Natasha Solomons

Das goldene Palais

Der Beginn einer Ehe. Das Ende einer Dynastie.
Wien, 1910. Die jüdische Bankiersfamilie Goldbaum ist alt und mächtig. Ihr Einfluss reicht bis in die höchsten Kreise der Regierung, sei es in Österreich oder anderswo in Europa. Von einem derartigen Einfluss kann Greta Goldbaum nur träumen. Sie wird nicht einmal gefragt, als ihre Heirat beschlossen wird. So findet sie sich bald im fremden England wieder, an der Seite von Albert, einem Spross des hiesigen Zweigs der Familie. Was ein großes Unglück sein könnte, birgt tatsächlich Hoffnung. Doch der Krieg wirft bereits seine Schatten voraus. Ein Krieg, der die Dynastie der Goldbaums zerreißen wird …
Spannender Zeitkolorit, opulente Kulissen und lebendige Figuren – allen voran eine starke Frau


Autorenbild Foto von Natasha Solomons

Die  Autorin

Natasha Solomons wurde 1980 geboren. Sie lebt mit ihrer Familie in Dorset, wo sie gemeinsam mit ihrem Mann als Drehbuchautorin arbeitet. Ihre Bücher wurden in sechzehn Sprachen übersetzt. "Das goldene Palais" ist ihr fünfter Roman. 


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Rezensionen

tinstamp

Beiträge 38
18.09.2020

Bewertung: 4 1/2 Sterne
Der opulente Roman spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Wien und weiteren europäischen Metropolen und erzählt die Geschichte der jüdischen Bankiersfamilie Goldbaum, dessen Familienmitglieder in ganz Europa verstreut sind. Mich erinnerte doch so einiges an die legendäre Familie Rothschild, die in Östereich vor den Weltkriegen riesige Besitztümer hatten.
Die Lebenswege der reichen Familienmitglieder sind damals vorgezeichnet. Gut florierende Bankhäuser in ganz Euopra erinnern sich an die Heiratspolitik der Habsburger und nehmen sich diese zum Vorbild. So auch die jüdische Bankiersfamilie Goldbaum.

Im Mittelpunkt des Romans von Natasha Solomons steht die 20jährige Greta Goldbaum aus Wien, die ihren Cousin Albrecht aus dem englischen Zweig der Familie ehelichen soll. Albert ist als Langweiler bekannt, der Schmetterlinge und Käfer sammelt. Er wäre gerne Entomologe geworden und passt so gar nicht zur quirligen Greta, die sich trotz der Verwandtschaftsverhältnisse nicht persönlich kennen. Viel lieber wäre Greta eine Verbindung zu ihrem französischen Cousin Henry eingegangen, mit dem sie sich sehr gut versteht. Zu ihrem Bruder Otto, der sich für das Weltall und für Physik interessiert, hat Greta abenfalls eine sehr enge Verbindung. Doch auch die beiden Männer sind in ihrer Familienpolitik eingeschränkt und müssen sich den Wünschen ihrer Väter beugen, ebenso wie Alberts älterer Bruder Clemens, der einmal die Bankgeschäfte übernehmen soll, aber so gar kein Händchen fürs Geld hat.

Greta hat sich in den Kopf gesetzt ihre Ehe nicht auf ein Nebeneinander aufzubauen, sondern möchte ihr eine Chance geben. Die britische Insel ist ihr jedoch sehr fremd und Greta langweilt sich schnell. Man erwartet von ihr nichts anderes, als für Nachwuchs zu sorgen. Ihre Schwiegermutter versucht ihr durch ihre eigene Liebe zum Garten zu helfen und so findet Greta bald Freude an der Gartenarbeit. In späterer Folge versucht sie mittellose Frauen zu unterstützen und richtet ein Gebärhaus auf dem Grundstück ein, wo die Frauen bis zur Geburt im Garten helfen und ein klein bisschen Lebensmut wiederfinden. Als Albert anfängt sich Greta langsam zuzuwenden, bricht der Große Krieg aus und Greta wird in ihrem neuem Heimatland plötzlich zum Feind...

