Catharina Junk

Liebe wird aus Mut gemacht

Dies ist die Taschenbuchausgabe des Romans Auf Null.
Ein Roman über den Tod und das Leben - und über das Glück, lieben zu können
Nie wieder Sonnenblumen von Van Gogh an den Wänden. Nie wieder Hähnchen Estragon. Nie wieder Krankenhaus: Nina darf zurück ins Leben stolpern. Aber sie würde eher einem Hütchenspieler vertrauen als ihrem eigenen Körper. Also lieber die Handbremse anziehen: keine Pläne machen, keinen Spaß haben, nicht verlieben. Schon gar nicht in Erik. Doch zum Leben braucht es Mut - und erst recht für die Liebe.


Autorenbild Foto von Catharina Junk

Der  Autor

Catharina Junk, 1973 in Bremen geboren, studierte Deutsche Sprache und Literatur, Psychologie und Volkskunde an der Universität Hamburg. Mehrere Jahre arbeitete sie als Redakteurin für Fernsehserien und Reihen beim NDR. Seit 2008 ist sie selbständige Drehbuchautorin für Film und Fernsehen. Dies ist ihr erster Roman. 2014 erhielt Catharina Junk den Hamburger Förderpreis für Literatur. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Hamburg.


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Rezensionen

gisela_maria

Beiträge 9
21.09.2016

Leukämie? Nicht ohne meinen van Gogh!

Zum Inhalt

Eigentlich möchte die 20 jährige Nina mit ihrer besten Freundin Urlaub machen. Um sich etwas vorzurösten besuchen beide ein Solarium. Hinterher entdeckt Nina am ganzen Körper rote Punkte. Sogar ihr Zahnfleisch ist davon betroffen. Nina verschafft sich einen Termin beim Internisten. Der schickt sie umgehend ins Krankenhaus. Die Diagnose ist niederschmetternd. Leukämie!

Meine Meinung

Bücher über krebskranke Menschen gibt es viele. Jedoch ... so verschieden die Menschen und ihre Krankheitsbilder sind- so verschieden sind die persönlichen Tragödien.
Catharina Junk ist es gelungen eine authentische Geschichte zu schaffen. Man erlebt mit, wie die Welt von Nina in ihren Grundfesten erschüttert wird. Eine blutjunge Frau muss sich die Frage stellen, wie lange sich noch leben darf. Wird sie noch die große Liebe erleben? Wird sie sehen wie ihr Bruder ein erwachsener Mann wird?
Ein Kampf um Leben und Tod mit der Chemokeule beginnt.

Wer nun denkt, dass diese Geschichte todtraurig, ist liegt richtig. Aber auch der Humor von Nina ist einfach nur zum niederknien.
Manchmal hätte ich Nina am liebsten geschüttelt und gesagt: >>Du musst nicht immer auf andere Rücksicht nehmen. Sei ruhig mal egoistisch!<<
Um ihre Eltern nicht zu verletzen hat sie eine CD gelobt, die Selbstheilungskräfte verspricht. In  Wahrheit haben die Worte der Autorin Panik in ihr ausgelöst. Doch Nina und Autorin sorgen  in der Story für Lachmuskeltraining.
Ihre beste Freundin Bahar konnte ich sehr gut leiden. Jeden Tag hat sie Nina im Krankenhaus besucht und ihr Mut zugesprochen. Sämtliche Wollmützen hat Bahar gestrickt, um Nina nach der Chemo die haarlose Zeit zu erleichtern. Nina ist das zuviel. Sie möchte dass ihre Freundin auch die Option offen hält, dass Nina es möglicherweise nicht schafft. Sie schmeißt Bahar aus dem Krankenzimmer.
Isabelle ist eine ziemlich oberflächliche Freundin von Nina. Ich habe Nina oft für ihre Toleranz bewundert. Ich hätte mit Isabelle keinen Kontakt gehalten. Ich mag keine Menschen, die nur dann auf der Matte stehen, wenn es mir gut geht.
Da verlieben sich beide auch noch in den gleichen Mann. Erik repariert Autos, obwohl er es gar nicht kann.
Ich war mir eigentlich von Anfang an sicher, an wen Erik sein Herz verschenkt. Der junge Musiker verfügt über sehr viel Einfühlungsvermögen, welches eigenen Familentragödien geschuldet sein dürfte.
Besonders nahe geht einem auch Ninas Bruder. In den langen Monaten, die Nina im Krankenhaus verbracht hat, hat sie nicht mitbekommen, dass er kaum noch Beachtung bei seinen Eltern fand. Theo lernt tief gläubige Menschen kennen, die ihm ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln.

