Ines Thorn

Wolgatöchter

Weit ist das Land, groß die Hoffnung
Frankfurt, im Jahr 1765. Die Schwestern Annmarie, Aurora und Lydia leben in ständiger Furcht, denn ihr Vater Georg Reiche wird als Kunstdieb und Kunstfälscher im ganzen Land gesucht. Ein neues Leben im fernen Russland scheint der einzige Ausweg zu sein. Doch das Leben an der Wolga ist hart: Auf kalte, raue Winter folgen heiße, staubige Sommer. Das Haus, in das die Reiches einziehen, war einst Schauplatz eines grausigen Mordes. Annmarie begibt sich auf die Spuren der Tragödie, während Aurora sich auf eine gefährlich Affäre mit einem jungen Balten einlässt. Lydia indes muss zwischen zwei Männern wählen: dem, den sie liebt, und dem, der ihr das Überleben sichern kann.


Autorenbild Foto von Ines Thorn

Die  Autorin

Ines Thorn wurde 1964 in Leipzig geboren. Nach einer Lehre als Buchhändlerin studierte sie Germanistik, Slawistik und Kulturphilosophie. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Bei Wunderlich erschienen zuletzt ihre Romane «Das Mädchen mit den Teufelsaugen», «Teufelsmond» und «Wolgatöchter».


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Rezensionen

Papier und Tintenwelten

Beiträge 13
08.11.2017

    "Wolgatöchter" ist ein historischer Roman der Autorin Ines Thorn. In diesem Buch geht es um die drei Schwestern Annmarie, Aurora und Lydia. Die Geschichte beginnt in Frankfurt im Jahr 1765. Georg Reiche, der Vater, der drei Schwestern wird als Kunstfälscher und Kunstdieb im ganzen Land gesucht und so leben auch die jungen Frauen in ständiger Furcht. Durch puren Zufall begegnet Georg Reiche eines Tages einem Werber aus dem russischen Reich, der deutsche Bürger nach Russland holen soll.

    Für die heimatlose Familie scheint dies die Chance zu sein, nach der sich alle so sehr sehnen. Doch sie hatten sich keine Vorstellung davon gemacht, was sie in Russland wirklich erwarten würde. Nicht nur der heiße, staubige Sommer macht dort zu schaffen, sondern auch die rauen, eiskalten Winter ...
    Der Einstieg in die Geschichte ist mir dank des schönen Schreibstils der Autorin sogleich gut gelungen. Frau Thorn beschreibt die Gegebenheiten sehr einfühlsam, aber zudem gelingt es ihr auch gut Spannung aufzubauen. Zum Beispiel in den Passagen, in denen sich Annmarie auf Spurensuche begibt. Sie wurde von der Neugier gepackt, als sie herausfand, dass Mariann, die Tochter, der Familie, die zuvor in dem neuen Haus der Reiches gewohnt hat, ermordet wurde.

    Die zweite der Schwestern Aurora hat hingegen ganz andere Dinge im Kopf und stürzt sich gedankenlos in eine Affäre mit einem Balten, die durchaus gefährlich werden könnte. Die dritte der Schwestern, Lydia, sieht sich der Frage gegenüber, ob sie auf ihr Herz, oder auf ihren Verstand hören soll, während sie zwischen zwei Männern steht ...

    Die Mischung der Geschichten, die die jungen Frauen erleben hat mir gut gefallen und es brachte auch eine gute Menge an Abwechslung. Die Charaktere wurden gut ausgearbeitet und ich war neugierig, wie sie sich im Laufe der Geschehnisse weiterentwickeln würden. Wo ich mir manches mal ein bisschen mehr Tiefgang gewünscht hätte, war bei den Emotionen! Möglichkeiten hierfür waren durchaus geboten. Zu den historischen Gegebenheiten und ob diese richtig wiedergegeben wurden kann ich nicht viel sagen, da mein Wissen da auch nicht tief genug reicht.

