Petra Oelker

Das klare Sommerlicht des Nordens

Zwei Frauen, ein Traum. Freiheit.
Sidonie Wartberger führt ein von materiellen Sorgen unberührtes Dasein in einer Villa an der Hamburger Außenalster. Doch die junge Ehefrau aus jüdischem Haus fühlt sich eingezwängt wie in ein Korsett. Sie träumt von einem anderen, viel freieren Leben.
Dora Lenau wohnt am unteren Ende der Stadt, im Hafenviertel, in kümmerlichen Verhältnissen. Sie träumt von finanzieller Unabhängigkeit, von einem kleinen Atelier für Avantgarde-Mode.
Als ihre Not am größten ist, kreuzen sich die Wege der beiden Frauen. Gemeinsam wagen sie es, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben ...


Autorenbild Foto von Petra Oelker

Die  Autorin

Petra Oelker, geboren 1947, arbeitete als Journalistin und Autorin von Sachbüchern und Biographien. Mit «Tod am Zollhaus» schrieb sie den ersten ihrer erfolgreichen historischen Kriminalromane um die Komödiantin Rosina, neun weitere folgten. Zu ihren in der Gegenwart angesiedelten Romanen gehören «Der Klosterwald» «Die kleine Madonna» und «Tod auf dem Jakobsweg». Zuletzt begeisterte sie mit «Emmas Reise», einer Road Novel in der Zeit nach dem 30jährigen Krieg.


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Rezensionen

Dreamworx

Beiträge 8
21.10.2015

Zwei Frauenschicksale in Hamburg um 1900

Hamburg 1906. Sidonie ist eine junge verheiratete jüdische Frau, die mit ihrem Ehemann privilegiert im Hause ihrer Schwiegereltern in einer Villa an der Außenalster lebt. Eigentlich hat sie alles, was man sich wünschen kann: einen wohlhabenden Haushalt, einen liebenden Ehemann und nichts, dass sie entbehren muss. Doch sie leidet darunter, dass sie die Erwartungen der Familie und ihres Mannes nicht erfüllen und ihnen kein Kind schenken kann. Sie wird nach zwei Fehlgeburten depressiv und schwermütig. Um sie von ihrem Schmerz abzulenken, verordnet ihr Mann ihr eine vierwöchige Auszeit in einem Malkurs, denn Sidonie war schon früher eine ganz passable Malerin. Nach ihrer Rückkehr lernt sie durch einen glücklichen Zufall Dora kennen, eine Aushilfsnäherin aus ärmlichen Verhältnissen mit unbekannter Herkunft, die in Sidonies Haushalt Ausbesserungen vornehmen soll. Die beiden Frauen, so unterschiedlich sie von ihrer Herkunft sind, verstehen sich gut und jede lernt durch die andere eine neue Sichtweise auf die Welt.

Petra Oelkers historischer Roman „Das klare Sommerlicht des Nordens“ ist ein Gesellschaftsroman der besonderen Art. Der Schreibstil ist wunderbar zu lesen, sehr bildreich und intensiv, als Leser kann man regelrecht in den Sätzen schwelgen und fühlt sich zurückversetzt in eine bereits 100 Jahre zurückliegende Zeit. Sowohl die damalige Gesellschaftsstruktur ist sehr schön herausgearbeitet als auch das in der Bevölkerung geschürte Misstrauen gegenüber Juden aufgezeigt. Die Erzählung teilt sich in zwei Handlungsstränge, in dem einen wird das Leben und die Welt um Sidonie beleuchtet, der andere befasst sich mit Dora und ihrem Umfeld. Die Charaktere der Hauptprotagonistinnen sind sehr detailliert und liebevoll gezeichnet, wirken wunderbar authentisch und lebensecht. Obwohl die beiden Frauen von ihrer Herkunft her nicht unterschiedlicher sein könnten, verbindet sie nach einiger Zeit ihres Kennenlernens eine ungezwungene Beziehung, fast könnte man es Freundschaft nennen. Während Sidonie die Sehnsucht zur Malerei und dem Gebrauch und Einsatz von Farben, Licht und Schatten verspürt, wünscht sich Dora einen eigenen Mode- und Schneidersalon, wo sie endlich nach ihren Entwürfen Kleider nähen und den Kundinnen näher bringen kann. Die unerfüllten Träume verbinden die beiden Frauen, jeder von ihnen fehlt eine Vertrauensperson, der sie sich mitteilen können und der unvoreingenommen zuhört und Rat gibt, woraus beide Kraft und Mut schöpfen, sich ihren Träumen zu stellen und womöglich andere damit vor den Kopf zu stoßen, wenn sie sich aufmachen, diese zu verwirklichen.

Ein wunderschöner Roman über eine unkonventionelle Freundschaft, über heimliche Träume und den Mut zur Tat und dem dazugehörenden Widerstand durch die Gesellschaft und die Familie. Ein historischer Roman, der in die Tiefe geht und sich mit den Gedanken und Gefühlen der Frauen zur damaligen Zeit beschäftigt. Ein wahrer Lesegenuss, absolut empfehlenswert.

SLovesBooks

Beiträge 8
24.06.2017

    Dieses Buch hat mir gut gefallen, es beschreibt gefühlvoll die Lebenssituation von zwei Frauen mit der ganzen Facette von Emotionen.

    Ich habe selten einen historischen Roman gelesen, der mich auf der emotionalen Schiene derart angesprochen hat wie dieser. Die Autorin beherrscht das atmosphärische Schreiben außergewöhnlich gut. Dennoch ist der Roman flüssig zu lesen.

