Helga Glaesener

Das Seehospital

Drei Schwestern, drei Schicksale – ein Ort der Menschlichkeit
Amrum, 1920: Nur widerwillig kehrt Frida zur Beerdigung des Großvaters zurück auf ihre nordfriesische Heimatinsel. Der alte Kapitän Kirschbaum gehörte zu Amrum wie die Wellen zum Strand. Aber für Frida hatte er zuletzt kein gutes Wort übrig. Ihren Traum, in Hamburg Medizin zu studieren, hielt er für Weiberflausen und drehte ihr den Geldhahn kurzerhand zu. Dabei hätte der Insel-Patriarch eine vertrauenswürdige Ärztin in dem kleinen Hospital, das er für lungenkranke Kinder gestiftet hat, gut gebrauchen können. Nach seinem Tod droht der Einrichtung nun wegen Geldmangels das Ende. Aber was wird dann aus den kleinen Patienten? Fridas Mutter will aus der imposanten Strandvilla lieber ein exklusives Kurhotel machen. Auch von ihren beiden Schwestern kann Frida keine Hilfe erwarten. Dennoch nimmt sie den Kampf auf – und ahnt nicht, wie hoch der Preis für sie und ihre Familie sein wird ...


Autorenbild Foto von Helga Glaesener

Der  Autor

Helga Glaesener wurde in Niedersachsen geboren und studierte in Hannover Mathematik. 1990 begann die Mutter von fünf Kindern mit dem Schreiben historischer Romane, von denen gleich das Debüt, «Die Safranhändlerin», zum Bestseller avancierte. Seitdem hat sie zahlreiche weitere erfolgreiche Romane geschrieben, darunter auch diverse Krimis. Zwanzig Jahre in Ostfriesland haben ihre Liebe zum Meer geweckt, so dass die Küste zum Schauplatz zahlreicher Romane wurde. Heute lebt Helga Glaesener in Oldenburg.


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Rezensionen

hasi_rasi

Beiträge 102
14.02.2019

Zum Glück kein typischer „Insel-Arzt-Roman"

Frida studiert 1920 gegen den Willen ihrer Familie in Hamburg Medizin. Ihr Großvater, das Familienoberhaupt, hat ihr deswegen sogar den Geldhahn zugedreht. Als er stirbt fährt Frida zur Beerdigung nach Hause nach Amrum – obwohl sie die Enge, Einschränkungen und Konventionen auf der Insel hasst. Eigentlich will sie schnell zurück nach Hamburg, aber dann erklären ihre Mutter und ihr Stiefvater, dass das Erbe ihres Großvater viel kleiner ausfällt als erwartet – sie müssten das Inselhospital schließen, welches ihr Großvater für lungenkranke Waisenkinder errichtet hat. Das wollen Frida und ihre Schwestern Louise und Emily vermeiden, denn in Hamburg herrschen schlimme Zustände, die Kinder kamen halb verhungert aus dem Waisenhaus bei ihnen an. Da das Personal bereits entlassen wurde, kümmern sich die drei jungen Frauen um die Kinder, bis ihnen hoffentlich eine bessere Lösung einfällt. Frida pausiert sogar mit ihrem Studium.

Frida, Louise und Emily sind sehr verschieden. Frida wirkt oft kühl und diszipliniert, aber sie brennt für die Medizin und will unbedingt Ärztin werden. Alles Neue, wie z.B. die Röntgenuntersuchungen, fasziniert sie. Sie will den Menschen helfen und scheut sich nicht, auch andere um Hilfe zu bitten.
Die kecke Louise hat noch keinen Plan für ihr Leben, liebt aber Amrum und will auf jeden Fall hierbleiben. „... spürst Du nicht auch die Freiheit? Ein Blick übers Meer und Du kommst zur Ruhe.“ (S. 68) Sie träumt von einer Ehe aus Liebe. Als ihre Mutter ihr vorschlägt, einen 50jährigen Jagdfreund ihres Vaters zu heiraten, verschwindet sie. Hat sie sich etwas angetan?
Emily träumt vom eigenen Fotoatelier in Hamburg oder Berlin, ordnet sich aber dem Willen ihrer Mutter und ihres Stiefvaters unter – schließlich geht nichts über die Familie. Nicht einmal das eigene Glück? „Einer muss doch dafür sorgen, dass alles weiterläuft.“ (S. 253)
Christian, der Halbbruder der Schwestern, ist erst 13, sehr verzogen und wird permanent bevorzugt. Er war mir extrem unsympathisch, weil er eine widernatürliche Freude daran hatte, hilflose Tiere und schwächere bzw. kleinere Kinder zu quälen. Ihm hätte ich mehrfach gern „den Hosenboden stramm gezogen“.
Luises Mutter ordnet sich ihrem Mann komplett unter – was er sagt ist Gesetz und wird nicht hinterfragt. Auch das Wohl ihrer Töchter scheint ihr leider nicht wirklich am Herzen zu liegen. Hauptsache, der schöne Schein wird gewahrt. Ich konnte ihre Beweggründe nicht immer verstehen, aber sie war als Figur trotzdem in sich stimmig.
Rudolf, der Stiefvater, tut nach außen so, als würde ihm die Familie über alles gehen, dabei will er nur nicht seinen Lebensstil aufrechterhalten. Er war mittellos und ist erst durch die Hochzeit zu Geld gekommen ...

Das Setting ist in sich stimmig. Die Autorin beschreibt die gegensätzlichen Lebensweisen auf der rauen Insel und der vom Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Großstadt, von arm und reich sehr bildlich. Sie geht auch auf die Zustände in den Hospitälern und Waisenhäusern ein, die zum Teil erschreckenden Behandlungs- und Forschungsmethoden, das Elend in den Gängevierteln und die sich verbreitenden Heroinsucht so kurz nach dem 1. WK.

„Das Seehospital“ hat mir sehr gut gefallen. Helga Glaesener beweist wieder einmal, dass sie eine ganz große Könnerin ihres Fachs ist. Ihr Buch hebt sich positiv von der Masse der „Insel-Arzt-Romane“ ab. Sie verwendet keine stereotypen Charaktere, die Personen und deren Handelungen passen genau in die damalige Zeit. Sie erspart ihren Lesern vorhersehbare Liebesgeschichten und unnötige Happy Ends. Es muss nicht alles gut ausgehen, das tut es im wirklichen Leben doch auch nicht.

tigerbea

Beiträge 83
26.02.2019

Frida Kirschbaum gehört im Jahr 1920 zu den wenigen Frauen, die in Hamburg Medizin studieren. Als ihr Großvater stirbt, muß sie ihr Studium unterbrechen um zur Beerdigung nach Amrum zu fahren. Der alte Mann hat auf der Nordseeinsel ein kleines Hospital für lungenkranke Waisenkinder gegründet. Jetzt soll das Haus geschlossen werden, denn Fridas Mutter will ein Hotel daraus machen. Verzweifelt kämpft die junge Frau für den Erhalt des Hospitals, denn für die Kinder würde eine Rücksendung in ein Hamburger Waisenhaus den sicheren Tod bedeuten. Fridas Schwestern sind ihr keine Hilfe, aber der englische Arzt James Tylor steht ihr immer zur Seite, wenn sie Hilfe braucht - und Hilfe braucht sie jetzt dringend!


Ich habe schon lange nicht mehr so ein ehrliches Buch gelesen. Hier wird nichts geschönt und "die gute alte Zeit" verklärt. Alles kommt ans Tageslicht. Die Menschen verhungern und die Kirche sieht weg. Da spricht der Pfarrer beim Anblick der verhungernden Waisenkinder von der Gnade Gottes. Der Arzt sieht in den Menschen nur noch "Forschungsmaterial" für die Wissenschaft. Am schlimmsten aber ist die Mutter, die ihre Töchter an reiche alte Männer verkuppelt, damit sie ihr Luxusleben weiterführen kann. All diese Personen - und auch die anderen Charaktere - sind so klar dargestellt, daß man beim Lesen nicht nur dabei ist, sondern mitten unter ihnen lebt. Und das geht wirklich unter die Haut und seelisch sehr nah. Man möchte die Bedauernswerten in den Arm nehmen und haßt die Üblen. Genau so möchte ich es haben, wenn ich ein Buch lese. Optimal ist es, wenn ich am Schluß noch eine Weile innehalte, um über das Geschehen nachzudenken und dies zu verarbeiten.

All diese Ansprüche an ein richtig gutes Buch sind hier erfüllt. Helga Glaesener hat mich mit ihrem Werk begeistert!

Rebecca1

Beiträge 8
23.02.2019

Nur Widerwillig kehrt Frida Kirschbaum wegen der Beerdigung ihres Großvaters nach Amrum zurück. Denn eigentlich studiert sie in Hamburg Medizin und nimmt wegen der fehlenden familiären Unterstützung starke Strapazen auf sich um ihr Studium zu finanzieren. Frida ist nicht nur strebsam, sondern auch verantwortungsbewusst, so dass ihre Rückkehr nach Hamburg in weiter unklarer Zukunft liegt….
Ich habe mich mit diesem historischen Roman wunderbar kurzweilig unterhalten gefühlt. Die Autorin hat die damalige, von den Nachwehen des ersten Weltkrieges gezeichnete und durch Standesdünkel verklärte Sichtweise des untergehenden Adels wunderbar deutlich gemacht. So ist bei mir Fridas Mutter, mich ihrem Schein-Getue unwahrscheinlich auf Widerwillen gestoßen. Gleiches gilt für den nichts tuenden Ehemann Rudolph. Der außer seinem adligen Namen nichts zum Familienunterhalt beitrug und immer nur seine Jagd im Kopf hatte. Beim Lesen dieses Buches ist mir die Bedeutung des Wortes Mitgift erst richtig deutlich geworden – steckt doch hier das Wort Gift drin. Und Gift ist in dieser Familie sehr viel vorhanden und verteilt worden. Gift, dass die Töchter aus dem Haus und in den Tod getrieben hat. Interessant fand ich auch die Figur von Christian, dem Halbbruder der drei Schwestern. Vermutete ich zuerst noch, dass es sich bei ihm um einen heranwachsenden Psychopathen handelt, so musste ich doch im Laufe der Geschichte einsehen, dass auch er ein Opfer dieser Familie ist. Die Handlung ist einfach wunderbar unterhaltsam, nicht vorhersehbar und packend. Ich kann sie allen Liebhabers dieses Genres uneingeschränkt empfehlen. Von mir gibt’s 5 Lese-Sterne.

TochterAlice

Beiträge 16
19.02.2019

(K)Ein Arztroman

ist der Roman "Das Seehospital". Schon allein dadurch, dass er das "Versprechen" aus dem Titel nicht hält. Nämlich das erwähnte Hospital, das im Übrigen auf Amrum angesiedelt, in den Mittelpunkt der Handlung zu stellen. Nein, es ist ein Teil der Handlung, aber es gibt noch so einige andere Komponenten, die mindestens genauso wichtig sind, bspw. die Klinik Eppendorf in Hamburg. Dort nämlich arbeitet Frida, eine der drei Amrumer Schwestern, um die es in diesem Roman geht, als Krankenschwester, doch ihr größter Wunsch - sie ist bereits auf dem Weg, ihn zu verwirklichen - ist es, Ärztin zu werden.

