Astrid Fritz

Der Turm aus Licht

Der packende, groß angelegte Ensembleroman der Bestsellerautorin nimmt uns als erster Roman überhaupt mit auf den spannenden Bau des so faszinierenden, wie beindruckenden Freiburger Münsters. Es hat das Angesicht Freiburgs für immer verändert und gilt als eines der Meisterwerke der Gotik: «Der schönste Turm auf Erden». Der sechzig Jahre andauernde Turmbau brachte Reichtum und Verderben, stiftete Liebe und besiegelte Schicksale. Episch und bewegend erzählt Fritz, wie die Menschen von Freiburg - protzende Grafen, aufstrebende Kaufleute, machtbewusste Kirchenleute, leidenschaftliche Baumeister, ihre Familien und gemeine Leute - im Schatten des Baus lebten, hassten, kämpften, um schließlich nach sechzig Jahren im Jahr 1330 glorreich zu triumphieren.


Autorenbild Foto von Astrid Fritz

Die  Autorin

Astrid Fritz studierte Germanistik und Romanistik in München, Avignon und Freiburg. Als Fachredakteurin arbeitete sie anschließend in Darmstadt und Freiburg und verbrachte mit ihrer Familie drei Jahre in Santiago de Chile. Zu ihren großen Erfolgen zählen «Die Hexe von Freiburg», «Die Tochter der Hexe» und «Die Vagabundin». Astrid Fritz lebt in der Nähe von Stuttgart.


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Rezensionen

Dandy

Beiträge 54
30.06.2020

    Bei „ Der Turm aus Licht“ von Astrid Fritz handelt es sich um einen historischen Roman.



    Klappentext übernommen:

    1270: Erwartungsvoll reist Baumeister Gerhard in die aufstrebende Handelsstadt Freiburg, um mit kaum dreißig Jahren die Verantwortung für den bedeutenden Kirchenbau zu übernehmen. Ist er der Aufgabe gewachsen? Ist es der junge Bildhauer Josef, als der Turm immer höher in den Himmel strebt? Wird die Bäckerstochter Thea ihr Glück erringen, dass untrennbar mit dem herrischen Grafen Egino und der Bauhütte verbunden ist?

    Episch und bewegend erzählt Astrid Fritz, wie die Menschen von Freiburg – protzende Herrscher, aufstrebende Kaufleute, machtbewusste Kirchenleute, leidenschaftliche Baumeister, ihre Familien, die gemeinen Leute – im Schatten des Baus lebend und kämpften, bis sich schließlich nach 60 Jahren vollendet, woran viele nicht mehr geglaubt hatten: Das Meisterwerk. Der schönste Turm auf Erden.



    Der Aufbau des Buches hat mir gut gefallen. Auf der ersten Seiten befindet sich eine Zeichnung des Freiburger Münsters, anschließend kommt ein sehr informatives und wichtiges Personenverzeichnis, gefolgt von dem Roman und im Anschluß ein Glossar.



    Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Dieser Roman lässt sich sehr flüssig lesen und der Einstieg ist mir sehr gefallen. Zuerst dachte ich: Die 814 Seiten, dass schaffe ich nie, da kommen bestimmt sehr viele Längen vor..., aber ich wurde ziemlich schnell vom Gegenteil überzeugt.



    Dieser Roman ist so spannend, hat viele Wendungen, vollgepackt mit historischen Fakten und Ereignissen, dass jede Seite ein Genuss ist und ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Während dem Lesen spürt man, dass sich die Autorin sehr viel Hintergrundwissen angeeignet, sich mit dem Thema Freiburger Münster sehr viel beschäftigt hat, bevor sie diesen Roman geschrieben hat.



    Die vielen Protagonisten werden authentisch beschrieben und dank des Personenverzeichnisses konnte ich mir die Namen , ihre Verwandtschaftsverhältnisse usw. sehr gut merken.



    Ebenfalls hat mir sehr gut gefallen, dass über jedem Kapitel die Zeit das Datum steht. Dies ist ebenfalls sehr hilfreich und ich konnte die Geschichte zeitlich sehr gut einordnen.



    Der Plot ist sehr vielseitig . Turmbau, Liebesgeschichte, Tragödie, zwischenmenschliche Problem u.v.m.



