Helga Glaesener

Das Seehospital

Drei Schwestern, drei Schicksale – ein Ort der Menschlichkeit
Amrum, 1920: Nur widerwillig kehrt Frida zur Beerdigung des Großvaters zurück auf ihre nordfriesische Heimatinsel. Der alte Kapitän Kirschbaum gehörte zu Amrum wie die Wellen zum Strand. Aber für Frida hatte er zuletzt kein gutes Wort übrig. Ihren Traum, in Hamburg Medizin zu studieren, hielt er für Weiberflausen und drehte ihr den Geldhahn kurzerhand zu. Dabei hätte der Insel-Patriarch eine vertrauenswürdige Ärztin in dem kleinen Hospital, das er für lungenkranke Kinder gestiftet hat, gut gebrauchen können. Nach seinem Tod droht der Einrichtung nun wegen Geldmangels das Ende. Aber was wird dann aus den kleinen Patienten? Fridas Mutter will aus der imposanten Strandvilla lieber ein exklusives Kurhotel machen. Auch von ihren beiden Schwestern kann Frida keine Hilfe erwarten. Dennoch nimmt sie den Kampf auf – und ahnt nicht, wie hoch der Preis für sie und ihre Familie sein wird ...


Autorenbild Foto von Helga Glaesener

Der  Autor

Helga Glaesener wurde in Niedersachsen geboren und studierte in Hannover Mathematik. 1990 begann die Mutter von fünf Kindern mit dem Schreiben historischer Romane, von denen gleich das Debüt, «Die Safranhändlerin», zum Bestseller avancierte. Seitdem hat sie zahlreiche weitere erfolgreiche Romane geschrieben, darunter auch diverse Krimis. Zwanzig Jahre in Ostfriesland haben ihre Liebe zum Meer geweckt, so dass die Küste zum Schauplatz zahlreicher Romane wurde. Heute lebt Helga Glaesener in Oldenburg.


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Rezensionen

hasi_rasi

Beiträge 113
14.02.2019

Zum Glück kein typischer „Insel-Arzt-Roman"

Frida studiert 1920 gegen den Willen ihrer Familie in Hamburg Medizin. Ihr Großvater, das Familienoberhaupt, hat ihr deswegen sogar den Geldhahn zugedreht. Als er stirbt fährt Frida zur Beerdigung nach Hause nach Amrum – obwohl sie die Enge, Einschränkungen und Konventionen auf der Insel hasst. Eigentlich will sie schnell zurück nach Hamburg, aber dann erklären ihre Mutter und ihr Stiefvater, dass das Erbe ihres Großvater viel kleiner ausfällt als erwartet – sie müssten das Inselhospital schließen, welches ihr Großvater für lungenkranke Waisenkinder errichtet hat. Das wollen Frida und ihre Schwestern Louise und Emily vermeiden, denn in Hamburg herrschen schlimme Zustände, die Kinder kamen halb verhungert aus dem Waisenhaus bei ihnen an. Da das Personal bereits entlassen wurde, kümmern sich die drei jungen Frauen um die Kinder, bis ihnen hoffentlich eine bessere Lösung einfällt. Frida pausiert sogar mit ihrem Studium.

Frida, Louise und Emily sind sehr verschieden. Frida wirkt oft kühl und diszipliniert, aber sie brennt für die Medizin und will unbedingt Ärztin werden. Alles Neue, wie z.B. die Röntgenuntersuchungen, fasziniert sie. Sie will den Menschen helfen und scheut sich nicht, auch andere um Hilfe zu bitten.
Die kecke Louise hat noch keinen Plan für ihr Leben, liebt aber Amrum und will auf jeden Fall hierbleiben. „... spürst Du nicht auch die Freiheit? Ein Blick übers Meer und Du kommst zur Ruhe.“ (S. 68) Sie träumt von einer Ehe aus Liebe. Als ihre Mutter ihr vorschlägt, einen 50jährigen Jagdfreund ihres Vaters zu heiraten, verschwindet sie. Hat sie sich etwas angetan?
Emily träumt vom eigenen Fotoatelier in Hamburg oder Berlin, ordnet sich aber dem Willen ihrer Mutter und ihres Stiefvaters unter – schließlich geht nichts über die Familie. Nicht einmal das eigene Glück? „Einer muss doch dafür sorgen, dass alles weiterläuft.“ (S. 253)
Christian, der Halbbruder der Schwestern, ist erst 13, sehr verzogen und wird permanent bevorzugt. Er war mir extrem unsympathisch, weil er eine widernatürliche Freude daran hatte, hilflose Tiere und schwächere bzw. kleinere Kinder zu quälen. Ihm hätte ich mehrfach gern „den Hosenboden stramm gezogen“.
Luises Mutter ordnet sich ihrem Mann komplett unter – was er sagt ist Gesetz und wird nicht hinterfragt. Auch das Wohl ihrer Töchter scheint ihr leider nicht wirklich am Herzen zu liegen. Hauptsache, der schöne Schein wird gewahrt. Ich konnte ihre Beweggründe nicht immer verstehen, aber sie war als Figur trotzdem in sich stimmig.
Rudolf, der Stiefvater, tut nach außen so, als würde ihm die Familie über alles gehen, dabei will er nur nicht seinen Lebensstil aufrechterhalten. Er war mittellos und ist erst durch die Hochzeit zu Geld gekommen ...