Ihre Mutter Rosa und ihr Stiefvater Rudolf hingegen finden das wenig erstrebenswert, sie sind der Ansicht, dass Töchter - und sie haben ja deren drei - reich heiraten sollten. Gerade auch nach dem Tod des Großvaters, von dem eigentlich alle Familienmitglieder abhängig waren. Dieser hat den drei Mädchen ein so geringes Erbe hinterlassen, dass gehandelt werden muss: Rosa und Rudolf versuchen zunächst die Mittlere, Lou an einen inselansässigen reichen Dänen zu verheiraten, als das nicht gelingt, soll Emily, die Jüngste, seine Braut werden.

An das vom verstorbenen Großvater errichtete Seehospital, eine Klinik für notleidende Kinder armer Familien, verschwenden sie keinen Gedanken. Frida hingegen umso mehr. Und bald schon findet sich James Tyler, ein englischer Arzt, zu ihrer Unterstützung ein.

Eine spannende, ungeheuer atmosphärische und gut recherchierte Geschichte, die ich voller Begeisterung gelesen habe. Dennoch, die Nebenhandlungen und -schauplätze waren sowohl zu zahlreich als auch ein wenig zu klischeebehaftet - weder wurde das Rotlichtmilieu auf Sankt Pauli noch der reiche ältere Herr, den es nach einer jungen Ehefrau giert, ausgelassen. Aus meiner Sicht ein wenig zuviel des Guten - auch wenn ich das Buch dennoch mit Begeisterung gelesen habe.

Ein schöner, empfehlenswerter Schmöker für den nächsten Nordseeurlaub!

KatiKatharinenhof

Beiträge 44
17.02.2019

Die erste Hälfte ist grandios, die zweite passt nicht mehr zum Titel

Frida hat schon immer ihren Kopf durchgesetzt und daher ihrer Heimatinsel Amrum den Rücken zugekehrt. Sie studiert in Hamburg Medizin und verwirklicht so ihren großen Traum
Nur sträubend kehrt sie auf die Insel zurück, um ihren Großvater zu Grabe zu tragen.
Doch was wird nach seinem Tod aus dem kleinen Hospital auf Amrum , das er er für behandlungsbedürftige Kinder gestiftet hat ?
Frida könnte helfen, aber ihre Mutter will aus finanzieller Not das Krankenhaus schließen. Ihre Schwestern wollen und können Frida nicht zur Seite stehen und so kämpft sie allein auf weiter Flur einen Kampf, der ihr alles abverlangt und schließlich seinen Tribut fordert...

"Das Seehospital" entführt mich zu Beginn mit wunderschönen Landschaftsbildern nach Amrum und ich lerne nach du nach alle Beteiligten kennen. Mir imponiert vor allen Dingen Frida, die mit Herzblut und voller Kampfeslust für den Erhalt der Kinderklink einsteht.
Die Schicksale der Kleinen liegen ihr sehr am Herzen und so macht sie alles mobil, um das Hospital vor dem drohenden Aus zu retten.
Doch je mehr die Geschichte fortschreitet, desto mehr rückt das kleine Inselkrankenhaus in den Hintergrund und wird von einer Familienfehde verdrängt, die so infam ist, dass es schon fast dem Fass den Boden ausschlägt.
Die Ereignisse überlagen sich und ich bekomme kaum Luft vor so viel Leid und Elend. Eine Katastrophe jagt die nächste und ich werde Zeuge, wie Fridas Schwestern immer mehr im Sumpf der Lügen ihrer Mutter versinken und nicht mehr heraus finden.
Emily ist sogar so sehr verzweifelt, dass sie schließlich zum Schein einer Heirat mit einem reichen älteren Mann zustimmt, doch das soll ihr unrühmliches Ende bedeuten.
Aus Louise wird schließlich ein leichtes Mädchen im Varieté und diese Geschichte spielt sich so stark in den Vordergrund, dass das Schicksal der Kinder im Hospital über mehre hundert Seiten einfach in Vergessenheit gerät.
Lediglich in ein paar wenigen Zeilen zum Schluss wird auf die Rettung der kleinen Krankenanstalt hingewiesen und das finde ich, um ehrlich zu sein, nicht wirklich schön und am Thema vorbei geschrieben.
Gerade zu Beginn des Buches wurde so viel Herzblut in die Rettung der selbigen verwendet und dann verschwindet es in der Versenkung. In meine Augen wird hier das Thema verfehlt.
Aufgrund er starken Charaktere und ihrer wirklich fesselnden Einzelschicksale konnte mich das Buch dennoch begeistern und ich ziehe hier 1,5 Sternchen ab, da das kleine Hospital sträflich vernachlässigt wurde.
Ansonsten ein gelungener Roman, somit ,35 von 5 Sternchen

Systra

Beiträge 8
26.01.2019

Entgegen den gesellschaftlichen Gepflogenheiten ihrer Zeit will Frida unbedingt Ärztin werden. Da ihr Großvater und ihre Mutter ihr dabei jegliche Unterstützung versagen, ist sie auf sich alleine gestellt und muss ihr Studium durch Arbeit im Krankenhaus finanzieren. Dort lernt sie den jungen Arzt Daniel Kröppke kennen, der sich offensichtlich sehr für sie interessiert. Auch sie ist ihm sehr zugetan. Als sie sich jedoch innerhalb weniger Minuten entscheiden muss, ob sie ihm nach Malawi folgen will oder ob sie stattdessen zur Beerdigung ihres Großvaters in ihre Heimat auf Amrum zurückkehrt, entscheidet sie sich gegen ihn. Zu wichtig ist ihr ihr Berufswunsch und das dazu erforderliche Studium.
Das Buch ist flüssig und interessant geschrieben, und man kann sich als Leser gut in die damalige Zeit versetzen, die Atmosphäre regelrecht spüren. Schnell wird man mit den einzelnen Charakteren vertraut, ohne dass dies langer Erklärungen bedarf. Man ist gespannt auf Fridas weiteren Lebensweg, auf die Art, wie sie ihre Hindernisse überwinden wird, und natürlich auch darauf, ob es ein Wiedersehen mit Dr. Kröppke geben wird.
Ein durchaus lesenswertes Buch!

Hermione

Beiträge 15
31.05.2019

"Vielschichtiger und spannender historischer Roman":
Frida studiert um 1920 (ohne die Unterstützung / gegen den Willen ihrer Familie) in Hamburg Medizin. Als ihr Großvater stirbt, kehrt sie zur Beerdigung auf die heimische Insel Amrum zurück und muss feststellen, dass es Schwierigkeiten mit dem Testament gibt und ihre Eltern das vom Großvater ins Leben gerufene Seehospital für kranke Waisenkinder auflösen wollen.

Da das Erbe des Großvaters offenbar geringer ausfällt als erwartet, suchen die Eltern für Fridas Schwestern Louise bzw. Emily eine attraktive Partie und finden diese in dem fetten lüsternen Dänen von Rathen…

Meine Meinung:

Die Geschichte wird von Anfang an sehr flüssig aus verschiedenen Perspektiven erzählt, die mit jedem Kapitel wechseln. Von Amrum wechselt die Handlung des Öfteren nach Hamburg und kommt an diversen interessanten Schauplätzen vorbei.

Die handelnden Personen sind sorgfältig und nachvollziehbar gezeichnet, so dass man mit Frida und ihren Schwestern mitfiebert und mitleidet und auch ihre Motivationen nachvollziehen kann.

Besonders die zielstrebige Frida hat es mir angetan, weil ich ihren Ehrgeiz und ihre Hartnäckigkeit sehr mochte. Aber auch die lebenslustige Schwester Louise und die gefühlvolle Emily haben mir gefallen.

Der Roman spiegelt nach meiner Wahrnehmung sehr gut die Besonderheiten der Zeit um 1920 nach dem Ersten Weltkrieg wider und auch das Lokalkolorit von Hamburg und Amrum kamen sehr gut rüber.

Vor allem aber die spannende Handlung hat den Roman für mich zu einem Highlight werden lassen. Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, weil ich vom Spannungsbogen so gefesselt war. Durch die unterschiedlichen wechselnden Perspektiven war der Roman total kurzweilig zu lesen.


Fazit:
„Das Seehospital“ hat für mich alles, was ein historischer Roman haben muss – eine spannende Handlung (u.a. mit Familien-/Liebesgeschichte), ein gut recherchierter Hintergrund mit entsprechendem Lokalkolorit und glaubwürdig gezeichnete handelnde Personen.

KerstinT

Beiträge 49
05.03.2019

Irreführender Titel

Im Jahr 1920 studiert Frida in Hamburg Medizin, zur Beerdigung ihres Großvaters kehrt sie allerdings auf ihre Heimatinsel Amrum zurück. Eigentlich nur zu Besuch, doch dann muss sie länger bleiben, da ihre Familie das familieneigene Seehospital schließen möchte. Doch schon bald hat Frida noch andere Sorgen.

Dem Titel und Klappentext zu Folge hatte ich einen Roman erwartet, der sich rund um ein Seehospital auf Amrum dreht. Dem ist allerdings nicht so. Im Mittelpunkt steht Frida mit ihrer Schwester Lou. Anfangs geht es noch um die junge Medizinstudentin Frida, die das Seehospital retten will. Doch schnell tritt Lous Leben in den Vordergrund und das Hospital bekommt eine Nebenrolle. Das fand ich sehr schade, denn ich hatte mich auf das Leben im Hospital im Jahr 1920 gefreut. Dafür bekam ich Einblicke in Hamburg zu Beginn der 20er Jahre, was auch sehr interessant war! Die Gesellschaft hat kaum Geld, aber Spaß will sie haben. Kokain gibt es an jeder Straßenecke und Betten werden stundenweise geteilt – der eine tagsüber, der andere nachts. Diese Beschreibungen wirken sehr anschaulich und authentisch. Gefallen hat mir, dass das Leben so kurz nach Kriegsende nicht schöngeredet, sondern auf die Missstände aufmerksam gemacht wurde. Auch der Umgang mit Patienten als Forschungsobjekte findet einen Platz in diesem Roman.
Mir hat der Schreibstil gut gefallen. Er war flüssig und angenehm zu lesen. Die Perspektivwechsel haben mir gut gefallen. So lernt der Leser mehrere Charaktere kennen und sieht manch eine Situation aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Die Charaktere haben mir gefallen, sie waren recht unterschiedlich und wirkten, wie auch die Atmosphäre, authentisch. Auch wenn mir nicht alle sympathisch waren, beispielweise Frida Mutter und ihr Stiefvater.
Da ich das Gefühl hatte, dass der Roman vom anfänglichen Thema abgekommen ist, konnte er mich nicht überzeugen und ich vergebe nur drei von fünf Sternen. Ich wollte eben eine Geschichte über ein Seehospital lesen.

