Helga Glaesener

Das Seehospital

Drei Schwestern, drei Schicksale – ein Ort der Menschlichkeit
Amrum, 1920: Nur widerwillig kehrt Frida zur Beerdigung des Großvaters zurück auf ihre nordfriesische Heimatinsel. Der alte Kapitän Kirschbaum gehörte zu Amrum wie die Wellen zum Strand. Aber für Frida hatte er zuletzt kein gutes Wort übrig. Ihren Traum, in Hamburg Medizin zu studieren, hielt er für Weiberflausen und drehte ihr den Geldhahn kurzerhand zu. Dabei hätte der Insel-Patriarch eine vertrauenswürdige Ärztin in dem kleinen Hospital, das er für lungenkranke Kinder gestiftet hat, gut gebrauchen können. Nach seinem Tod droht der Einrichtung nun wegen Geldmangels das Ende. Aber was wird dann aus den kleinen Patienten? Fridas Mutter will aus der imposanten Strandvilla lieber ein exklusives Kurhotel machen. Auch von ihren beiden Schwestern kann Frida keine Hilfe erwarten. Dennoch nimmt sie den Kampf auf – und ahnt nicht, wie hoch der Preis für sie und ihre Familie sein wird ...


Autorenbild Foto von Helga Glaesener

Der  Autor

 Helga Glaesener wurde in Niedersachsen geboren und studierte in Hannover Mathematik. 1990 begann die Mutter von fünf Kindern mit dem Schreiben historischer Romane, von denen gleich das Debüt, «Die Safranhändlerin», zum Bestseller avancierte. Seitdem hat sie zahlreiche weitere erfolgreiche Romane geschrieben, darunter auch diverse Krimis sowie zuletzt «Das Erbe der Päpstin». Heute lebt Helga Glaesener in Oldenburg.


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Rezensionen

hasi_rasi

Beiträge 121
14.02.2019

Zum Glück kein typischer „Insel-Arzt-Roman"

Frida studiert 1920 gegen den Willen ihrer Familie in Hamburg Medizin. Ihr Großvater, das Familienoberhaupt, hat ihr deswegen sogar den Geldhahn zugedreht. Als er stirbt fährt Frida zur Beerdigung nach Hause nach Amrum – obwohl sie die Enge, Einschränkungen und Konventionen auf der Insel hasst. Eigentlich will sie schnell zurück nach Hamburg, aber dann erklären ihre Mutter und ihr Stiefvater, dass das Erbe ihres Großvater viel kleiner ausfällt als erwartet – sie müssten das Inselhospital schließen, welches ihr Großvater für lungenkranke Waisenkinder errichtet hat. Das wollen Frida und ihre Schwestern Louise und Emily vermeiden, denn in Hamburg herrschen schlimme Zustände, die Kinder kamen halb verhungert aus dem Waisenhaus bei ihnen an. Da das Personal bereits entlassen wurde, kümmern sich die drei jungen Frauen um die Kinder, bis ihnen hoffentlich eine bessere Lösung einfällt. Frida pausiert sogar mit ihrem Studium.

Frida, Louise und Emily sind sehr verschieden. Frida wirkt oft kühl und diszipliniert, aber sie brennt für die Medizin und will unbedingt Ärztin werden. Alles Neue, wie z.B. die Röntgenuntersuchungen, fasziniert sie. Sie will den Menschen helfen und scheut sich nicht, auch andere um Hilfe zu bitten.
Die kecke Louise hat noch keinen Plan für ihr Leben, liebt aber Amrum und will auf jeden Fall hierbleiben. „... spürst Du nicht auch die Freiheit? Ein Blick übers Meer und Du kommst zur Ruhe.“ (S. 68) Sie träumt von einer Ehe aus Liebe. Als ihre Mutter ihr vorschlägt, einen 50jährigen Jagdfreund ihres Vaters zu heiraten, verschwindet sie. Hat sie sich etwas angetan?
Emily träumt vom eigenen Fotoatelier in Hamburg oder Berlin, ordnet sich aber dem Willen ihrer Mutter und ihres Stiefvaters unter – schließlich geht nichts über die Familie. Nicht einmal das eigene Glück? „Einer muss doch dafür sorgen, dass alles weiterläuft.“ (S. 253)
Christian, der Halbbruder der Schwestern, ist erst 13, sehr verzogen und wird permanent bevorzugt. Er war mir extrem unsympathisch, weil er eine widernatürliche Freude daran hatte, hilflose Tiere und schwächere bzw. kleinere Kinder zu quälen. Ihm hätte ich mehrfach gern „den Hosenboden stramm gezogen“.
Luises Mutter ordnet sich ihrem Mann komplett unter – was er sagt ist Gesetz und wird nicht hinterfragt. Auch das Wohl ihrer Töchter scheint ihr leider nicht wirklich am Herzen zu liegen. Hauptsache, der schöne Schein wird gewahrt. Ich konnte ihre Beweggründe nicht immer verstehen, aber sie war als Figur trotzdem in sich stimmig.
Rudolf, der Stiefvater, tut nach außen so, als würde ihm die Familie über alles gehen, dabei will er nur nicht seinen Lebensstil aufrechterhalten. Er war mittellos und ist erst durch die Hochzeit zu Geld gekommen ...

Das Setting ist in sich stimmig. Die Autorin beschreibt die gegensätzlichen Lebensweisen auf der rauen Insel und der vom Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Großstadt, von arm und reich sehr bildlich. Sie geht auch auf die Zustände in den Hospitälern und Waisenhäusern ein, die zum Teil erschreckenden Behandlungs- und Forschungsmethoden, das Elend in den Gängevierteln und die sich verbreitenden Heroinsucht so kurz nach dem 1. WK.

„Das Seehospital“ hat mir sehr gut gefallen. Helga Glaesener beweist wieder einmal, dass sie eine ganz große Könnerin ihres Fachs ist. Ihr Buch hebt sich positiv von der Masse der „Insel-Arzt-Romane“ ab. Sie verwendet keine stereotypen Charaktere, die Personen und deren Handelungen passen genau in die damalige Zeit. Sie erspart ihren Lesern vorhersehbare Liebesgeschichten und unnötige Happy Ends. Es muss nicht alles gut ausgehen, das tut es im wirklichen Leben doch auch nicht.

tigerbea

Beiträge 106
26.02.2019

Frida Kirschbaum gehört im Jahr 1920 zu den wenigen Frauen, die in Hamburg Medizin studieren. Als ihr Großvater stirbt, muß sie ihr Studium unterbrechen um zur Beerdigung nach Amrum zu fahren. Der alte Mann hat auf der Nordseeinsel ein kleines Hospital für lungenkranke Waisenkinder gegründet. Jetzt soll das Haus geschlossen werden, denn Fridas Mutter will ein Hotel daraus machen. Verzweifelt kämpft die junge Frau für den Erhalt des Hospitals, denn für die Kinder würde eine Rücksendung in ein Hamburger Waisenhaus den sicheren Tod bedeuten. Fridas Schwestern sind ihr keine Hilfe, aber der englische Arzt James Tylor steht ihr immer zur Seite, wenn sie Hilfe braucht - und Hilfe braucht sie jetzt dringend!