Fazit

Knapp 400 Seiten habe ich Nina auf ihrem schweren Weg begleitet. Ich habe ihre Ängste gespürt. Ich habe ihre Nervosität vor jeder Untersuchung mitbekommen. Ist der Krebs wieder da oder bleibt er da wo er hingehört? Ich durfte eine Waldbeerdigung miterleben, die mir sehr nahe ging. Es wurde das Lied >>Für immer und dich<< von Rio Reiser gespielt. Ich habe gelesen und mir nebenbei dieses Lied angehört. Der wunderbare Schreibstil und die gesungenen Worte von Reiser haben mir das Gefühl gegeben, wirklich dabei zu sein. Ich hatte das Gefühl, einen mir nahe stehendem Menschen die letzte Ehre zu erweisen.
Ob es Ninas Beerdigung war? NEIN! Keine Angst, ich habe damit nicht zuviel verraten.
Ich möchte ganz besonders den grenzenlosen Humor erwähnen. >>Leukämie? Nicht ohne meinen Van Gogh!<< (Seite 8)  Tja, solche Zitate vermögen nur Bilder vom großen Meister auszulösen. Noch dazu wenn sie kahle Wände in einem Krankenzimmer verschönern!
Ich verschreibe Euch dieses Buch. Zu 100% auftretende Nebenwirkungen: TRÄNEN! Ihr werdet leiden, lachen und wunderschöne Lesestunden verleben. Die Protagonisten in dieser Geschichte werden zu guten Bekannten von Euch.
Übrigens, Isabelle ist gar nicht soooo schlimm. Einfach nur anders. Ehrlich! So wie ihre Mutter auch. Die Dame stellt gesunde  grüne Smoothies her und  hat Mitgefühl mit Nina und ihrer "LEUKOMIE!"

Ich gratuliere Catharina Junk zur ihrem Debüt und bedanke mich für die wunderbaren Lesestunden.

Mein Dank geht an bücher de und den rowohlt-verlag.

Uschi 62

Beiträge 2
3 Antworten 21.09.2016

"Diese Ruhe. Kein einziges Geräusch. Totenstille."

Von heute auf morgen bekommt Nina die Diagnose Leukämie und ihr Leben hängt plötzlich an einem seidenen Faden.

Mit Sarkasmus und einer gehörigen Portion Selbstironie erzählt Nina über die Ereignisse und ihre Gefühle während ihres fast einjährigen Krankenhausaufenthaltes bis sie schließlich als gesund entlassen wird.

Zuhause muss sie jedoch feststellen, dass sich nicht nur ihr Leben grundlegend verändert hat, sondern auch das ihrer Familie. Ihr Bruder ist ihr völlig fremd geworden. Er redet kaum noch mit ihr und hat sich einer Glaubensgemeinschaft angeschlossen und ihre Eltern sind noch immer völlig auf ihre Krankheit fixiert. Mit ihrer besten Freundin Bahar ist sie schon lange zerstritten und es gibt eigentlich nur noch Isabelle, mit der sie schon als zehnjährige viel Zeit auf dem Reiterhof verbracht hat. Doch ist sie wirklich eine Freundin für Nina?

Das Schlimmste aber ist, dass Nina ihrem eigenen Körper nicht mehr vertraut. Ständig lebt sie mit der Angst vor einem Rückfall und kann und will deshalb keinerlei Gefühle zulassen. Dann lernt sie Erik kennen und fühlt sich von Anfang an zu ihm hingezogen. Doch ihre Angst lässt eine Beziehung nicht zu. Wird es Erik gelingen Ninas Panzer aus Selbstschutz zu durchdringen?

 

Ich liebe dieses Buch. Es hat mich sowohl zum Lachen als auch zum Weinen gebracht und es zeigt, dass es sich trotz allem lohnt die Hoffnung nicht aufzugeben. Der schwierige Weg Ninas wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen und auch wieder positive Gedanken zulassen zu können ist so glaubwürdig beschrieben, dass man meinen könnte Catharina Junk wäre selbst betroffen gewesen.

Es ist ein Buch das tief unter die Haut geht, einen dabei aber trotzdem zum Lachen bringt und eines von denen, die ich so schnell nicht vergessen werde.

Ich bewundere Catharina Junk dafür, wie sie mit diesem schwierigen Thema umgegangen ist, sehr emotional aber nicht gefühlsduselig und dafür gibt es 6 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

  • Granger 2.0

    Beiträge: 36
    06.05.2017

    Ich lese eigentlich keine traurigen Bücher und über Krebs. Aber da ich in der Familie schon so falle hatte und du mich neugierig gemacht hast.

  • otter

    Beiträge: 24
    17.02.2017

    Danke für die Rezension - du hast mich neugierig auf das Buch gemacht!