MoPe

1 Beitrag
27.02.2019

Mir hat dieses Buch verdammt gut gefallen:
Eine tolle Geschichte, mal was anderes von der Handlung, spannend, sehr gut formulierte Sätze (ich mag es nicht, wenn der Schriftsteller so gewollt originell die Sätze aufbaut). Ich wünsche mir, das dieses Buch irgendwann mal verfilmt wird : so als Mehrteiler für Weihnachten oder so. Ich empfehle dieses Buch für alle Altersklassen und in unserer kleinen Bücherei liegen schon Vorbestellungen vor. Von dieser Schriftstellerin werde ich gerne noch mehr lesen.

karin66

Beiträge 23
22.02.2019

Das wunderschöne Cover und der tolle Titel haben mich sofort angesprochen. Von der Autorin hatte ich bis jetzt noch nichts gelesen, was sich aber definitiv ändern wird.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Einmal in die Hand genommen, möchte man das Buch nicht mehr weglegen.
Die einzelnen Personen sind vortrefflich ausgewählt und man beginnt sofort mit ihnen zu sympathisieren.
Zur Geschichte, Frida studiert gegen den Willen ihrer Familie Medizin in Hamburg. Durch den plötzlichen Tod ihres Großvaters geht sie eigentlich nur für die Beerdigung zurück in ihre Heimat; Amrum. Doch es bleibt nicht bei den paar Tagen, denn der Tod des Großvaters zieht so einiges nach sich. Die Ereignisse übertreffen sich und Frida hat alle Hände voll zu tun, um die Einrichtung, das kleine Seehospital, das ihr Großvater zum Gedenken an ihren verstorbenen Vater errichtet hat, zu erhalten. Doch mehr möchte ich an dieser Stelle von der Handlung nicht erzählen.
Ein wirklich hervorragendes Buch, das ich sehr genossen habe. Es hat mir sehr gut gefallen und mir eine schöne Lesezeit beschert. Ich werde mit Sicherheit noch weitere Bücher der Autorin lesen. Ich empfehle das Buch gerne weiter.

Kiki0412

Beiträge 12
18.02.2019

Das Buch in der Hand und das Cover angeschaut fühlt man sich gleich an einem ruhigen Ort versetzt. Wenn man das Buch gelesen hat, weiß man das dass Cover mit der Geschichte zu tuen hat. Für mich strahlt es eine ruhige Harmonie aus.
Die Geschichte handelt um Drei Schwestern, die sich wieder näher kommen als der Großpapa stirbt. Frieda die älteste hat vor ein paar Jahren sie heimat in Amrum verlassen um ihr Medizin studium zu Starten. Kaum zurück in der Heimat beginnt das böse Erwachen um das Erbe, aber nicht nur das bringt die Eltern auf die Palme, auch das ihre Kinder das Hospital für kranke Kinder erhalten wollen, verbirgt Probleme.
Die Autorin schreibt das Buch in einen unglaublich tollen Schreibstil. Ich bin von Zeile zu Zeilr gesprungen, weil es sich so gut Lesen lässt. Es ist wirklich toll. Die Alte redensart/ schreibweise wird im Text mit verarbeitet. Man liesst als wäre man in der Zeit von früher und bekommt dadurch nochmal ein anderes Feeling.
Die Geschichte ist sehr berührend, besonders bekommt man einen Eindruck wie die Situationen früher waren. Frieda - eine sehr starke Protagonistin gibt nicht auf und versucht alles in ihrer Macht stehende für sich und dem kleinen Hospital. Auch die anderen Protagonisten sind mit sehr viel Liebe erschaffen, aber am meisten kann ich mich mit Frieda identifizieren, da ich selbst aus dem Medizinischen komme.
Es ist ein gutes Buch um mal auf andere Gedanken zu kommen, oder einfach sich aus der Leseflaute zu holen. Wirklich ganz toll - Ein Herzensbuch was ich jeden empfehlen kann, egal ob Alt oder Jung.

SBS

Beiträge 54
18.02.2019

Frida hat sich schon immer durchgesetzt. Sie sollte Amrum eigentlich nur verlassen, um eine Ausbildung zur Krankenschwester abschließen, um dann im Hospital, dass in Erinnerung an ihren Vater betrieben wird, zu arbeiten. Auch als ihr Großvater ihr die finanzielle Unterstützung versagt, setzt sie sich durch und nimmt ein Medizinstudium gegen alle Widerstände auf. Als ihr Großvater stirbt kehrt sie zur Insel zurück und kämpft für den Erhalt des Hospitals.

Frida habe ich direkt als starke Frau kennen und schätzen gelernt, sodass man unbedingt erfahren möchte, was auf sie zukommen wird. Amrum war sehr schön beschrieben und der Leser lernt nach und nach Fridas Familie kennen. Schnell wird deutlich, dass in der Familie so einiges nicht stimmt, aber die gesellschaftliche Stellung aufrecht erhalten werden soll. Das Geld scheint knapp und zu allererst soll die Klinik für lungen- und hautkranke Kinder geschlossen werden – doch dagegen kämpft Frida mit allen Mitteln. Hilfe bekommt sie dabei zunächst vor allem von ihrer Schwester Lou, die jedoch so von ihren Eltern unter Druck gesetzt wird, dass sie daran zerbricht. Das Schicksal der kranken Waisenkinder scheint lange Zeit ungewiss und es geht weiter drunter und drüber in der Familie. Die Ereignisse überschlagen sich nahezu und das Hospital rückt immer mehr in den Hintergrund. Auch Fridas Schwester Emily wird von ihren Eltern in den Sumpf von gesellschaftlichen Erwartungen herabgezogen und soll einen reichen, alten Mann heiraten, der sie schlecht behandelt und ihr zuwider ist. Lou ist derweil in Hamburg in die Fänge eines Kriminellen geraten, tritt im Varieté auf und droht immer mehr abzurutschen. Frida möchte da nicht zusehen und versucht ihrer Schwester zu helfen. Darüber tritt das Hospital immer mehr in den Hintergrund. Das fand ich äußerst schade.

Der Schreibstil ist durchgängig rund und die wechselnden Erzählperspektiven machen die Geschichte lebendig. Durchweg hat sich das Buch sehr gut lesen lassen, allerdings gefiel mir die erste Hälfte deutlich besser. Je weiter das Buch fortschritt, desto mehr entfernte es sich vom Seehospital und dem ursprünglichen Plot und vor allem den Erwartungen, trotzdem blieb es interessant. Die fast unglaubliche Familiengeschichte ist recht dramatisch und nimmt großen Raum ein, während das ursprüngliche Thema immer mehr in den Hintergrund tritt. Leider sind mir viele der Figuren zu blass geblieben.

Es war kein typischer Inselarzt-Roman, was mich letztens eher positiv überraschte, die Geschichte der Familie ist dramatisch wie fesselnd, aber für mich über weite Strecken irgendwie ein wenig am Thema vorbei. Trotzdem haben mich die Schilderungen der damaligen Zeit (z.B. die Zustände nach dem ersten Weltkrieg in Heimen) unterhalten und ich empfehle das Buch weiter.

nicole_pichler

Beiträge 18
07.04.2019

„Das Seehospital“ von Helga Glaesener ist ein Roman der um 1920 auf Amrum und in Hamburg spielt. Die Hauptprotagonistin ist Frida. Sie studiert Medizin in Hamburg aber ihre Familie lebt auf Amrum.
Als ihr Großvater überraschend stirbt kehrt sie zurück auf die Insel. Dort hat ihr Großvater ein Haus gekauft, das er für kranke Kinder als Seehospital eingerichtet hat. Leider will Fridas Mutter alles verkaufen. Das gefällt Frida gar nicht und sie bleibt vorübergehend auf der Insel um das zu verhindern. Leider führt ihre Entscheidung dazu, dass ihr Leben dadurch vollkommen auf den Kopf gestellt wird und zwar nicht unbedingt in positiver Sicht.

Dieser Roman ist sehr flüssig und fesselnd geschrieben. Mir hat der Schreibstil der Autorin sehr gut gefallen. Allerdings kann einem die Thematik mit den kranken Kindern und dem Familienzwist und noch einigen anderen unschönen Dingen, die in der Geschichte passieren aufs Gemüt schlagen. Der Roman bringt einem oft in eine düstere und nachdenkliche Stimmung.
Trotzdem konnte ich mit Frieda sehr schön mitfiebern und hatte das Gefühl mitten dabei zu sein im Geschehen. Die Autorin hat es geschafft, dass ich mir alles bildlich vorstellen konnte.
Obwohl die Geschichte alles andere als amüsant war, konnte ich den Roman nicht mehr aus der Hand legen. Der Roman hat mich von Anfang bis Ende gefesselt und es war schön Frida mit ihrem doch sehr starkem Charakter kennenzulernen.

In dieser Familie geht es im Laufe des Romans drunter und drüber und es passieren einige unschöne Dinge. Nicht immer konnte ich die Entscheidungen der Familie nachvollziehen, aber da es ein Roman ist muss ja nicht alles wie im wirklichen Leben ablaufen. Ein paar Dinge fand ich ein wenig ungereimt. Besonders das Ende hätte für mich noch ein wenig ausführlicher sein können.

Mir hat der Roman aber trotzdem gut gefallen und ich vergebe dafür 4 Sterne.

heidi_59

Beiträge 36
05.03.2019

~ Fridas Schwestern ~

Amrum, 1920:
In ihrem neuen historischen Roman “Das Seehospital” , entführt die Autorin Helga Glaesener ihre Leser nach Nordfriesland. Auf der schönen Insel Amrum lebt die alteingesessene Familie Kirschbaum . Der alte Kapitän Kirschbaum gehört zu der Insel wie das Wasser und der Sand . Vor langer Zeit hatte er zum Gedenken an seinen verstorbenen Sohn , dass Seehospital für kranke und erholungsbedürftige Heimkinder eröffnet. Nun ist der alte Mann tot.
Schwiegertochter Rosa mit neuem Mann Rudolf ist verzweifelt . Das Testament des Kapitän ist nirgends zu finden. Rosa hat Angst, ihr gutes Leben nicht weiterführen zu können und ein anderer Verwandter als Erbe zu ihrem Nachteil begünstigt sein könnte.
Rosa und Rudolf wollen das Hospital schließen und lieber in ein gewinnbringendes exklusives Kurhotel verwandeln .
Louise , Frida und Emily , die Töchter aus der Ehe mit dem Sohn des Kapitän, die eigentlichen Erben des Seehospital , ahnen nichts davon .
Frida , die Amrum schon vor einiger Zeit für ein Medizinstudium in Hamburg verlassen hat , kommt nur widerwillig wegen der Beerdigung des Großvaters die Insel zurück . Als sie von dem Plan erfährt, beschließt sie das Hospital gegen den Willen ihrer Mutter weiter zu führen und für eine bestimmte Zeit mit dem Studium auszusetzen. Während Frida mit aller Kraft um den Erhalt des Hospitals kämpft, fälscht Stiefvater Rudolf aus Geldgier das Testament vom Kapitän und Mutter Rosa sucht einen reichen alten Mann , mit dem sie eine ihrer Töchter, gewinnbringend , zum Wohle der Familie ,verheiraten kann .
Keiner ahnt etwas von der Katastrophe, die unaufhaltsam auf die Familie zurollt.