Ich habe schon lange nicht mehr so ein ehrliches Buch gelesen. Hier wird nichts geschönt und "die gute alte Zeit" verklärt. Alles kommt ans Tageslicht. Die Menschen verhungern und die Kirche sieht weg. Da spricht der Pfarrer beim Anblick der verhungernden Waisenkinder von der Gnade Gottes. Der Arzt sieht in den Menschen nur noch "Forschungsmaterial" für die Wissenschaft. Am schlimmsten aber ist die Mutter, die ihre Töchter an reiche alte Männer verkuppelt, damit sie ihr Luxusleben weiterführen kann. All diese Personen - und auch die anderen Charaktere - sind so klar dargestellt, daß man beim Lesen nicht nur dabei ist, sondern mitten unter ihnen lebt. Und das geht wirklich unter die Haut und seelisch sehr nah. Man möchte die Bedauernswerten in den Arm nehmen und haßt die Üblen. Genau so möchte ich es haben, wenn ich ein Buch lese. Optimal ist es, wenn ich am Schluß noch eine Weile innehalte, um über das Geschehen nachzudenken und dies zu verarbeiten.

All diese Ansprüche an ein richtig gutes Buch sind hier erfüllt. Helga Glaesener hat mich mit ihrem Werk begeistert!

Rebecca1

Beiträge 10
23.02.2019

Nur Widerwillig kehrt Frida Kirschbaum wegen der Beerdigung ihres Großvaters nach Amrum zurück. Denn eigentlich studiert sie in Hamburg Medizin und nimmt wegen der fehlenden familiären Unterstützung starke Strapazen auf sich um ihr Studium zu finanzieren. Frida ist nicht nur strebsam, sondern auch verantwortungsbewusst, so dass ihre Rückkehr nach Hamburg in weiter unklarer Zukunft liegt….
Ich habe mich mit diesem historischen Roman wunderbar kurzweilig unterhalten gefühlt. Die Autorin hat die damalige, von den Nachwehen des ersten Weltkrieges gezeichnete und durch Standesdünkel verklärte Sichtweise des untergehenden Adels wunderbar deutlich gemacht. So ist bei mir Fridas Mutter, mich ihrem Schein-Getue unwahrscheinlich auf Widerwillen gestoßen. Gleiches gilt für den nichts tuenden Ehemann Rudolph. Der außer seinem adligen Namen nichts zum Familienunterhalt beitrug und immer nur seine Jagd im Kopf hatte. Beim Lesen dieses Buches ist mir die Bedeutung des Wortes Mitgift erst richtig deutlich geworden – steckt doch hier das Wort Gift drin. Und Gift ist in dieser Familie sehr viel vorhanden und verteilt worden. Gift, dass die Töchter aus dem Haus und in den Tod getrieben hat. Interessant fand ich auch die Figur von Christian, dem Halbbruder der drei Schwestern. Vermutete ich zuerst noch, dass es sich bei ihm um einen heranwachsenden Psychopathen handelt, so musste ich doch im Laufe der Geschichte einsehen, dass auch er ein Opfer dieser Familie ist. Die Handlung ist einfach wunderbar unterhaltsam, nicht vorhersehbar und packend. Ich kann sie allen Liebhabers dieses Genres uneingeschränkt empfehlen. Von mir gibt’s 5 Lese-Sterne.

Hermione

Beiträge 38
31.05.2019

"Vielschichtiger und spannender historischer Roman":
Frida studiert um 1920 (ohne die Unterstützung / gegen den Willen ihrer Familie) in Hamburg Medizin. Als ihr Großvater stirbt, kehrt sie zur Beerdigung auf die heimische Insel Amrum zurück und muss feststellen, dass es Schwierigkeiten mit dem Testament gibt und ihre Eltern das vom Großvater ins Leben gerufene Seehospital für kranke Waisenkinder auflösen wollen.

Da das Erbe des Großvaters offenbar geringer ausfällt als erwartet, suchen die Eltern für Fridas Schwestern Louise bzw. Emily eine attraktive Partie und finden diese in dem fetten lüsternen Dänen von Rathen…

Meine Meinung:

Die Geschichte wird von Anfang an sehr flüssig aus verschiedenen Perspektiven erzählt, die mit jedem Kapitel wechseln. Von Amrum wechselt die Handlung des Öfteren nach Hamburg und kommt an diversen interessanten Schauplätzen vorbei.

Die handelnden Personen sind sorgfältig und nachvollziehbar gezeichnet, so dass man mit Frida und ihren Schwestern mitfiebert und mitleidet und auch ihre Motivationen nachvollziehen kann.

Besonders die zielstrebige Frida hat es mir angetan, weil ich ihren Ehrgeiz und ihre Hartnäckigkeit sehr mochte. Aber auch die lebenslustige Schwester Louise und die gefühlvolle Emily haben mir gefallen.

Der Roman spiegelt nach meiner Wahrnehmung sehr gut die Besonderheiten der Zeit um 1920 nach dem Ersten Weltkrieg wider und auch das Lokalkolorit von Hamburg und Amrum kamen sehr gut rüber.

Vor allem aber die spannende Handlung hat den Roman für mich zu einem Highlight werden lassen. Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, weil ich vom Spannungsbogen so gefesselt war. Durch die unterschiedlichen wechselnden Perspektiven war der Roman total kurzweilig zu lesen.


Fazit:
„Das Seehospital“ hat für mich alles, was ein historischer Roman haben muss – eine spannende Handlung (u.a. mit Familien-/Liebesgeschichte), ein gut recherchierter Hintergrund mit entsprechendem Lokalkolorit und glaubwürdig gezeichnete handelnde Personen.

heidi_59

Beiträge 38
05.03.2019

~ Fridas Schwestern ~

Amrum, 1920:
In ihrem neuen historischen Roman “Das Seehospital” , entführt die Autorin Helga Glaesener ihre Leser nach Nordfriesland. Auf der schönen Insel Amrum lebt die alteingesessene Familie Kirschbaum . Der alte Kapitän Kirschbaum gehört zu der Insel wie das Wasser und der Sand . Vor langer Zeit hatte er zum Gedenken an seinen verstorbenen Sohn , dass Seehospital für kranke und erholungsbedürftige Heimkinder eröffnet. Nun ist der alte Mann tot.
Schwiegertochter Rosa mit neuem Mann Rudolf ist verzweifelt . Das Testament des Kapitän ist nirgends zu finden. Rosa hat Angst, ihr gutes Leben nicht weiterführen zu können und ein anderer Verwandter als Erbe zu ihrem Nachteil begünstigt sein könnte.
Rosa und Rudolf wollen das Hospital schließen und lieber in ein gewinnbringendes exklusives Kurhotel verwandeln .
Louise , Frida und Emily , die Töchter aus der Ehe mit dem Sohn des Kapitän, die eigentlichen Erben des Seehospital , ahnen nichts davon .
Frida , die Amrum schon vor einiger Zeit für ein Medizinstudium in Hamburg verlassen hat , kommt nur widerwillig wegen der Beerdigung des Großvaters die Insel zurück . Als sie von dem Plan erfährt, beschließt sie das Hospital gegen den Willen ihrer Mutter weiter zu führen und für eine bestimmte Zeit mit dem Studium auszusetzen. Während Frida mit aller Kraft um den Erhalt des Hospitals kämpft, fälscht Stiefvater Rudolf aus Geldgier das Testament vom Kapitän und Mutter Rosa sucht einen reichen alten Mann , mit dem sie eine ihrer Töchter, gewinnbringend , zum Wohle der Familie ,verheiraten kann .
Keiner ahnt etwas von der Katastrophe, die unaufhaltsam auf die Familie zurollt.

