Téa Obreht

Die Tigerfrau

Alles, was nötig ist, um meinen Großvater zu verstehen, liegt zwischen zwei Geschichten: der von der Tigerfrau und der von dem Mann, der nicht sterben konnte. Diese beiden Geschichten fließen wie geheime Ströme durch all die anderen Erzählungen seines Lebens – von seinen Tagen beim Militär; seiner großen Liebe zu meiner Großmutter; seinen Jahren als Chirurg und an der Uni¬versität gefürchteter Tyrann. Die eine, die ich erst nach seinem Tod zu hören bekam, handelt davon, wie mein Großvater zum Mann wurde; in der anderen, die er mir selbst erzählt hat, wurde er wieder zum Kind.


Autorenbild Foto von Téa Obreht

Die  Autorin

Téa Obreht gilt als eine der wichtigsten jungen Stimmen der internationalen Literatur. Geboren 1985 in Belgrad, lebt sie seit ihrem zwölften Lebensjahr in den USA. Ihr Debütroman «Die Tigerfrau» (2011), für den National Book Award nominiert, erschien in mehr als dreißig Sprachen und wurde in zahlreichen Ländern zum Bestseller. 2011 erhielt Téa Obreht den Orange Prize for Fiction. Über «Herzland» schrieb die «New York Times»: «Obrehts klare und zugleich reiche Prosa fängt aufs Eindrücklichste die Schönheit wie die tückische Gefährlichkeit des Westens ein.»


BibliografieAnsehen

PressestimmenAnsehen



Rezensionen

Bücherfreundin

Beiträge 46
12.02.2017

Die junge Ärztin Natalia ist in einem kriegsgebeutelten südosteuropäischen Land - unschwer als Jugoslawien, die ehemalige Heimat der Autorin, erkennbar, wenngleich die erwähnten Ortsnamen fiktiv sind - unterwegs zu einem Einsatz, als sie vom Tod ihres geliebten Großvaters erfährt.
Während Natalia ihre Reise durch teils idyllische, teils zerstörte Landschaften auf den Spuren ihres Großvaters fortsetzt, erinnert sie dessen geheimnisvolle Geschichten, mit denen sie aufgewachsen ist und die einen Bogen von dessen eigener Kindheit während des zweiten Weltkrieges bis in die Gegenwart schlagen, Geschichten voller Poesie von alten Mythen und Legenden, von Aberglauben und Traditionen und der wechselvollen Geschichte des Balkans und seiner Bewohner.

"Die Tigerfrau", Debutroman der Autorin Téa Obreht, entzieht sich erfolgreich einer eindeutigen Zuordnung in ein bestimmtes Genre.
Er ist gleichermaßen Familiengeschichte wie Historienroman, Reisebericht und philosophischer Roman, vor Allem aber ein ungewöhniches Leseerlebnis, welches ich nur als "magisch" bezeichnen kann.
Wie ein buntes Mosaik aus Märchen und Historie, aus Fantasie und Realität breitet die junge Autorin ihre Geschichten um die schöne und geheimnisvolle Tigerfrau, die sich um einen entlaufenen Tiger kümmert, den Mann, der nicht sterben konnte und zahlreiche andere fantastische Gestalten aus.
Dabei lässt sie mit ihrer schönen Sprache (offenbar ist auch die Übersetzung des Romanes sehr gut gelungen) im Kopf des Lesers Bilder von starker Poesie entstehen und gewährt einen tiefen Einblick in die Seele des Balkans und die Menschen dieser Vielvölker- und Vielreligionenregion zwischen Historie und Zukunft, zwischen Tradition und Moderne.
Mich hat "Die Tigerfrau" in ihren Bann geschlagen wie nur wenige Bücher der letzten Zeit und ich habe sie mit Sicherheit nicht zum letzten Mal gelesen, denn genauso, wie Natalia auf der Suche nach ihren Wurzeln in den alten Legenden allgemeingültige Wahrheiten entdeckt, wird wohl auch jeder Leser bei jedem erneuten Lesen dieses außergewöhnlichen Romanes immer wieder etwas anderes daraus entnehmen und für sich entdecken können.

Von mir fünf Sternchen und eine ausdrückliche Empfehlung für diesen ungewöhnlichen und vielversprechenden, poetischen Erstling über das Leben, die Liebe und den Tod.