Das Setting ist in sich stimmig. Die Autorin beschreibt die gegensätzlichen Lebensweisen auf der rauen Insel und der vom Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Großstadt, von arm und reich sehr bildlich. Sie geht auch auf die Zustände in den Hospitälern und Waisenhäusern ein, die zum Teil erschreckenden Behandlungs- und Forschungsmethoden, das Elend in den Gängevierteln und die sich verbreitenden Heroinsucht so kurz nach dem 1. WK.

„Das Seehospital“ hat mir sehr gut gefallen. Helga Glaesener beweist wieder einmal, dass sie eine ganz große Könnerin ihres Fachs ist. Ihr Buch hebt sich positiv von der Masse der „Insel-Arzt-Romane“ ab. Sie verwendet keine stereotypen Charaktere, die Personen und deren Handelungen passen genau in die damalige Zeit. Sie erspart ihren Lesern vorhersehbare Liebesgeschichten und unnötige Happy Ends. Es muss nicht alles gut ausgehen, das tut es im wirklichen Leben doch auch nicht.

Kiki0412

Beiträge 15
18.02.2019

Das Buch in der Hand und das Cover angeschaut fühlt man sich gleich an einem ruhigen Ort versetzt. Wenn man das Buch gelesen hat, weiß man das dass Cover mit der Geschichte zu tuen hat. Für mich strahlt es eine ruhige Harmonie aus.
Die Geschichte handelt um Drei Schwestern, die sich wieder näher kommen als der Großpapa stirbt. Frieda die älteste hat vor ein paar Jahren sie heimat in Amrum verlassen um ihr Medizin studium zu Starten. Kaum zurück in der Heimat beginnt das böse Erwachen um das Erbe, aber nicht nur das bringt die Eltern auf die Palme, auch das ihre Kinder das Hospital für kranke Kinder erhalten wollen, verbirgt Probleme.
Die Autorin schreibt das Buch in einen unglaublich tollen Schreibstil. Ich bin von Zeile zu Zeilr gesprungen, weil es sich so gut Lesen lässt. Es ist wirklich toll. Die Alte redensart/ schreibweise wird im Text mit verarbeitet. Man liesst als wäre man in der Zeit von früher und bekommt dadurch nochmal ein anderes Feeling.
Die Geschichte ist sehr berührend, besonders bekommt man einen Eindruck wie die Situationen früher waren. Frieda - eine sehr starke Protagonistin gibt nicht auf und versucht alles in ihrer Macht stehende für sich und dem kleinen Hospital. Auch die anderen Protagonisten sind mit sehr viel Liebe erschaffen, aber am meisten kann ich mich mit Frieda identifizieren, da ich selbst aus dem Medizinischen komme.
Es ist ein gutes Buch um mal auf andere Gedanken zu kommen, oder einfach sich aus der Leseflaute zu holen. Wirklich ganz toll - Ein Herzensbuch was ich jeden empfehlen kann, egal ob Alt oder Jung.

nicole_pichler

Beiträge 20
07.04.2019

„Das Seehospital“ von Helga Glaesener ist ein Roman der um 1920 auf Amrum und in Hamburg spielt. Die Hauptprotagonistin ist Frida. Sie studiert Medizin in Hamburg aber ihre Familie lebt auf Amrum.
Als ihr Großvater überraschend stirbt kehrt sie zurück auf die Insel. Dort hat ihr Großvater ein Haus gekauft, das er für kranke Kinder als Seehospital eingerichtet hat. Leider will Fridas Mutter alles verkaufen. Das gefällt Frida gar nicht und sie bleibt vorübergehend auf der Insel um das zu verhindern. Leider führt ihre Entscheidung dazu, dass ihr Leben dadurch vollkommen auf den Kopf gestellt wird und zwar nicht unbedingt in positiver Sicht.