Helga Glaesener hat hier einen tollen historischen Familienroman aus der Zeit kurz nach dem ersten Weltkrieg geschrieben . Eine wunderbar atmosphärische Stimmung begleitet die Geschichte der Familie Kirschbaum und fesselt an das Buch . Das Flair der schönen Insel Amrum mit seinen traditionsbewussten Einwohner ,ist der Zeit angepasst und perfekt eingefangen . Zusammen mit den sensible und differenziert gezeichneten Protagonisten , beschreibt die Autorin die teilweise schlimmen Zustände in den Kinderheimen und medizinischen Einrichtungen sehr authentisch und beschönigt nichts . Toll beschrieben und in eine sehr lebendig anmutende Szenerie verpackt , wird auch das Milieu der Großstadt Hamburg, zur Nachkriegszeit .
Für mich ein toller, historischer Roman , der vom Schicksal der Familie Kirschbaum erzählt .

Sehr gerne vergebe ich für den tollen Roman
5 Sterne
und eine Leseempfehlung für alle die gerne historische Romane lesen


@heidi_59




Ich bedanke mich ganz herzlich bei dem Team von Buchboutique und dem Rowohlt Verlag , für das tolle Rezensionsexemplar

KerstinT

Beiträge 53
05.03.2019

Irreführender Titel

Im Jahr 1920 studiert Frida in Hamburg Medizin, zur Beerdigung ihres Großvaters kehrt sie allerdings auf ihre Heimatinsel Amrum zurück. Eigentlich nur zu Besuch, doch dann muss sie länger bleiben, da ihre Familie das familieneigene Seehospital schließen möchte. Doch schon bald hat Frida noch andere Sorgen.

Dem Titel und Klappentext zu Folge hatte ich einen Roman erwartet, der sich rund um ein Seehospital auf Amrum dreht. Dem ist allerdings nicht so. Im Mittelpunkt steht Frida mit ihrer Schwester Lou. Anfangs geht es noch um die junge Medizinstudentin Frida, die das Seehospital retten will. Doch schnell tritt Lous Leben in den Vordergrund und das Hospital bekommt eine Nebenrolle. Das fand ich sehr schade, denn ich hatte mich auf das Leben im Hospital im Jahr 1920 gefreut. Dafür bekam ich Einblicke in Hamburg zu Beginn der 20er Jahre, was auch sehr interessant war! Die Gesellschaft hat kaum Geld, aber Spaß will sie haben. Kokain gibt es an jeder Straßenecke und Betten werden stundenweise geteilt – der eine tagsüber, der andere nachts. Diese Beschreibungen wirken sehr anschaulich und authentisch. Gefallen hat mir, dass das Leben so kurz nach Kriegsende nicht schöngeredet, sondern auf die Missstände aufmerksam gemacht wurde. Auch der Umgang mit Patienten als Forschungsobjekte findet einen Platz in diesem Roman.
Mir hat der Schreibstil gut gefallen. Er war flüssig und angenehm zu lesen. Die Perspektivwechsel haben mir gut gefallen. So lernt der Leser mehrere Charaktere kennen und sieht manch eine Situation aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Die Charaktere haben mir gefallen, sie waren recht unterschiedlich und wirkten, wie auch die Atmosphäre, authentisch. Auch wenn mir nicht alle sympathisch waren, beispielweise Frida Mutter und ihr Stiefvater.
Da ich das Gefühl hatte, dass der Roman vom anfänglichen Thema abgekommen ist, konnte er mich nicht überzeugen und ich vergebe nur drei von fünf Sternen. Ich wollte eben eine Geschichte über ein Seehospital lesen.

Kiki0412

Beiträge 15
18.02.2019

Das Buch in der Hand und das Cover angeschaut fühlt man sich gleich an einem ruhigen Ort versetzt. Wenn man das Buch gelesen hat, weiß man das dass Cover mit der Geschichte zu tuen hat. Für mich strahlt es eine ruhige Harmonie aus.
Die Geschichte handelt um Drei Schwestern, die sich wieder näher kommen als der Großpapa stirbt. Frieda die älteste hat vor ein paar Jahren sie heimat in Amrum verlassen um ihr Medizin studium zu Starten. Kaum zurück in der Heimat beginnt das böse Erwachen um das Erbe, aber nicht nur das bringt die Eltern auf die Palme, auch das ihre Kinder das Hospital für kranke Kinder erhalten wollen, verbirgt Probleme.
Die Autorin schreibt das Buch in einen unglaublich tollen Schreibstil. Ich bin von Zeile zu Zeilr gesprungen, weil es sich so gut Lesen lässt. Es ist wirklich toll. Die Alte redensart/ schreibweise wird im Text mit verarbeitet. Man liesst als wäre man in der Zeit von früher und bekommt dadurch nochmal ein anderes Feeling.
Die Geschichte ist sehr berührend, besonders bekommt man einen Eindruck wie die Situationen früher waren. Frieda - eine sehr starke Protagonistin gibt nicht auf und versucht alles in ihrer Macht stehende für sich und dem kleinen Hospital. Auch die anderen Protagonisten sind mit sehr viel Liebe erschaffen, aber am meisten kann ich mich mit Frieda identifizieren, da ich selbst aus dem Medizinischen komme.
Es ist ein gutes Buch um mal auf andere Gedanken zu kommen, oder einfach sich aus der Leseflaute zu holen. Wirklich ganz toll - Ein Herzensbuch was ich jeden empfehlen kann, egal ob Alt oder Jung.

nicole_pichler

Beiträge 26
07.04.2019

„Das Seehospital“ von Helga Glaesener ist ein Roman der um 1920 auf Amrum und in Hamburg spielt. Die Hauptprotagonistin ist Frida. Sie studiert Medizin in Hamburg aber ihre Familie lebt auf Amrum.
Als ihr Großvater überraschend stirbt kehrt sie zurück auf die Insel. Dort hat ihr Großvater ein Haus gekauft, das er für kranke Kinder als Seehospital eingerichtet hat. Leider will Fridas Mutter alles verkaufen. Das gefällt Frida gar nicht und sie bleibt vorübergehend auf der Insel um das zu verhindern. Leider führt ihre Entscheidung dazu, dass ihr Leben dadurch vollkommen auf den Kopf gestellt wird und zwar nicht unbedingt in positiver Sicht.

Dieser Roman ist sehr flüssig und fesselnd geschrieben. Mir hat der Schreibstil der Autorin sehr gut gefallen. Allerdings kann einem die Thematik mit den kranken Kindern und dem Familienzwist und noch einigen anderen unschönen Dingen, die in der Geschichte passieren aufs Gemüt schlagen. Der Roman bringt einem oft in eine düstere und nachdenkliche Stimmung.
Trotzdem konnte ich mit Frieda sehr schön mitfiebern und hatte das Gefühl mitten dabei zu sein im Geschehen. Die Autorin hat es geschafft, dass ich mir alles bildlich vorstellen konnte.
Obwohl die Geschichte alles andere als amüsant war, konnte ich den Roman nicht mehr aus der Hand legen. Der Roman hat mich von Anfang bis Ende gefesselt und es war schön Frida mit ihrem doch sehr starkem Charakter kennenzulernen.

In dieser Familie geht es im Laufe des Romans drunter und drüber und es passieren einige unschöne Dinge. Nicht immer konnte ich die Entscheidungen der Familie nachvollziehen, aber da es ein Roman ist muss ja nicht alles wie im wirklichen Leben ablaufen. Ein paar Dinge fand ich ein wenig ungereimt. Besonders das Ende hätte für mich noch ein wenig ausführlicher sein können.

