Dieffenbach und seine Kollegen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Ursachen der Krankheit zu erforschen und ein Heilmittel zu entwickeln. Darunter leidet seine Ehe, doch findet er in der verheirateten Gräfin Ludovica seine Muse, die im sowohl die finanziellen Mittel für das Krankenhaus zur Verfügung stellt, als auch sein Herz höher schlagen lässt. Währenddessen muss sich die Hebamme Martha Vogelsang allein um das Überleben für sich und ihren kleinen Sohn kümmern, weil ihr Mann sie verlassen hat. Sie entscheidet sich dafür, den Dienst als Hebamme aufzugeben und im Totenhaus der Charité zu arbeiten. Ihre Freundin Elisabeth Bergmann hat ihre ganze Familie verloren und beginnt ihre Ausbildung als Krankenwärterin, wo sie den Ärzten schnell durch ihre Fürsorge für die Patienten und ihre Sorgfalt auffällt, besonders einem…

            Ulrike Schweikert hat mit ihrem Buch „Die Charité – Hoffnung und Schicksal“ einen sehr fesselnden historischen Roman vorgelegt, der den damaligen medizinischen Alltag über einen Zeitraum mehr als von 10 Jahren in dem noch heute berühmten Berliner Krankenhaus beleuchtet. Der Schreibstil ist flüssig, atmosphärisch dicht und spannend, der Leser wird regelrecht in die Seiten gesogen, um als stiller Beobachter im Berlin des 19. Jahrhunderts durch die Gänge der Charité zu wandeln und den Ärzten, Krankenwärtern und Patienten über die Schulter zu sehen. Die Handlung wird aus den verschiedenen Perspektiven der Protagonisten erzählt und lässt den Leser so eine rundum gelungene Geschichte mitverfolgen. Die Autorin versteht es geschickt, historische Zeitgeschichte mit Fiktion dicht zu verweben und dem Leser so ein gutes Gesamtbild der damaligen Lage zu vermitteln, wo mit einfachsten medizinischen Utensilien zu Werke gegangen wurde und man eigentlich nur froh sein kann, in der heutigen Zeit die moderne medizinische Versorgung zu haben. Sehr plastisch werden Operationen, Behandlungen, Lehrveranstaltungen sowie Forschungsversuche geschildert, so dass der Leser das Gefühl hat, genau daneben zu stehen. Dabei wird einem bewusst, wie hoch die damalige Sterberate war und dass die Ärzte auch bei so vielen Misserfolgen weiterhin unermüdlich nach einer Lösung geforscht haben.

            Die Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet und in Szene gesetzt worden. Durch ihre individuellen Eigenschaften wirken sie lebhaft und authentisch. Professor Dieffenbach ist ein unermüdlicher Mann, der Kampf für seine Patienten hat oberste Priorität. Dass sein Privatleben darunter leidet, nimmt er in Kauf. Er besitzt einen wachen Geist und ist energisch, aber auch mitfühlend und offen für Neuerungen. Gräfin Ludovia ist eine freundliche Frau, die mit einem Ehemann geschlagen ist, der egoistisch und selbstbezogen ist. Maria ist eine mutige und starke Frau, die für sich und ihren Sohn ums Überleben kämpft. Elisabeth ist interessiert an allem Medizinischen, sie ist intelligent und sieht schnell, wo die Missstände liegen, um diese dann gegen den Widerstand auszumerzen. Sie hat eine eigene Meinung, die sie auch kundtut und sich den Mund nicht verbieten lässt. Auch die übrigen Protagonisten lassen die Handlung durch ihr Erscheinen lebendig und realistisch wirken, wobei man so bekannte Namen wie Heinrich Heine und Alexander von Humboldt erleben kann.

            „Die Charité – Hoffnung und Schicksal“ ist ein großartiger historischer Roman über das Leben und Wirken an dem bekannten Krankenhaus, durch dessen Forschung und Entwicklung über die vergangenen Jahrhunderte die Medizin wahre Fortschritte für die Menschheit erreicht hat. Absolute Leseempfehlung für einen Erlebnisroman erster Klasse!

            adorable.Books

            Beiträge 5
            28.08.2018

              Auf das Buch bin ich durch die Serie Charité gekommen. Eigentlich ist das so überhaupt nicht mein Genre aber da ich die Serie nur so gesuchtet habe, war ich mir schon fast sicher, dass mir auch das Buch sehr gut gefallen wird. Und genau so ist es gekommen. Ich habe es nur so verschlungen. Das Cover passt auf jeden Fall sehr gut zum Inhalt und ich finde es auch sehr gelungen. Es spricht an. Der Schreibstil ist flüssig und ich kann mich auch gut in die Charaktere hineinversetzen. Es ist sehr authentisch jedoch hätte ich mir vom Klappentext her gewünscht, dass es sich etwas mehr um die Cholera dreht. Die wurde leider recht schnell abgehandelt. Jedoch wurden andere Krankheitsbilder mit eingebracht, was mich dann wieder etwas milde gestimmt hat.
              Das Buch bekommt von mir vollste Leseempfehlung. Auch wenn man Historische Romane eigentlich gar nicht mag.

              Conny1803

              Beiträge 5
              26.08.2018

                Nachdem ich vor Monaten die Leseprobe schon verschlungen hatte, habe ich mich sehr gefreut, als ich endlich das Buch in der Hand hatte.
                Ich habe es binnen 3Tagen durchgelesen....und was soll ich sagen, es war super!
                Die Geschichte des Krankenhauses, der Aerzte und "Pfleger" von damals, dazu noch die Geschichte der Waerterin Elisabeth. Sehr gelungen und sehr empfehlenswert fuer alle, die gern historische Romane und Buecher von Frau Schweikert lesen!

                Xanaka

                Beiträge 2
                14.08.2018

                  Was für ein Buch.....

                  Während des Lesens befinden wir uns in Berlin 1831. Es ist damals in Berlin eine völlig andere Zeit. Die Charité ist bereits eine etablierte Einrichtung um Kranke mehr oder weniger zu heilen. Krankenschwestern und Krankenpfleger werden Wärter bzw. Wärterinnen genannt. Männer, die ihren Job verloren haben, nehmen diesen Job an um nicht auf der Straße zu landen.
                  Es ist die Geschichte von Elisabeth, die als Wärterin in der Charité arbeitet, von Professor Dieffenbach einem dortigen Arzt und von vielen anderen Betroffenen zur damaligen Zeit. In Berlin herrscht die Cholera und die Ärzte sind machtlos. Auf der Suche nach Ursachen für diese Epidemie gibt es verschiedenste Theorien, die aus heutiger Sicht natürlich völlig illusorisch sind. Die Patienten liegen mit allen möglichen Krankheiten in großen Krankensälen. Immerhin haben die Patienten eigene Betten. Aber es riecht in den Sälen. Zur Geruchsverbesserung wird aromatischer Rauch in den Krankensälen verströmt. Aber auch der Zustand in den anderen Bereichen der Charité ist verstörend. Patienten, der Irrenanstalt werden, wenn sie nicht beschäftigt werden können, angekettet. Die Charité war zu dieser Zeit das einzige Krankenhaus und platzt offensichtlich aus allen Nähten. Viele heute bekannte Krankheiten werden skizziert und man kann, ohne wissenschaftliche Belehrung, erfahren wie damals verfahren wurde. So wurden Operationen ohne Betäubung durchgeführt. Die Patienten mussten festgehalten werden, um sich lebensrettenden Operationen unterziehen zu können. Und genau diese Handlungsstränge machen das Buch so informativ, interessant und lesenswert. Wunderbar vermischt die Autorin die einzelnen Erzählstränge mit einzelnen Schicksalen die die Handlung vorantreiben.
                  Besonders lesenswert wird das Buch durch Persönlichkeiten die jeder kennt und die geschickt in die Handlung mit eingebaut wurden. So trifft man beim Lesen auf Heinrich Heine, oder aber auch auf die Humboldt-Brüder. Aber auch die Beschreibungen von Berlin, die Umgebung rund um die Charité in Berlin lassen einen erahnen, wie es damals in und um Berlin ausgesehen haben mag.

                  Für mich war das ein überaus gelungener Ausflug in die Vergangenheit. Aus heutiger Sicht ist das eigentlich gar nicht mehr vorstellbar. Umso besser, dass es darüber Bücher gibt, in denen über die damaligen Gegebenheiten berichtet wird. Ich habe sehr viel über die einfache medizinische Behandlung in damaliger Zeit erfahren und die vergeblichen Versuche der Mediziner Menschenleben zu retten. Ich kann allen diesen wunderbar recherchierten, historischen Ausflug in die Zeitgeschichte empfehlen. Von mir gibt es verdiente fünf Lesesterne und eine unbedingte Leseempfehlung.

                  Nadine U.

                  Beiträge 12
                  09.08.2018

                    Der Roman „Die Charité“ von Ulrike Schweikert ist im Juni 2018 im Verlag Rowohlt Taschenbuch erschienen.

                    Schauplatz des Romans ist wohl das berühmteste Krankenhaus Deutschlands – die Charité in Berlin. Im Jahr 1831 wird Berlin von einer Choleraepidemie heimgesucht. Fortan versuchen Professor Dieffenbach und seine Kollegen herauszufinden, wie Cholera übertragen wird und ein Heilmittel zu entwickeln.
                    Zu dieser Zeit nimmt Elisabeth eine Stelle als Wärterin an und kümmert sich aufopferungsvoll und mit viel Freundlichkeit und Hingabe um ihre Patienten, um ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Leider teilen nicht alle Wärterinnen die gleiche Einstellung wie Elisabeth, so dass sie oftmals in die Schusslinie gerät.
                    Nebenbei entdeckt Elisabeth ihr Interesse für Medizin und für einen ganz bestimmten jungen Arzt.
                    Die Hebamme Martha gibt nach einem schlimmen Vorfall ihren Beruf auf und fasst im Totenhaus der Charité Fuß. Dadurch hat sie bessere Arbeitsbedingungen und kann besser für ihren Sohn sorgen.
                    Die Gräfin Ludovica ist unglücklich mit einem Hypochonder verheiratet und findet Trost in der Freundschaft und den Gesprächen mit Professor Dieffenbach.

                    Ulrike Schweikert hat sehr anschaulich beschrieben, welchen Entwicklungsstand die Medizin zur damaligen Zeit hatte: wie der Wissensstand der Ärzte zur Entstehung und Übertragung sowie zur Behandlung von Krankheiten war; welche Behandlungsmethoden angewandt wurden; welche Qualen die Patienten erleiden mussten. Unvorstellbar, das Operationen ohne jegliche Form von Narkose durchgeführt wurden. Ganz zu schweigen von den hygienischen Bedingungen, die damals herrschten und deren dramatische Auswirkungen.
                    Auch die Darstellung der einzelnen Abteilungen und deren Behandlungsspektrum waren beeindruckend. Viele namenhafte Ärzte waren damals in der Charité tätig, denen wir dank ihres Forscherdranges so einige Erkenntnisse verdanken.
                    Interessant war zudem die Entwicklung der Krankenpflegeschule. Schon damals wurde erkannt, dass die Wärterinnen spezielle Anforderungen mitbringen und eine entsprechende Ausbildung absolvieren sollten, um diese Arbeit zum Wohle der Patienten ausführen zu können.

                    Neben der medizinischen Entwicklung vermittelt Ulrike Schweikert ein klares Bild über die Stellung der Frau zur damaligen Zeit.

                    Aufgrund der vielen Charaktere (vorwiegend Ärzte), die in dem Buch vorkommen, hätte ich zur besseren Orientierung eine Übersicht mit den Ärzten und deren Position in der Charité gut gefunden.
                    Im Nachwort klärt die Autorin kurz über einige Protagonisten und deren wirkliche Existenz (oder auch nicht) auf. Hier hätte ich mir mehr Informationen über das Wirken und Schaffen einzelner Ärzte usw. gewünscht.

                    Fazit
                    Ulrike Schweikert ist eine sehr gute Verbindung zwischen Historie und Fiktion gelungen. Dem Roman ist es anzumerken, dass die Autorin sehr gut recherchiert hat und diese Informationen in authentische Protagonisten und Handlungen einfließen ließ.
                    Dieses Buch empfehle ich jedem, der Interesse an der Entwicklung der Medizin und der Charité hat.

                    Kittekathy

                    Beiträge 36
                    01.08.2018

                      Ein Buch welches inhaltlich gut ist aber alles in allem sehr schnell springt.

                      Ich finde , die Beschreibung der Anfänge der Medizin und das drumherum gut beschrieben aber manchmal kommt das zu kurz.
                      Die Sprünge der Zeit sind wiederum sehr schnell, so ist man von einer Seite zur nächsten schon ein ein JAhr weiter.