  • AnneMF

    Beiträge: 25
    28.01.2017

    Bücher mit dem Thema Krebs lese ich nicht sehr gerne, weil es mir das Wasser in die Augen treibt. Deine Rezi ist so gut, ich werde es trotzdem für meine Tochter auf die Liste setzen. Wir hatten Leukämie im Freundeskreis, der glücklicherweise geheilt werden konnte.

SBS

Beiträge 27
17.02.2017

Lesenswertes Debüt

Nina möchte vor dem Urlaub mit ihrer Freundin im Solarium etwas „vorbräunen“, jedoch wird sie daraufhin krank. Doch Nina war schon vorher krank, doch jetzt erst erfährt sie davon. Leukämie lautet die dramatische Diagnose. Auch nachdem sie die Krankheit scheinbar überwunden hat, kann Nina sich nicht wirklich fallenlassen und die Möglichkeiten, die das Leben bietet voll und ganz genießen, oder etwa doch?

Der Schreibstil ist wunderbar gelungen. Einerseits wird locker und häufig auch witzig erzählt, andererseits an den richtigen Stellen mit der notwendigen Ernsthaftigkeit auf die Geschehnisse eingegangen. Die gesamte emotionale Palette wird abgedeckt. Man fiebert mit, lacht, schmunzelt oder hat auch mal einen dicken Klos im Hals. Während eines an Sarkasmus enthalten ist (ich liebte das!) fehlt es dem Buch glücklicherweise an Kitsch. Toll gelungen waren auch die verschiedenen Ebenen, auf denen die Geschichte erzählt wurde. So waren die schwierigen Abschnitte des Krankheitsverlaufs besser zu verkraften und es gelang, bei allem Humor, aller Leichtigkeit und dem gewissen Maß an „Normalität“, die sonst im Buch enthalten ist, auch die belastenden Momente realistisch wiederzugeben.

Entgegen meiner Befürchtung ist das Buch nicht „schwierig“ und das trotz des Themas, welches an sich sehr belastend ist, gerade weil es sich um eine junge Krebspatientin handelt. Die Krankheit ist zwar ein sehr zentrales Thema, jedoch ist es viel mehr als ein weiteres Buch über Krebs, denn auch Freundschaft, Familienbeziehungen und die Liebe sind wichtige Themen. Bücher dieser Art sind egal in Mode, trotzdem war dieses anders und nicht nur, weil es nach der eigentlichen Erkrankung, während der Rekonvaleszenz, spielt. Es hat eine Authentizität, die wirklich beeindruckend ist. Die Protagonistin ist sympathisch, man kann sich sehr gut in sie einfühlen und die meisten ihrer Gedankengänge, ihre Ängste und Hoffnungen komplett nachvollziehen. Auch die anderen Charaktere sind sehr schön gelungen. Hier sind vor allem der Bruder Theo, der seine ganz eigenen Probleme hat, sowie Erik zu nennen. Doch auch die „Freundinnen“ und die Entwicklung der Freundschaften sind interessant und eine tolle Säule der Geschichte.

Kritisieren kann ich nur, dass das Ende doch sehr, sehr vorhersehbar war, aber um ehrlich zu sein hätte ich auch nichts anderes lesen wollen.

Tiara

Beiträge 10
eine Antwort 25.10.2016

Nina erkrankt an Leukämie und verbringt ein Jahr im Krankenhaus, bis sie mit der Diagnose Gesund - aber nicht geheilt entlassen wird.
In diesem Jahr hat sich auch ihr ganzes Umfeld verändert. Sie hat sich mit ihrer besten Freundin Bahar zerstritten, ihr Bruder hat sich einer religiösen Vereinigung angeschlossen und Nina kann ihrem Körper einfach nicht mehr vertrauen, sodaß sie ihr Leben auch nach der Entlassung nicht richtig genießen kann.
Bis ihr Erik begegnet.....

David Safier sagt über das Buch: Dieses Buch hat mich umgehausen. Catharina Junks Story geht ans Herz und ist trotzdem richtig komisch.

Diese Worte kann ich nur absolut unterschreiben. Auch ich war von der Geschichte mehr als angetan und habe das Buch in zwei Tagen ausgelesen.
Ich mochte Nina so gerne und konnte mich absolut in sie hineinversetzen, ihre Ängste spüren, ihre Schmerzen nachvollziehen, ihre Depressionen miterleben und konnte sie auch sehr gut verstehen, dass sie auch nach überstandener Krankheit trotzdem noch immer an einen Rückfall denken muß und ihr Leben immer danach richtet. Trotzdem ist sie für alle da und verschließt nie die Augen, wenn sie irgendwo helfen kann.
Ich habe sie sehr bewundert, wie sie sich trotzdem nicht unterkriegen läßt und auch in ihrer traurigen Situation oft noch einen lustigen Spruch auf den Lippen hatte.
Ich konnte auch all ihre Handlungen nachvollziehen, wie und warum es z.B. zum Bruch mit ihrer Freundin kam.

