Valerie Jakob

Hôtel Atlantique

Nach ihrem Abschied von der Pariser Polizei ist Delphine Gueron zurückgekehrt in ihren Heimatort bei Biarritz. Hier züchtet sie Tomaten und trifft sich mit ihrer betagten Freundin Aurélie im Hôtel Atlantique zum Tee. Doch dann ist Aurélie plötzlich tot. Ein Unfall? Delphine beginnt zu ermitteln. Unterstützung bekommt sie von dem fünfzehnjährigen Karim, der so dumm war, bei der Ex-Commissaire einzubrechen. Sie stoßen auf ein düsteres Kapitel deutsch-französischer Geschichte. Denn das Schicksal der Wehrmachtskinder aus dem Zweiten Weltkrieg wirft seinen Schatten auch auf Aurélies Familie …


Autorenbild Foto von Valerie Jakob

Der  Autor

Hinter dem Namen Valerie Jakob verbirgt sich Karolina Fell, eine der erfolgreichsten Übersetzerinnen für Romane aus dem Angloamerikanischen und französischen Sprachraum. Sie hat Familie in Frankreich und einen privaten Bezug zum Senegal. In ihren Romanen verknüpft sie auf humorvolle aber auch berührende Weise Aspekte der  deutschen Geschichte mit ungewöhnlichen Frauenschicksalen.

 


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Rezensionen

SBS

Beiträge 73
2 Antworten 12.12.2017

Im Hôtel Atlantique im fiktiven St. Julien ist der Treffpunkt der Freundinnen Delphine und Aurélie. Am Atlantik, an traumhafter Kulisse gelegen, wartet Delphine, die frühere Polizistin auf ihre Freundin – doch sie kommt nicht, nie mehr. War ihr Balkonsturz ein Unfall, wie die Polizei vermutet oder steckt was anderes hinter dem vermeintlichen Unfall? Der junge Karim, den Delphine bei einem versuchten Diebstahl gestellt hatte und statt ihn anzuzeigen zu Hilfsdiensten verdonnert hatte, sowie Richard, ein alter, etwas eigener Freund Aurélies, verleihen der Geschichte noch weitere interessante Aspekte.

Ich habe das Buch regelrecht verschlungen, denn ich wollte einerseits wissen, was geschehen ist, andererseits mochte ich die wunderschönen Beschreibungen Frankreichs und der französischen Lebensweise sehr. Darüber hinaus hatten es mir auch die Protagonisten angetan. Der gut konstruierte Roman enthält sowohl Krimianteile, als auch historische Rückblicke und manche Überraschung, die man so nicht erwartet hat. Die Auflösung der Geschichte hatte mich überzeugt, alle Fragen wurden geklärt und ich habe mich mit einem gewissen Bedauern von Delphine und Karim verabschiedet. Besonders gefiel mir die Aufarbeitung eines sehr dunklen Kapitels der deutsch-französischen Geschichte. Welche Folgen es haben kann, wenn der Vater nicht nur einer anderen Nationalität angehört, sondern sich auch aus dem Staub macht, sieht man nicht nur an Richards Geschichte, sondern auch an Karim.
Gelegentlich tue ich mir mit französischen Büchern schwer, nicht nur Namen und Orte betreffend, sondern auch den Schreibstil– doch das war hier keineswegs so. Leider wurden jedoch manche französischen Floskeln nicht übersetzt. Die meisten waren auch so inhaltlich zu erfassen, aber ein wenig gestört hatte es mich vor allem zu Beginn. Also kann ich das Buch guten Gewissens jedem empfehlen, der sich mit einem sehr ruhigen Krimi und interessanten bis dramatischen Familiengeschichten an der Atlantikküste anfreunden kann.

  • Sonjas Bücherecke

    Beiträge: 66
    12.09.2018

    Ich liebe Bücher, die in Frankreich spielen. Hört sich toll an.

