Ines Thorn

Wolgatöchter

Weit ist das Land, groß die Hoffnung
Frankfurt, im Jahr 1765. Die Schwestern Annmarie, Aurora und Lydia leben in ständiger Furcht, denn ihr Vater Georg Reiche wird als Kunstdieb und Kunstfälscher im ganzen Land gesucht. Ein neues Leben im fernen Russland scheint der einzige Ausweg zu sein. Doch das Leben an der Wolga ist hart: Auf kalte, raue Winter folgen heiße, staubige Sommer. Das Haus, in das die Reiches einziehen, war einst Schauplatz eines grausigen Mordes. Annmarie begibt sich auf die Spuren der Tragödie, während Aurora sich auf eine gefährlich Affäre mit einem jungen Balten einlässt. Lydia indes muss zwischen zwei Männern wählen: dem, den sie liebt, und dem, der ihr das Überleben sichern kann.


Autorenbild Foto von Ines Thorn

Die  Autorin

Ines Thorn wurde 1964 in Leipzig geboren. Nach einer Lehre als Buchhändlerin studierte sie Germanistik, Slawistik und Kulturphilosophie. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Bei Wunderlich erschienen zuletzt ihre Romane «Das Mädchen mit den Teufelsaugen», «Teufelsmond» und «Wolgatöchter».


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Rezensionen

brigitte_schreiter

Beiträge 21
18.04.2017

    Das war der erste Roman, den ich von Ines Thorn gelesen habe und es ist auch mein erstes Buch welches im 1800 Jahrhundert, genau um 1765 spielt.
    Frankfurt Mitte 18.jahrhundert. Ilse hätte keinnen Grund ihren Ehemann zu verlassen, Fleiß und Strebsamkeit sind aber für ihn ein Fremdwort. Es ist schwer eine Familie mit drei Kindern zu ernähren. Er hält sich und seine Familie mit Fälschungen und Diebstählen über Wasser.
    Dann wagen sie den mutigen Schritt und es geht auf eine lange Reise mit vielen Schwierigkeiten an die Wolga. Vielleicht kennen viele den Begriff "Wolgadeutsche"
    Das Buch hat mir ziemlich gut gefallen. Eine Auswanderungsgeschichte mit einigen historischen Details.

    Herzblatt

    Beiträge 17
    21.03.2017


      Da ich gerne "Historische Romane" lese hat mir das Buch von Ines Thorn sehr gut gefallen. „Wolgatöchter“ ist eine sehr bewegende
      Geschichte um die Siedler, den Wolgadeutschen zu Zeiten von Katharina der
      Großen. Durch die kurzen Kapitel lässt sich das Buch auch mit
      Leseunterbrechungen sehr gut lesen.

      tinstamp

      Beiträge 13
      11.02.2017

        Von Ines Thorn habe ich schon einige Romane gelesen, wobei mir "Unter dem Teeebaum" bis jetzt am Besten gefallen hat und das ich euch gerne weiter empfehle!
        "Wolgatöchter" hat mich leider ziemlich zwiespältig zurückgelassen. Ich hatte die ganze Zeit über das Gefühl, dass die Autorin hier nur "an der Oberfläche gekratzt" hat. Die Geschichte plätschert vor sich hin und ging mir viel zu wenig in die Tiefe. Die Charaktere sind auch nicht wirklich sympathisch. Ich konnte mich mit niemand aus der Familie Reiche, die hier unsere Hauptprotagonisten sind, wirklich "anfreunden", noch mit ihnen mitfiebern. Dabei meint es das Schicksal gar nicht gut mit ihnen, denn das Familienoberhaupt, Vater Georg Reiche, wird wegen Kunstfälscherei gesucht. So zieht die ganze Familie von einem Ort zum anderen und kommt mehr schlecht als recht über die Runden.
        Da kommt ein "Russlandwerber" gerade recht. Dieser versucht Georg Reiche "anzuwerben" und das Familienoberhaupt verspricht sich für seine Familie eine bessere Zukunft im fremden Russland. Denn die deutschstämmige Zarin, Katharina die Große, sucht nach Landsleuten, die die Steppengebiete an der Wolga kultivieren sollen.

        Die anstrengende Reise von Frankfurt nach Saratow, das im südöstlichen Teil des europäischen Russlands, an der Grenze zu Kasachstan liegt, wurde sehr bildhaft und interessant erzählt. Der Weg ist beschwerlich und immer wieder werden Teile der Versprechungen nicht eingehalten. Es kommt zu Scheinhochzeiten, denn neuen Ehepaaren wird ebenfalls eigenes Geld und Land versprochen. So verheiratet Georg Reiche seine älteste Tochter Lydia einfach mit dem ebenfalls in eine neue Zukunft aufbrechenden Lehrer Anton. Lydia ist darüber entsetzt und fühlt sich vom Vater verraten. Sie bleibt jedoch im Buch die Vernünftigste und diejenige, die am meisten zupackt. Ich fand Lydia noch am sympathischten von der Familie.