    Ich empfehle diesen Roman weiter.

    tinstamp

    Beiträge 35
    28.06.2020

      Was für ein Schmöker! Sechzig Jahre verfolgt der Leser den Bau des Freiburger Münsters in Astrid Fritz neuem historischen Roman. Und dies wird wirklich spannend und sehr bildgewaltig erzählt.
      Wir beginnen im Jahr 1270. Unter Graf Konrad I von Freiburg soll endlich der Kirchenbau weiter voranschreiten. Zehn Jahre wurde an der Liebfrauenkirche nicht mehr gearbeitet, weil die Befestigung der nördlichen Vorstadt Priorität hatte. Zu diesem Zweck soll Baumeister Gerhard mit seiner Frau Odilie nach Freiburg geholt werden, der bisher als Parlier an der Straßburger Bischofskirche mitgearbeitet hat. Doch nicht alle Bewohner der Stadt stehen dem Weiterbau positiv gegenüber. Als Graf Konrad ein Jahr später stirbt, kommt sein Sohn Egino II an die Macht. Dieser gibt das Geld mit beiden Händen lieber für Raufhandel und Kleinkriege aus und schon bald stoppt der Bau an der Kirche erneut....

      Über 60 Jahre dauerte die Vollendung des Münsters - ein Menschenleben. Und so begleiten wir nicht nur Gerhard von Straßburg, sondern auch seinen Nachfolger Erwin von Steinbach mitsamt ihren Gehilfen (Steinmetze, Zimmerer, Bildhauer) über diese Zeit. Im Vordergrund steht immer der Bau der Kirche, doch Astrid Fritz gelingt es mit interessanten Lebensgeschichten einiger Bewohner von Freiburg und den Arbeitern an der Kirche die Geschichte noch lebendiger zu gestalten. Verknüpft mit den historischen Persönlichkeiten dieser Zeit begleiten wir manche Familien über Generationen hinweg bis der Münster fertiggestellt ist. Der Leser erhält informative Kenntnisse über den Bau des Freiburger Münsters, sowie über den Alltag der Menschen zu dieser Zeit.
      Alle Figuren sind lebendig und facettenreich dargestellt. Man durchlebt hier sämtliche Gefühle von Freude, Angst, Zorn, Trauer und Hoffnungslosigkeit. Es fällt einem schwer liebgewonnene Charaktere loszulassen, doch im nächsten zeitlichen Abschnitt findet man immer einige bekannte Gesichter wieder.

      Auch die politischen Anteile haben beim Bau Gewicht, denn der Baumeister und seine Gehilfen sind vom Grafen oder den kirchlichen Fürsten abhängig. Zusätzlich sind sich die alten Stadträte, die aus Adeligen und Rittern bestehen, und den neuen Räten, die sich aus Kaufleuten und Handwerkern zusammensetzen, nicht wirklich grün. Die Meinungen driften hier oftmals auseinander und führen zu Streitereien. Das Streben nach Macht und das Gerangel um Zuständigkeiten bleiben über all die Jahre des Turmbaus bestehen.

      Der Roman ist trotz der vielen Protagonisten und der komplexen Handlung nicht unübersichtich, auch wenn mich das umfangreiche Personenregister am Anfang des Buches gleich mal leicht geschockt hat. Aber keine Angst! Dies gilt nur als Nachschlagwerk, sollte man einmal wirklich nicht wissen, von wem gerade die Rede ist.
      Die Autorin verwebt alle fiktiven Figuren mit den historisch belegten und kreiert damit einen spannenden historischen Roman über den Münsterbau. Dabei muss man die gründliche Recherche, die sicherlich jede Menge Zeit beansprucht hat, wirklich hervorheben. Die Autorin hat sich gründlich mit der Geschichte des Freiburger Münsters auseinandergesetzt und dieses historische Zeitzeugnis sehr lebendig erzählt. Sie vergisst dabei nicht, dass dieses grandiose Bauwerk von Menschenhand aufgebaut wurde und dies zu einer Zeit ohne jeglicher technischer Hilfsmittel. Man kann nur staunen, was Menschen vor Jahrhunderten bereits geleistet haben. Schaut euch doch bei eurem nächsten Münster- oder Dombesuch die vielen Einzelheiten, wie Wasserspeier, Schnitzereien oder Glasfenster, genauer an.

      Schreibstil:
      Astrid Fritz schreibt lebendig und spannend. Bei ihr fühlt sich das Eintauchen in eine ferne Zeit sehr real an. Trotz der historisch angepassten Sprache lässt sich der Roman wunderbar flüssig lesen. Dazu gibt es zusätzlich ein Glossar am Ende des Buches. Auf der Coverinnenseite befindet sich eine Zeichnung des Turmes. Die etwas mehr als 800 Seiten sind in drei große Abschnitte geteilt: Liebfrauen, Himmelwärts und Glaube, Hoffnung, Liebe.

