Lena Gorelik

Die Listensammlerin

Sofia liebt Listen – Listen von Schokoladensorten oder peinlichen Hundenamen. Diese Sammlungen bringen Ordnung in ihr Leben: An das Dasein als Mutter hat Sofia sich noch nicht gewöhnt, ihre Großmutter dämmert dement vor sich hin, und auch sonst läuft wenig rund. Eines Tages macht Sofia in der großmütterlichen Wohnung eine Entdeckung: eine andere Listensammlung, in kyrillischer Schrift – die Familie hat in den Siebzigern die Sowjetunion verlassen. Über diesen Fund stößt Sofia auf einen geheimnisvollen Onkel: ein lustiger, schräger Querkopf, der sich aber auch im Untergrund betätigt hat. Sofie spürt Onkel Grischas dunkler Geschichte nach und entdeckt, was die Vergangenheit für sie bedeutet.


Autorenbild Foto von Lena Gorelik

Der  Autor

Lena Gorelik, 1981 in St. Petersburg geboren, kam 1992 mit ihrer Familie nach Deutschland. Mit ihrem Debütroman «Meine weißen Nächte» (2004) wurde sie als Entdeckung gefeiert, mit «Hochzeit in Jerusalem» (2007) war sie für den Deutschen Buchpreis nominiert. Ihr Roman «Die Listensammlerin» (2013) wurde mit dem Buchpreis der Stiftung Ravensburger Verlag ausgezeichnet. 2015 erschien «Null bis unendlich», die «Welt am Sonntag» schrieb: «Ein starkes, ein emotionales Buch, das durch seine reduzierte Sprache große Gefühle offenlegt.» 2017 erschien der vielgelobte Roman «Mehr schwarz als lila», der für den Deutschen Jugendbuchpreis nominiert war.


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Rezensionen

Elisa

Beiträge 34
28.01.2017

Versprochen hatte ich mir von "Die Listensammlerin" eine leichte, unterhaltsame Geschichte (ja, ich gebe zu, Klappentexte lese ich nicht immer besonders gründlich). Bekommen habe ich eine Geschichte auf zwei Zeitebenen und nicht ohne Tiefgang rund um ein Familiengeheimnis. Gut gefallen haben mir die abgedruckten Listen, die die beiden Hauptpersonen Sofia in der heutigen Zeit und Grischa in der Nachkriegszeit erstellt haben. Sprachlich interessant fand ich, dass sich die manchmal etwas wirren und abschweifenden Gedankengänge in langen, verschachtelten, sich wiederholenden Sätzen wiederfinden. Manche Ereignisse werden ebenfalls listenartig aufgearbeitet. Dadurch wirkt das Buch thematisch clever aufgebaut. Besonders gut hat mir gefallen, dass das Ende des Buches zum Anfang passt, wie zwei Puzzleteile, die ineinander greifen. Dadurch wirkt die Geschichte in sich geschlossen. Positiv, wenn auch erschreckend fand die Szenen, in denen die Zustände in der ehemaligen Sowjetunion, zum Beispiel im "Gelben Haus", einem Pflegeheim beschrieben werden.
Was ich ein bisschen schade fand, sind die am Ende noch offenen Fragen. Welche das konkret sind, möchte ich hier in Hinblick auf zukünftige Leser nicht verraten. Andererseits fand ich das nicht so störend, dass ich dafür einen Punkt abziehen würde. Durch Zufall bin ich auf dieses Buch gestoßen und es hat sich wirklich gelohnt. Daumen hoch!

Bella5

Beiträge 13
13.05.2020

    Ein wunderbarer Roman

    Zur Autorin:
    Lena Gorelik, 1981 in St. Petersburg geboren, kam 1992 mit ihrer Familie nach Deutschland. Mit ihrem Debütroman "Meine weißen Nächte" wurde die damals 23-jährige Autorin als Entdeckung gefeiert, ihr zweiter Roman "Hochzeit in Jerusalem" war 2007 für den Deutschen Buchpreis nominiert.

    Klappentext:
    "Oft weiß Sofia nicht aus noch ein: An das Dasein als Mutter hat sie sich noch nicht gewöhnt, ihre kleine Tochter wird bald am Herzen operiert, Sofias eigene Mutter ist mehr Last als Hilfe, und die alte Großmutter dämmert dement vor sich hin. Nur ihre Leidenschaft, Listen anzulegen – Listen der peinlichen Kosenamen, der witzigen Neurosen, netten Ärzte etc. –, bringt ein wenig Ordnung in Sofias Leben. Da macht sie in der großmütterlichen Wohnung eine Entdeckung: eine andere Listensammlung, in vergilbte Hefte notiert, in kyrillischer Schrift – die Familie hat in den Siebzigern die Sowjetunion verlassen. Über diesen Fund stößt Sofia auf einen geheimnisvollen Onkel, über den nie jemand sprach: Onkel Grischa, ein Querkopf und schräger Vogel, der sich im Untergrund betätigt hat, der alle in Gefahr brachte und den trotzdem alle liebten. Anhand der Listen spürt Sofia Grischas dunkler Geschichte nach und entdeckt, was die Vergangenheit für das Jetzt und für sie bedeuten kann... 'Die Listensammlerin' erzählt mitreißend und mit wunderbar originellen Figuren die Geschichten von Grischa und Sofia. Ein oft komischer, warmer und lebensnaher Familienroman, der gar nicht so einfache Fragen stellt: was Familie, Nähe und Fremdsein bedeuten – und wer man selber ist. "