In einem weiteren Erzählstrang lernen wir den obdachlosen Jungen Karl kennen, der in den unterirdischen Kanälen Knochen sammelt, um sie den Seifensiedern zu verkaufen. Damit verdient er sich ein paar Heller, um zu überleben. Größtenteils hält er sich in den Kanälen in der unmittelbaren Nähe des Goldbaum Anwesens auf. Beim Lesen fragte ich mich die ganze Zeit, warum wir aus seiner Perspektive lesen, doch im letzten Drittel nimmt Karl einen wichtigen Part ein und leztendlich schließt sich der Kreis.
Solomon erzählt aber nicht nur aus der Sicht von Greta und Karl, sondern auch aus anderen Perspektiven.

Der Kaiser war ein alter Mann. Er war der älteste Kaiser der Welt. Rings um ihn wandelte der Tod im Kreis, im Kreis und mähte und mähte. Schon war das ganze Feld leer, und nur der Kaiser, wie ein vergessener silberner Halb, stand noch da und wartete. ZITAT BUCHANFANG -Joseph Roth, Radetzkymarsch-

Der Roman spielt in der Zeit von 1910 bis 1917. Schauplätze der Familiensaga sind Österreich, Großbritannien, Frankreich, die Schweiz und Russland. In all diesen Ländern - mit Ausnahme Russlands, wo Juden nicht gern gesehen waren - lebte mindestens einer aus dem Familienzweig der Goldbaums. Geld regiert zwar die Welt, aber es verheißt nicht automatisch Glück. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges erleiden die Goldbaums ebenso Verluste und Leid, wie ihre armen Mitmenschen. Das Grauen nimmt keinen Umweg, sondern erreicht alle Menschen, ob jung oder alt, arm oder reich.

Der geschichtliche Hintergrund vor und während des Ersten Weltkrieges ist hervorragend recherchiert und in die Familiengeschichte eingeflochten. Solomon gibt Einblicke in das jüdische Alltagsleben und in den gesellschaftlichen Umbruch. Auch Gustav Klimts Geliebte Emilie Flöge, deren Kleider Greta trägt und die damit auf Korsagen pfeift, findet Erwähnung, genauso wie der Untergang der Titanic.

Die Protagonisten sind sehr vielschichtig und lebendig gezeichnet. Greta ist eine moderne und unkonventionelle junge Frau. Sie findet in ihrer arrangiert Ehe schlussendlich Glück und Geborgenheit und in der Gartenarbeit Kraft und neuen Lebensmut.

Fazit:
Eine umfangreiche Familiengeschichte einer jüdischen Bankiersfamilie, die wunderbar in die historischen Begegebenheiten vor und während des Ersten Weltkrieges eingeflochten wurde.Die vielen Seiten sind schnell gelesen, denn der Sog des Romans hält einem sehr schnell gefangen. Auch hier kann ich eine Leseempfehlung aussprechen.

Vielleserin

Beiträge 67
20.08.2020

Der Beginn einer Ehe. Das Ende einer Dynastie.
Wien, 1910. Die jüdische Bankiersfamilie Goldbaum ist alt und mächtig. Ihr Einfluss reicht bis in die höchsten Kreise der Regierung, sei es in Österreich oder anderswo in Europa. Von einem derartigen Einfluss kann Greta Goldbaum nur träumen. Sie wird nicht einmal gefragt, als ihre Heirat beschlossen wird. So findet sie sich bald im fremden England wieder, an der Seite von Albert, einem Spross des hiesigen Zweigs der Familie. Was ein großes Unglück sein könnte, birgt tatsächlich Hoffnung. Doch der Krieg wirft bereits seine Schatten voraus. Ein Krieg, der die Dynastie der Goldbaums zerreißen wird …
Spannender Zeitkolorit, opulente Kulissen und lebendige Figuren – allen voran eine starke Frau (Klappentext)

Dieser sehr gut geschriebene Roman scheint aufwändig recherchiert worden zu sein. Der geschichtliche Hintergrund ist sehr gut in die Geschichte der Goldbaums integriert worden. Es wird auf anschauliche Weise der „Zeitgeist“ wiedergegeben und dargestellt. Der Schreibstil ist anschaulich, lebendig, gut verständlich, spannend und vor allem sehr bildhaft. Ich konnte mir alles und jeden sehr gut vorstellen. Die Charaktere sind je nach Person aus ausgearbeitet und beschrieben und ich hatte das Gefühl ich würde die Goldbaums schon lange kennen. Das Buch nahm mich gefangen und ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen, bis ich wußte wie es endet. Ein empfehlenswertes Buch.

kerstin2601

Beiträge 63
23.07.2020

Auf dieses Buch freue ich mich schon sehr.
Die Geschichte einer einflussreichen, jüdischen Familie wird hier erzählt und die Fortführung der Generation.
Der Roman zeigt Schauplätze über verschiedene Länder hinweg und wird schließlich überschattet von den Anfängen einer schrecklichen Zeit.