      Fazit:
      Ein hervorragend recherchierter und erzählter historischer Roman um den Bau des Freiburger Münsters. Eine intensive Erzählung, die mich bei meinem nächsten Dom- oder Münsterbesuch begleiten wird.

      ingrid_esser

      Beiträge 26
      22.06.2020

        In ihrem historischen Roman „Der Turm aus Licht“ erzählt Astrid Fritz vom Bau des Freiburger Münsters in der Zeit von 1270 bis 1330. Besonders bekannt ist der gotische Westturm der Kathedrale, der bis heute mit seinen 116 m Höhe weithin sichtbar ist. Er wird auch als „schönster Turm auf Erden“ bezeichnet und ist mit einem einzigartigen durchbrochenen Maßwerkhelm ausgestattet, der aus eben jener im Buch beschriebenen Zeit stammt und der Geschichte seinen Namen gegeben hat.

        Im Jahr 1270 traf der fiktive Baumeister Gerhard, der bisher als Parlier an der Straßburger Bischofskirche mitgearbeitet hat mit seiner Frau und einigen weiteren Handwerkern, darunter ein Bildhauer und mehrere Steinmetze aus Basel und Köln, in Freiburg ein. Zehn Jahre war an der Liebfrauenkirche nicht mehr gebaut worden, weil die Befestigung der nördlichen Vorstadt Arbeiter und Material forderte. Der Empfang der Arbeiter ist recht bescheiden, wobei gleich ein Zwist deutlich wird zwischen dem „Alten Rat“ der Stadt, bestehend aus Rittern und Herren und dem „Neuen Rat“, der aus Kaufleuten und Handwerkern besteht.

        Über die Geschicke der Stadt haben verschiedene Autoritäten zu bestimmen, die im Verlauf der Erzählung zu weiteren häufigen Konflikten sorgen werden. Freiburg wird beim Eintreffen der Handwerker von Graf Konrad regiert, der gegenüber seinem König Rudolf von Habsburg verpflichtet ist, aber auch gegen ihn integriert. Eine wichtige Stellung nimmt auch der jeweilige Gemeindevorsteher ein und einige Angehörige des geistlichen Stands. Das Gerangel um Zuständigkeiten und das Streben nach Machtbefugnissen führen über alle Jahre des Baus hinweg zu vielen Auseinandersetzungen.

        Der Roman ist in drei Bücher gegliedert. Während der ersten beiden Teile nehmen die Streitereien um führende Positionen einen breiten Raum ein. Neben den auf Fakten beruhenden Ereignissen beschreibt Astrid Fritz auch das Alltagsleben der am Bau beteiligten Handwerker und der Bürger der Stadt. Liebe, Hass, Neid und Eifersucht sind ebenso beschrieben wie einfache tägliche Verrichtungen und besonderen Anlässen aufgrund dessen Feste gefeiert werden. Vor allem im dritten Buch des Romans konnte ich mehr über familiäre Verwicklungen lesen, aus denen sich einige Dilemmata ergeben und der Geschichte nochmals eine besondere Würze verleihen.

        Ich war während des Lesens davon fasziniert welche Möglichkeiten damals schon bestanden, ein Gebäude mit so vielen Verzierungen und filigranen Elementen zu errichten. Es zeigt sich, wie viele Existenzen vom Bau eines solch großen Werks abhängig sind und sich damit den Machtspielen der oberen Gesellschaftsschicht unterworfen sind. Ein weiteres Problem ergibt sich durch die unterschiedlichen Meinungen über die entstehenden Kosten. Während die Steinmetze und Bildhauer ihre Künste bis zur Perfektion beim Kirchenbau und dem Errichten des Westturms zeigen wollen, was viele Arbeitsstunden und kostenintensiv ist, stehen ihnen ausreichend Kritiker entgegen, die sich gegen den damit verbundenen Prunk und für eine schlichtere Ausführung aussprechen.

        Es freute mich, über den Anteil zu lesen, den auch Frauen eingebracht haben, nicht nur als Dienstmagd der am Bau beteiligten und Ehefrauen, sondern sogar als Handwerkerinnen. Ein Verzeichnis der Haupt- und Nebenfiguren, das dem Roman vorweggestellt ist, hilft dabei, den Überblick über die handelnden Personen zu behalten. Ein Glossar am Ende des Buchs erklärt vor allem geografische Begriffe, Worte aus der Handwerkersprache und Stellungsbezeichnungen.