Auch Erik und auch vor allem seinen Vater fand ich sehr sympathisch und so jemanden braucht man einfach an seiner Seite. Die beiden haben das Herz wirklich auf dem rechten Fleck.

Ninas Zeit im Krankenhaus und ihr Leben danach wird immer abwechselnd erzählt. Die Autorin hat einen sehr schönen, flüssig zu lesenden Schreibstil und man ist so an die Geschichte gefesselt, dass man gar nicht merkt, wie die Seiten dahinfliegen.
Ich möchte die Geschichte sehr gerne weiterempfehlen und vergebe 5 Sterne.

  • Hexenturm

    Beiträge: 61
    19.04.2017

    Ich mag eigentlich Bücher über Krebskranke nicht lesen, da sie mich eigentlich immer sehr mitnehmen.
    Aber nach diesen Rezesionen wurde ich nun doch sehr neugierig.
    Mal sehen....vielleicht findest es sich bald in meinem Bücherregal.

meg

Beiträge 11
26.01.2017

Mit "Auf Null" oder "Liebe wird aus Mut gemacht" hat Katharina Junk ein bewegendes Buch geschrieben. Die Protagonistin Nina wird nach einem Jahr Leukämiebehandlung aus dem Krankenhaus entlassen und muß sich wieder dem Leben stellen. Abwechselnd wird in den Kapiteln vom Leben nach der Entlassusng aus dem Krankenhaus und vom Zeitpunkt, als Nina ihre Krebsdiagnose bekam erzählt. Nina durchlebt alle Facetten ihres Lebens während der Krebsbehandlung mit Angst, Mut, Hoffnung, Verliebtsein, Verzweiflung, Resignation, Aufgabe...... und nach der Entlassung - wieder Angst vor der Rückkehr der Krankheit, Resignation,Freude, Mut, Verliebtsein..... , auf. Trotz des traurigen Themas git es in dem Buch von Katharina Zink viele Stellen,die mich zum Lachen gebracht haben und auch einige, bei denen mir die Tränen in die Augen traten.Ein Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte und am Liebsten "in einem Rutsch" durchgelesen hätte.

MissGoldblatt

1 Beitrag
20.12.2016

Ich war schon ordentlich vorgehypt, ich hatte große Erwartungen an Auf Null. Und wer über Bücher bloggt oder Vielleser ist, der weiß, das ist nicht immer einfach. Das kann ganz schön nach hinten losgehen. Diese Momente, wo dann doch alles passt, man das Buch verschlingt und wie ein Schwamm begierig aufsaugt, sind da rar und besonders zugleich.

So ging es mir bei Auf Null von Catharina Junk.

Mit aberwitziger Situationskomik, einer ordentlichen Prise Sarkasmus und einer erfrischend leichten und doch atmosphärisch tragenden Sprache gleitet man schneller durch diesen Roman, als einem lieb ist.

Wo die typische Sick-Lit aufhört, da fängt die Autorin an. Wir begleiten unsere Protagonistin Nina auf den Weg zurück ins normale Leben. Nachdem sie fast ein Jahr im Krankenhaus, von ihr liebevoll „Bettenturm“ genannt, verlassen darf, steht sie vor einem Neuanfang. Mit dem sie selbst schon nicht mehr gerechnet hat. Wen wundert das? Aber Nina stehen nun alle Türen offen. Die Hoffnung auf Leben ist präsenter denn je. Und die Angst es wieder zu verlieren, noch mehr.

Mit gerade mal Anfang zwanzig musste sie ihr Studium, wegen der Leukämie, unterbrechen. Und sie weiß jetzt, ein gefühltes anderes Leben später, nicht mehr, ob das Studium die richtige Wahl für sie ist. Ob ihr altes Leben überhaupt noch Sinn macht. Was ist mit der neuen Nina, die dem Tod ins Gesicht geblickt hat, kompatibel? Und inwieweit hat das auch ihre Familie, ihre Eltern und ihren kleinen Bruder, verändert? Wie weit und wie stark darf man sich wieder an das Leben und all die Menschen darin binden, wenn es morgen wieder vorbei sein kann? All das wird hier zum Thema gemacht.

