Petra Schier

Der Hexenschöffe

Eine wahre Geschichte aus dunkler Zeit
Anno 1636 ist ganz Deutschland vom Hexenwahn ergriffen. Schon einige Jahre zuvor traf es auch das beschauliche Rheinbach – eine Zeit, an die sich keiner gern erinnert. Und nun hat der Kurfürst den Hexencommissarius erneut in die Stadt beordert.
Hermann Löher, Kaufmann und jüngster Schöffe am Rheinbacher Gericht, hat Angst um Frau und Kinder. Sein Weib Kunigunde gehört zur «versengten Art»: Angehörige ihrer Familie wurden damals dem Feuer überantwortet. Löher glaubt nicht an Hexerei und an die Schuld derer, die vor Jahren den Flammen zum Opfer fielen. Eine gefährliche Einstellung in diesen Zeiten.
Als die Verhaftungswelle auch auf Freunde übergreift, schweigt der Schöffe nicht länger. Und schon bald beginnt für ihn und seine Frau ein Kampf gegen Mächte, die weit schlimmer sind als das, was man den Hexen vorwirft ...


Autorenbild Foto von Petra Schier

Die  Autorin

Petra Schier, Jahrgang 1978, lebt mit ihrem Mann und einem Schäferhund in einer kleinen Gemeinde in der Eifel. Sie studierte Geschichte und Literatur und arbeitet seit 2003 als freie Autorin. Ihre historischen Romane, darunter die Reihe um die Apothekerin Adelina, vereinen spannende Fiktion mit genau recherchierten Fakten. Petra Schier ist Mitglied des Vorstands der Autorenvereinigung DELIA.

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Rezensionen

sommerlese

Beiträge 114
09.07.2017

Rheinbach im Jahr 1636: Die Zeit der Hexenverfolgung geht in Deutschland um. Hermann Löher betreibt ein von seinem Vater vererbtes Kaufmannskontor und wird mit nur 36 Jahren zum jüngsten Schöffen am Rheinbacher Gericht berufen. Zu dieser Zeit halten Hexenprozesse unter dem zugereisten Hexencommissarius Dr. Möden Einzug. Löher selbst glaubt nicht an Hexerei und hält die Betroffenen für unschuldig. Da sein Schwiegervater als Zauberer vor Jahren ebenfalls verbrannt wurde, gilt seine Frau Kunigunde damit als Angehörige zur "versengten Art". Ein Umstand, der Löher in Angst und Schrecken versetzt, vor allem, als immer mehr Freunde verhaftet und unter Hexenverdacht gestellt werden. Wie kann er dem grausigen Tun ein Ende bereiten und seine Familie schützen?

Hinter diesem Roman steckt eine wahre Begebenheit aus der Zeit der Hexenverfolgungen, die Person des Schöffen Hermann Löhers ist real belegt. Hermann Löher verfasste mit 80 Jahren eine Klageschrift mit dem Titel "Hochnötige untertanige wemütige Klage der frommen Unschültige". Auf diese stützt sich die Autorin in ihrem Buch und macht Löher zum Protagonisten des Hexenschöffen.

Löher selbst glaubt nicht an Hexerei und hält die Beschuldigungen der Betroffenen für Unsinn. Häufig werden als Gründe Missernten, Unwetter und Todesfälle in den Familien als Grund für Hexerei angeführt. Doch Löher kann gegen den Hexenkommissar nicht viel ausrichten, da er und seine Familie sonst selbst in Gefahr geraten und zur Zielscheibe für Verleumndungen werden. Eine tragische Situation für alle Beteiligten.
Die Hexenhäscher versuchen mit den Anklagen, Rache zu nehmen, ihre Macht und ihren Einfluss darzustellen und außerdem bringt die Verurteilung auch finanzielle Vorteile mit sich. Denn Hab und Gut der Verbrannten wird enteignet und so füllt sich mancher Hexenankläger die eigene Tasche mit dem grausam erstrittenen Geld. Besonders bei reichen Kaufleute ergibt sich eine erträgliche Summe.