Mir hat der Roman aber trotzdem gut gefallen und ich vergebe dafür 4 Sterne.

Chattys Buecherblog

Beiträge 21
16.12.2020

    Drei Schwestern, drei Schicksale – ein Ort der Menschlichkeit


    Schon auf den ersten Seiten lernen wir Frida kennen. Sie arbeitet in einem Krankenhaus, möchte studieren, um Ärztin zu werden. Sie erscheint sehr zielstrebig und wissbegierig. Obwohl die Zeiten für sie gerade sehr schwierig sind, und sich auch eine neue Liebe anbahnt, zögert sie keinen Moment, um ihrer Familie beizustehen. Hier hatte ich wirklich großen Respekt vor der Entscheidung. Nachdem sich aber nun irgendwie alles nach Friede, Freude, Eierkuchen angehört bzw. -gelesen hatte, kam das große Erwachen. Fridas Mutter zeigte sich sehr kaltherzig und erst so nach und nach, kam heraus, weshalb ihre Gefühle so unterkühlt wirkten. Es war einfach die Angst. Angst davor, als arme Kirchenmaus dastehen zu müssen. Richtig spannend wurde es dann, als Lou verschwunden war. Ich muss gestehen, dass ich am Anfang dachte, dass sie ins Wasser gegangen ist, da sie auf keinen Fall der arrangierten Hochzeit zustimmen wollte. Seltsam fand ich allerdings schon, dass sich so wenig Menschen an der Suche beteiligt hatten. Ja und dann ging es ja auch schon im zweiten Teil weiter und schwupps schon war Lou in Hamburg. Und nun kam eigentlich die Wende im Roman, denn plötzlich drehte sich alles nur noch um Lou und ihre Geschichte in Hamburg. Was war aber zwischenzeitlich mit dem Seehospital? Die Geschichte darum, wurde völlig an die Seite gedrängt und auch nur noch selten angesprochen. Die komplette Story hatte sich nun verlagert. Ich möchte nicht sagen, dass Lous Geschichte uninteressant war - bei weitem nicht - aber dennoch war ja der Titel "DAS SEEHOSPITAL" und nicht Lou's Abnabelung oder "die Geschichte eines gefallenen Mädchens" oder ähnlichem. Ja, ich kann schon sagen, dass ich hier etwas enttäuscht wurde.

    Apple

    Beiträge 22
    08.05.2020

      „Das Seehospital“ hat mich v.a. wegen des Covers angesprochen. Die Geschichte selbst erzählt von Frieda, die nach einem Zerwürfnis mit ihrem Großvater, der sie bei der Ausbildung zur Krankenschwester, nicht aber beim Medizinstudium unterstützt hat, zu dessen Beerdigung auf die Insel Amrun zurückkommt. Die Situation für ihre Mutter und ihre Schwestern ist schwierig, denn das Testament des Großvaters ist erst nicht auffindbar und die Spannung, ob Mutter und Kinder versorgt sind, liegt greifbar in der Luft. Frida will trotz der finanziell unsicheren Lage das Seehospital für Kinder, das ihr Großvater gegründet hat, erhalten, obwohl ihre Mutter dagegen ist. Doch Frida weiß: Würden die Kinder in ein Waisenhaus gebracht, wären viele von ihnen verloren. Ihr Kampf zur Rettung des Seehospitals beginnt. Das Buch ist nicht nur eine wunderbare Familiengeschichte, nein, es handelt auch von einer starken Frau, die sich um 1920 so gut es geht emanzipiert. Der Stil der Autorin ist dabei so malerisch wie das wunderschöne Cover.

      Xanaka

      Beiträge 7
      20.04.2020

        Familiengeschichte mit ordentlich Konfliktpotential

        Der Tod ihres Großvaters zwingt Frida 1920 zur Rückkehr nach Amrum. Das Verhältnis zu ihrem Großvater war nach dem Tod ihres Vaters gut. Er unterstützte sie finanziell bei ihrem Ausbildung zur Krankenschwester in Hamburg. Als sie jedoch den Wunsch äußerte auch noch Medizin studieren zu wollen, was das des Guten zu viel. Die finanziellen Zuwendungen wurden eingestellt.

        Die Suche nach einem Testament erweist sich als schwierig. Zu groß ist die Angst ihrer Mutter, der Geschwister und vor allem des Stiefvaters ohne finanzielle Mittel dazustehen, ist zu groß. Aufgrund der Ungewissheit will Fridas Mutter die Kinder des Seehospitals, das ihr Großvater einst gegründet hatte, wieder nach Hamburg ins dortige Waisenhaus zurückschicken. Frida, die sich dort umgesehen hatte, weiß das wäre der sichere Tod der Kinder.

        Sie setzt gemeinsam mit ihren Geschwistern alles daran, das Seehospital für die Kinder zu erhalten. Die Schwierigkeiten, die dabei entstehen sind außerordentlich. Der Widerstand ihrer Mutter ist enorm. Auch der Stiefvater, der nach dem spontanen Fund des Testaments als Vollstrecker eingesetzt wurde, will die alte Villa um jeden Preis verkaufen. Die Schwestern sind sich auf jeden Fall einig, dass das alte Seehospital so wie es ist, erhalten bleiben soll. Ob ihnen das gelingt, lest selbst!

        Für Liebhaber von Familiengeschichten ist dieses Buch genau das Richtige. Gespickt mit ordentlich Konfliktpotential läuft hier anfänglich so einiges schief. Zwar gibt es hier nicht das riesige Familiengeheimnis das aufgedeckt werden will, sondern eher viel Ungerechtigkeit und Dramatik. Aber auch das ist lesenswert, denn schließlich hofft und will man ja, dass letztlich alles gut ausgeht.

        Ich fand dieses Buch wunderbar und empfehle es sehr gerne weiter.

        Ju Dosi

        Beiträge 6
        13.04.2020

          Schon das Cover gefällt mir sehr gut und es lädt mich zum Zugreifen ein.

          Der Klappentext verspricht einen spannenden, historischen Roman über die Familie Kirschbaum im Jahr 1920. Die Geschwister Frida, Louise, Emily und Christian sind die Hauptfiguren und das Seehospital, für das sich vor allem Frida engagiert, verbindet die Geschwister.

          Die drei Schwestern sind sehr verschieden. Frida studiert, was für diese Zeit ungewöhnlich ist, Medizin und ist ehrgeizig und zielstrebig.

          Louise will ihr Schicksal, einen älteren Mann zu heiraten nicht hinnehmen und flieht nach Amrum.

          Die jüngste der drei, Emily, möchte gern Fotografin werden. Doch nach dem Verschwinden von Lou soll sie den reichen, von Lou verschmähten Mann heiraten, um die Geldsorgen der Familie zu lindern.

          Christian ist verwöhnt und ohne richtiges Ziel.

          Die Eltern der vier Kirschbaum-Kinder sind mir nicht gerade symphatisch. Es geht ihnen nicht um ihre Kindern, sondern nur um ihr eigenes Wohl und ein Leben im Wohlstand. Dafür nehmen sie auch in Kauf, ihre Kinder unglücklich zu machen.