    Mein Fazit:
    "Die Listensammlerin" ist ein wunderbarer Roman. Die Widrigkeiten des (post)modernen Lebens werden durchaus humorvoll beschrieben, obschon manchmal eine gewisse Melancholie in die Erzählung Einzug hält. Sprachlich und stilistisch raffiniert komponiert, thematisch tiefgründig ist Goreliks Roman, ohne dabei je melodramatisch oder gar kitschig zu wirken.

    Ein Balanceakt zwischen den Kulturen, eine Sinnsuche. Dabei der Versuch, ein wenig Ordnung in das Chaos, das sich da "Leben" nennt, zu bringen - dies ist das Bestreben der Protagonistin Sofia.

    Als wäre das nicht genug, enthüllt sie ungewollt ein Familengeheimnis...

    Dieser Roman ist nicht zuletzt eine großartige Familiengeschichte, die ich allen Lesern, die Unterhaltungliteratur mit Anspruch bevorzugen, nur wärmstens empfehlen kann.

    ostseedeern

    Beiträge 27
    05.07.2017

      Leider hat die Autorin mich mit diesem Buch nicht erreicht. Die Geschichte und die Idee dahinter ist toll, keine Frage und ich bereue auch nicht, das Buch gelesen zu haben. Aber ich kam einfach nicht richtig rein in die Geschichte, die Sprünge waren mir zum Teil einfach zu groß.

      Trotzdem ein tolles Buch, das einen sehr nachdenklich stimmt.

      nonchalance

      Beiträge 10
      05.03.2017

        Sofia lebt mit ihrer Familie in München. Ihre herzkranke Tochter Anna, die zwei Jahre alt ist, soll das dritte Mal operiert werden. Seit sie denken kann, schreibt Sofia Listen, auch um Streß abzubauen. Ihre Mutter ging mit ihr deshalb zum Psychologen, dabei sammelt sie selbst leidenschaftlich Panini-Bilder und die Großmutter hat einen Zahlen- und Backfimmel.
        Ihr Onkel Grischa in der UdSSR schrieb auch Listen. Könnte die Listenschreibwut ein Familienerbe sein?
        Die Autorin erzählt die Geschichte von Sofia und Grischa in zwei Strängen. Leider hat das Buch für mich kein richtiges Ende, ist aber trotzdem sehr lesenswert.

        Mikki

        Beiträge 2
        05.11.2013

          Schöne Charaktere & ein kleines, großes Geheimnis!

          Die Protagonistin Sofia hat eine eher seltene Leidenschaft, die schreibt, pflegt und sammelt Listen! Über die verschiedensten Dinge schreibt sie Listen, vervollständigt sie und wird deswegen von ihrer Familie für etwas eigenartig gehalten, doch dann findet Sofia eine Kiste mit Listen im Schrank ihrer kranken Großmutter ... doch von wem sind diese Listen??

          Das Buch ist eigentlich mehr oder weniger eine leicht geheimnisvolle Familiengeschichte, Sofia weiß kaum etwas über ihren verschollenen Vater, ihre Großmutter lebt im Altersheim und bekommt nicht mehr all zu viel mit, ihre Tochter ist schwer krank ... doch als die Listen eines ihr unbekannten Onkels auftauchen schwenkt das Buch immer mal wieder in die Vergangenheit und der Leser wandert in den Kapiteln immer mal wieder hin und her ...
          Mal erleben wir mit Sofia einen Tiefschlag nach dem anderen, und im nächsten Kapitel geht man mit Grischa zu einer Beerdigung eines Dichters oder plant geheimnisvolle Aktionen ... man kann bei den Sprüngen aber immer gut mitkommen, da sie auch in verschiedenen Schriften geschrieben sind!

          Generell haben mir die Teile von Grischa besser gefallen, bei ihm war mehr los, was mich interessierte und ich fand ihn sympathischer, Sofia hingegen ist mir etwas zu anstrengend, obwohl sie mich am Ende dann doch noch von sich überzeugen konnte, weil sie ihr Leben doch noch etwas in den Griff bekommt ...

          Das Buch lässt sich, trotz der vielen, teils komplizierten Situationen gut lesen, die Autorin hat einen tollen Stil, der nichts beschönigt (z.B. die Situation der Oma im Altenheim) und doch schön erzählend ist und kreativ!
          Manchmal kommen dann auch wirklich Listen vor, die die Protagonisten geschrieben haben, das finde ich eine schöne Idee!

          Auch wenn das Ende doch sehr offen ist, finde ich es genau passend, vor allem weil durch kleine Gesten im Buch, dann doch eine mögliche Antwort auf die offenen Fragen gegeben wird ...