Obwohl Nina Wochen und Monate auf van Goghs Sonnenblumen gestarrt hat, sich in öder Routine durch die Tage der Erkrankung gequält hat, Salbeitee noch und nöcher gegurgelt hat, hat sie kaum einen Gedanken an sich verschwendet. Was danach passiert. Dieses Buch ist so auf den Punkt, was den Titel Auf Null angeht. Denn von Sekunde eins dieses Romans, beginnt Ninas Leben bei Null.

Nina knüpft nicht einfach an ihr altes Leben an. Was sie zu Beginn ihrer Erkrankung oftmals und lange noch hofft. Mit dem anfänglichen Gedanken nach wenigen Wochen all das hinter sich zu haben, wird dem Leser bald klar, dass einiges dazwischen gekommen sein muss, wenn sie fast ein Jahr im Krankenhaus verbracht hat. Auch wenn wir als Leser die Zeit nach der Leukämie verfolgen, dürfen wir immer wieder der Zeit während und nach der Diagnose, und bei der Bekämpfung des Krebs, beiwohnen. Und das ist erschreckend ehrlich. Erschreckend pur und intensiv. Und auch mal sehr dunkel.

Dieser Roman geht durch Mark und Bein. Als Leser bleibt dir keine Wahl. Du bist hin und hergerissen. Du bist fasziniert. Du bist ungläubig. Du bist erschrocken. Die Vielfalt an Emotion ist wie ein All-You-Can-Eat-Buffet. Du hast dich an mancher Emotion überfressen, aber du kannst nicht aufhören. Du willst einfach nicht aufhören. Es ist einfach zu gut und schön. Auch wenn es mal tottraurig ist und entsetzlich tragisch.

Ich weiß, es ist wahnwitzig, vielleicht auch übertrieben. Vielleicht hab ich auch einfach nur eine Macke. Aber die Entfaltung des Humors unter der Tragik dieses Schicksals ist für mich bahnbrechend. Ich fand es grandios! Dem Tod, der Unsicherheit noch eine Komik abgewinnen. Lebensbejahender geht es kaum. Freud und Leid liegen hier nur eine Haaresbreite voneinander entfernt. Catharina Junk hat das so perfekt in Worte gegossen und in dieses Buch gestampft. Es hat mich dermaßen berührt. In so vielen verschiedenen Arten.

Ich kann sagen es hat mich zum Lachen gebracht. Es hat mich zum Weinen gebracht. Es hat mich wütend gemacht. Und dabei hat es mir ein Bewusstsein für den Umgang mit so einer Krankheit geschenkt. Es hat mir vor Augen gehalten, wie gut es mir geht. Wie wenig ich das manchmal schätze. Wie lapidar wir Sachen sagen, wie wir mit Menschen umgehen. Dieser Roman hat was mit mir gemacht. Und solche Bücher sind, machen wir uns nichts vor, die Besten.

Wie sieht das denn jetzt mit den Figuren und so aus?

Da haben wir zum einen die Freundschaft zu Bahar, Ninas bester Freundin. Die ist so facettenreich. Besonders wenn die beiden zusammen interagieren, kann man nicht anders als zu schmunzeln. Und gleichzeitig schaffen es die beiden eine Wärme und Zuneigung auszustrahlen, dass sie nie im Leben als geringe Energiesparlampe bezeichnen würde. Gerade und auch wenn die Situation mehr als ernst ist. Ähnliches gilt später für die Interaktion zwischen Erik und Nina.

Die Dialoge zwischen den beiden sind so zart. Und damit meine ich fragil und zugleich leichtfüßig. Es fühlt es sich von der ersten Sekunde, beim ersten Wortwechsel zwischen den beiden, einfach richtig an. Das spürt der Leser. Das spürt Nina. Kein Wunder also, dass sie sich in ihn verliebt. Hier gibt es übrigens nicht minder lustige Szenen. An der Stelle muss ich auch ein paar Worte zu dieser Liebesgeschichte fallen lassen.

Im altbekannten Schema F-Roman in diesem Bereich wäre der männliche Spielpartner wieder Fels in der Brandung, Prinz und Lebensretter in einem. Und vor allem wäre einfach alles wieder gut, sobald die beiden sich getroffen hätten. Anders ist das in Auf Null. Es gibt ohne Zweifel diesen Part der Liebesgeschichte. Ohne Frage, es macht auch Spaß dieser Entwicklung dorthin entgegen zu fiebern. Bei einer Szene fand ich es auch ein bisschen klischeehaft, aber schlussendlich ist diese Beziehung zwischen Erik und Nina nicht so unerträglich dominant. Nicht unerträglich zuckrig. Vielmehr ist es eine schöne Ergänzung. Etwas, was man Nina nach all dem Mist gönnt.