Löher kann nicht verhindern, dass das erste Opfer, die unbescholtene Frau Marta, als Hexe verurteilt wird. Unter Marter und unsäglichen Schmerzen wird ihr Hexengeständnis erzwungen.
Die peinliche Befragung und Folter wird im Buch näher erklärt, man hat die drastischen Mitteln deutlich vor Augen und ist bestützt über so viel Grausamkeit. Doch damit veranschaulicht die Autorin auch realistisch, zu welch entsetzlichen Foltermethoden damals gegriffen wurde. Mit Aberglauben, Dummheit und auch berechnender Missgunst fielen so viele Menschen der Hexenverfolgung zum Opfer.

Petra Schier kann historische Romane mit viel Intensität und Gefühl schreiben. Intrigen, Liebe, Gier und Rachsucht spielen auch in diesem Roman eine große Rolle. Petra Schier zeichnet ihre Charaktere mit großer Ausdrucksstärke und glaubhafter Darstellung, sodass man als Leser ihnen gut und gespannt folgen mag.

Der Roman rüttelt den Leser auf, aber er unterhält auch mit Einblicken aus dem Leben und Handeln der Familie Löher und deren Freunden und Nachbarn. Es zeigt das Alltagsleben in einer vielköpfigen Familie, man erlebt Liebe oder erzwungene Heirat, viel Klatsch und Tratsch und allerhand Brauchtum. Besonders interessant war für mich die Tradition der Reihjungen mit dem Brauch der Mailehen, auch anderswo Schlutgehen genannt. Hierzu gibt Frau Schier in einem Nachwort umfassend Auskunft.

Ein emotional aufwühlender und kurzweiliger Roman zu den Hexenprozessen in Rheinbach, der sich auf wahre Begebenheiten stützt.

jackleser

Beiträge 35
11.05.2018

Die Neuzeit hatte bereits begonnen, Reformation und Renaissance waren in weiten Teilen Europas eingezogen.
Doch schwere Krisen am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, Mißgunst, Neid und religiöser Wohn schufen andererseits in manchen Landstrichen eine gespenstische, gewalttätige Atmosphäre. So auch in Rheinbach, einem kleinen Ort am Rande der Eifel, unweit von Köln und Bonn.
"Hexenverfolgung" wird diser Vorgang genannt. Richtiger wäre "staatlich sanktionierter Terror gegen unbescholtene Bürger".
Petra Schier kommt der Verdienst zu, die Quellentexte von Betroffenen gelesen, studiert und dann in einen lesbaren, ergreifenden Roman eingearbeitet zu haben.
Sie ist nicht pingelich, wenn es um die Darstellung menschlicher Abgründe geht, Folterszenen inclusive. Doch auch die Darstellung des Alltags, des Familienlebens, der Bräuche und der Liebe haben reichlich Raum. Einfühlsam und detailiert schildert sie die Menschen und ihr eingebunden sein in ein übles System, das wenig Handlungsalternativen bietet.
Herausgehommen ist ein lesenswertes Buch, spannend und anrührend, das auch zu denken gibt.

Jackdeck

Beiträge 44
eine Antwort 15.08.2017

Die Neuzeit hatte bereits begonnen, Reformation und Renaissance waren in weiten Teilen Europas eingezogen.
Doch schwere Krisen am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, Mißgunst, Neid und religiöser Wohn schufen andererseits in manchen Landstrichen eine gespenstische, gewalttätige Atmosphäre. So auch in Rheinbach, einem kleinen Ort am Rande der Eifel, unweit von Köln und Bonn.
"Hexenverfolgung" wird diser Vorgang genannt. Richtiger wäre "staatlich sanktionierter Terror gegen unbescholtene Bürger".
Petra Schier kommt der Verdienst zu, die Quellentexte von Betroffenen gelesen, studiert und dann in einen lesbaren, ergreifenden Roman eingearbeitet zu haben.
Sie ist nicht pingelich, wenn es um die Darstellung menschlicher Abgründe geht, Folterszenen inclusive. Doch auch die Darstellung des Alltags, des Familienlebens, der Bräuche und der Liebe haben reichlich Raum. Einfühlsam und detailiert schildert sie die Menschen und ihr eingebunden sein in ein übles System, das wenig Handlungsalternativen bietet.
Herausgehommen ist ein lesenswertes Buch, spannend und anrührend, das auch zu denken gibt.