  • Kittekathy

    Beiträge: 36
    31.05.2018

    Das Buch hat mich neugierig gemacht...Alle Bücher in und um Frankreich sind für mich hochinterresant...somit ist es auf meiner Wunschliste bzw Einkaufsliste...

los_lesen

Beiträge 4
eine Antwort 12.11.2017

Delphine, la commissaire, ist pensioniert und kehrt zurück in ihr früheres Elternhaus in das kleine Dorf St. Julien de la mer. Dort vertreibt sie sich nun ihre Zeit mit Gärtnern, besucht ab und zu Freunde und trifft sich regelmäßig mit ihrer guten Freundin Aurélie zum Tee.
Die Idylle wird gestört, als Aurélie plötzlich nicht zum Tee erscheint. Delphine macht sich auf dem Weg zu ihrem Hotelzimmer, dass ihre Freundin vorrübergehend bewohnt und plötzlich ist auf der Terrasse, einen Stock tiefer, ein Aufprall zu hören. Aurélie ist von ihrem Balkon gestürzt und ist tot. Zufall? Daran glaubt die ehemalige commissaire nicht. Auch wenn es kein Fremdeinwirken zu geben schien. Gemeinsam mit Karim, ihrem 15jährigen Bekannten und Flaubert, einem Bewohner aus dem Dorf nimmt Delphine wieder die „Ermittlungen“ auf.

Der Krimi beginnt recht „gemütlich“. Dem Leser werden zuerst einmal alle Beteiligten vorgestellt, Verbindungen zwischen ihnen sowie die Landschaft drum herum ausführlich dargestellt bzw. anschaulich beschrieben. Ich konnte mich gut in die Szenerie „einleben“. In St. Julien herrscht eben eine ganz eigene Stimmung, die mir gut gefiel. Kaum hat man es sich allerdings so richtig schön gemütlich gemacht, wird man jäh wieder herausgerissen.
Aber auch kurz nach dem Vorfall, dauert es ein bisschen, bis der Verlauf der Geschichte so richtig Fahrt aufnimmt. Doch dann gibt es kein Halten mehr. Ab diesem Zeitpunkt, habe ich das Buch nicht mehr weggelegt. Aufhören konnte ich erst, als das Buch zu Ende war.

Fazit:
Ein spannender Krimi mit französischem Küstenflair.

  • kugelrund

    Beiträge: 6
    04.05.2018

    Hallo,

    die Rezession von los_lesen und der Klapptext haben mich doch sehr neugierig gemacht , so das ich das Buch mal auf meine Wuli gesetzt habe.

    Gruss Sandra

ingrid_esser

Beiträge 31
2 Antworten 29.06.2017

Das „Hotel Atlantique“ im gleichnamigen Debütroman von Valerie Jakob steht an der französischen Atlantikküste in St. Julien de la mer, einem fiktiven Ort in der Nähe von Biarritz. Eine entsprechende Karte zur Lokalisierung findet sich auf den Vorsatzblättern. Das Hotel Atlantique liegt wie auf dem Titelbild zu sehen, direkt am Meer und ist der wöchentliche Treffpunkt der Protagonistin Delphine mit ihrer älteren Freundin Aurélie.

Delphine Gueron hat lange Jahre als Kommissarin in Paris gearbeitet. Seit sie in Rente gegangen ist, lebt sie wieder in ihrer Heimat St. Julien de la mer. Jeden Dienstagnachmittag trifft sie sich mit der kürzlich verwitweten Aurélie de Montvignon im angesehenen Hotel Atlantique. Aurélie ist seit langer Zeit Dauermieterin einer der Suiten im Hotel. Eines Tages fällt sie kurz vor dem Treffen mit Delphine vom Balkon ihres Zimmers ohne erkennbaren Grund. Delphine glaubt an Fremdeinwirkung, ein Nachweis gestaltet sich schwierig. Der fünfzehnjährige Karim, der erst vor kurzem versucht hat, bei ihr zu Hause einzubrechen und dem sie angeboten hat, sie bei einigen Tätigkeiten zu unterstützen statt ein Anzeige zu erstatten, trägt mit seinem Wissen zu den Nachforschungen bei. Über einen langjährigen Freund der Familie, der Wohnrecht im Haus der Montvignons besitzt, führen die Ermittlungen zu einem dunklen Kapitel der französischen Geschichte.

Obwohl der Roman äußerst raffiniert konstruiert ist konnte mich die Erzählung nicht mitreißen. Zwischen den Zeilen liest man die Begeisterung der Autorin für die Gegend an der französischen Küste in der Nähe zur spanischen Grenze. In den Beschreibungen der Landschaft kann man sich verlieren, mir persönlich gefielen die ausschweifenden Beschreibungen der Umgebung nicht so gut, weil ich mehr Romantik erwartet hatte. Die durchaus interessant gestalteten Charaktere blieben für mich auf Distanz, was im Fall von Delphine wohl auch dem höflichen Umgangston mit ihrer Freundin bei dem beide sich Siezen geschuldet ist und im Fall der Figur des Richard, dem alten Freund des Hauses, daran liegt, dass er als fragwürdige Person aufgebaut ist.

