Caroline Wallace

Das Fundbüro der Wünsche

Über das Suchen und Finden des Glücks
Martha dreht mit Vorliebe Pirouetten durch den Bahnhof von Liverpool. Der Bahnhof ist ihre ganze Welt. Als Baby wurde sie in einem Lederkoffer gefunden und wuchs in der Wohnung über dem Fundbüro auf. Martha liebt den Bahnhof und all die besonderen Menschen, denen sie hier begegnet: Cafébetreiberin Elisabeth, George, der immer eine römische Legionärsuniform trägt und der Mann mit dem Koffer, der vielleicht den Beatles gehört hat. Bis eines Tages ein Brief das Fundbüro erreicht: Der Absender behauptet zu wissen, wer Martha wirklich ist. Und so macht Martha sich auf die Suche nach ihrer eigenen Geschichte, einer Geschichte voller Rätsel, aber auch voller Magie und Glück.


Autorenbild Foto von Caroline Wallace

Der  Autor

Caroline Wallace hat lange Jahre als Dozentin gearbeitet, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in der Nähe von Liverpool. «Das Fundbüro der Wünsche» ist ihr erster Roman.


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Rezensionen

Borkum

Beiträge 30
09.07.2018

Einfach nur bezaubernd

Martha wurde als Baby im Liverpooler Bahnhof vor dem Fundbüro ausgesetzt. Die Betreiberin hat sich ihrer angenommen. Mittlerweile ist Martha sechzehn Jahre alt und hat den Bahnhof noch nie verlassen. Sie hofft, eines Tages ihre leibliche Mutter zu finden.
Was für ein bezaubernder Roman! Martha ist zwar weltfremd und ein wenig naiv aber absolut herzlich und liebenswert und durchaus nicht dumm. Ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte ist anhand einiger Szenen sehr gut dargestellt. Ich finde es toll, dass sie sich trotz ihres nicht gerade rosigen Lebens zu einem so hilfsbereiten, freundlichen und fröhlichen Menschen entwickelt hat.
Die Bandbreite der Charaktere in dem Buch ist bemerkenswert. Die Protagonisten haben fast alle eine mehr oder minder große „Macke“, aber bis auf zwei Ausnahmen muss man sie einfach ins Herz schließen.
Die Autorin hat auch sehr viele schöne Sätze in dem Buch verarbeitet. Hier nur ein Beispiel: „Wenn ein Buch verloren gegangen ist, dann ist das mindeste, was ich tun kann, es zu lesen.“
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und es bekommt von mir eine unbedingte Leseempfehlung.

SBS

Beiträge 76
13.02.2019

    Martha Lost ist ein Findelkind, welches im Fundbüro des Liverpool Lime Street Bahnhofs abgegeben wurde und den Bahnhof noch nie verlassen hat. Dort fristet das Kind unter der „Erziehung“ von der sogenannten Mutter ein wenig erquickliches Leben, arbeitet im Fundbüro und hofft irgendwann doch mehr über ihre Herkunft herauszufinden. Nach dem Tod der Ziehmutter versucht sie sich selbst zu finden – mithilfe ihrer Freunde, die sie auf dem Bahnhof getroffen hat und die immer für sie da sind.

    Die Protagonisten waren mir – allen voran die Erzählerin Martha – ein wenig zu eigen und manche zu skurril. Ich wurde vor allem mit der Erzählerin so gar nicht warm. Martha ist so dermaßen naiv, dass es einfach nur noch genervt hat, wenn sie auch ein herzensguter Mensch ist und es nach der „Erziehung“ schon irgendwie stimmig ist. Ein Kind kann sich unter solchen Bedingungen einfach nicht „normal“ entwickeln, dazu kommt noch ihre Gabe...

    Die Geschichte war fast durchgängig für mich ein wenig langweilig, sodass ich mich immer wieder beim querlesen erwischte und zwischendrin ein paar andere Bücher gelesen habe. Es passiert einfach recht wenig und was geschieht ist für mich weder spannend, noch unterhaltsam gewesen. Auch die Beatles sind nicht so mein Fall und die, bzw. ein Freund derer, sind in der Geschichte recht zentral.

    Warum ich es nicht einfach abgebrochen habe? Weil ich irgendwie doch wissen wollte, was noch kommt und der Schreibstil war auch recht angenehm zu lesen war. Leider hat mich das Ende auch nicht wirklich positiv überraschen können. Doch nicht alles war schlecht. Es gibt schöne Bezüge zu Büchern und einiges lässt auch den weniger positiv gestimmten Leser nicht kalt.

    Wer ungewöhnliche Geschichten, fast schon Märchen, mit speziellen Protagonisten mag, wird wahrscheinlich Gefallen an dem Buch finden, drum möchte ich auch nicht davon abraten, nur würde ich vor dem Kauf eine Leseprobe empfehlen. Wem die nicht zusagt, wird auch später eher wenig Gefallen am Buch finden.

    Eponine

    Beiträge 8
    11.11.2018

      Marthas Welt beschränkt sich auf den Bahnhof von Liverpool. Dort wurde sie als Baby wie eine Fundsache gefunden und lebt seitdem dort. Es ist ihr Universum, sie kennt all diejenigen, die immer wieder kehren. Ein märchenhaft anmutendes Leben und so muss man diese Geschichte auch lesen, denn dann ist sie einfach zauberhaft mit wunderbaren Charakteren und einem schönen Schreibstil. Wer schöne Zitate mag, sollte hier Zettel und Stift bereit halten.
      Aber eines Tages wird diesem Leben ein Ende gesetzt, denn es kommt ein Brief an und dann verändert sich Marthas Leben.