Dieser Roman ist sehr flüssig und fesselnd geschrieben. Mir hat der Schreibstil der Autorin sehr gut gefallen. Allerdings kann einem die Thematik mit den kranken Kindern und dem Familienzwist und noch einigen anderen unschönen Dingen, die in der Geschichte passieren aufs Gemüt schlagen. Der Roman bringt einem oft in eine düstere und nachdenkliche Stimmung.
Trotzdem konnte ich mit Frieda sehr schön mitfiebern und hatte das Gefühl mitten dabei zu sein im Geschehen. Die Autorin hat es geschafft, dass ich mir alles bildlich vorstellen konnte.
Obwohl die Geschichte alles andere als amüsant war, konnte ich den Roman nicht mehr aus der Hand legen. Der Roman hat mich von Anfang bis Ende gefesselt und es war schön Frida mit ihrem doch sehr starkem Charakter kennenzulernen.

In dieser Familie geht es im Laufe des Romans drunter und drüber und es passieren einige unschöne Dinge. Nicht immer konnte ich die Entscheidungen der Familie nachvollziehen, aber da es ein Roman ist muss ja nicht alles wie im wirklichen Leben ablaufen. Ein paar Dinge fand ich ein wenig ungereimt. Besonders das Ende hätte für mich noch ein wenig ausführlicher sein können.

Mir hat der Roman aber trotzdem gut gefallen und ich vergebe dafür 4 Sterne.

Apple

Beiträge 22
08.05.2020

    „Das Seehospital“ hat mich v.a. wegen des Covers angesprochen. Die Geschichte selbst erzählt von Frieda, die nach einem Zerwürfnis mit ihrem Großvater, der sie bei der Ausbildung zur Krankenschwester, nicht aber beim Medizinstudium unterstützt hat, zu dessen Beerdigung auf die Insel Amrun zurückkommt. Die Situation für ihre Mutter und ihre Schwestern ist schwierig, denn das Testament des Großvaters ist erst nicht auffindbar und die Spannung, ob Mutter und Kinder versorgt sind, liegt greifbar in der Luft. Frida will trotz der finanziell unsicheren Lage das Seehospital für Kinder, das ihr Großvater gegründet hat, erhalten, obwohl ihre Mutter dagegen ist. Doch Frida weiß: Würden die Kinder in ein Waisenhaus gebracht, wären viele von ihnen verloren. Ihr Kampf zur Rettung des Seehospitals beginnt. Das Buch ist nicht nur eine wunderbare Familiengeschichte, nein, es handelt auch von einer starken Frau, die sich um 1920 so gut es geht emanzipiert. Der Stil der Autorin ist dabei so malerisch wie das wunderschöne Cover.

    Xanaka

    Beiträge 6
    20.04.2020

      Familiengeschichte mit ordentlich Konfliktpotential

      Der Tod ihres Großvaters zwingt Frida 1920 zur Rückkehr nach Amrum. Das Verhältnis zu ihrem Großvater war nach dem Tod ihres Vaters gut. Er unterstützte sie finanziell bei ihrem Ausbildung zur Krankenschwester in Hamburg. Als sie jedoch den Wunsch äußerte auch noch Medizin studieren zu wollen, was das des Guten zu viel. Die finanziellen Zuwendungen wurden eingestellt.

      Die Suche nach einem Testament erweist sich als schwierig. Zu groß ist die Angst ihrer Mutter, der Geschwister und vor allem des Stiefvaters ohne finanzielle Mittel dazustehen, ist zu groß. Aufgrund der Ungewissheit will Fridas Mutter die Kinder des Seehospitals, das ihr Großvater einst gegründet hatte, wieder nach Hamburg ins dortige Waisenhaus zurückschicken. Frida, die sich dort umgesehen hatte, weiß das wäre der sichere Tod der Kinder.