Karthause

1 Beitrag
22.11.2013

Ein Wohlfühlbuch

Natalia Stépanovic ist eine junge Ärztin und gerade in humanitärer Mission in einem Waisenhaus im Südosten Europas im Einsatz, als sie durch einen Anruf ihrer Großmutter vom Tod des Großvaters erfährt. Natalia wusste von seiner Krebserkrankung, trotzdem kam sein Tod für sie überraschend, so wie der Tod eines geliebten Menschen immer zu früh kommt. In Gedanken geht sie immer wieder zurück zu der gemeinsam verbrachten Zeit, dabei tauchen die geheimnisumwitterten Geschichten vom Mann, der nicht sterben konnte und der Tigerfrau aus der Erinnerung auf, die ihr der Großvater einst erzählte.
Eine Weile habe ich wegen der angekündigten fantastischen und mystischen Elemente gezögert, bevor ich zu diesem Buch griff. Aber dieses Zögern war vollkommen überflüssig. Téa Obreht legt mit "Die Tigerfrau" ein beachtliches Romandebüt vor. Sie schafft es, dem Leser eine geheimnisvolle Welt zu eröffnen, in der Mythen zur Tradition gehören und diese fest im Leben der Menschen verankert ist. Obwohl Natalia, ihre Hauptfigur, eine moderne, gebildete junge Frau ist, hat auch sie tief in ihrem Herzen Platz für die alten Geschichten des Großvaters, aus dessen Leben die Autorin Episoden heraufbeschwört. Dieses Buch lebt von den Gegensätzen, Tradition und modernes Leben, Krieg und Hoffnung, Leben und Tod, die durch den Großvater eng miteinander verbunden sind. Dieser Roman, den ich für mich in die Liste meiner "Wohlfühlbücher" aufgenommen habe, ist sprachgewaltig und kraftvoll erzählt, trotzdem voller Poesie und tiefer philosophischer Gedanken. Immer wieder schweifen beim Lesen die Gedanken ab und folgen den in der Geschichte verwendeten Metaphern. Téa Obreht hat es geschafft mit ihren Worten Bilder zu malen, die in meinem Kopf lebendig wurden. Die von ihr geschaffenen Figuren sind voller Leben. In ihrer Erzählung bewegt sie sich auf verschiedenen Zeitebenen, das macht die Geschichte so besonders reizvoll. Ich wage nach meiner ersten Lektüre dieses Buches zu behaupten, dies ist einer dieser Romane, die mit jedem Lesen besser werden. Man wird immer wieder neue Details erkennen, denen man zuvor nicht die Bedeutung beigemessen hat. Die Magie des Buches wird den Leser immer mehr in seinen Bann ziehen.

"Die Tigerfrau" ist ein Roman von Leben und Tod, eine Familiengeschichte, eine Liebesgeschichte - kurz, ein wunderbares, psychologisch ausgefeiltes, reifes Werk einer jungen Autorin.

Lilli33

Beiträge 10
13.08.2019

    Ich habe das Buch geschenkt bekommen, sonst hätte ich es wohl nie gelesen. Es spielt im Gebiet des ehemaligen Jugoslawien, wozu ich leider überhaupt keinen Bezug habe. Vielleicht spielt das mit eine Rolle, warum mir das Buch nicht so gut gefallen hat. Allerdings hätte diese Geschichte überall stattfinden können. Klar geht es auch um den Krieg und die Feindschaften zwischen den Völkern, doch auch das hätte man durchaus auf andere Länder übertragen können.

    Was man loben muss, ist die schöne Sprache. Sie ist leicht verständlich, trotzdem gehoben und ein bisschen poetisch - einfach wunderbar zu lesen.

    Es gibt aber leider sehr viele Beschreibungen von Örtlichkeiten, die für mich langweilig waren. Die Geschichte selbst ist irgendwie abstrus zwischen Mystik und Aberglauben, dann aber doch wieder unterbrochen von der handfesten Realität. Immer wieder fragte ich mich: Was soll das? Zuweilen musste ich auch den roten Faden suchen, der immer wieder entwischen wollte.

    Ein wunderbares Buch für jemanden, der keinen wirklichen Sinn in einer Handlung braucht oder vielleicht in der Lage ist, tiefer zwischen den Zeilen zu lesen als ich.

    Buchstabenfestival

    Beiträge 3
    23.06.2019

      "Die Tigerfrau" hat mich zappeln lassen. Auf den ersten 40 Seiten konnte ich nicht so richtig in der Geschichte Fuß fassen, aber danach zog die Geschichte an und wurde immer interessanter und dichter.

      Die Erzählweise packt den Leser und lässt ihn mit der Autorin auf die Reise gehen. In ein Land, welches durch den Krieg geteilt und zerstört wurde. Welches noch immer an seine Mythen und Aberglauben festhält und wo die Menschen noch immer mit den Folgen des Krieges zu kämpfen haben.