        Dank guter Recherche schreibt Astrid Fritz mit dem Wissen geschichtlicher Daten, Ortskenntnis und viel Verve für die von ihr erfundenen Figuren in ihrem Roman „Der Turm aus Licht“ über eine bewegte Zeit, in der einige der wunderbarsten Kirchen der Welt geschaffen wurden, was erst durch die Entwicklung neuer Bauweisen und -formen möglich war. Man hofft und bangt um den Weiterbau am Freiburger Münster Unserer Lieben Frauen, die durch wechselhafte gesellschaftspolitische Entwicklungen immer wieder gestört wird. Die Figuren werden schnell sympathisch und man möchte sie gerne über all die Jahre hinweg festhalten, auch wenn es altersbedingt leider nicht möglich ist. Obwohl aus der Historie heraus bekannt ist, dass der Turmbau zu einem Abschluss gekommen ist, sorgt die Autorin dank vieler Wendungen für eine abwechslungsreiche unterhaltsame Lektüre. Gerne empfehle ich daher das Buch an Liebhaber historischer Romanen gerne weiter.

        goejos

        Beiträge 31
        20.06.2020

          Baumeister Gerhard, welcher mit seinem Weib Odilia und seiner Mannschaft von Straßburg nach Freiburg wechselt, bekommt bei seiner Ankunft einen ersten Eindruck von dieser gut befestigten Stadt. Hier soll er erstmals als Werkmeister den Weiterbau und die Fertigstellung der Liebfrauenkirche bewerkstelligen. 10 Jahre lang ruhte diese Baustelle, auch jetzt, bei seiner Ankunft sind nicht alle versprochenen Vorbereitungen getroffen worden. Baumeister Gerhard ist allerdings guten Mutes, dass er seinem, in Straßburg auf einem Riss vorgestellten Entwurf ausführen wird können. In diesem Buch erwartet uns neben dem Schicksal des Baumeisters, seiner Familie und der Mannschaft, auch eine Schilderung der damaligen Zeit und der gegeben Lebensumstände. Wir können uns auf eine interessante und spannende Geschichte vorbereiten.

          brigitte_schreiter

          Beiträge 78
          14.06.2020

            Der Roman handelt vom Bau des Freiburger Münsters. Das waren die Jahre 1270 - 1330. Der Bau ziehrt sich über viele Jahrzehnte hin. Genauer gesagt über 60 Jahre dauerte der Bau.
            Wir können den Bau begleiten und die Menschen die dazu beigetragen haben. Das waren die Kaufleute, Baumeister und ihre Familien und deren Schicksale über 60 Jahre.
            Das Buch, obwohl an die 800 Seiten wurde an keiner Stelle langweilig. Ein äußerst gelungener Roman und gut recherchiert.

            Vielleserin

            Beiträge 42
            13.06.2020

              Der packende, groß angelegte Ensembleroman der Bestsellerautorin nimmt uns als erster Roman überhaupt mit auf den spannenden Bau des so faszinierenden, wie beindruckenden Freiburger Münsters. Es hat das Angesicht Freiburgs für immer verändert und gilt als eines der Meisterwerke der Gotik: «Der schönste Turm auf Erden». Der sechzig Jahre andauernde Turmbau brachte Reichtum und Verderben, stiftete Liebe und besiegelte Schicksale. Episch und bewegend erzählt Fritz, wie die Menschen von Freiburg - protzende Grafen, aufstrebende Kaufleute, machtbewusste Kirchenleute, leidenschaftliche Baumeister, ihre Familien und gemeine Leute - im Schatten des Baus lebten, hassten, kämpften, um schließlich nach sechzig Jahren im Jahr 1330 glorreich zu triumphieren. (Klappentext)

              An diesen Roman bin ich mit etwas Vorbehalt rangegangen. Ich dachte die über 800 Seiten, das wird langatmig werden. Doch ich wurde sehr angenehm überrascht. Dieser hervorragend recherchierte Roman umfaßt ca. 60 Jahre Bauzeit des Freiburger Doms. Keine einzige Seite machte auf mich den Eindruck, ich würde mich langweilen. Im Gegenteil. Die Seiten flogen nur so dahin und ich wollte das Buch gleich gar nicht mehr aus der Hand legen. Die jeweiligen Charaktere sind je nach Person treffend beschrieben, ausgearbeitet und entwickeln sich logisch und authentisch weiter. Die Schauplätze sind durch den hervorragenden bildlichen und klar verständlichen Schreibstil so vor meinem geistigen Auge entstanden dass ich das Gefühl hatte ich bin direkt mir vor Ort und erlebe alles hautnah selbst mit. Auch bei vielen der Protagonisten hatte ich bald das Gefühl ich würde sie persönlich kennen. Sehr toll fand ich das Personenverzeichnis und vor jedem Kapitel die Datumsangabe. Dieser besondere historische Roman verdient es gelesen zu werden und daher ist er lesens- und empfehlenswert.