        Nach ihrer Ankunft in Saratov wird den Reiches zuerst das versprochen Haus und Land verwehrt, doch dann werden sie in ein verlassenes, jedoch komplett möblierten Haus untergebracht. Bereits auf ihrer Reise ins neue, eher unwirtliche Land, haben die Reiches von Überfällen auf deutsche Zuwanderer erfahren. Die Kalmücken, mongolische Reitervölker, sind die Schlimmsten. Schon bald erfahren sie, dass im verlassen Haus, in dem sie untergebracht sind, eine deutsche Familie von diesen überfallen und umgebracht wurde. Besonders Annemarie beginnt sich mit der damaligen Tochter Marieann zu "identifizieren" und die vorher blasse und unauffällige Annemarie beginnt sich zu verändern.
        Aurora, die Jüngste, ist eine verzogene Göre, die weder mit anpackt, noch jemals zufrieden ist. Sie fühlt sich als etwas Besonderes und ihr einziges Ziel ist Reichtum und das angenehme Leben des Adels.

        Die drei Mädchen sind sehr unterschiedliche Charaktere und trotzdem konnte keine so wirklich bei mir punkten. Auch der Vater, Georg Reiche, ist sich zwar seiner Unfähigkeit anzupacken bewusst und hin und wieder plagt ihm das schlechte Gewissen, trotzdem ist Ilse, seine Frau, diejenige, die vernünftig ist und die Familie zusammenhält. Irgendwie bleiben mir hier alle Figuren einfach zu blass. Die Ausnahme ist ein ehrgeiziger und verschlagener polnischer Kaufmann, der schon bald das Leben der Familie heftig durcheinander wirbelt.

        Schreibstil:
        Ines Thorn's Schreibstil ist angenehm zu lesen. Das Buch ist in kurze Kapitel gegliedert und gut lesbar. Man wechselt zwischen den Schicksalen und Gedanken der einzelnen Familienmitglieder hin und her. Vielleicht ist die Geschichte wegen der für einen historischen Roman eher kurzen Seitenanzahl für mich nur eine Oberflächliche geblieben......
        Das Thema an sich wäre sehr interessant und habe ich in noch keinem anderen Roman vorgefunden.

        Cover:
        Das Cover finde ich ansprechend. Es nimmt Bezug zu Russland, die Farben sind harmonisch und das Gold gibt dem Cover einen edlen Touch.

        Fazit:
        Leider wurde aus dem interessanten Thema um deutsche Auswanderer nach Russland, die späteren "Wolgadeutschen", eine nur oberflächliche Geschichte mit nicht wirklich sympathischen Protagonisten. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Geschichte nur an der Oberfläche blieb....

        Susanne

        Beiträge 18
        01.09.2014

          Bewegendes Schicksal einer Auswandererfamilie

          Frankfurt, Mitte des 18. Jahrhunderts:
          Der erfolglose Maler Georg Reiche hält
          sich und seine Familie mit Fälschungen und kleinen Diebstählen über
          Wasser. Als er einem russischen Werber begegnet und erfährt, dass
          Katharina II. deutsche Familien sucht, die gewillt sind, sich in
          Russland eine neue Existenz aufzubauen, sieht Georg darin seine große
          Chance. Zusammen mit seiner geliebten Frau und den drei Töchtern
          macht er sich auf die lange, beschwerliche Reise an die Wolga. Nach
          ihrer Ankunft in dem fremden Land kommt die Ernüchterung, denn es
          ist alles nicht so einfach, wie es am Beginn der Reise ausgesehen
          hat. Viele Auswanderer sind schon unterwegs zurück geblieben und
          haben ihr Ziel nie erreicht.
          Die Familie Reiche wird in einem
          verlassenen, aber komplett möblierten Haus untergebracht. Schon bald
          erfahren sie, dass die vorherigen Bewohner von Kalmücken überfallen
          und umgebracht wurden. Annmarie Reiche fühlt sich der Tochter der
          ermordeten Familie verbunden und entdeckt immer mehr Gemeinsamkeiten
          zwischen der Toten und sich selbst. Auroras größter Wunsch ist,
          reich zu sein, und um das zu erreichen, lässt sie sich auf ein
          gefährliches Spiel ein. Lydia, die älteste Tochter der Reiches,
          fühlt sich hin und hergerissen, zwischen der Pflicht ihrer Familie
          gegenüber und ihren Träumen. Georg und Ilse Reiche versuchen, sich
          so gut wie möglich in ihrer neuen Heimat einzurichten, mit den
          Gegebenheiten zu arrangieren und ihren drei Töchtern eine gute
          Zukunft zu ermöglichen.