Der Roman führte mich zu dem mir unbekannten und gerne verschwiegenen Thema der horizontalen Kollaboration in der Vergangenheit der Franzosen. Einen Bogen von den damaligen Ereignissen zur heuten Zeit schafft Valerie Jakob durch den Charakter des Karims, so dass deutlich wird, dass es auch heute noch Vorbehalte gegen Personen gibt, bei denen mindestens ein Elternteil ausländischer Herkunft ist. Mein Lesefluss wurde leider immer wieder durch französische Floskeln und kurze Sätze unterbrochen. Es erfolgt nicht immer eine Übersetzung und so waren meine Grundkenntnisse der Sprache gefordert.

„Hotel Atlantique“ fasst in einem unterhaltsamen Roman, der wenige Längen verzeichnet, brisante Themen der französischen Geschichte aus Vergangenheit und Gegenwart auf. Ein Spannungselement ergibt sich aus dem Tod von Aurélie. Die Aufklärung der Umstände gestaltet sich jedoch eher schwierig. Wer sich gerne an die Küste des Atlantiks, umgeben von französischem Lebensstil versetzen lassen möchte und ein in der französischen Öffentlichkeit verschwiegenes Kapitel entdecken will ist bei diesem Buch richtig.

  • LeseStef

    Beiträge: 41
    04.11.2017

    Klingt zwar ein bisschen kompliziert aber eigentlich sehr schön, tue mich oft schwer mit französischen Werken. Aber wer weiß, vielleicht ist es ja bei diesem anders.... bin gespannt

    • SBS

      Beiträge: 73
      12.12.2017

      Dieses Buch lässt sich wirklich gut lesen, auch wenn man sonst eher Schwierigkeiten mit französischen Büchern hat.

  • AnneMF

    Beiträge: 50
    05.10.2017

    Von Frau Jacob hab ich noch nichts gelesen. Deine sehr gute Rezension macht mich seh4 neugierig auf das Buch.

Talisha

Beiträge 5
11.01.2019

    Im äussersten Südwesten Frankfreichs, an der Grenze zum spanischen Baskenland, im fiktiven St. Julien de la mer, liegt das Hôtel Atlantique. Hier hat die rüstige 73jährige Aurélie ein Dauer-Appartement gemietet und trifft sich regelmässig mit ihrer Freundin Delphine. Ihr vertraut sie vieles an, einiges davon erweist sich im Nachhinein sehr wichtig - als nämlich Aurélie tot aufgefunden wird und ihr Neffe Damien sich sofort sein Erbe aneignen will. Als auch auf Aurélies Anwesen "Les Balaines" Unbekannte im Garten herumstreifen, wird die frühpensionierte Kommissarin Delphine misstrauisch. Nun macht Aurélies Bitte, nach ihrem Ableben auf dem Anwesen nach dem Rechten zu sehen, Sinn. Zusammen mit dem Teenager Karim, der den zwei Frauen viel zu verdanken hat, kommen Delphine dem Unheil auf die Spur.

    Dieses Debut von Valerie Jakob gefällt mir sehr gut. Gekonnt mixt sie verschiedene Thematiken und schreibt daraus einen spannenden Ermittlungskrimi.

    Zum einen geht es um Freundschaften. Verschiedene Varianten davon sind im Buch zu finden.
    Freundschaft Nr. 1: die schlagfertige, toughe Delphine und die elegante, ältere Aurélie - wie die zwei Frauen sich genau kennen gelernt haben wird erst gegen Ende des Buches erzählt.
    Freundschaft Nr. 2: Delphine und Karim - er wird von ihr bei einem Einbruch überrascht und selbst für ihre Verhältnisse überraschend bietet sie ihm anstatt einer Anzeige einen vierwöchigen Hilfsdienst bei ihr an. In diesem Monat entsteht eine feine Freundschaft zwischen ihnen.
    Freundschaft Nr. 3: Karim und Aurélie - weil auch Aurélie in die Hilfsdienst-Aufträge eingebunden wird, fühlt sich Karim mit der Zeit auch mit ihr stark verbunden.
    Freundschaft Nr. 4: Aurélie und Richard - der ruhige, introvertierte Richard Lebrun, der seine eigenen Räume auf Les Balaines hat und die fast adlig daherkommende Aurélie scheinen so gar nicht zusammen zu passen. Lange scheint Richard dem Leser aus unbekannten Gründen geduldet und geachtet zu sein, aber das fast geschwisterhafte Verhältnis zwischen Aurélie und Richard ist viel tiefgründiger und tragischer, als auf den ersten Seiten noch angenommen.