Helga Glaesener hat hier einen tollen historischen Familienroman aus der Zeit kurz nach dem ersten Weltkrieg geschrieben . Eine wunderbar atmosphärische Stimmung begleitet die Geschichte der Familie Kirschbaum und fesselt an das Buch . Das Flair der schönen Insel Amrum mit seinen traditionsbewussten Einwohner ,ist der Zeit angepasst und perfekt eingefangen . Zusammen mit den sensible und differenziert gezeichneten Protagonisten , beschreibt die Autorin die teilweise schlimmen Zustände in den Kinderheimen und medizinischen Einrichtungen sehr authentisch und beschönigt nichts . Toll beschrieben und in eine sehr lebendig anmutende Szenerie verpackt , wird auch das Milieu der Großstadt Hamburg, zur Nachkriegszeit .
Für mich ein toller, historischer Roman , der vom Schicksal der Familie Kirschbaum erzählt .

Sehr gerne vergebe ich für den tollen Roman
5 Sterne
und eine Leseempfehlung für alle die gerne historische Romane lesen


@heidi_59




Ich bedanke mich ganz herzlich bei dem Team von Buchboutique und dem Rowohlt Verlag , für das tolle Rezensionsexemplar

kasiopeia1975

Beiträge 36
11.02.2019

Schon bei vielen anderen Lesern habe ich schon viel gutes über diesen Roman gehört....Es scheint eine sehr schöne Familiengeschichte zu sein in der eine junge Frau sich gegen alle Widrigkeiten durchsetzt und ihren Traum verwirklicht und damit auch noch das Schicksal einer, vor dem Untergang stehenden, Klinik abwendet

Melli B.

Beiträge 20
02.02.2019

Danke für diese tolle Buchpremiere. Ich erinnere mich an ein Buch zurück, das ebenfalls eine starke Frau zur Haptfigur erkoren hatte. Diese Art von Büchern verschlinge ich. Kann mir durchaus vorstellen, dass es so um 1920 geschehen konnte. Ich spüre die Brise von Amrum schon!

Ju Dosi

Beiträge 4
05.08.2019

    Ich hab schon einige Bücher von Helga Glaesener gelesen und war gespannt auf "Das Seehospital".
    Erzählt wird darin die Geschichte von Familie Kirschbaum in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg.

    Der erste Teil der Geschichte war für mich richtig spannend, aber im zweiten Teil lies die Spannung etwas nach, es ging irgendwie auch nicht mehr um das Seehospital, wie der Titel eigentlich Glauben machte.

    Trotzallem war es ein unterhaltsames Buch. Der Schreibstil von Helga Glaesener ist bildhaft, gut zu lesen. Figuren und Schauplätze sind bildhaft beschrieben und der Unterhaltungsfaktor ist auf alle Fälle gegeben.

    MarySophie

    Beiträge 12
    05.08.2019

      Handlung:

      Amrum 1920
      Frida will eigentlich nur für ein paar Tage nach Amrum zurückkehren, um der Beerdigung ihres Großvaters beizuwohnen. Danach will sie sofort wieder nach Hamburg, um ihr Medizinstudium fortzusetzen, für das nur wenige Familienmitglieder Verständnis haben. Doch es kommt alles anders. Großvater hatte ein Hospital für lungenkranke Kinder gegründet und nach seinem Tod soll die Einrichtung aufgrund von Geldmangel geschlossen werden. Das kann Frida nicht zulassen und fortan setzt sie alles daran, um den Erhalt des Hospitals zu garantieren.
      Auch in der Familie wird der Gürtel enger geschnallt, sie müssen sparen. Fridas Schwester Louise soll zu einer Hochzeit gezwungen werden, mit einem Mann, den sie partout nicht leiden kann. In ihrer Furcht verschwindet die junge Frau in einer Nacht- und Nebelaktion. Frida macht sich Gedanken um die jüngere Schwester und gibt nicht auf, sie zu suchen.

      Meinung:

      Das Cover gefällt mir ganz gut. Es besticht durch die vielen gezeichneten Details, die Leichtigkeit verströmen. Dies wird auch durch die schlichten und überschaubaren Farben betont. Mein besonderes Highlight ist die kleine Landkarte von Amrum, auf der sich bei genauerem hinschauen einige Orte erkennen lassen. Insgesamt ein sehr stimmiges Bild, welches perfekt in die Handlung passt.

      Es gibt einen plötzlichen, aber auch interessanten Einstieg in die Geschichte. Genau wie auch Frida wird der Leser mit einer Hiobsbotschaft überrascht, die sofort deutlich macht, dass sich einiges in dem Leben von Frida und ihrer Familie ändern wird. Ich war überrascht von diesem Geschichteneinstieg, konnte mich aber schnell damit anfreunden und die weitere Handlung einfach auf mich zukommen lassen. Je länger ich darüber nachdenke, desto gelungener finde ich den Einstieg, es wird nicht erst heile Welt gespielt, sondern man wird direkt mit der Wahrheit konfrontiert.

      Durchweg war die Schreibweise einfach und leicht verständlich gehalten. Mir kam dies sehr passend, dadurch hatte ich den Roman innerhalb weniger Tage ausgelesen und konnte mich vollkommen in die Geschichte reindenken. Für mich wäre es ein schönes Detail gewesen, wenn ab und an mehr nordischer Dialekt oder ausgewählte friesische Worte genutzt worden wären. Das hätte mehr Authentizität gegeben und hätte auch zu einigen Protagonisten gepasst.
      Anhand des Klapptextes hatte ich mir vorgestellt, dass durchweg die Erlebnisse von Frida geschildert werden. Schon als ich den Roman aufgeschlagen habe, war jedoch sofort sichtbar, dass ich mich mit dieser Annahme getäuscht habe. Am Anfang eines jeden Kapitel wurde der Name von der Person verzeichnet, aus deren Sicht die Geschehnisse beschrieben werden. An sich fand ich das nicht schlecht, jedoch hätten mir zwei Perspektiven gereicht, die von Frida und ihrer Schwester Louise. Alles andere wurde ganz gut eingebracht, war für mich aber bei der Handlung nicht von Bedeutung.

      Als Setting dient vor allem die Insel Amrum. Diese wurde wunderschön und lebendig beschrieben, die gesamte Atmosphäre der Insel wurde perfekt eingefangen und an den Leser vermittelt. Trotzdem konnte ich ab und an mit der Lage einige Gebäude nichts anfangen, gefühlt liegt alles ganz nah beieinander, gleichzeitig aber auch ein ganzes Stückchen voneinander entfernt. Vielleicht wäre es hier hilfreich gewesen, wenn es eine Karte am Anfang oder Ende des Romans gegeben hätte, wo die wichtigsten Gebäude und Handlungsorte verzeichnet sind.

      Lange Zeit stimmte der Klapptext mit der Handlung des Romans so gut wie überein. Es wurde versucht, das Hospital zu erhalten und in diese Aufgabe hat Frida all ihre Kraft gesetzt. Durch die verschiedenen Erzählperspektiven hat wurde dann ein Teil der Handlung nach Hamburg verlegt, was ich auch noch vollkommen in Ordnung fand. Bis dann dieser Erzählstrang eine immer größere Rolle einnahm und das Hospital nur noch nebensächlich wurde. Auch Frida hat sich dann eher den Problemen in Hamburg gewidmet, über die ich an dieser Stelle nichts weiter sagen will, um nicht der Handlung vorwegzunehmen, und das Hospital ein wenig verdrängt. Das fand ich wirklich schade, weil sowohl der Klapptext, als auch der Titel des Romans darauf hingedeutet haben, dass das Hospital und dessen Erhaltung die Hauptthemen sind. So waren auch meine Erwartungen andere und ich bin nicht richtig zufrieden, wie alles abgehandelt wurde.

      Auch mit den Protagonisten war ich nicht glücklich. Sie waren teilweise vielschichtig und undurchschaubar, vor allem jedoch schwach gezeichnet. Am stärksten erschien Frida, die man als Leser am besten kennenlernt. Sie hat deutlich ihre Stärken und Schwächen und war von ihrem ganzen Auftreten eine durchdachte und perfektionierte Person. Mit ihr wurde ich am schnellsten warm, sie hat sich schnell meinen Respekt für ihren Mut, Tatendrang und ihre Willensstärke verdient. Alle anderen Personen kamen dagegen schwächlich und blass daher, sie konnten neben Frida nicht mithalten und hätten mehr Eigenarten benötigt. Dazu fehlte es vielen an Lebendigkeit, sie wirkten in ihrem Auftreten starr und zu ernst.

      Fazit:

      Leider konnte der Roman nicht meine Erwartungen erfüllen. Zum einen fand ich alle bisher gelesenen Beschreibungen der Handlung nicht passend, sie waren meist irreführend und nicht ganz passend. Doch das will ich der Autorin nicht ankreiden, vielmehr konzentriere ich mich in meiner Bewertung auf die Handlung. Die Beschreibung von Amrum war ein Traum, ebenso wie die ersten knapp 200 Seiten. Frida ist eine tolle Frau, stark und eigensinnig, eine tolle Protagonistin. Ebenso war die Schreibweise äußerst angenehm zu lesen und besonders an Kapitelenden wurde viel Spannung aufgebaut, die dazu verleitet haben, dass ich immer weitergelesen habe.
      Mein größter Kritikpunkt sind die Protagonisten, die zu schwach auftraten und neben Frida nicht punkten konnten. Weiterhin fand ich, dass einige Erzählperspektiven nicht wichtig waren und etwas von der Haupthandlung abgelenkt haben.

      Bewertung: 3,5 von 5 Sternen

      Sissy

      Beiträge 21
      24.07.2019

        Frida studiert in Hamburg Medizin - ziemlich ungewöhnlich für eine Frau im Jahre 1920. Deswegen hat sie sich auch mit ihrem Großvater überworfen, da er sie lieber in seinem kleinen Kinderhospital als Krankenschwester gesehen hätte. Als Frida von dem Tod ihres Großvaters erfährt, fährt sie widerwillig heim nach Amrum. Und muss feststellen, das es gar nicht gut um das Hospital steht. Sie beschließt, vorerst auf der Insel zu bleiben und sich zu kümmern.

        Die Geschichte wechselt hauptsächlich zwischen den Schwestern Frida und Louise. Louise soll einen reichen Mann heiraten und flüchtet daher von ihrer geliebten Insel nach Hamburg und schlägt sich dort durch.

        An und für sich ist dies eine interessante Geschichte, auch wenn ich mir etwas anderes vorgestellt hatte. Allerdings wurde ich mit dem Schreibstil nicht wirklich warm. Für mich blieben die Charaktere oberflächlich, ich konnte mich nicht in sie reinfühlen. Und der Charme von Amrum konnte mich hier auch nicht ergreifen. Noch dazu fand ich die Mutter und den Bruder einfach nur abschreckend.

        Daher für mich eine ganz nette, stellenweise auch erschreckende Geschichte, aber mehr leider nicht.

        Rea1887

        Beiträge 20
        24.06.2019

          Das Seehospital ist ein Kindererholungsheim auf der nordfriesischen Insel Amrum, welches von Fridas Großvater zur Erinnerung an seinen Sohn gestiftet wurde. Nun ist der Großvater gestorben und Frida kehrt zur Beerdigung auf ihre Heimatinsel zurück. Sie ist eine der wenigen Medizinstudentinnen in Hamburg und hat für diesen Traum ihrer Familie auf Amrum den Rücken gekehrt.