Aber es gibt genug andere Nebenstränge in der Handlung, die mindestens genauso wichtig für Nina sind und ihren Raum im Buch bekommen. Da wären zum Beispiel die Beziehung zu ihrem Bruder. Denn er ist ja nur das Kind, was keinen Krebs hatte. Welches eine Stütze im Glauben sucht. Seine eigene Sexualität opfert, weil er meint eine Schuld damit zu tilgen. Oder der Part, dass so manche Freundschaft von Nina schon immer oberflächlicher Natur war und ihr Mindesthaltbarkeitsdatum schon längst überschritten hat. Es gibt so viel, dass den Leser mit seiner jeweiligen kleinen Thematik fesselt. Dieses Buch muss sich nicht hinter irgendeiner künstlich aufgeplusterten Liebesgeschichte verstecken. Das macht es so wundervoll und erfrischend.

Rundherum konnte mich das Buch begeistern. Ich wollte es gerade wegen seiner bitteren Süße kaum weglegen. Wenn es ein Buch gibt, welches man dieses Jahr unbedingt gelesen haben sollte, ist es Auf Null. Nicht zu unrecht gibt es schon viele positive Stimmen zu dem Roman und diese Aufmerksamkeit darum, könnte meiner Meinung nach, etwas größer sein.

Fazit
Auf Null von Catharina Junk hat mir mit ihrem Debüt wunderbare Lesestunden geschenkt. Es ist lebensbejahend, ergreifend und eine Klasse für sich. Außerordentlich berührend und auf bezaubernde Weise hat die Autorin für mich diese Art Buch neu definiert. Ich hoffe, dass wir schon bald mehr von dieser Autorin lesen werden.

MelC1

Beiträge 5
19.10.2016

Dort wo andere Bücher um eine lebensbedohliche Krankheit aufhören fängt "Auf Null" gerade erst an: bei der scheinbaren Heilung der, an Leukämie erkrankten, Nina. Sie wird aus dem Krankenhaus entlassen und sieht sich mit Familie, Freunden, Konflikten....kurz mit dem Leben konfrontiert. Ein Rückfall in die Krankheit ist aber möglich und und was dann? Nina beschließt, Beziehungen fern zu halten, um es nicht noch schwieriger zu machen. Auf eine wunderbare Weise lässt uns Catharina Junk ein Stück des Weges der jungen Protagonistin gehen. In leichter, humorvoller Weise werden auch schwere Themen nachvollziehbar. Junk findet stets die richtigen Worte, um aus dem schweren Schicksal eine brilliante Geschichte und eine Ode auf das Leben werden zu lassen. Absolut empfehlenswert.

Dandy

Beiträge 39
25.06.2017

    LIEBE WIRD AUS MUT GEMACHT von der Autorin CATHARINA JUNK ist im Mai 2017 im Rowohlt Verlag erschienen.

    Nina bekommt die Diagnose Leukämie. Sie ist am Boden zerstört und macht sich Gedanken über ihre Zukunft.
    In dem Buch gegleitet man Nina vor ihrer Diagnose, während ihrer Behandlung und nach der Behandlung.
    Diese 3 Lebensphasen werden abwechselnd erzählt und man leidet mit Nina richtig mit. Ein paar mal sind mir sogar die Tränen gekommen. Die Autorin hat die verzweifelten Gedanken/ Gefühle , die Hoffnung wenn eine Behandlung angeschlagen hat sehr gut und einfühlsam beschrieben.
    Auch die Nebencharaktere kommen sehr gut zur Geltung
    Ich empfehle dieses Buch auf jeden Fall weiter.

    Lesemaus42

    Beiträge 2
    16.06.2017

      Absolute Leseempfehlung
      So berührend! Dabei behandelt es nicht nur diese schlimme Krankheit, sondern noch viele andere bewegende Themen. Finde es sehr schön geschrieben. Denke das man das Buch bestimmt schnell verschlungen hat.

      Yvonne27576

      Beiträge 13
      07.06.2017

        Ich lese gerne bücher über Krebskranke Menschen .

        Gibt davon ja noch nicht genug *zwinker*

        aber so ein gutes wie dieses habe ich auch noch nicht gelesen.

        *Daumenhoch*

        Ich bin beeindruckt. KAUFT ES EUCH AUCH , ihr bereut es aufkeinenfall.

        lesebegeistert

        Beiträge 26
        23.05.2017

          Nina hat Leukämie und wurde als „geheilt“ aus dem Krankenhaus entlassen. Doch so richtig kann sie es noch nicht glauben, dass sie jetzt wieder völlig gesund ist. Darum ist sie bei allem was sie so macht sehr vorsichtig. Bei einer Panne mit ihrem Auto lernt sie Erik kennen. Sofort ist dem Leser klar, die Beiden gehören zusammen. Das Buch ist witzig, traurig und sehr gefühlvoll. Das Cover finde ich sehr passend und schön.