                      Die Geschichte im Buch finde ich gut, da wird der "Beruf" der Krankenschwester früher Wärterin beschrieben, unter welchen Umständen man eingestellt wurde und was für Aufgaben zu erfüllen waren.
                      Die Ärtze in der damaligen Zeit waren teilweise gedanklich weiter und manche waren noch von der spirituellen Variante , sodass es da auch zu kleinen Kämpfen kam.
                      Die Hebammen hatten ein gutes Ansehen, da ihre Kenntnisse fast gleich gestllet wurden, mit angehenden Ärtzen.
                      Im BUch werden einige Operationen beschrieben und Krankheiten, und wenn man bedenkt, es gab noch keine Narkose, dann ist es schaurig zu lesen, was die Menschen aushalten mussten.

                      Alles in allem ein schönes Buch aber ich empfinde es als dei Spitze dessen, was noch alles geschrieben werden kann.

                      brigitte_schreiter

                      Beiträge 77
                      31.07.2018

                      Zum Inhalt: Authentische Geschichten über Leben und Tod im bekanntesten Krankenhaus Deutschlands, der Charite in Berlin.
                      Die Autorin Ulrike Schweikert hat sehr gut recherchiert und die Zeit ab 1830 sehr gut dargestellt.Auuch gefiel mir die Darstellung der Protoganisten und man konnte sich gut hineinversetzen.
                      Im Mittelpunkt steht die charite in Berlin und vor allen die junge Pflegerin Elisabeth.
                      Es werden die gesellschaftlichen Verhältnisse dieser Zeit gut erläutert. Die Frauen hatten damals keinerlei Rechte. Ärzte durften sich nicht mit den Krankenpflegerinnen einlassen, auch gab es noch keine Ehescheidungen.
                      Die Cholera ist in berlin ausgebrochen und Ärzte und pflegerinnen versuchten ihr Möglichstes um die Krankheit zu bekämpfen.
                      Ein rundum gut gelungener historischer Roman mit identischen Protoganisten.
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                      Weitere Rezensionen

                      Susi

                      Beiträge 37
                      30.07.2018

                        Spannend und informativ

                        Im Jahre 1831 wütet die Cholera in Berlin. Professor Diefenbach und seine Kollegen kämpfen an der Charité verzweifelt um das Leben der, überwiegend bettelarmen, Patienten.
                        Ulrike Schweikert hat hier historische Fakten und fiktive Charaktere auf unglaublich spannende Art und Weise verwoben.
                        Der Schreibstil ist wunderbar flüssig und modern, so dass man förmlich durch die Seiten fliegt.
                        Sehr gut hat mir gefallen, dass man Einblicke in alle verschiedenen Bevölkerungsschichten der damaligen Zeit erhält.
                        Insbesondere das Leben und die persönliche, sowie berufliche Entwicklung der Wärterin Elisabeth hat mich sehr gefesselt.
                        Die Beschreibungen der Operationen und Behandlungsmethoden sind zum Teil sehr detailliert und für uns moderne Menschen heutzutage kaum noch nachvollziehbar. Schockierend, mit welchen Methoden man damals beispielsweise Wochenbett-Depressionen "heilen" wollte!

                        Fazit:
                        Ein toller, historischer Roman in moderner Sprache, der zu keiner Zeit Längen aufweist und sowohl informativ, wie auch unterhaltsam ist.
                        Absolute Leseempfehlung!

                        Ophelia19

                        Beiträge 32
                        30.07.2018

                          Ich habe das Buch im Bücherregal meiner Schwester entdeckt, die historische Romane regelrecht verschlingt (ich bin da eher Flexitarier). Da ich kurz davor die Miniserie über die Charité gesehen hatte, interessierten mich die medizinische Thematik und die Geschichten rund um das Berliner Krankenhaus. Besonders interessant fand ich auch die Zeit, in der der Roman spielt, 1831, also eine Zeit, in der die moderne Medizin noch in den Kinderschuhen steckte und von Gleichberechtigung der Geschlechter, gerade was die Hierarchie im Krankenhaus angeht, noch überhaupt nicht die Rede sein konnte.
                          Daher war es auch spannend die Handlung aus der Sicht von drei unterschiedlichen weiblichen Charakteren zu verfolgen.
                          Martha, eine Hebamme, die es aber im Laufe der Handlung in das Totenhaus der Charité verschlägt, Elisabeth, eine junge Wärterin in der Charitè, die ihre LIebe zur Medizin entdeckt, allerdings als Frau keine medizinische Ausbildung, geschweigedenn ein Studium der Medizin anstreben darf und Gräfin Ludovica, die ihrerseits versucht, die Umstände, unter denen in der Charité gearbeitet wird, zu verbessern. Drei starke Frauen und starke Charaktere, deren Leben und Schicksale fast nicht unterschiedlicher sein könnten und die doch gemeinsam für eine humanere medizinische Versorgung und Frauenrechte kämpfen. Und nebenbei kommt auch die Liebe nicht zu kurz.

                          Besonders herausragend fand ich an dem Buch, dass medizinische Vorgänge wie Behandlungen oder Operation wirklich sehr detailliert beschrieben wurden (nichts für allzu zimperliche Gemüter). Die Recherche, die Ulrike Schweikert in ihren Roman investiert hat (das muss eine Heidenarbeit gewesen sein), hat sich auf jeden Fall gelohnt! Auch die Figuren sind alle auf ihre Weise in meinem Kopf "real" geworden und man hat nach der Lektüre des Romans tatsächlich auch das Gefühl ganz nebenbei ohne es zu bemerken etwas über die Geschichte der Medizin gelernt zu haben.

                          bud

                          Beiträge 29
                          29.07.2018

                            Die Geschichte der Charite´ wurde so anschaulich und spannend mit den handelnden Figuren verknüpft. Ich könnte das Buch nicht aus der Hand legen ! Wäre nur nicht das immer wieder benutze Klischee von Schwester heiratet Arzt. Es ist schön aber sehr unwahrscheinlich ,das in der damaligen Zeit eine solche Liebesgeschichte- kein unseliges Ende gefunden hätte. Der Standesdünkel war eine unüberwindbare Mauer.
                            Trotz sehr konstruierter , sehr romantischer Liebesgeschichte ein interessantes Buch , das den Appetit auf mehr Geschichte der Medizin weckt.

                            Sonjas Bücherecke

                            Beiträge 44
                            25.07.2018

                              Die Charité ist für mich das erste Buch, das ich aus der Feder der Autorin Ulrike Schweikert gelesen habe. Sie entführt uns in die Anfangsjahre der Berliner Charité und hier bekommen wir einen unglaublichen Einblick in die Welt der Ärzte. Protagonist ihrer Geschichte ist Professor Dr. Dieffenbach, der ein berühmter Arzt war, erst an der Charité und dann als Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik in der Ziegeleistraße, die er bis zu seinem frühen Tod im November 1847 leitete. Auch sind viele, in der Geschichte vorkommenden Ärzte in einer Chronik übermittelt. Einige der Mitwirkenden sind jedoch auch der Fantasie der Autorin entsprungen. Der Inhalt: Berlin 1831. Die Angst geht seit Wochen um, die Cholera könnte Deutschland erreichen. Und dann stirbt auf einem Spreekahn unter qualvollen Schmerzen ein Schiffer. Professor Dieffenbach und seine Kollegen versuchen fieberhaft, den Überträger und Heilmittel gegen die Krankheit auszumachen. Es beginnt jedoch ein Wettlauf mit der Zeit. Auch spielen in dieser Geschichte drei Frauen eine große Rolle, und zwar sind dies die Gräfin Ludovica. Sie ist gefangen in ihrer Ehe mit einem Hypochonder. Sie findet Mut und Kraft in Gesprächen mit Professor Dieffenbach. Dann spielt die Hebamme Martha, die im Totenhaus der Charité arbeitet, um ihrem Sohn ein besseres Leben zu ermöglichen, eine wichtige Rolle in der spannenden Geschichte. Und dann ist da noch die junge Pflegerin Elisabeth, die die Liebe zur Medizin entdeckt und dann auch noch - verbotenerweise - zu einem jungen Arzt. Einfach gigantisch! Ich konnte dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen, so gefesselt hat mich die Welt rund um die Charité. Man bekommt einen atemberaubenden Einblick in das Leben des 19. Jahrhunderts. Sieht den Überlebenskampf des einfachen Volkes. Das Elend und die Not und die Verzweiflung. Und dann bricht auch noch diese Seuche aus, einfach unvorstellbar. Und wie die Mediziner gekämpft haben und geforscht, um manchen Krankheiten auf den Grund zu gehen. Die Autorin hat einen spitzenmäßigen Schreibstil. Ich kann mir die Operationen, bei denen die Studenten beiwohnten, so bildlich vorstellen und habe jetzt noch ein Gänsehautfeeling. Wenn man sich vorstellt, dass es bis zum Jahr 1847 keine Narkosse gab, einfach gruselig. Welche Schmerzen haben die Menschen ausgehalten und wie viele habe ihre Operation nicht überlebt. Dann ist da Elisabeth, die ich sofort ins Herz geschlossen habe. Sie hat ihre Berufung in der Pflege der Kranken gefunden und hat dafür viel in Kauf genommen. Wie schwer mußte die junge Frau damals arbeiten. Und dann hat auch noch die Liebe einzug gehalten, doch die war verboten. Ich habe gehofft, dass es das Schicksal mit Elisabeth gut meint. Und dann ist da der unermüdliche Professor Dieffenbach, der am Krankenhaus gearbeitet hat, seine Privatpatienten versorgt hat und nebenbei noch Bücher geschrieben hat. Ich fand es wirklich hochinteressant, dass auch die Krankenpflegeschule in dieser Zeit ihren Anfang genommen hat. Eine gefühlvolle, spannende Geschichte, die unter die Haut geht. Für mich ist dieses außergewöhnliche Lektüre ein Lesehighlight der Extraklasse. Alle Achtung! Selbstverständlich vergebe ich für diese Traumlektüre 5 Sterne.

                              Sabine W.

                              Beiträge 10
                              21.07.2018

                                Dies war mein erster Roman dieses Genres und ehrlich gesagt hab ich mir viel Zeit gelassen ihn zu lesen. Die Leseprobe hat nicht zu viel versprochen. Es ist eine Geschichte die mit viel Mühe, Aufwand und guten Protagonisten geschrieben wurde. Auch wer sich nicht für Medizin und Krankenpflege interessiert sollte dieses Buch gelesen haben. Absolut zu empfehlen.

                                Angela Busch

                                Beiträge 21
                                21.07.2018

                                  Meine Meinung: Die Autorin hat dem Leser mit diesem grandiosen Buch ein wertvolles Stück Medizingeschichte, aufbereitet für den Laien, mit fiktionalen, warmherzigen und sehr sorgfältig ausgestatteten Charakteren geschenkt. Ihr Schreibstil lässt sich angenehm und flüssig lesen. Er hätte vielleicht in der Wortwahl und Ausdrucksweise der damaligen Zeit etwas mehr angepasst werden können, aber das ist kein wirklicher Kritikpunkt am Buch. Die Autorin hat reale Persönlichkeiten , wie die des Dr. Dieffenbach gekonnt mit erzählerischer Bravour in diesen Roman eingebunden. Wir erfahren sehr viel über die damaligen Organisationsstrukturen einer Klinik und die mangelnde ärztliche Versorgung der Bevölkerung. Die sehr gute, historische Recherche der Autorin wird perfekt zum Leser transportiert und ist absolut glaubwürdig.

                                  Die Liebe, aufgezeigt zwischen Arzt und Fachpersonal spielt eine tragende Rolle in diesem ca. fünfhundert Seiten langem Roman und sorgt für viele Probleme.
                                  Elisabeth, eine junge Wärterin ( so wurden die Hilfskräfte in den Kliniken damals genannt) beginnt eine Ausbildung in der Charité und erobert durch ihre Freundlichkeit , Fleiss und Fachwissen die Anerkennung der Patienten, Ärzte und auch die Sympathie des Lesers.
                                  Auch Gräfin Ludovica und Dr. Dieffenbach beeindrucken durch ihre heimliche Zuneigung füreinander , die auch von seiner Seite aus besteht, obwohl er glücklich verheiratet ist. Die Hebamme Martha , die aus Menschlichkeit eine tragische Situation klärt, hat mich mit ihrer Verhaltensweise und Entscheidungen fast zu Tränen gerührt.