          Bei ihrer Rückkehr wird sie nun darauf vorbereitet, dass das Seehospital wohl nun geschlossen werden muss, da der Großvater nicht viel Geld hinterlassen hat und die Familie auch gerade so über die Runden kommt. Frida will nun alles daran setzen, um das Hospital zu retten - für das Andenken an ihren Vater, aber auch für die Kinder.

          Ihre Mutter versucht indes, geeignete vermögende Ehemänner für ihre drei Töchter zu finden. Dabei ist es ihr egal, ob die Tochter den jeweiligen Mann überhaupt will. Fridas Schwester Louise flieht daher nach Hamburg, schlägt sich dort zu Anfang noch recht gut durch, verliebt sich, aber gerät dann etwas auf die schiefe Bahn...

          Mit dem Verlauf der Geschichte habe ich eigentlich so nicht gerechnet. Das Seehospital zieht sich zwar immer ein wenig wie ein roter Faden durch das Buch, allerdings gerät es, vor allem im zweiten Teil der Geschichte, etwas in den Hintergrund. Vielmehr geht es hier darum, wie wichtig es ist, dass die Familie zusammenhält und wie schrecklich es für erwachsene Kinder ist, wenn ihre Eltern nicht zu ihnen stehen, und nur das eigene Wohl im Kopf haben.

          Das Buch hat sich auf jeden Fall gut gelesen, auch die raue Landschaft der Nordsee kam gut rüber, allerdings haben mir einige Geschehnisse nicht so gut gefallen. Auf jeden Fall konnte mich das Buch aber überraschen, weil ich mir unter dem Titel erst etwas anderes vorgestellt hatte.

          mannomania

          Beiträge 3
          19.06.2019

            Drei Schwestern, drei Schicksale...

            Das Seehospital von Helga Glaesner
            Ein Roman mit 460 Seiten und 36 Kapiteln aus dem rororo-Verlag

            Zum Inhalt:
            Wir schreiben das Jahr 1920, und Frida ist eine der wenigen Frauen, die in Hamburg Medizin studieren.
            Als ihr Großvater auf Amrum stirbt, kehrt sie zurück auf ihre Heimatinsel - nicht ahnend, daß dieser Besuch ihr Leben verändern wird.

            Fazit:
            Die Autorin beschreibt im Aufbau ihres historischen Romans die Charaktere der Protagonisten sehr ausführlich.
            Die drei Schwestern und der Halbbruder, ein jeder von ihnen hatte seine eigene Geschichte.
            Nach dem Tod des Großvaters geht es zunächst um Erbe und das Weiterbestehen des Seehospitals auf der Nordseeinsel Amrum.
            Aber, sehr bald spielt das Hospital eine Nebenrolle...

            Die Einteilung der Kapital mit dem jeweiligen Namen der Protagonisten hat mir als Leser gut gefallen. So konnte man besser nachvollziehen, wie jeder seine (eigene) Geschichte erlebte.
            Das Buch ist spannend und interessant geschrieben.

            Ich emfand das Erleben der damaligen Zeit kennenzulernen und darin einzutauchen als sehr bereichernd und kann dieses historische Buch als unbedingt lesenswert wirklich guten Gewissens weiterempfehlen!

            eiger59

            Beiträge 6
            15.06.2019

              Eine Familiengeschichte aus den 20er Jahren

              „Das Seehospital“ von Helga Glaesener, erschienen im Rowohlt Taschenbuchverlag, ist die ungewöhnliche und faszinierende Geschichte der Familie Kirschbaum.

              Für mich war es das erste Buch der Autorin; ich bedanke mich bei der Buchboutique, die mir das Buch zur Verfügung gestellt hat.

              Angesiedelt ist die Handlung auf der Insel Amrum und in Hamburg um 1920. Das Buch erzählt vom den drei Kirschbaum-Schwestern Frida, Louise genannt Lou, Emily und dem Bruder Christian. Das Schicksal des titelgebende Seehospitals, für das sich vor allem die angehende Medizinerin Frida engagiert, verbindet die Geschwister und ihre Lebenswege als roter Faden, steht aber nicht im Mittelpunkt des Romans.
              Der flüssige Schreibstil der Autorin fesselt sofort. Sie ist eine große Erzählerin, die die schwierige Zeit nach dem 1. Weltkrieg sehr gut und genau beschreibt. Anhand von ganz unterschiedlichen Personen und Nebenhandlungen vermittelt sie interessante Einblicke in das Leben jener Zeit.

              Es ist wunderbar zu lesen, wie es Helga Glaesener gelingt mit wenigen Sätzen Situationen und Personen treffsicher zu beschreiben. Man fühlt mit ihren Protagonistinnen deren Träume, Ziele und Ängste. Als Leser kann man sich, dank der anschaulichen Schilderungen, das schwere Leben in Hamburg und auf Amrum sowie den Sorgen der Menschen vorstellen. Der Roman fesselt von Beginn an und liest sich leicht.

              Die drei Schwestern sind recht unterschiedlich. Frida ist sehr zielstrebig. Ungewöhnlich für eine Frau in jener Zeit studiert sie Medizin.

              Louise, die mit einem reichen unsympathischen älteren Mann verheiratet werden soll, flieht von der Insel nach Hamburg. Hier erleben wir sie auf Arbeits- und Wohnungssuche und lernen die unteren Schichten der Stadt kennen. Es gelingt ihr in einer Assekuranz zu arbeiten. Sie engagagiert sich sozial für die Ärmsten und lernt bei einem Besuch im Fuhlsbütteler Gefängnis die Liebe ihres Lebens kennen. Ihr weiteres Schicksal wird vom Varieté Kladderadatsch, welches ihrem zukünftigen Mann gehört, bestimmt.

              Emily, die jüngste Schwester, träumt davon als Fotografin zu arbeiten. Doch sie wird an Stelle von Lou nun zur Heirat bestimmt, um die Geldsorgen der Familie zu lösen. Ihr Lebensweg endet tragisch.
              Der kleine Bruder Christian, der verzogen, grausam und unstet ist, erlebt die Leiden seiner Schwester direkt und versucht auf seine Weise zu helfen, was zu einem weiteren tragischen Todesfall führt.

              Die Mutter der Familie ist in keiner Weise eine Sympathieträgerin. Das Wohl ihrer Töchter ist ihr nicht wichtig, sondern der schöne Schein einer intakten Familie. Dazu gehört auch der mittellose Stiefvater Rudolf, für den sie alles tut. Dieser gibt vor im Interesse der Familie zu handeln, doch er möchte tatsächlich nur seinen gehobenen Lebensstandard erhalten. Deshalb sind beide bereit im Interesse einer guten Partie ihre Töchter zu verheiraten.
              Doch der Leser lernt auch Menschen kennen, die Hoffnung verbreiten. Der Dorfschullehrer Matz, dem es die Reformpädagogik angetan hat, ist ein Mensch, der seinen Beruf und die Kinder liebt. Doch er ist ein Idealist, der an der Realität scheitert.

              Auch der englische Arzt Dr. James Tyler ist eine sehr interessante und vielschichtige Persönlichkeit. Er hat aus seinen Erlebnissen im 1. Weltkrieg und einem Einsatz in den Kolonien Afrikas persönliche Konsequenzen gezogen, die ihn in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Das ist nur ein Beispiel, wie es die Autorin versteht, reale Ereignisse mit historischem Wissen und einer spannenden Geschichte zu kombinieren, ohne den Leser zu belehren. Es ist Unterhaltung auf hohem Niveau.

              Das Seehospital" erzählt die fesselnde Geschichte einer Familie in den 1920er Jahren und ist der Autorin aus meiner Sicht sehr gut gelungen. Deshalb vergebe ich eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne.

              C. Sch.

              Beiträge 23
              23.04.2019

                INHALT:
                Amrum 1920 : Frida studiert in Hamburg Medizin und erhält jetzt die Nachricht, dass ihr Großvater verstorben ist. Sie macht sich sofort auf den nach Amrum, was ihr nicht ganz leicht fällt. Ihr Großvater hielt überhaupt nichts von ihrem Studium, drehte ihr sogar den Geldhahn zu und hatte auch sonst keine guten Gedanken für Frida übrig. Dabei hätte er eine gute Ärztin auf der Insel gut gebrauchen könnden, denn er hat das Seehospital geleitet, in dem kranke Kinder vom Festland sich erholen und wieder gesund werden konnten. Doch nun steht die Einrichtung droht der Einrichtung das Aus. Es gibt keine Gelder mehr und auch keine edlen Spender. Was nur soll aus den Kindern werden? Frida möchte das Hospital gern retten, erfährt aber keine Hilfe. Weder von ihren beiden Schwestern, noch von anderen Familienmitgliedern. Und doch nimmt sie den Kampf auf und dieser Kampf bringt die an ihre Grenzen.
                MEINE MEINUNG:
                Mich hat sofort der Klappentext interessiert, da ich sehr gern histotische Geschichte über Krankenhäuser lese. Und zu der Geschichte vom Seehospital bekam ich noch eine spannende und interessante und auch herzzerreissende Familiengeschichte dazu. Dieses Zusammenspiel hat das Buch für mich rund gemacht und es hat mir sehr gut gefallen. Der Einstieg fiel mir unglaublich leicht und der Schreibstil war sehr flüssig zu lesen. Die Autorin hat auch nichts beschönigt, sondern dem Leser die Lage sehr deutlich und unmißverständlich klar gemacht. Manche Schicksale waren so grausam und gingen mir schon sehr ans Herz. Aber dadurch wurde auch deutlich, wie hart und auch wichtig der der Kampf von Frida war. Ich wurde voll und ganz in den Bann dieser Familie gezogen und habe mitgelitten, mitgehofft und mitgeweint. Dieses Buch hat sich als eine so komplexe Geschichte entwickelt, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte.
                Die Autorin hat hier auch solche starken Charaktere herausgearbeitet. Ihre Entwicklung zu verfolgen hat mich schon sehr gefesselt. Die Protagonistin war sehr stark und facettenreich und ihren Weg und Kampf zu begleiten hat das Buch für mich zu einem sehr großen Buch gemacht.
                FAZIT:
                Mich konnte die Geschichte absolut begeistern und ich bin froh, dieses Buch entdeckt zu haben.

                witchblade

                Beiträge 14
                23.04.2019

                  Die junge Medizinstudentin Frida kehrt nach dem Tod ihres Großvaters aus Hamburg zurück nach Amrum. Es ist das Jahr 1920 und Frida hat es nicht leicht, sich zu behaupten. Zu allem Überfluss wollen ihre Mutter und ihr Stiefvater das Seehospital schließen, das ihr Großvater jahrelang finanziert hat.

                  Frida unterbricht also ihr Studium, um sich um die Kinder im Hospital zu kümmern. Ihre Schwester Lou hingegen sieht einer Zwangsverheiratung entgegen und flieht vor der Familie nach Hamburg, wo sie in zwielichtige Kreise gerät.

                  Das Buch handelt von Frauen, die sich in der Gesellschaft behaupten mussten. Die beiden Schwestern geben gute Beispiele dafür, was das Leben mit einem anstellen kann. Insgesamt haben mir die Charaktere sehr gut gefallen und man konnte gut eine Entwicklung beobachten.

                  Die Geschichte an sich gefiel mir gut, jedoch waren gerade im letzten Drittel des Buches einige Geschehnisse aus meiner Sicht etwas übertrieben und wirkten daher nicht recht glaubwürdig.