          Lesezeichen

          1 Beitrag
          16.05.2017

            Ein wirklich tolles Buch über Neuanfang, den Umgang mit Krankheit und den Mut, sich trotz der Zweifel neu zu verlieben und das Leben wieder genießen zu dürfen. Die Protagonistin Nina wächst einem sofort ans Herz und man möchte ihr zurufen, dass sie sich nicht selbst im Weg stehen soll.

            Bücherratte36

            Beiträge 12
            08.05.2017

              Inhaltsangabe

              "Vielleicht ja, vielleicht nein. Lasst euch überraschen." Gesund – aber nicht geheilt. Das ist Ninas Diagnose nach überstandener Leukämie. Für die Zwanzigjährige klingt das wie: Freu dich bloß nicht zu früh. Ohnehin hat die Krankheit alles verändert. Mit ihrer besten Freundin Bahar ist sie zerstritten, ihr Bruder ist streng gläubig geworden, und Nina würde eher einem Hütchenspieler vertrauen als ihrem eigenen Körper. Dann lernt Nina Erik kennen und ist schneller in ihn verliebt, als ihre Angst vor einem Rückfall es erlaubt. Aber wie soll Liebe funktionieren, wenn einem der Mut zum Leben fehlt?

              Auf Null ist der Debütroman von Catharina Junk.

              Dank des leichten Schreibstils der Autorin landet man ab der ersten Seite im Leben der 20jährigen Nina, deren Leben sich nach der Diagnose Leukämie verändert. Obwohl es sich hierbei um ein sehr ernstes Thema handelt, hat die Autorin eine wunderbare Art gefunden, Ninas Geschichte zu erzählen. Mal witzig, aber auch mit dem nötigen Ernst erfahren wir, wie Nina diese Krankheit meistert. Alle Protagonisten sind lebensnah und authentisch gezeichnet worden und dadurch kann man sich wunderbar in sie hineinversetzen. Die Handlung spielt sich auf zwei Ebenen ab. Zum einem ist es die Zeit, von Ninas Diagnose über ihrem Krankheitsverlauf und zum anderen, zurück ins Leben. Jede Emotion und jeder Gedanke lässt sich nachvollziehen und irgendwie entsteht das Gefühl, dass man Teil dieser Geschichte ist. Auch wenn Ninas Krankheit im Vordergrundsteht, geht es um mehr: Freundschaft, Tod, Lebensgefühl und Ängste.

              Auch wenn das Ende ein wenig Happy End mäßig ausgefallen ist, möchte man irgendwie kein anders haben. Für mich ist es stimmig und macht die Geschichte rund.



              Ich habe schon einige Bücher über Krebsschicksale gelesen, aber von keinem war ich so begeistert wie von diesem. Ein grandioses Buch, dass sich wirklich lohnt es zu Lesen!

              5 von 5 Sternen und eine absolute Leseempfehlung!

              SarahLiebtBücher

              Beiträge 32
              06.05.2017

                Ich habe mich schon vom Cover und Titel dieses Buches total angesprochen gefühlt. Irgendwie weckt es versteckte Sehnsüchte.
                Dann habe ich den Klappentext gelesen und obwohl ich selbst nie mit dem Thema Krebs in Berrührung gekommen bin, musste ich
                dieses Buch sofort haben. Denn die Art wie dieses Buch geschrieben ist, führt dazu, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann.
                Trotz des sensiblen Themas Krebs, schafft die Autorin es Nina einen Humor zu verleihen, der zwar makaber ist an manchen Stellen aber es auch auflockert und Nina zu einer tollen Protagonistin macht. Sie macht sich vorallem über sich selbst lustig und mindert ihren Wert dadurch, dass sie einmal Krebs hatte, weil sie weiß, dass dieser jeder Zeit zurück kommen kann. Und so macht es für sie, eine Beziehung zu führen quasi unmöglich.
                Ninas Geschichte ist so ehrlich und authentisch, dass ich dass Buch am liebsten sofort wieder lesen möchte.