    Weitere Freund- und Bekanntschaften - St. Julien ist nicht so gross, man kennt sich - ergeben sich durch Delphines Schulfreundin Cécile. Deren Neffe ist Kommissar Lucien Benazet, der schon bald mit seinem Vorbild Delphine zusammenarbeitet. Irène, eine weitere Freundin von Cécile, ist die Cousine von Bernard, den Delphine bei einem Tanzabend kennenlernt. Sie alle tragen ihren Teil zur Lösung des Falles bei.

    In "Hôtel Atlantique" geht es aber auch um ein weniger freundliches Thema, ein Stück Zeitgeschichte, über das kaum je geschrieben wurde: Frauen, die sich während dem Krieg in Gegner verliebten, wurden nach Kriegsende aufs Schlimmste beschimpft und ausgestossen. Solch eine tragische Geschichte hat die Autorin bedacht auf die Buchseiten gebracht und sorgfältig umgesetzt.

    So ist dieser Krimi auch für Nichtkrimifans interessant. Er lebt ausserdem von humorvollen, ironischen und sarkastischen Wortwechseln. Besonders Delphine, Karim und Bernard müssen diesbezüglich erwähnt werden. Es machte richtig Spass, ihre Dialoge zu verfolgen.

    Die Beschreibung der Charaktere und ihre Handlungen fand ich gelungen, wie beispielsweise die feinsinnige Schilderung von Richard beim Parfumkauf.

    Auch die Landschaft und die Eigenheiten der Region und ihrer Bevölkerung hat die Autorin anschaulich beschrieben und viele französische Redewendungen eingeflochten.
    Ich kann mir aber vorstellen, dass einige Leser ein Verständnisproblem damit haben. Für uns Schweizer ist das kein Problem; und zur Beruhigung kann ich sagen, dass die Redewendungen sowie die baskischen Zitate immer übersetzt werden. Aber für sprachlich nicht interessierte Leser könnte der Lesefluss durch die fremdsprachlichen Einschübe beeinträchtigt werden.

    Mich hat vielmehr gestört, dass alles Französische klein geschrieben wurde. "Quartier" zum Beispiel. Es las sich jedesmal wie ein Rechtschreibfehler, bis ich merkte, dass es System hat. Doch das Wort "Quartier" ist kein französisches Wort (Latein lässt grüssen), also hätte man es, ebenso wie all die französischen Wörter, normal schreiben können. Die Kleinschreibung lenkt ab und ist unnötig.

    Aber bis auf die Sache mit der Kleinschreibung ist "Hôtel Atlantique" ein gelungener und anschaulich erzählter Kriminalroman. Ein Buch mit Protagonisten, an die man auch nach Abschluss der Lektüre öfters denkt und wissen möchte, wie es ihnen wohl gerade geht.

    Fazit: Ein tragisches Kapitel der Kriegsgeschichte in einem Kriminalroman aufgearbeitet. Empfehlenswerte und spannende Lektüre mit interessanten Protagonisten.
    4.5 Punkte.