                  Das Buch bekommt von mir solide 4 Sterne!

                  pixibuch1

                  Beiträge 13
                  07.04.2019

                    Amrum 1920. Die Familie Kirschbaum lebt in einer alten Villa. Die Mutter Rosa hat aus erster Ehe drei Töchter. In zweiter Ehe ist sie mit Rudolf von Möhring verheiratet, mit dem sie einen gemeinsam Sohn hat. Die älteste Tochter Frida studiert in Hamburg Medizin. Seither hat ihr der Großvater jegliche Unterstützung gestrichen, da es sich für eine Frau nicht gehört. Er selbst hat auf Amrum ein kleines Hospital für kranke Kinder errichtet, das er unterstützt und fördert. Nachdem der alte Mann gestorben ist, verschlechtert ich die Situation der Familie Kirschbaum/von Möhring, denn das Erbe fällt klein aus. Sie suchen eine Möglichkeit, um aus diesem Dilemma herauszukommen und möchten deswegen ihre Töchter reich verheirate. Lou flieht deswegen nach Hamburg und auch mit Emily nimmt alles kein gute Ende. Auch kann das Hospital wegen Geldmangels nicht mehr fortgeführt werden. Und dann bricht die Katastrophe mit aller Wucht über die Familie herein. Die Autorin schreibt hier so beeindruckend über das Leben kurz nach dem ersten Weltkrieg, überall herrscht die Not, die Sommerfrischler bleiben der Insel fern, in Hamburg herrscht noch viel größere Not. Eindeutig wird über die Verarmung der besseren Gesellschaft berichtet, die trotz allem ihre Vornehmheit aufrecht erhalten will. Ganz besonders wird über die medizinische Versorgung in dieser Zeit berichtet und wir bekommen auch noch Einblick in das Nachtleben. Das Buch ist derart spannend und interessant geschrieben, dass man es nicht mehr aus der Hand legen kann und die 460 Seiten sind im Nu gelesen. Ein wahrlich in jeder Hinsicht gelungener Einblick in das Leben der damaligen Zeit. Dies ist genau der Stil und das Genre, in dem historische Romane geschrieben werden sollen.

                    Bücherratte36

                    Beiträge 14
                    06.04.2019

                      Inhaltsangabe:
                      Amrum 1920: Frieda Kirschbaum hat ihre alte Heimat Amrum verlassen, um in Hamburg Medizin zu studieren. Allerdings ist ihr Großvater wenig davon begeistert und kurzerhand dreht er seiner Enkelin den Geldhahn zu, obwohl er eine gute Ärztin für sein Seehospital gut gebrauchen könnte. Als Friedas Großvater stirbt, kehrt sie für die Beerdigung auf die Insel zurück. Kurz darauf erfährt sie, dass es um das Seehospital schlecht bestellt ist und die Kinder wieder zurück nach Hamburg müssen. Auch Friedas Eltern wollen oder können dem Hospital nicht helfen, denn sie wollen aus diesem lieber ein luxuriöses Kurhotel machen. Wird es Frieda schaffen, dass Seehospital zu retten?

                      Das Seehospital ist das neuste Werk von der Autorin Helga Glaesener, die bereits div. historische Romane schrieb. Ich muss allerdings zugeben, dass ich noch nie eines ihrer Bücher gelesen habe und somit war dies ein Debüt. Dank eines Bücherforums und des vielversprechenden Klapptextes bin ich neugierig geworden und so musste ich diesen Roman einfach lesen. Mir wurde eine spannende Geschichte mit einem Familiengeheimnis versprochen und diese bekam ich auch – auch wenn meine Erwartung eine andere war.

                      Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und angenehm und so konnte ich ab der ersten Seite in die Geschichte um die Familie Kirschbaum ein und abtauchen. Während des Lesens merkte ich, mit wieviel Liebe zum Detail, die Autorin die Amrumer und Hamburger Kulisse ein- und wiedergespiegelt hat. Wenn man ganz Fantasie besitzt, spürt man den ruppigen Küstenwind in den Haaren, den leichten Salzgeruch in der Nase und hört die Möwen kreischen. Es ist fast so als ob man einen Strandspaziergang machen würde. Hinzu kommt noch die perfekte Idylle des Hamburger Lebens um 1920. Der erste Weltkrieg ist vorbei und die Menschen sehnen sich nach Frieden und nach einem geregelten Leben, aber das ist leichter gesagt als getan. Überall herrscht Armut und Hunger, aber nicht nur dies ist es was den Menschen das Leben in dieser Zeit schwer macht. Krankheit und fehlende Medikamente lässt den einen oder anderen verzweifeln. Und genau diese Stimmung wurde von der Autorin so brillant beschrieben und lässt den Leser hautnah daran teilhaben. Beeindruckend und emotional!

                      Die Charaktere wurden sehr gut ausgearbeitet und facettenreich dargestellt. Hier spielt es keine Rolle ob es sich um die Hauptpersonen oder Nebenrollen handelte, denn jede Figur fand seinen Platz und bereicherte die Geschichte auf seine eigene Art und Weise. Frieda war für mich schon eine sehr starke Frau. In dieser Zeit sich für ein Medizinstudium zu entscheiden und das auch noch durchzuziehen. Hut ab. Ich fand ihre Entscheidungen und Gedankengängen sehr gut durchdacht und konnte mich auch gut in sie hineinversetzen. Bei ihren zwei Schwestern fiel mir das ein wenig schwerer. Gerade bei Lou habe ich das eine oder andere Mal den Kopf geschüttelt. Zu Friedas Bruder Christian habe ich eine klare Meinung, denn ihn mochte ich überhaupt nicht. Dies lag vor allen Dingen an seinen gewalttätigen und rücksichtslosen Handlungen. Aber jedes Buch braucht mindestens einen ungeliebten Charakter, ohne ihn würde es sehr langweilig werden. Welche Nebenrolle mich auch noch stark beeindruckt hat, war Friedas Bekannte Jenny. Wo sie nur konnte half sie denjenigen, denen das Leben etwas übler mitspielte als bei anderen und hatte zudem ein offenes Ohr für all die Sorgen und Probleme. Auch in der heutigen Zeit bereichern solche Menschen unser Leben.

                      Die Handlung lebt von den zahlreichen Perspektivenwechseln und das ermöglichst dem Leser, nicht nur die einzelnen Personen besser kennenzulernen, sondern auch einen noch besseren Einblick in ihre Gedankengänge und Handlungsweisen zuhalten. Genau das liebe ich.
                      Was mich ein wenig enttäuscht hat, war, dass das Seehospital zwar am Anfang eine große Rolle einnahm, aber im weiteren Verlauf wurde es kaum oder gar nicht mehr erwähnt. Schade, denn gerade bei dem Titel des Buches“ Das Seehospital“ dachte ich gleich an eine Geschichte um dieses Klinikgebäude und seinem Personal. Ich muss gestehen, dass mein Lesegenuss dadurch nur minimal geschmälert wurde. Was mir hingegen sehr gut gefiel, dass der Spannungsbogen in der zweiten Hälfte des Buches enorm zulegte und ich ab diesem Zeitpunkt diesen Roman nicht mehr aus den Händen legen wollte bzw. konnte. Ich musste wissen, wie es mit Frieda und Lou weitergehen wird. Beim Ende bin ich mir noch nicht ganz schlüssig. Irgendwie entstand der Eindruck, dass man zu Ende kommen musste. Dies war auch nur ein kleiner Minuspunkt, denn im Großen und Ganzen wirkte er stimmig.


                      Auch wenn der Titel des Buches ein wenig irritierend ist, fand ich diesen Roman sehr spannend und emotional. Für mich war es eine historische Geschichte, die über eine Familie mit einem Familiengeheimnis berichtet, die mir sehr schöne Lesestunden bescherte.

                      ivo

                      Beiträge 10
                      01.04.2019

                        Die Autorin versucht die Atmosphäre an der Universität in den 1920er Jahren aufzunehmen. Dabei schießt sie ein wenig über das Ziel hinaus. Die Wortwahl erscheint häufig platt und einfach zu dicht. Manches lässt sich mit weniger besser ausdrücken. Auch das Klischee vom zugedrehten Geldhahn und so weiter, erscheint mir zu flach. Warum kann eine Geschichte nicht Mal anders laufen. Das Thema an sich finde interessant. Doch aus meiner Sicht ist es ein wenig zuviel des Guten.

                        Furbaby Mom

                        Beiträge 9
                        31.03.2019

                          Dramatisch, spannend, emotional – ein wundervoller historischer Roman!
                          Dieses war mein erstes Buch von Helga Glaesener – und es hat mich restlos begeistert!

                          Es ist das Jahr 1920 und die junge Medizinstudentin Frida kehrt anlässlich der Beerdigung ihres Großvaters in ihre Heimat zurück. Auf Amrum ticken die Uhren noch anders, vor allem im Kirschbaum’schen Elternhaus, das von außen wie eine mondäne Villa anmutet, innen jedoch mit Gefühlskälte durchzogen ist und einem Eispalast gleicht. Umso mehr freuen sich Fridas jüngere Geschwister über deren Ankunft, denn bei Mutter Rosa und (Stief-)Vater Rudolf gibt es wenig zu lachen – stets dreht sich alles nur um Finanzen und darum, die Töchter möglichst vorteilhaft zu verheiraten. Zu Fridas Entsetzen will die Familie das vom Großpapa gestiftete Seehospital schließen und in ein exklusives Kurhotel umwandeln – ein indirektes Todesurteil für die erkrankten Waisenkinder, denen auf dem Festland kaum Unterstützung winkt. Noch ahnt Frida (für die es nicht infrage kommt, die kleinen Patienten jetzt im Stich zu lassen) nicht, welche Auswirkungen ihr Handeln haben wird…

                          Bezüglich des Inhalts möchte ich ergänzen, dass dies kein reiner Krankenhaus-Roman ist, der sich ausschließlich in den Räumlichkeiten einer Pflegeanstalt abspielt. Dennoch hat das Seehospital, wo lungenkranke Waisenkinder betreut werden, eine tragende Rolle und der Kampf um dessen Erhalt wird ebenso in die Handlung eingebunden wie die Lebensumstände derer, die es verwalten: Familie Kirschbaum.

                          Von der ersten Seite an hat mich der fesselnde, angenehme Schreibstil derart in den Bann gezogen, dass ich einfach nicht aufhören konnte zu lesen. Die intensiven, bildhaften Beschreibungen ließen mich komplett eintauchen in die Handlung und weckten in mir die Sehnsucht, selbst einmal wieder ans Meer zu reisen. Man spürt förmlich das Salz auf den Lippen, den Wind in den Haaren, den Sand unter den Füßen und hört das Kreischen der Möwen. Doch auch der Esprit der norddeutschen Metropole Hamburg wird gekonnt eingefangen und beleuchtet das damalige Leben in der Großstadt - mit all seinen Facetten. Der Krieg mag zwar vorbei sein, doch es herrscht bittere Armut und Hunger. Gegen das beschauliche, idyllische Amrum, wo die Menschen einander kennen und seit jeher zusammenhalten wirkt Hamburg wie ein Mosaik bunt durcheinandergewürfelter Schicksale – jeder kämpft für sich. Allerdings gibt es auch Menschen, die sich der Wohlfahrt verschrieben haben und Erfüllung darin finden, den Kriegsinvaliden und Prostituierten, die abseits der elitären Viertel ein Schattendasein fristen, zu helfen. Eine dieser beeindruckenden Persönlichkeiten ist Jenny Hopf.

