Safia Monney

Harte Zeiten für echte Kerle

«Nur weil ich Gefühle habe, muss ich noch lange nicht darüber reden.»
Clemens ist Reporter bei einem Männer-Lifestyle-Magazin. Am liebsten berichtet er über alles, was harte Kerle anspricht: Extremsport, Monstertrucks, Grenzerfahrungen. Auf eine Beziehung hat er wenig Lust, einer Affäre ist er aber nicht abgeneigt. So auch, als er am Flughafen mit der faszinierenden Wayra zusammenstößt. Leider stellt sich heraus, dass Wayra seine neue Chefin ist. Sie will dem kriselnden Magazin eine neue Farbe geben, Stichwort: Der moderne Mann und seine Bedürfnisse. Clemens wird das Ressort «Beauty und Wellness» übertragen - und er macht eine ganz neue Art von Grenzerfahrung.


Autorenbild Foto von Safia Monney

Der  Autor

Die deutsch-französische Autorin Safia Monney wurde 1979 in Saarbrücken geboren. Sie studierte Schauspiel am Konservatorium der Stadt Wien und Kommunikationswissenschaft an der LMU München. Als Schauspielerin war sie unter anderem an den Münchner Kammerspielen zu sehen, spielte in diversen deutschen Film- und Fernsehproduktionen, gab literarische Lesungen und wirkte in einem Hörspiel mit. Seit 2008 lebt Safia Monney in Paris.


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Rezensionen

Vevi

Beiträge 15
04.08.2018

Was für ein toller Roman! Ich habe wirklich Tränen gelacht und bin total froh, dass ich (über die Buchboutique) auf dieses Buch gestoßen bin! Alleine das Cover finde ich zum Niederknien und auch die Sprache, der Stil, in dem die Autorin aus Sicht eines Mannes schreibt, ist göttlich - zumindest genauso, wie frau sich das immer vorstellt.

Zum Inhalt: Clemens ist Redakteur einer deutschen Männerzeitung, die alles behandelt, was Männer begehren: Sport, Autos, Frauen im wenig bekleideten Zustand und Abenteuer. Clemens selbst ist für das Ressort Abenteuer zuständig und bereist dafür die Welt. Der neueste Coup bringt ihn nach Peru, wo er über die Ralley Dahkar berichten soll. Das Buch beginnt damit, dass die Uhr gegen Clemens tickt und er seinen Flug erwischen muss. Dabei hilft es nicht, dass er noch eben mal mit seinem Mitbewohner Ulf und einer Ex konfrontiert wird und am Flughafen alle Mühe hat seinen an Flugangst leidenden Fotografen in die Maschine zu bringen. Das Buch beginnt also schon mal sehr temporeich.
Nach der Ralley (bei der er vergessen hat seinen Blog für die Leser der Playtime auf aktuellem Stand zu halten und einen Leihwagen demoliert hat), trifft Clemens am Flughafen die Liebe wie ein Blitz. Er lernt eine Backpackerin kennen, die einiges von ihm zu wissen scheint. Da Clemens keine Erfahrung mit Verlieben auf den ersten Blick hat, kann er sich erst mal selber nicht erklären, warum ihm Wayra (so der Name der Backpackerin) nicht mehr aus dem Kopf geht.
Als sich später herausstellt, dass Wayra Clemens neue Chefredakteurin ist, für die der gute, alte Alfie (so etwas wie Clemens Vaterfigur und Vorbild) gefeuert wurde, ist das Gefühlschaos bei Clemens perfekt. Er fühlt sich von Wayra angezogen, kann aber nicht damit umgehen, dass ausgerechnet sie nun sein Boss ist. Noch dazu, nachdem ihm Wayra das neue Ressort Lifestyle und Wellness verpasst hat. Damit kann er sich nun gar nicht anfreunden, da Männer, die sich für eben so ein Ressort interessieren würden, für ihn keine Männer, sondern verweichlichte Warmduscher. Den Gipfel der Frechheit erlaubt sich Wayra, als sie ihn zu einem Männerkongress schickt, bei dem alle Unterarten des "verweichlichten MAnnes" von den Hipster-Bartträgern bis zu den Rohkostveganern anwesend sind. Clemens nimmt sich also vor, diesen Kongress mal so richtig aufzumischen und dem Mann seine Würde wieder zu geben...

Ich habe mich bei der Lektüre wirklich sehr gut amüsiert und kann das Buch nur unbedingt jenen empfehlen, die eine witzige Liebeskomödie lesen wollen.