      Bika

      1 Beitrag
      01.10.2018

        Eine ziemlich ungewöhnliche Geschichte, denn man denkt ja, dass es zu dieser in England doch schwierig ist, ohne Geburtsurkunde und ohne Erfassung im Melderegister einfach so ein normales Leben leben kann. In Deutschland doch ziemlich unrealistisch. .
        Schön ist, dass Martha Freunde hat, die ihr bei der Suche nach ihrer Herkunft beistehen. Ich hoffe sehr auf ein Happyend!

        Leseeckchen

        Beiträge 35
        14.09.2018

          Martha Lost und das Herz des Lime-Street-Bahnhofs

          Martha Lost ist ein zauberhaftes 16-jähriges Mädchen, das bei der Leiterin des Fundbüros im Lime-Street-Bahnhof von Liverpool lebt. Sie selbst ist als Baby als Fundsache hier gelandet und „Mutter“ erzählt ihr seither, dass sie Martha nach der 90-Tages-Frist ausgelöst und behalten hat. Martha hofft noch immer, dass ihre leibliche Mutter sie abholen wird. Als „Mutter“ stirbt, will die Verwaltung Martha hinauswerfen, wenn sie nicht innerhalb von sechs Wochen ihre Sozialversicherungsnummer und eine Kopie der Geburtsurkunde vorweist. Also macht Martha sich auf ihre ganz eigene Weise auf die Suche nach ihrer Identität – und wird dabei von den Menschen, die ihre Welt sind, unterstützt: Elisabeth, die Café-Besitzerin, George, der immer eine römische Legionärsuniform trägt, William, der selbst verlorengegangen ist, Drac, dem Briefträgern und einigen anderen Personen, die ihr Leben kreuzen. Martha macht erstaunliche Entdeckungen …

          Wo soll ich anfangen, wie wunderbar, wie zauberhaft dieses Buch ist? Jede Seite davon habe ich geradezu inhaliert. Auf Anhieb hat mich Caroline Wallace in die kleine Welt von Martha Lost gezogen und ich wollte gar nicht mehr raus aus ihr. Diese Zeitreise in die 70er Jahre nach Liverpool habe ich ohne jede Einschränkung absolut genossen.

          Die Autorin schafft es, dass der Leser alles auch noch so absurde gern als gegeben nimmt und nicht in Frage stellt. Die Zeitungsartikel zwischendurch passen ebenso gut in die Story, wie die Plakate von Martha, mit der sie mit Anonymus in Kontakt tritt. Man möchte Martha so gern all die Liebe geben, die sie nie bekommen hatte, freut sich mit ihr über die kleinen und großen Wunder, die ihr begegnen und möchte Teil ihres Märchens sein.

          Die Geschichte ist aus Marthas Sicht in der Ich-Form geschrieben und spricht so den Leser direkt an, ganz ohne Umwege landet sie im Herzen. Dabei ist es ein Buch, das ganz viel im Gepäck hat. Themen wie Identitätsfindung, Missbrauch, Misshandlung, Betrug finden sich mit eingewoben in eine märchenhafte Bahnhofs-Geschichte. Trotzdem oder gerade deshalb ist dieses Buch großartig!

          Die Charaktere sind kunterbunt gemischt. Es gibt die neugierige Kiosk-Besitzerin, die liebenswerte Cafébetreiberin, den immer wachsamen römischen Legionär, den unsichtbaren George, den durchtriebenen Max, die hartherzige, bigotte Mutter. Ganz klar, wie man seine Sympathien verteilt. Aber das stört mich nicht – es darf, wenn alles passt, auch einmal ganz deutlich in Gut und Böse aufgeteilt werden.

          Marthas „Mutter“ hat sie mit der Behauptung, sie sei der Liver-Bird vom Lime-Street-Bahnhof und ihrem religiösen Wahn, quasi im Bahnhof eingeschlossen. Martha kennt die Welt außerhalb des Bahnhofs nur von Büchern. So kämpft sie jetzt nicht nur um ihre Identität, sondern auch um ein ganz normales Leben, das auch beinhaltet, den Bahnhof auch verlassen zu können. Martha hat eine ganz besondere Gabe, die ihr ermöglicht, die Geschichten der verlorenen Gegenstände zu sehen. Und Martha ist nicht dumm. Sie findet immer wieder einen Weg, ihr Schicksal zu meistern. Langsam, Schritt für Schritt, löst sich Martha von den unsichtbaren Fesseln, die „Mutter“ ihr all die Jahre angelegt hatte. Diese Entwicklung zu sehen, ist wunderbar, auch wenn Martha zunächst mal alles falsch macht und wieder ausgenutzt wird, nur von jemandem anderen. Doch genau das gehört zu Entwicklungen ja dazu.

          Wunderbar finde ich auch Marthas Lieblingskuchen: Zitronenstreußelkuchen. Was anderes könnte der Engel vom Lime-Street-Bahnhof auch gerne essen?

          Wenn man dann noch bedenkt, dass dies ein Debüt ist, fragt man sich, was danach wohl noch kommen wird. Ich jedenfalls habe eine neue Lieblingsautorin gefunden und bedanke mich hier ganz herzlich bei ihr für das wohl zauberhafteste Buch, das ich je gelesen habe! Fünf Sterne, ganz klar!

          Kittekathy

          Beiträge 36
          11.07.2018

            Mitfühlend aber auch lehrreich...
            Was die Leseprobe angeht kann ich das behaupten.
            Ich finde die Geschichte niedlich im sinne, davon dass ein kleines Mädchen heran wächst im Büro über dem Fundbüro, was an sich eigentlich traurig klingt.
            Aber dennoch entwickelt sich das Mädchen zu einem Menschen, mit dem Herz am richtigen Fleck.
            Ein schönes Buch, welches aber auch lehrreich ist in einigen Passagen.