    hasi_rasi

    Beiträge 44
    30.09.2018

      Frankreichs ungewollte Kinder

      Delphine Gueron war bis zu ihrer Pensionierung bei der Pariser Polizei. Jetzt lebt sie wieder in ihrem Heimatort, in der Nähe von Biarritz. Als sie eines Tages den 15jährigen Karim beim Einbruch in ihren Schuppen überrascht, handelt sie Wiedergutmachung aus – als „Strafarbeit“ soll er ihr im Garten und Haushalt helfen. Karim hat es so schon schwer genug. Sein Vater, ein Algerier, hat sich vor Jahren abgesetzt. Wegen ihm wird Karim ständig von seinen Mitschülern drangsaliert.
      Durch Delphine lernt er auch die betagte Aurélie de Montvignon kennen. Delphine und Aurélie kennen sich schon ewig. Sie treffen sich jeden Dienstag im Hôtel Atlantique zum Tee.
      Die beiden Frauen wollen Karim neben der Gartenarbeit auch eine ordentliche Bildung angedeihen lassen. Sie führen ihn in Museen, lassen ihn Weltliteratur lesen, werden Freunde.
      Eines Diensttags erscheint Aurélie allerdings nicht pünktlich zum Tee. Sie ist vom Balkon gestürzt. Ein Unfall – vielleicht ein Schwächeanfall – meint die Polizei. Doch Delphine sieht es anders, denn ihre Freundin hat sie kurz zuvor gebeten, im Falle ihres Ablebens regelmäßig nach ihrem Anwesen zu sehen und sie war nicht krank ...
      Auch Richard Lebrun, eine Art jüngerer Zieh-Bruder von Aurélie, scheint nicht an einen natürlichen Tod zu glauben. Aber er ist ein sehr introvertierter Mensch und will sich nicht gegen die Einschätzung der Polizei wehren. Außerdem scheint er etwas zu wissen, was er unbedingt verheimlichen möchte – warum?!

      „Hôtel Atlantique“ hat mich sehr erschüttert. Was als beschaulicher Roman über die Freundschaft zweier älterer Damen mit viel französischem Flair beginnt, wird zu einem Krimi vor dem Hintergrund der deutsch-französischen Vergangenheit.
      Neben den Ermittlungen zu Aurélies Tod geht es um die Schicksale der Kinder, die französische Frauen im 2. WK von Nazis bekamen bzw. in der heutigen Zeit von algerischen Einwanderern. Obwohl so viele Jahre zwischen diesen Schicksalen liegen, verbindet sie das „Ausgestoßensein“, die Verachtung der Nachbarn, Mitschüler oder Einheimischen. Valerie Jakob setzt sich damit auseinander, wie die Kinder diese Erfahrungen (später) verarbeiten. Kommen sie überhaupt je darüber hinweg? Letztendlich können sie als Produkte der Liebe ja am wenigsten für ihre Situation. „Es ist echt eine Tragödie. Auf allen Seiten nur Opfer.“ (S. 473)

      Delphine ist eine sehr taffe Frau. Sie und Aurélie verband eine lebenslange Freundschaft, deshalb kann sie sich mit dem angeblichen Unfall nicht abfinden. Ihre gute Menschenkenntnis bringt sie dazu, Karim nach seinem Einbruchsversuch nicht anzuzeigen, sonst landet er nur endgültig auf der schiefen Bahn. Sie setzt es sich zur Aufgabe, wenigstens diesen einen Jugendlichen vor seinem scheinbar vorgezeichneten Leben als Kleinkriminellem zu retten.
      Karim lebt schon lange hier, aber er ist immer noch der Fremde. Er wird von seinen Mitschülern regelmäßig verhöhnt und verprügelt . Wenn er seine Ruhe haben will, flüchtet er sich an seinen geheimen Platz, eine Höhle in der Steilküste „Es war, wie auf einem anderen Planeten zu sein, weit weg von allen Problemen und Blödmännern ...“ (S. 89)

      Das Buch ist trotz der sich eher gemächlich entwickelnden Krimihandlung sehr spannend. Bei der Aufklärung des Mordes kommen viele weitere dramatische Geheimnisse und Verdächtige ans Licht.
      In tollen Bildern beschreibt die Autorin die örtlichen Gegebenheiten und setzt dabei auch die Personen anschaulich in Szene.

      Ein bewegendes Buch mit echtem Gänsehautfaktor! Wer kriminell-dramatische Geschichten mag, wird von „Hôtel Atlantique“ begeistert sein.

      bud

      Beiträge 29
      eine Antwort 29.07.2018

        Delphine, la commissaire, ist pensioniert und kehrt zurück in ihr früheres Elternhaus in das kleine Dorf St. Julien de la mer. Dort vertreibt sie sich nun ihre Zeit mit Gärtnern, besucht ab und zu Freunde und trifft sich regelmäßig mit ihrer guten Freundin Aurélie zum Tee.
        Die Idylle wird gestört, als Aurélie plötzlich nicht zum Tee erscheint. Delphine macht sich auf dem Weg zu ihrem Hotelzimmer, dass ihre Freundin vorrübergehend bewohnt und plötzlich ist auf der Terrasse, einen Stock tiefer, ein Aufprall zu hören. Aurélie ist von ihrem Balkon gestürzt und ist tot. Zufall? Daran glaubt die ehemalige commissaire nicht. Auch wenn es kein Fremdeinwirken zu geben schien. Gemeinsam mit Karim, ihrem 15jährigen Bekannten und Flaubert, einem Bewohner aus dem Dorf nimmt Delphine wieder die „Ermittlungen“ auf.