              Sassenach123

              Beiträge 11
              09.06.2020

                Astrid Fitz schafft es hier ein eher banales Thema groß auszuschmücken. Ich habe zu Beginn des Romans nicht erwartet, dass der Bau des Freiburger Münster so viel hergibt, um daraus einen so komplexen Roman zu erschaffen. Doch die Autorin hat es geschafft. Sie konzipierte eine eindrucksvolle Handlung vor diesem großen, für die Stadt bedeutsamen Ereignis.
                Auch wenn historische Romane nicht zu meinem bevorzugten Genre zählen, habe ich mich während des Lesens wie zu Hause gefühlt, anders kann ich es nicht beschreiben!

                MarySophie

                Beiträge 15
                06.06.2020

                  Handlung:
                  Im Jahr 1270 reist der Baumeister Gerhard nach Freiburg, um dort eine prächtige neue Kirche zu bauen. Mit knapp 30 Jahren ist er erstmals komplett für den Bau und die Planung zuständig und will seine Aufgabe würdevoll und mit wenigen Problemen erfüllen. Doch kann ihm das wirklich so gelingen?

                  Nach einigen Jahren ohne Tätigkeit an der Kirche übernimmt Meister Heinrich 1299 den Weiterbau. Und er will sich einer ganz besonderen Aufgabe widmen: den schönsten Turm auf Erden zu bauen, nach Vorlage des großen Erwin von Steinbach. Nicht alle Bürger der Stadt sind von diesem Wunsch begeistert und äußern Klagen. Werden am Ende genügend finanzielle Mittel, als auch Unterstützer dieses Vorhabens da sein?

                  Ungefähr im Jahr 1318 schließt sich auch der junge Bildhauer Josef der Gruppe rund um den Freiburger Münster an. Viele neiden ihm sein Können, die Skulpturen lebensnah und authentisch zu gestalten. Darunter auch Personen im eigenen Lager...

                  Meinung:
                  Schon der erste Blick auf das Cover macht deutlich, dass es sich bei diesem neuen, 800 Seiten starken Buch von Astrid Fritz um einen historischen Roman handelt. Die Farben sind nicht zu auffällig und changieren in verschiedenen beige Nuancen. Es gibt einige kleine Hingucker, besonders natürlich die Schrift, welche mit einem goldenen Farbverlauf ausgestattet wurde. Als zweites Highlight dient für mich die Kirche, bei der ich mir denke, dass es sich hierbei um den Freiburger Münster handelt. So kann man sich von dem imposanten Bauwerk ein erstes Bild machen und auch während des Lesens habe ich immer wieder darauf geschaut und mir so einiges besser vorstellen können.
                  Zu beiden Seiten des Buches sind noch einige Blumenranken zu sehen, die wunderbar altmodisch daherkommen und genau in die Handlungszeit des Buches, das 13. und 14. Jahrhundert, passen. Als einziges modernes Element dient eine Art Wasserspeier, welcher sich so tatsächlich an dem Gebäude finden lassen könnte.
                  Insgesamt finde ich das Cover für einen historischen Roman sehr gelungen, es verbindet nostalgische Elemente mit moderneren. Zudem bietet es verschiedene kleine Eyecatcher und zieht dadurch die Aufmerksamkeit auf sich.

                  Ich habe von der Autorin bereits einige Bücher gelesen, die mir allesamt gut gefallen haben. Es werden stets spannende und realitätsnahe Geschichten erzählt, die einen ganz besonderen Reiz ausüben. Und daher war es für mich ein Muss, auch diesen neuen Roman zu lesen. Ich war richtig gespannt auf das knapp 800 Seiten starke Buch und habe dieses im Zusammenhang einer Leserunde bei Lovelybooks lesen dürfen. Auch hier möchte ich mich dafür noch mal kurz bedanken, nicht nur für das Exemplar, sondern auch die sehr angenehme und mit interessanten Diskussionen gespickte Leserunde!

                  Als ich das Buch erstmals selbst in der Hand gehalten habe, war ich etwas baff. Mir war bewusst, dass es sich hier um einen kleinen Brocken handeln wird, so ein Buch selbst in der Hand zu halten ist dann immer noch mal eine andere Nummer.
                  Und auch als ich das Personenverzeichnis entdeckt habe, blieb mir etwas die Spucke weg. Dieses erstreckt sich auf gut zehn Seiten, wird dabei in die drei Bücher unterteilt. Mein Tipp hierfür: lest euch im Vorhinein immer nur die Personen durch, die in dem jeweiligen Buch vorkommen. Ansonsten ist man schnell etwas überfordert und es besteht die Gefahr, Protagonisten durcheinanderzubringen. Mir hat das wirklich sehr geholfen und ich hatte nur wenige Probleme damit, Personen wiederzuerkennen oder sie mir zu merken.