Marian

Beiträge 28
02.02.2021

    Goldbaum-Dynastie, das Leben einer weitverbreiteten jüdischen Bankiersfamilie
    Greta Goldbaum soll mit ihrem Cousin Albert verheiratet werden. Sie lebt in Wien, er in London. Wie soll das bloß werden. Greta weigert sich, ihre Familie besteht auf dieser Heirat. Der Anfang in der neuen Heimat und mit Albert ist sehr schwierig. Ihre Schwiegermutter gibt ihr einen Rat, den sie befolgt. So ganz langsam finden Albert und Greta zueinander, da beginnt der 1. Weltkrieg und alles gerät aus den Fugen.
    Das Cover ist sehr gut gestaltet. Der Schreibstil ist ausgezeichnet und sehr verständlich gewählt.
    Der Roman regt sehr zum Nachdenken an und ist daher sehr zu empfehlen.

    Sonja26

    Beiträge 24
    18.01.2021

      Ich bin ein wenig hin- und hergerissen, was die Bewertung des Buches "Das Goldene Palais" angeht. Der Klappentext hat mich unheimlich angesprochen und konnte mir eine richtig gute spannende Geschichte darunter vorstellen. Ich bin auch gut in die Geschichte hinein gekommen und fand die Familie Goldbaum irgendwie trotz des ganzen Geldes sympathisch. Vor allem die Protagonistin Greta ist mir schnell ans Herz gewachsen, denn sie wird als starke und individuelle Frau dargestellt, die man gerade deshalb sehr schnell ins Herz schließt. Gut fand ich, wie die Geschichte vor dem politischen und aktuellen Weltgeschehen aufgezogen wurde, das mag ich immer sehr gerne. Zwischendurch waren mir die Beschreibungen von allem aber recht langatmig. Und zunächst habe ich auch die "Zweitgeschichte" über den Jungen in der Kanalisation unter dem Palast nicht ganz verstanden. Es dauert etwas, bis sich dieser Kreis schließt. Und dann wird das Buch auch noch richtig dramatisch und spannend. Insgesamt fand ich es echt gut, irgendwie, aber irgendwie dann auch teilweise etwas langweilig oder langatmig. Es hat mir aber viel Spaß gemacht, es zu lesen.

      Sklein

      Beiträge 22
      13.12.2020

        Die Familie Goldbaum, eine der mächtigsten Familien Europas und Bankiersfamilie im 19. Jahrhundert. Und noch dazu sind sie Juden. Die junge Greta aus Wien soll Albert, den Nachfolger des Bankhauses in London heiraten. Denn seit jeher ist es tradition, dass die Goldbaummädchen einen Goldbaumjungen heiraten. Auch wenn diese sich nicht kennen, so wie im Fall von Greta und Albert. Dementsprechend schwierig beginnt die Ehe und die Beziehung zwischen Greta und Albert. Als endlich ein Silberstreif am Horizont erscheint, beginnt der 1. Weltkrieg und alles ist anders.

        Eigentlich hätte ich das Buch nicht gelesen, da es nicht in mein Genre fällt. Ich habe das Buch jedoch im Rahmen eines Buchpaketes der Bouchboutiqe geschenkt bekommen und muss sagen, ich bin froh es gelesen zu haben.
        Mir persönlich geht es so, dass ich über den 2. Weltkrieg ziemlich gut Bescheid weiß, über den 1. Weltkrieg weiß ich jedoch eher wenig. Ich fand es sehr interessant, auch darüber etwas mehr zu erfahren, aber auch sehr traurig, da auch das Leid der Soldaten beschrieben wird.