          Alles in allem ist Das Seehospital ein interessantes, unterhaltsames Buch über eine Familiengeschichte, die alles beinhaltet, was ein spannender Roman haben sollte.

          weberin

          Beiträge 22
          20.03.2020

            Der Roman „Das Seehospital“ von Helga Glaesener entführt den Leser in das Amrum der 1920er Jahre. Frida und ihre zwei Schwestern sind die Hauptfiguren des Romans, dabei ist Frida diejenige, die gerne Medizin studieren möchte. Zu ihrer Zeit ein wagemutiges Unterfangen und auch ihr Großvater hält dieses Vorhaben für bloße Flausen.

            Als Frida zur Beerdigung ihres Großvaters nach Amrum zurückkehrt, ist das kleine Hospital der Insel für lungenkranke Kinder finanziell am Ende. Frida will aber alles tun, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Leider kann sie bei diesem Unterfangen nicht auf die Unterstützung ihrer Familie zählen. Ihre Mutter ist zunehmend kaltherzig und einzig und allein darum besorgt, wie es für die eigene Familie finanziell weitergehen soll.

            Ihre Schwester Lou, die wegen ebenjener Geldsorgen mit einem reichen Mann verheiratet werden soll, verschwindet plötzlich spurlos und man erfährt, dass sie nach Hamburg geflohen ist, um der Hochzeit zu entgehen. Über viele Umwege, auf denen sie sich sozial engagiert, findet sie ihr Glück genau dort, wo man es nicht vermuten würde.

            Emily, die jüngste der Schwestern, wollte eigentlich immer etwas mit Fotografie machen. Nach dem Verschwinden von Lou sieht sie sich aber verantwortlich der Familie zu helfen und heiratet den Mann, dem eigentlich Lou versprochen war.

            Insgesamt war der Roman wirklich sehr lesenswert, v.a. weil mich die Epoche der „Goldenen 20ger“ sehr interessiert und diese von der Autorin auch gut portraitiert wurde. Die Familiengeschichte an sich war auch sehr spannend zu lesen.

            MarySophie

            Beiträge 20
            05.08.2019

              Handlung:

              Amrum 1920
              Frida will eigentlich nur für ein paar Tage nach Amrum zurückkehren, um der Beerdigung ihres Großvaters beizuwohnen. Danach will sie sofort wieder nach Hamburg, um ihr Medizinstudium fortzusetzen, für das nur wenige Familienmitglieder Verständnis haben. Doch es kommt alles anders. Großvater hatte ein Hospital für lungenkranke Kinder gegründet und nach seinem Tod soll die Einrichtung aufgrund von Geldmangel geschlossen werden. Das kann Frida nicht zulassen und fortan setzt sie alles daran, um den Erhalt des Hospitals zu garantieren.
              Auch in der Familie wird der Gürtel enger geschnallt, sie müssen sparen. Fridas Schwester Louise soll zu einer Hochzeit gezwungen werden, mit einem Mann, den sie partout nicht leiden kann. In ihrer Furcht verschwindet die junge Frau in einer Nacht- und Nebelaktion. Frida macht sich Gedanken um die jüngere Schwester und gibt nicht auf, sie zu suchen.

              Meinung:

              Das Cover gefällt mir ganz gut. Es besticht durch die vielen gezeichneten Details, die Leichtigkeit verströmen. Dies wird auch durch die schlichten und überschaubaren Farben betont. Mein besonderes Highlight ist die kleine Landkarte von Amrum, auf der sich bei genauerem hinschauen einige Orte erkennen lassen. Insgesamt ein sehr stimmiges Bild, welches perfekt in die Handlung passt.

              Es gibt einen plötzlichen, aber auch interessanten Einstieg in die Geschichte. Genau wie auch Frida wird der Leser mit einer Hiobsbotschaft überrascht, die sofort deutlich macht, dass sich einiges in dem Leben von Frida und ihrer Familie ändern wird. Ich war überrascht von diesem Geschichteneinstieg, konnte mich aber schnell damit anfreunden und die weitere Handlung einfach auf mich zukommen lassen. Je länger ich darüber nachdenke, desto gelungener finde ich den Einstieg, es wird nicht erst heile Welt gespielt, sondern man wird direkt mit der Wahrheit konfrontiert.

              Durchweg war die Schreibweise einfach und leicht verständlich gehalten. Mir kam dies sehr passend, dadurch hatte ich den Roman innerhalb weniger Tage ausgelesen und konnte mich vollkommen in die Geschichte reindenken. Für mich wäre es ein schönes Detail gewesen, wenn ab und an mehr nordischer Dialekt oder ausgewählte friesische Worte genutzt worden wären. Das hätte mehr Authentizität gegeben und hätte auch zu einigen Protagonisten gepasst.
              Anhand des Klapptextes hatte ich mir vorgestellt, dass durchweg die Erlebnisse von Frida geschildert werden. Schon als ich den Roman aufgeschlagen habe, war jedoch sofort sichtbar, dass ich mich mit dieser Annahme getäuscht habe. Am Anfang eines jeden Kapitel wurde der Name von der Person verzeichnet, aus deren Sicht die Geschehnisse beschrieben werden. An sich fand ich das nicht schlecht, jedoch hätten mir zwei Perspektiven gereicht, die von Frida und ihrer Schwester Louise. Alles andere wurde ganz gut eingebracht, war für mich aber bei der Handlung nicht von Bedeutung.

              Als Setting dient vor allem die Insel Amrum. Diese wurde wunderschön und lebendig beschrieben, die gesamte Atmosphäre der Insel wurde perfekt eingefangen und an den Leser vermittelt. Trotzdem konnte ich ab und an mit der Lage einige Gebäude nichts anfangen, gefühlt liegt alles ganz nah beieinander, gleichzeitig aber auch ein ganzes Stückchen voneinander entfernt. Vielleicht wäre es hier hilfreich gewesen, wenn es eine Karte am Anfang oder Ende des Romans gegeben hätte, wo die wichtigsten Gebäude und Handlungsorte verzeichnet sind.

              Lange Zeit stimmte der Klapptext mit der Handlung des Romans so gut wie überein. Es wurde versucht, das Hospital zu erhalten und in diese Aufgabe hat Frida all ihre Kraft gesetzt. Durch die verschiedenen Erzählperspektiven hat wurde dann ein Teil der Handlung nach Hamburg verlegt, was ich auch noch vollkommen in Ordnung fand. Bis dann dieser Erzählstrang eine immer größere Rolle einnahm und das Hospital nur noch nebensächlich wurde. Auch Frida hat sich dann eher den Problemen in Hamburg gewidmet, über die ich an dieser Stelle nichts weiter sagen will, um nicht der Handlung vorwegzunehmen, und das Hospital ein wenig verdrängt. Das fand ich wirklich schade, weil sowohl der Klapptext, als auch der Titel des Romans darauf hingedeutet haben, dass das Hospital und dessen Erhaltung die Hauptthemen sind. So waren auch meine Erwartungen andere und ich bin nicht richtig zufrieden, wie alles abgehandelt wurde.

              Auch mit den Protagonisten war ich nicht glücklich. Sie waren teilweise vielschichtig und undurchschaubar, vor allem jedoch schwach gezeichnet. Am stärksten erschien Frida, die man als Leser am besten kennenlernt. Sie hat deutlich ihre Stärken und Schwächen und war von ihrem ganzen Auftreten eine durchdachte und perfektionierte Person. Mit ihr wurde ich am schnellsten warm, sie hat sich schnell meinen Respekt für ihren Mut, Tatendrang und ihre Willensstärke verdient. Alle anderen Personen kamen dagegen schwächlich und blass daher, sie konnten neben Frida nicht mithalten und hätten mehr Eigenarten benötigt. Dazu fehlte es vielen an Lebendigkeit, sie wirkten in ihrem Auftreten starr und zu ernst.