    "Wolgatöchter" ist ein kurzweiliger Roman, der Einblicke in die Leben von drei verschiedenen Schwestern bietet und mich weitestgehend gut unterhalten hat!

    brigitte_schreiter

    Beiträge 76
    18.04.2017

      Das war der erste Roman, den ich von Ines Thorn gelesen habe und es ist auch mein erstes Buch welches im 1800 Jahrhundert, genau um 1765 spielt.
      Frankfurt Mitte 18.jahrhundert. Ilse hätte keinnen Grund ihren Ehemann zu verlassen, Fleiß und Strebsamkeit sind aber für ihn ein Fremdwort. Es ist schwer eine Familie mit drei Kindern zu ernähren. Er hält sich und seine Familie mit Fälschungen und Diebstählen über Wasser.
      Dann wagen sie den mutigen Schritt und es geht auf eine lange Reise mit vielen Schwierigkeiten an die Wolga. Vielleicht kennen viele den Begriff "Wolgadeutsche"
      Das Buch hat mir ziemlich gut gefallen. Eine Auswanderungsgeschichte mit einigen historischen Details.

      Herzblatt

      Beiträge 38
      21.03.2017

        Da ich gerne "Historische Romane" lese hat mir das Buch von Ines Thorn sehr gut gefallen. „Wolgatöchter“ ist eine sehr bewegende
        Geschichte um die Siedler, den Wolgadeutschen zu Zeiten von Katharina der
        Großen. Durch die kurzen Kapitel lässt sich das Buch auch mit
        Leseunterbrechungen sehr gut lesen.

        tinstamp

        Beiträge 18
        11.02.2017

          Von Ines Thorn habe ich schon einige Romane gelesen, wobei mir "Unter dem Teeebaum" bis jetzt am Besten gefallen hat und das ich euch gerne weiter empfehle!
          "Wolgatöchter" hat mich leider ziemlich zwiespältig zurückgelassen. Ich hatte die ganze Zeit über das Gefühl, dass die Autorin hier nur "an der Oberfläche gekratzt" hat. Die Geschichte plätschert vor sich hin und ging mir viel zu wenig in die Tiefe. Die Charaktere sind auch nicht wirklich sympathisch. Ich konnte mich mit niemand aus der Familie Reiche, die hier unsere Hauptprotagonisten sind, wirklich "anfreunden", noch mit ihnen mitfiebern. Dabei meint es das Schicksal gar nicht gut mit ihnen, denn das Familienoberhaupt, Vater Georg Reiche, wird wegen Kunstfälscherei gesucht. So zieht die ganze Familie von einem Ort zum anderen und kommt mehr schlecht als recht über die Runden.
          Da kommt ein "Russlandwerber" gerade recht. Dieser versucht Georg Reiche "anzuwerben" und das Familienoberhaupt verspricht sich für seine Familie eine bessere Zukunft im fremden Russland. Denn die deutschstämmige Zarin, Katharina die Große, sucht nach Landsleuten, die die Steppengebiete an der Wolga kultivieren sollen.

          Die anstrengende Reise von Frankfurt nach Saratow, das im südöstlichen Teil des europäischen Russlands, an der Grenze zu Kasachstan liegt, wurde sehr bildhaft und interessant erzählt. Der Weg ist beschwerlich und immer wieder werden Teile der Versprechungen nicht eingehalten. Es kommt zu Scheinhochzeiten, denn neuen Ehepaaren wird ebenfalls eigenes Geld und Land versprochen. So verheiratet Georg Reiche seine älteste Tochter Lydia einfach mit dem ebenfalls in eine neue Zukunft aufbrechenden Lehrer Anton. Lydia ist darüber entsetzt und fühlt sich vom Vater verraten. Sie bleibt jedoch im Buch die Vernünftigste und diejenige, die am meisten zupackt. Ich fand Lydia noch am sympathischten von der Familie.

          Nach ihrer Ankunft in Saratov wird den Reiches zuerst das versprochen Haus und Land verwehrt, doch dann werden sie in ein verlassenes, jedoch komplett möblierten Haus untergebracht. Bereits auf ihrer Reise ins neue, eher unwirtliche Land, haben die Reiches von Überfällen auf deutsche Zuwanderer erfahren. Die Kalmücken, mongolische Reitervölker, sind die Schlimmsten. Schon bald erfahren sie, dass im verlassen Haus, in dem sie untergebracht sind, eine deutsche Familie von diesen überfallen und umgebracht wurde. Besonders Annemarie beginnt sich mit der damaligen Tochter Marieann zu "identifizieren" und die vorher blasse und unauffällige Annemarie beginnt sich zu verändern.
          Aurora, die Jüngste, ist eine verzogene Göre, die weder mit anpackt, noch jemals zufrieden ist. Sie fühlt sich als etwas Besonderes und ihr einziges Ziel ist Reichtum und das angenehme Leben des Adels.