        Alles in allem ein sehr gutes Buch, für das ich eine klare Lesempfehlung gebe

        Buchgefühle

        Beiträge 12
        06.10.2020

          Eine umfangreiche Familiengeschichte einer jüdischen Bankiersfamilie, die wunderbar in die historischen Begegebenheiten vor und während des Ersten Weltkrieges eingeflochten wurde. Die vielen Seiten sind schnell gelesen, denn der Sog des Romans hält einem sehr schnell gefangen. Auch hier kann ich eine Leseempfehlung aussprechen.

          Arietta

          Beiträge 54
          28.09.2020

            Meine Meinung zur Autorin und Buch :
            Es ist mein erster Roman von Natascha Solomons, und ich bin mehr als angenehm überrascht.
            Sie hat eine sehr packende Geschichte über die jüdische Bankiersfamilie Goldbaum geschrieben, es geht hier um starke und unerschütterliche Familienbande, Macht, Reichtum und natürlich auch die Liebe. Das Imperium der Familien ist über die ganze Welt verstreut, mit eigenen Kurieren, sogar wurde untereinander geheiratet im 3. Grad, das alles in den Händen der Goldbaums blieb. Die Saga, ähnelt den der Rothschilds, wenn man ein wenig googelt. Man spürt mit wie viel Leidenschaft und Herzblut sie das ganze geschrieben hat. Sie nimmt einem an der Hand und entführt uns in das geschehen, das man ein Teil des ganzen wird, mit den Goldbaums, sich freut, bangt und hofft. Alles ist sehr Bildhaft erzählt, das man das ganze als Leser nicht vergessen wird. Ihre Figuren kommen wie aus Fleisch und Blut daher, auch lässt sie uns tief in die Seelen und Charaktere der einzelnen Protagonisten blicken. Eine Geschichte bei der man sich wünscht das sie enden würde.

            Ich habe mich von Anfang an in Greta verliebt, die sehr starrköpfig, übermütig und reizbar sein konnte, und sich den Konventionen der Gesellschaft widersetzte. Aber sie kann auch sehr loyal sein, und hat ein großes Herz, für die armen und gebeutelten Mitmenschen. Ich habe sie für jeden ihrer Schritte bewundert. Sie stellt ihren Reichtum nie zur Schau. Es erstaunte mich, das sie Albert in England heiratete, ich hatte mehr Eigensinn erwartet, denn sie muss ihr geliebtes Wien verlassen. Ich muss sagen, sie lebte sich recht schnell in England ein, und verstand auch ihren Willen durchzusetzen. Berührend wie sich Albert und Greta annäherten, und ihre Liebe langsam aber stetig zu einander wuchs. Auch ihre Schwiegermutter Adelheid , ist ein Feinfühliger Mensch. Als das Glück unendlich scheint, wirft der große Krieg seine Schatten voraus, auch die Bankiersfamilie Goldbaum ist weltweit darin verstrickt, als Geldgeber für die Kriegswaffen. Gretas Bruder Otto, an dem sie sehr hängt, geht anstatt nach New York, nach Russland in den Krieg . Auch ihr Mann Albert, muss in den Krieg, ihn verschlägt es nach Frankreich. Ob Greta, ihre Geliebten Menschen, wieder in ihre Armen schließen kann ? Man bekommt tiefe Einblicke in die Aristokratische, und Poltische, Finanzwelt, und den großen Krieg. Wie alles mit einander verknüpft und verbunden ist, auch die Finanzwelt die voller Risiken für die Goldbaums sind. Eine Familie die man ins Herz schließt, und mit Greta, durch ihre Englische Gärten wandert, und teil hat am Wachsen und gedeihen. Eine Geschichte die mich sehr berührt und bewegt hat, ein spannungsreicher Geschichtsunterricht.

            „Eine Facettenreiche Familiensaga über Liebe und Macht, die einem verzaubert „

            goejos

            Beiträge 47
            12.08.2020

              Was wird das werden?
              Greta Goldbaum aus Wien soll einen Goldbaum aus England heiraten. Abert. sie kennt ihn nicht, hat ihn noch nie gesehen, aber es ist so beschlossen worden. Ihre unbeschwerte Jugendzeit mit Otto, ihrem Bruder ist vorbei. Es geht mit dem Zug nach England. Sie fährt einer ungewissen Zukunft entgegen. Was das Schicksal bringen wird? Der Roman wird es uns erzählen.