                          Alle Figuren, sowohl Hauptfiguren wie auch Nebenakteure, sind herausragend ausgearbeitet worden und wirken in ihrem Wesen ungemein tiefgründig und überaus vielseitig. Die authentischen Dialoge tragen ihren Teil dazu bei. Frida, die älteste der Kirschbaum-Schwestern, ist jemand, mit dem ich zu gerne befreundet wäre und die mir von allen Charakteren am vertrautesten geworden ist. Sie hat das Herz am rechten Fleck und ich kann ihre Gedankengänge, ihre Emotionen zu jedem Zeitpunkt nachvollziehen. Frida erkennt ganz genau, was um sie herum passiert, lässt sich weder einschüchtern noch einlullen und steht für ihre Wünsche und Ideale ein – selbst wenn das bedeutet, sich gegen gewisse Mitglieder ihrer Familie stellen zu müssen. Auch Louise und Emily, die zwei jüngeren Mädchen der Familie, habe ich – jede auf ihre eigene Art und Weise – ins Herz schließen können. Nicht alle ihrer Handlungen konnte ich gutheißen, allerdings fiel es mir leicht, mich in ihre Situation hineinzuversetzen – jeder Mensch reagiert individuell auf (unerwünschte) Neuerungen im Leben. Christian war mir mit Abstand der verhassteste Charakter. Jetzt fragt man sich vielleicht: was kann an einem pubertären Jungen denn so furchtbar sein? Nun, an seinem Beispiel zeigt die Autorin, dass man bei Menschen keine Kategorisierung in "nur gut" oder "nur böse" vornehmen kann. Trotzdem war mir selten eine Figur (die hier glücklicherweise nur eine Nebenrolle spielt und den Gesamteindruck keineswegs trübt, sondern lediglich die Handlung vorantreibt) so zuwider.

                          Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, die jeweils in eigene Kapitel unterteilt sind und dem Werk somit eine stimmige Struktur geben. Zudem wird die Spannung kontinuierlich erhöht und man muss einfach immer weiterlesen, so mitreißend ist die Entwicklung der Geschichte. Es gibt keine großen Zeitsprünge oder sonstige Ungereimtheiten, dafür eine Vielzahl zusätzlicher Einblicke und mehr als nur eine unerwartete Wendung. Auch wenn hier und da ein düsteres Thema angesprochen wird, überwiegt ein positiver Eindruck.

                          Fazit: Dieses Werk hat alles, was ich mir von einem historischen Roman wünsche: eine interessante Familiengeschichte voller Geheimnisse, wunderschöne Landschaftsbeschreibungen, eine starke Frau als Hauptfigur, Zeitgeist und Lokalkolorit und jede Menge Gefühl.

                          maxkolbe

                          Beiträge 15
                          25.03.2019

                            Im wesentlichen get es um das Seehospital und die Mitglieder der Familie Rosenbaum auf Amrum.
                            Rosa Rosenbaum verheiraet mit Rudolf von Möhring, Frida, Louise und Emily und deren Stiefbruder Christian. Außer Frida leben alle auf Amrum. Frida studiert in Medizin. Eine starke Leistung für eine junge Frau um 1920
                            Sie muß nach Hause, da der Großvater Ludwig gestorben ist.
                            Ihre Mutter sucht verzweifelt nach einem Testament, die Familie steht wirtschaftlich am Abgrund. Sie hat das vom Großvater errichtete Seehospital geschlossen und die kranken Kinder nach Hamburg zurückgeschickt. Das Hospital hatte der Großvater als Erinnerung an den Vater der Schwestern, seinen verstorbenen Sohn errichtet.
                            Frida gibt sich nicht zufrieden und schafft es, die Kinder zurückzuholen. Mehr schlecht als recht versuchen sie und ihre Schwestern das Hospital am laufen zu halten. Es gibt nichts zu essen und keine Medikamente. Todesfälle sind zu beklagen. Sie hat sich eine Auszeit vom Studium genommen, um ganz für die Kinder dazusein. Inzwischen ist ihre Mutter auf die Idee gekommen mindestens eine ihrer Töchter reich zu verheiraten. Das Testament sagt ja aus, die Mädchen kriegen ihr Erbe am Tag der Hochzeit oder spätestens zu ihrem 30. Geburtstag. Eine Ehemann ist auch schon ausgeguckt, ein reicher alter Däne und Louise soll die Braut sein. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Louise sucht Hilfe beim Lehrer Matz, der sich schon lange in sie verguckt hat. Der überlegt lange, so verschwindet Louise erstmal auf Nimmerwiedersehen.
                            Die Mutter stört das nicht lange, Emily ist als nächste Braut auserwählt. Die zieht einen Schlußstrich ganz anderer Art. Frida steht wie ein Fels und hat auch etwas zu verdauen. Sie hat aber Hilfe und versucht Matz zu helfen, Louise zu finden.
                            Was Louise alles erlebt und Frida aufregende Suche, wird sie Louise finden, ist spannend beschrieben. Es gibt zwei Todesfälle an denen christian nicht ganz unschuldig ist. Der gleiche Christian bringt aber am Schluß die Lösung aller Probleme oder doch nicht?
                            Es bleibt spannend bis zum Schluß.
                            Ein sehr guter, atmosphärischer Roman, die Situation um 1920, kurz nach dem Weltkrieg authentisch beschreibt .Man ist dabei, bei den Frauen in Hamburg, in den doppelt belegten Zimmern, man spürt den Hunger und die allgemeine Not, sieht aber auch, was die nach Geld aus einer
                            Familie machen kann.
                            Es gibt übrigens auch gut dargestellte Nebencharaktere.Rundum eine. fesselnde Geschichte, die sie unbedingt lesen sollten.

                            mama2009

                            Beiträge 3
                            24.03.2019

                              Gehe deinen eigenen Weg

                              Meine Meinung und Fazit:

                              Frida ist die älteste Tochter der Familie Kirschbaum und hat ihre Ausbildung zur Krankenschwester abgeschlossen. Doch dass sie dann noch ein Medizinstudium in Hamburg anschließt, dass kann ihr Großvater nicht verstehen und dreht den Geldhahn zu. Doch die lässt sich nicht unterkriegen und studiert. Eine sehr mutige Frau, die ihrer Zeit weit vorauswisst und zu ihrer Meinung steht. Doch dann ändert sich durch den Tod des Großvaters so ziemlich alles.

                              Sie muss zurück in die Heimat, auf die Insel Amrum.
                              Ihre Mutter und ihr Stiefvater denken nur an das Finanzielle, sie wollen das Seehospital zu einem Hotel umfunktioniert und schicken die kranken Kinder fast zurück. Und sie wollen die anderen Töchter gegen deren Willen an einen alten reichen Insulaner verheiraten. Zum Glück hat Frida das Mitgefühl, was ihre Eltern nicht haben und kümmert sich rührend.
                              In die Geschichte der Familie Kirschbaum wird auch sehr gut das Leben/die Dramatik der damaligen Zeit widergespiegelt. Deutschland hat den Krieg verloren, Männer entweder auf dem Schlachtfeld geblieben oder als Krüppel zurückgekehrt. Überall herrscht Elend und es gibt kaum soziale Absicherung und die Situation in Kinderheimen ist unvorstellbar.

                              Was mich an dem Buch beeindruckt hat, ist der Mut, seinen Weg zu gehen und sich nicht beirren zu lassen. Ein Zitat von Seite 105 (der Lehrer Matz) über Pädagogik:
                              „Aber wenn man heranwächst, muss man den eigenen Kopf gebrauchen. Gaudig sagt, unser Jugend fehlt das Gefühl für die Selbstverantwortung. Man sollte nur dem Befehl des eigenen Herzens folgen. Und damit hat er recht!“

                              Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, an manchen Stellen hätte ich mir noch mehr von Fridas Studium gewünscht oder auch der Beschreibung der Natur von Amrum. Ich vergebe gern eine Leseempfehlung und 4 Sterne.

                              Vielen Dank an die Autorin für die tollen Lesestunden und dem Team der Buchboutique und dem Rowohlt Verlag für das zur Verfügung gestellte Reziexemplar.

                              Tawupa

                              Beiträge 4
                              22.03.2019

                                Eigentlich sind der Buchtitel und der Klappentext ziemlich irreführend, denn daran geht es vielleicht zum Anfang des Buches.
                                Die ganze Geschichte ist immer wieder wechselnd überwiegend aus der Sicht der drei Schwestern Frida, Lou und Emily geschrieben, die Hauptfigur ist eigentlich Frida. Deren unerwünschtes Medizinstudium und das Seehospital geraten aber immer mehr in den Hintergrund, weil das Buch quasi in einen Krimi abdriftet.
                                Wer einen seichten Herzschmerzroman mit vorhersehbarem Happyend erwartet, wird also in die Irre geführt.
                                Für mich waren einige Handlungen der Protagonisten nicht wirklich schlüssig und nachvollziehbar, aber trotzdem lässt sich das Buch flüssig lesen, es ist spannend und die geschilderten Lebensumstände nach dem 1. Weltkrieg sind sehr interessant.

                                Kristall86

                                Beiträge 4
                                13.03.2019

                                  Wir befinden uns auf der Insel Amrum im Jahr 1920. Fridas Großvater ist verschieden und sie muss wieder auf die Insel um ihn die letzte Ehre zu erweisen. Er fand nicht immer alles gut was Frida so trieb, beispielsweise ihr Medizinstudium fand er völlig absurd und unterstützte es in keinster Weise. Doch nach seinem Tod steht das kleine Hospital was er geschaffen hat, vor dem Aus. Frida möchte es gern erhalten aber es gibt genug Unwägbarkeiten die dagegen spielen. Ihr Kampf der Einsamkeit beginnt...

                                  Helga Glaesener entführt uns mit ihrem Roman „Das Seehospital“ auf eine der schönsten Inseln der Nordsee. Mit ihrer Protagonistin Frida hat sie einen starken und mutigen Charakter geschaffen. Als Leser bewundert man sie und ist erstaunt mit welchem Mut sie die Dinge angeht. Glaesener lässt Frida sehr emotional erscheinen. Ihre Sorge um die kleinen Patienten ist schon sehr groß. Man nimmt ihr diese Emotionen aber auch ab!
                                  Ab der zweiten Hälfte des Buches lesen wir nur immer weniger vom „Seehospital“. Es gerät völlig ins Hintertreffen. Dafür rücken andere Personen und Geschichten in den Vordergrund. Leider zu extrem und zu wirr. Gerade die große Familienstreitigkeit wirkt schon sehr übertrieben und zum Teil auch sehr unglaubwürdig. Es ist einfach zu viel im zweiten Teil - zu viel Streit, zu viele Personen, zu viele Katastrophen, gerade die um Fridas Schwestern wirken mehr als Lückenfüller...Nur leider wird dabei das Seehospital, so ja nun auch der Titel, komplett vergessen.
                                  Helga Glaesener beschreibt sehr bildhaft und ihr Schreibstil ist recht rund, dennoch merkt man eben schnell das sie sich irgendwie verzettelt. Ihre Beschreibungen der einzelnen Personen ist schön zu lesen. Man kann sich, zum Teil, sehr gut in die Personen hineinversetzen. Nur ist der Rest der Geschichte eben oft viel zu viel des Guten...
                                  Schade irgendwie, ich hätte eine andere Geschichte erwartet.