                                  Einen Kritikpunkt möchte ich allerdings anbringen. Die vielen detailreichen, blutigen und grässlichen Beschreibungen von schwierigen Operationen hätten für mich nicht so ausführlich und oft sein müssen. Man muss bedenken, es gab keine Narkosen, keine wirkliche Schmerzlinderung und Patienten wurden bei Bewusstsein mit roher Gewalt festgehalten und operiert. Syphillis Patienten wurden kurzerhand mit Quecksilber behandelt , man kann sagen eher vergiftet. Tragische Schicksalsbeschreibungen werden dem Leser zugemutet. Aber die Wirklichkeit war damals so. Kliniken stanken nach Blut. Eiter und allen menschlichen Ausscheidungen.
                                  Von gepeinigten Schmerzensschreien, die von überall ans Ohr drangen, begleitet. Hygiene wurde aus Unwissenheit , oft auch Faulheit nicht so ernst genommen und der Aufbau von Krankenpflegeschulen befand sich erst in seinem Anfang.
                                  Ich musste beim Lesen oft an meinen Grossvater denken, der noch von den tragischen Cholerafällen durch die Erzählungen seiner Grosseltern von dieser Zeit wusste und das mit einem makabren Lied oft vortrug: "Juppheidi, juppheida - Schnaps ist gut gegen die Cholera"!

                                  Das Buch hat mich sehr gut unterhalten, auch wenn der Roman einen kleinen Grusel - und Ekelfaktor enthält, der nicht jedermanns Sache ist.

                                  Meine Bewertung : VIER **** Sterne für diesen wertvollen und informativen Roman.
                                  Danke an die Autorin und den Rowohlt Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

                                  Info zur Autorin und Buch

                                  Betty Boop

                                  Beiträge 16
                                  19.07.2018

                                    Ein fenomenales Buch !! Hut ab an die Schriftstellerin, für Ihre ihre Mühe zum Detail.
                                    Allein die Recherche für dieses Buch ist einmalig ! Sich auf einem so speziellem Gebiet kundig zu machen und noch dazu in einer anderen Zeitepoche die zum größten Teil der Wahrheit entspricht, unglaublich !
                                    Lediglich nur ein paar Protagonisten, darunter die Wärterin Elisabeth sind ihrer eigenen Fantasie entsprungen.
                                    Das Buch ist durchaus nichts für zart besaitete, denn da wird die Medizin von damals mit all seinen Erfolgen und Mißerfolgen beschrieben.

                                    Im Buch geht es um die berühmte Charité Klinik in Berlin, die sicherlich jedem ein Begriff ist.
                                    Das Buch erzählt über die Geschichte von Professor Driffenbach an der Charité und weitere Persönlichkeiten die es gegeben hat, ihren Fortschritten und Rückschläge in der Medizin. Doch
                                    Elisabeth ist auch eine wichtige Protagonistin die voller Liebe und Wießbegierigkeit der Charité dient. In dem Buch fließen alle Geschichten dieser Menschen sowohl beruflich als auch privat ein.
                                    Es geht um verbotene und hoffnungslose Liebe, über Trauer, unmoralische Entscheidungen, Erfolge und Mißgeschicke.
                                    Mehr möchte ich eigentlich nicht preisgeben.
                                    Wer nicht zart besaitet und dem Ekel fern ist sollte es unbedingt lesen. Ein fenomenales Buch!

                                    KerstinT

                                    Beiträge 43
                                    19.07.2018

                                      Authentischer Roman über Deutschlands größtes Krankenhaus

                                      Mitte des 19. Jahrhunderts in Berlin. Die Hauptstadt steht kurz vor einer Cholera-Epidemie. Die Charité füllt sich langsam mit Patienten. Professor Dieffenbach tut alles um die Patienten zu retten, doch dies scheint nicht so einfach zu sein. Unterstützung bekommt er von der fleißigen Wärterin Elisabeth. Die durch ihre Wissbegierde eine große Hilfe ist. Doch Professor Dieffenbach lässt sich stets von Gräfin Ludovica ablenken.

                                      Dieser Roman beschreibt auf historischer Basis knapp zwanzig Jahre des Lebens in der Charité. Im Mittelpunkt stehen: Professor Dieffenbach, durch den wir viel über die Operationstechniken zur damaligen Zeit lernen. Die junge, fleißige, wissbegierige Wärterin Elisabeth, die nach dem Schicksal ihrer Schwestern nichts von den Männern wissen will. Doch dann ist sie doch zu angetan von dem jungen Militärarzt. Das ist nicht ihr einziges Problem, denn zu gern würde sie selbst Ärztin sein. Aber dies im damaligen Deutschland noch nicht möglich. Martha, die eigentlich Hebamme ist, nach einem Schicksalsschlag nun lieber im Totenhaus der Charité arbeitet. Und die Gräfin Ludovica, die von ihrem Mann, einem Hypochonder, terrorisiert wird. Das einzige Gute daran ist, dass so Professor Dieffenbach sehr häufig vorbeischaut.
                                      Mir hat dieser Ausflug in die Charité des 19. Jahrhunderts sehr gut gefallen. Die Geschichte wirkte sehr authentisch! Nachdem ich das Nachwort gelesen habe war ich überrascht, dass tatsächlich so viel der Realität entspricht. Das macht das Ganze noch interessanter. Der Schreibstil von Ulrike Schweikert hat mir sehr gut gefallen. Es war ein angenehmes und schnelles Lesen. Die Geschichte ist aber auch sehr fesselnd! Die Gefühle, der vier Protagonisten kamen sehr gut rüber. Die Szenen wurden sehr bildlich beschrieben, wodurch man sich richtig nach Berlin versetzt fühlte. Die Operationsszenen waren auch sehr anschaulich beschrieben. Wodurch es mir beim Lesen fast schon schlecht wurde. Wenn man bedenkt, dass es damals noch keine Narkose gab – ohje, ohje. Bei den Hygienestandards beziehungsweise der nicht vorhanden Hygiene wird einem erst recht mulmig.
                                      Die Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Sie wirkten sehr realistisch – was auch daran liegt, dass es die Meisten wirklich gab und ihre Eigenheiten in diesem Roman widergegeben wurden. Genau das hat mir sehr gefallen. Jeder war anders und man konnte sie wunderbar auseinander halten, obwohl es einige Charaktere gab. Selbst die Patienten haben ein Gesicht bekommen und ihre eigene Geschichte.
                                      Gefallen hat mir auch, dass es einige Zeitsprünge gab. Es wurde nicht jedes Detail breitgetreten, sondern dann waren eben auch mal zwei Jahre vergangen. So wurde es nicht langweilig und man konnte die Entwicklung der Charaktere und der Charité als Krankhaus miterleben.

                                      Für mich war dieser Roman ein richtiges Lesevergnügen und er wird mir in guter Erinnerung bleiben, deshalb vergebe ich volle fünf von fünf Sterne.
                                      Ich bin froh, dass ich mir dieses Buch doch noch einmal näher angeschaut habe. Denn zunächst dachte ich es wäre das Buch zur ARD-Serie. Doch beides hat nichts miteinander zu tun.

                                      Olesja

                                      1 Beitrag
                                      eine Antwort 18.07.2018

                                        Ein sehr gelungener historischer Roman über die Schrecken der früheren Medizin.
                                        Berlin 1831 - Cholera Ausbruch. Ärzte, die ratlos sind. Woher kommt die Krankheit? Wie stecken sich die Menschn an? Kann man diese Menschen heilen. Einerseit: war ich etwas enttäuscht, dass das Thema Cholera so schnell in dem Buch abgearbeitet und nicht mehr erwähnt wurde. Anderseits: die ganzen Facetten der früheren Medizin wurden in diesem Buch sehr eindrucksvoll beschrieben. Heutzutage ist es nicht mehr nachvollziehbar, wie nicht nur junge sondern auch erfahrene Ärzte nach dem Sezieren einer Leiche, ohne Hände zu waschen, gleich Frauen im Wochenbett behandeln und dann sich wundern, dass diese Frauen starben. Die Ärzte konnten sich echt nicht erklären, warum das so war. Schrecklich! Gott sei dank leben wir in heutigen Zeiten.
                                        Aber in dem Buch geht es nicht nur um die Medizin. Ein großes Thema sind die Pflegekräfte an der Charité. Die Entstehung der ersten Schulen für die Ausbildung der Kräfte. Hauptcharakter in dieser Geschichte über die Wärter/ Krankenpfleger ist Elisabeth. Eine starke Frau zwischen Berufung und Liebe.
                                        Aber es immer noch nicht alles. Es geht auch um eine weitere starke Liebesgeschichte, die nicht so glücklich endet bzw. das ganze Buch über unerfüllt bleibt, zwischen einem Arzt und einer Gräfin. Das Leben der Reichen wird in diesem Buch auch sehr interessant dargestellt.
                                        Das Leben von damals ist uns jetzt zwar so fern und doch so nah.
                                        Sehr empfehlenswert das Buch! Es wird an keiner Stelle ecklig über die Operationen oder Krankheiten zu lesen. Es macht einen sehr neugierig.
                                        Top!!!!

                                        • Sonjas Bücherecke

                                          Beiträge: 44
                                          06.09.2018

                                          Tolle Rezension. Genau auf den Punkt gebracht. Man bekommt einfach Lust auf das Buch.

                                        anyways

                                        Beiträge 5
                                        18.07.2018

                                          1710 wird der Grundstein für eines der größten und berühmtesten Krankenhäuser der Welt gelegt. Aus dem ehemaligen Pesthaus wird ein Bürger-Lazarett aus diesem wiederrum entsteht die Charité. Als 1831 die Cholera-Epidemie Berlin erreicht, ruft das die staatliche Gesundheitsfürsorge auf den Plan, und in der Charité werden nicht nur die Toten obduziert, die Erkrankten behandelt sondern auch die Leichen vor den Toren des Krankenhauses bestattet. In dieser Zeit siedelt die Autorin ihre Geschichte um die junge Krankenwärterin Elisabeth an.
                                          Der erste Tag in einem neuen Leben, mit neuer Arbeit und auch Heimstadt. Die junge Elisabeth tritt eine Stelle als Krankenwärterin an der Charité an. Die drei und der junge Subchirurg Heydecker werden in dem imposanten Gebäude herumgeführt. Dort erfahren die vier auch von dem Gerücht, dass einer der Patienten angeblich an der Cholera gestorben sein soll. Eine Erkrankung die vor fast 200 Jahren den sicheren Tod für alle bedeutet die sich mit ihr infizierten. Eine tückische Erkrankung die sich zu einer Epidemie ausweitet, zumal man damals den Erreger nicht kannte und eher vermutete das diese Erkrankung durch Miasmen (schlechte Gerüche) entstehen. Eigens dafür eingestellte Räucherfrauen sollten die Luft von schlechten Gerüchen reinigen.
                                          Das für mich faszinierende an historischen Romanen ist ihr geschichtlicher Wert. Vieles beruht auf Tatsachen, man kann vieles nachlesen und man erfährt einige erstaunliche Sachen. Zum Beispiel, das der Professor Dieffenbach, von dem im Klappentext die Rede ist, nicht nur eine verbriefte historische Persönlichkeit ist, sondern, das dieser auch ein paar Jahre in meiner Heimatstadt studierte. Das die Charité nicht nur eine der ersten und größten Heilstätten der Welt war/ist, sondern das sie ursprünglich als Lehranstalt für Militärärzte diente.
                                          Ulrike Schweikert hat einen fesselnden Roman über die frühe Geschichte der modernen Medizin geschrieben. Einen Roman der die recht grausamen „Heilungsmethoden“ verschiedener Erkrankungen wie Syphilis, Schizophrenie und Wochenbettdepression ebenso wie die oft bahnbrechenden chirurgischen Eingriffe zwar etwas nüchtern aber doch faszinierend genug für mich beschreibt. Die Geschichte ist ganz nah an historische Fakten angelegt, die fiktiven Persönlichkeiten und deren Geschichte unterfüttern diese sehr gut recherchierte Story, und machen sie sehr lesenswert.
                                          Ein Buch das ich kaum aus den Händen legen konnte.

                                          eiger59

                                          1 Beitrag
                                          17.07.2018

                                            Mehr als eine Krankenhausgeschichte

                                            „Die Charité“ Hoffnung und Schicksal von Ulrike Schweikert, erschienen 2018 bei Rowohlt, ist als Auftakt einer mehrteiligen Reihe konzipiert. Der erste Band um fasst die Zeit von 1831 bis 1847.

                                            Die Autorin vermittelt in ihrem Roman ein umfassendes Bild von Berlin mit der Charité im Mittelpunkt. Es ist die Zeit der beginnenden Industrialisierung. Die Stadt wächst und viele Menschen, die hier Arbeit gefunden haben, leben unter ärmlichsten Bedingungen. Die Choleraepidemie, die plötzlich Berlin erreicht hat, fordert hier hohe Opfer.
                                            Auf der anderen Seite leben Adel und das aufstrebende Bürgertum in schönen Gebäuden und Wohnungen. Auch hier treten Fälle von Cholera auf, aber es sind bedeutend weniger. So liegt die Vermutung nahe, dass die sozialen und hygienischen Bedingungen den Ausbruch und Verlauf der Krankheit beeinflussen.