              Fazit:

              Leider konnte der Roman nicht meine Erwartungen erfüllen. Zum einen fand ich alle bisher gelesenen Beschreibungen der Handlung nicht passend, sie waren meist irreführend und nicht ganz passend. Doch das will ich der Autorin nicht ankreiden, vielmehr konzentriere ich mich in meiner Bewertung auf die Handlung. Die Beschreibung von Amrum war ein Traum, ebenso wie die ersten knapp 200 Seiten. Frida ist eine tolle Frau, stark und eigensinnig, eine tolle Protagonistin. Ebenso war die Schreibweise äußerst angenehm zu lesen und besonders an Kapitelenden wurde viel Spannung aufgebaut, die dazu verleitet haben, dass ich immer weitergelesen habe.
              Mein größter Kritikpunkt sind die Protagonisten, die zu schwach auftraten und neben Frida nicht punkten konnten. Weiterhin fand ich, dass einige Erzählperspektiven nicht wichtig waren und etwas von der Haupthandlung abgelenkt haben.

              Bewertung: 3,5 von 5 Sternen

              eiger59

              Beiträge 9
              15.06.2019

                Eine Familiengeschichte aus den 20er Jahren

                „Das Seehospital“ von Helga Glaesener, erschienen im Rowohlt Taschenbuchverlag, ist die ungewöhnliche und faszinierende Geschichte der Familie Kirschbaum.

                Für mich war es das erste Buch der Autorin; ich bedanke mich bei der Buchboutique, die mir das Buch zur Verfügung gestellt hat.

                Angesiedelt ist die Handlung auf der Insel Amrum und in Hamburg um 1920. Das Buch erzählt vom den drei Kirschbaum-Schwestern Frida, Louise genannt Lou, Emily und dem Bruder Christian. Das Schicksal des titelgebende Seehospitals, für das sich vor allem die angehende Medizinerin Frida engagiert, verbindet die Geschwister und ihre Lebenswege als roter Faden, steht aber nicht im Mittelpunkt des Romans.
                Der flüssige Schreibstil der Autorin fesselt sofort. Sie ist eine große Erzählerin, die die schwierige Zeit nach dem 1. Weltkrieg sehr gut und genau beschreibt. Anhand von ganz unterschiedlichen Personen und Nebenhandlungen vermittelt sie interessante Einblicke in das Leben jener Zeit.

                Es ist wunderbar zu lesen, wie es Helga Glaesener gelingt mit wenigen Sätzen Situationen und Personen treffsicher zu beschreiben. Man fühlt mit ihren Protagonistinnen deren Träume, Ziele und Ängste. Als Leser kann man sich, dank der anschaulichen Schilderungen, das schwere Leben in Hamburg und auf Amrum sowie den Sorgen der Menschen vorstellen. Der Roman fesselt von Beginn an und liest sich leicht.

                Die drei Schwestern sind recht unterschiedlich. Frida ist sehr zielstrebig. Ungewöhnlich für eine Frau in jener Zeit studiert sie Medizin.

                Louise, die mit einem reichen unsympathischen älteren Mann verheiratet werden soll, flieht von der Insel nach Hamburg. Hier erleben wir sie auf Arbeits- und Wohnungssuche und lernen die unteren Schichten der Stadt kennen. Es gelingt ihr in einer Assekuranz zu arbeiten. Sie engagagiert sich sozial für die Ärmsten und lernt bei einem Besuch im Fuhlsbütteler Gefängnis die Liebe ihres Lebens kennen. Ihr weiteres Schicksal wird vom Varieté Kladderadatsch, welches ihrem zukünftigen Mann gehört, bestimmt.

                Emily, die jüngste Schwester, träumt davon als Fotografin zu arbeiten. Doch sie wird an Stelle von Lou nun zur Heirat bestimmt, um die Geldsorgen der Familie zu lösen. Ihr Lebensweg endet tragisch.
                Der kleine Bruder Christian, der verzogen, grausam und unstet ist, erlebt die Leiden seiner Schwester direkt und versucht auf seine Weise zu helfen, was zu einem weiteren tragischen Todesfall führt.

                Die Mutter der Familie ist in keiner Weise eine Sympathieträgerin. Das Wohl ihrer Töchter ist ihr nicht wichtig, sondern der schöne Schein einer intakten Familie. Dazu gehört auch der mittellose Stiefvater Rudolf, für den sie alles tut. Dieser gibt vor im Interesse der Familie zu handeln, doch er möchte tatsächlich nur seinen gehobenen Lebensstandard erhalten. Deshalb sind beide bereit im Interesse einer guten Partie ihre Töchter zu verheiraten.
                Doch der Leser lernt auch Menschen kennen, die Hoffnung verbreiten. Der Dorfschullehrer Matz, dem es die Reformpädagogik angetan hat, ist ein Mensch, der seinen Beruf und die Kinder liebt. Doch er ist ein Idealist, der an der Realität scheitert.

                Auch der englische Arzt Dr. James Tyler ist eine sehr interessante und vielschichtige Persönlichkeit. Er hat aus seinen Erlebnissen im 1. Weltkrieg und einem Einsatz in den Kolonien Afrikas persönliche Konsequenzen gezogen, die ihn in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Das ist nur ein Beispiel, wie es die Autorin versteht, reale Ereignisse mit historischem Wissen und einer spannenden Geschichte zu kombinieren, ohne den Leser zu belehren. Es ist Unterhaltung auf hohem Niveau.

                Das Seehospital" erzählt die fesselnde Geschichte einer Familie in den 1920er Jahren und ist der Autorin aus meiner Sicht sehr gut gelungen. Deshalb vergebe ich eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne.

                witchblade

                Beiträge 17
                23.04.2019

                  Die junge Medizinstudentin Frida kehrt nach dem Tod ihres Großvaters aus Hamburg zurück nach Amrum. Es ist das Jahr 1920 und Frida hat es nicht leicht, sich zu behaupten. Zu allem Überfluss wollen ihre Mutter und ihr Stiefvater das Seehospital schließen, das ihr Großvater jahrelang finanziert hat.

                  Frida unterbricht also ihr Studium, um sich um die Kinder im Hospital zu kümmern. Ihre Schwester Lou hingegen sieht einer Zwangsverheiratung entgegen und flieht vor der Familie nach Hamburg, wo sie in zwielichtige Kreise gerät.

                  Das Buch handelt von Frauen, die sich in der Gesellschaft behaupten mussten. Die beiden Schwestern geben gute Beispiele dafür, was das Leben mit einem anstellen kann. Insgesamt haben mir die Charaktere sehr gut gefallen und man konnte gut eine Entwicklung beobachten.

                  Die Geschichte an sich gefiel mir gut, jedoch waren gerade im letzten Drittel des Buches einige Geschehnisse aus meiner Sicht etwas übertrieben und wirkten daher nicht recht glaubwürdig.

                  Das Buch bekommt von mir solide 4 Sterne!