      Als Natalias Großvater stirbt, stirbt auch eine zentrale Person in ihrem Leben. Sie will wissen, warum er zum Sterben fortgegangen ist und folgt seiner Spur. Dabei erinnert sie sich immer wieder an Geschichten von und mit ihm.

      Zwei Geschichten spielen hier eine wichtige Rolle. Zum einen ist es die Tigerfrau, eine taubstumme junge Frau, die sehr jung verheiratet wurde und einen Tiger pflegt und der Mann, der nicht sterben kann.

      Die Autorin wechselt immer wieder zwischen den Zeiten (Natalias aktuelles Leben und das Leben des Großvaters bzw. die Erlebnisse mit dem Großvater). Sie erzählt mit viel Liebe zum Detail von den vielen kleinen Ritualen (z.B. Zoobesuche) des Großvaters. Obwohl die Sätze manchmal sehr lang sind, kann man sich gut in die Geschichte hineinversetzen. Man hat das Gefühl sie schreibt in Farben, so gut beschreibt sie die Umgebung und die Menschen in den einzelnen Geschichten (sehr bildhaft).

      Nicht immer fand ich es realistisch und lebensnah, was sie geschrieben hat, aber trotzdem hat mir das Buch gut gefallen.

      TochterAlice

      Beiträge 16
      16.10.2018

        Der Tiger und seine Frau sind - als Thema einer Geschichte - für Tea Obreht ein Mittel, das enge und vertraute, seit ihrer Kindheit gereifte, doch durchaus komplexe und nicht unkomplizierte Verhältnis ihrer Protagonistin und Ich-Erzählerin Natalia zu ihrem Großvater zu beschreiben. Dieser ist nun verstorben - auf einer geheimnisvollen Reise, für die zunächst niemand den Grund kennt - und Natalia blickt zurück.

        Die Basis für die Beziehung zwischen Großvater und Enkelin bestand in zwei Geschichten aus dem Leben des Großvaters, die er ihr - wie ein Geschenk, quasi als Beweis seines Vertrauens - anvertraut hatte. Auf diesem Hintergrund spürt sie dem Tod des Großvaters und seinem Leben nach, folgt ihm an seinen Todesort...

        Obwohl die junge Autorin wundervoll mit der Sprache umzugehen versteht, wird die detailgenaue Darstellung von Figuren und Vorgängen von teilweise nur nebensächlicher Bedeutung an manchen Stellen zu umständlich und verkompliziert so das Geschehen und aus meiner Sicht auch den Lesegenuss. Ein wenig hapert es gelegentlich auch an der Übersetzung: Der Originaltitel des Romans lautet "The Tiger's Wife", also "Die Frau des Tigers", was aus meiner Sicht eine ganz andere Bedeutung als der jetzige deutsche Titel transportiert und dem Inhalt des Buches viel stärker entspricht. Ein weiterer "Störfaktor" war für mich die Verwendung des Wortes "sachlich" in der deutschen Ausgabe: Natalia und ihre Freundin werden "sachlich auf die Wangen" geküsst (S.33), auf S. 136 hat ein sachlicher Bauer seinen Auftritt - ich finde die Anwendung dieses Adjektivs im Deutschen an den beiden Stellen etwas befremdlich und gehe davon aus, dass die Autorin etwas anderes im Sinn hatte.

        Der Stil der noch so jungen amerikanischen Autorin mit serbischen Wurzeln, - Obreht ist Mitte der 1980er Jahre in Belgrad geboren und im Alter von 12 Jahren in die Staaten ausgewandert - ihre Detailverliebtheit und die Einbindung paranormaler und fantastischer Elemente gemahnen auch an die großen Autoren und Nobelpreisträger aus dem lateinamerikanischen Kulturkreis wie Garcia Marquez oder Vargas Llosa - Freunde dieser Autoren dürften hier auf ihre Kosten kommen und durch ihre Unterstützung der jungen Schriftstellerin möglicherweise einen Weg ganz nach oben ebnen.

        ZartwieFederblümchen

        Beiträge 46
        04.10.2017

          Dieser Roman ist schön aber wirklich schwer zu lesen, sodass man dafür wirklich seine Zeit braucht. Ansonsten ist es eine tolle Buchgeschichte, die wie ich finde auch in die Tiefe geht, vorausgesetzt man liest zwischen den Zeilen.