                                            Ärzte sind es, die mit verschiedenen Gesellschaftsschichten in Berührung kommen und in gegensätzlichen Welten verkehren. Im Mittelpunkt steht der berühmte Chirurg Dr. Dieffenbach, der an der Charité arbeitet und lehrt.
                                            Die Wärterin und spätere Diakonisse Elisabeth, die Totenfrau Martha und die Gräfin Ludovica sind weitere Protagonisten. Sie werden so gut beschrieben und mit Liebe zum Detail gezeichnet. Auf mich wirken sie authentisch und ich konnte mich mit ihnen identifizieren.

                                            Durch Dr. Dieffenbach sind die drei Frauen, in deren Lebensgeschichten der Leser eintaucht, lose mit einander verbunden. Ulrike Schweikerts Personenensemble ist eine gekonnte Mischung aus realen und fiktiven Personen.

                                            Es wird Spannendes aus dem medizinischen Alltag kombiniert mit Szenen aus dem Privat- und Liebesleben der Protagonisten unterhaltsam erzählt. Die Autorin hat historische und medizinische Fakten auch ausgezeichnet recherchiert und kann den Leser durch ihre präzisen Beschreibungen auch an schwierigen Operationen teilhaben lassen.

                                            Ulrike Schweikert berichtet, wie um medizinische Fortschritte gerungen wird und sich die Medizin in Europa weiterentwickelt. Noch müssen Patienten bei Operationen leiden, denn es gibt keine Narkose. Die Gefahr des Wundbrandes droht immer.

                                            Die Pflege von frisch operierten Patienten, aber auch der anderen Insassen der Charité ist ein Hauptthema, welches sich durch den gesamten Roman als roter Faden zieht. Wir erfahren von groben, schlecht oder gar nicht ausgebildeten Pflegekräften, deren Bezahlung in keiner Weise ihrer schweren Tätigkeit gerecht wird. Aber es gibt engagierte Menschen, die sich hier für eine Verbesserung der Situation einsetzen. Ein aktuelles Problem, was auch in der heutigen Zeit von brennender Aktualität ist.

                                            Ulrike Schweikert gelungener historischer Roman hat mich überzeugt und begeistert. Ihr gelingt es die Atmosphäre des alten Berlins greifbar zu machen und so Geschichte und Geschichten der Charité perfekt einzurahmen. Sie hat ein Gespür für diesen geschichtsträchtigen Ort und kann den Leser in ihren Bann ziehen.
                                            Aus meiner Sicht ist das Buch eine klare Leseempfehlung. Gern vergebe ich alle Sterne. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

                                            Morle

                                            Beiträge 4
                                            17.07.2018

                                              Ein Buch voller Hoffnung, Träume, Liebe und Geheimnissen.


                                              Bei jeder Person die im Buch aufgeführt wird, fiebert man mit, man hofft und glaubt.

                                              Das Buch ist für jedermann egal ob man etwas mit Medizin zu tun hat oder nicht. Es ist sehr spannend zu sehen wie die Medizin und vor allen Dingen die chirurgie damals war und heute ist. Welche Hürden Frauen hatten um überhaupt ein klein bisschen mit der Medizin vertraut zu sein.

                                              lesestrickeule

                                              Beiträge 11
                                              14.07.2018

                                                ?Hoffnung und Schicksal fasst die Gefühle einer Klinik sehr gut zusammen. Nirgendwo findet man so viele unterschiedliche Schicksalsschläge und gleichzeitig Hoffnungen wie in einer Klinik, noch dazu solch einer alten Klinik wie Die Charité in Berlin. Das bietet sich an für einen spannenden Roman.?Berlin 1831: Cholera richtet viel Unheil in der Welt an, bis jetzt war Deutschland verschont. Bis ein Schiffer an Cholera stirbt in Berlin. Nun fängt der Kampf und die Forschung an. Der Professor Dieffenbach sucht eifrig nach einem Wundermittel und ist gleichzeitig wie ein rettender Anker für die Gräfin Ludovica, die eine unglückliche Ehe führt und die Gespräche mit dem Professor sind das Einzige ,was sie wirklich aufheitert.?Darüberhinaus lernt der Leser zwei weitere starke Frauen kennen. Einmal die Hebamme Martha, die alles tut um ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu ermöglichen und Elizabeth fängt in der Klinik an zu arbeiten und entdeckt ihre Leidenschaft für die Medizin.?Es ist nicht nur ein sehr spannendes Thema, als auch ein spannendes Zeitalter , das sich die Autorin ausgesucht hat. Noch dazu sind die Hauptpersönlichkeiten in der Geschichte äußerst interessant und vielseitig. Es ist Ulrike Schweikert unglaublich gut gelungen den historischen Aspekt mit dem Roman zu verknüpfen und daraus eine außergewöhnlich spannende Geschichte draus zu gestalten. Die Mischung aus geschichtlichen und medizinischen Fakten und einzelnen Schicksalen ist ihr unglaublich gut gelungen. Es ist fesselnd und detailliert.?Ich fand es sehr spannend zu erfahren wie damals der Alltag in einem Krankenhaus ablief und unter welchen Zuständen sie arbeiten mussten. Noch dazu finde ich es toll wie die Frauen herausgehoben werden und man an ihrem Leben und ihren persönlichen Schicksalsschlägen Teil nehmen kann.?Es ist ein beeindruckend spanender und gelungener , historischer Roman, den ich wärmstens weiter empfehlen kann und deswegen vergebe ich fünf von fünf Eulen .??????????????????????Historischer Roman: Die Charité - Hoffnung und Schicksal?Autorin: Ulrike Schweikert?Verlag: Rowohlt Polaris

                                                Sassenach123

                                                Beiträge 17
                                                14.07.2018

                                                  Sehr vielschichtiger Roman

                                                  Die Charité - Hoffnung und Schicksal von Ulrike Schweikert

                                                  Ulrike Schweikert hat es mit dem ersten Teil dieser Reihe geschafft, mich von ihrem Erzähtalent zu beeindrucken. Sie hat es geschafft mir die damalige Zeit mit all ihren Schrecken näher zu bringen.

                                                  Berlin,1831 Charité
                                                  Professor Dieffenbach wird vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Die Cholera grassiert, eine Krankheit die sehr viele Menschen dahinrafft. Zu dieser Zeit wusste man wenig über die Hintergründe dieser Seuche. Die Charité war damals bereits ein Krankenhaus in dem geforscht wurde. Viele bekannte Ärzte und Wissenschaftler waren dort tätig. Dieffenbach gehört zu Ihnen. Er arbeitet nun 1831 daran ein Heilmittel zu finden, um die Cholera einzudämmen.
                                                  Um Dieffenbach und das Krankenhaus herum wird in diesem historischen Roman ebenso die Geschichte von drei Frauen erzählt. Die Frauen sind sehr unterschiedlich und kommen aus verschiedenen Schichten der Gesellschaft, deren Schicksal und Erlebnisse reihen sich aber perfekt in Handlung ein.

                                                  Zum einen ist da die Hebamme Martha, die sich um ihren Sohn August kümmert. Sie holt den Professor zu Rate als ein Schiffer an hohem Fieber erkrankt.

                                                  Die Krankenwärterin Elisabeth hat es durch den Tod der Schwester ins Krankenhaus verschlagen. Sie ist sehr tüchtig opfert sich auf, erlangt aber durch die Tätigkeit auch einiges an Fachwissen. Sie ist sehr couragiert und traut sich sogar den Mund aufzumachen, wenn sie aus medizinischer Sicht anderer Meinung ist, doch dies gefällt natürlich nicht jedem.

                                                  Gräfin Ludovica ist verheiratet und tauscht sich mit dem Professor über das Krankheitsbild ihres Mannes aus. Die Gespräche geben ihr eine ganze Menge an Rückhalt.

                                                  Dies ist das Grundgerüst der Handlung, dass die Autorin sehr gekonnt und interessant miteinander verknüpft. Die historischen Aspekte werden wunderbar in die Geschichte eingebunden. Die Berliner Charité ist berühmt, aber erst durch diesen Roman bin ich voll im Bilde wie alles begann. Es ist teilweise kaum nachvollziehbar wie die Menschen damals leben konnten, ohne die medizinische Versorgung wie wir sie heute kennen. Aber nicht dieses Fachwissen macht diesen Roman für mich zu etwas besonderem, sondern das gesamte Bild. Eine Mischung aus Historie, persönlichen Schicksalen und dem Bild das die Autorin vom Berlin der damaligen Zeit zeichnet.

                                                  Dieser Roman stellt den Auftakt zu einer Reihe dar, die ich definitiv weiterverfolgen werde.

                                                  heidi_59

                                                  Beiträge 42
                                                  14.07.2018

                                                    Sternstunden der Medizin

                                                    Ich bin begeistert !
                                                    Das war ein Buch ganz nach meinem Geschmack.
                                                    Soviel atmosphärische Dichte , perfekt eingefangen und unterhaltsam in Szene gesetzt .

                                                    Berlin, 1831.
                                                    Wer kennt sie nicht, die Charitè, das wohl berühmteste Krankenhaus in Deutschland?,
                                                    Ulrike Schweikert nimmt ihre Leser mit auf eine einzigartige, spannende, historische Reise der Medizin und Forschung .
                                                    Im Kampf gegen die Verbreitung von Seuchen und Viren arbeiten Ärzte , Krankenwärterinnen und Diakonissen jeden Tag bis zum Umfallen, im Wettlauf gegen die Zeit. Unter extremen Bedingungen wird operiert, geforscht und gleichzeitig gelehrt . Die Todesrate nach einer OP liegt bei 90 Prozent und doch lassen sich die Ärzte und Helfer nicht entmutigen und kämpfen unter schwierigsten (hygienischen) Umständen, um jedes einzelne Leben .
                                                    Wenn man den Roman liest fragt man sich so manches Mal, woher haben die Menschen damals die Kraft genommen, bei all dem (medizinischen) Elend nicht aufzugeben, die Energie zum Weitermachen zu haben . Aus jedem Misserfolg, ihre Lehren für die Forschung und Entwicklung in der Medizin zu ziehen .
                                                    Natürlich spielen neben den berühmten Ärzten wie zum Beispiel Dr .Rudolf Virchow und Professor Dieffenbach , samt deren großartigen Erfolge in der Forschung, auch die menschlichen Schicksale eine große Rolle . Was wäre ein toller Roman ohne seine Protagonisten und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen ? Die dazugehörige Liebesgeschichte und dramatischen Ereignisse?
                                                    Ulrike Schweikert hat mit alledem nicht gespart und verwöhnt die Liebhaber historischer Zeitgeschichte mit einem exzellent recherchierten Hintergrund zur Charitè, den sie wunderbar gelungen mit ihrer fiktiven Geschichte verwebt .
                                                    Das Flair von Berlin im Jahre 1831 ist spürbar und beschert atmosphärisch dichte Lesestunden , denen man sich nicht entziehen kann.
                                                    Mir hat der Roman sehr gut gefallen ! Das war ganz tolles Kopfkino , von dem ich mir sehr gut eine Verfilmung vorstellen könnte :)


                                                    Für dieses wunderbare Leseerlebnis eine vergebe ich gute
                                                    5 Sterne
                                                    sowie eine ganz klare Leseempfehlung!
                                                    Ich bedanke mich ganz herzlich beim ROWOHLT Verlag für das tolle Rezensionsexemplar über das ich mich riesig gefreut habe ! ?