      Sie setzt gemeinsam mit ihren Geschwistern alles daran, das Seehospital für die Kinder zu erhalten. Die Schwierigkeiten, die dabei entstehen sind außerordentlich. Der Widerstand ihrer Mutter ist enorm. Auch der Stiefvater, der nach dem spontanen Fund des Testaments als Vollstrecker eingesetzt wurde, will die alte Villa um jeden Preis verkaufen. Die Schwestern sind sich auf jeden Fall einig, dass das alte Seehospital so wie es ist, erhalten bleiben soll. Ob ihnen das gelingt, lest selbst!

      Für Liebhaber von Familiengeschichten ist dieses Buch genau das Richtige. Gespickt mit ordentlich Konfliktpotential läuft hier anfänglich so einiges schief. Zwar gibt es hier nicht das riesige Familiengeheimnis das aufgedeckt werden will, sondern eher viel Ungerechtigkeit und Dramatik. Aber auch das ist lesenswert, denn schließlich hofft und will man ja, dass letztlich alles gut ausgeht.

      Ich fand dieses Buch wunderbar und empfehle es sehr gerne weiter.

      Ju Dosi

      Beiträge 6
      13.04.2020

        Schon das Cover gefällt mir sehr gut und es lädt mich zum Zugreifen ein.

        Der Klappentext verspricht einen spannenden, historischen Roman über die Familie Kirschbaum im Jahr 1920. Die Geschwister Frida, Louise, Emily und Christian sind die Hauptfiguren und das Seehospital, für das sich vor allem Frida engagiert, verbindet die Geschwister.

        Die drei Schwestern sind sehr verschieden. Frida studiert, was für diese Zeit ungewöhnlich ist, Medizin und ist ehrgeizig und zielstrebig.

        Louise will ihr Schicksal, einen älteren Mann zu heiraten nicht hinnehmen und flieht nach Amrum.

        Die jüngste der drei, Emily, möchte gern Fotografin werden. Doch nach dem Verschwinden von Lou soll sie den reichen, von Lou verschmähten Mann heiraten, um die Geldsorgen der Familie zu lindern.

        Christian ist verwöhnt und ohne richtiges Ziel.

        Die Eltern der vier Kirschbaum-Kinder sind mir nicht gerade symphatisch. Es geht ihnen nicht um ihre Kindern, sondern nur um ihr eigenes Wohl und ein Leben im Wohlstand. Dafür nehmen sie auch in Kauf, ihre Kinder unglücklich zu machen.

        Alles in allem ist Das Seehospital ein interessantes, unterhaltsames Buch über eine Familiengeschichte, die alles beinhaltet, was ein spannender Roman haben sollte.

        weberin

        Beiträge 22
        20.03.2020

          Der Roman „Das Seehospital“ von Helga Glaesener entführt den Leser in das Amrum der 1920er Jahre. Frida und ihre zwei Schwestern sind die Hauptfiguren des Romans, dabei ist Frida diejenige, die gerne Medizin studieren möchte. Zu ihrer Zeit ein wagemutiges Unterfangen und auch ihr Großvater hält dieses Vorhaben für bloße Flausen.

          Als Frida zur Beerdigung ihres Großvaters nach Amrum zurückkehrt, ist das kleine Hospital der Insel für lungenkranke Kinder finanziell am Ende. Frida will aber alles tun, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Leider kann sie bei diesem Unterfangen nicht auf die Unterstützung ihrer Familie zählen. Ihre Mutter ist zunehmend kaltherzig und einzig und allein darum besorgt, wie es für die eigene Familie finanziell weitergehen soll.

          Ihre Schwester Lou, die wegen ebenjener Geldsorgen mit einem reichen Mann verheiratet werden soll, verschwindet plötzlich spurlos und man erfährt, dass sie nach Hamburg geflohen ist, um der Hochzeit zu entgehen. Über viele Umwege, auf denen sie sich sozial engagiert, findet sie ihr Glück genau dort, wo man es nicht vermuten würde.

          Emily, die jüngste der Schwestern, wollte eigentlich immer etwas mit Fotografie machen. Nach dem Verschwinden von Lou sieht sie sich aber verantwortlich der Familie zu helfen und heiratet den Mann, dem eigentlich Lou versprochen war.

          Insgesamt war der Roman wirklich sehr lesenswert, v.a. weil mich die Epoche der „Goldenen 20ger“ sehr interessiert und diese von der Autorin auch gut portraitiert wurde. Die Familiengeschichte an sich war auch sehr spannend zu lesen.

          eiger59

          Beiträge 7
          15.06.2019

            Eine Familiengeschichte aus den 20er Jahren

            „Das Seehospital“ von Helga Glaesener, erschienen im Rowohlt Taschenbuchverlag, ist die ungewöhnliche und faszinierende Geschichte der Familie Kirschbaum.

