Anna Hope

Fünf Tage im November

Fünf Tage im November 1920. Zum ersten Mal in der Geschichte werden die Überreste eines Unbekannten Soldaten bestattet und nach London gebracht. Währenddessen versuchen drei Frauen mit ihrer eigenen Trauer fertig zu werden: Adas Sohn ist im Krieg verschollen. Sie ist überzeugt, dass er noch lebt. Lady Evelyn betrauert den Tod ihres Geliebten, ein Neuanfang ist für sie undenkbar. Die junge Hettie ist im glamourösen «Palais» für einen Sixpence als Tanzpartnerin zu mieten. Sie träumt davon, sich zu verlieben und dem tristen Leben zu entfliehen.
Drei Frauenschicksale, auf dramatische Weise miteinander verknüpft ...
Ein mitreißender Roman über die Folgen des Krieges und den Beginn einer neuen Zeit.


Autorenbild Foto von Anna Hope

Die  Autorin

Anna Hope ist Schauspielerin. Sie hat in Oxford und am Birkbeck College englische Literatur und an der Royal Academy of Dramatic Art Schauspiel studiert. Nach diversen Kurzgeschichten und Theaterstücken ist «Fünf Tage im November» ihr erster Roman. Anna Hope lebt in London.


BibliografieAnsehen

PressestimmenAnsehen


Rezensionen

irmgard_hahn

Beiträge 26
19.06.2019

    Inhalt
    Wir schreiben das Jahr 1920. Der große Krieg ist seit zwei Jahren vorbei, doch die Seelentrümmer sind noch lange nicht verschwunden. Viele Menschen haben jemanden verloren, den sie geliebt haben.
    So auch Ada, deren Sohn Michael nicht aus Frankreich zurückkehrte, Ada, die nicht einmal weiß, wo ihr Sohn begraben wurde.
    Evelyn, deren Geliebter Fraser starb, bevor er sein Leben mit ihr verbringen konnte.
    Hettie, deren Bruder Fred zwar heimkehrte, aber seitdem ein seelisches Wrack ist, zu kaum mehr zu gebrauchen, als im Weg zu sein.
    Sie und noch viel mehr betrauern in diesen Jahren ihre verlorenen Freunde, Brüder, Ehemänner,

    Mein Eindruck

    Alle drei Lebensgeschichten empfand ich auf die eine oder andere Weise als erschreckend. Und nicht nur da, auch nach jedem anderen Krieg. Das hat mich sehr melancholisch gestimmt. Bücher über den Ersten Weltkrieg gibt es viele, aber nicht viele beschäftigen sich mit den Hinterbliebenen, den Überlebenden.
    Aber die Geschichten beherbergen nicht nur eine gewaltige Trauer, sie schauen auch in die Zukunft. Wie sich diese drei Frauen langsam von ihrer Trauer befreien und ihrem Leben einen neuen Sinn geben, sich neuer Liebe zuwenden. Fazit: ein ruhiger und bewegender Roman über die Überlebenden im ersten Weltkrieg der völlig ohne Kitsch auskommt.

    buchina

    Beiträge 17
    17.11.2016

      England 1920: Zwei Jahre ist der Erste Weltkrieg vorbei, aber dennoch sind die Auswirkungen für alle noch mehr als deutlich zu spüren.

      Hettie eine junge Frau muss das Geld für ihre Familie verdienen. Ihr Vater ist tot und ihr Bruder kann nach der Rückkehr aus dem Krieg kaum noch schlafen von arbeiten nicht zu reden. Hettie träumt von einer Karriere als Tänzerin, aber leider reicht es nur als Tanzbegleiterin zu arbeiten.

      Evelyn, eine Frau in den 30ern aus gutem Haus, müsste nicht arbeiten. Möchte aber unabhängig sein und hofft auch so über den Verlust eines geliebten Menschen hinwegzukommen.

      Dann noch Ada, sie trauert um den Tod ihres Sohnes, der im Krieg gefallen ist. Überall sieht sie ihren Sohn, sie kann nicht damit abschließen, denn sie weiß kaum etwas darüber wie und wo er gefallen ist.

      Alle drei Frauen haben Verluste erlitten und versuchen jeden Tag weiterzuleben. Ihr Schicksal porträtiert die Autorin 5 Tage in verschiedenen Handlungssträngen, daneben gibt es noch einen Handlungsstrang der die Vorbereitungen zum öffentlichen Begräbnis des unbekannten Soldaten am letzten Tag in London zeigt.

      Die Verbindung der drei Frauen offenbart sich nach und nach. Und auch wenn es nur 5 Tage sind, ändert sich vieles im Leben der Frauen. Die Charaktere sind sehr verschieden und trotzdem hat es die Autorin geschafft, dass mir alle drei Schicksale nahe gegangen sind. Sie stehen für so viele andere und zeigt wieviel ein Krieg den Menschen wirklich nimmt, auch noch Jahre danach.

      Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen. Der Autorin gelingt es die Handlungsstränge so zu wechseln, dass ich nicht durcheinander kam und den einzelnen Charakteren sehr gut folgen konnte. Die Charaktere sind gut herausgearbeitet und ihre Handlungen passend zum Charakter nachvollziehbar.

      Insgesamt ein sehr guter Roman über die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, der mich getroffen hat und nachdenklich stimmt. Er wird mir auch noch länger nachhallen.

      Samy86

      1 Beitrag
      20.03.2014

        Der Krieg, seine Folgen und drei starke Frauen

        Worum geht´s? :

        London ist auch noch zwei Jahre
        nach dem zweiten Weltkrieg gekennzeichnet und vom Elend geplagt. Auf
        den Straßen begegnet man ehemaligen Kriegshelden, die von ihren
        Erlebnissen bis an ihr Lebensende psychisch oder körperlich gebrandmarkt
        sind und trotz allem versuchen ihr Gesicht zu bewahren. Doch drei
        Frauen trotzen ihrem Schicksal und müssen mit der Sorge und auch der
        Hoffnung leben, dass ihre Männer und Kinder wieder zurückkehren...


        Meine Meinung:

        Ein wirklich sehr emotionaler Roman, der sehr deutlich beschreibt wie die
        Frauen in der damaligen Zeit mit ihrer Hoffnung und Sorge umgehen
        mussten. Die Spätfolgen des zweiten Weltkrieges sind in jeder einzelnen
        Zeile zu spüren, sowie der Schmerz und der Kampf der drei
        Hauptprotagonistinnen. Durch die Szenenwechsel, die die Autorin wirklich
        geschickt verarbeitet hat, kann man die Emotionen die dort herrschen
        wirklich gut nachvollziehen. Die drei Frauenschicksale sind sehr
        herzergreifend geschildert, so dass man nur mittrauern und hoffen kann.
        Sehr gezielt geht sie mit der Dramatik unserer Vergangenheit um und
        verarbeitet diese Thematik einfach genial. Etwas schwer fand ich den
        Schreibstil zu verdauen, so dass mir der Roman zum Teil schwer
        verdaulich im Magen lag und ich öfters nochmal nachgelesen habe.


        Fazit:

        Ein schwer verdaulicher Schreibstil, aber dennoch klasse Umsetzung eines dramatischen Themas.

        darklittle

        1 Beitrag
        12.03.2014

          Die Auswirkungen des Krieges aus Frauenperspektive

          Zwei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich London noch immer nicht
          vollkommen erholt. In den Straßen begegnen uns vom Krieg körperlich und
          psychisch verwundete Männer die versuchen heitere Gesichter zu wahren,
          so wie die Stadt versucht zu glänzen. In ihrem Roman „Abgesang“ führt
          uns Anna Hope in einen glamourösen Tanzpalast, einen geheimen Club, ein
          Amt für Kriegsrentner, die privaten Räumlichkeiten verschiedener
          Personen und zurück auf die Schlachtfelder. Jeder dieser Orte ist
          einzigartig und spiegelt die Emotionen der Figuren die sich an ihnen
          aufhalten wieder.
          Die drei Hauptfiguren, Ada, Evelyn und Hettie, sind
          Frauen in unterschiedlichen Lebensabschnitten. Man könnte sagen sie
          stehen für die Allgemeinheit der Frauen die diese Jahre der Sorgen und
          Hoffnung durchlebt haben. Am meisten fasziniert hat mich Evelyn: Eine
          wirklich gut konstruierte Figur die uns nicht nur einen lebendigen
          Einblick in ihre Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch ihre mögliche
          Zukunft gewährt. Natürlich finden sich in „Abgesang“ auch männliche
          Figuren wie zum Beispiel der charmante Ed. Er sorgt für eine
          Überraschung und ich wünschte ich könnte mehr über seine Person, seine
          Gedanken und seine Träume erfahren.
          Die Verbindungen zwischen den
          drei Frauen überraschen zum Teil nicht wirklich und erschließen sich
          gemächlich. Allerdings geht es in „Abgesang“ ja auch nicht um
          Geschwindigkeit und Spannung, sondern um die unsichtbaren Wunden des
          Krieges welche nicht so schnell heilen, und darum in einer Situation die
          ausweglos erscheint das Glück wiederzufinden. Der Hauptfokus von
          „Abgesang“ liegt auf der Geschichte von Ada, Evelyn und Hettie.
          Allerdings hat dieser Roman auch eine faszinierende Nebenhandlung in der
          es um die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zur Beisetzung des
          Unbekannten Soldaten geht. In dieser Beschreibung steckt so viel Emotion
          – Es ist als wäre ich selbst dort gewesen. „Abgesang“ ist ein
          herzzerreißender Debütroman der einen zurück in eine andere Zeit reisen
          lässt und die Auswirkungen des Krieges aus Frauenperspektive schildert.