                                                    Adela

                                                    Beiträge 3
                                                    09.07.2018

                                                      Ulrike Schweikert
                                                      Die Charité
                                                      „Die Tage waren so angefüllt mit Arbeit und Entscheidungen. Sie lief treppauf, treppab, trug Essen hin und her, schleppte Wasser, wechselte Verbände und wusch Patienten. Sie half bei Operationen und wachte bei Sterbenden, erlebte Schmerz und Trauer, Verzweiflung, aber auch Glück und Erleichterung.“ Dieses Zitat von S. 421 stelle ich hier an den Anfang, es beschreibt sehr gut den Alltag und mehr der Krankenwärterinnen und –wärter der Charité, wie sie damals genannt wurden.
                                                      Vor der authentischen Kulisse der Stadt Berlin von 1831 und den Folgejahren entwickelt Schweikert ihr faszinierendes Bild der damaligen Zeit. Nicht nur um die Charité allein geht es in dieser fesselnden Geschichte. Viele Persönlichkeiten haben ihren Auftritt oder werden namentlich erwähnt wie z. B. der Dichter Heinrich Heine, dann Napoleon Bonaparte, der Philosoph Georg Friedrich Wilhelm Hegel, Minister von Stein, dessen Reformen die finanziellen Verhältnisse der Charité empfindlich stören, die Brüder Humboldt, Rahel Varnhagen und nicht zuletzt Friedrich Wilhelm III. All diese Erwähnungen tragen dazu bei, dass das Szenario lebendig und echt erscheint. Sie alle spielen mit in dieser Versammlung von Persönlichkeiten, die den Hintergrund bilden für die Geschichten aus dem Leben der Protagonisten, die hier die Handlung vorantreiben und „Sternstunden der Medizin“ erleben dürfen. Die politischen Verhältnisse werden angerissen. Wie die Menschen vor dieser Kulisse handeln, durch die Umstände gezwungen, wird eindringlich dargestellt. Da ist Prof. Dieffenbach, ein hervorragender Chirurg seiner Zeit, der vielen Menschen half, Gesichtsentstellungen wie Hasenscharte oder Wolfsrachen zu normalisieren. Er war auch Vorreiter der Augenoperation beim Schielen und anderer mehr. Er teilt ein Geheimnis mit der Hebamme Vogelsang, die aus ärmlichsten und leidvollen Verhältnissen das Ihre tut, das Leiden armer schwangerer Frauen zu lindern. Elisabeth, ihre Freundin, wird Krankenwärterin in der Charité. Umgeben von anderen Wärterinnen, die mitleidlos und ohne Fachkenntnis roh die Kranken versorgen, zeigt sie sich bald als herausragende Wärterin, die ihre Kritik an den Verhältnissen nicht versteckt, sondern mutig vertritt. Ihr größter Wunsch, selbst Ärztin zu werden, lässt die Zeit, in der sie lebt, nicht zu. Sie besitzt bald eine Vorrangstellung durch ihr auffallendes Engagement, das ihr oft den Neid und die Missgunst anderer Wärterinnen einträgt. Diese Wärterinnen sind hauptsächlich unausgebildete Frauen und Männer mit geringer Schulbildung, die den Patienten anstatt mit Empathie mit grobem und herzlosem Jargon entgegentreten.
                                                      Aus Elisabeths Vorschlägen und Gesprächen Professor Dieffenbachs mit seiner Patientin und Freundin Gräfin Ludovica, reift der Plan, eine Krankenwärter Pflegeschule zu gründen und Personal mit Fachkenntnissen zu auszubilden.
                                                      Manche Szenen und Beschreibungen der vergangenen Verhältnisse der medizinischen Forschung lassen einen schaudern und fragen, wie haben es Patienten sowie ihre Ärzte und Wärterinnen bloß ertragen können? Die Beschreibungen der Operationen ohne Narkose! im Hörsaal vor den Studenten erinnern an alte Gemälde, besonders an das von Rembrandt „The Anatomy Lesson of Dr. Nicolaes Tulp“. Mehrere starke Männer, Arztkollegen, hielten die Patienten fest, damit die Chirurgen die Schnitte ausführen konnten. Die Intensität der Darstellungen vom Vorgehen der Ärzte und Krankenwärter zur Zeit des damaligen Standes der Medizin sind meisterlich und zeigen Schweikerts Begabung, intensivste Emotionen wiederzugeben. Die Beengtheit der Krankensäle, die entsetzlichen Krankheiten und Seuchen, die fast nicht vorhandene Belüftung, die Dunkelheit der Flure – und darin Menschen, die das tun, was in ihrer Macht steht, zu lindern und Leben zu retten. Die Mischung zwischen wissenschaftlichen Entwicklungen und Erkenntnissen der damaligen Zeit und den persönlichen Erlebnissen der Protagonisten ist ausgewogen und lässt nicht los. Auch Liebesbeziehungen werden eindringlich geschildert, oft sind Verzweiflung und Enttäuschung den damaligen gesellschaftlichen Verhältnissen geschuldet. Die Handlung wird vorangetrieben. Dichtung und Wahrheit sind hier ausgewogen, die Beweggründe und Befindlichkeiten der Persönlichkeiten die damals lebten, überzeugen – ja, so könnte es gewesen sein, denken sich die Leser. Schweikert geht darauf näher in ihrem Nachwort ein und benennt viele ihrer Quellen.
                                                      Es sind zu Herzen gehende Geschichten, die diesen Roman ausmachen und uns in ihrer klugen Verflechtung einen Zeitspiegel vorhalten, der uns berührt, zum Staunen bringt, manchmal auch bis an die Grenzen des Erträglichen führt – so - wenn die verschiedenen Stationen der Charité vorgeführt werden, die uns das ganze Elend der kranken und gequälten Patienten vorführt. Das Ringen der Ärzte um die richtigen Therapien, ihre oft verzweifelte Suche danach. Die Medizin ist einen weiten Weg gegangen, einen schweren Weg, der Opfer forderte auf Seiten der Patienten und der Ärzte.
                                                      Es ist ein Buch, das berührt und dankbar stimmt, dass wir nicht in dieser Zeit leben mussten. Was Menschen leisteten, die Arbeiter, die Bürger, die Bauern, die Wissenschaftler, auch manche Politiker – sie werden hier lebendig gemacht. Der Medizin wird hier ein weiteres lebendiges Denkmal gesetzt, dem ich viele Leserinnen und Leser wünsche.

                                                      SiWel

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                                                      09.07.2018

                                                        Die Charité, das älteste Krankenhaus Berlins und heute eines der größten Universitätskliniken Europas. Hier werden wir von der Autorin Ulrike Schweikert in das Jahr 1831 entführt, indem gerade schlimm die Cholera wütet und verzweifelt nach Heilungsmitteln bzw.Impfstoffen gesucht wird.
                                                        Ich habe drei starke Charaktere kennen gelernt, die sich durch das ganze Buch ziehen, mit ihrem Schicksal hadern, alles nur im Sinne des Patienten zu tun und sich im Laufe der Geschichte in ihren Entwicklungen nicht immer leicht tun. Ich konnte auf jeden Fall bei allen immer miterleben und mitfühlen.
                                                        Ich habe aber ebenfalls viel über Krankheiten sowie deren damaligen Behandlungsmethoden erfahren, und bei denen sowie bei den Operationsmethoden ist es mir kalt den Rücken herunter gelaufen. Grausam, unfassbar, wie haben die Menschen das Leid nur ausgehalten? Wer empfindlich ist sollte das Buch lieber nicht lesen. Die Techniken sind so gut recherchiert das ich das Gefühl hatte dabei zu sein. Kompliment an die Autorin.
                                                        Sehr gelungen ist hier der Spagat zwischen historisch belegten sowie den fiktiven Figuren. Das passt alles angenehm ineinander.
                                                        Mein einzigster Kritikpunkt ist ,dass manche Dinge, wie z.B. die Cholera zwar angeschnitten werden, dann aber vergessen werden bzw. nicht mehr ausgearbeitet wurden sind. Da fehlt mir der letzte Schliff.
                                                        Trotzdem ist das Buch sehr lesenswert.

                                                        KatiKatharinenhof

                                                        Beiträge 79
                                                        09.07.2018

                                                          Berlin, 1831 - Das Leben der Menschen wird von der Angst geprägt, dass die Cholera um sich greifen könnte und so Deutschland fest im Griff hat.
                                                          Während die Ärzte in der Charité um das Leben der Menschen kämpfen, kämpfen drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können, in ihren ganz persönlichen Kriegen. Zwischen Epidemie, Liebe und verzweifelt sein meistern sie ihr Schicksal und immer wieder spielt das wohl bekannteste Krankenhaus Deutschland im Leben der drei Frauen eine große Rolle...

                                                          Dieses buch ist ein echter Stern am Lesehimmel und ich bin fasziniert von der Geschichte.
                                                          Der Roman nimmt mich mit auf eine Zeitreise der besonderen Art und ermöglicht mir so den ungeschönten Blick auf das Leben der damaligen Zeit. Die Behandlungsmethoden fordern mir einiges ab und ich bin erschüttert, wie brutal und schonungslos hier im Dienste der Medizin gehandelt wird- und das zum Wohl des Menschen ?!Selbst die Krankenpfleger und-Schwestern sind wenig einfühlsam und brutal.
                                                          Die akribische Recherche der Autorin ermöglicht mir, dass ich mich direkt in das Jahr 1831 hineinversetzt fühle und so die Geschichte miterlebe, fühle und verinnerlichen kann.
                                                          Das Bild der Frau in der Gesellschaft wird sehr schön skizziert und ich bin froh, dass sich da doch so einiges getan hat :-)
                                                          Dass die Medizin zum heutigen Zeitpunkt soweit fortgeschritten ist, verdanken wir nicht zuletzt dem Forschungs- und Tatendrang der Ärzte von damals, denn mit welchem Eifer diese bei der Sache gewesen sind, ist schon lobenswert.
                                                          Die Autorin verwebt Historisches gekonnt mit einer fiktiven Geschichte, lässt die Protagonisten lebendig werden und sorgt somit für extrem gute Unterhaltung.

                                                          MarySophie

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                                                          08.07.2018

                                                            Handlung:
                                                            Berlin 1831
                                                            In vielen Städten Deutschlands leben die Menschen in großer Angst. Angst davor, dass die Cholera auch in ihre Stadt kommen könnte und die Menschen infiziert. In Berlin tritt diese Befürchtung schließlich tatsächlich ein, ein Schiffer wird der erste Fall, der in der Charité aufgenommen wird.
                                                            In dieser Zeit lernen drei Frauen erst, was sie wirklich wollen und wie sie leben wollen. Die Gräfin Ludovica ist nicht glücklich in ihrer Ehe und verbindet mit dem Professor Dieffenbach mehr als nur Freundschaft. Doch sie dürfen nicht zu weit gehen.
                                                            Gleichzeitig lebt die Hebamme Martha mit einer Tat, die sich dazu bringt, ihren Beruf als Hebamme an den Nagel zu hängen und im Totenhaus der Charité anzufangen. Sie macht dies aber auch, um ihren Sohn eine bessere Zukunft und Bildung zu bieten.
                                                            Elisabeth hat schon früh den Entschluss gefasst, nie eine Beziehung einzugehen oder gar zu heiraten. Sie nimmt an der Charité eine Stelle als Wärterin an und entdeckt dabei ihr Interesse für die Medizin. Gleichzeitig gerät auch ihr Entschluss ins Wanken, denn sie trifft auf einen jungen Arzt, der ihr nicht aus dem Kopf gehen will.
                                                            Im Laufe der Jahr werde nicht nur die Damen, sondern auch die Ärzte vor viele, anfangs scheinbar unlösbare Aufgaben gestellt, die zu überwinden sind.

                                                            Meinung:
                                                            Auf dem Cover ist eine Krankenschwester / Wärterin zu sehen, in ihrer typischen Tracht mit einer roten Blume in der Hand. Es ist recht unauffällig und schlicht, weshalb es nicht sofort ins Auge fällt, jedoch auch angenehm, da einige Cover heutzutage doch recht überladen sind. Für den Inhalt des Romans sehr passend, die Handlung findet in der berühmten Berliner Charité statt und dafür ist das Cover gut gewühlt. Mir gefällt es, dass sich die Farbe der Blume in dem Titel wiederfindet und nicht eine vollkommen andere Farbe das harmonisch Bild zerstört.

                                                            Nachdem ich die Inhaltsangabe gelesen hatte, hatte ich schon bestimmte Erwartungen an den Roman gesetzt: Die Geschichte spielt über ein ein – höchstens zwei Jahre, die Ärzte forschen nach Ursachen für die Cholera und in dieser Zeit begleitet man als Leser die drei Damen Ludovica, Elisabeth und Martha auf ihrem Lebensweg. Doch schon recht schnell hat sich herausgestellt, dass dies nicht so eintreffen wird. Die Handlung findet über mehrere Jahre statt und die Cholera wird spielt nur am Anfang des Romans eine Rolle. Daher finde ich den Klappentext etwas irre führend und bin der Meinung, dass er dem Roman nicht gerecht wird. Dieser ist viel komplexer gestaltet und verspricht mehrere Geschichten, die alle auf eine sehr gelungene Art miteinander verknüpft worden sind.
                                                            Obwohl ich vollkommen andere Erwartungen hatte, habe ich mich gerne von dem Roman mitreißen lassen und war von der Geschichte am Ende trotzdem begeistert.

                                                            Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Es wurden ab und an Fachbegriffe aus der Medizin genutzt, die man aber auch als Laie gut verstehen konnte. Begeistert haben mich auch die Beschreibungen von Tätigkeiten und Räumlichkeiten. Diese waren immer sehr kurz, aber trotzdem ausreichend geschildert, sodass in keinem Abschnitt des Romans Langeweile oder Längen vorkamen. Dadurch erhielt der Roman auch Dynamik und die wichtigsten Details, die für den weiteren Verlauf der Handlung wichtig sind, wurden mir als Leser geliefert.
                                                            Viele Geschehnisse waren lebendig und eindrucksvoll geschildert, sodass es mir sehr leicht fiel, mir Dinge vorzustellen oder mit den Protagonisten mitzuleiden.