    Die Charakter haben eine derartige Tiefe, dass man glauben könnte man kennt sie bereits seit Jahren und man wäre die besten Freundinnen. Durch die Detailverliebtheit der Autorin wird eine derartige Authentizität erzeugt. Es handelt sich bei diesen Charakteren um wirklich perfekt ausgearbeitete Figuren.

    Die Geschichte ist wirklich mitreißend und auch historisch interessant, ich kann diesen Roman uneingeschränkt empfehlen, er hat mir sehr gefallen.

    Leselust

    Beiträge 34
    08.05.2017

      In diesem Buch, das Anfang 1900 spielt, hat es Petra Oelker geschafft, mich in die damalige Zeit zu versetzen. Das Leben der Protagonistinnen Sidonie und Dora könnte unterschiedlicher nicht sein, sie haben jedoch insgeheim die gleichen Träume und können sich gegenseitig helfen, diese zu verwirklichen.

      Durch den lebensnahen Schreibstil fühlte ich mich den Protagonistinnen sehr nah und konnte einerseits das Leben der besseren Gesellschaft, wie auch das Leben der Minderbemittelten sehr gut nachvollziehen.

      Das Buch erklärt auch sehr interessant und verständlich die politischen Verhältnisse, gerade auch im Umgang mit dem Judentum. Hier werden auch einige jüdische Sitten und Gebräuche toll ins Geschehen eingeknüpft.

      Mein Fazit: Lesen - in damalige Verhältnisse eintauchen - und auch noch Geschichte lernen - spitze

      Bücherfreundin

      Beiträge 47
      07.02.2017

        Hamburg, 1906: Während überall im Deutschen Reich nationalsozialistische und "rassebewusste" Organisationen immer stärkeren Zulauf finden und das Reich langsam, aber sicher auf einen der verheerendsten Kriege in der Geschichte zusteuert, kämpfen in der Hansestadt zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, mit ganz anderen Problemen.
        Sidonie Wartberger hat eigentlich alles. Als Ehefrau eines erfolgreichen jüdischen Beamten führt sie ein ebenso behütetes wie materiell sorgenfreies Leben in einer ruhigen Villa an der Außenalster. Aber eigentlich alles zu haben, macht nicht glücklich, wenn etwas Entscheidendes fehlt: Freiheit und Erfüllung.
        Dora Lenau hingegen ist einfache Näherin in einer Manufaktur. Sie kämpft mit den Unbillen der immer drohend über ihr schwebenden Armut, mit dem sie umgebenden Elend - und mit ihren Träumen von Selbstverwirklichung, finanzieller Unabhängigkeit und einer eigenen Modelinie.

        Petra Oelker spannt in ihrem historischen Roman "Das klare Sommerlicht des Nordens" einen höchst einnehmenden atmosphärischen Schirm auf, der den Leser schon nach wenigen Seiten in das Buch und die beschriebenen Ereignisse hineinfallen lässt - so tief, dass man beinah verwirrt auf seine Umgebung blickt, taucht man wieder aus den Seiten hervor.
        Eloquent erzählt sie nicht nur das Leben zweier ebenso außergewöhnlicher, wie für das beginnende 20. Jahrhundert sicherlich durchaus auch normaler Frauen, zweier Frauen mit Wünschen, Zweifeln, Ambitionen im Kampf gegen Konventionen und die Grenzen ihrer Zeit. Sie erzählt eine ganze Gesellschaft, zeichnet ein vielschichtiges und ebenso schillerndes, edel perlmutterfarben glänzendes, wie auch in Grau- und Brauntönen abgestuftes Bild einer ganzen Generation und der Hansestadt Hamburg. Einnehmend vermag sie die verschiedenen Lebenswelten zu einer Einheit zusammenzufügen, aus ganz unterschiedlichen Teilen, mit ganz unterschiedlichen Menschen und Schicksalen, ohne dass Brüche und Diskrepanzen entstehen.
        Petra Oelkers Stil ist erfrischend anspruchsvoll in der Welt der historischen Romane, sorgfältig angepasst an die erzählte Zeit und mit viel Liebe zum Detail und einem ausgeprägten Sprachgefühl ausgestaltet.

        Gleiches gilt für ihre Figuren: sie werden mit all ihren Ecken und Kanten, Abgründen und (vielleicht ab und an falschen) Entscheidungen in ganz nonchalanter Weise so plastisch beschrieben, dass man sie, träfe man sie auf der Straße, sofort erkennen würde.

        Mich hat dieser Roman in jeder Hinsicht überzeugt: in meinem Hunger nach literarischer Qualität, in meinem Wunsch, in eine Geschichte und die Historie einzutauchen, vor allem aber in der so plastisch ausgestalteten Atmosphäre der Hansestadt Hamburg an der Schwelle zum so wechselvollen 20. Jahrhundert.

        Für dieses authentische Buch, das auch in literarischer Hinsicht ein wahrer Genuss ist, gibt es von mir ohne Einschränkung alle fünf möglichen Sterne.

        Jako

        Beiträge 44
        12.01.2017

          Das Buch läßt sich sehr angenehm lesen und bietet Unterhaltung. Es wird zu keinem Zeitpunkt langweilig.
          Ein historischer Roman der in die Tiefe geht und sich mit den Gedanken und Gefühlen der Frauen zur damaligen Zeit beschäftigt
          Für dieses authentische Buch, das auch in literarischer Hinsicht ein wahrer Genuss ist, gibt es von mir ohne Einschränkung alle fünf möglichen Sterne.