                  Wie ich gerade erwähnt habe, es erfolgt eine Unterteilung in drei Bücher. Ein jedes hat ein Titelblatt, wo nicht nur ein Titel des folgenden vermerkt ist, sondern auch der Handlungszeitraum. Das fand ich sehr passend, so kann man sich bereits einen ersten Eindruck erschaffen, wie viele Jahre in den nächsten Kapiteln vergehen. Außerdem vergeht auch zwischen den Büchern ein wenig Zeit und diese kann man sich so besser vor Augen halten.

                  Es herrscht von der ersten bis zur letzten Seite ein äußerst angenehmer Schreibstil, der zum weiterlesen verleitet. Es wurde eine Ausdrucksweise gewählt, die der damaligen Zeit etwas angepasst wurde und den Leser so gedanklich in die Handlungszeit reisen lässt. Ich mochte diese Art der Erzählung gerne, gleichzeitig habe ich dadurch mehr Zeit beim Lesen gebraucht und mich am Ende gut eine Woche mit dem Roman beschäftigt.
                  Es gibt viele Erzählstränge, die manchmal nebeneinanderher laufen, oft ineinander greifen und sich verbinden. Auch dadurch ist ein aufmerksames Lesen angebracht, um keine Information zu verpassen und um einen allgemeinen Überblick zu behalten. Anhand dieser breitgefächerten Erzählsituation trifft man auf Menschen unterschiedlicher Stände, mit verschiedenen Meinungen und Gedanken zum Kirchenbau.
                  Manchmal war mir die Lösung von Konflikten etwas zu einfach und leicht. Es wurden mal eben Entscheidungen getroffen, die nicht immer gut überlegt wurden. Protagonisten haben sich plötzlich geändert, ohne das es dazu erklärende Worte gibt, obwohl sich ein Teil der Handlung immer wieder um diese zwischenmenschlichen Probleme gedreht hat. Das war mir zu schnell und einfach gelöst, zumal es nur selten Kompromisse gab, sondern recht plötzlich wieder heile Welt geherrscht hat.

                  Ich bin der Handlung mit viel Interesse gefolgt, spannungsreiche Momente waren eher rar gesät. Es gibt einige Ansätze, wo man merkt, dass jetzt ein neuer Wind weht und die Karten neu gemischt werden. Doch im Grunde hat die Geschichte einen ruhigen Ton, es wird sich auf das Wesentliche konzentriert und auch damit kann der Roman viele Pluspunkte sammeln. Ich finde, dass die Handlung mit ganz anderen Aspekten bestechen kann und ich habe nie eine spannungsreiche Szene vermisst.

                  Gerade mit den historischen Ereignissen, die zahlreich auftauchen, hat die Autorin einen Schwerpunkt geschaffen, der mich vollkommen überzeugt hat. Nicht nur über den Kirchenbau, sondern auch über die Politik der Ratsherrn und über die Grafenfamilie gibt es zahlreiche Informationen, die einen großen Umfang besitzen. So kann man als Leser hautnah miterleben, welche Probleme es beim Bau des Münsters gibt, welche Steine in den Weg gelegt werden, aber auch mit was sich die Einwohner der Stadt tagtäglich herumschlagen mussten. Es entsteht ein breites Bild über verschiedenste Angelegenheiten, von denen ich vorher in dieser Art und Weise noch nie gehört habe. Ich war von vielen Vorgängen innerhalb der Stadt, als auch auf der Baustelle überrascht und konnte meinen Horizont erweitern.
                  Man kann deutlich herauslesen, wie viel Recherchearbeit hinter dem Werk steckt. Nicht nur anhand der unglaublich vielen Informationen, sondern ich finde es auch bemerkenswert, wie die Autorin Astrid Fritz es geschafft hat, diese in einen sinnvollen und glaubwürdigen Zusammenhang zu bringen.
                  Leider tritt der Kirchenbau im letzten Buch etwas in den Hintergrund. Hier stehen eher die Beziehungen der Bürger Freiburgs im Mittelpunkt. Ich hatte die Erwartungshaltung, dass der Bau sich stets im Fokus befindet und man gefühlt miterlebt, wie jeder Stein an Ort und Stelle gebracht wird. Zwar stehen die Geschichten der Protagonisten ebenfalls in einem Zusammenhang mit dem Bau des Freiburger Münsters, doch manchmal nahmen mir ihre Kapitel überhand. Mir hätte es gefallen, wenn der Schwerpunkt noch mehr auf dem Kirchenbau gelegen hätte.