          Die drei Mädchen sind sehr unterschiedliche Charaktere und trotzdem konnte keine so wirklich bei mir punkten. Auch der Vater, Georg Reiche, ist sich zwar seiner Unfähigkeit anzupacken bewusst und hin und wieder plagt ihm das schlechte Gewissen, trotzdem ist Ilse, seine Frau, diejenige, die vernünftig ist und die Familie zusammenhält. Irgendwie bleiben mir hier alle Figuren einfach zu blass. Die Ausnahme ist ein ehrgeiziger und verschlagener polnischer Kaufmann, der schon bald das Leben der Familie heftig durcheinander wirbelt.

          Schreibstil:
          Ines Thorn's Schreibstil ist angenehm zu lesen. Das Buch ist in kurze Kapitel gegliedert und gut lesbar. Man wechselt zwischen den Schicksalen und Gedanken der einzelnen Familienmitglieder hin und her. Vielleicht ist die Geschichte wegen der für einen historischen Roman eher kurzen Seitenanzahl für mich nur eine Oberflächliche geblieben......
          Das Thema an sich wäre sehr interessant und habe ich in noch keinem anderen Roman vorgefunden.

          Cover:
          Das Cover finde ich ansprechend. Es nimmt Bezug zu Russland, die Farben sind harmonisch und das Gold gibt dem Cover einen edlen Touch.

          Fazit:
          Leider wurde aus dem interessanten Thema um deutsche Auswanderer nach Russland, die späteren "Wolgadeutschen", eine nur oberflächliche Geschichte mit nicht wirklich sympathischen Protagonisten. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Geschichte nur an der Oberfläche blieb....

          Susanne

          Beiträge 23
          01.09.2014

            Bewegendes Schicksal einer Auswandererfamilie

            Frankfurt, Mitte des 18. Jahrhunderts:
            Der erfolglose Maler Georg Reiche hält
            sich und seine Familie mit Fälschungen und kleinen Diebstählen über
            Wasser. Als er einem russischen Werber begegnet und erfährt, dass
            Katharina II. deutsche Familien sucht, die gewillt sind, sich in
            Russland eine neue Existenz aufzubauen, sieht Georg darin seine große
            Chance. Zusammen mit seiner geliebten Frau und den drei Töchtern
            macht er sich auf die lange, beschwerliche Reise an die Wolga. Nach
            ihrer Ankunft in dem fremden Land kommt die Ernüchterung, denn es
            ist alles nicht so einfach, wie es am Beginn der Reise ausgesehen
            hat. Viele Auswanderer sind schon unterwegs zurück geblieben und
            haben ihr Ziel nie erreicht.
            Die Familie Reiche wird in einem
            verlassenen, aber komplett möblierten Haus untergebracht. Schon bald
            erfahren sie, dass die vorherigen Bewohner von Kalmücken überfallen
            und umgebracht wurden. Annmarie Reiche fühlt sich der Tochter der
            ermordeten Familie verbunden und entdeckt immer mehr Gemeinsamkeiten
            zwischen der Toten und sich selbst. Auroras größter Wunsch ist,
            reich zu sein, und um das zu erreichen, lässt sie sich auf ein
            gefährliches Spiel ein. Lydia, die älteste Tochter der Reiches,
            fühlt sich hin und hergerissen, zwischen der Pflicht ihrer Familie
            gegenüber und ihren Träumen. Georg und Ilse Reiche versuchen, sich
            so gut wie möglich in ihrer neuen Heimat einzurichten, mit den
            Gegebenheiten zu arrangieren und ihren drei Töchtern eine gute
            Zukunft zu ermöglichen.