            Für mich war es das erste Buch der Autorin; ich bedanke mich bei der Buchboutique, die mir das Buch zur Verfügung gestellt hat.

            Angesiedelt ist die Handlung auf der Insel Amrum und in Hamburg um 1920. Das Buch erzählt vom den drei Kirschbaum-Schwestern Frida, Louise genannt Lou, Emily und dem Bruder Christian. Das Schicksal des titelgebende Seehospitals, für das sich vor allem die angehende Medizinerin Frida engagiert, verbindet die Geschwister und ihre Lebenswege als roter Faden, steht aber nicht im Mittelpunkt des Romans.
            Der flüssige Schreibstil der Autorin fesselt sofort. Sie ist eine große Erzählerin, die die schwierige Zeit nach dem 1. Weltkrieg sehr gut und genau beschreibt. Anhand von ganz unterschiedlichen Personen und Nebenhandlungen vermittelt sie interessante Einblicke in das Leben jener Zeit.

            Es ist wunderbar zu lesen, wie es Helga Glaesener gelingt mit wenigen Sätzen Situationen und Personen treffsicher zu beschreiben. Man fühlt mit ihren Protagonistinnen deren Träume, Ziele und Ängste. Als Leser kann man sich, dank der anschaulichen Schilderungen, das schwere Leben in Hamburg und auf Amrum sowie den Sorgen der Menschen vorstellen. Der Roman fesselt von Beginn an und liest sich leicht.

            Die drei Schwestern sind recht unterschiedlich. Frida ist sehr zielstrebig. Ungewöhnlich für eine Frau in jener Zeit studiert sie Medizin.

            Louise, die mit einem reichen unsympathischen älteren Mann verheiratet werden soll, flieht von der Insel nach Hamburg. Hier erleben wir sie auf Arbeits- und Wohnungssuche und lernen die unteren Schichten der Stadt kennen. Es gelingt ihr in einer Assekuranz zu arbeiten. Sie engagagiert sich sozial für die Ärmsten und lernt bei einem Besuch im Fuhlsbütteler Gefängnis die Liebe ihres Lebens kennen. Ihr weiteres Schicksal wird vom Varieté Kladderadatsch, welches ihrem zukünftigen Mann gehört, bestimmt.

            Emily, die jüngste Schwester, träumt davon als Fotografin zu arbeiten. Doch sie wird an Stelle von Lou nun zur Heirat bestimmt, um die Geldsorgen der Familie zu lösen. Ihr Lebensweg endet tragisch.
            Der kleine Bruder Christian, der verzogen, grausam und unstet ist, erlebt die Leiden seiner Schwester direkt und versucht auf seine Weise zu helfen, was zu einem weiteren tragischen Todesfall führt.

            Die Mutter der Familie ist in keiner Weise eine Sympathieträgerin. Das Wohl ihrer Töchter ist ihr nicht wichtig, sondern der schöne Schein einer intakten Familie. Dazu gehört auch der mittellose Stiefvater Rudolf, für den sie alles tut. Dieser gibt vor im Interesse der Familie zu handeln, doch er möchte tatsächlich nur seinen gehobenen Lebensstandard erhalten. Deshalb sind beide bereit im Interesse einer guten Partie ihre Töchter zu verheiraten.
            Doch der Leser lernt auch Menschen kennen, die Hoffnung verbreiten. Der Dorfschullehrer Matz, dem es die Reformpädagogik angetan hat, ist ein Mensch, der seinen Beruf und die Kinder liebt. Doch er ist ein Idealist, der an der Realität scheitert.

            Auch der englische Arzt Dr. James Tyler ist eine sehr interessante und vielschichtige Persönlichkeit. Er hat aus seinen Erlebnissen im 1. Weltkrieg und einem Einsatz in den Kolonien Afrikas persönliche Konsequenzen gezogen, die ihn in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Das ist nur ein Beispiel, wie es die Autorin versteht, reale Ereignisse mit historischem Wissen und einer spannenden Geschichte zu kombinieren, ohne den Leser zu belehren. Es ist Unterhaltung auf hohem Niveau.