  • sommerlese

    Beiträge: 114
    06.01.2018

    Der Hexenschöffe habe ich auch begbeistert gelesen und mit 5 Sternen bewertet. Petra Schier schreibt einfach unglaublich fesselnd, locker und flüssig und auch ihre historischen Einblicke finde ich immer richtig interessant.

bud

Beiträge 29
01.08.2018

    Die Neuzeit hatte bereits begonnen, Reformation und Renaissance waren in weiten Teilen Europas eingezogen.
    Doch schwere Krisen am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, Mißgunst, Neid und religiöser Wohn schufen andererseits in manchen Landstrichen eine gespenstische, gewalttätige Atmosphäre. So auch in Rheinbach, einem kleinen Ort am Rande der Eifel, unweit von Köln und Bonn.
    "Hexenverfolgung" wird diser Vorgang genannt. Richtiger wäre "staatlich sanktionierter Terror gegen unbescholtene Bürger".
    Petra Schier kommt der Verdienst zu, die Quellentexte von Betroffenen gelesen, studiert und dann in einen lesbaren, ergreifenden Roman eingearbeitet zu haben.
    Sie ist nicht pingelich, wenn es um die Darstellung menschlicher Abgründe geht, Folterszenen inklusive. Doch auch die Darstellung des Alltags, des Familienlebens, der Bräuche und der Liebe haben reichlich Raum. Einfühlsam und detailliert schildert sie die Menschen und ihr eingebunden sein in ein übles System, das wenig Handlungsalternativen bietet.
    Herausgekommen ist ein lesenswertes Buch, spannend und anrührend, das auch zu denken gibt.

    SBS

    Beiträge 75
    16.01.2018

      Die wahre Geschichte des Schöffen Hermann Löher aus Rheinbach, 1636 nimmt mit in eine Zeit, in der für schlechte Ernten und Todesfälle Hexen und Zauberer verantwortlich gemacht wurden. Löher hat eigentlich ein gutes Leben mit einer liebenden Frau, acht Kindern, einem ertragreichen Geschäft und großen gesellschaftlichen Einfluss. Es könnte alles so schön sein, wären da nicht die Hexenprozesse, die er als Schöffe – trotz Protest, der ihn und seine Familie gefährdet – mittragen muss.

      Besondern gut hat mir gefallen, dass das Buch auf wahren Begebenheiten basiert, wenn auch die Autorin manches Fiktive einarbeiten musste, da im Laufe der Jahre schlicht Lücken in der immerhin schon 400 Jahre alten Geschichte entstanden sind. Das ist beim Lesen jedoch gar nicht bemerkbar geworden, denn ihr Schreibstil ist schlichtweg hervorragend. Spannend, fesselnd, emotional! Die spannende Geschichte hatte mich so in ihren Bann gezogen, dass ich gar nicht mehr aufhören wollte zu lesen – zumal man mit den schnell liebgewonnenen Charakteren mitfiebert, während man gewissen Personen alles Mögliche an den Hals wünscht... Es ist schier unglaublich, was den vermeintlichen Hexen und Zauberern angetan wurde, was wirklich dahinter gesteckt hat und wie die Menschen gegeneinander aufgehetzt und wie Protestler mundtot gemacht wurden. Die „Prozesse“ als solche waren nicht immer leicht zu lesen, gerade wenn man sich das eine oder andere bildlich vorstellte (und es nicht zu tun, was bei dem Schreibstil quasi unmöglich) - einfach barbarisch und aus heutiger Sicht schier unglaublich. Natürlich waren im Vorfeld die Hintergründe bereits bekannt, aber die Aufarbeitung hier verleiht dem groben Wissen deutlich mehr Tiefe, durch (wie auch spätestens im Nachwort deutlich geworden) extrem aufwändige Recherche. Trotzdem bleibt das Buch immer sehr lebendig, ist nicht überfrachtet mit zahllosen Fakten. Schön fand ich auch, dass das alltägliche Leben in Rheinbach mitsamt seiner Traditionen (Mailehen, etc.) sehr schön ausgearbeitet wurde. Schön fand ich es auch, dass die Kapitel mit Originalbeiträgen Löhers versehen waren, sodass er noch einmal deutlich greifbarer wurde.

      Unter dem Strich ein absolut empfehlenswerter historischer Roman, der so spannend, wie informativ und aufwühlend ist. Mich hat das Buch nachdenklich gemacht, oft war ich sauer, nicht selten hätte ich manchen Akteur mal richtig geschüttelt, manchmal habe ich mir schon fast gewünscht, dass der eine oder andere mal die Quittung für sein Handeln erhält, nur eines war ich beim Lesen wirklich nie: gelangweilt.