          Its me

          Beiträge 42
          10.08.2017

            Ich habe die Rezessionen und die Leseprobe gelesen weil ich noch auf der Suche nach einem schönen Roman für den anstehenden Urlaub bin. Meiner Meinung nach ist dieser Roman allerdings recht schwierig zu lesen, etwas verwirrend und als leichte Urlaubslektüre nicht geeignet. Das ist allerdings meine ganz persönliche Meinung.

            witchblade

            Beiträge 15
            07.03.2017

              In "Die Tigerfrau" erzählt Téa Obreht die Geschichte der jungen Ärztin Natalia und deren Großvater, der ebenfalls Arzt war. Aktuell befindet sich Natalia im Nachkriegsjugoslawien auf der Reise in ein Kinderheim, wo sie gemeinsam mit einer befreundeten Kollegin eine Kinder-Impfaktion durchführt. Unterwegs erfährt sie vom Tod des Großvaters - entgegen dem Rest der Familie wusste sie bereits von der Krebserkrankung des Großvaters, der sich nur ihr anvertraut hatte.

              In diversen Zeitsprüngen erfährt der Leser mehr aus der Jugend des Großvaters, und zwar anhand zweier Geschichten, die er Natalia erzählt hat: die von der Tigerfrau und die vom Mann, der nicht sterben kann. Erstere spielt sich im Heimatdorf des Großvaters ab, wo während dessen Kindheit ein entflohener Tiger auftaucht, zu dem die Frau des Fleischers, eine Außenseiterin, ein seltsam inniges Verhältnis entwickelt. Gavran Gailé, der Mann, der nicht sterben kann, begegnet dem Großvater während seines Lebens immer wieder an verschiedenen Orten.

              Vom Titel des Buches ausgehend hatte ich etwas völlig anderes erwartet, aber nicht eine derart tiefgehende, duchdachte Erzählung, wie man sie tatsächlich vorfindet. Im Mittelpunkt steht Natalias Großvater, und nicht etwa sie selber, wie man zu Anfang des Buches noch vermuten könnte.
              Interessant ist die Art und Weise, wie die Autorin die Auswirkung mehrerer Kriege auf die Personen in dem Buch und deren Umfeld verarbeitet. Der Schreibstil ist alles andere als gewöhnlich, was sogleich auffällt. Die ausgeklügelte Wortgewandtheit sucht man bei vielen anderen Autoren vergebens.

              Insgesamt gesehen hat mir das Buch gut gefallen, da mich vor allem der Schreibstil wirklich anspricht. Was ich persönlich jedoch ein wenig schade fand, ist dass man bei den vielen unvorhersehbaren Zeitsprüngen im Buch manchmal den Faden zu verlieren droht. Das ist mir leider mehrfach so ergangen, wenn ich mal nur mit 99% Aufmerksamkeit beim Buch war - daher konnte es mich wahrscheinlich nicht so fesseln, wie es das eigentlich hätte tun müssen.
              Die verschiedenen Charaktere im Buch sind sehr gut herausgearbeitet und auch deren Beziehungen sind für den Leser gut nachvollziehbar beschrieben. Auch wenn das Buch weitestgehend ernst ist, so konnte mir doch Gavran Gailé das eine oder andere Schmunzeln entlocken. Diese winzige Prise an Humor, die er immer wieder ins Buch bringt, lässt es im Gesamten nicht zu ernst oder melancholisch wirken.

              Fazit:
              Ein wirklich gut geschriebenes Buch, welches mich tatsächlich überraschen konnte - der Titel und die Aufmachung sind nämlich reichlich irreführend. Im Buchladen hätte ich das Buch wohl nie gekauft, gut also, dass ich es geschenkt bekommen habe! Der Schreibstil der jungen Autorin ist wirklich etwas besonderes, schade fand ich für mich persönlich nur, dass ich immer mal wieder den Faden verloren habe.

              Katiii_liest_gern

              Beiträge 45
              06.02.2017

                Die junge Ärztin Natalia ist in einem kriegsgebeutelten südosteuropäischen Land - unschwer als Jugoslawien, die ehemalige Heimat der Autorin, erkennbar, wenngleich die erwähnten Ortsnamen fiktiv sind - unterwegs zu einem Einsatz, als sie vom Tod ihres geliebten Großvaters erfährt.
                Während Natalia ihre Reise durch teils idyllische, teils zerstörte Landschaften auf den Spuren ihres Großvaters fortsetzt, erinnert sie dessen geheimnisvolle Geschichten, mit denen sie aufgewachsen ist und die einen Bogen von dessen eigener Kindheit während des zweiten Weltkrieges bis in die Gegenwart schlagen, Geschichten voller Poesie von alten Mythen und Legenden, von Aberglauben und Traditionen und der wechselvollen Geschichte des Balkans und seiner Bewohner.