                                                            Vor dem Lesen des Romans war ich davon augegangen, dass Ludovica, Elisabeth und Martha immer klar im Vordergrund der Handlung stehen. Dem war gar nicht so, es kamen innerhalb von kürzester Zeit noch einige weitere Protagonisten hinzu, die im Roman ebenfalls eine große Rolle spielen und meiner Meinung nach teilweise eine größere Rolle als zwei von den drei genannten Damen. Elisabeth war für mich der Charakter, der am meisten im Mittelpunkt stand, Ludovica und Martha reihten sich erst nach ihr ein. Dazu kamen dann noch verschiedene Doktoren der Charité, die ebenfalls häufig Erwähnung finden und meistens zusammen mit einer der Damen auftreten.
                                                            Die Verbindungen der Protagonisten untereinander fand ich sehr gelungen, das Netz war perfekt miteinander verknüpft und es kamen bei mir an keiner Stelle des Romans fragen auf.
                                                            Insgesamt muss ich sagen, dass die Personen trotz kurzer Beschreibungen ihres Aussehens und ihres Charakters unglaublich stark aufgetreten sind und einzigartig waren. Ein jeder blieb seinen Prinzipien treu und hat sich auf seine eigene Art hervorgetan.

                                                            Nun komme ich zu zwei kleinen Kritikpunkten meinerseits. Zum einen hätte ich es hilfreich gefunden, wenn es eine Liste der handelnden Charaktere gegeben hätte. Viele Protagonisten haben sich sofort in mein Gedächtnis eingeprägt und habe sie somit im Verlauf der Handlung auch immer sofort zuordnen können. Jedoch traten auch sehr viele Doktoren auf, die für verschiedene Bereiche der Charité zuständig waren. Für diese wäre eine Auflistung für mich sinnvoll gewesen, da sie nicht sonderlich häufig auftreten und ich sie immer wieder durcheinandergebracht habe.
                                                            Zum anderen erstreckt sich die Handlung auf mehr als 10 Jahre. Es gibt zwar ab und an Hinweise, in welchem Jahr die derzeitige Handlung stattfindet, jedoch gehen diese in der Fülle der Informationen unter. Außerdem sind sie in den Text sehr stark eingearbeitet und teilweise gibt es nur den Hinweis „zwei Jahre später“ o.ä. Deshalb hätte ich es schön gefunden, wenn es z.B.: am Anfang eines jeden Kapitels einen Vermerk gegeben hätte, welches Jahr bei den Protagonisten gerade stattfindet.

                                                            Das Nachwort der Autorin hat trotz seines geringen Umfangs gut informiert, trotzdem hätte es für mich etwas umfangreicher ausfallen können. Besonders über die Protagonisten und ihre wirkliche Existenz hätte ich gerne noch mehr erfahren.

                                                            Fazit:
                                                            Ein großer Roman, der mich sehr begeistert hat. Von der ersten bis zur letzten Seite sehr stimmig und durchweg interessant gehalten. Die verschiedenen Schicksale von den Patienten waren auf rührende Weise beschrieben und eindrucksvoll wurde die Arbeit der Doktoren und Wärterinnen beschrieben. Des weiteren wurde auch ein großes gesellschaftliches Bild dargestellt, besonders über die Stellung der Frau um 19. Jahrhundert.

                                                            roteanemone

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                                                            06.07.2018

                                                              Als begeisterte Leserin von historischen Romanen (ich habe auch Ulrike Schweikerts erstes Buch "Die Tochter des Salzsieders" gelesen und war begeistert) musste ich dieses Buch auch in die Finger kriegen. Und was soll ich sagen? Einmal in die Hand genommen und kaum mehr weggelegt. Die Geschichte um das Krankenhaus der Charite in Berlin um 1830, zur Zeit der Cholera, ist wirklichkeitsnah erzählt, die Figuren sind allesamt starke Persönlichkeiten und auch die Handlung hält alles, was man sich wünschen kann: Schicksale, Hoffnung und nicht zuletzt natürlich auch Liebe. Unbedingte Leseempfehlung für den Sommer!

                                                              Gurkenhals

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                                                              06.07.2018

                                                                Der Inhalt des Buches würde hier schon hinreichend beschrieben.
                                                                Ein wunderbares und interessantes Buch , welches in 3 Teile gegliedert ist. Die Einblicke in die damalige Medizin sind kurzweilig und leicht zu verstehend beschrieben. Seit langem habe ich mal wieder bedauert, das ein Buch zu Ende war.
                                                                Ich bin klüger geworden und mein Herz würde erwärmt sowie das Interresse für weitere solcher Bücher geweckt. Ich werde mir auch
                                                                Ulrike Schweikerts anderen Roman kaufen.
                                                                Das einzige was zu bemängeln wäre ist , das einige Situationen doppelt in Satz ,- und Wortlaut vorkommen.

                                                                Vielen Dank das ich dieses tolle Buch zur Rezension lesen durfte.

                                                                tigerbea

                                                                Beiträge 34
                                                                05.07.2018

                                                                  Berlin im Jahr 1831: Die junge Elisabeth tritt ihre Ausbildung zur Pflegerin in der Charite an. Als die Cholera ausbricht erlebt sie hautnah, wie machtlos die Ärzte dagegen sind. Besonders Professor Dieffenbach und einige andere Ärzte forschen Tag und Nacht um der Epidemie Einhalt zu gebieten. Elisabeth muß miterleben, wie Tausende Menschen sterben.

                                                                  Auch die Hebamme Martha kämpft für die werdenden Mütter, die zahlreich am Kindbettfieber sterben. Dazu muß sie noch allein für ihren Sohn sorgen. Sie wünscht sich für ihn eine gute Schulbildung, damit er einmal ein besseres Leben hat.

                                                                  Gräfin Ludovica besitzt alles, was man für Geld kaufen kann. Sie ist aber in einer unglücklich Ehe gefangen. Ihr einziger Halt ist die Liebe zu Professor Dieffenbach, obwohl diese niemals mehr als nur Freundschaft sein darf.

                                                                  Alle diese drei Frauen haben eines gemeinsam: Sie interessieren sich sehr für die Medizin und könnten mit ihrem Wissen darüber den Menschen helfen. Doch weil sie Frauen sind, müssen sie mit ansehen, wie einige Ärzte hilflos im Dunkeln tappen, wenn es darum geht neue Wege in der Medizin zu gehen. Besonders Elisabeth ist hin und her gerissen zwischen ihrer Liebe zur Medizin und zu einem jungen Arzt. Sie muß jetzt eine Entscheidung treffen, die ihr ganzes Leben beeinflussen wird.

                                                                  Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt. Die Mühe um die medizinischen Inhalte so genau zu beschreiben, muß gewaltig gewesen sein. Und eben weil alle Operationen und Krankheiten so genau beschrieben werden, ist das Buch nichts für schwache Nerven. Es ist wirklich streckenweise sehr, sehr bildhaft geschrieben. Das tut der Qualität des Buches aber keinen Abbruch, eher das Gegenteil ist der Fall. Der Leser erfährt dadurch, wie elendig die Menschen damals gelebt haben und wie jämmerlich sie gestorben sind. Vielleicht regt das Buch einmal dazu an darüber nachzudenken, wie gut die medizinische Versorgung heute ist. Das verdanken wir zum großen Teil den damaligen Ärzten, die unermüdlich geforscht haben.

                                                                  Dieses Buch wird mir auf jeden Fall in sehr guter Erinnerung bleiben!

                                                                  leseratte1310

                                                                  Beiträge 16
                                                                  05.07.2018

                                                                    Wer kennt sie nicht, die berühmte Berliner Charité?
                                                                    Die junge Elisabeth fängt in dieser Klinik als Krankenwärterin an. Dann kommt mit einem Spreewaldkahn eine Krankheit nach Berlin, die sich zu einer Epidemie auswächst, nämlich die Cholera. Während Elisabeth die Kranken versorgt, versucht der Arzt Johann Friedrich Dieffenbach mit seinen Kollegen den Überträger zu lokalisieren und ein Mittel gegen diese Krankheit zu finden.
                                                                    Das Buch liest sich einfach wundervoll. Mich hat diese Geschichte sehr gut unterhalten.
                                                                    Die sympathische Elisabeth möchte selbst über ihr Leben bestimmen und sich nicht von einem Mann abhängig machen. Daher nimmt sie die harte Arbeit in der Charité auf sich. Obwohl sie gerade erst ihren Dienst angetreten hat, macht sie sich zu allem was dort geschieht ihre eigenen Gedanken. Sie ist wissbegierig und interessiert sich für die Medizin. Sie setzt sich sehr für ihre Patienten ein, auch wenn sie damit aneckt. Sie verliebt sich in einen jungen Arzt, was nicht sein darf.
                                                                    Neben Elisabeth geht es in dieser Geschichte noch um zwei weitere Frauen. Gräfin Ludovica ist mit einem Hypochonder verheiratet und sie sucht Trost und Kraft in den Gesprächen mit dem Arzt Dieffenbach. Sie nutzt ihre Möglichkeiten, damit eine Krankenpflegeschule eingerichtet wird. Dann gibt es da noch die Hebamme Martha, die alles tut, um ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu ermöglichen, selbst im Totenhaus der Charité arbeiten.
                                                                    Im Jahr 1831 ist die Medizin natürlich nicht so weit fortgeschritten und die Methoden in den Kliniken sind mit unseren heutigen Maßstäben überhaupt nicht zu vergleichen. Man wusste noch nicht, wie man Wunden steril hält, um Entzündungen zu vermeiden und die Operationen ohne Narkose mag man sich nicht vorstellen. Aber ich finde es interessant, darüber zu lesen.
                                                                    Aber auch die Standesunterschiede werden in dieser Geschichte sehr deutlich. Während die Epidemie an den Betuchten weitestgehend vorbeigeht, wütet die Cholera schrecklich unter denen, die sowieso schon im Elend leben.
                                                                    Obwohl es in dieser Geschichte auch um drei Frauen geht, die ihren Lebensweg suchen, spielt die Charité in diesem Roman die Hauptrolle. Es ist ein sehr realistisch gezeichnetes Bild über das damalige Leben.
                                                                    Ich kann diesen Roman nur empfehlen.

                                                                    Orchidee

                                                                    Beiträge 10
                                                                    04.07.2018

                                                                      Berlin im Jahre 1831. Die Cholera fordert ihre Opfer, denn noch immer stehen die Ärzte dieser Seuche hilflos und vor allem ohne Medizin gegenüber. Elisabeth nimmt eine Anstellung als Krankenschwester in der Charite an. Sie will selbständig sein und nicht wie ihre Schwester in einer Ehe enden, in der nur der Mann etwas zu sagen hat. Der Preis für diese Freiheit ist hart, denn der Beruf als Krankenschwester fordert alles von ihr. Doch Elisabeth gibt nicht auf und versucht, sich medizinisch Fortzubilden. Was als Frau zu der Zeit nicht einfach ist.

                                                                      Das Buch hat mir richtig imponiert. Es ist heute fast unvorstellbar, wie die medizinischen Zustände damals waren. Das ist nichts für schwache Nerven. Ulrike Schweikert hat hier wirklich extrem recherchiert, anders kann ich mir diese Intensität des Textes nicht erklären. Sie hat es geschafft, ein wirklich hartes Thema in ein gut lesbares Buch zu packen. Die Charaktere sind sehr gut dargestellt und man erhält einen guten Eindruck davon, wie schwer es Frauen damals hatten.

                                                                      Mich hat das Buch wirklich beeindruckt!