      Schno66

      Beiträge 2
      27.06.2017

        Der Hexenschöffe" von Petra Schier hat mich wirklich beeindruckt.
        Wie man am Titel schon erahnen kann, geht es um die Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert.
        Das Buch ist nichts für zarte Gemüter, den einzelne Szenen sind schon sehr drastisch und grausam. Allerdings beruht das Buch auf wahren Begebenheiten und Personen, die der damalige "Hexenschöffe" Herrmann Löher Ende des 17. Jahrhunderts in einer Klageschrift schildert.
        Petra Schier hat laut eigenen Angaben im Nachwort einige Szenen und Dialoge fast wörtlich (natürlich ins heutige Deutsch übersetzt) aus "Der wehmütigen Klage" übernommen.
        Es ist erschreckend zu sehen, wie das "System" der Hexenverfolgung funktionierte und es auch Zweiflern unmöglich gemacht wurde dagegen anzugehen.

        Jonas

        Beiträge 42
        05.05.2017

          Da ich die Hexezeit sehr spannend finde, und zu dem sehr gerne Tatsachen Bücher lesen finde ich diese Leseprobe höchst spannend. Ich persönlich finde die Probe sehr fesselnd und werde dieses Buch mit Sicherheit irgendwann lesen .

          Herzblatt

          Beiträge 38
          21.03.2017

            Wenn man gerne historisch Romane liest ist er sehr beeindruckend geschrieben Er enthält zum Teil recht grausame Szenen, aber er ist beeindruckend und sehr lesenswert. Wenn man sich für die Ereignisse dieser Zeit interessiert, kommt man an diesem Buch ganz sicher nicht vorbei.

            tigerbea

            Beiträge 55
            07.03.2017

              Rheinbach, 1636. Der angesehene Kaufmann Hermann Löher ist jüngster Schöffe am Gericht, als es, wie bereits 5 Jahre zuvor, zu einer Hexenjagd kommt. Löher fürchtet um seine Familie, denn es wurden schon Mitglieder seiner Familie als Hexe bzw. Hexer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Er beginnt mit seiner Gegenwehr und versucht die Bewohner Rheinbachs davon zu überzeugen, daß der Glaube an Hexen falsch ist. Doch dies kommt nicht gut an und so muß er bald fürchten, selbst auf dem Scheiterhaufen zu enden...

              Dieser Roman ist keine reine Fiktion, sondern beruht auf einer wahren Begebenheit. Petra Schier hat es hier geschafft, eine ohnehin schon spannende Wahrheit mit erfundenen Szenen zu mischen, ohne daß es der wahren Geschichte geschadet hat. Im Gegenteil, hier wird Geschichte hervorragend fesselnd und spannend vermittelt. Hier merkt man mal wieder, daß die Autorin wirklich mit Herzblut schreibt und Wert auf Richtigkeit legt. Sie erfindet nicht einfach irgendeine Geschichte, sondern führt eine reelle Geschichte an um die sich das Buch rankt. Dafür recherchiert sie gründlich und solide. Die Charaktere werden sehr gut und glaubhaft dargestellt, man leidet mit Hermann Löher und seiner Familie mit und zittert um ihr Leben. Auch die Lebensumstände werden hier sehr gut beleuchtet. Es wird deutlich, wie grausam die Hexenverfolgung mit ihren Foltermethoden und dem schon ohnehin herrschenden psychischen Druck war. Der Spannungsbogen in diesem Roman hält von der ersten bis zur letzten Seite konstant an, die Seiten fliegen nur so dahin und man möchte eigentlich nichts anderes mehr tun als weiterlesen!

              Ein historischer Roman, der unbedingt gelesen werden sollte!

              carmen_vicari

              Beiträge 7
              03.03.2017

                Rheinbach 1636, Hermann Löher ist Kaufmann von Beruf und ist dazu noch Schöffe. Mit gerade 36 Jahren wurde er zum Schöffen berufen.