        Der Krimi beginnt recht „gemütlich“. Dem Leser werden zuerst einmal alle Beteiligten vorgestellt, Verbindungen zwischen ihnen sowie die Landschaft drum herum ausführlich dargestellt bzw. anschaulich beschrieben. Ich konnte mich gut in die Szenerie „einleben“. In St. Julien herrscht eben eine ganz eigene Stimmung, die mir gut gefiel. Kaum hat man es sich allerdings so richtig schön gemütlich gemacht, wird man jäh wieder herausgerissen.
        Aber auch kurz nach dem Vorfall, dauert es ein bisschen, bis der Verlauf der Geschichte so richtig Fahrt aufnimmt. Doch dann gibt es kein Halten mehr. Ab diesem Zeitpunkt, habe ich das Buch nicht mehr weggelegt. Aufhören konnte ich erst, als das Buch zu Ende war.

        • Sonjas Bücherecke

          Beiträge: 66
          06.09.2018

          Informative Rezension. Man bekommt einfach Lust auf das Buch.

        OneRedRose

        Beiträge 13
        08.07.2018

          Valerie Jakob lässt den Roman in der Gegenwart spielen. Ihre Liebe zur Sprache und zur Gegend dem französischen Sud-Ouest läst die Umgebung von Biarritz zum lebendigen Setting der Geschichte werden.

          Delphine Gueron ehemals bei der Pariser Polizei tätig, kehrt in ihre Heimatstadt St. Julien de la mer zurück. Jeden Dienstag trifft sie sich mit ihrer Freundin Aurelie de Montvignon. Diese ist eine wohlhabende Witwe. Es ist fast ein Ritual der beiden Freundinnen. Zum Tee werden selbstgemachte viel zu süsse Petit Fours im Hôtel Atlantique gereicht.

          Bei diesen Gesprächen erinnert sich Aurelie de Montvignon in Rückblenden an der Zeit der Deutschen Okupation und den Ausgang des Krieges. Richard, ein Freund von Aurelie, war als Kind eines Nazis nach dem Krieg in ihrer Familie aufgewachsen. Immer wieder wurde er als Sohn eines Deutschen dafür gepiesackt und drangsaliert. Sehr plastisch und eindringlich lässt die Autorin Aurelie erzählen wie im Ort mit den Kollaborateuren nach 1945 umgegangen wurde. Detailliert beschreibt sie Misshandlungen und Lynchjustiz. Die Schilderungen von Aurelie über die Vergangenheit des Ortes gehen richtig unter die Haut.

          Eines Tages kommt Aurelie de Montvignon nicht zur wöchentlichen Verabredung. Sie ist tot. Abgestürzt von einem Balkon. Delphine Gueron glaubt nicht an einen Selbstmord und geht der Sache nach. Sie begibt sich auf die Spur und kann sich die misteriösen Zufälle nicht zusammenreimen. Denn auch Richard Lebrun, der enge Freund aus Kindheitstagen wird tod zusammengeschlagen in seinem Haus aufgefunden.

          Ein weiterer Erzählstrang ist die Begegnung mit Karim. Einem fünfzehnjährigen Jugendlichen mit Migrationshintergrund der sich fast am Rande der Straftat befand, wie er Delphine begegnet. Strenge und Empathie der Commissaire Delphine Gueron machen, dass dieser weitere Erzählstrang die Geschichte weiter verdichtet.

          Das eigentliche Anliegen der Autorin scheint jedoch zu sein, uns über die Frauen und Kinder, deren Männer, Liebhaber oder Väter Deutsche waren zu berichten. Nach 1945 war es eine Schmach. Eine Stigmatisierung und für Kinder so etwas wie eine lebenslange Hölle. Ein wohl verpacktes Thema in diesen nicht ganz leichten Sommerkrimi .

          Conny1803

          Beiträge 5
          18.06.2018

            Dies wird mein erster französischer Krimi/ Roman.
            Die Leseprobe und auch die Rezesionen machen neugierig auf mehr.
            Ich denke, es wird spannend zu erfahren, wie es mit den Damen und Karim weitergeht und welches 'dunkle Geheimniss' Aurelie umgibt.