          Das wunderbar gestaltete Cover hat mich
          gleich verlockt, den neuen Roman von Ines Thorn zu lesen. Ich liebe
          den schönen Schreibstil der Autorin und wurde auch diesmal nicht
          enttäuscht. Sie hat eine ganz besondere Art, Schicksale und
          Begebenheiten zu schildern.
          Ich muss gestehen, dass ich über die
          damalige Zeit in Russland sehr wenig weiß und mit den historischen
          Daten nicht vertraut bin. Daher kann ich mir auch kein Urteil
          erlauben, was die Zeitangaben betrifft. Aber es geht hier auch mehr
          um eine Familiengeschichte im historischen Rahmen. Geschichtliche
          Details werden nur angerissen und bleiben eher im Hintergrund. Die
          meisten Charaktere und ihre Schicksale sind fiktiv, und es kommen
          kaum historische Persönlichkeiten im Roman vor. Für mich war es
          hier auch hauptsächlich interessant, wie die Lebensumstände damals
          in Russland waren und wie sich die Protagonisten in dem neuen Umfeld
          behaupten konnten, und das ist sehr lebendig und eindringlich
          geschildert.
          Nun weiß ich auch, wie es zu dem
          Begriff „Russlanddeutsche“ gekommen ist.
          Die einzelnen Charaktere und ihre
          Beweggründe sind sehr ausführlich und detailliert dargestellt, und
          man kann sich gut in die beschriebenen Situationen versetzen.
          Hauptsächlich dreht sich der Roman um die drei Reiche-Schwestern,
          die so völlig unterschiedlich sind und sich anfangs sehr fremd und
          verloren in der neuen Heimat fühlen. Letztendlich müssen sie ihren
          Weg finden, und jede von ihnen tut das auf ganz eigene Weise.
          Der Roman hat mich von Anfang an
          fasziniert und bis zuletzt nicht mehr losgelassen. Das weite Land,
          die Kälte, die Probleme und Ängste, dies alles kann man sich sehr
          gut und plastisch vorstellen, so wie es die Autorin darstellt. Mir
          hat diese Geschichte einen faszinierenden Blick in die damalige Zeit
          und in ein Land eröffnet, das mir bisher völlig fremd war.

          Lesegenuss

          Beiträge 17
          18.08.2014

            Spannende Geschichte um die Wolgadeutschen - Eine Familie geht ihren Weg

            Mitte  des 18.
            Jahrhunderts zieht es viele Deutsche in das Land der unendlichen Weiten, nach
            Rußland, dem Reich von Katharina der Großen. Dort hofften sie auf ein besseres
            Leben. Für viele Siedler schien es ein Neuanfang zu sein, ihre Bedingungen,
            dort zu leben, äußerst verheißungsvoll. Doch niemand war darauf vorbereitet
            gewesen, wie hart das Leben sein würde. Monatelanger kalter, unbarmherziger Winter
            an der Wolga, und dann die extremen heißen Sommermonate. Lebensumstände, die
            die drei Schwestern Annmarie, Aurora und Lydia nicht kannten. Über das
            Schicksal der Wolgadeutschen kann man viel nachlesen.
            Als die Reiches erfahren, dass in ihrem jetzigen Haus die
            vorherige Familie von den Kalmücken ermordet worden war, fängt Annmarie an,
            sich für die Geschichte und vor allem der Tochter des Hauses, Mariann, zu
            interessieren.
            Manche Situationen wirkten sehr beklemmend, doch im
            nachhinein betrachtet, war es so zur damaligen Zeit. Und das die Schwestern
            verständlicherweise auch nach Liebe, Hoffnung für ihre Zukunft suchten, lässt
            hoffen. Wobei Lydia inzwischen schon verheiratet war.
            Vom Schreibstil her hat mich die Geschichte
            von Anfang an begeistert. Die Autorin versteht ihr Fach. Und so hat durch die
            Thematik der Wolgadeutschen und ihren sehr lebendig beschriebenen Protagonisten
            eine wirklich wunderbare Geschichte geschrieben.
            Die fiktiven Charaktere der Familie Reiche und
            anderen Nebencharaktere – eine gute Mischung zwischen all dem.
            „Weit ist das Land, groß die Hoffnung“ – so steht es
            auf der Coverrückseite. Und hier muss ich sagen, dass das Cover wirklich ein
            Blickfang ist – wunderschön!
            Fazit:
            Ines Thorn hat mit ihrem Roman „Wolgatöchter“ eine sehr bewegende
            Geschichte um die Siedler, den Wolgadeutschen zu Zeiten von Katharina der
            Großen geschrieben. Durch die kurzen Kapitel lässt sich das Buch auch mit
            Leseunterbrechungen sehr gut lesen. Die Geschichte hat mich abgeholt und
            gefesselt von Anfang an.