            Das wunderbar gestaltete Cover hat mich
            gleich verlockt, den neuen Roman von Ines Thorn zu lesen. Ich liebe
            den schönen Schreibstil der Autorin und wurde auch diesmal nicht
            enttäuscht. Sie hat eine ganz besondere Art, Schicksale und
            Begebenheiten zu schildern.
            Ich muss gestehen, dass ich über die
            damalige Zeit in Russland sehr wenig weiß und mit den historischen
            Daten nicht vertraut bin. Daher kann ich mir auch kein Urteil
            erlauben, was die Zeitangaben betrifft. Aber es geht hier auch mehr
            um eine Familiengeschichte im historischen Rahmen. Geschichtliche
            Details werden nur angerissen und bleiben eher im Hintergrund. Die
            meisten Charaktere und ihre Schicksale sind fiktiv, und es kommen
            kaum historische Persönlichkeiten im Roman vor. Für mich war es
            hier auch hauptsächlich interessant, wie die Lebensumstände damals
            in Russland waren und wie sich die Protagonisten in dem neuen Umfeld
            behaupten konnten, und das ist sehr lebendig und eindringlich
            geschildert.
            Nun weiß ich auch, wie es zu dem
            Begriff „Russlanddeutsche“ gekommen ist.
            Die einzelnen Charaktere und ihre
            Beweggründe sind sehr ausführlich und detailliert dargestellt, und
            man kann sich gut in die beschriebenen Situationen versetzen.
            Hauptsächlich dreht sich der Roman um die drei Reiche-Schwestern,
            die so völlig unterschiedlich sind und sich anfangs sehr fremd und
            verloren in der neuen Heimat fühlen. Letztendlich müssen sie ihren
            Weg finden, und jede von ihnen tut das auf ganz eigene Weise.
            Der Roman hat mich von Anfang an
            fasziniert und bis zuletzt nicht mehr losgelassen. Das weite Land,
            die Kälte, die Probleme und Ängste, dies alles kann man sich sehr
            gut und plastisch vorstellen, so wie es die Autorin darstellt. Mir
            hat diese Geschichte einen faszinierenden Blick in die damalige Zeit
            und in ein Land eröffnet, das mir bisher völlig fremd war.

            Lesegenuss

            Beiträge 23
            18.08.2014

              Spannende Geschichte um die Wolgadeutschen - Eine Familie geht ihren Weg

              Mitte des 18.
              Jahrhunderts zieht es viele Deutsche in das Land der unendlichen Weiten, nach
              Rußland, dem Reich von Katharina der Großen. Dort hofften sie auf ein besseres
              Leben. Für viele Siedler schien es ein Neuanfang zu sein, ihre Bedingungen,
              dort zu leben, äußerst verheißungsvoll. Doch niemand war darauf vorbereitet
              gewesen, wie hart das Leben sein würde. Monatelanger kalter, unbarmherziger Winter
              an der Wolga, und dann die extremen heißen Sommermonate. Lebensumstände, die
              die drei Schwestern Annmarie, Aurora und Lydia nicht kannten. Über das
              Schicksal der Wolgadeutschen kann man viel nachlesen.
              Als die Reiches erfahren, dass in ihrem jetzigen Haus die
              vorherige Familie von den Kalmücken ermordet worden war, fängt Annmarie an,
              sich für die Geschichte und vor allem der Tochter des Hauses, Mariann, zu
              interessieren.
              Manche Situationen wirkten sehr beklemmend, doch im
              nachhinein betrachtet, war es so zur damaligen Zeit. Und das die Schwestern
              verständlicherweise auch nach Liebe, Hoffnung für ihre Zukunft suchten, lässt
              hoffen. Wobei Lydia inzwischen schon verheiratet war.
              Vom Schreibstil her hat mich die Geschichte
              von Anfang an begeistert. Die Autorin versteht ihr Fach. Und so hat durch die
              Thematik der Wolgadeutschen und ihren sehr lebendig beschriebenen Protagonisten
              eine wirklich wunderbare Geschichte geschrieben.
              Die fiktiven Charaktere der Familie Reiche und
              anderen Nebencharaktere – eine gute Mischung zwischen all dem.
              „Weit ist das Land, groß die Hoffnung“ – so steht es
              auf der Coverrückseite. Und hier muss ich sagen, dass das Cover wirklich ein
              Blickfang ist – wunderschön!
              Fazit:
              Ines Thorn hat mit ihrem Roman „Wolgatöchter“ eine sehr bewegende
              Geschichte um die Siedler, den Wolgadeutschen zu Zeiten von Katharina der
              Großen geschrieben. Durch die kurzen Kapitel lässt sich das Buch auch mit
              Leseunterbrechungen sehr gut lesen. Die Geschichte hat mich abgeholt und
              gefesselt von Anfang an.