                                                                      Lesegenuss

                                                                      Beiträge 25
                                                                      04.07.2018

                                                                        Zitat im Text
                                                                        ****
                                                                        Es ist die Zeit um 1830 in Berlin. Dort befindet sich das bekannteste Krankenhaus, die Charité. Die Menschen in und um Berlin haben Angst, dass die Cholera sich auch hier ausbreitet. Die Grenzen zu Preußen hatte es schon erreicht. Am Spreekanal als auch anderswo herrschen unwürdige Zustände. Eine Kanalisation gab es nicht, so dass all der Unrat in die Gewässer floß.
                                                                        Als erste Protagonbistin begegnet uns Martha Vogelsang, die Stadthebamme. Sie hatte einen guten Ruf und wurde auch zu den Leuten der besseren Gesellschaft in der Friedrichstadt gerufen. Sie sah die Unterschiede zwischen Arm und Reich. Aufgrund eines Ereignis lernt sie den zweiten dirigierenden Chirurg der Charité, Dr. Johann Friedrich Dieffenbach, kennen.
                                                                        Die nächste Protagonistin ist Elisabeth. Die junge Frau macht sich auf den Weg zu ihrer vier Jahre älteren Schwester Maria, die am Kanal wohnt. Diese war hochschwanger, und hatte gerade erfahren, dass ihr Mann, Soldat, bei einem Unfall ums Leben gekommen war. Elisabeth teilt Maria mit, dass sie ab jetzt als Krankenwärterin in der Charité arbeite. Aufgrund des Cholerauausbruchs am Kanal wird dort alles unter Quarantäne gestellt. Niemand darf das Gebiet verlassen.
                                                                        Zitat S. 23/24
                                                                        Quarantäne, Ausnahmezustand, ein stetig anschwellendes Heer von Kranken, denen keiner helfen konnte, und dann von Toten, die man irgendwo hastig verscharren würde. …
                                                                        Eine Welle aus Elend, Schmerzen und Tod war im Begriff, über Berlin hinwegzurollen, …

                                                                        Verschiedene Charaktere, verschiedene Lebenswege mit sozialen Hintergründen, ein wirklich sehr unterhaltsamer und aufschlussreicher Roman. Er gibt intensiven Einblick in die Zustände der Krankenpflege der damaligen Zeit. Die sehr unterschiedlichen Geschichten der Protagonisten zeigen auf, dass auch damals schon Frauen sich gegen Konventionen auflehnten, ein eigenbestimmtes Leben führen zu wollen.
                                                                        Ebenso war der Alltag in der Charité sehr genau und authentisch, bildhaft vorstellbar, beschrieben. Das dies möglich war, ist den intensiven Recherchen der Autorin zu verdanken.
                                                                        Elisabeth, Martha und die Gräfin Ludivica von Bredow, unsere dritte Protagonistin, Charaktere, die beeindrucken. Und natürlich auch Dieffenbach. Es sind die Geschichten der Vergangenheit, dem Forschungsdrang gewisser Persönlichkeiten, dem starken Willen so mancher Frau, denen wir heute vieles zu verdanken haben.
                                                                        Ich gehe nicht intensiver auf den Inhalt ein. Wer sich für diese Art historischer Romane interessiert, da kann ich nur sagen: Lest es!

                                                                        Arietta

                                                                        Beiträge 48
                                                                        02.07.2018

                                                                          Inhaltsangabe: Sternstunden der Medizin

                                                                          Berlin, 1831. Seit Wochen geht die Angst um, die Cholera könne Deutschland erreichen – und als auf einem Spreekahn ein Schiffer unter grauenvollen Schmerzen stirbt, nimmt das Schicksal seinen Lauf. In der Charité versuchen Professor Dieffenbach und seine Kollegen fieberhaft, Überträger und Heilmittel auszumachen: ein Wettlauf gegen die Zeit. Während die Ärzte um das Überleben von Tausenden kämpfen, führen drei Frauen ihren ganz persönlichen Kampf: Gräfin Ludovica, gefangen in der Ehe mit einem Hypochonder, findet Trost und Kraft in den Gesprächen mit Arzt Dieffenbach. Hebamme Martha versucht, ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu bieten, und verdingt sich im Totenhaus der Charité. Die junge Pflegerin Elisabeth entdeckt die Liebe zur Medizin und - verbotenerweise - zu einem jungen Arzt.

                                                                          Die Charité - Geschichten von Leben und Tod, von Hoffnung und Schicksal im wohl berühmtesten Krankenhaus Deutschlands.

                                                                          Meine Meinung zur Autorin:
                                                                          Ulrike Schweikert, hat mit ihrem Buch über, " Die Charite " einen sehr beeindruckenden Roman über die Sternstunden der Medizin geschrieben. Kein Roman für schwache Nerven und sensible Menschen. Bei den Operationsmethoden damals, erfasste mich das grauen, ich bin froh damals nicht gelebt zuhaben. Allein wenn ich an die Hygienischen Zustände und Operationstechnicken denke. Aber doch ist diese Geschichte so voller Menschlichkeit, und macher verbotener Liebe. Fiktion und Wahrheit sind sehr gut miteinander verknüpft. Ihr Schreibstil ist sehr Bildhaft, flüssig und mitreißend. Den Figuren hat sie Leben eingehaucht, sie sind sehr real und Glaubhaft dargestellt, ebenso die einzelne Charaktere und der tägliche Klinikaufenthalt. Die Ängste und Sorgen der Menschen sind spürbar. Es ist alles sehr gut rechechiert, so das man sich gut in die Geschichte hineinfühlen konnte, und mit den Figuren Freude und Leid teilte. Viele der aufgeführten Ärzte gab es wirklich, ebenso die viele damalige Krankheiten, Epedemien und Ansichten, sind im Nachwort belegt. Es war mir ein Vergnügen beim Lesen in die Welt der Charité von 1831 anzutauchen und am damaligen Leben teilzuhaben.
                                                                          Zum Inhalt:
                                                                          Ich habe die junge Elisabeth für ihren Mut bewundert, an der Charité als Wärterin anzufangen, obwohl sie schlecht bezahlt wurde für die Knochenarbeit die sie leisten musste. Es war kein leichter Stand für Sie, einem intilligenten, neugierigem und wissbegierigem Mädchen, besonders alles was die Medizin betraf. Gerade ihr Wissensdurst, ihre Aufopfernde und liebevolle Pflege, machten sie bei Ärzten und Patienten beliebt, ihr vertaute man. Elisabeth kann auch schon mal rebellieren und hält mit der Meinung nicht zurück, die sie vor den Ärzten vertritt. Besonders mit Dr. Heydecker liegt sie oft im Clinch, was sich liebt das neckt sich, und beide verlieben sich verbotener Weise. Auf Gräfin Ludovica ergeht es nicht anders eine Frau die sich für die Klinik und Ausbildung für Krankenpersonal einsetzt, verliebt sich in Dr. Dieffenbach, beide sind verheiratet. Zwei Frauen die das gleiche Schiksal teilen und sich in die falschen Männer verlieben, eine Liebe die keine Zukunft hat? Sehr Imponiert hat mit die Hebamme Martha Vogelsang, die eingroßes und dunkles Geheimnis hütet, das ihr schwer auf der Seele lastet. Es gibt noch so viel Spannendes und Aufregendes zu erzählen, aber das soll jeder Leser für sich selbst entdecken, ich würde die Spannung nehmen. Lasst euch einfach überraschen und fiebert mit den Personen mit.....

                                                                          Arietta

                                                                          Beiträge 48
                                                                          02.07.2018

                                                                            Inhaltsangabe: Sternstunden der Medizin

                                                                            Berlin, 1831. Seit Wochen geht die Angst um, die Cholera könne Deutschland erreichen – und als auf einem Spreekahn ein Schiffer unter grauenvollen Schmerzen stirbt, nimmt das Schicksal seinen Lauf. In der Charité versuchen Professor Dieffenbach und seine Kollegen fieberhaft, Überträger und Heilmittel auszumachen: ein Wettlauf gegen die Zeit. Während die Ärzte um das Überleben von Tausenden kämpfen, führen drei Frauen ihren ganz persönlichen Kampf: Gräfin Ludovica, gefangen in der Ehe mit einem Hypochonder, findet Trost und Kraft in den Gesprächen mit Arzt Dieffenbach. Hebamme Martha versucht, ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu bieten, und verdingt sich im Totenhaus der Charité. Die junge Pflegerin Elisabeth entdeckt die Liebe zur Medizin und - verbotenerweise - zu einem jungen Arzt.

                                                                            Die Charité - Geschichten von Leben und Tod, von Hoffnung und Schicksal im wohl berühmtesten Krankenhaus Deutschlands.

                                                                            Meine Meinung zur Autorin:
                                                                            Ulrike Schweikert, hat mit ihrem Buch über, " Die Charite " einen sehr beeindruckenden Roman über die Sternstunden der Medizin geschrieben. Kein Roman für schwache Nerven und sensible Menschen. Bei den Operationsmethoden damals, erfasste mich das grauen, ich bin froh damals nicht gelebt zuhaben. Allein wenn ich an die Hygienischen Zustände und Operationstechnicken denke. Aber doch ist diese Geschichte so voller Menschlichkeit, und macher verbotener Liebe. Fiktion und Wahrheit sind sehr gut miteinander verknüpft. Ihr Schreibstil ist sehr Bildhaft, flüssig und mitreißend. Den Figuren hat sie Leben eingehaucht, sie sind sehr real und Glaubhaft dargestellt, ebenso die einzelne Charaktere und der tägliche Klinikaufenthalt. Die Ängste und Sorgen der Menschen sind spürbar. Es ist alles sehr gut rechechiert, so das man sich gut in die Geschichte hineinfühlen konnte, und mit den Figuren Freude und Leid teilte. Viele der aufgeführten Ärzte gab es wirklich, ebenso die viele damalige Krankheiten, Epedemien und Ansichten, sind im Nachwort belegt. Es war mir ein Vergnügen beim Lesen in die Welt der Charité von 1831 anzutauchen und am damaligen Leben teilzuhaben.
                                                                            Zum Inhalt:
                                                                            Ich habe die junge Elisabeth für ihren Mut bewundert, an der Charité als Wärterin anzufangen, obwohl sie schlecht bezahlt wurde für die Knochenarbeit die sie leisten musste. Es war kein leichter Stand für Sie, einem intilligenten, neugierigem und wissbegierigem Mädchen, besonders alles was die Medizin betraf. Gerade ihr Wissensdurst, ihre Aufopfernde und liebevolle Pflege, machten sie bei Ärzten und Patienten beliebt, ihr vertaute man. Elisabeth kann auch schon mal rebellieren und hält mit der Meinung nicht zurück, die sie vor den Ärzten vertritt. Besonders mit Dr. Heydecker liegt sie oft im Clinch, was sich liebt das neckt sich, und beide verlieben sich verbotener Weise. Auf Gräfin Ludovica ergeht es nicht anders eine Frau die sich für die Klinik und Ausbildung für Krankenpersonal einsetzt, verliebt sich in Dr. Dieffenbach, beide sind verheiratet. Zwei Frauen die das gleiche Schiksal teilen und sich in die falschen Männer verlieben, eine Liebe die keine Zukunft hat? Sehr Imponiert hat mit die Hebamme Martha Vogelsang, die eingroßes und dunkles Geheimnis hütet, das ihr schwer auf der Seele lastet. Es gibt noch so viel Spannendes und Aufregendes zu erzählen, aber das soll jeder Leser für sich selbst entdecken, ich würde die Spannung nehmen. Lasst euch einfach überraschen und fiebert mit den Personen mit.....

                                                                            buchzauber

                                                                            Beiträge 19
                                                                            02.07.2018

                                                                              Überzeugend!

                                                                              Unterbrich dein aktuelles Buch und lies dieses! Mit diesen Worten wurde mir die Charité von meiner Tochter empfohlen und nach dem Klappentext war mir klar, dass ich mein aktuelles Buch unterbreche – das es nur kurz sein sollte, war mir nicht klar, denn der Sog, den die Charité auf mich hatte, sorgte dafür, dass ich am Wochenende das Buch direkt durch hatte. Dabei wollte ich gar nicht, dass dieses Buch endet. Elisabeth ist Wärterin in der Klinik und hat ihren eigenen Kopf, ihre Vorstellungen und dabei viel Herz und Sinn für die Patienten. Dr. Dieffenbach ist ein innovativer Arzt, der zwischen zwei Frauen steht und trotzdem recht hohe moralische Vorstellungen hat und bemüht ist das richtige zu tun, gleiches gilt für Hebamme Martha, die jedoch mit ihrem Spontanentschluss zu kämpfen hat (ich finde sie hat richtig gehandelt!). Noch einige weitere Charaktere sind spannend und unterhaltsam und auch wenn es recht viele waren, so konnte ich sie alle schnell unterscheiden und fieberte mit fast jedem mit. Die Schilderungen der medizinischen Umstände haben mich schaudern lassen, sowohl die vielen Fälle des Wundbrands, als auch die Arbeitsbedingungen oder die Tatsache, dass Operationen ohne Narkose erfolgten…es war schon fast barbarisch und man kann nur froh sein, dass sich in der Zwischenzeit einiges getan hat.

                                                                              streifi

                                                                              Beiträge 2
                                                                              26.06.2018

                                                                                Ulrike Schweikert nimmt uns mit ins Berlin der 1830er Jahre in die Charité, dem wohl ältesten und berühmtesten Krankenhaus Berlins.

                                                                                Wir begleiten Elisabeth, die dort als Wärterin zu arbeiten beginnt und Dr. Dieffenbach einen, der Ärzte, dort bei ihrer Arbeit. Schon bei den ersten Sätzen wird einem schnell klar, warum es gut ist, nicht mehr in dieser Zeit leben zu müssen. Hygiene, wie wir sie heute in den Krankenhäusern kennen, gab es damals dort in keinster Art und Weise und auch die Behandlungsmethoden waren damals noch eher abenteuerlich zu nennen.