                  Als Haupthandlungsort dient fast ausschließlich Freiburg, nur wenige Kapitel spielen in Straßburg. Ich konnte mir beide Orte richtig gut vorstellen und hatte teils das Gefühl, als würde ich mit den Protagonisten zusammen durch die Straßen schlendern. Egal ob Wohnhäuser, Burgen oder kirchliche Gebäude: ein jedes Bauwerk hat ein lebendiges und detailgetreues Bild vor meinen Augen entstehen lassen.
                  Ich finde sogar fast, dass Straßburg mir einen Tacken angenehmer und noch stimmungsvoller war und meine Fantasie die Stadt einen Hauch farbenfroher als Freiburg gestaltet hat. Mit dem Setting bin ich mehr als zufrieden und bin begeistert, wie viel Atmosphäre die Städte verbreiten konnten.

                  An sich hat mir die Darstellung der Protagonisten gut gefallen. Es gibt viele verschiedene Charaktere, ein jeder hat seinen eigenen Willen und kämpft für seine Ziele. Dabei ist es auch gut möglich, dass man in sympathische und unsympathische Lager einteilen kann, wobei die Autorin hier ganz leicht die Sympathien lenkt. Zumindest bei einigen Personen, andere zeichnen sich durch ihre Aussagen und Taten von allein aus.
                  Und obwohl ich mir die Protagonisten vorstellen konnte und sie einige lebendige Ansätze hatten, konnte ich durchweg keine Bindung zu jemandem aufbauen. Dafür wurde bei ihren Charakteren nicht genug in die Tiefe gegangen und sie blieben etwas zu blass.
                  Bei vielen Romanen hätte mich dies gestört, hier eher nicht. Man muss beachten, dass auf den knapp 800 Textseiten sehr viele Protagonisten auftauchen, die den Leser nicht alle bis ans Ende des Romans begleiten. Es gibt ein stetes Kommen und Gehen, es wäre schwierig sein Herz an eine Person zu hängen, die entweder die Stadt verlässt oder stirbt. Immerhin vergehen im Verlauf der Handlung gut 60 Jahre und die Lebenserwartung war im Mittelalter nicht so hoch wie heute. Daher hat es mich nur wenig gestört, dass es fast unmöglich war, eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen.

                  Fazit:
                  Ich weiß gar nicht, wann ich mich das letzte Mal einem solch seitenstarken Buch gewidmet habe. Ich bin aber sehr froh drum, dass ich es gelesen habe und meinen Horizont zu verschiedenen Angelegenheiten erweitern konnte. Viele historische Details sind aufgetaucht, die ich davor noch nie gehört habe und wo ich dazulernen konnte.
                  Ein Traum war auch das Setting. Ich habe mich dort fast heimisch gefühlt, obwohl ich beide Städte noch nie besucht habe. Was ich jetzt am liebsten machen würde, so sehr hat mich die Darstellung von Freiburg und Straßburg angesprochen!
                  Im Grunde habe ich zwei Kritikpunkte, für die ich einen Stern abziehe. Zum einen, was ich auch schwerwiegender finde, stand mir mit fortschreitender Handlung der Kirchenbau zu wenig im Mittelpunkt und gerade hierzu hatte ich mehr Erwartungen. Dafür rückten mir die Beziehungen der Bevölkerung zu sehr in den Vordergrund.
                  Zum anderen waren mir einige Konflikte etwas zu schnell gelöst. Sie spielen im Roman immer wieder eine Rolle und man macht sich als Leser einige Gedanken dazu und dann ist plötzlich und mit wenigen Worten alles wieder in Ordnung. Ein paar mehr Worte zu einigen Sachverhalten wären echt gut gewesen!
                  Ich habe das Buch mit einem positiven Gefühl weggelegt, ich habe mich gut unterhalten gefühlt, habe viele neue Dinge gelernt und kennengelernt und habe einen Heidenrespekt vor den Bauleuten, die so wundervolle Gebäude auf der ganzen Welt errichtet haben! Und auch vor Astrid Fritz, wie geschickt sie die ganzen Ereignisse in einen nachvollziehbaren und verständlichen Zusammenhang gebracht hat!

                  begine

                  Beiträge 5
                  06.06.2020

                    Kirchenbau
                    Von der Autorin Astrid Fritz habe ich schon vieles gelesen. Sie ist eine routinierte Schreiberin historischer Romane.
                    In dem Roman „Der Turm aus Licht“ sind die Schauplätze Straßburg und Freiburg, Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts. Die geschichtlichen Hintergründe sind detailliert getroffen.
                    Es ist faszinierend wie die Autorin Ihre Personen ins Bild bringt. Sie schafft es den Leser in der Geschichte alles mit erleben zu lassen..
                    In Freiburg soll eine besondere Kirche geschaffen werden, die besonders protzig, mit dem höchsten Turm der Welt, werden soll. Die Steinmetze arbeiten an dem Werk und die Grafen, verprassen das Geld in Kriegen und Intrigen.
                    Es ist oft erschütternd, wie viel Leid hinter den Türen stattfindet.