Ophelia19

Beiträge 32
eine Antwort 28.07.2018

Zuerst mal: "Harte Zeiten für echte Kerle" ist so etwas wie ein Chick-Lit-Roman aus der Sicht eines Mannes. "Ein "Liebesroman" aus Sicht eines Mannes?", habe ich gedacht "klingt interessant!" und nachdem ich die ersten Kapitel gelesen hatte war da: "Liebesroman aus Sicht eines Mannes - geiler Scheiß!" ("geiler Scheiß" ist übrigens ein immerwiederkehrender Spruch aus dem Buch - man merkt, es wurde sich der einschlägigen Ausdrucksweise von "echten" Kerlen angenähert und diese wurde auch von der Autorin richtig gut nachgeahmt! - Allein deswegen schon hat das Buch eine gute Bewertung verdient, weil der Sprachstil wirklich witzig und gekonnt die männliche Sicht der Dinge unterstreicht)
Wir haben einen Protagonisten, der ein "echter" Kerl ist und aus dessen Sicht wird erzählt. Und zwar die Geschichte, wie er sich und seine Männlichkeit neu findet, nachdem er sich wacker dagegen gewehrt hat ein "moderner Mann" zu werden.

Clemens ist Redakteur bei der Zeitschrift "Playtime" (ein deutsches Pendant zum Playboy) und zwar ist er für das Ressort Abenteuer zuständig. Daher verschlägt es ihn gleich zu Beginn des Buches nach Peru zur Ralley Dakhar. Schon die Reise dahin ist gespickt mit Anekdoten, die zeigen, was Clemens als echten Kerl ausmacht, nämlich zu großen Teilen auch sein Umgang mit dem anderen Geschlecht. Er ist anfangs also reichlich oberflächlich und grundsätzlich nur auf das Eine aus. Bis er dann bei seiner Rückreise Wayra kennenlernt, in die verknallt er sich so richtig und es wirdd irrsinnig witzig beschrieben, wie er erst selbst total davon geflasht ist, dass er zu so etwas wie Liebe fähig ist und wie er dann damit umgeht.

Um die Sache zu verkomplizieren, entpuppt sich Wayra allerdings als Clemens' neue Chefredakteurin, die "PLaytime" aus den roten Zahlen holen soll und dafür die gesamte Blattlinie umkrempelt. Nichts mehr mit Abenteuer für Clemens, denn ausgerechnet er soll das Ressort Beauty und Wellness übernehmen. Es folgt eine irrwitzige Episode, in der er sich mit einigen seiner Kumpels an Experimenten mit Bodylotion und Enthaarungswachs für Männer probiert.

Wayra allerdings findet das nicht so lustig und schickt ihn zu einem Männerkongress... und ab da muss ich leider sagen hat die flotte Story für mich irgendwie den Esprit verloren. Den Selbstfindungstrip, auf den sich Clemens auf dem Männerkongress begibt, hätte ich für die Handlung nicht gebraucht, der war mir auch stellenweise echt etwas langatmig und der Schluss des Romans war dann nur noch so ... naja... da musste sich eben ein Protagonist noch entwickeln bevor er ein Happy End kriegt.

Ein wenig hat mich das Buch auch an die Story des Films "Was Frauen wollen" erinnert, nur eben ohne das ganze Ding mit dem Gedankenlesen.

Ich gebe dem Buch vier Sterne, weil ich den Stil wirklich lustig zu lesen fand (man darf aber nicht zu zimperlich sein - immerhin wird hier aus der Perspektive eines Mannes erzählt), weil es deswegen auch mal was anderes war und weil mich die erste Hälfte des Buches wirklich gut unterhalten hat.

Die zweite Hälfte fällt dagegen in meinen Augen leider etwas ab. Man hat den Eindruck, dass hier dringend noch Hypothesen und Theorien zum Männerbild, zu Gleichberechtigung und auch Emanzipation (und was sie mit den Männern macht) bis hin zur "Männerkrise" abgearbeitet werden wollten, zum Teil etwas bemüht komisch, um dem ganzen Roman auch einen soziologischen Touch zu geben. Hätte ich wie gesagt nicht gebraucht, war aber insgesamt eine schöne Hängemattenlektüre.

  • Vince

    Beiträge: 6
    30.07.2018

    Danke für die gute und ausführliche Rezension.
    Ich fand die Sprache und auch den Erzählstil aus Sicht von Clemens in der Leseprobe auch ganz erfrischend. Mal was ganz anderes.
    Für mich klingt es nach einem lustigen und leicht zu lesendem Buch für zwischendurch. Aber vielleicht sollte man erst einmal hineinlesen, ob man mit dem Sprachstil klar kommt. Sonst kann das wahrscheinlich auch nerven.

    • Ophelia19

      Beiträge: 32
      10.08.2018

      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Ich gebe dir vollkommen recht, der Sprachstil ist sicher gewöhnungsbedürftig bzw. nicht für jeden geeignet. Am Besten man liest vorher die Leseprobe durch und macht sich sein eigenes Bild. :-)