            Das Seehospital" erzählt die fesselnde Geschichte einer Familie in den 1920er Jahren und ist der Autorin aus meiner Sicht sehr gut gelungen. Deshalb vergebe ich eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne.

            Bücherratte36

            Beiträge 15
            06.04.2019

              Inhaltsangabe:
              Amrum 1920: Frieda Kirschbaum hat ihre alte Heimat Amrum verlassen, um in Hamburg Medizin zu studieren. Allerdings ist ihr Großvater wenig davon begeistert und kurzerhand dreht er seiner Enkelin den Geldhahn zu, obwohl er eine gute Ärztin für sein Seehospital gut gebrauchen könnte. Als Friedas Großvater stirbt, kehrt sie für die Beerdigung auf die Insel zurück. Kurz darauf erfährt sie, dass es um das Seehospital schlecht bestellt ist und die Kinder wieder zurück nach Hamburg müssen. Auch Friedas Eltern wollen oder können dem Hospital nicht helfen, denn sie wollen aus diesem lieber ein luxuriöses Kurhotel machen. Wird es Frieda schaffen, dass Seehospital zu retten?

              Das Seehospital ist das neuste Werk von der Autorin Helga Glaesener, die bereits div. historische Romane schrieb. Ich muss allerdings zugeben, dass ich noch nie eines ihrer Bücher gelesen habe und somit war dies ein Debüt. Dank eines Bücherforums und des vielversprechenden Klapptextes bin ich neugierig geworden und so musste ich diesen Roman einfach lesen. Mir wurde eine spannende Geschichte mit einem Familiengeheimnis versprochen und diese bekam ich auch – auch wenn meine Erwartung eine andere war.

              Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und angenehm und so konnte ich ab der ersten Seite in die Geschichte um die Familie Kirschbaum ein und abtauchen. Während des Lesens merkte ich, mit wieviel Liebe zum Detail, die Autorin die Amrumer und Hamburger Kulisse ein- und wiedergespiegelt hat. Wenn man ganz Fantasie besitzt, spürt man den ruppigen Küstenwind in den Haaren, den leichten Salzgeruch in der Nase und hört die Möwen kreischen. Es ist fast so als ob man einen Strandspaziergang machen würde. Hinzu kommt noch die perfekte Idylle des Hamburger Lebens um 1920. Der erste Weltkrieg ist vorbei und die Menschen sehnen sich nach Frieden und nach einem geregelten Leben, aber das ist leichter gesagt als getan. Überall herrscht Armut und Hunger, aber nicht nur dies ist es was den Menschen das Leben in dieser Zeit schwer macht. Krankheit und fehlende Medikamente lässt den einen oder anderen verzweifeln. Und genau diese Stimmung wurde von der Autorin so brillant beschrieben und lässt den Leser hautnah daran teilhaben. Beeindruckend und emotional!

              Die Charaktere wurden sehr gut ausgearbeitet und facettenreich dargestellt. Hier spielt es keine Rolle ob es sich um die Hauptpersonen oder Nebenrollen handelte, denn jede Figur fand seinen Platz und bereicherte die Geschichte auf seine eigene Art und Weise. Frieda war für mich schon eine sehr starke Frau. In dieser Zeit sich für ein Medizinstudium zu entscheiden und das auch noch durchzuziehen. Hut ab. Ich fand ihre Entscheidungen und Gedankengängen sehr gut durchdacht und konnte mich auch gut in sie hineinversetzen. Bei ihren zwei Schwestern fiel mir das ein wenig schwerer. Gerade bei Lou habe ich das eine oder andere Mal den Kopf geschüttelt. Zu Friedas Bruder Christian habe ich eine klare Meinung, denn ihn mochte ich überhaupt nicht. Dies lag vor allen Dingen an seinen gewalttätigen und rücksichtslosen Handlungen. Aber jedes Buch braucht mindestens einen ungeliebten Charakter, ohne ihn würde es sehr langweilig werden. Welche Nebenrolle mich auch noch stark beeindruckt hat, war Friedas Bekannte Jenny. Wo sie nur konnte half sie denjenigen, denen das Leben etwas übler mitspielte als bei anderen und hatte zudem ein offenes Ohr für all die Sorgen und Probleme. Auch in der heutigen Zeit bereichern solche Menschen unser Leben.