                "Die Tigerfrau", Debutroman der Autorin Téa Obreht, entzieht sich erfolgreich einer eindeutigen Zuordnung in ein bestimmtes Genre.
                Er ist gleichermaßen Familiengeschichte wie Historienroman, Reisebericht und philosophischer Roman, vor Allem aber ein ungewöhniches Leseerlebnis, welches ich nur als "magisch" bezeichnen kann.
                Wie ein buntes Mosaik aus Märchen und Historie, aus Fantasie und Realität breitet die junge Autorin ihre Geschichten um die schöne und geheimnisvolle Tigerfrau, die sich um einen entlaufenen Tiger kümmert, den Mann, der nicht sterben konnte und zahlreiche andere fantastische Gestalten aus.
                Dabei lässt sie mit ihrer schönen Sprache (offenbar ist auch die Übersetzung des Romanes sehr gut gelungen) im Kopf des Lesers Bilder von starker Poesie entstehen und gewährt einen tiefen Einblick in die Seele des Balkans und die Menschen dieser Vielvölker- und Vielreligionenregion zwischen Historie und Zukunft, zwischen Tradition und Moderne.
                Mich hat "Die Tigerfrau" in ihren Bann geschlagen wie nur wenige Bücher der letzten Zeit und ich habe sie mit Sicherheit nicht zum letzten Mal gelesen, denn genauso, wie Natalia auf der Suche nach ihren Wurzeln in den alten Legenden allgemeingültige Wahrheiten entdeckt, wird wohl auch jeder Leser bei jedem erneuten Lesen dieses außergewöhnlichen Romanes immer wieder etwas anderes daraus entnehmen und für sich entdecken können.

                Von mir fünf Sternchen und eine ausdrückliche Empfehlung für diesen ungewöhnlichen und vielversprechenden, poetischen Erstling über das Leben, die Liebe und den Tod.

                Jako

                Beiträge 43
                12.01.2017

                  Die Mischung zwischen Fiktion und Faktizität, die es hier gibt, entwickelt den Sog dieser Geschichte, das Gefühl weiterlesen zu müssen, um zu erkennen, was Wahrheit ist und was Lüge, was möglich ist und was nicht.
                  "Die Tigerfrau" ist ein Roman von Leben und Tod, eine Familiengeschichte, eine Liebesgeschichte - kurz, ein wunderbares, psychologisch ausgefeiltes, reifes Werk einer jungen Autorin.

                  robby lese gern

                  Beiträge 11
                  01.03.2016

                    ein wunderbares Buch

                    Ein wunderbares Buch, das die Autorin hier geschrieben hat, in dem Erinnerungen mit mystischen Erzählungen verbunden werden. Das Buch hat auf mich einen seltsamen Sog ausgeübt, nicht unbedingt wegen der Geschichten, sondern wegen der Sprachgewalt mit der die Autorin Thea Obreth dieses Buch präsentiert.

                    Die Protagonistin dieses Buches, selbst Ärztin wie ihr Großvater, erfährt auf einem Einsatz, sie will Kinder in einem Waisenhaus impfen, dass ihr Großvater gestorben ist. Sie wusste zwar von seiner Krebserkrankung, trotzdem ist sie geschockt, vor allem deswegen, weil ihr Großvater alleine verreist ist, ohne ihr Bescheid zu geben. Sie begibt sich zu dem Dorf, in dem ihr Großvater gestorben ist, um seine Habseligkeiten abzuholen und erinnert sich an ihre Kindheit und an die Zeit mit ihm , in der sie häufig mit ihm in den Zoo ging und er ihr die Geschichten der Tigerfrau erzählte. Aber auch die Kindheit des Großvaters wird erzählt, der Krieg, der das ehemalige Jugoslavien zerteilte und die viele Grausamkeiten die das Land und die Menschen erfuhren.
                    Die Erzählebenen dieses Buches wechseln von der Vergangenheit in die Gegenwart und werden immer wieder von mystischen Erzählungen abgelöst, so auch von der Erzählung "Dem Mann der nicht sterben konnte".

                    "Die Tigerfrau" ist ein besonderes Buch in einer wunderbaren Sprache geschrieben, das die Gräuel des Krieges durch die Kindheitserinnerungen und die mystischen Erzählungen etwas abmildert. Trotzdem waren die Passagen, die vom Krieg handeln, für mich schwer zu verdauen.

                    Die Autorin sollte man im Auge behalten, denn diese Sprachgewalt trifft man selten und ich habe dieses Buch trotz aller Greuel genossen.