                                  Dandy

                                  Beiträge 51
                                  09.03.2019

                                    Bei „ Das Seehospital“ von Helga Glaesener handelt es sich um einen Roman.

                                    Drei Schwestern, drei Schicksale – ein Ort der Menschlichkeit
                                    Amrum, 1920:

                                    Da der alte Kapitän Kirschbaum zuletzt kein gutes Wort für Frida übrig hatte, kehrte sie nur widerwillig zur Beerdigung ihres Großvaters, auf die nordfriesische Heimatinsel, zurück.

                                    Ihr Großvater hielt ihren Traum in Hamburg Medizin zu studieren für Weiberflausen und drehte ihr kurzerhand den Geldhahn zu. Dabei hätte Frida ihm bei seinem für lungenkranke Kinder gestifteten Hospital helfen können. Wegen Geldmangels droht dem Hospital jetzt nach Großvaters Tod die Schließung. Aber was wird dann aus den kleinen Patienten?

                                    Fridas Mutter möchte aus der Strandvilla lieber ein exklusives Kurhotel machen und auch von ihren beiden Schwestern kann Frida keine Hilfe erwarten. Frida nimmt den Kampf auf und ahnt nicht, wie hoch der Preis für sie und ihre Familie sein wird.



                                    Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen, Auch wenn ich unter dem Titel eine etwas andere Geschichte erwartet habe.

                                    Hier wird am Anfang die Sorgen um das Bestehen des Seehospitals beschrieben,dann driftet die Geschichte vom Titel ab und über Seiten wird über Lous neues Leben in Hamburg erzählt. Das Hospital spielt eher eine Nebenrolle. Erst gegen Ende der Geschichte findet das Geschehen wieder auf Amrum statt.

                                    Bei Seehospital handelt es sich nicht um einen Arzt- Krankenhausroman. Vielmehr um eine wirklich sehr spannende und interessante Familiengeschichte, die sich immer mehr zuspitzt mit einem sehr überraschenden und spannenden Ende. Diesen Verlauf der Geschichte habe ich überhaupt nicht erwartet- hat mich aber positiv überrascht.

                                    Der Aufbau der Geschichte hat mir sehr gefallen. Die Autorin beschreibt die Charaktere sehr gut und ausführlich.

                                    Über jedem Kapitel steht der Name, des Hauptprotagonisten, sodass man als Leser immer gleich weiß mit welchem Erzählstrang es weiter geht und man kann sich darauf einlassen.

                                    Sehr interessant fand ich wie die drei Schwestern und ihr Halbbruder ihre Wege gehen. Dabei erlebt jede der Frauen eine andere Geschichte.

                                    Sehr gut wird das Flair der damaligen Zeit beschrieben. Die Gedanken, die medizinische Fortschritte und die Angst vor Armut.

                                    Ich empfehle dieses Buch weiter.

                                    Erschreckend ehrlich

                                    Beiträge 83
                                    26.02.2019

                                      Frida Kirschbaum gehört im Jahr 1920 zu den wenigen Frauen, die in Hamburg Medizin studieren. Als ihr Großvater stirbt, muß sie ihr Studium unterbrechen um zur Beerdigung nach Amrum zu fahren. Der alte Mann hat auf der Nordseeinsel ein kleines Hospital für lungenkranke Waisenkinder gegründet. Jetzt soll das Haus geschlossen werden, denn Fridas Mutter will ein Hotel daraus machen. Verzweifelt kämpft die junge Frau für den Erhalt des Hospitals, denn für die Kinder würde eine Rücksendung in ein Hamburger Waisenhaus den sicheren Tod bedeuten. Fridas Schwestern sind ihr keine Hilfe, aber der englische Arzt James Tylor steht ihr immer zur Seite, wenn sie Hilfe braucht - und Hilfe braucht sie jetzt dringend!


                                      Ich habe schon lange nicht mehr so ein ehrliches Buch gelesen. Hier wird nichts geschönt und "die gute alte Zeit" verklärt. Alles kommt ans Tageslicht. Die Menschen verhungern und die Kirche sieht weg. Da spricht der Pfarrer beim Anblick der verhungernden Waisenkinder von der Gnade Gottes. Der Arzt sieht in den Menschen nur noch "Forschungsmaterial" für die Wissenschaft. Am schlimmsten aber ist die Mutter, die ihre Töchter an reiche alte Männer verkuppelt, damit sie ihr Luxusleben weiterführen kann. All diese Personen - und auch die anderen Charaktere - sind so klar dargestellt, daß man beim Lesen nicht nur dabei ist, sondern mitten unter ihnen lebt. Und das geht wirklich unter die Haut und seelisch sehr nah. Man möchte die Bedauernswerten in den Arm nehmen und haßt die Üblen. Genau so möchte ich es haben, wenn ich ein Buch lese. Optimal ist es, wenn ich am Schluß noch eine Weile innehalte, um über das Geschehen nachzudenken und dies zu verarbeiten.

                                      All diese Ansprüche an ein richtig gutes Buch sind hier erfüllt. Helga Glaesener hat mich mit ihrem Werk begeistert!

                                      Fesselndes Familiendrama

                                      1 Beitrag
                                      19.02.2019

                                        Was für ein Buch! Nach dem Klappentext und dem Titelbild hatte ich etwas ganz anderes erwartet...Ich rechnete mit "starke Frau boxt sich durch, überwindet alle Widrigkeiten, verliebt sich und alles endet mit Friede, Freude, Eierkuchen"... Dieses Buch ist aber ganz anders! "Das Seehospital" ist kein leichter, seichter Roman, der vor sich hin plätschert und am Ende alles gut ausgeht. Helga Glaesener versetzt uns in eine schwere Zeit, in der es viel Elend gab: Krankheiten (und furchtbare Behandlungsmethoden), Missbrauch, Armut, Hunger, Tod, Verzweiflung, Misshandlungen, Hass und Trauer.
                                        Mittendrin die ganz unterschiedlichen Schwestern Frida, Louise und Emily. Sie haben Träume und Wünsche für ihr Leben, aber die Realität schlägt über ihnen wie eine große Welle zusammen und bis zum Ende des Romans hoffte ich darauf, dass sie ein wenig Glück finden mögen.
                                        "Das Seehospital" ist sehr gut geschrieben und bleibt wahrlich nicht oberflächlich, es zieht einen in seinen Bann und man fiebert bis zur letzten Seite mit (und am Ende war ich froh, dass ich heute leben darf und nicht in dieser Zeit...)

                                        Zum Glück kein typischer „Insel-Arzt-Roman"

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                                        19.02.2019

                                          Frida studiert 1920 gegen den Willen ihrer Familie in Hamburg Medizin. Ihr Großvater, das Familienoberhaupt, hat ihr deswegen sogar den Geldhahn zugedreht. Als er stirbt fährt Frida zur Beerdigung nach Hause nach Amrum – obwohl sie die Enge, Einschränkungen und Konventionen auf der Insel hasst. Eigentlich will sie schnell zurück nach Hamburg, aber dann erklären ihre Mutter und ihr Stiefvater, dass das Erbe ihres Großvater viel kleiner ausfällt als erwartet – sie müssten das Inselhospital schließen, welches ihr Großvater für lungenkranke Waisenkinder errichtet hat. Das wollen Frida und ihre Schwestern Louise und Emily vermeiden, denn in Hamburg herrschen schlimme Zustände, die Kinder kamen halb verhungert aus dem Waisenhaus bei ihnen an. Da das Personal bereits entlassen wurde, kümmern sich die drei jungen Frauen um die Kinder, bis ihnen hoffentlich eine bessere Lösung einfällt. Frida pausiert sogar mit ihrem Studium.

                                          Frida, Louise und Emily sind sehr verschieden. Frida wirkt oft kühl und diszipliniert, aber sie brennt für die Medizin und will unbedingt Ärztin werden. Alles Neue, wie z.B. die Röntgenuntersuchungen, fasziniert sie. Sie will den Menschen helfen und scheut sich nicht, auch andere um Hilfe zu bitten.
                                          Die kecke Louise hat noch keinen Plan für ihr Leben, liebt aber Amrum und will auf jeden Fall hierbleiben. „... spürst Du nicht auch die Freiheit? Ein Blick übers Meer und Du kommst zur Ruhe.“ (S. 68) Sie träumt von einer Ehe aus Liebe. Als ihre Mutter ihr vorschlägt, einen 50jährigen Jagdfreund ihres Vaters zu heiraten, verschwindet sie. Hat sie sich etwas angetan?
                                          Emily träumt vom eigenen Fotoatelier in Hamburg oder Berlin, ordnet sich aber dem Willen ihrer Mutter und ihres Stiefvaters unter – schließlich geht nichts über die Familie. Nicht einmal das eigene Glück? „Einer muss doch dafür sorgen, dass alles weiterläuft.“ (S. 253)
                                          Christian, der Halbbruder der Schwestern, ist erst 13, sehr verzogen und wird permanent bevorzugt. Er war mir extrem unsympathisch, weil er eine widernatürliche Freude daran hatte, hilflose Tiere und schwächere bzw. kleinere Kinder zu quälen. Ihm hätte ich mehrfach gern „den Hosenboden stramm gezogen“.
                                          Luises Mutter ordnet sich ihrem Mann komplett unter – was er sagt ist Gesetz und wird nicht hinterfragt. Auch das Wohl ihrer Töchter scheint ihr leider nicht wirklich am Herzen zu liegen. Hauptsache, der schöne Schein wird gewahrt. Ich konnte ihre Beweggründe nicht immer verstehen, aber sie war als Figur trotzdem in sich stimmig.
                                          Rudolf, der Stiefvater, tut nach außen so, als würde ihm die Familie über alles gehen, dabei will er nur nicht seinen Lebensstil aufrechterhalten. Er war mittellos und ist erst durch die Hochzeit zu Geld gekommen ...

                                          Das Setting ist in sich stimmig. Die Autorin beschreibt die gegensätzlichen Lebensweisen auf der rauen Insel und der vom Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Großstadt, von arm und reich sehr bildlich. Sie geht auch auf die Zustände in den Hospitälern und Waisenhäusern ein, die zum Teil erschreckenden Behandlungs- und Forschungsmethoden, das Elend in den Gängevierteln und die sich verbreitenden Heroinsucht so kurz nach dem 1. WK.

                                          „Das Seehospital“ hat mir sehr gut gefallen. Helga Glaesener beweist wieder einmal, dass sie eine ganz große Könnerin ihres Fachs ist. Ihr Buch hebt sich positiv von der Masse der „Insel-Arzt-Romane“ ab. Sie verwendet keine stereotypen Charaktere, die Personen und deren Handlungen passen genau in die damalige Zeit. Sie erspart ihren Lesern vorhersehbare Liebesgeschichten und unnötige Happy Ends. Es muss nicht alles gut ausgehen, das tut es im wirklichen Leben doch auch nicht.