                    Astrid Fritz erzählt den Roman bewegend und wunderbar. Sie konnte mich wieder fesseln.
                    Dieser Roman war wieder ein Highlight.

                    yellowdog

                    Beiträge 19
                    06.06.2020

                      Astrid Fritz ist eine Autorin historischer Romane, die schon lange schreibt.
                      Vielleicht ist das der Grund, warum man praktisch sofort in der Handlung dieses großen, komplexen Romans um die Schaffung des Freiburger Münsters drin ist. Eine der schönsten Kirchen der Welt.

                      Aber Astrid Fritz erzählt auch die Geschichte der Menschen, die beteiligt waren.
                      Der Baumeister Gerhard kommt mit seiner Frau Odilia aus Straßburg um den Bau des Westturms zu übernehmen. Graf Konrad fördert das Projekt, doch nach seinem Tod gibt es viel Ärger mit den egoistischen Nachkommen.
                      Astrid Fritz lässt außerdem noch eine ganze Reihe weitere Figuren mit relevanten Rollen auftreten. Später wird besonders der junge Bildhauer Josef eine große Rolle spielen.

                      Man kann tief abtauchen in die Zeit des 13.Jahrhunderts.
                      60 Jahre werden abgebildet und die Figuren sind so stark gemacht, das man ihnen gerne über einen langen Zeitraum folgt. Und neue Figuren kommen immer wieder dazu. Dabei kann auch der Wandel gezeigt werden.

                      Der Turm aus Licht ist ein großer historischer Roman, den ich so schnell nicht vergessen werde.

                      Hermione

                      Beiträge 30
                      06.06.2020

                        Toller dicker Schmöker – fundiert recherchiert und spannend geschrieben:

                        Über 60 Jahre dauerte der Bau des Turms für das Freiburger Münster und über diesen Zeitraum spannt sich auch die Handlung des Romans.

                        Wir begleiten den Bau und gleichzeitig fiktive Menschen, die im Umfeld des Turmbaus gearbeitet, gelebt und geliebt haben.

                        So lernen wir zum Beispiel Findelkind Josef kennen, der nichts lieber machen möchte als Bildhauer zu werden, oder Thea, die in einer Bäckerfamilie aufwächst und von ihrem Vater viel schlechter und ungeliebter behandelt wird als ihre jüngeren Geschwister…



                        Meine Meinung:

                        Der Roman ist wirklich ein dicker Schmöker, der sich aber sehr gut und flüssig lesen lässt. Seine gut 800 Seiten sind in drei große Abschnitte aufgeteilt, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen, d.h. auf das Bauvorhaben als große Aufgabe, auf die Umsetzung des konkreten Turmbaus und schließlich auf das Zwischenmenschliche.


                        Den Aufbau und die Gestaltung des Romans mit einer Handlung, die sich über sechs Jahrzehnte erstreckt, finde ich dadurch sehr gelungen. Nachdem ich nach den ersten paar Seiten die Befürchtung hatte, ich könnte bei den vielen beteiligten Personen eventuell den Überblick verlieren, hat sich dies im weiteren Verlauf gar nicht bestätigt. Ich konnte der Handlung stets sehr gut folgen und die Geschichte dank der flüssigen und sehr anschaulichen Erzählweise in mich aufsaugen.


                        Ich habe mich zum einen durch die Geschehnisse auf der Beziehungsebene sehr gut unterhalten gefühlt und bei Schicksalsschlägen mit den Personen gelitten sowie auch an ihrer Entwicklung teilgehabt, zum anderen habe ich aber auch sehr viel über den Turmbau, die Zusammenhänge in einer Bauhütte (z.B. zwischen den einzelnen Gewerken), aber auch den Alltag der Menschen zu der Zeit gelernt. Dabei kam die Autorin nie mit erhobenem Zeigefinger daher, sondern man erfährt interessante Details ganz nebenher, so dass man die fundierte Recherche erkennen und schätzen kann, sich aber als Leser*in nie belehrt fühlt.


                        Dank des gelungenen Spannungsbogens habe ich auch über die sehr lange Strecke der Handlung mitgefiebert. Ich wurde sehr gut unterhalten und habe ganz viel gelernt – und das ist genau das, was ich von einem historischen Roman erwarte.



                        Fazit:

                        Dieser besondere historische Roman rund um den Bau des Freiburger Münsters ist für mich ein tolles Beispiel für einen guten historischen Roman, weil er fundierte Recherche mit einer spannenden Handlung verbindet.