            Manu

            Beiträge 30
            11.06.2018

              Ein sehr interessantes Buch. Nach der Leseprobe bin ich sehr gespannt wie es weiter geht. Die Leseprobe ließ sich sehr flüssig lesen, ich habe sofort einen Faden gefunden und es kommt beim Lesen keine Langeweile auf.

              Annika1707

              Beiträge 29
              15.05.2018

                ich habe dieses Buch glücklicherweise gewonnen. ich habe es nach einem Jahr erst angefangen zu lesen, weil mich tatsächlich andere Bücher mehr interessiert haben. Aber als ich dann angefangen habe hat es mich mitgerissen. eine total schöne französische Geschichte , in der man auch viele Orte genauestens beschrieben bekommt. Meiner Meinung nach wird es leider zu oft in die Länge gezogen, sodass ich dann oft ein paar Seiten übersprungen habe. Deswegen ziehe ich zwei Sterne ab. Wer sich allerdings für die französisch-deutsche Geschichte interessiert für den ist das Buch genau richtig. Ein Buch über die Vergangenheit, Trauer aber auch über die Freundschaft. Ein Buch das gut geschrieben und sehr detailliert zusammen gefasst ist. Eine Geschichte mit Spannung und Urlaubsfeeling zugleich.

                Its me

                Beiträge 71
                18.08.2017

                  Hört an als ob es etwas schwierig zu lesen ist - vielleicht bin ich auch nur voreingenommen. Ich tue mich leider bei französischen Romanen immer etwas schwer. Dieses Buch kommt höchstwahrscheinlich nicht in meinen Bücherschrank.

                  Herzblatt

                  Beiträge 38
                  08.08.2017

                    HÔTEL ATLANTIQUE von VALERIE JAKOB ist im Wunderlich Verlag erschienen.
                    Das Cover lädt zum Träumen ein und sticht gleich in´s Auge.
                    In der Nähe von Biarritz trifft Delphine sich einmal in der Woche mit ihrer Freundin Aurelie im Hotel Atlantique zum Tee. Eines Tages taucht Aurelie nicht zur Verabredung auf und Delphine erfährt , dass sie bei einem Unfall ums Leben kam. Ein Unfall, sagt die Polizei. Aber Delphines sechster Sinn sagt etwas anderes, und sie beginnt zu ermitteln. An nervtötende Vorschriften muss sie sich dabei nicht mehr halten. Unterstützung bekommt sie von dem fünfzehnjährigen Karim, der so dumm war, bei der ehemaligen commissaire einzubrechen. Zur Strafe erledigt der Junge bei ihr lästige Haus- und Gartenarbeiten. Mit der Zeit werden die beiden so etwas wie Freunde. Die Nachforschungen schweißen sie weiter zusammen. Und führen sie bis weit in die deutsch-französische Vergangenheit….
                    Klingt nach einer spannenden Geschichte. Da ich bisher nur die Leseprobe gelesen habe werde ich das Buch in den nächsten Tagen bei einer Freundin ausleihen.

                    Dandy

                    Beiträge 60
                    25.06.2017

                      HÔTEL ATLANTIQUE von VALERIE JAKOB ist im Wunderlich Verlag erschienen.
                      Das Cover lädt zum Träumen ein und sticht gleich in´s Auge.

                      In der Nähe von Biarritz trifft Delphine sich einmal in der Woche mit ihrer Freundin Aurelie im Hotel Atlantique zum Tee. Eines Tages taucht Aurelie nicht zur Verabredung auf und Delphine erfährt , dass sie bei einem Unfall ums Leben kam. Damit gibt sich Delphine nicht zufrieden, denn sie vermutet , dass Aurelie getötet wurde.

                      Valerie Jakob beschreibt außerdem in ihrem Roman , wie es den französischen Frauen nach Ende des 2. Weltkrieges ging, die während dem Krieg mit Deutschen liiert waren. Wie sie beschimpft , ausgeschlossen und beleidigt wurden.
                      Die Landschaft wird bis in Detail beschrieben und man träumt sich direkt dort hin, Auch die Charaktere sind super beschrieben und man fühlt mit ihnen.
                      Der Spannungsbogen baut sich langsam auf und das Ende ist sehr plausibel
                      Besonders nachdenklich machte mich, die Behandlung der Kinder, die einen deutschen Vater haben. Da dies der Realität entspricht und sehr traurig ist.
                      Ich empfehle dieses Buch weiter.