              Die Handlung lebt von den zahlreichen Perspektivenwechseln und das ermöglichst dem Leser, nicht nur die einzelnen Personen besser kennenzulernen, sondern auch einen noch besseren Einblick in ihre Gedankengänge und Handlungsweisen zuhalten. Genau das liebe ich.
              Was mich ein wenig enttäuscht hat, war, dass das Seehospital zwar am Anfang eine große Rolle einnahm, aber im weiteren Verlauf wurde es kaum oder gar nicht mehr erwähnt. Schade, denn gerade bei dem Titel des Buches“ Das Seehospital“ dachte ich gleich an eine Geschichte um dieses Klinikgebäude und seinem Personal. Ich muss gestehen, dass mein Lesegenuss dadurch nur minimal geschmälert wurde. Was mir hingegen sehr gut gefiel, dass der Spannungsbogen in der zweiten Hälfte des Buches enorm zulegte und ich ab diesem Zeitpunkt diesen Roman nicht mehr aus den Händen legen wollte bzw. konnte. Ich musste wissen, wie es mit Frieda und Lou weitergehen wird. Beim Ende bin ich mir noch nicht ganz schlüssig. Irgendwie entstand der Eindruck, dass man zu Ende kommen musste. Dies war auch nur ein kleiner Minuspunkt, denn im Großen und Ganzen wirkte er stimmig.


              Auch wenn der Titel des Buches ein wenig irritierend ist, fand ich diesen Roman sehr spannend und emotional. Für mich war es eine historische Geschichte, die über eine Familie mit einem Familiengeheimnis berichtet, die mir sehr schöne Lesestunden bescherte.

              Dandy

              Beiträge 54
              09.03.2019

                Bei „ Das Seehospital“ von Helga Glaesener handelt es sich um einen Roman.

                Drei Schwestern, drei Schicksale – ein Ort der Menschlichkeit
                Amrum, 1920:

                Da der alte Kapitän Kirschbaum zuletzt kein gutes Wort für Frida übrig hatte, kehrte sie nur widerwillig zur Beerdigung ihres Großvaters, auf die nordfriesische Heimatinsel, zurück.

                Ihr Großvater hielt ihren Traum in Hamburg Medizin zu studieren für Weiberflausen und drehte ihr kurzerhand den Geldhahn zu. Dabei hätte Frida ihm bei seinem für lungenkranke Kinder gestifteten Hospital helfen können. Wegen Geldmangels droht dem Hospital jetzt nach Großvaters Tod die Schließung. Aber was wird dann aus den kleinen Patienten?

                Fridas Mutter möchte aus der Strandvilla lieber ein exklusives Kurhotel machen und auch von ihren beiden Schwestern kann Frida keine Hilfe erwarten. Frida nimmt den Kampf auf und ahnt nicht, wie hoch der Preis für sie und ihre Familie sein wird.



                Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen, Auch wenn ich unter dem Titel eine etwas andere Geschichte erwartet habe.

                Hier wird am Anfang die Sorgen um das Bestehen des Seehospitals beschrieben,dann driftet die Geschichte vom Titel ab und über Seiten wird über Lous neues Leben in Hamburg erzählt. Das Hospital spielt eher eine Nebenrolle. Erst gegen Ende der Geschichte findet das Geschehen wieder auf Amrum statt.

                Bei Seehospital handelt es sich nicht um einen Arzt- Krankenhausroman. Vielmehr um eine wirklich sehr spannende und interessante Familiengeschichte, die sich immer mehr zuspitzt mit einem sehr überraschenden und spannenden Ende. Diesen Verlauf der Geschichte habe ich überhaupt nicht erwartet- hat mich aber positiv überrascht.

                Der Aufbau der Geschichte hat mir sehr gefallen. Die Autorin beschreibt die Charaktere sehr gut und ausführlich.

                Über jedem Kapitel steht der Name, des Hauptprotagonisten, sodass man als Leser immer gleich weiß mit welchem Erzählstrang es weiter geht und man kann sich darauf einlassen.

                Sehr interessant fand ich wie die drei Schwestern und ihr Halbbruder ihre Wege gehen. Dabei erlebt jede der Frauen eine andere Geschichte.

                Sehr gut wird das Flair der damaligen Zeit beschrieben. Die Gedanken, die medizinische Fortschritte und die Angst vor Armut.

                Ich empfehle dieses Buch weiter.