                  Bücherratte36

                  Beiträge 17
                  06.04.2019

                    Inhaltsangabe:
                    Amrum 1920: Frieda Kirschbaum hat ihre alte Heimat Amrum verlassen, um in Hamburg Medizin zu studieren. Allerdings ist ihr Großvater wenig davon begeistert und kurzerhand dreht er seiner Enkelin den Geldhahn zu, obwohl er eine gute Ärztin für sein Seehospital gut gebrauchen könnte. Als Friedas Großvater stirbt, kehrt sie für die Beerdigung auf die Insel zurück. Kurz darauf erfährt sie, dass es um das Seehospital schlecht bestellt ist und die Kinder wieder zurück nach Hamburg müssen. Auch Friedas Eltern wollen oder können dem Hospital nicht helfen, denn sie wollen aus diesem lieber ein luxuriöses Kurhotel machen. Wird es Frieda schaffen, dass Seehospital zu retten?

                    Das Seehospital ist das neuste Werk von der Autorin Helga Glaesener, die bereits div. historische Romane schrieb. Ich muss allerdings zugeben, dass ich noch nie eines ihrer Bücher gelesen habe und somit war dies ein Debüt. Dank eines Bücherforums und des vielversprechenden Klapptextes bin ich neugierig geworden und so musste ich diesen Roman einfach lesen. Mir wurde eine spannende Geschichte mit einem Familiengeheimnis versprochen und diese bekam ich auch – auch wenn meine Erwartung eine andere war.

                    Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und angenehm und so konnte ich ab der ersten Seite in die Geschichte um die Familie Kirschbaum ein und abtauchen. Während des Lesens merkte ich, mit wieviel Liebe zum Detail, die Autorin die Amrumer und Hamburger Kulisse ein- und wiedergespiegelt hat. Wenn man ganz Fantasie besitzt, spürt man den ruppigen Küstenwind in den Haaren, den leichten Salzgeruch in der Nase und hört die Möwen kreischen. Es ist fast so als ob man einen Strandspaziergang machen würde. Hinzu kommt noch die perfekte Idylle des Hamburger Lebens um 1920. Der erste Weltkrieg ist vorbei und die Menschen sehnen sich nach Frieden und nach einem geregelten Leben, aber das ist leichter gesagt als getan. Überall herrscht Armut und Hunger, aber nicht nur dies ist es was den Menschen das Leben in dieser Zeit schwer macht. Krankheit und fehlende Medikamente lässt den einen oder anderen verzweifeln. Und genau diese Stimmung wurde von der Autorin so brillant beschrieben und lässt den Leser hautnah daran teilhaben. Beeindruckend und emotional!

                    Die Charaktere wurden sehr gut ausgearbeitet und facettenreich dargestellt. Hier spielt es keine Rolle ob es sich um die Hauptpersonen oder Nebenrollen handelte, denn jede Figur fand seinen Platz und bereicherte die Geschichte auf seine eigene Art und Weise. Frieda war für mich schon eine sehr starke Frau. In dieser Zeit sich für ein Medizinstudium zu entscheiden und das auch noch durchzuziehen. Hut ab. Ich fand ihre Entscheidungen und Gedankengängen sehr gut durchdacht und konnte mich auch gut in sie hineinversetzen. Bei ihren zwei Schwestern fiel mir das ein wenig schwerer. Gerade bei Lou habe ich das eine oder andere Mal den Kopf geschüttelt. Zu Friedas Bruder Christian habe ich eine klare Meinung, denn ihn mochte ich überhaupt nicht. Dies lag vor allen Dingen an seinen gewalttätigen und rücksichtslosen Handlungen. Aber jedes Buch braucht mindestens einen ungeliebten Charakter, ohne ihn würde es sehr langweilig werden. Welche Nebenrolle mich auch noch stark beeindruckt hat, war Friedas Bekannte Jenny. Wo sie nur konnte half sie denjenigen, denen das Leben etwas übler mitspielte als bei anderen und hatte zudem ein offenes Ohr für all die Sorgen und Probleme. Auch in der heutigen Zeit bereichern solche Menschen unser Leben.

                    Die Handlung lebt von den zahlreichen Perspektivenwechseln und das ermöglichst dem Leser, nicht nur die einzelnen Personen besser kennenzulernen, sondern auch einen noch besseren Einblick in ihre Gedankengänge und Handlungsweisen zuhalten. Genau das liebe ich.
                    Was mich ein wenig enttäuscht hat, war, dass das Seehospital zwar am Anfang eine große Rolle einnahm, aber im weiteren Verlauf wurde es kaum oder gar nicht mehr erwähnt. Schade, denn gerade bei dem Titel des Buches“ Das Seehospital“ dachte ich gleich an eine Geschichte um dieses Klinikgebäude und seinem Personal. Ich muss gestehen, dass mein Lesegenuss dadurch nur minimal geschmälert wurde. Was mir hingegen sehr gut gefiel, dass der Spannungsbogen in der zweiten Hälfte des Buches enorm zulegte und ich ab diesem Zeitpunkt diesen Roman nicht mehr aus den Händen legen wollte bzw. konnte. Ich musste wissen, wie es mit Frieda und Lou weitergehen wird. Beim Ende bin ich mir noch nicht ganz schlüssig. Irgendwie entstand der Eindruck, dass man zu Ende kommen musste. Dies war auch nur ein kleiner Minuspunkt, denn im Großen und Ganzen wirkte er stimmig.


                    Auch wenn der Titel des Buches ein wenig irritierend ist, fand ich diesen Roman sehr spannend und emotional. Für mich war es eine historische Geschichte, die über eine Familie mit einem Familiengeheimnis berichtet, die mir sehr schöne Lesestunden bescherte.

                    Dandy

                    Beiträge 55
                    09.03.2019

                      Bei „ Das Seehospital“ von Helga Glaesener handelt es sich um einen Roman.

                      Drei Schwestern, drei Schicksale – ein Ort der Menschlichkeit
                      Amrum, 1920:

                      Da der alte Kapitän Kirschbaum zuletzt kein gutes Wort für Frida übrig hatte, kehrte sie nur widerwillig zur Beerdigung ihres Großvaters, auf die nordfriesische Heimatinsel, zurück.

                      Ihr Großvater hielt ihren Traum in Hamburg Medizin zu studieren für Weiberflausen und drehte ihr kurzerhand den Geldhahn zu. Dabei hätte Frida ihm bei seinem für lungenkranke Kinder gestifteten Hospital helfen können. Wegen Geldmangels droht dem Hospital jetzt nach Großvaters Tod die Schließung. Aber was wird dann aus den kleinen Patienten?

                      Fridas Mutter möchte aus der Strandvilla lieber ein exklusives Kurhotel machen und auch von ihren beiden Schwestern kann Frida keine Hilfe erwarten. Frida nimmt den Kampf auf und ahnt nicht, wie hoch der Preis für sie und ihre Familie sein wird.



                      Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen, Auch wenn ich unter dem Titel eine etwas andere Geschichte erwartet habe.

                      Hier wird am Anfang die Sorgen um das Bestehen des Seehospitals beschrieben,dann driftet die Geschichte vom Titel ab und über Seiten wird über Lous neues Leben in Hamburg erzählt. Das Hospital spielt eher eine Nebenrolle. Erst gegen Ende der Geschichte findet das Geschehen wieder auf Amrum statt.

                      Bei Seehospital handelt es sich nicht um einen Arzt- Krankenhausroman. Vielmehr um eine wirklich sehr spannende und interessante Familiengeschichte, die sich immer mehr zuspitzt mit einem sehr überraschenden und spannenden Ende. Diesen Verlauf der Geschichte habe ich überhaupt nicht erwartet- hat mich aber positiv überrascht.