                                                                                Allerdings merkt man auch hier den Pioniergeist und Wissensdurst der vor allem jungen Ärzte, die auch bereit sind, neue Wege zu gehen. So werden wir Zeugen der ersten plastischen Operationen, die sich mit dem Wiederaufbau von zerstörten Gesichtern beschäftigt, oder von der Heilung von schiefen Hälsen, schielenden Augen und Klumpfüßen. Was für uns heute selbstverständlich ist, war damals noch revolutionär.

                                                                                Durch die unterschiedlichen Perspektiven von Elisabeth und Dieffenbach erfährt man vieles sowohl aus der Unterschicht, sowie von den betuchteren Gesellschaft, die es sich leisten können einen Privatarzt zu bezahlen. Elisabeths Geschichte ist auch die einer wissbegierigen Frau, die mit Leidenschaft und menschlicher Wärme ihren Beruf als Wärterin, bzw. Diakonisse ausführt und heutigen Zeiten wohl Medizin studiert hätte. Damals war es Frauen nicht möglich zu studieren, geschweige denn als Ärztin zu arbeiten. Auch war der Beruf des Wärters bei weitem nicht das, was wir heute Pfleger nennen würden. Er entsprach wirklich mehr dem Wärter, der die Patienten bewacht.

                                                                                Ulrike Schweikert ist hier ein facettenreiches Bild dieser Zeit gelungen, sie hat ein Stück Medizingeschichte zum Leben erweckt. Am Ende war ich sehr traurig das Buch zuklappen zu müssen, hätte ich doch gerne noch weiter Zeit mit Dieffenbach, Elisabeth und ihren Familien verbracht.

                                                                                Von daher eine volle Leseempfehlung von mir für dieses tolle Stück Zeitgeschichte!

                                                                                Rea1887

                                                                                Beiträge 14
                                                                                26.06.2018

                                                                                  Dies ist ein Roman über die Berliner Charité und gleichzeitig aber auch über die allgemeine Entwicklung in der Medizin. Man begleitet hier den angesehenen Arzt Dr. Dieffenbach, der maßgeblich an diesen Entwicklungen beteiligt ist. Unter anderem gelingen ihm hier Operationen an den Augen bei schielenden Patienten. Zu Zeiten des schweren Wundbrandes, dem immer mehr Menschen zum Opfer fallen, sind die ersten subkutanen Eingriffe eine große Errungenschaft. Außerdem wird die Geschichte von Elisabeth erzählt, die als Pflegerin ihre Dienste in der Charité tut. Als eine der wenigen, die die Patienten wirklich als Menschen behandelt, da sie selbst großes Interesse an der Medizin hat - sie macht eine beeindruckende Entwicklung durch. Die Geschichte beginnt mit dem Ausbruch der Cholera und wilden Spekulationen, wie diese heimtückische Erkrankung wohl übertragen wird. Viele Menschen sterben an dieser Epidemie, aber der wahre Grund der Ansteckung wird nicht gefunden. Dies ist nun auch der Grund, warum das Buch nur vier Sterne von mir bekommt. Es war wirklich sehr lesenswert, die einzelnen Personen waren sympathisch und ich habe immer mitgefiebert. Aber manchmal waren mir die Geschehnisse dann doch etwas zu schnell abgehandelt. Die Monate vergingen in dem Buch nur so und auf einmal war dann auch von der Cholera keine Rede mehr. Dafür gab es dann aber auch wieder andere Probleme, wie die vielen Frauen, die dem Kindbettfieber erlagen. Bei dem Buch brauchte man teilweise auch starke Nerven, da einige Operationen und Sektionen wirklich sehr bildhaft dargestellt wurden. Allerdings konnte man so gut miterleben, wie die medizinischen Verhältnisse damals waren und wie gut wir es in der jetzigen Zeit haben. Eine Ergänzung mit den wahren Hintergründen rundet dieses Buch ab und war für mich sehr interessant zu lesen. Es war auf jeden Fall eine tolle Geschichte, die interessante Einblicke bot, aber sie hätte gern noch etwas ausführlicher und damit auch gerne ein paar Seiten länger sein dürfen.

                                                                                  Shanna

                                                                                  Beiträge 46
                                                                                  25.06.2018

                                                                                    Von Ulrike Schweikert habe ich schon einige historische Romane gelesen, die mir sehr gut gefallen haben. Ihr Roman über die berühmte Berliner Charité hat mich noch mehr begeistert, weil man das Krankenhaus heute noch kennt und es sehr interessant zu lesen ist, wie es vermutlich früher dort zuging. Man verfolgt zum Beispiel die Schicksale einer Krankenwärterin, einer Hebamme, einer Gräfin und einigen Ärzten, die alle mit der Charité verbunden waren. Die Schilderungen sind sehr authentisch und lebendig geschrieben, so dass man mit den Charakteren mitfühlen kann und die Schwierigkeiten mit denen sie zu kämpfen hatten, hautnah miterlebt. Zum Teil sind die Personen erfunden, doch man begegnet auch einigen bekannten, historischen Persönlichkeiten, die der Geschichte eine zusätzliche Würze verleihen.

                                                                                    Mir haben besonders die Beschreibungen der damals praktizierten Heilmethoden gefallen, die aus heutiger Sicht barbarisch anmuten, doch zu dieser Zeit den neuesten Forschungen entsprachen. Die "Drehschleuder" und eiskalte Güsse gehörten dabei noch zu den harmloseren Verfahren, um psychische Leiden zu kurieren! Operationen ohne Narkose und die Unkenntnis über Viren und Bakterien führten bei vielen Patienten von unsagbarem Leid bis hin zum Tod, ohne dass die Ärzte etwas dagegen tun konnten. Doch es gab auch erfreuliche Erfolgserlebnisse, die vor allem Professor Dr. Dieffenbach zu verdanken sind, dessen Wirken an der Charité der Realität entspricht. So konnte er vielen Patienten durch seine neuartigen Operationsmethoden zu einem besseren Leben verhelfen. Es ist richtig spannend diese Entwicklungen mitzuverfolgen.

                                                                                    Bei allem medizinischem Fortschritt, den wir heutzutage zum Glück erreicht haben, hat mich aber die Tatsache beschäftigt, dass sich bei der Pflege nicht viel geändert hat. Auch damals waren Pflegekräfte durch lange Arbeitszeiten überfordert und wurden viel zu schlecht bezahlt, was zu Lasten der Patienten ging. Traurig, dass das in unserem modernen Gesundheitswesen immer noch der Fall ist!

                                                                                    Diesen unterhaltsamen, anschaulich geschriebenen und gut recherchierten Roman kann ich uneingeschränkt empfehlen.

                                                                                    Igela

                                                                                    Beiträge 18
                                                                                    21.06.2018

                                                                                      1831: Die Angst hat das Krankenhaus Charité in Berlin fest im Griff. Denn die Cholera rafft in der Stadt immer neue Opfer in den Tod. Der Arzt, Doktor Johann Friedrich Dieffenbach, versucht verzweifelt ein Mittel gegen diese Pest zu finden. Die Wärterin Elisabeth, die gerade erst in der Charité zur Pflege der Kranken angestellt wurde, macht sich ihre eigenen Gedanken und zweifelt, ob die Vorgehensweise der Aerzte immer richtig ist.

                                                                                      Das Grundthema in diesem Buch sind die Anfänge der Medizin und die Eingriffe, die Kranken Linderung bringen sollen. Von 1831 bis 1840 erlebt man als Leser, die Entwicklung, die das Krankenhaus Charité, macht. Da wird zum Beispiel die erste Krankenwartschule am 1. Juli 1832 gegründet. Für wenig Geld haben vorher unausgebildete und meist Arme mehr schlecht als recht, diese undankbare Arbeit der Pflege verrichtet. Man erlebt jedoch auch mit, wie verzweifelt versucht wird den verschiedensten, zu der damaligen Zeit üblichen Krankheiten, Herr zu werden. Cholera, Diphtherie, Syphilis, psychische Erkrankungen, auch die Wundfäule, um nur einige zu nennen. Diese werden mit den damals üblichen und fortschrittlichen Methoden und Behandlungen, wie Aderlässe, Kampfspiritus und Kräutern bekämpft.
                                                                                      Mich hat dieses Buch regelrecht umgehauen und ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Sehr dringlich und authentisch wird das Leben in und um das Krankenhaus beschrieben. Die Figuren sind mir lieb geworden und ich mochte vor allem, wie stark die drei weiblichen Hauptprotagonistinnen dar gestellt wurden. Wärterin Elisabeth, die sich schlichtweg geweigert hat, zu heiraten und völlig aufgeht in der Pflege der Kranken. Sie ist sehr emanzipiert und möchte am liebsten Medizin studieren. Etwas, was damals für Frauen unmöglich war. So denkt sie während ihrer pflegerischen Arbeit mit und überlegt sich Heilungsmethoden für ihre Patienten. Sehr gut ausgearbeitet, wie Elisabeth sehr fortschrittlich gerade im Umgang mit psychisch Kranken denkt und handelt.
                                                                                      Die zweite Figur ist Gräfin Ludovica von Bredow, die heimliche Liebe von Dr. Dieffenbach. Statt in ihrem goldenen Käfig, die Hände in den Schoss zu legen, setzt sie ihre Macht, ihr Geld und ihre Überredungskunst ein, damit eine Krankenpflegeschule gegründet wird.
                                                                                      Und schlussendlich die Hebamme Martha, alleine mit ihrem kleinen Sohn, nimmt sie einen neuen Job im Totenhaus der Charité an. Und kämpft dafür, dass ihr Sohn eine Schule besuchen darf, trotz körperlichem Makel.
                                                                                      Es gibt Szenen, die haben es in sich. Ich denke da an die Passagen, in denen Operationen, wie damals üblich ohne Narkose, beschrieben sind. Oder die Beschreibungen der Patienten, die unter den verschiedensten Krankheiten leiden. Die hygienischen Zustände sind fragwürdig…Desinfektionen werden einmal täglich durch eine Räucherfrau, die durch die Charité geht, vorgenommen.
                                                                                      Die Geschichte ist sehr abwechslungsreich und entwickelt einen unheimlichen Sog. Es ist eines dieser Bücher, bei denen man nicht weiss, was einen auf der nächsten Seite erwartet und man gespannt weiterliest.
                                                                                      Da ich nicht so oft historische Romane lese und in medizinischen Details nicht bewandert bin, traue ich mir nicht zu, zu beurteilen wie weit die beschriebenen Details real sind.
                                                                                      Eines weiss ich jedoch sicher, dass mich dieses Buch völlig gefangen genommen und die Story mich fasziniert hat.
                                                                                      Dies war das erste Buch, das ich von Ulrike Schweikert gelesen habe. Jedoch nicht das letzte, denn der Schreibstil ist hervorragend.

                                                                                      karlssonvomdach

                                                                                      Beiträge 2
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                                                                                        Ein gelungener historischer Roman, der besonders an der Medizin interessierte Leser ansprechen dürfte. Die Geschichte ist im Berlin der Jahre 1831 bis 1841 angesiedelt. Im Wesentlichen dreht sich alles um das Wirken und Leben der Ärzte und des Pflegepersonals an der Charité, der berühmten Kranken-Heil-Anstalt, vor allem des berühmten Prof. Dieffenbach, der real existierte, und der „Wärterin“ Elisabeth. Es werden nachhaltig beeindruckende Einblicke in den Stand der Medizin vor bald 200 Jahren gegeben. Heute kaum vorstellbar, dass Operationen ohne Betäubung durchgeführt wurden, stattdessen durch Festhalten der Patienten durch starke Männer und das rasche Vorgehen der Ärzte beim Aufschneiden, oder dass die in so hoher Zahl (häufig an Wundbrand) verstorbenen Patienten obduziert wurden, um daraus Erkenntnisse für die Zukunft zu ziehen. Auch die Rolle der Frauen in der Medizin ist interessant zu lesen. Ihnen war es in Preußen verwehrt, Ärztinnen zu werden. Nur der niedere Beruf der „Wärterin“ war erlaubt und vor allem von Ungebildeten oder Dirnen ausgeübt. Das erklärt dann auch die Überzahl der Männer im Berufsfeld der Ärzte bis in die jüngste Zeit hinein. Auch in diesem Bereich wurde damals der Grundstein für eine Weiterentwicklung der Pflege gelegt. Die Schilderung des Privatlebens der Romanfiguren kommt natürlich nicht zu kurz und so gibt es auch hier unterhaltende Einblicke in die fast noch ständisch geordnete Gesellschaft im Preußen gegen Mitte des 19. Jahrhunderts.