                Zum Glück kein typischer „Insel-Arzt-Roman"

                Beiträge 113
                19.02.2019

                  Frida studiert 1920 gegen den Willen ihrer Familie in Hamburg Medizin. Ihr Großvater, das Familienoberhaupt, hat ihr deswegen sogar den Geldhahn zugedreht. Als er stirbt fährt Frida zur Beerdigung nach Hause nach Amrum – obwohl sie die Enge, Einschränkungen und Konventionen auf der Insel hasst. Eigentlich will sie schnell zurück nach Hamburg, aber dann erklären ihre Mutter und ihr Stiefvater, dass das Erbe ihres Großvater viel kleiner ausfällt als erwartet – sie müssten das Inselhospital schließen, welches ihr Großvater für lungenkranke Waisenkinder errichtet hat. Das wollen Frida und ihre Schwestern Louise und Emily vermeiden, denn in Hamburg herrschen schlimme Zustände, die Kinder kamen halb verhungert aus dem Waisenhaus bei ihnen an. Da das Personal bereits entlassen wurde, kümmern sich die drei jungen Frauen um die Kinder, bis ihnen hoffentlich eine bessere Lösung einfällt. Frida pausiert sogar mit ihrem Studium.

                  Frida, Louise und Emily sind sehr verschieden. Frida wirkt oft kühl und diszipliniert, aber sie brennt für die Medizin und will unbedingt Ärztin werden. Alles Neue, wie z.B. die Röntgenuntersuchungen, fasziniert sie. Sie will den Menschen helfen und scheut sich nicht, auch andere um Hilfe zu bitten.
                  Die kecke Louise hat noch keinen Plan für ihr Leben, liebt aber Amrum und will auf jeden Fall hierbleiben. „... spürst Du nicht auch die Freiheit? Ein Blick übers Meer und Du kommst zur Ruhe.“ (S. 68) Sie träumt von einer Ehe aus Liebe. Als ihre Mutter ihr vorschlägt, einen 50jährigen Jagdfreund ihres Vaters zu heiraten, verschwindet sie. Hat sie sich etwas angetan?
                  Emily träumt vom eigenen Fotoatelier in Hamburg oder Berlin, ordnet sich aber dem Willen ihrer Mutter und ihres Stiefvaters unter – schließlich geht nichts über die Familie. Nicht einmal das eigene Glück? „Einer muss doch dafür sorgen, dass alles weiterläuft.“ (S. 253)
                  Christian, der Halbbruder der Schwestern, ist erst 13, sehr verzogen und wird permanent bevorzugt. Er war mir extrem unsympathisch, weil er eine widernatürliche Freude daran hatte, hilflose Tiere und schwächere bzw. kleinere Kinder zu quälen. Ihm hätte ich mehrfach gern „den Hosenboden stramm gezogen“.
                  Luises Mutter ordnet sich ihrem Mann komplett unter – was er sagt ist Gesetz und wird nicht hinterfragt. Auch das Wohl ihrer Töchter scheint ihr leider nicht wirklich am Herzen zu liegen. Hauptsache, der schöne Schein wird gewahrt. Ich konnte ihre Beweggründe nicht immer verstehen, aber sie war als Figur trotzdem in sich stimmig.
                  Rudolf, der Stiefvater, tut nach außen so, als würde ihm die Familie über alles gehen, dabei will er nur nicht seinen Lebensstil aufrechterhalten. Er war mittellos und ist erst durch die Hochzeit zu Geld gekommen ...

                  Das Setting ist in sich stimmig. Die Autorin beschreibt die gegensätzlichen Lebensweisen auf der rauen Insel und der vom Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Großstadt, von arm und reich sehr bildlich. Sie geht auch auf die Zustände in den Hospitälern und Waisenhäusern ein, die zum Teil erschreckenden Behandlungs- und Forschungsmethoden, das Elend in den Gängevierteln und die sich verbreitenden Heroinsucht so kurz nach dem 1. WK.

                  „Das Seehospital“ hat mir sehr gut gefallen. Helga Glaesener beweist wieder einmal, dass sie eine ganz große Könnerin ihres Fachs ist. Ihr Buch hebt sich positiv von der Masse der „Insel-Arzt-Romane“ ab. Sie verwendet keine stereotypen Charaktere, die Personen und deren Handlungen passen genau in die damalige Zeit. Sie erspart ihren Lesern vorhersehbare Liebesgeschichten und unnötige Happy Ends. Es muss nicht alles gut ausgehen, das tut es im wirklichen Leben doch auch nicht.