                Hermann Löher musste vor fünf Jahren einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen. Bei den damaligen Hexenprozessen, die durch Dr. Jan Möden ins Leben gerufen wurden, wurde auch sein Schwiegervater als Hexer angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Seit dieser Zeit quälen Hermann immer wieder Albträume, denen er nicht entkommen kann. Er hat Vorkehrungen getroffen, um die Seinen seit diesem Tag vor dem Zugriff der Hexenverbrenner zu schützen.

                Doch nach 5 Jahren kommt Dr. Jan Möden zusammen mit Hexencommissarius Dr. Franz Buirmann wieder nach Rheinbach und das Brennen beginnt von neuem. Hermann versucht alles, um dies zu verhindern. Doch dann wird er selbst zur Zielscheibe des Hexencommissarius und muss um sein und das Leben seiner Lieben bangen.

                Die Zeit der Hexenverbrennungen im Mittelalter war eine der vielen düsteren Kapitel in der Geschichte Deutschlands. Umso interessanter war es für mich, dass diese Geschichte nicht etwa durchweg auf der Fantasie der Autorin beruhte, sondern es einen Augenzeugenbericht gibt, der der Nachwelt erhalten blieb. Auf die Lebensgeschichte des Hermann Löher baut die Autorin Petra Schier ihren Roman auf.

                Petra Schier gelingt es, die Tatsachen, die in diesen Aufzeichnungen zu finden sind, in einem Roman wiederzugeben und so die Geschichte für den Leser lebendig werden zu lassen.

                Zwar sind manche Beschreibungen, gerade was die Folterungen angehen, etwas detailreicher beschrieben, jedoch bleibt auch noch vieles der Fantasie des Lesers überlassen. Die Protagonisten sind plastisch und handeln nachvollziehbar. Die Autorin hat es auch hier wieder geschafft, den Leser buchstäblich an das Buch und die Geschichte zu fesseln. Kaum hat man mit dem Lesen begonnen, fällt es einem schwer, das Buch zur Seite zu legen.

                Fazit:
                Ein spannender Roman zu den Hexenprozessen in Rheinbach, der auf historischen Aufzeichnungen basiert.

                parvati

                Beiträge 2
                18.01.2016

                  Hexenverfolgung in Rheinbach

                  Mit diesem historischen Roman um den Kaufmann Hermann Löher zeigte mir Petra Schier eine neue Facette ihres Schaffens. Anders als in der „Adelina“- Reihe, die in einen konkreten historischen Kontext gesetzt ist, aber die Geschichte von fiktiven Figuren erzählt, handelt dieser Roman vom Leben des Kaufmanns und Schöffen Hermann Löher in Rheinbach, wo es in den Jahren 1631-1636 zu zahlreichen Hexenprozessen gekommen ist.

                  Ergänzt werden die historisch verbürgten Personen um Löher durch glaubhaft charakterisierte fiktive Figuren, die dem Leser Brauchtum und Zeitgeist sehr anschaulich und nachvollziehbar vors innere Auge führen. Die Prozesse, die infolge von auf Verdacht verhafteten Hexen und Zauberer geführt werden, sind sehr ausführlich beschrieben, so dass man die Verzweiflung und Angst der Verhafteten, aber auch der Angehörigen und ganz normalen Bürger förmlich fühlen kann.

                  Das Klima der Angst, das zu Beginn des 17. Jahrhunderts während der Zeit der Inquisition herrschte, wo jeder Angst haben musste von seinen Nachbarn ausspioniert und unschuldig irgendwelcher Verbrechen bezichtigt zu werden, gehört leider noch nicht wirklich der lange bewältigten Vergangenheit an. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Buch vielen Menschen recht nahe geht, die diese Angst selber verspürten oder deren Eltern davon erzählten. Von daher ist der Roman von zeitloser Aktualität.

                  Sprachlich ist der Roman in Petra Schiers gewohnter, eingängig zu lesender Schreibweise verfasst und durch die ausgesprochen gelungen gewählte Schriftart und –größe leicht und flüssig lesbar und somit auch als Lektüre im Zug oder im Urlaub geeignet.

                  Gerne empfehle ich diesen Roman und vergebe 6 Sterne.