                Katiii_liest_gern

                Beiträge 46
                06.02.2017

                  "Auf Null" ist ein sehr bewegender Roman über eine Krebserkrankung, deren Folgen und dem Weg zurück ins Leben. Nina wird quasi auf Null gesetzt, was ich als Titel sehr passend finde. Als sie aus dem Krankenhaus entlassen wird, steckt Nina voller Ängste und Sorgen, denn auszuschließen, dass die Leukämie zurückkehrt kann sie nicht und diese Ängste liegen auf ihr wie ein Schleier. Das Vertrauen zu sich selbst und zu anderen ist stark ins Wanken geraten. Wir befinden uns als Leser_innen mittendrin in einer Story, die von Chemo erzählt und auf der anderen Seite vom Neuanfang nach all der Qual und Schmerz. Mich hat es tief beeindruckt, welch wunderbaren Worte die Autorin gefunden hat, um zwar über ein Buch angefüllt mit Krankheit und Leid, dennoch einen Roman zu basteln, der auch aus sehr viel Schönheit und Freude besteht,

                  Nina zieht sich in sich zurück und lässt niemanden wirklich an sich heran. Die Diagnose Leukämie steht zwischen ihr und all ihren Beziehungen, sei es die zu ihrer Familie oder zu ihren Freundinnen. Verlieben ist vorläufig ein echtes NO GO, denn wie soll man sich binden, wenn man vielleicht sterben muss und jemanden dadurch verletzt und Schmerz zufügt? Für mich waren diese Emotionen mehr als greifbar, Catharina Junk ist es gelungen mich nicht angefüllt von Trauer lesen zu lassen, denn dies ist, was oft überwiegt. Es ist aber nicht belastend, sondern gibt irgendwie auch ganz viel Hoffnung. Natürlich kann der Krebs zurückkommen und natürlich wäre dies absolut fürchterlich, aber das Leben deshalb auf Sparflamme leben auch nicht der Sinn und das Ziel.

                  Natürlich geht es in "Auf Null" nicht nur um Nina, obwohl sie die Protagonistin schlechthin ist, auch ihre Familie und Freunde werden beleuchtet. Es ist sehr interessant, die einzelnen Figuren zu verfolgen, denn letztendlich bewegen sie sich alle irgendwie in Ninas Umfeld und ihre Reaktion auf Ninas Krebserkrankung hat schon eine gewisse Faszination. Rückzug, bei Gott Trost suchen oder die Unsicherheit mit einer Krebserkrankung umzugehen. Wie würde ich mich verhalten? Wo sehe ich mich in diesen Charakteren?

                  Der Schreibstil ist sehr flüssig und daher würde ich "Auf Null" auch für junge Leser_innen empfehlen. Nina ist knapp 20 und dies wird oft auch deutlich durch ihr Verhalten, ihre eigenen Lebensweisen und der Liebesgeschichte, die sich auch in den Roman einschleichen konnte. Ninas Leben entwickelt sich tatsächlich zu einem Tandemsprung ins Ungewisse. Sich darauf einzulassen fiel ihr sehr schwer und die Verwandlung zum Ende des Buches hin, war wirklich phänomenal.

                  Ein Roman, der traurig und freudig zugleich sein konnte, hinterlässt mich mit Begeisterung und einer echten Leseempfehlung! Ein tolles Buch über das Leben, welches jeder auf seine eigene Art und Weise wertschätzen und festhalten sollte. Sehr gelungenes Debüt.

                  katja_kabatja

                  Beiträge 9
                  12.01.2017

                    Danke für dieses großartige Buch!
                    Krebs.... Diese Krankheit ist heimtückisch und das Schlimmste was sie hervorbringt ist die Angst!
                    Angst vor dem was kommt, Angst vor der Krankheit selbst, Angst vor Schmerzen, Angst was vor einem liegt, Angst vor dem Tod und selbst wenn man die Krankheit überstanden hat dann bleibt oft die Angst davor wieder zu leben und die Angst die Angst abzulegen.

                    Berührend wie sich Nina sich zurück ins Leben kämpft.
                    Sie lernt wieder zu leben und nimmt einen mit durch eine Reise durch schwierige zurückliegende Zeiten und das hier und jetzt....

                    UNBEDINGT Lesen!

                    Momo45

                    Beiträge 9
                    03.11.2016

                      Wer gerne Gischichten über Tapferkeit, Mut, Entschlossenheit und das von ganz normalen Menshen wie Sie und ich. Dann können Sie mit dem Buch eine neue Gescichte kennen lernen.

                      Die Zwanzigjährige Nina hat Ihr Abitur abgeschlossen und wollte will in Münster studieren.
                      Dann die Diagnose: Leukämie!
                      Sie ist trotz ihrer Leidensgeschichte komisch und sakastisch zugleich.
                      Ebenso macht ein Junge ihr noch schwer zu schaffen udn versucht ihm zu zu begegnen. Aber hat sie kaum eine Wahl?

                      Catharina Junk hat eine Geschichte geschaffen die ans Herz geht und vieleicht auch wirklich passiert sein kann...in einem kleinen Dorf in Niedersachsen?!