                      Der Aufbau der Geschichte hat mir sehr gefallen. Die Autorin beschreibt die Charaktere sehr gut und ausführlich.

                      Über jedem Kapitel steht der Name, des Hauptprotagonisten, sodass man als Leser immer gleich weiß mit welchem Erzählstrang es weiter geht und man kann sich darauf einlassen.

                      Sehr interessant fand ich wie die drei Schwestern und ihr Halbbruder ihre Wege gehen. Dabei erlebt jede der Frauen eine andere Geschichte.

                      Sehr gut wird das Flair der damaligen Zeit beschrieben. Die Gedanken, die medizinische Fortschritte und die Angst vor Armut.

                      Ich empfehle dieses Buch weiter.

                      Erschreckend ehrlich

                      Beiträge 106
                      26.02.2019

                        Frida Kirschbaum gehört im Jahr 1920 zu den wenigen Frauen, die in Hamburg Medizin studieren. Als ihr Großvater stirbt, muß sie ihr Studium unterbrechen um zur Beerdigung nach Amrum zu fahren. Der alte Mann hat auf der Nordseeinsel ein kleines Hospital für lungenkranke Waisenkinder gegründet. Jetzt soll das Haus geschlossen werden, denn Fridas Mutter will ein Hotel daraus machen. Verzweifelt kämpft die junge Frau für den Erhalt des Hospitals, denn für die Kinder würde eine Rücksendung in ein Hamburger Waisenhaus den sicheren Tod bedeuten. Fridas Schwestern sind ihr keine Hilfe, aber der englische Arzt James Tylor steht ihr immer zur Seite, wenn sie Hilfe braucht - und Hilfe braucht sie jetzt dringend!


                        Ich habe schon lange nicht mehr so ein ehrliches Buch gelesen. Hier wird nichts geschönt und "die gute alte Zeit" verklärt. Alles kommt ans Tageslicht. Die Menschen verhungern und die Kirche sieht weg. Da spricht der Pfarrer beim Anblick der verhungernden Waisenkinder von der Gnade Gottes. Der Arzt sieht in den Menschen nur noch "Forschungsmaterial" für die Wissenschaft. Am schlimmsten aber ist die Mutter, die ihre Töchter an reiche alte Männer verkuppelt, damit sie ihr Luxusleben weiterführen kann. All diese Personen - und auch die anderen Charaktere - sind so klar dargestellt, daß man beim Lesen nicht nur dabei ist, sondern mitten unter ihnen lebt. Und das geht wirklich unter die Haut und seelisch sehr nah. Man möchte die Bedauernswerten in den Arm nehmen und haßt die Üblen. Genau so möchte ich es haben, wenn ich ein Buch lese. Optimal ist es, wenn ich am Schluß noch eine Weile innehalte, um über das Geschehen nachzudenken und dies zu verarbeiten.

                        All diese Ansprüche an ein richtig gutes Buch sind hier erfüllt. Helga Glaesener hat mich mit ihrem Werk begeistert!

                        Zum Glück kein typischer „Insel-Arzt-Roman"

                        Beiträge 121
                        19.02.2019

                          Frida studiert 1920 gegen den Willen ihrer Familie in Hamburg Medizin. Ihr Großvater, das Familienoberhaupt, hat ihr deswegen sogar den Geldhahn zugedreht. Als er stirbt fährt Frida zur Beerdigung nach Hause nach Amrum – obwohl sie die Enge, Einschränkungen und Konventionen auf der Insel hasst. Eigentlich will sie schnell zurück nach Hamburg, aber dann erklären ihre Mutter und ihr Stiefvater, dass das Erbe ihres Großvater viel kleiner ausfällt als erwartet – sie müssten das Inselhospital schließen, welches ihr Großvater für lungenkranke Waisenkinder errichtet hat. Das wollen Frida und ihre Schwestern Louise und Emily vermeiden, denn in Hamburg herrschen schlimme Zustände, die Kinder kamen halb verhungert aus dem Waisenhaus bei ihnen an. Da das Personal bereits entlassen wurde, kümmern sich die drei jungen Frauen um die Kinder, bis ihnen hoffentlich eine bessere Lösung einfällt. Frida pausiert sogar mit ihrem Studium.

                          Frida, Louise und Emily sind sehr verschieden. Frida wirkt oft kühl und diszipliniert, aber sie brennt für die Medizin und will unbedingt Ärztin werden. Alles Neue, wie z.B. die Röntgenuntersuchungen, fasziniert sie. Sie will den Menschen helfen und scheut sich nicht, auch andere um Hilfe zu bitten.
                          Die kecke Louise hat noch keinen Plan für ihr Leben, liebt aber Amrum und will auf jeden Fall hierbleiben. „... spürst Du nicht auch die Freiheit? Ein Blick übers Meer und Du kommst zur Ruhe.“ (S. 68) Sie träumt von einer Ehe aus Liebe. Als ihre Mutter ihr vorschlägt, einen 50jährigen Jagdfreund ihres Vaters zu heiraten, verschwindet sie. Hat sie sich etwas angetan?
                          Emily träumt vom eigenen Fotoatelier in Hamburg oder Berlin, ordnet sich aber dem Willen ihrer Mutter und ihres Stiefvaters unter – schließlich geht nichts über die Familie. Nicht einmal das eigene Glück? „Einer muss doch dafür sorgen, dass alles weiterläuft.“ (S. 253)
                          Christian, der Halbbruder der Schwestern, ist erst 13, sehr verzogen und wird permanent bevorzugt. Er war mir extrem unsympathisch, weil er eine widernatürliche Freude daran hatte, hilflose Tiere und schwächere bzw. kleinere Kinder zu quälen. Ihm hätte ich mehrfach gern „den Hosenboden stramm gezogen“.
                          Luises Mutter ordnet sich ihrem Mann komplett unter – was er sagt ist Gesetz und wird nicht hinterfragt. Auch das Wohl ihrer Töchter scheint ihr leider nicht wirklich am Herzen zu liegen. Hauptsache, der schöne Schein wird gewahrt. Ich konnte ihre Beweggründe nicht immer verstehen, aber sie war als Figur trotzdem in sich stimmig.
                          Rudolf, der Stiefvater, tut nach außen so, als würde ihm die Familie über alles gehen, dabei will er nur nicht seinen Lebensstil aufrechterhalten. Er war mittellos und ist erst durch die Hochzeit zu Geld gekommen ...

                          Das Setting ist in sich stimmig. Die Autorin beschreibt die gegensätzlichen Lebensweisen auf der rauen Insel und der vom Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Großstadt, von arm und reich sehr bildlich. Sie geht auch auf die Zustände in den Hospitälern und Waisenhäusern ein, die zum Teil erschreckenden Behandlungs- und Forschungsmethoden, das Elend in den Gängevierteln und die sich verbreitenden Heroinsucht so kurz nach dem 1. WK.

                          „Das Seehospital“ hat mir sehr gut gefallen. Helga Glaesener beweist wieder einmal, dass sie eine ganz große Könnerin ihres Fachs ist. Ihr Buch hebt sich positiv von der Masse der „Insel-Arzt-Romane“ ab. Sie verwendet keine stereotypen Charaktere, die Personen und deren Handlungen passen genau in die damalige Zeit. Sie erspart ihren Lesern vorhersehbare Liebesgeschichten und unnötige Happy Ends. Es muss nicht alles gut ausgehen, das tut es im wirklichen Leben doch auch nicht.