                  Susanne

                  Beiträge 25
                  24.11.2014

                    Ein eindrucksvoller, sehr realitätsnaher Roman über die dunkle Zeit der Hexenprozesse

                    Rheinbach im Jahr 1636: Fünf Jahre nach der ersten Welle von Hexenprozessen geht es nun wieder los. Der Hexenkommissar Jan Möden kommt in die Stadt und nimmt erste Verhaftungen vor. Unschuldige werden durch die Folter zu zweifelhaften Geständnissen gebracht, auf deren Basis sie dann öffentlich im Feuer sterben müssen. Die Prozesse mussten unter Anwesenheit der Schöffen Rheinbachs stattfinden, um ihnen einen offiziellen und rechtskräftigen Anstrich zu verleihen. Einer davon ist Hermann Löher.

                    Obwohl er nicht mit Mödens Vorgehen einverstanden ist und ihn die Machenschaften mit Abscheu erfüllen, steht es nicht in seiner Macht, etwas dagegen zu unternehmen. Zu groß ist die Angst, dass durch seinen Widerstand die eigene Familie in den Brennpunkt von Mödens Interesse geraten könnte, wie es in der Vergangenheit schon einmal der Fall war. Löher hat längst durchschaut, dass bei den Prozessen nicht alles mit rechten Dingen zugeht, aber auch zusammen mit seinen Verbündeten gelingt es ihm nicht, dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten. Irgendwann jedoch kann er die Augen nicht mehr vor den Gräueltaten verschließen, die auf Mödens Anordnung hin stattfinden. Als er sich offen gegen den Hexenkommissar stellt, gerät nicht nur er selbst, sondern auch seine Familie in große Gefahr.

                    Mit ihrem neuen Roman beschreitet die Autorin Petra Schier neue Wege. Zwar habe ich schon viele historische Romane von ihr gelesen, aber im Vergleich war keiner vorher so düster wie der Hexenschöffe. Es ging auch in ihren vorherigen Werken um Aberglauben, Verbrechen und Krankheiten der Neuzeit, aber es waren bisher immer fiktive Geschichten mit glücklichem Ausgang.

                    Beim Hexenschöffen ist vieles anders. Das Wesentliche dabei ist, dass Hermann Löher wirklich gelebt und gewirkt hat. Die Autorin hat sich auf seine Spuren begeben und versucht, die damaligen Ereignisse so realistisch wie möglich wiederzugeben. Stellvertretend für alle damaligen Opfer begleiten wir im Roman die Angeklagte Marta Schmid, Ehefrau des Schöffen Neyß Schmid, von ihrer Verhaftung bis zur Hinrichtung. Was den Leser erwartet, ist ziemlich heftig, denn Petra Schier schildert die Prozeduren, welche die Angeklagte über sich ergehen lassen muss, ohne Weichzeichner.

                    Ich musste häufig schlucken, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass sich ähnliche Ereignisse damals wirklich in dieser Art zuhauf zugetragen haben. Man kann nur ansatzweise erahnen, wie umfangreich die Recherchen vorab wohl gewesen sind, die zum Roman führten. Im Anhang erläutert die Autorin ihre Beweggründe, weshalb sie Hermann Löher diese Geschichte gewidmet hat. Dort erfährt man auch einiges über das Rheinbacher Brauchtum des Mailehens, welches im Verlauf des Romans eine große Rolle spielt, und man erhält einen Einblick in Hermann Löhers Klageschrift, die dem Roman in vielen Punkten als historische Quelle zugrunde liegt.

                    Petra Schier hat hier in eindrucksvoller Weise die wahren Begebenheiten mit fiktiven Elementen zu einem anschaulichen Gesamtbild abgerundet, wobei sie sich nach eigenen Angaben stets nah an der Realität bewegt hat. Ihre Geschichte zeigt, dass durchaus nicht alle Menschen der damaligen Zeit mit der Hexenverfolgung einverstanden waren oder überhaupt an Hexen und Zauberer geglaubt haben, aber angesichts der wütenden, aufgehetzten Menge und der Gefahr, selbst als „Hexenpatron“ verdächtigt zu werden, waren die wenigen Vernünftigen machtlos und mussten zusehen, wie reihenweise Unschuldige hingerichtet wurden, um die Macht- und Geldgier der korrupten Verantwortlichen zu befriedigen.

                    Der Roman liest sich nicht leicht, denn er enthält zum Teil recht grausame Szenen, aber er ist beeindruckend und sehr lesenswert, und wenn man sich für historische Romane und insbesondere für die Ereignisse dieser Zeit interessiert, kommt man an diesem Buch ganz sicher nicht vorbei.